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Eine Frage der Definition

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie / P12 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Lucius Malfoy Narzissa Malfoy Severus Snape
27.04.2020
24.10.2020
20
70.641
123
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27.04.2020 2.138
 
Wahnsinn, Senilität, zu viel Alkohol… Oder der alte Mann nahm heimlich Drogen. Es gab eine Menge Erklärungen dafür, was Severus Snape gerade vor sich sah, aber keine davon passt so richtig zu dem Albus Dumbledore, den er aus seiner Schulzeit her noch in Erinnerung hatte. Wobei… das Flackern in den blauen Augen sah schon irgendwie nach einer Mischung aus Drogen und Wahnsinn aus. Wahnsinn durch Drogen vielleicht.
Oder eine Überdosis seiner geliebten Brausebonbons und jetzt war das Gehirn zu sehr übersäuert. Ging das? Es wäre eine halbwegs glaubwürdige Erklärung, warum der alte Mann hier in seinem Laden stand, mit einem Kind auf dem Arm und einem mehr als verrückten Anliegen an ihn.
“Severus, hörst du mir eigentlich zu?”
Der nickte. “Ich höre schon, nur verstehe ich nicht. Was wollen Sie von mir, Dumbledore?”
“Das habe ich dir doch gerade lang und breit erklärt.”
“Ist mir nicht entgangen. Die Worte, wie gesagt. Nur der Sinn… auf den warte ich noch.” Er blickte an dem Mann vorbei zur Tür, als würde eben dieser Sinn jeden Moment dort herein kommen. Da die Tür aber geschlossen blieb, seufzte er leise: “Wie kommen Sie auf die hirnrissige Idee, dass ich das mache? Ist das Ihr letzter Strohhalm, um mich doch noch in Ihren komischen Konflikt mit diesem Voldemort zu verwickeln?”
“Wir befinden uns im Krieg.”
“Ich nicht”, sagte er und hob die Hände. “Und es wäre mir lieb, wenn das auch so bliebe.”
Der Mann musterte ihn sauer. “Severus…” Eine Weile schwieg er. “Du hast es gut geschafft, dich aus allen Konflikten in den letzten Jahren raus zu halten und dein eigenes Süppchen zu kochen mit deinem Zaubertränkeladen. Und du profitierst ziemlich von beiden Seiten…”
“Ich verkaufe meine Tränke an den, der sie braucht. Und was den Profit angeht… Remus Lupin beklagt sich nicht, dass ich ihm meinen neuen Wolfsbanntrank für nur ein Viertel des Geldes verkaufe, der er wert ist, weil ich weiß, dass der Mann arm ist und ich respektiere, dass er nicht bei seinem besten Freund betteln gehen will...”
“Ist ja gut”, sagte Dumbledore leise und hob eine Hand. “Ich respektiere das und danke dir dafür.”
“Darauf pfeif ich, Dumbledore. Kommen wir mal wieder zum eigentlichen Punkt. Ihm.” Er deutete auf den Jungen, den der alte Mann auf dem Arm trug.
Das Kind fühlte sich offenbar sehr angesprochen und blickte ihn jetzt an. Dumbledore strich ihm leicht über den Kopf. “Das ist Harry Potter und seine Eltern müssen untertauchen. Sie können ihn nicht mitnehmen, deshalb soll er… sicher untergebracht werden.”
“Sicher untergebracht… bei mir? Ein Potter? Der Sohn von James Potter? Vergessen Sie es.” Er drehte sich um und fing an, Gläser sinnlos hin und her zu rücken, um so den Anschein zu erwecken, wahnsinnig beschäftigt zu sein.
“Es war seine Idee…”
Severus hielt in seiner Beschäftigung inne und drehte sich langsam um. “Sagen Sie das noch mal.”
“Es war die Idee von James. Wir sprachen über eine Person, die sich gut um ihn kümmern kann. Und wir kamen auf dich. Und Lily ist derselben Meinung.”
