Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Mein  Leiden als Autorin und warum ich alle meine OCs verstümmele

OneshotAllgemein / P16
27.04.2020
27.04.2020
1
3.679
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
27.04.2020 3.679
 
Vorwort



Als ich auf die Idee kam, das hier zu schreiben, war ich gerade auf FF.de unterwegs. Um genauer zu sein habe ich die Kategorie „Mein OC und ich“ besucht und dachte mir, hey das könnte lustig werden. Da ich unter Kreativitätsüberschwung leide(ja, sowas gibt`s, ist sehr anstrengend, weil nicht nur man selbst, sondern auch alle anderen unter der eigenen übersprudelnden Kreativität leiden) – nichts für ungut, sollte jemand am Gegenteil leiden – musste ich das hier einfach aufschreiben und schauen, was daraus wird…

Ok kurze Info, das hier ist aus meiner eigenen Sicht geschrieben, also aus der Sicht eines sechzehnjährigen Mädchens, das Taekwondo-verrückt ist und augenscheinlich ein Problem damit hat ihre leichte Neigung zur Gewalt in den Griff zu kriegen. Ich meine wer schaut als sechzehnjähriges Mädchen, ohne mit der Wimper zu zucken, eine Serie, in der ein Mensch brutal gefoltert wird. Naja, ich sage immer Game of Thrones schauen prägt, ebenso wie Vikings, aber gut darum geht es hier nicht.

Denn eigentlich schreibe ich das, um meinen OCs einen gebührenden Auftritt zu geben.

Damit ich das nicht später machen muss, stelle ich hier meine vier OCs einfach mal kurz und knapp vor:


Yun:

Yun kommt aus dem Fandom von Game of Thrones. Sie ist meine erste OC und musste viel erleiden, unter anderem meinem damals noch katastrophalen Schreibstil und die entsprechenden Fehler.
Sie ist die Zwillingsschwester von Jon Schnee, dem Bastard von Ned Stark. Yun ist sehr aufbrausend, trägt am liebsten Schwarz und mit sechzehn die jüngste meiner Charaktere und entsprechend unerfahren, was den Umgang mit ihren Mitmenschen angeht. Das Auffälligste an ihr, ist das schwarze Tuch um ihre Haare, mit dem sie ihre Haare versteckt, denn diese sind silbern, als haben die typische Targaryenfarbe.


Ithila:

Sie ist mit ungefähr 4000 Jahren die mit Abstand älteste in dieser kleinen Truppe. Sie ist eine Elbin aus Mittelerde, kommt also aus dem Herr der Ringe Fandom. Als meine zweite OC hatte sie es mit Abstand besser als Yun, musste aber sehr lange unter meinen Rechtschreib- und Grammatikfehlern leiden, bis ich eine Betaleserin gefunden habe.
Ithila ist die Tochter des Hexenkönig von Angmars und einer Elbin. Sie ist weniger aufbrausend, dafür mehr gequälter, denn sie stand für fast dreitausend Jahre auf der Seite des Bösen. Heute bereut sie ihre Taten. Ithila hat auch silberne Haare, muss sie aber nicht verstecken. Viel lieber verbirgt sie ihre Narben unter der Kleidung.


Xing Tai:

Die einzige OC, die in unserer Welt lebt, allerdings in einer Welt voller Superhelden. Macht es bei euch „Tsching“? Nein? Wer es erraten darf sich einmal loben, ja Xing Tai - auch Xing genannt – kommt aus der Welt von Marvel.
Die sehr stille und eher ängstliche Frau ist 24 und lebte ursprünglich in Peking. Dank ihrer Mutter hat sie bereits früh Englisch gelernt, aber es bis zum jetzigen Zeitpunkt kaum eingesetzt. Sie liebt es traditionelle chinesische Gewändern zu tragen, man nennt diese Hanfu. Sie hat diese zu fast jedem Zeitpunkt an.


