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Reddington

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Dembe Zuma Donald Restler Elizabeth Keen Harold Cooper OC (Own Character) Raymond "Red" Reddington
27.04.2020
13.05.2020
10
57.056
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29.04.2020 7.110
 
Kapitel 2 How we met part I

* 12 Monate zuvor *

„Welche Absicherung habe ich für dein Wort Abdul?" Raymond trug ein einfaches weißes aber Hochwertiges Baumwollhemd und eine ebenso leichte Beige Hose. Es war schrecklich Heiß. Ihm gegenüber saß Abdul Sheerazi. Der Händler des Todes. Seit gut zwei Tagen war er nun hier und ließ sich von Abdul Honig ums Maul schmieren. Abdul wollte neue Kontakte und Raymond war dafür die geeignete Person. Aber natürlich hatte auch Raymond seine Vorzüge in dieser Verbindung gesehen. Abdul war der Weg für neue Mittel um… „Eine Absicherung? Haha", Abdul erhob sich von seinem Platz und schenkte für sich und Raymond noch etwas Wasser nach, ehe er ihm sein Glas reichte. „Was stellst du dir denn vor? Genügen nicht die Vorzüge die wir beide hier teilen?"
„Aber sicherlich mein Freund. Aber mir erscheint das alles doch als etwas wacklig."
„Und was stellst du dir vor?" Abdul setzte sich wieder und musterte Raymond. „Etwa eine Geisel?"
„Eine Geisel? Das wäre zu ermüdend findest du nicht auch? Und es wäre so einfallslos."
Abdul war sich bewusst wie Wichtig Red für sie alle war. Er war der Schlüssel zu neuen Handelspartnern. Partner die sein Vermögen verdoppeln würden. Natürlich hatte Abdul sich überlegt wie er Reddington an sich binden konnte. „Dann lass uns unsere Häuser Vereinen. Der Concierge des Verbrechens und der Händler des Todes. Verbündet durch das Blut." Abdul konnte sehen wie Reddington ihn ansah und dann einen großen Schluck von dem lebenswichtigen Wasser nahm. „Was schlägst du vor mein Freund?"
„Nenn mich Bruder und ich gebe dir meine Schwester als Band das unser Abkommen stärkt."
Raymond holte tief Luft und musterte Abdul lange, ehe er sein Glas leicht anhob. Perfekt. Das war für ihn Perfekt. Abduls Schwester wüsste Namen und andere wichtige Dinge die Raymond brauchte und Abdul ihm nicht so einfach geben konnte. Es war genau das warum er hier war. „Einverstanden."

Die kommende Hochzeit war anders wie es üblich war. Es war eine Islamische Hochzeit und mit verschiedenen Religionen kannte Raymond sich aus. Es war schließlich Teil seines Geschäfts seine Widersacher in und auswendig zu kennen. Es war lediglich die engste Familie anwesend und danach hat es ein köstliches Essen gegeben. Mit seiner ‚Ehefrau' hatte Raymond noch kein wirkliches Wort gewechselt. Erst viel später in der Nacht, nach der Zeremonie und das Essen, saß seine Braut auf dem Bett. Das bestückte Rot goldene Tuch auf ihrem Kopf, war weit vorgezogen. Nun war der Teil an welchem er sie langsam entkleideten sollte. Aber er verspürte keinen drang danach. Das Mädchen war nur etwas jünger als seine Lizzy und sie hatte ihr ganzes Leben vor sich. Im Austausch von Informationen, würde er ihr ein richtiges Leben schenken. Ein selbstbestimmtes Leben. So Still es auch in diesem Zimmer war und für andere gewiss als peinlich bezeichnet werden konnte, war Raymond niemand der damit ein Problem hatte. „Liebes du musst erschöpft sein", sprach er sie schließlich an und setzte sich auf das Bett. „Du sprichst doch gewiss meine Sprache oder Azari?"
„Ja." Aber noch immer rührte sie sich nicht.
„Versteh mich nicht falsch, ich will dich nicht bedrängen." Raymond zog sich seine Schuhe aus und seufzte leicht. „Du solltest dich ausruhen. Morgen wirst du mich mit zurück in die USA begleiten. Ich schlafe auf der Couch." Er erhob sich und öffnete den Verschluss seiner Armbanduhr.
„Er… Er wird einen Beweis wollen." Raymond hielt inne und sah sie wieder an. Ein Beweis? Meinte sie etwa… „Wie Barbarisch. Wo ist das Tuch?"
„Hier…" Raymond beobachtete wie sie aufstand und vom Bett ein kleines Laken nahm. Ihr Schmuck raschelte bei jeder Bewegung und er selbst trat nun zu ihr. „Halt es fest und gib mir deine andere Hand." Raymond würde sich selbst schneiden aber Abdul war kein Idiot. Wieso er überhaupt auf so etwas bestand war grotesk. Anschließend zückte er ein kleines Messer und wollte ihr in die Hand schneiden, aber hielt noch einmal inne. „Moment. Heb deinen Rock." Den Blick den Azari ihm zu warf bracht ihn fast zum Lächeln. Darum kniete er sich runter und schnitt sie am Fußgelenk, ehe er das Blut mit dem Tuch abwischte. Sie hatte nicht einmal gezuckt. „Jetzt da das erledigt ist, ruh dich aus." Raymond stand wieder auf und legte den Laken zum Trocknen auf einen Hocker. Azari beobachtete ihn ganz genau. Auch wie er sich auf die Couch legte und seine Augen schloss. Er hörte ihren zittrigen Atem und ihre flüsternden Worte. „Danke."

* 11 Monate zu vor *

„Wie gefällt es dir hier?" Raymond trank einen pinkfarbenen Chai. Eine Spezialität aus Azaris Heimat.
„Es ist… Unglaublich." Azari lächelte und trank einen Schluck von ihrem Tee. Raymond hatte ihr schnell klargemacht, dass er ihr hier ein neues Leben ermöglichte… Im Austausch hatte er Informationen gewollt. Harmlose Dinge über ihren Bruder und sie hatte diese auch Preisgegeben. Dinge wie, wo sie aufgewachsen waren, welche Schule er besucht hatte. Sie hatte die dumpfe Vermutung das es alleine dabei nicht bleiben würde.
„Du hast dir die Haare geschnitten?"
„Es ist dir aufgefallen?"