“Tze”, machte er, weil ihm im ersten Moment nichts Besseres einfiel. “Ich hab einen Laden für Zaubertränke und keinen…” Er blickte den Jungen wieder an. “Babysitterservice. Und ich habe nicht vor, umzuschulen. Danke und beehren Sie mich bald wieder… Oder auch nicht.”
Doch Dumbledore ging nicht. Im Gegenteil, er kam näher. “Es geht nicht um ein paar Tage Babysitten, Severus. Es geht um Monate, vielleicht Jahre.”
Verwirrt schüttelte er den Kopf. “Wieso? Seine Eltern leben, wieso wollen sie ihn loswerden? Er sieht doch ganz süß aus.”
“Das wollen sie sicher nicht, aber Voldemort hat die dumme Angewohnheit, Kinder von seinen Gegner umzubringen. Und sie wollen ihn schützen.”
“Ach darum soll er auch nicht zu Lilys Schwester, damit sie nicht in Gefahr gerät… Wenn ich ihn zu mir nehme, obwohl dieser komische Lord ihn auf seiner Abschussliste hat, steck ich doch mittendrin in diesem Konflikt.” Er lief im Laden auf und ab und sah zu, wie Dumbledore das Kind bei Laune halten wollte. Klein-Harry hatte offenbar genug davon, von dem fremden Mann herum getragen zu werden. Er wurde quengelig.
“Wir wissen beide, dass deine Großeltern dir sehr schöne Grundstücke hinterlassen haben und dass du hier nicht mal arbeiten müsstest, weil du im Geld schwimmst. Du kannst dich mit dem Kleinen absetzen. Voldemort wird nicht die halbe Welt nach dir absuchen. Oder nach ihm. Dafür seid ihr nicht wichtig genug, solange du ihn nicht direkt angreifst.”
“Wieso kann er nicht bei seinen Eltern bleiben und sie verschwinden mit ihm? Meinetwegen überschreib ich ihnen eines der Häuser, ich brauch sie eh nicht. Verreisen ist nicht mein Ding. Es sei denn, ich brauche was.” Er verschränkte die Arme vor der Brust, um seinen Widerwillen noch deutlicher zu machen.
“Kannst du nicht ein einziges Mal im Leben etwas für einen anderen Menschen machen, ohne ständig alles zu hinterfragen? Ich dachte immer, Lily und du, ihr… mögt euch.”
“Mögen? Wir haben in sieben Schuljahren ein paar Mal miteinander gesprochen, weil sie intelligent genug war, um zu merken, dass ein Junge, der die meiste Schulzeit in der Bibliothek verbringt, weiß in welchen Büchern welches Wissen zu finden ist. Sie hat mich gefragt und ich hab es ihr gesagt, das war es. Okay, das macht sie unter den Gryffindors oder auch Nicht-Slytherins zu etwas Besonderem, weil die meisten mit uns Slytherins nichts zu tun haben wollten… was Sie, Professor, nie wirklich gestört hat. Aber mit mögen hat das nichts zu tun. Und damit, dass ich Ihren Sohn aufziehe, auch nicht. Und ich bin 21 Jahre alt und lass mir doch von Ihnen nicht in meine Familienplanung reinquatschen. Kinder stehen da ziemlich weit unten und wenn, dann doch eher EIGENE!!!”
Severus atmete tief durch nach seinem kleinen Ausbruch und Dumbledore ließ Harry auf den Boden runter, wo der Junge saß und wechselnd zu den beiden Erwachsenen hoch blickte.
“Lily und James sind in meinem Orden und dummerweise gab es einen Verräter. Voldemort weiß alle Namen und er jagt die Leute. Das wissen wir seit fast zwei Jahren. Seit der Zeit ist die Hälfte meiner Leute gestorben… worden. Der Rest versteckt sich. Lily hat Harry zur Welt gebracht und in meine Obhut gegeben. Sie und James wollten, dass er sicher ist. Niemand weiß, dass die zwei ein Kind haben. Niemand weiß, wer Harrys Eltern sind.”