Sirina:

Mein neuster Charakter ist diese ist 23 und kommt aus dem Norden von Mittelerde. Dort lebt sie mit ihrem Stamm, der einem überall sonst vergessenem Volk angehört, in relativer Abgeschiedenheit.
Sirina ist jemand, der sich ohne zu Zögern der Gemeinschaft aufopfern würde. Sie trägt Pelze und Leder und hat schwarze Haare und blaue Augen mit einem Stich ins Lila. Das Auffälligste an ihr ist die Narbe quer über ihrem linkem Auge, die ihr von einem Eisbären zugefügt wurde.


Ok, nachdem ich meine Charaktere vorgestellt habe, fehlt nur noch eine Person, nämlich ich selbst.

Also, darf ich vorstellen: Ich bin Marlyn (Name vom Herausgeber verändert), ein, wie bereits gesagt, sechzehnjähriges Mädchen, das in Berlin (Stadt ebenfalls vom Herausgeber verändert, so wie auch alle anderen Orts- und Namensangaben) wohnt. Marlyn ist begeistert von Taekwondo, Büchern, Zeichnen und gewalttätigen Serien. Sie bewohnt ein Zimmer mit ihren Geckos, Bücher und ihrem Laptop. Auffällig an ihr sind ihre kurzen Haare, die nicht sehr viel länger sind, als die von einem Jungen. Ihre große Sprachleidenschaft ist Chinesisch, welches sie in der Schule lernt. Sie mag kein Physik und keine Auberginen. Marlyn hat ein Problem mit Menschenmassen und Kritik an ihr selbst. Sie ist meistens ein sehr freundlicher, höflicher und hilfsbereiter Mensch, lässt sich aber leicht provozieren.

Gut, alle Personen sind vorgestellt.

Ich habe glaube ich nichts mehr zu sagen, daher würde ich jetzt sagen „Film ab“ und viel Spaß.

Eine erschreckende Begegnung in meinem Zimmer


Es war ein Donnerstagnachmittag mitten im November. Draußen regnete es und ich war so schnell es ging mit dem Fahrrad von der Schule nach Hause gefahren, während der Tag bereits der Dämmerung wich. Ich fragte mich, warum man uns arme Schüler bis um viertel nach vier in der Schule sitzen ließ. Seufzend starrte ich missmutig auf meinen Schulrucksack, in dem sich noch mein Chinesisch- und mein Physikzeug befand. Beides würde ich heute noch lernen müssen, bevor ich zum Training fuhr. Aber zumindest Chinesisch ließ sich auch auf dem Weg dahin machen.

Statt zu lernen fläzte ich mich auf mein Bett und begann Instagram zu checken. Monsta X würde bald eine neue Single rausbringen, das musste ich im Kalender vermerken. Ein paar langweilige Fotos meiner Freundinnen, die ich trotzdem likte. Sie buken gerade die ersten Plätzchen. Ich schrieb auf meine geistige To-Do-Liste, dass ich die Plätzchenrezepte suchen und einen Backplan machen musste. Ein Foto eines Tattoos ließ mich aufmerken. Es zeigte ein paar sehr schön geratene chinesische Schriftzeichen, die so etwas wie Familie forever bedeuteten. Ich likte es und machte einen Screenshot, um es meiner Sammlung hinzuzufügen.
Meine Mama hantierte in der Küche herum und meine Schwester hörte im Zimmer neben mir laut Billie Eilish. Ich hämmerte gegen die Wand, woraufhin die Musik leiser gedreht wurde und setzte mich an meinen Schreibtisch. Mein Blick wurde wie magisch von meinem Laptop angezogen, der aufgeklappt und mit schwarzem Bildschirm dastand und zu rufen schien: „Mach mich an! Mach mich an!“ Nur zu gerne folgte ich seinem Wunsch und begann meine Mails zu checken.

