Galdur - Kutukan Katina (Band 5)

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
28.04.2020
26.05.2020
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23.05.2020 1.842
 
Akira hatte ein leichtes Lächeln auf den Lippen, denn die beiden waren wirklich niedlich miteinander. Beide waren stets auf das Wohl des Anderen bedacht und versuchten, einen Kompromiss zu finden. Auch wenn sie oft beide Sturköpfe waren, so wollten sie am Ende doch nur eines: Das Beste für den Anderen.

   In manchen Situationen würde es das Zusammenleben zwar schwer machen, aber auch auf eine Ebene bringen, die kaum ein Paar erreichte.

   Sezuna strich sich eine Strähne ihres Haares hinter das Ohr und schenkte Haru ein strahlendes Lächeln. „Dann können wir hier alles in Ruhe erforschen!“

   „Allerdings nur, wenn du brav bist und dich genügend ausgeruht hast!“, warnte er sie liebevoll mit erhobenen Zeigefinger. Dennoch meinte er es ernst. Solange nicht klar war, warum es Sezuna nicht gut ging, würden sie hier garantiert nicht wieder herkommen. Das würde er verhindern.

   Sezunas Lächeln wurde nicht weniger, denn sie wusste, dass er Recht hatte. „Ich verspreche mich vorher genügend auszuruhen.

   „Braves Mädchen.“ Genau das hatte er hören wollen. Natürlich würde er auch darauf aufpassen, dass sie sich auch daran hielt.

   Ein kleiner Windhauch rauschte durch die Schlucht und ein Geräusch von Steinen war zu hören. Aber das war weit von ihnen entfernt und so sah Haru keinen Grund, ein Schutzschild um sie zu legen.

   Sezuna hob den Kopf. „Glaubst du der Drache ist vielleicht irgendwo gelandet?“, fragte sie, da es dieses Geräusch gut erklären würde.

   „Nein, er ist nicht in diese Richtung geflogen“, erwiderte er nachdenklich und sah in den Himmel. Er nahm an, dass es einfach zu den Bergen dazu gehörte. Vielleicht auch durch die Tunnel, durch die der Wind kommen konnte.

   „Er könnte auch abgedreht sein“, schlug Sezuna vor, weil es auch einfach größere Kreise hätte ziehen können.

   Es konnte alles mögliche sein. Haru nahm ihre Hand und drückte sie sanft. Sezuna war nicht mehr so blass wie davor, was sehr gut war. Das Laufen schien ihr sehr gut zu bekommen und auch die kühle, frische Luft.

   „Gehen wir weiter, sonst hängen Akira und Myron uns noch ab“, lachte sie leise. Die beiden liefen extra langsam, damit sie sich nicht zu weit von ihnen entfernten, blieben allerdings auch nicht jedes Mal stehen, wenn Sezuna etwas fand.

   Er nickte bestätigend und sie folgten den Männern. „Auch wenn dir die Berge nicht so behagen, könnte ich mir ein Leben hier vorstellen“, gestand er ihr. Haru nahm sie in den Arm und hob sie für einen Moment hoch, damit sie auf Augenhöhe waren. „Aber das hat noch Zeit, zuerst möchte ich mit dir die Welt erkunden und einen Platz finden, wo wir beide glücklich sein werden.“

   Sezuna nutzte die Position, um ihm einfach einen Kuss auf die Lippen zu drücken. „Ja, das wäre schön.“

   Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er sie wieder abstellte und den Männern wieder folgte. Sie waren noch zu erkennen, aber dort kam eine Biegung, die Haru schon von Weitem sah. Gleich würden sie die beiden für einige Zeit aus den Augen verlieren und das ließ ihn unruhig werden. Deshalb pfiff er leise nach ihnen, aber so, dass sie es hören konnten.

   Akira und Myron blieben stehen und drehte sich um. Sie schienen ebenfalls zu bemerken, dass sie sich gleich nicht mehr sehen konnten und wartete auf die beiden.

   Nach kurzer Zeit war die Gruppe wieder zusammen und sie bogen ab. Dabei war zu erkennen, dass die Schlucht scharf nach rechts bog und wie ein Bogen um den Berg ging.

   „Seltsame Biegung“, bemerkte Sezuna, die nicht ganz so erpicht war, wieder an Bergen entlang zu laufen, wenn die Wege nur so schmal waren.

   „Das ist leider der einzige Weg, sie durch die Schlucht zu umrunden. Ansonsten bleibt das Tunnelsystem. Würden hier Wege in den Bergen gebaut werden, wären sie nicht wirklich benutzbar, denn die Berge hier sind nicht sehr stabil. Das heißt nicht, dass ständig Steine herunterfallen, aber Wege würden nicht halten“, erklärte Myron ihr.

   „Außerdem wäre es wohl eine viel zu anstrengende Arbeit. Sie erst einmal bauen und dann warten“, meinte Sezuna nachdenklich, die trotzdem nicht so ganz erfreut darüber war, von dem einfachen Weg zu einem schwierigeren zu wechseln.

   „Genau darum geht es. Man hat bereits versucht, eine zu bauen, aber es ist ständig wieder aus dem Stein gebrochen. So, als ob der Stein sich weigert, einen Weg zu haben. Die Leute haben deswegen gesagt, die Zwerge hätten den Berg verzaubert. Aber niemand kann das beweisen“, fuhr er mit seiner Erklärung fort. Dennoch konnte er sie ein wenig beruhigen, denn es würde nur um diesen Berg so herum gehen. Der darauffolgende Weg würde wieder zwischen den Bergen sein.

   „Das ist alles sehr faszinierend“, stellte Sezuna mit einem Lächeln fest, hielt sich aber nah bei Haru und atmete bereits ein wenig schwerer.

   „Ich bin mir sicher, dass es in der Stadtbibliothek ein Buch über diesen Berg und seine Legenden gibt“, meinte Akira nachdenklich. So wie er Sezuna einschätzte, würde sie sich wahrscheinlich sofort auf die Bibliothek stürzen, sobald Haru sein Einverständnis gab.

   „Das hoffe ich doch sehr“, strahlte die Rothaarige und musste sich dann an Haru festhalten, weil sie für einen Moment nicht auf ihre Füße achtete und fast gefallen wäre.

   „Willst du, dass ich dich trage, Sezuna?“, fragte der Magier sie. Es war nicht gut, wenn sie müde war, aber laufen wollte. Sie konnte sich schließlich leicht dabei verletzen.

   Sezuna wirkte für einen Moment nachdenklich, bevor sie nickte. Es war vielleicht wirklich besser, bevor sie sich noch verletzte.

   Haru nahm sie auf den Rücken und sie konnten deshalb nun wieder schneller laufen, wobei sie gut vorankamen. Es gab keine Zwischenfälle bei der Umrundung des Berges, sodass sie bald wieder zwischen den Bergen hindurch laufen konnten. Auch diese Schlucht war von den Tunneleingängen gezeichnet und Haru fragte sich, wie weit sie wohl reichen mochten.

   Sie liefen eine ganz schöne Strecke und schließlich wurde es zunehmend dunkler.

   „Wir sollten uns einen Schlafplatz vorbereiten“, bemerkte Myron. „Ich würde eine der Höhlen vorschlagen. Dort haben wir es sicher.“

   „Das ist eine gute Idee. Es wird hoffentlich die letzte Nacht hier draußen sein“, meinte Akira und sie sahen sich nach einer geeigneten Höhle um.

   Sie fanden eine, die nicht allzu groß war, dafür aber guten Schutz vor dem Wind, der manchmal durch die Schlucht fegte, gab. Haru machte ihnen ein Feuer und setzte sich genau an den Eingang, damit er den schmalen Pfad beobachten konnte. Schon jetzt war es in der kleinen Höhle angenehm warm. Sezuna und die Männer aßen zu Abend, wobei Myron ihnen ein wenig mehr über die Zwergenlegende erzählte.

   Sezuna lehnte sich ein wenig an die Steinwand und hörte Myron zu, während sie an ihrem Tee nippte und ab und an Fragen zu der Zwergenlegende stellte.

   Eins musste man Myron lassen, er war nicht nur ein guter Führer, sondern auch ein guter Erzähler. Normalerweise hörte Haru nicht wirklich zu, aber er erzählte durchaus interessant. „Ich sehe, Kalnai hat viel mehr Legenden als Fenua. Wie es wohl auf den anderen Kontinenten ist?“, fragte er nachdenklich. Dabei sprach er mehr zu sich selbst, als zu den anderen.

   „Ich glaube es liegt einfach nur daran, dass wir von Fenua nicht so viele Legenden kennen“, bemerkte Sezuna, da sie bisher auch in Fenua einige Legenden gehört hatte.

   „Das schon, aber die sind nichts im Gegensatz zu diesen hier. Denk an den Drachen. Wer weiß, ob hier nicht doch noch Zwerge tief in den Tunneln leben“, lächelte er und warf ihr einen liebevollen Blick zu. Ihre Beziehung hatte sich im Laufe der Zeit sehr geändert.

   „Ja, das ist durchaus möglich. Aber wusstest du, dass es in Fenua Legenden um Elfen und Feen gibt?“, fragte sie, weil sie davon schon so viel gelesen hatte.

   „Du meinst die, die genauso rumhopsen wie du getanzt hast?“, zog er sie auf. Gehört hatte er es auf jeden Fall, aber daran geglaubt nicht. Nun allerding würde er gerne wissen, ob sie wahr waren, nachdem es sogar Drachen gab.

   Sezuna lachte leise, als es draußen einen plötzlichen Knall gab, der klang, als würden Steine hinabfallen.

   Sofort sprang Haru erschrocken auf und sah sich draußen um. Es hörte einige Steine, die wirklich von irgendwo her herabfielen. Dennoch waren sie selbst wohl nicht in Gefahr. Trotzdem sah er vorsichtshalber auch den Berg hinauf, ob es dort Anzeichen für einen Steinschlag gab.

   Dann gab es ein Krachen in der Höhle und Akira, sowie Myron schrien erschrocken auf und riefen nach Sezuna.

   Als Haru sich umdrehte, konnte er sehen, wie zwei graue Arme aus der Wand ragten und Sezunas Mund zuhielten, während sie in die Wand gezogen wurde, als wäre diese gar nicht da.

   „Sezuna!“, schrie er erschrocken und hechtete zu ihr hin, bekam aber ihre Finger nicht mehr zu fassen. Hilflos musste er mitansehen, wie Sezuna mit aufgerissenen Augen durch die Steinwand verschwand.

   Erstarrt und den Tränen nahe ging er auf die Knie und schüttelte ungläubig den Kopf. „Nein, nicht schon wieder ...“, murmelte er und Tränen fielen auf den Boden. Gerade eben hatte er sich von dem Schock erholt gehabt, dass sie doch noch am Leben war, als sie einfach von jemanden weggenommen wurde. Doch wer konnte das sein und hatte Interesse an ihr?

   „Verdammt“, schrie auch Akira, der aufsprang und auf die Wand zulief, um daran entlang zu tasten, ob sie vielleicht folgen konnten.

   „Sezuna ...“, sagte Haru leise und stand nach dem ersten Schock auf. Die Panik in seinen Augen war deutlich sichtbar, doch er wusste, dass es nichts brachte. Sie mussten ruhig bleiben und logisch denken, so wie Sezuna es immer tat. Nur war leider ausgerechnet das Gehirn der Gruppe verschwunden.

   „Wir müssen sie finden“, sagte Myron blass.

   Er sagte zu Akira und Myron, dass sie auf keinen Fall ausflippen durften. Denn damit würden sie Sezuna nicht finden können.

   Haru legte seine Hände auf den kalten Stein und versuchte, etwas zu spüren. Das war bestimmt das erste, was Sezuna gemacht hätte.

   „Deine Magie“, bemerkte Akira plötzlich. „Sie ist doch in ihren Steinen. Kannst du sie darüber vielleicht finden?“, fragte er und hoffte, dass es vielleicht so ähnlich funktionierte, wie mit seinem Rucksack.

   „Ich versuche gerade, sie zu spüren. Sie trägt meine Magie nicht nur in den Steinen, sondern auch in sich selbst. Ich spüre sie ganz leicht. Wie ein Windhauch“, erklärte er mit geschlossenen Augen. Haru konzentrierte sich darauf, seine Magie zu spüren. Sie verschwamm mit dem Stein, trotzdem war sie leicht zu erkennen. „Hat einer von euch gesehen, wer sie entführt hat?“, fragte er. Haru hatte bereits eine Idee, wie sie ihr folgen konnten. Ob sie funktionierte, war jedoch noch unklar.