Mit einem schleichenden Mitleidsgefühl, was in sein Herz kroch, blickte er auf den schweigenden Jungen hinab. “Lily und James haben… ihn nie gesehen?”
“Dieser Krieg erfordert Opfer.”
“Und welches Opfer haben Sie persönlich bisher gebracht, Dumbledore?” Er hockte sich auf den Boden. “Wieso ist er eigentlich so ruhig? Wieso läuft er hier nicht herum? Er sieht ungefähr so alt wie Draco Malfoy aus und der kann keine zwei Minuten still sitzen oder den Mund halten.”
“Harry…” Dumbledore verzog das Gesicht und wirkte irgendwie schuldbewusst. “Er ist recht… einsam aufgewachsen. Er hatte keinen großen Kontakt zu anderen Menschen…”
Severus hob den Blick. “Keinen großen oder überhaupt keinen?”
“Meine Hauselfe hat sich um ihn…”
“Ihre Hauselfe ist stumm, Dumbledore. Sie kann nicht sprechen. Heißt das, Harry hat bis heute nie ein Wort gehört? Er kann noch gar nicht reden? Wie alt ist er?”
“Er wurde im Juli geboren. Er ist eineinhalb Jahre alt. Und ich habe ihn schon ab und zu besucht und mit ihm gesprochen…”
Langsam stand Severus auf. In ihm passierte etwas und es gefiel ihm nicht. Sein Blick glitt nach draußen. Dicke Schneeflocken schwebten am Fenster vorbei. “Hatte er Spielzeug, wurde er gefördert?” Unterdrückte Wut ließ seine Stimme zittern.
“Über ein Kind, was dich nicht interessiert…”
“Antworten Sie auf meine Fragen, wenn Sie was von mir wollen.” Sein Blick hielt den des Jungen jetzt wieder fest. So blieb er ruhig. Er konnte hier nicht rumbrüllen oder ausflippen, nicht vor den Augen eines Kleinkindes.
“Er wurde ernährt und ist gesund.”
“Und damit sind Lily und James einverstanden?” Langsam hob er den Blick, wechselte von den grünen Augen zu den blauen. “Sie hatten keine Ahnung, oder?” Jetzt war er ruhig. Sehr ruhig.
So ruhig, dass Dumbledore einen Schritt zurück trat. “Harry muss gefördert werden und du…” Der Mann brach ab.
“Ich muss gar nichts. Was soll ich tun? Ihn betreuen, bis seine Eltern kommen und endlich mal Prioritäten setzen?”
“Wenn sie überleben und wir Voldemort geschlagen haben…”
Severus atmete tief ein und brachte allein damit den großen Zauberer vor sich wieder zum Schweigen. Gut, seine Entscheidung war längst gefallen. Und dass Albus Dumbledore mit Menschen spielte wie mit Schachfiguren, war allgemein bekannt. Aber hier ging es um mehr. Hier ging es um ihn und auch um dieses Kind. Er musste sich absichern.
Langsam reichte er ihm die Hand. “Sie werden mir einen Schwur leisten und ich mache es. Des Jungen wegen, denn es wäre unmenschlich, ihn wieder mit zu Ihnen zu lassen.” Immer noch sprach er ruhig und sehr langsam. Es war mühsam, sich zu kontrollieren. Er war eher der impulsive Typ, wenn er mal richtig ärgerlich war und im Moment war er richtig ärgerlich. “Sie schwören mir mit Ihrem Leben, dass ich zu Harry Kontakt halten darf, wenn er zurück zu seinen Eltern kommt.” Verblüfft sah der Mann ihn an. Richtig verblüfft. Nicht Dumbledore-verblüfft, so mit einer hochgezogenen Augenbraue, sondern normal-verblüfft mit offenem Mund. “Ich kann kein Kind aufziehen, ohne Gefühle für den Kleinen zu entwickeln. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich ein fühlender Mensch. Und wenn es am Ende nur Sorge ist, so will ich doch regelmäßig wissen, wie es mit ihm weiter geht. Ich will, dass Sie eingreifen, wenn James versuchen wird, und er wird es versuchen, diesen Kontakt wieder zu unterbinden. Ich will nicht, dass er diesen Jungen dazu missbraucht, eine alte Schulfehde weiter zu führen.”