Meine Beta war mit dem aktuellen Kapitel fertig und ich hatte mal wieder so eine komische Spammail bekommen, in der eine Frau aus welchen Gründen auch immer, Sex von mir wollte. Ich löschte sie umgehend und antwortete kurz meiner Beta, dass ich die E-Mail erhalten hatte und das Kapitel spätestens morgen fertig korrigieren würde.

Dann ging ich auf FF.de und checkte meine Statistik. Ja ich gehöre zu den Stalkern unter uns, was ich unter diesen Umständen gerne zugebe. Als sah ich mir die Profile meiner neusten Fans an und grinste befriedigt, als ich meine Geschichte in den Favoriten fand.

Schließlich machte ich den Laptop, nach einem Blick auf die Uhr aus und lernte noch eine halbe  Stunde gleichförmige Kreisbewegungen, ohne etwas davon zu verstehen.

Genauso dumm wie davor schnappte ich mir mein Taekwondozeug und meine Chinesischkarteikarten und machte ich auf zur U-Bahn, um zum Trainingsraum zu gelangen.

Zwei Stunden später kam ich verschwitzt, aber glücklich wieder nach Hause. Ich aß schnell etwas und duschte, bevor ich mich ins Bett legte und mich wieder meinem Laptop widmete. Das neue Kapitel musste in ein paar Tagen fertig sein, damit ich es wieder pünktlich hochladen konnte und es bestand bedauerlicherweise aus nicht einmal 500 Wörtern, weil ich in den letzten Tagen meine Zeit damit verbracht hatte unnötig Physik zu lernen. Ich schwor mir das Fach für die Oberstufe abzuwählen und begann zu schreiben.

Gerade tippte ich eine der Schüsselstellen. „Küss mich!“, überlegte ich laut. „Ist das gut? Ja, vielleicht ein bisschen Klischeemäßig, aber doch, es ist gut.“ „Küss mich? Im Ernst?!“, fragte eine mir unbekannte Stimme und ich blickte erschrocken auf. „Findest du das nicht etwas profan?“, redete die Gestalt, die da im Dämmerlicht meines Zimmers stand weiter. „Äh“, machte ich und kam sehr dumm vor. Ich machte das Deckenlicht an, um die Person genauer ansehen zu können und stockte. Ich rieb mir die Augen, weil ich die Frau zuerst für eine Halluzination hielt. Doch auch danach stand sie noch da und blickte mich aus blauen Augen fast schon ein wenig wütend an. „Naja, was soll man auch erwarten, wenn die Autorin von einem so viele Grammatikfehler und Rechtschreibfehler macht“, gab sie zu Bedenken und schüttelte den Kopf. Dabei viel mir das Tuch um ihre Haare auf und mir klappte die Kinnlade herunter. Das konnte doch nicht sein!
Aber andererseits sprachen die stämmige Silhouette und die komplett schwarze Kleidung dafür. Über ihren Rücken hing ein von mir konzipierter Bogen, perfekt bis ins kleinste Detail und jede noch so kleine Verzierung. „Yun?“, fragte ich dümmlich, ohne auf eine Antwort zu hoffen. Ihr Gesicht erhellte sich für eine Sekunde. „Wow, sie hat es kapiert! Wie lange hast du jetzt gebraucht, um deinen eigenen Charakter zu erkennen?“, bohrte sie sarkastisch nach. Ich überging es und wollte zu einem wichtigeren Punkt übergehen, als sie mich unterbrach. „Aber jetzt zu einem anderen Punkt. Verschandelst du jetzt noch eine Geschichte? Findest du nicht auch „Küss mich!“ nicht nur ein bisschen abgenutzt?“, erkundigte sie sich scharf. „So schlimm ist doch deine Geschichte gar nicht!“, verteidigte ich mein Werk vor ihr, „Und überhaupt, du kennst doch die Situation gar nicht! Der Charakter stirbt gerade und das ist ihr letzter Wunsch an den, den sie liebt! Und überhaupt was geht dich das an? Solltest du nicht auf Jon aufpassen?“ Sie schnaubte und behauptete: „Eine ganze Menge! Es muss ja nicht jeder jungfräulich sterben, so wie ich! Überhaupt dieser blöde Schwur und warum muss ich überall Tattoos und Narben haben? Und Jon ist doch kein Baby mehr, er kann gut zwei Stunden auf sich selbst aufpassen!“