„Aber natürlich meine Liebe. Der Stufenschnitt steht dir gut. Und auch deine neuen Kleider sehen wundervoll aus." Sie trug schwarze Overknees, eine Jeans und einen schwarzen Pullover.
„Danke. Ich werde dir das alles zurückzahlen, sobald ich kann."
„Ah aber nein!" Reddington lächelte und wirkte entspannt wie immer. „Mach dir um Geld keine Sorgen. Sobald das Bargeld knapp wird, bringt Dembe dir neues."
„Wie lange wirst du bleiben?" Vor fast einem Monat hatte Reddington sie hierhergebracht. Das war das erste Mal das er Offiziell selbst nach ihr sah. Manchmal rief er sie an um zu fragen ob alles okay war.
„Ich bleibe bis zum Morgen. Du musst sicherlich los zu deiner Physik Vorlesung?"
„Ja sie beginnt bald, aber in drei Stunden bin ich wieder da."
„Na also genug Zeit für mich um uns etwas Leckeres zu Kochen."
Azari musterte Raymond lange und lächelte dann leicht. „Das klingt gut. Ich lasse mich überraschen." Red sah ihr an, dass sie so etwas nicht kannte. Bisher hatte er nur flüchtig gehört, wie sie bei ihrer Familie gelebt hatte und er selbst hatte das eine und andere gesehen. „Wenn ich zurückkomme, wirst du mir dann mehr von dir erzählen? Du bist mein Ehemann und ich weiß nichts von dir. Ich habe… Verpflichtungen dir gegenüber."
„Zu allererst gilt deine erste Verpflichtung nur dir selbst Azari. Dein ganzes Leben steht vor dir. Wir halten diesen Ehevertrag solange am Leben, wie es für dich nötig ist. Du kannst dich selbst frei entscheiden, was du tun und machen möchtest."
„In anderen Worten… Du würdest mir eine Beziehung zu jemand anderen erlauben?"
Raymond behielt sein gekonntes lächeln bei. „Aber natürlich liebes."
„Ich weiß nicht was ich sagen soll, außer Danke." Azari erhob sich, genauso wie Reddington. „Genieß einfach die Zeit in der Universität. Dembe wird dich fahren. Er wartet unten."
„Danke Raymond."

Als sie gegangen war, schritt Raymond durch das Apartment und betrachtete die Dinge, die sich Azari angeschafft hatte. Sie schien Kunst zu mögen. Zu Letzt begab er sich in ihr Schlafzimmer. Das Bett war wundervoll gemacht und es roch hier nach Blumen. Einen großen Strauß sah er auf dem Nachttisch stehen. Diese junge Ding hatte noch ihr ganzes Leben vor sich. An die Freiheit die sie nun hatte, würde sie sich erst gewöhnen müssen."
Später am Abend saß Reddington mit Azari alleine am kleinen Esstisch. Raymond hörte Azari lachen, nachdem er ihr eine urkomische Geschichte aus seiner Kindheit erzählt hatte. Es tat gut mal etwas so Normales zu tun. Es lenkte ihn sehr von dem Stress mit Lizzy ab und all dem schrecklichen das ihn auf Schritt und Tritt verfolgte.
„Das Essen ist köstlich", sagte Azari zufrieden und schenkte sich etwas Wasser nach. „Du kannst gut kochen Raymond."
„Ich liebe es zu kochen", lächelte er und trank einen Schluck Rotwein. Azari wollte keinen Alkohol. Er akzeptierte das soweit und bedrängte sie auch nicht damit.
„Kannst du mir beim nächsten Mal zeigen, wie du kochst? Ich würde diese Art zu kochen gerne lernen."
„Das klingt gut." Raymond merkte auf als sein Handy klingelte, weshalb er es aus der Tasche holte und darauf sah. Lizzy. „Entschuldige mich kurz liebes." Reddington erhob sich und ging auch direkt ans Handy ran. „Lizzy Kleines. Alles okay bei dir?" es war immerhin recht spät. „Wie? Sie ist krank? … Mach dir zuerst einmal keine sorgen. Ich schicke dir jemanden… Ich? Ja… Ich komme auch. Bis gleich." Raymond blickte auf sein Telefon runter, ehe er sich umdrehte und zurück zu Azari schritt. „Entschuldige meine Lizzy braucht mich." Er trank seinen Rotwein aus und schrieb Dembe eine kurze Nachricht. Azari stand bereits und wirkte verwirrt- „Lizzy?"
„Ah- Ja- Das hatte ich dir noch erzählen wollen. Lizzy ist… Eine Kontaktperson vom FBI."
„Eine Kontaktperson die um 22 Uhr in der Nacht anruft?"
Reddington winkte das schnell ab und gab Azari zur Verabschiedung einen Kuss auf die Wange. „Entschuldige das der Abend so endet, aber wir telefonieren. Und dann berichtest du mir von deinem Studium."
„Eh- Warte!" Azari griff nach seinem Arm und ließ ihn dann schnell wieder los, als sie seinen Blick sah. „Ich packe das Essen ein. Vielleicht habt ihr später noch Hunger." Azari begab sich in die Küche und kam nach kurzem mit dem einer Dose wieder zurück. „Danke für den Abend."
Raymond sagte nichts mehr, sondern lächelte wieder nur, ehe er die Dose nahm und den Raum verließ.

* 9 Monate zuvor *

Er hörte sie schreien, als sie die Türe öffnete und ihn im Wohnzimmer sitzen sah. „Wieso so schreckhaft meine Liebe?"
„Ich… Ich habe nicht mit dir gerechnet… Was ist das?" Ihr Blick blieb an den Schachteln hängen die im Wohnzimmer lagen. „Dass meine Liebe ist Kunst die danach Schreit ausgepackt zu werden. Ich war so frei dir ein paar schöne Stücke zu kaufen. Ich dachte mir es würde dir gefallen."
Azari legte ihre Tasche auf der Couch ab und öffnete direkt das erste Päckchen. Darin lag eine Statue aus Marmor. „Oh! Es ist wunderschön." Es waren zwei Figuren, engumschlungen. Sie hob es vorsichtig heraus und sah sich einmal um, ehe sie damit in ihr Schlafzimmer trat und dieses dort neben ihren Blumen abstellte. Als sie sich umdrehte sah sie Reddington in der Türe stehen. „Hier gefällt es mir."
„Mir auch", Red kam näher und legte seine Hand auf ihre Schulter. „Wie geht es dir?"
„Gut. Die Vorlesungen sind spannend und ich habe ein paar Freundschaften schließen können, aber… ich bin Vorsichtig."
„Das ist sehr gut."
„Und… Mein Bruder hat mich Gestern angerufen. Er klang sehr wütend und wollte wissen wo du bist. Ich sagte ihm das du beschäftigt bist."
„Abdul hat sich gemeldet? Interessant. Danke für die Information ich kümmere mich darum. Reddington drehte sich wieder um und schritt zur Küche. „Mach dich frisch", rief er ihr zu. „Und dann kochen wir zusammen."
Er hatte sein Versprechen schließlich nicht vergessen.
„Conchiglioni con spinaci al forno", stellte Reddington das Gericht vor. „Eine Vegetarische Köstlichkeit."
„Zuerst kümmern wir uns um den Spinat." Azari beobachtete was Reddington und ging ihm entsprechend zur Hand. „Ich war mir gar nicht bewusst wie köstlich anderes Essen sein kann."
„Es gibt viele Köstlichkeiten dieser Welt und mit etwas Zeit wirst du sie auch alle kennenlernen."
Er mochte was er da tat. Azari konnte das anhand seiner Handbewegungen sehen. Es war wie eine ganz persönliche Kunst und es gefiel ihr ihn zu beobachten.
„Hier musst du darauf achten wie viel Salz du benutzt." Azari nickte abwesend und lächelte leicht. „Das riecht wundervoll."
„Gleich ist es fertig." Raymond blickte von seinem Kunstwerk weg und ertappte Azari dabei wie sie ihn beobachtete. „Möchtest du einmal probieren? Hier. Komm her." Er nahm den Kochlöffel von der Soße und reichte ihr diesen. Pustend hielt er ihr diesen hin und Azari kam etwas näher, damit sie davon probieren konnte. Auch sie pustete einmal und nippte an dem Löffel. Sofort wurden ihre Augen groß. „Das schmeckt gut!"
Es war Eigenartig. Dieses ganze Spiel gefiel ihm. Es war etwas so Normales, etwas das er kaum noch kannte. Azari machte ihm das alles auch einfach. Sie verstellte sich nicht und war sie selbst. Zurückhaltend und Ruhig. Normalität. Unter anderen Umständen… Nein. Soweit durfte er nicht denken. Schließlich nippte er auch von dem Kochlöffel und nickte zustimmend. „Perfekt."
Eine halbe Stunde später saßen sie wieder am Tisch und aßen von der Conchiglioni. Dieses Mal erzählte Azari von ihrer Hausarbeit und Reddington bot ihr sofort entsprechende Kontakte an, die ihr bei der Ausarbeitung helfen konnten. Zum Schluss herrschte stille. Eine angenehme Stille. Azari musterte Raymond genauer und legte ihre Gabel bei Seite. „Eine Frage habe ich noch. Wer ist Lizzy?"
Raymond musste sofort lachen und blickte auf sein Weinglas. „Frauen vergessen wohl nie Dinge oder?"
„Ist sie deine Partnerin? Deine Geliebte?" ihre Frage war nicht überraschend. Raymond lächelte nur und schüttelte seinen Kopf. „Sie ist Familie."
„Familie?"
„Meine Tochter", murmelte er und blickte Azari wieder an. „Ihre Tochter war krank. Deshalb bin ich zu ihr gegangen."
„Du hast eine Tochter?" überrascht starrte sie ihn an. Sie hatte ja mit vielem gerechnet aber nicht damit. Irgendwo war sie aber auch erleichtert darüber… Sie hatte seither ein beklemmendes Gefühl in ihrem Magen gespürt. Ein Knoten der sich nun wieder löste. „Ja, es ist etwas kompliziert. Aber sie ist für mich wie eine Tochter und sie sieht mich als Vater. Wir haben eine sehr lange Geschichte zusammen. Sie ist nur ein paar Jahre älter als du."
Azari hörte ihm aufmerksam zu. Jedes Wort verschlang sie wie ein gutes Buch. „Du beschützt sie", sagte Azari leise aber mitfühlend. „Sie bedeutet dir alles. Ich sehe es in deinem Blick und höre es am Ton deiner Stimme."
Raymond sah auf seinen Teller runter und blickte Azari schließlich wieder an. „Wie wäre es, wenn wir die restlichen Bilder und Figuren aufstellen?" Raymond erhob sich und reichte ihr seine Hand. Azari lächelte und griff nach seiner warmen Hand. Als sie stand und er diese noch immer festhielt, zog sie diese nicht zurück. Stattdessen ließ sie sich von ihm zu den nächsten Kartons führen. „Woher hast du das alles?"
„Ich habe Kontakte. Wenn dir etwas nicht gefällt lasse ich es austauschen. Ah hier." Erst als er ein spezielles Paket auspacken wollte, bemerkte er, dass er ihre Hand noch hielt. Sanft löste er sich von dieser und öffnete das Paket. „Ich habe festgestellt das du Blumen magst. Die hier ist für dein Schlafzimmer." Eine Imari Porzellanvase. Eine sehr Kostvolle Vase. Die Blau und Roten Malereien waren wundervoll. Azari wagte es kaum sie anzufassen. „Das ist… Wunderschön. Sieh nur die Bilder darin. Als würden sie eine Geschichte erzählen."
„Sie stammt aus dem Jahr 1870". Erzählte Raymond. „Sie hat mir sofort gefallen."
„Hast du alles selbst ausgesucht?"
„Selbstverständlich." Raymond stellte die Vase vorsichtig ab damit sie beide diese für einige Minuten schweigend bestaunen konnten. „Es gibt eine Kunstausstellung", erzählte Azari plötzlich und blickte weiter auf die Vase. „In der neuen Kunstgalerie. Die Eröffnung ist im nächsten Monat. Ich habe leider keine Einladung mehr für den Eröffnungstag bekommen, aber am Tag danach den , könnte man dort hin." Sie bemerkte wie er sich etwas anspannte, auch wenn es nur für eine Sekunde war. Deshalb nahm sie ihren Mut zusammen und blickte ihn direkt an. „Ich würde gerne mit dir dahingehen. Ich war noch nie in einer neuen Kunstausstellung und es werden gewiss viele Menschen da sein, weshalb man dich nicht so leicht entdecken könnte. Das Thema der Ausstellung ist Mythologie und ich finde das sehr spannend."
„Eine Ausstellung… Ja ich habe davon gehört." Sie lud ihn dazu ein? Raymond bemerkte das sie unsicher wurde. Bisher hatte sie noch nie so etwas vorgeschlagen. Und gewiss hatte sie inzwischen Freunde, die mit ihr hingehen konnten. Aber sie wollte mit ihm hin? Das erschien ihm als unwirklich. Wieso sollte sie das wollen?
Azari sah den seltsamen Blick an ihm und wusste ihn erst nicht genau zu deuten. Sonst sprach er auch immer und hatte zu wirklich allem eine Anekdote aber jetzt starrte er sie einfach nur an. Als sie den Mund öffnen wollte, sah sie ihn noch einmal an und kurz fragte sie sich, ob er nicht etwa so blass wirkte, weil er kein Interesse daran hatte, sondern weil bisher niemand… So etwas ehrlich gemeint hatte? Es würde sie nicht wundern. Raymond Reddington war ein Verbrecher. Ein Mörder. So wie ihr Bruder es war. Und der Rest ihrer Familie. War das verrückt? Oder bildete sie sich gerade zu viel dazu ein? „Ich verstehe, wenn das nicht machbar ist. Ich dachte mir nur, das du Kunst genauso schätzt wie ich und deshalb… Aber ich kann auch andere Fragen die mitkommen."
„Ich denke, ich gehe besser." Raymond konnte ihr keine genaue Antwort geben. Nicht jetzt. Deshalb schluckte er und beugte sich runter damit er ihr wie immer beim Abschied auf die Wange küssen konnte, ehe er zur Garderobe lief und seine Mütze und Jacke nahm. Anschließend ging er einfach. Azari schluckte einmal und setzte sich daraufhin auf die nächstgelegene Couch.

Eine Zurückweisung zu erleben, war nie einfach. Und vor allem für sie, war es so etwas wie das erste Mal. Natürlich war sie schon mal Verliebt gewesen und hatte Männer angeschmachtet, die an sich eine absolute Katastrophe wäre. Aber so war das nun mal als Teenager. Ihr Bruder hatte immer dafür gesorgt, dass sich ihr ja niemals jemand nähern würde. Er behandelte sie, als wäre sie eine Gefangene in einem Goldenen Palast. Sie hatte immer gehorchen müssen. Sich immer dem Mann unterordnen müssen. Allein die Erinnerung daran ließ ihr wütend aufstoßen. Sie hasste es! Sie hatte dieses Leben gehasst! Anfang 20 hatte sie noch gedacht, er würde sie an den Höchstbietenden verkaufen. Die Schwester des Händlers des Todes. Die perfekte Ware und der Ideale Schlüssel um mehr Macht im Osten zu erlangen. Aber dann wurde sie 25. 26. 27. 28… Er hatte niemanden akzeptiert. Die meisten sogar umgebracht. Ihr Bruder war ein Eiskalter Mörder. Er lebte dieses Leben schon solange, dass es daraus kein zurückgab. Sie hatte sich schon sehr früh an dieses Leben gewöhnt. Sie wusste wie sensibel ein Leben war und wie schnell dieses beendet werden konnte. Naiv war sie nicht, aber vielleicht etwas Hoffnungsvoll. Sie hatte Hauslehrer gehabt. Gute Professoren. Aber ihr Brüder empfand es als Falsch das eine Frau Physik oder Chemie studierte. Sie hatte Kämpfen müssen, damit er ihr die Möglichkeit gab etwas zu lernen. Ein halbes Jahr bevor der Concierge des Verbrechens aufgetaucht war, hatte Abdul ihr das auch weggenommen. Ihr Leben erschien ihr als so Eintönig. Und dann kam Reddington. Azari hatte erwartet, dass er skrupellos wie ihr Bruder war. Das er mit seinem höheren Alter regelrecht über sie herfallen würde. Und sie hätte es ihn machen lassen, weil es ihr Mann war. Aber als er ihr gleich mitgeteilt hatte, dass sie mit in die USA fliegen würde und damit außerreichweite ihres verkommenen Bruders… Da hatte sie es nicht glauben können. Und Raymond war weiterhin ein Gentleman geblieben. Ihr wurde bewusst, dass seine Ruhe und durchdachte Art, nur zeigte wie abgestumpft und Brutal er wirklich war. Raymond war Schlimmer als jeder der Verbrecher den sie dank ihres Bruders hatte kennenlernen können. Er war sogar schlimmer als Abdul. Sie machte sich da keine Illusionen. Aber er hielt seine blutverschmierten Hände über ihren Kopf. Und sie hatte schnell bemerkt, dass er bei ihr ein Stückweit Normalität suchte. Er genoss die Geschichten die sie ihm über das entdecken dieses Landes erzählte und er wollte jedes Detail aus ihrem Studium wissen. Manchmal telefonierten sie Stundenlang darüber. Sie, die selbst unter Verbrechern und Monstern aufgewachsen war, gab nun einem anderen Monster die Möglichkeit eine Form von Normalität zu finden. Und das nur, weil man ihr hier eine größere Freiheit gewehrte, als in ihrem Heimatdorf in Kaschmir.
Azari hatte Red zur dieser Veranstaltung einladen wollen um ihm mehr von dieser Freiheit kosten zu lassen. Er schien so angespannt. Er brauchte das. Sie hatte in ihrem Leben eines gelernt. Sie hatte nichts anderes zu tun gehabt als Menschen zu studieren. Ihre Verhaltensweisen. Und Reddington war einer von denen der sehr vieles Verbarg und es mit seinen Anekdoten einfach überspielte. Sie hatte ihn aus der Reserve locken wollen, sie hatte mit so etwas gerechnet. Aber es tat dennoch weh. Und das machte ihr am meisten sorgen. Es durfte ihr nicht wehtun. Raymond war und durfte niemand für sie sein. Und trotzdem… Er kam sehr selten. Sie sprachen oft am Telefon. Sie mochte seine Stimme und seine übertriebenen Geschichten. Und er lauschte dafür ihren Geschichten. Irgendwo hatten sie eine Verbindung. Eine die ihnen half aus ihrem Alltag zu entfliehen.
Azari betrachtete die wundervolle Imari Vase und musste lächeln. Er war gegangen, weil sie ihn Eiskalt erwischt hatte. Azari erhob sich langsam, damit sie die nächsten Pakete nehmen und in eine Ecke stellen konnte.

Zwei Wochen später schritt Azari von ihrer Universität zur Bahnhaltestelle. Sie hatte Raymond versucht anzurufen. Mehr als einmal. Sie hatte es aufgegeben. Natürlich gäbe es noch Dembe. Aber sie hatte mit ihm bisher sehr wenig zu tun gehabt. Er schien zwar Anständig und dazu ein guter Freund von Raymond zu sein, aber ihr fehlte das Vertrauen zu ihm. Normalerweise wurde sie von der Uni abgeholt. Gerade am Anfang hatte sie diesbezüglich auch nicht widersprochen. Die Stadt und das Leben hier waren ihr Fremd gewesen. Jetzt ging es zwar, aber es war trotzdem alles so anders als dass was sie kannte. Die Offenheit. Das freie selbstbestimmte Leben. Alles war Neu.
Heute war ihr Fahrer nicht gekommen. Sie wusste nicht warum. Sie hatte gewartet und Raymond versucht anzurufen. Bereits nachdem dritten Klingeln hatte er sie weggedrückt und ihr nicht mal die Chance gelassen ihm auf die Mailbox zu sprechen. Er ging ihr geflieslich aus dem Weg. Ewig würde er das nicht machen können und heute bereitete ihr das sogar Probleme. Vielleicht hatte er die Fahrten einstellen lassen? Der Gedanke war ihr nach einer halben Stunde gekommen, nachdem sie auf ihren Fahrer gewartet hatte. Vielleicht wollte er, dass sie die Bahn nahm oder den Bus. Dass sie Unabhängiger wurde? War dies sein Weg um sich von ihr abzukapseln? Es tat weh. Es sollte nicht weh tun aber es tat weh. Sie war auf sich selbstgestellt. Vielleicht war es sicherer, dass sie sich einen Job suchte? Und dass sie eine eigene Wohnung suchen würde? Was wenn das die nächsten Dinge wären, die ihr abgenommen werden würden. War sie schon bereit dazu? Nein. Sie wusste es tief im inneren, dass sie noch nicht bereit dazu war neue Wege zu gehen. Nicht alleine. Ihr gefielen die Stunden die sie mit Raymond hatte. Sie mochte die Telefonate. Er lebte ein Leben, dass sie bereits kannte. Wenngleich er wesentlich gefährlicher als Abdul war. Deshalb bedrängte sie ihn auch nicht, öfters zu ihr zu kommen. Die Telefonate und die Monatlichen treffen reichten. Mehr konnte sie nicht wollen. Er war so Intelligent. Unberechenbar. Er beschütze diejenigen die ihm nahe standen. Und doch war ihr Fahrer nicht mehr aufgetaucht. Wollte er sie langsam abstoßen? Hatte sie ihren Zweck für ihn erfüllt? Es tat ihr schlimmer weh, als sie es erwartet hatte. Sie hatte angefangen ihn zu mögen.
Der Weg zur Bahn war gut drei Blocks entfernt. Es war spät, fast 21 Uhr. Die Sonne war bereits am Untergehen und irgendwo beunruhigte sie das hier sehr. Sie war noch nie mit der Bahn gefahren. Sie wusste aber welche Nummer sie nehmen musste. Alles war beim ersten Mal schwierig und sie wagte es kaum jemanden zu sagen, dass sie verunsichert war. Es war genauso schlimm wie als sie Rolltreppen das erste Mal genutzt hatte. Raymond hatte viel Geduld gehabt und ihr gezeigt das es davor nichts zu fürchten gab. Natürlich kannte sie diese Rolltreppen aus Filmen, aber das erste Mal davor zu stehen war anders… Genauso war es mit diesem verzwickten Bahnsystem in dieser Stadt. Mit dem Bus hatte sie es erst gar nicht versuchen wollen. Sie hätte ein Taxi nehmen können, aber das waren Kosten die sie nicht unnötig verschwenden wollte. Immerhin war es nicht ihr Geld.
Sie erreichte den Bahnhof. Azari blickte die Treppen runter die zur Untergrundbahn führten und schluckte. Das würde sie auch noch schaffen. Sie hielt ihre Handtasche fester an sich und folgte der Beschilderung bis zur entsprechenden Bahn. Nachdem sie ihr Ticket gekauft hatte und die Bahn eingefahren war, setzte sie sich hinein und holte tief Luft. Ihre Haltestelle wäre der achte Stopp. Langsam steckte sie sich ihre Kopfhörer in die Ohren und zückte ihr Handy hervor. Red hatte sich nicht gemeldet. Als sie ihn abermals versuchte anzurufen, war sein Handy direkt aus. Deshalb nahm sie sich den Mut zusammen und schrieb ihm eine SMS. Sie würde sich nicht dafür entschuldigen, das sie ihn hatte einladen wollen und auch nicht, das sie ihn versucht hatte anzurufen.
Hallo Ray. Ich weiß das du beschäftigt bist, aber bleibt es dabei, dass mich kein Fahrer mehr abholt oder zur Uni bringt? Ich nehme dann ab jetzt die Bahn. Pass auf dich auf. Azari

Fast eine Stunde später setzte Raymond sich vollkommen außer Atem in sein Auto. Dembe stieg hastig kurz darauf ein und gab Vollgas. „Das war Knapp gewesen", lachte Raymond leise und zuckte dann in sich zusammen als ihm ein Schmerz in die Rippen fuhr. Sein Widersacher hatte sich kein bisschen zurückgehalten! Aber das war ihm auch sowas von egal. „Ich habe den Arzt bereits kontaktiert. Deine Platzwunde am Mund sollte man sich ansehen. Und deine Rippen auch." Dembe sah in seinen Rückspiegel und musterte seinen Freund. Das war wieder so knapp gewesen. Wäre das FBI nur eine Sekunde zu spät aufgetaucht… „Wo ist mein Telefon?" hustete Raymond und lehnte sich etwas vor. „Bei mir. Du solltest jetzt nicht Telefonieren."
„Ich rufe nur geschwind Lizzy an", murmelte Red und streckte seine Hand vor. Dembe seufzte und reichte ihm sein Telefon nach hinten durch. Raymond öffnete das Telefon und schaltete es ein. Er blinzelte einmal und zweimal um all die verpassten Anrufe besser sehen zu können. Dann kurz darauf kamen ein paar Nachrichten rein. Eine davon sprang ihm gleich ins Auge. Er öffnete Azaris Nachricht und fühlte seinen Puls leicht schneller werden. „Dembe hat Azari dich angerufen?"
„Nein Raymond. Sie meldet sich nie bei mir", erzählte er und sah wieder in den Rückspiegel. Raymond sah aus dem Fenster und hielt sein Handy ans Ohr. Mit dem anderen Finger Tippte er auf sein Bein. Er wirkte fast schon Nervös. Als die gewünschte Person nicht abnahm, wählte er eine andere Nummer. Als sich auch da keiner meldete sah Raymond runter auf das Telefon. „Dembe Planänderung. Fahr mich zu unserem kleinen Problem."
„Stimmt etwas nicht mit ihr? Seitdem du das letzte Mal dort gewesen bist, verhältst du dich seltsam Raymond." Dembe bekam sehr wohl mit wenn Raymond mit Azari telefonierte und selbst das hatte er in den letzten zwei Wochen nicht getan. „Fahr mich einfach dorthin Dembe!" er würde ihm auf keinen Fall sagen, was ihn beschäftigte. Sein Ton war auch etwas härter als gewöhnlich. Raymond fluchte innerlich und suchte in seiner Jacke nach einem Taschentuch damit er sich das Blut von der Lippe wischen konnte.
Die Fahrt zum Apartment erschien ihm fast unendlich lang. War etwas geschehen? Wurde sie überfallen? Er hatte niemanden auf sie angesetzt der sie bewachen sollte. Es gab lediglich einen Fahrer, dem Raymond aber vertraute. Weder er ging ans Telefon noch die Kleine. Es musste etwas passiert sein. Er hatte sichergehen wollen, das nur sehr wenige Leute über Azari Bescheid wussten. Als sie es erreichten stieg Raymond als erster aus und begutachtete sein blutiges Taschentuch. Zumindest hatte es etwas geholfen. Er spürte kein Blut mehr aus der Wunde treten, aber anderseits war seine Lippe auch Taub und fühlte sich geschwollen an. Das war aber zu verkraften, er hatte schon ganz andere Dinge einstecken müssen.
Als sie in diesem Aufzug waren, sah Raymond wie furchtbar er aussah. Sein Anzug war Teils zerrissen und Blutverschmiert. Zumindest war das nicht nur sein Blut. Sein Hemd war… Ein sprichwörtliches Schlachtfeld. Seufzend drängte er sich aus dem Aufzug als sie das Stockwerk erreicht hatten und lief auf die Zimmertüre zu. Er musste seine Taschendurchsuchen und fand schließlich den passenden Schlüssel. Mit der einen Hand öffnete er leise die Türe, während er mit der anderen Hand nach seine Waffe griff. Dembe machte es ihm gleich. Raymond erwartete vieles. Eine gefesselte Azari. Ein Geiselnehmer. Irgendjemand war dahinter gekommen das er Azari hier versteckte. Vielleicht sogar einer von Abduls Leuten? Es könnte jeder sein. Das Wohnzimmer war leer. Er fand keine Kampfspuren. „Ich übernehme den Balkon", flüsterte Raymond Dembe zu und schritt bereits zu diesem. Das Fenster stand offen. Dembe verflüchtigte sich zu den übrigen Zimmern.
Red blieb alarmiert. Wieso war die Balkontüre offen? Ganz langsam nährte er sich dieser und lugte am Vorhang vorbei. Seufzend senkte er seine Waffe und steckte diese wieder ein. Als er Dembe hörte, drehte Raymond sich um. „Sie ist alleine. Ich komme gleich." Dembe beobachtete wie Raymond auf die Terrasse ging und seufzte selbst etwas. Zumindest schien hier alles okay zu sein.
„Azari…" Raymond sprach Azari mit genug Entfernung an. Sie zuckte nicht einmal zusammen. „Ist alles in Ordnung? Ich habe deine Nachricht bekommen."
„Ist es nicht eine schöne Nacht?" Fragte Azari ohne sich umzudrehen. „Der Mond er strahlt so Hell am Himmel. Es ist schade das er kaum Beachtung findet. Es ist als würden die Lichter dieser Stadt ihn verschmähen."
Reddington holte tief Luft und sah selbst auch kurz zum Mond hoch, ehe er sie wieder ansah. Sie trug ein langes graues Kleid aus Seide. Es war eines der Stücke die er für sie ausgesucht hatte. „Dein Fahrer hätte dich abholen müssen. Alleine mit der Bahn zu fahren ist Gefährlich. Vor allem für jemanden wie dich. Diese Welt ist dir noch Fremd", betonte er ernst und kam noch ein Stückweit näher. „Und trotzdem habe ich es alleine hier her geschafft", sagte Azari. „Ich bin erst in der Falschen Bahn gewesen… Naja es war die Richtige Bahn nur die Falsche Richtung, aber ich habe es schnell bemerkt. Es hat richtig gutgetan." Seufzte sie erleichtert und lehnte sich an das Geländer.
„Lass uns doch reingehen und dort sprechen. Dembe ist auch da."
„Ich habe dich die letzten zwei Wochen bestimmt 20 Mal angerufen. Jetzt hast du einmal bei mir angerufen und bist gleichgekommen, weil ich nicht reagiert habe?"
„Du hast gewusst das ich dich anrufe und bist nicht rangegangen?" hakte Raymond sofort nach.
„Das frägst du?" fragte Azari zurück und schüttelte ihren Kopf. „Mein Akku macht seit einigen Tagen Probleme. Als ich rangehen wollte ist es abgestürzt. Es hängt am Ladegerät. Warum… Warum erkläre ich es dir überhaupt?" fragte sie und drehte ihren Kopf in seine Richtung. Sofort hielt sie inne und musterte ihn von Kopf bis Fuß, ehe sie schon Automatisch in seine Richtung lief und ihre Augen größer wurden. „Ray! Was ist mit dir passiert? Bist du schwer verletzt?" ihre Hände legten sich Automatisch auf seine Schultern und wanderten rauf zu seinem Gesicht damit sie die offensichtlichen Verletzungen besser ansehen konnte. „Das muss versorgt werden!"
Reddington erstarrte im ersten Moment als Azari so plötzlich vor ihm stand und ihre Hände mit seinem Blut beschmutzte. „Es ist halb so wild."
„Komm mit rein, ich sehe es mir genauer an!" forderte sie ihn auf und schob ihn sanft wieder zur Türe. Kaum das sie drinnen waren drängte sie ihn zur Couch und sah zu Dembe. „Würdest du mir bitte aus dem Bad den Verbandskasten holen? Und etwas Wasser aus der Küche?"
Dembe sah von ihr zu Raymond und nickte leicht, ehe er sich darum kümmerte. „Und dir geht es wirklich gut?"
Raymond setzte sich mit einen stöhnen auf die Couch und schloss kurz seine Augen. „Es ist nicht so schlimm wie es aussieht."
„Aber das ganze Blut!"
„Es ist nicht nur meines." Als Azari das hörte fuhr ihr ein Schauer über den Rücken. Sie hielt Inne und setzte sich erst als Dembe zurückkam. „Wir müssen das erst desinfizieren…"
„Wenn ich einen Scotch bekomme könnte das schon helfen", warf er ein und brachte sie damit zum Lächeln.
„Wie gut das ich welchen in der Küche habe." Sie sah zu Dembe hoch der aber bereits auf dem Weg dorthin war.
„Du hast Scotch da?" fragte Raymond verwirrt nach. „Ich dachte du trinkst nicht?"
„Du hast ihn beim vorletzten Mal mitgebracht als Geschenk. Aber dann ist dir ‚Eingefallen' das ich ja nicht trinke."
„Oh. Siehst du das ist mir schon ganz entfallen. Vielleicht habe ich ja doch einen zu heftigen Stoß gegen den Kopf bekommen?"
„Dann sehe ich mir den ganz genau an", lächelte sie und beobachtete wie Dembe mit einem Glas Scotch wiederkam. Raymond nahm den Dring dankend entgegen und gönnte sich einen kräftigen Schluck.
„Wir haben gedacht dir ist etwas zugestoßen“, hörte Azari Dembe sagen während sie das Verbandszeug auspackte und nach den richtigen Dingen griff, die sie benötigte. „Mein Handy spinnt“, sagte sie ihm und schaute zu dem großen Mann hoch. „Bereits seit ein paar Tagen. Ich habe es Raymond sagen wollen aber ich konnte ihn nicht erreichen.“
„Verstehe.“ Dembe besah sich seinen Freund eine ganze Weile und als dieser ihn ebenso ansah, schaute Dembe wieder zu Azari. „Wenn du in Zukunft Probleme hast, kannst du mich auch anrufen. Red? Ich schaue nach was aus dem Fahrer für Azari geworden ist. Soll ich dich später abholen?“
„Wir kümmern uns morgen darum“, sagte Raymond zu ihm und schwieg kurz. „Du kannst erst einmal gehen. Danke Dembe.“
„Nichts zu Danken. Azari? Erhol dich gut.“
„Danke Dembe.“ Azari stand sofort auf und lief mit ihm bis zur Türe. „Danke, dass du auf Ray aufpasst.“
„Einer muss es ja machen“, lächelte er schwach und nickte ihr zu. „Sei nicht zu streng zu ihm.“
„Das werde ich sehen“, scherzte sie leise und öffnete die Türe. Als Dembe gegangen war holte Azari tief Luft und ging zurück zu Raymond, der nun an seinem Glas nippte. „Brennt es?“
„Ja, aber alles was brennt ist gut. So ist die Wunde desinfiziert.“
„Das stimmt.“ Azari setzte sich dicht zu ihm und griff nach seinem Glas, ehe sie das bei Seite stellte und nun seine Wunde reinigte. Sie schwieg dabei und er tat es genauso. Azari war nicht mal überrascht, weil er nicht zusammenzuckte. Die Wunde an der Lippe sah nicht gut aus, aber zumindest blutete es nicht mehr. Und jetzt wo sie sauber war wirkte es auch nicht mehr so schlimm.
Raymond ließ Azari in alle Ruhe machen. Sie schien zu wissen was sie da tat und erst nach wenigen Minuten war ihm bewusstgeworden wie nah sie ihm gekommen war. Sie selbst schien es gar nicht zu bemerken, weil sie so konzentriert arbeitete. Aber er fühlte ihren warmen Atem und er fühlte ihren warmen Körper neben sich. „Zieh dein Hemd aus“. Als er das hörte blinzelte er einmal. „Ich denke das geht mir etwas zu schnell.“
Azari lächelte leicht und schüttelte ihren Kopf. „Du hattest schmerzen als du dich hingesetzt hast.“
„Nur geprellte Rippen“ winkte er ab und schloss kurz seine Augen, ehe er sie wieder ansah. Noch immer saß sie dicht bei ihm. Ein Bein hatte sie auf der Couch angewinkelt und mit dem anderen knie berührte sie sein Bein. Sie saß Seitlich zu ihm und musterte ihn entsprechend skeptisch. „Der andere hat es nicht überlebt“, sagte Raymond sofort und musste lachen, dabei schmerzten aber seine Rippen weshalb er sich leicht an die Brust fasste und den Kopf schüttelte.
„Hätte mich auch sehr gewundert, wenn es anders wäre. Es ist spät. Du solltest dich Waschen und hinlegen.“
Dagegen sagte Raymond nichts. Er erhob sich Mühsam und torkelte zum Bad. Azari sah ihm nach und zögerte für einen Moment, ehe sie ihm langsam folgte und vor der Bad Türe stehen blieb. Sie hörte ihn schwer seufzen. Er musste schmerzen haben. „Ray?“ fragte sie und klopfte einmal an. „Soll ich dir helfen?“ erst hörte sie nichts mehr, dann aber vernahm sie wie er die Türe öffnete und sie ansah. „Ich schaffe das schon. Eine heiße Dusche und ich bin wieder fit.“
„Dafür musst du aber erst aus deinem Hemd kommen. Warte.“ Sie drängte sich an ihm vorbei und stellte sich vor ihm hin. Raymond seufzte innerlich und ließ sie gewähren. „Deine schönen Sachen sind hinüber.“
„Das sieht wohl ganz danach aus.“
Hier im Bad hatte Azari auch wesentlich mehr Licht. Langsam zog sie ihm seine Wese aus und knöpfte dann das Hemd auf. Sie hielt den Atem an, als sie die blauen Flecken sah und schaute dann zu ihm hoch. Aber sie sagte nichts. Stattdessen zog sie ihm das Hemd langsam runter und entdeckte so noch starke Schürfwunden. „Nach deiner Dusche, Verbinde ich dir das, okay?“
„Ein Nein würdest du wohl nicht Akzeptieren oder? Das erinnert mich an eine Nacht aus meiner Jugend, als ich beim Techtelmechtel mit einer älteren Frau, ausgerutscht bin und mir die Schulter weh getan habe.“
Azari musste lächeln als sie ihn das sagen hörte aber ihr lächelnd Schwand als sie auf seine Hose blickte. „Ich denke von ihr kannst du es alleine weitermachen.“
„Dabei habe ich mir das Bein auch verletzt“, warf Raymond lachend ein und hielt sich dann wieder seine Brust. Er räusperte sich und nickte leicht. „Ich komme zurecht.“
„ich lege dir frische Sachen auf das Bett.“ Azari sah ihn noch einmal an, ehe sie das Bad verließ und in ihr Schlafzimmer ging. Dort gab es ein Schrank mit Raymonds Sachen. Es waren nicht viele. Es sahen eher wie Notfall Kleider aus. Aber sie suchte fast schon vergebens nach seinen Pyjamas. Als sie am Ende etwas gefunden hatte, legte sie es auf das Bett und beschloss ihn hier heute Nacht schlafen zu lassen. Sie selbst würde vorerst die Couch saubermachen und warten bis er mit der Dusche Fertig war. Und viel Zeit nahm er sich nicht damit. Bereits nach knapp Zehnminuten hörte sie die Türe aufgehen. „Weist du“, hörte sie ihn sagen. „Ich denke ich brauche noch etwas Scotch.“ Azari wartete im Wohnzimmer und glaubte er würde nun ins Schlafzimmer gehen, aber da hatte sich falsch gedacht. Plötzlich lehnte er an der Wand, nur mit einem Handtuch um seine Hüften und einen Glas Scotch in der Hand. Dieses Mal war das Glas komplett voll. „Und ich sollte mich für mein Verhalten dir gegenüber entschuldigen.“
„Schon okay“, murmelte sie trocken und versuchte ihm ins Gesicht zu blicken. „Ich hole die Salbe dann können wir den Rest abbinden“, schlug sie vor und griff bereits nach dem Verbandsmaterial und der Salbe, ehe sie hochsah. Er war wieder weg. Vermutlich war er nun im Schlafzimmer. Langsam schritt sie dort hin und beobachtete er wie er an seinem Scotch nippte „Du sagtest dein Bein wäre verletzt?“
„Oh ja! Stimmt genau hier.“ Azari sah auf seinen Oberschenkel der einen tiefen blutigen Striemen zeigte. „Das muss genäht werden!“
„Ein Verband genügt erst einmal. Morgenfrüh wird Dembe mich schon zusammenflicken lassen.“  Azari kam näher und legte alles was sie hatte auf dem Bett ab. „Ich kümmere mich zu Erst um dein Bein. Setz dich am besten.“

Als sie fast eine Stunde später fertig war und Raymond sich angezogen und ins Bett gelegt hatte, schloss sie selbst die schweren Vorhänge und schaute noch einen Moment aus dem Fenster. „Das hätte für dich böse enden können.“
„So ist das eben“, murmelte Red und musterte sie. „Komm setz dich zu mir ans Bett. Wir sollten die Zeit nutzen und Reden.“
Azari drehte sich zu ihm um und musste lächeln. „Nun eine gute Gelegenheit wäre es. Immerhin kannst du dieses Mal nicht so leicht abhauen. Es sei denn du würdest Dembe bitten dich abzuholen und rauszutragen.“
„Das wäre eine Option durchaus.“ Raymond saß halb im Bett. Die Kissen stützten seinen Rücken und so bot er ihr nochmal an sich zu ihm zu setzten. „Ray du musst schlafen“, sagte sie leise und setzte sich zu ihm. „Wir können ja wieder telefonieren.“
„Nein. Wir müssen reden.“ Als sie bei ihm saß musterte er sie und griff sich nach kurzer Überlegung ihre Hand. „Wenn du das nächste Mal in eine Lage wie Heute kommst, dann nimm dir ein Taxi. Oder ruf Dembe an. Es ist für jemanden wie du zu Gefährlich. Ich habe viele Feinde und ich habe die Befürchtung das sie dich eines Tages finden werden. Es gibt Orte die Okay sind. Wenn du Einkaufen gehst, oder eine Runde Spazierst. Aber weiter weg und vor allem Strecken bis zur Uni, wirst du nicht alleine unternehmen. Dir hätte alles Mögliche passieren können.“ Er drückte ihre Hand ganz leicht und als er spürte wie sie zurückdrückte, wusste er nicht was er darüber denken oder… Fühlen sollte. „Ich verstehe das.“
„Gut. Und morgen wirst du auch ein neues Telefon bekommen. Und ein neues Kleid. Dieses hier habe ich wohl ruiniert.“ Er löste seine Hand und griff nach dem Stoff des langen Kleides. „Dieses Kleid steht dir sehr gut.“
„Ich brauche kein neues Kleid. Es ist schon okay.“
Raymond musterte sie von der Seite und als sie ihn endlich ansah griff er wieder nach ihrer Hand. „Raymond ich habe nachgedacht“, sagte sie endlich. „Ich wollte dich nicht überfordern. Oder bedrängen. Das tut mir leid.“
„Du musst dich nicht entschuldigen. Ich war nur sehr überrascht. Du musst verstehen das ich nie… Absichten in Bezug auf dich gehabt habe. Du bist Jünger als meine Tochter und wurdest an mich verkauft. Ich halte von so etwas absolut gar nichts. Kinderarbeit. Zwangsehen. Kinderehen. Das sind schreckliche Dinge und Verbrechen die sogar ich abstoßend finde.“ Er spürte wie Azari ihre Hand wieder zurückzog und sie in ihren Schoß legte. „Ray ich möchte wirklich gerne mit dir zu der Ausstellung gehen.“
„Dann werde ich etwas arrangieren“, sagte er und beobachtete wie sie aufstand. „Du musst Schlafen Mr. Reddington.“ Der angesprochene presste seine Lippen zusammen und beobachtete wie sie zur Türe schritt und das Zimmer verließ. Raymond holte tief Luft. Das Mädchen gefiel ihm. Sonst wäre er jetzt nicht hier. Den Morgigen Tag würde er sich auch noch mit ihr gönnen. Damit er herausfinden konnte, wie viel ihm wirklich bedeutete.
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