“Das würde er nie…”
“Wieso?”, fragte Severus und grinste jetzt böse. Seine Hand schwebte immer noch in der Luft. “Weil er ein Gryffindor ist? Nobel und von guter Gesinnung? So wie Sie?”
Dumbledore schluckte, blickte auf die Hand und schlug dann ein. Er nahm seinen Zauberstab. “Ich schwöre dir, dass du den Kontakt zu Harry unter allen Umständen halten darfst, egal ob seine Eltern ihn morgen abholen oder niemals. Zufrieden?”
Severus blickte auf die leuchtenden Linien, die sich um ihre Hände schlangen. “Wieso ich?”
“Weil du intelligent genug bist, um zu überleben, selbst wenn alles schief geht. Und ich musste Lily schwören, Ihren Sohn zu beschützen, damit sie weiterhin für mich kämpft...”
Darum ging es also. Dumbledore versuchte, seinen eigenen Hintern zu retten und brauchte ihn dafür. Das erklärte eine Menge. Nur James’ Beweggründe, ihn ins Spiel zu bringen, verstand er immer noch nicht. Egal, was diese waren, gut war es nicht.
Aber im Moment hatte er was er wollte, deshalb ließ er die Hand los. “Ich bin dabei.”
Dumbledore schien halbwegs zufrieden und wandte sich zum Gehen. In der Tür blieb er kurz noch einmal stehen. “Sag niemandem, wer er ist. Solange Voldemort lebt, wäre das sein Todesurteil. Ich habe im Ministerium gefälschte Papiere hinterlegt. Er heißt Harry Snape und ist dein Sohn. Seine Mutter war eine flüchtige Bekannte von dir, eine Frau namens Emilie Jaggs. Sie existiert natürlich nicht. Sie ist, laut der Informationen, die ich gestreut habe, vor ein paar Wochen nach Australien gegangen.” Damit war er weg.
“Selten so einen Schwachsinn gehört.” Severus blickte hinab auf das Kind, traf auf den Blick aus den großen, grünen Augen und ließ das Gefühl langsam zu, dass der alte Mann aus Hogwarts gerade eben sein komplettes Leben und vielleicht auch seine Zukunft geändert hatte. Und er war sich ganz sicher, dass er niemals den Wunsch verspüren würde, ihm dafür zu danken.
Langsam hockte er sich hin und streckte die Hände nach dem Jungen aus. Vorsichtig, behutsam. Doch das Kind zuckte im ersten Moment zurück. Dann ließ er es zu, dass der ihm völlig unbekannte Mann ihn vom Boden hoch hob und auf den Arm nahm. Seine kleinen Händchen krallten sich in den dünnen Pullover, den Severus hier drinnen anhatte. Eine griff, nachdem die Sicherheit in dem Kind gereift war, dass er gehalten wurde und sich nicht festhalten musste, neugierig nach den dunklen, langen Haaren. Er zog leicht daran.
“Die sind echt”, brummte Severus und blickte zur Tür, als diese aufging.
Zwei Menschen musterten ihn, beide extrem erstaunt. Guter Test. Wenn er ihnen diese hanebüchene Geschichte auftischen konnte, dann auch dem Rest der Welt. Aber er war sich sicher, dass es nicht funktionieren würde. Dumbledore war kein guter Geschichtenerzähler, dafür fehlte ihm die Phantasie.
“Ähm…” Der blonde Mann hatte Mühe, seine ruhige Fassade aufrecht zu erhalten, mit der er stets aller Welt vermittelte, über allem zu stehen. “Ich weiß ja, dass wir uns eine Weile nicht gesehen haben, acht Wochen um genau zu sein, aber…” Er stockte.
Dafür sprach seine Frau, die jetzt, nachdem der erste Schock bei ihr weg war, leicht lächelte. “Was Lucius damit sagen will: Hast du uns irgendwas zu erzählen, Sev?”
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