Aha, von da wehte der Wind, sie war unzufrieden mit ihrer Geschichte und ihrem Aussehen. Jetzt war ich an der Reihe zu schnauben. „Wieso bist du den unzufrieden?“, erkundigte ich mich mehr der Höflichkeit halber und nicht aus echtem Interesse. „Entschuldigung? Was hast du bitte gegen Rundungen und Brüste?! Wie du siehst habe ich von beidem fast gar nichts! Den Körper eines Mannes, so hast du mich beschrieben! Ich werde nie in meinem Leben gut in einem Kleid aussehen!“, sie seufzte und dachte wohl an all die Kleider, die sie tragen könnte, wenn sie etwas hübscher wäre. „Du gibst mir das Gesicht einer Targaryen und den Körper einer Wildlingsfrau! Und selbst die sehen besser aus als ich!“, schimpfte sie mich. „Und was ist an deinem Körper so schlimm? Du hast den Traumkörper einer Kriegerin! Von dem mal abgesehen, dass du, wie jede andere Frau übrigens auch, mit deinem Charakter und deinen Fertigkeiten überzeugen sollst und nicht mit deinem Körper!“ Sie lachte bitter. „Glaubst das interessiert irgendwen in Westeros? Da überzeugen wir Frauen nur mit dem Körper!“
Ich seufzte und rieb mir entnervt die Stirn, wobei ich mich im Inneren schalt, dass das nicht gut war für meine Haut.

Plötzlich machte es leise „Plopp“ und ich sah auf. Vor mir standen zwei Frauen, die eine mit silbernen Haaren und blauen und lilanen Hose und Tunika, die andere mit schwarzen, zu dünnen Zöpfen geflochtene, Haare und lederner und pelzbesetzter Kleidung. „Ich nehme an ihr seid Ithila und Sirina?“, stöhnte ich und die beiden nickten eifrig. „Es hat funktioniert!“, rief Ithila erfreut ihrer schwarzhaarigen Begleitung zu. „Natürlich hat es das, warum auch nicht. Dieses Ritual hat mich schon viele Male in andere Welten gebracht“, erklärte diese eifrig, bevor sie sich mir zuwandten und meine unfreiwillige Gesellschaft entdeckten. „Guten Abend“, grüßten die beiden Yun freundlich, „ich bin Ithila…“ „… und ich bin Sirina“ „…zu Euren Diensten!“, sagten die beiden ganz in Zwergenmanier. „Ich bin Yun Schnee, ebenfalls zu Euren Diensten“, erwiderte die Angesprochene etwas perplex.
„Und was wollt ihr?“, fragte ich vorsichtig, denn ich bekam leichte Kopfschmerzen, doch bevor sie etwas sagen konnten, erstrahlte ein Regenbogen in meinem Zimmer. „Ist das normal?“, erkundigten sich meine drei Besucher und ich schüttelte den Kopf, bereits ahnend, wer jetzt kommen würde. „Danke, Thor“, sprach die junge Asiatin, die jetzt mit dem Donnergott persönlich in meinem Zimmer stand. Ich musste mich zusammenreißen, dass mir nicht der Sabber aus dem Mund lief, denn dieser sah noch besser aus, als im Fernsehen. Chris Hemsworth war dagegen nur ein schwacher Abklatsch und das will was heißen, denn auch der Typ sah echt heiß aus. Kurz schweiften meine Gedanken zu Aquaman und wie dieser wohl in echt aussah, wenn bereits Jason Momoa heißer war, als jeder andere Mann, den ich kannte.
Doch eine markerschütternde, tiefe Stimme riss mich aus meinen Überlegungen und in diesem Augenblick war es um mich geschehen, ich war Fangirl von Thor geworden und würde es bis an mein Lebensende sein. „Du weißt was zu tun ist, wenn du diese Rendevouz beenden möchtest?“, versicherte sich bei der Asiatin und diese nickte als Bestätigung. Thor reckte seinen Hammer in die Luft und warf noch einen Blick, der so viel bedeutete wie „Die heiße Frau hätte ich gerne in meinem Bett“, auf Ithila und verschwand dann wieder mit dem erstrahlenden Regenbogen des Bifrösts.

Ich benötigte einen Augenblick um mich von seinem Atemberaubenden Anblick zu erholen, dann übernahm ich das Vorstellen. „Darf ich vorstellen? Xing, das ist Ithila, Sirina und Yun. Yun, Sirina Ithila, das ist Xing Tai“, während dem Reden wies ich auf die einzelnen Frauen. „Und ihr seid alle OCs von diesem Mädchen hier?“, erkundigte sich Xing bei den anderen, die synchron nickten. „Was hat sie eigentlich mit mir gemacht? Ihr seid alle besser als ich, ihr seid Kriegerinnen, seht absolut nicht wie der Standard aus und hat tolle Muskeln und oder Kurven. Und was ist mit mir? Ich habe das alles nicht, ich sehe aus wie jede andere Asiatin auch. Das einzige Interessante an mir ist, dass ich mich in Tiere verwandeln kann!“, jammerte Xing vor sich hin. „Sieh dir doch mal mich an, ich habe Narben im Gesicht“, wandte Sirina dagegen ein. „Oder mich! Ich bin nur am Kopf nicht mit Narben bedeckt, ein Wunder, dass Elladan mich trotzdem schön fand“, schimpfte Ithila, bevor sie sich an mich wandte. „Dein Ernst? Narben die symmetrisch und parallel zueinander sind? Ist das überhaupt medizinisch möglich?“, wollte sie wissen und ich hielt mir die Hände an den Kopf, während sie weiter redeten.

„Da hattest du ja noch Glück, Ithila. Ich habe Narben am Kopf, die willst du nicht sehen. Und das alles nur, weil mein Adoptivvater mich weggeschickt hat, weil ich silberne Haare habe“, setzte Yun die Tirade fort. „Wegen diesem Mädchen habe ich zehn Jahre meines Lebens ohne meine Familie verbracht und in der Zeit auch noch herausgefunden, dass sie gar nicht meine Familie ist und dass meine wirkliche Familie tot ist!“ Yun sah aus als wäre sie den Tränen nahe. „Moment mal“, mischte ich mich ein, „Du willst sagen, du wärst nicht gerne eine Kriegerin geworden?!“ Yun schüttelte den Kopf. „Ich wäre das nur gerne mit meinem Einverständnis geworden und ohne, dass ich dabei gestorben und anschließend in diese abscheuliche Stadt Asshai gekommen wäre.“ „Asshai?“, wollten die anderen von mir wissen und ich deutete auf das große Buch „Welt von Eis und Feuer“, das in meinem Bücherregal stand. „Relativ weit hinten“, gab ich als Suchangabe an.
„Gibt es dann über unsere Welt, dann auch Bücher?“, fragte Sirina neugierig und ich nickte. „Es gibt ein sehr bekanntes Buch, das in Mittelerde spielt“, gab ich zu. „Ach, dann kommen die beiden aus Herr der Ringe?“, fragte Xing mich interessiert und ich nickte gezwungenermaßen. „Zumindest Ithila“, erklärte ich. „Was ist mit mir?“, erkundigte sich Sirina neugierig, doch bevor ich ihr antworten konnte, hatte Ithila das Buch „Die Welt von Eis und Feuer“ an Yun übergeben und aus meinem Regal die neue, schwarze Ausgabe „Herr der Ringe gezogen und wollte es aufschlagen. „Nicht!“, schrie ich und streckte protestierend die Hand danach aus. Sie sah auf. „Warum nicht?“, wollte sie wissen. „Weil… weil…“, stotterte ich herum, doch Xing unterbrach mich. „Also in meiner Welt gibt es das Buch auch und zumindest bei uns kommt keine Elbin vor, die Ithila heißt“, erklärte sie und sah mich forschend an. Ich sackte zusammen und seufzte. „Du existierst nur in meiner Fantasie. Ich habe dich erschaffen, weil ich nicht ganz zufrieden war mit der Geschichte von Tolkien und damit, dass bei ihm Frauen nur schön sein sollen“, steuerte ich bei. Und weil ich ein ganz bestimmtes Pairing für mich wollte, aber das musste ich ja nicht laut sagen.
„Du willst mir jetzt sagen, dass ich nur existiere, weil du eine kranke Fantasie hast?“, schlussfolgerte Ithila und bevor ich etwas sagen konnte, redete Yun dazwischen. Diese Neigung machte mich fast wahnsinnig. „Du meinst wohl eher wegen ihrem komischen Frauenverständnis. Sie versteht nicht, dass Frauen in unseren Welten dafür da sind hübsch daneben zu stehen. Deswegen hat sie uns unnahbar gemacht für Männer. Ich werde für sie nie mehr als eine Freundin sein, und ihr sicher auch nicht!“ Sie begannen laut aufeinander einzureden und über ihre Schicksale zu jammern. Ich verstand vom Ganzen nur Fetzen, doch sie klangen sehr aufgebracht. „…ich hasse diese Narbe in meinem Gesicht…“ „…wären nicht diese ganzen Scheißnarben, würde mich jeder Mann haben wollen!...“ „…ich will doch auch nur ein bisschen Kurven…“ „…musste ich wirklich vergewaltigt werden?!“ Alle stockten bei diesem Satz der Asiatin. „Du wurdest vergewaltigt?“, fragten die anderen Xing und diese nickte mit Tränen in den Augen.
Alle drehten sich zu mir um und sahen mich böse an. Ich rutschte ein Stück zurück und hob abwehrend die Hände. „Was hätte ich denn sonst tun sollen? Sie ihre Kräfte beim Einkaufen entdecken lassen?“ „Ja!“, sagten sie bedrohlich und ich rutschte noch ein Stück zurück an die Wand. „Ich brauchte einen Grund. Und überhaupt, was wollt ihr hier eigentlich alle?“, erkundigte ich mich vorsichtig. „Wir wollen, dass du uns ein nettes Leben gibst, in dem wir nicht immer von der eine gewalttätigen Szene in die nächste schlittern und ständig verletzt werden und überall Narben haben“, erklärten sie synchron. „Und ich hätte gerne eine Familie, die mich liebt und nicht eine, die mich so vergisst, dass man sie nur hassen kann“, ergänzte Ithila beinahe sofort. „Ich wäre gerne die Narbe in meinem Gesicht los“, erklärte Sirina gleich darauf. „Ich hätte gerne eine Figur, mit der ich anderen Frauen die Show stehlen kann“, kam es von Yun. Nur Xing Tai schwieg, also wandte ich mich an sie und zog fragend die Augenbraue hoch, doch sie schüttelte den Kopf. „Meinen Wunsch habe ich schon ausgesprochen“, sagte sie nur.

„Nur damit ich das richtig verstehe, ihr wollt also ein perfektes Leben“, hakte ich nach und sie nickten eifrig. Ich lachte auf, nicht weil das so lustig war, sondern ein völlig unmögliches Unterfangen. „Mädels, so wie ihr hier steht, mit eurem Körper und euren Geschichten, seid ihr einzigartig. Nur so könnt ihr so existieren, wie ihr seid. Ich habe euch aus Gründen so geschaffen. Ithila, du hast eine Aufgabe, die du nur so schaffen kannst, oder nicht. Sirina, du bist da, um dein Volk wieder mit der Welt zu verbinden und ohne die Narbe in deinem Gesicht wärst du heute nicht dafür geschaffen. Sie hat dich zu dem gemacht was du bist, nämlich der besten Kriegerin deines Stammes und damit die Nachfolgerin der Schamanin. Nur du kannst das bewerkstelligen.“ Ich wandte mich zu Yun um. „Yun, du bist hier, weil ich zeigen wollte, dass sich jeder irren kann.“
Schließlich blickte ich die zierliche Xing Tai an und mir fiel auf, das ich keine Ahnung hatte, warum ich sie geschaffen hatte. Ich machte den Mund auf und wieder zu. Machte ihn wieder auf und wieder zögerte ich. Was sollte ich nur zu ihr sagen? Sie hatte es vermutlich am härtesten getroffen. Die anderen konnten sich selbst beherrschen, doch Xing hatte die Kontrolle über ihren Körper verloren. Beziehungsweise unfreiwillig an mich abgegeben. Ich konnte sie nicht unbeachtet lassen. „Xing Tai, du wirst jemanden finden, der dich liebt, bei dem vergessen kannst, die Vergangenheit hinter dir lassen kannst, versprochen. Ihr alle werdet jemanden finden. Ob früher oder später kann ich euch nicht sagen, aber ihr werdet jemanden finden. Und ihr werdet ein glückliches Leben, nur wird es nicht perfekt sein. Ich kann das euch nicht versprechen. Niemand hat ein perfektes Leben. Und niemand will auch von einem perfekten Leben etwas lesen. Die Personen in so einer Geschichte sind unsympathisch. Und ihr seid nicht zuletzt geschaffen worden, weil sich die Leute mit euch identifizieren sollen. Ihr müsst euch akzeptieren wie ihr seid, so wie das auch jeder in meiner Welt machen muss. So wie es in allen Welten gemacht werden muss. Ihr seid dazu da das Böse zu bekämpfen und ich konnte euch nicht anders schaffen. Stell dir mal vor, Ithila, du wärst behütet aufgewachsen und nicht unter all den Schwierigkeiten. Glaubst du, du wüsstest dann heute welche die richtige Seite ist?“
Die Frau schüttelte den Kopf und ich nickte zufrieden. „Ich werde mich bemühen euch einen möglichst angenehmen Weg zu bereiten, aber ich kann euch nichts versprechen. Auch ihr werdet, wie jeder im Leben, Schwierigkeiten haben und Entscheidungen treffen. Ob die gut oder schlecht sind, das hat dann der Leser zu entscheiden, aber nicht wir.“

Die vier starrten mich baff an und niemand schaffte es mehr etwas zu sagen. Schweigend schaute ich die vier an und murmelte leise: „Geht und versucht glücklich zu werden, das ist das Einzige was ich euch raten kann.“ Einen Moment dachte ich sie würden mir widersprechen, doch dann machte es "Plopp" und sie waren weg.


„Marlyn! Marlyn! Du musst aufwachen! Es ist schon viertel vor acht, gleich gibt es Frühstück. Du musst aufstehen, wenn du vor der Chorprobe noch was essen willst.“ Langsam öffnete ich die Augen und fand mich im Schullandheim Berchtesgaden wieder, in das wir immer zur Chorfahrt fuhren. Draußen zwitscherten hell die Vögel und es schien ein wunderschöner Tag anzubrechen. Verwirrt sah ich mich um. Es war doch November, oder nicht? „Was ist heute für ein Tag?“, fragte ich Cora, die auf dem Bett neben mir sich die Socken anzog. „Es ist Mittwoch der 17. Juni 2020, wenn du es genau wissen willst“, antwortete mir meine Freundin und schaute mich komisch an, doch ich ging nicht genauer darauf ein.

Es gab nur eine logische Erklärung für dieses, sich so real anfühlende, Treffen mit meinen OCs.

Das Ganze war nur ein Traum gewesen.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast