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Kinder der Nacht 1 - Kindheit voller Geheimnisse

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
27.04.2020
15.05.2022
47
292.639
41
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22.01.2022 5.987
 
Das heutige Kapitel zeigt, wohin Dinge führen, die keine Konsequenzen haben. Und dass manche Menschen denken, dass sie mit allem durchkommen. Doch auch wenn einem viel verziehen wird... irgendwann ist Schluss. Die Frage ist nur, ob es dann nicht schon zu spät ist.

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Es war Valentinstag und Nick grübelte, ob er Harry etwas schenken musste, durfte oder sollte. Valentinstag war der Tag für Verliebte. Das traf jetzt nicht auf ihn zu. Aber Harry war sein bester Freund und vielleicht sollte er ihm deshalb doch etwas schenken. Aber was? Oder lieber doch nicht? Vielleicht würde Harry das ja falsch verstehen.
“Wenn du noch länger putzt, werden deine Zähne durchsichtig und dann sieht es aus, als hättest du keine.” Dean grinste Nick an.
Der hielt mit dem Putzen inne. “Ich hab nachgedacht”, murmelte er, nahm die Zahnbürste aus dem Mund und trank einen Schluck Wasser.
“Worüber?”
Er spuckte es ins Waschbecken. “Darüber, ob man besten Freunden was zum Valentinstag schenken sollte oder ob das nicht geht.”
Dean sah ihn ernst an. “Echte Freundschaft ist genauso kostbar wie Liebe. Und ich finde, man sollte sie genauso feiern. Seamus und ich haben uns früher immer was geschenkt. Einfach aus Jux. Wir fanden es witzig.” Er wirkte traurig.
“Kommst du nicht weiter mit ihm? Er hängt doch nicht mehr mit Ron rum.”
“Er sympathisiert aber immer noch mit ihm und gleichzeitig…” Dean seufzte leise. “Ich kenne ihn, Nick. Er ist nicht so, wie du ihn kennen gelernt hast. Er ist mutig und intelligent. Ein kleiner Tollpatsch manchmal, aber echt interessiert an Naturwissenschaften zum Beispiel. Er würde sicher gern bei Snape und dir mitmachen. Aber er traut sich nicht, weil er sich so mies benommen hat.”
“Also ich hätte kein Problem damit, wenn er mitmacht.”
“Siehst du, das ist noch schlimmer. Dadurch fühlt er sich noch mieser.”
Nick verzog das Gesicht. “Aber was soll ich machen…”
“Du sollst gar nichts machen. Er muss selbst herausfinden, wie er sich besser fühlt. Er ist derjenige, der sich total mies benommen hat. Und er wird sich nicht besser fühlen, solange er dazu nicht steht und es zugibt. Und solange kann ich auch nicht mit ihm befreundet sein. Ich habe ihm das auch gesagt.”
“Verstehe. Kommst du mit nach Hogsmeade? Wir dürfen zwar nur zwei Stunden runter und müssen zum Mittag wieder hier sein, aber ist doch besser, als immer nur die Schulmauern.”
Er schüttelte mit dem Kopf. “Ich muss lernen. Harrys Eifer steckt uns alle an. Dein Eifer, der ihn angesteckt hat, steckt uns an. Bildung ist wichtig. Ich will später mal einen guten Job kriegen.”
“Als was? Auch als Auror? Der Standardjob für Magier in deinem Alter?”
“Um Gottes Willen.” Dean winkte ab und packte seine Waschsachen zusammen. Nick folgte dem Beispiel und verließ mit ihm den Raum. “Ich bin gern draußen. Campen und so.”
“Ich auch”, sagte er mit strahlenden Augen. “Zelten ist toll. Lagerfeuer.”
“Ja. Und darum will ich Wildhüter werden. So wie Hagrid. So ein Leben im Wald, könnte ich mir richtig gut vorstellen. Und es gibt viele Reservate für magische Tiere auf diesem Planeten. Ich möchte in einem von denen arbeiten. Darum bin ich neuerdings auch so eifrig bei Pflanzenkunde, Pflege magischer Geschöpfe und Zaubertränke.”
“Also Pflanzenkunde leuchtet mir noch ein, weil viele Tiere Pflanzen fressen, aber Zaubertränke?”
“Pflanzenkunde auch wegen der Heilwirkung von Pflanzen und genau darum auch Zaubertränke. Es gibt viele magische Tiere und einige sind gefährlich und/oder giftig. Man sollte immer gewappnet sein und ich denke, selbst gebraute Tränke sind besser als gekauft. Da weiß man, was drin ist.”
“Molchaugen, Kröteneier… also manche Tränke sind unappetitlich.” Er dachte an die letzte Stunde. “Eklig. Ich weiß nicht, ob es nicht besser wäre, wenn man nicht weiß, was drin ist.”
Dean lachte, sagte der Fetten Dame das Passwort und zog das Porträt auf. “Wenn mein Leben davon abhängt, was ich da schlucke, will ich wissen, was drin ist und warum es wirkt.”
“Okay, wenn du es so siehst.”
Harry kam die Treppe runter. Er lächelte ihm zu, Nick lächelte zurück. Dean neigte den Kopf zu seinem Ohr. “Es ist okay, wenn du ihm was schenkst. Weil es nur zeigt, wie wichtig er dir ist. Aber du musst es nicht. Mach dir keinen Stress.”
“Vorsicht”, rief Nick und deutete nach unten.
Harry hüpfte über Hermines Kater, der gerade von einem Sessel geglitten war und ihm genau vor die Beine. “Morgen. Ich halte den Valentinstag zwar eher für einen Tag, den sich findige Verkäufer ausgedacht haben, aber wenn wir ihn frei habe, feiere ich ihn gern.”
Hermine kicherte und kam die Treppe nach unten gelaufen. Sie hatte einen Brief in der Hand. “Die Liebe sollte man feiern.” Sie wurde etwas rot und verschwand.
Dean sah ihr nach. “Immer noch? Die sehen sich doch nie wieder. Die waren nicht mal richtig ein Paar.”
“Sie waren gemeinsam beim Weihnachtsball. Das verbindet.” Harry grinste. “Sie kann ihn nicht vergessen.”
“Was vielleicht daran liegt, weil sie sich dauern schreiben.”
Nick lachte leise. Gemeinsam mit den anderen Fünftklässlern und Ginny ging er runter zum Frühstücken. Die, die nach Hogsmeade wollten, hatten ihre warmen Sachen gleich mitgebracht.
Vorn am Lehrertisch saßen ein paar Lehrerinnen. Die Herren waren alle entweder schon weg oder noch nicht wach. Oder sie hatten keinen Hunger auf Frühstück. Als einige Eulen in den Raum geflogen kamen, mit roten Rosen in den Schnäbeln, schauten alle hoch. Die Eulen landeten vor den Lehrerinnen und überreichten die Blumen.
Einige Schüler kicherten leise, wohl auch weil die Frauen vorn ziemlich verlegen aussahen. Als Snape zur Tür rein kam und einen sehr zufriedenen Eindruck machte, wusste er, von wem diese schöne Geste stammte. Da er wohl kein Casanova war und was mit allen Frauen der Schule hatte, war es nur freundschaftlich. Nett gemeint. Lieb.
Trelawney, neben die Snape sich setzte, lächelte ihn an und spielte mit der Rose. Er nickte ihr zu.
Nick fand, wenn Snape seinen Kolleginnen rote Rosen schenken durfte, dann durfte er seinem besten Freund auch etwas schenken. Blieb mal wieder nur die Frage: Was?

“Hey, Harry. Wo ist deine bessere Hälfte? Du wirkst so allein, ohne dein amerikanisches Anhängsel.”
“Sehr witzig”, knurrte Harry Ginny an. “Anhängsel klingt böse.”
“So war es nicht gemeint. Aber du bist selten ohne Nick anzutreffen.”
“Der ist mit Dean unterwegs. Er ist irgendwie komisch drauf.” Harry machte sich wirklich ein wenig Sorgen. Nick hatte den ganzen Weg nach Hogsmeade über geschwiegen und im Ort angekommen, war er mit Dean dann Richtung Ortsausgang, Wald und Heulender Hütte verschwunden.
“Vielleicht ist er auf der Suche nach einem Geschenk für dich.” Ginny grinste.
“Sehr witzig”, brummte er. “Wo ist denn dein Freund?”
“Mal schauen, ob er es mal wird”, sagte sie und sah sich um. “Michael wollte noch kurz Süßigkeiten kaufen.”
Er lachte leise. Ginny hatte echt was aus sich gemacht in den letzten Jahren. Aus dem schüchternen kleinen Mädchen, was er in seinem 2. Jahr kennen gelernt hatte, war eine fast schon junge Frau geworden. Und er fand, dass Michael Corner zu ihr passte. Er war freundlich, offen, hilfsbereit und schlagfertig. Zumindest auf Zeit gaben die zwei ein süßes Paar ab.
Hermine und Neville setzten sich zu ihnen und sie tranken gemeinsam ein Butterbier. Als Michael kam, verabschiedete Ginny sich. Sie wollten noch ein wenig spazieren gehen. “Wo ist Nick?”, fragte Hermine und sah sich suchend um.
“Mit… Dort.” Er deutete zum Eingang.
Nick kam gerade in den Raum. Er sah ein wenig verfroren aus, aber mit sich zufrieden. Den Blick kannte er inzwischen. Als er ihn entdeckte, steuerte er den Tisch an und setzte sich neben ihn. “Kalt.”
Harry stand auf, holte ihm eine warmes Butterbier und deutete darauf. “Warm”, sagte er und die Kinder am Tisch lachten.
“Ihr habt es echt gut, wisst ihr das?”, sagte Nick und sah sich um. “Ihr seid in einer Schule, wo ihr wenig Unterricht und viel Freizeit habt. Keine Eltern, solange ihr keinen Stress macht, nicht mal zu viel Kontakt mit den Lehrern. Wochenende, wo ihr in einen Pub gehen könnt. Also bei uns in Amerika lief das anders. Unterricht, Heim kommen, Hausaufgaben, Mom und Dad helfen.”
Harry lächelte. Da Nick von sich aus nicht erzählte, wo er war, fragte er nicht nach, weil er annahm, dass es einen Grund hatte. Neville sah das anders. “Wo warst du?”, fragte er.
“Nur was anschauen.” Nick nippte an seinem Bier.
“Wir haben viele Freiheiten”, ging Hermine auf die Bemerkung des jüngeren Mitschülers ein. “Aber wir haben auch viele Dinge nicht.”
“Was denn?”
“Eine umfassende Allgemeinbildung. Sexualkunde.” Neville hustete, weil er sich verschluckt hatte und Harry starrte sie an. “Was? Heute ist der Tag der Liebe.”
“Liebenden… Wie kommst du jetzt auf Sexualkundeunterricht?” Harry sah sie verwirrt an.
“Ist doch wahr. Hattet ihr sowas in der Schule, Nick?”
“Sicher. 6. Klasse ein halbes Jahr. In Zeiten von AIDS und Teenieschwangerschaften ist das wichtig. War zwar am Anfang alles ziemlich peinlich und so, aber gelernt haben wir da alle viel. Gut, bei einem Mädchen aus meiner Klasse kam es zu spät. Die war schon schwanger.”
“6. Klasse und die war schwanger?”
Nick sah Neville an. “Ja. Sie wusste nicht, dass Kondome keinen zu großen Temperaturschwankungen ausgesetzt werden sollten, weil die sonst porös werden können und keinen echten Schutz mehr bieten. Und ihre Pille hat auch nicht gewirkt, weil sie Antibiotika nehmen musste.”
“Was haben Antibiotika mit der Pille zu tun?”, fragte Neville verwirrt.
“Siehst du”, sagte Hermine. “Wenn wir solchen Unterricht hätten, wüsstest du das. Und falls du dir eine Freundin suchst, aber noch nicht gleich vor hast, Vater zu werden, solltest du sowas wissen.”
Harry schüttelte leicht verwirrt den Kopf. “Naja”, murmelte er. “Mit 11 kommen wir in die Schule, davor ist dieses Thema in den Schulen kein Thema. Bücher dazu gibt es in der Bibliothek glaube ich nicht wirklich, oder?”
“Eins oder zwei”, sagte Hermine. “Von vor 200 Jahren. In einem steht drin, dass man Goldregenpflanzen im Norden hinter dem Haus vergraben soll, wenn man ein Mädchen will. Ich finde, das ist nicht ganz auf dem neusten Stand der Wissenschaft.”
Nick lachte leise. “Unser Lehrer meinte: Die einfachste Schwangerschaftsverhütung ist Enthaltsamkeit. Aber leider ist es die langweiligste. Er war lustig. Er war noch Referendar. Ein ganz junger Typ und sehr locker.”
“Und bei uns wissen einige Kids garantiert nicht, wo Babys herkommen.”
“Ist doch klar”, sagte Harry. “Die bringen die Hippogreife.” Ihm fiel ein, dass er Hagrid bitten wollte, Nick die Vögel mal zu zeigen.
Nick lachte und trank sein Bier aus. “Harry”, sagte er ein wenig unsicher.
“Du sollst dich heute ausruhen, hat Snape gesagt. Latein vergessen und morgen kannst du noch den ganzen Tag für Deutsch lernen. Entspann dich.” Er blickte auf seine Uhr. “Wir gehen gleich zurück. Aber nicht in die Bibliothek oder in den Gemeinschaftsraum.”
Der Junge seufzte. “Sporthalle? Wir können ja eine Runde Basketball spielen oder zwei.”
“Meinetwegen. Das ist okay.”
“Wir war Latein?”, fragte Hermine.
“Dank Snapes gutem Unterricht, ganz okay. Aber es wird meine schlechteste Note. Das Fach ist so schwer. Also die Sprache. Und so kompliziert. Ich dachte, Deutsch sei schwer, aber da komme ich besser mit klar.”
Sie saßen noch eine Weile gemeinsam im ‘Drei Besen’, bevor Harry der drängelnden Stimmung von Nick nachgab und mit ihm zusammen zurück zum Schloss lief. Auf dem Weg merkte er, wie Nick in seiner Jackentasche herumkramte, schließlich die Handschuhe auszog, weil es ohne besser ging und dann ein Büschel Haare hervor zog.
“Hier, Harry. Ich dachte, wenn Snape seine Kollegen beschenken darf, darf ich dir auch was schenken. Als Dank für deine Freundschaft.”
Harry sah, wie unsicher Nick war. Er hatte richtig Angst. Wieso? “Danke.” Er nahm die Haare. “Hey, das sind…”
“Werwolfhaare. Ich glaube von deinem Ex-Professor. Dean war mit mir in der Heulenden Hütte. Er hatte zwar ein wenig Schiss, aber er war so nett und ist mitgegangen. Und da du für die Abschlussprüfung selbstgesammelte Zutaten brauchst, dachte ich, das ist was. Werwolfhaare sind ziemlich nützlich für einige Tränke.”
Snape hatte ihnen das in der letzten Stunde Zaubertränke erzählt. Teil der Prüfung für den ZAG in Zaubertränke war es, aus selbstgesammelten Zutaten einen wirksamen Trank zu brauen. Und Nick hatte Recht. Werwolfhaare waren für einige Tränke nützlich.
“Vielen Dank, Nick, vor allem für die Idee. Daran habe ich gar nicht gedacht. Danke.”
Nick wurde noch eine Spur roter und lächelte unsicher. “Du findest das nicht irgendwie… komisch?”
“Dass du mir zum Valentinstag was schenkst? Nein. Ich habe nur ein wenig ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht so weit gedacht habe.”
“Ist nicht schlimm”, sagte er und strahlte jetzt. Er zog seine Handschuhe wieder auf. “Spiel mit mir eine Runde Basketball, dann bin ich glücklich. Du bist echt gut geworden.”
“Danke.” Es stimmte, er war gut geworden. Zielsicher, wendig und schnell. Nick war besser, aber er war richtig gut. “Mache ich gern. Ich habe absolut nichts dagegen, mich heute noch ein wenig auszutoben. Vielleicht kommen ja später noch ein paar andere Schüler dazu.”
“Die haben doch alle mit ihren Freunden und Freundinnen zu tun.”
“Mmm”, machte Harry und schüttelte mit dem Kopf. “Glaube ich nicht. Wenn man die Anzahl der Schüler sieht, gibt es gar nicht so viele Pärchen.”

Die Finger des blonden Jungen krallten sich in den Umhang des Rothaarigen, als er ihn gegen die Wand stieß. “Mach jetzt ja keinen Rückzieher. Wir waren uns einig und heute ist der perfekte Tag. Es sind wenig Leute unterwegs, weil viele in Hogsmeade sind und später irgendwo rumgammeln.”
“Aber…”
“Kein Aber”, knurrte er und seine grauen Augen funkelten wütend. “Wir haben dich bei uns aufgenommen, weil du bewiesen hast, dass deine Einstellung stimmt. Aber Feiglinge kann ich nicht ausstehen. Wir haben einen Plan und wir führen den auch aus. Es war immerhin deine Idee.”
“Lass doch den Feigling. Wir können das auch allein machen, Draco”, brummte Goyle.
“Nein. Wir sind ein Team. Er macht mit. Und er wird seinen Teil richtig gut machen.” Damit drückte er ihm einen Ast in die Hand. “Nicht wahr, Weasley? Beweise uns, dass du Mumm hast und dass bei dir nicht nur heiße Luft raus kommt. Oder krieche zurück unter die Schuhsohlen deines besten Freundes.”
“Er ist nicht mehr mein Freund”, fauchte Ron und schubste Malfoy von sich weg.
“Hui, er hat ja doch Power.” Crabbe lachte. “Spar dir das auf für deinen Einsatz. Wir lenken ihn ab und du sorgst dafür, dass wir uns diesen verdammten Muggel greifen können. Und dann erteilen wir diesem Abschaum eine Lektion, die er nie wieder vergisst.”
Ron nickte leicht und seine Hände schlossen sich um das raue Holz.

Musik kam aus dem Radio. Valentinstagsschnulzen. Liebeslieder ohne Ende. Nick und Harry hatten viel Spaß und sangen sogar ein paar mit. Sie spielten Basketball, lachten viel und powerten sich richtig aus. Erschöpft gingen sie nach dem Spielen duschen und setzten sich dann noch eine Weile auf den Mattenstapel.
“Das hat mehr Spaß gemacht als Lernen.”
“So soll es sein. Snape hat nie was gegen lernen. Wenn er dir eine Pause verordnet und mich zum Ablenken einstellt, dann denkt er sich was dabei. Also, genieß den Tag.”
“Ein wenig lernen werde ich später noch. Indirekt. Ein Märchen lesen oder etwas Musik hören.” Nick konnte nicht zwei Tage vor einer Prüfung nichts tun.
“Das geht durch”, urteilte Harry. Er fiel nach hinten auf die Matten. “Ich bin fertig.” Er nahm seine Brille ab und rieb sie mit dem Shirtärmel ein wenig ab.
“Hast du mal über Kontaktlinsen nachgedacht?”
“Nicht wirklich. Ich mag meine Brille eigentlich. Ohne das Teil würde ich mich nackt im Gesicht fühlen.”
Nick lachte. “Aber Kontaktlinsen musst du nicht putzen. Tante Marie hat welche. Sogar gefärbte. Sie mag sie.”
“Die haben sicher Vorteile. Mal sehen, vielleicht steige ich später mal noch drauf um. Aber momentan fühle ich mich eigentlich ganz wohl mit meiner Brille.”
“In einem Kampf gegen den Obfi bist du damit im Nachteil. Stell dir vor, deine Brille wird mit Dreck vollgespritzt.”
“Erstens gibt es Zauber, um sie gegen Schmutz und Nässe unempfindlich zu machen und zweitens… ich kann doch einfach zu Voldemort sagen: ‘Stopp. Moment, ich muss kurz meine Brille putzen.”
Nick lachte sich halb kaputt bei der Vorstellung, wie Harry das mitten in einem epischen Magierduell machte. Er hatte zwar von Voldemort keine richtig Vorstellung, aber es würde sicher witzig aussehen, wenn der Tyrann genervt warten musste. Wobei er das sicher nicht machen würde. Er jedenfalls hielt Kontaktlinsen für sicherer.
Es war gegen 16 Uhr, als sie gemeinsam die Turnhalle verließen. Weil sie oben im vierten Stock mit zu vielen Schülern rechneten und Angst hatten, dass Umbridge die Halle vielleicht doch entdecken könnte, liefen sie durch den normalen Eingang nach draußen und durch die Keller. Dass sie dabei fast direkt bei den Slytherins vorbei musste, gefiel ihm zwar nicht, aber da Harry ja bei ihm war, ging es durch. Er hatte ja bewiesen, dass er mit dem neuen Zauberstab richtig gut kämpfen konnte.
“Was machen wir jetzt?”
“Mal schauen, ob die anderen schon zurück sind. Eigentlich sollten ja alle bis Mittag wieder im Schloss sein, aber wir sind Schüler und die machen nicht immer, was die Lehrer wollen.” Harry zuckte mit den Schultern. “Nicht die schon wieder.” Er zog seinen Zauberstab.
Valentinstag, der Tag der Liebenden. Eindeutig nicht Malfoys Tag. Er war zwar nicht hier, zumindest sah Nick ihn nicht, aber da Crabbe und Goyle sich im Gang vor ihnen aufbauten, war er sicher nicht weit.
“Verpisst euch”, sagte Harry, doch die zwei zogen nur ihre Zauberstäbe.
Nick starrte sie an und fühlte, wie sein Freund ihn leicht zur Seite zog. Er spürte im selben Moment ein Kribbeln in seinem Nacken. Wie die Vorahnung einer drohenden Gefahr. Hastig sah er sich um, sah den Schatten aus einer dunklen Nische kommen und schrie auf.
“Harry, pass auf”, rief er.
Doch es war zu spät. Etwas traf ihn hart am Kopf, ließ ihn aufstöhnen und zusammenbrechen. Reglos lag er auf dem Boden.
“Harry, Harry.”
Nick fühlte, wie sich eine lähmende Starre auf seinen Körper ausbreitete. Er wusste, was das für ein Zauber war. Er hatte es oft genug bei den anderen Ronins gesehen, wenn sie trainiert hatten. Er fühlte, wie unsichtbare Seile ihn fest umschlangen und wie er mitgezogen wurde. Er hörte das triumphierende Lachen der Angreifer. Aber das alles interessierte ihn nicht. Er blickte nur auf Harry hinab, der mit einer stark blutenden Kopfwunde auf dem Boden lag.

Harrys Schädel stach und pochte und als er die Augen öffnen wollte, wallte Übelkeit in ihm hoch. Er keuchte leise, fühlte seinen Kopf halb in der Luft schweben, halb auf etwas liegen, was sich wie eine Hand anfühlte. Eine ziemlich kräftige, feste Männerhand.
“Potter?”, fragte eine dunkle, bekannte Stimme. “Potter, kommen Sie zu sich.”
Harry versuchte es und war froh, dass Snape ihm die Zeit gab, um richtig wach zu werden. Er versuchte erneut, die Augen zu öffnen und sah jetzt zumindest schon mal die Umrisse des Mannes, der neben ihm kniete.
Er stöhnte leise, als er eigentlich etwas sagen wollte. “Potter?” Wieder stöhnte er leise. “Okay, Sie sind wieder da. Haben Sie mir vielleicht einen Schreck eingejagt.”
Hatte er das? Snape hatte sich um ihn gesorgt? Was zum Teufel war passiert? Er wartete, bis er klarer sehen konnte und musterte den Mann, der neben ihm kniete, sich dabei halb über ihn beugte und seinen Kopf hielt. Es war angenehm, nicht auf dem kalten Stein zu liegen. Wobei Snapes Hand auch ziemlich kühl war. Er fühlte es, wo die Fingerspitzen seine Kopfhaut berührten.
“Sagen Sie was.”
“Mir ist schlecht”, nuschelte Harry, als wieder eine Welle der Übelkeit durch seinen Körper schwappte, dieses Mal allerdings ballte sie sich in seinem Magen zusammen. Er würgte, wurde vorsichtig halb auf die Seite gezogen und übergab sich. “Sorry…”
Snape zog seinen Zauberstab, beseitigte das kleine Malheur vollkommen ungerührt und zauberte einen feuchten Lappen herbei. Mit diesem wischte er ihm vorsichtig übers Gesicht und den Mund. Die brennende Kopfwunde allerdings umging er. Die auf seiner Stirn. “Besser?”
“Ja.” Er hatte noch eine, am Hinterkopf. Die war richtig übel. Wahrscheinlich hatte er die vorn vom Sturz auf den harten Stein. Aber wie war er zu der anderen gekommen? Die tat immer mehr weh. Snape berührte sie zwar nicht, aber seine Finger drückten gegen seinen Schädel.
Langsam setzte er sich mit der Hilfe des Mannes auf. Wobei eher Snape ihn hinsetzte, während er sich in dessen Umhang festkrallte. Der Flur um ihn herum schien zu schwanken und immer mal blitzten kleine Lichtpünktchen vor seinen Augen, meist begleitet von einem aufzuckenden Stechen in seinem Kopf.
Als er die Hand heben wollte, hielt Snape sie fest. “Nicht dort hinfassen. Sie haben eine kleine Wunde an der Stirn und eine ziemlich große Platzwunde am Hinterkopf und glauben Sie mir, das tut erst richtig weh, wenn Sie genau rein fassen. Die Verletzung an sich ist hoffentlich nicht so wild, sieht nur fies aus und blutet ziemlich. Passen Sie auf, dass Ihnen kein Blut ins Auge läuft. Da Ihnen übel ist und Sie bewusstlos waren, haben Sie garantiert eine Gehirnerschütterung. Ich bringe Sie…”
“Ich will nicht zu einem Arzt.”
“Sie müssen. Und darüber diskutiere ich auch nicht.” Die dunklen Augen sahen ihn streng an, die Stimme war sehr ruhig.
“Ich hoffe mal, Sie haben schon gegessen...”, murmelte Harry ein wenig unsicher, weil Snape die Wunde auf seiner Stirn so fixierte.
“Ich kann mich beherrschen, auch wenn es lange gedauert hat, das zu lernen. Früher hatte ich noch nicht so einen Willen.”
Harry atmete langsam und tief durch. “Darum waren Sie Soldat? Bei einem Krieg zählt niemand die Opfer, oder fragte nach, woran genau sie gestorben sind.”
“Zum Teil”, gab Snape offen zu. “Was ist passiert?”
“Gute Frage. Sagen Sie es mir.” Er wusste gar nichts mehr. Er fühlte sich nur, als habe er ein dunkles Loch in seinem Kopf. Riesengroß und sehr, sehr schmerzhaft.
“Sie lagen hier herum. Mehr kann ich nicht sagen.” Snape sah ihn immer noch an, aber mittlerweile ziemlich besorgt. “Versuchen Sie, sich zu erinnern. Ich denke nicht, dass das ein Unfall war. Hier ist nichts, was Ihnen auf den Kopf gefallen sein kann oder wo Sie gegen gerannt sind. Ihre Kopfwunde kommt nicht von ungefähr.”
Erinnern? Der war gut. Er versuchte es ja, aber wie sollte er das denn machen? Wenn er es versuchte, stach sein Schädel nur noch mehr und ihm wurde wieder schummrig und übel. Harry sah sich um. Es sah aus wie der Keller von Hogwarts. “Wo sind wir?”
“Hogwarts.”
“Ich weiß”, brummte er. “Im Keller, das sehe ich auch. Aber wo genau? Hogwarts hat viel Keller.”
“Zwischen der Turnhalle von Mister Burkhardt und der Treppe beim Slytherin-Gemeinschaftsraum.”
Plötzlich war ein Teil seiner Erinnerung wieder da. “Verdammt, Nick. Aaaaauuuu…” Er hatte versucht aufzustehen, was sich als seltendämlicher Versuch erwies und wurde jetzt von Snape gegen die Wand gedrückt. Der Mann hielt ihn ruhig, auch indem er ihm die Hände auf die Wangen legte und so seinen Kopf fest hielt.
“Sitzen bleiben, sonst müssen Sie sich wieder übergeben. Auf den Boden ist nicht so wild, aber wenn Sie mir auf die Klamotten kotzen, nehme ich das persönlich. Reden Sie einfach mit mir, statt hier zu versuchen, herum zu laufen.”
Keuchend atmete er ein und aus. “Nick und ich haben Basketball gespielt und wollten hoch, nach den anderen sehen. Noch ein wenig quatschen vor dem Abendessen. Und dann hat mich jemand niedergeschlagen, glaube ich. Wir müssen ihn finden.”
“Selbstverständlich, aber Panik bringt uns diesem Ziel nicht näher. Mmmm“, machte Snape. “Wann haben sie die Turnhalle verlassen?”
“Gegen 16 Uhr.”
Snape zog eine Augenbraue hoch. “Das ist zweieinhalb Stunden her. Ich habe Sie gesucht, weil weder Sie noch Mister Burkhardt beim Essen waren und Miss Granger sehr besorgt ausgesehen hat.”
“Wir müssen ihn suchen”, drängte Harry.
“Und wo? Hogwarts ist groß. Wir müssen es eingrenzen. Es bringt nichts, kopflos loszustürmen. Überlegen wir mal… da wir davon ausgehen können, dass Mister Burkhardt Sie nicht niedergeschlagen hat, weil er ja Ihr bester Freund ist, liegt die Vermutung nahe, dass jemand Sie außer Gefecht setzen wollte, damit er an ihn heran kommt. Da bleiben nicht so viele Verdächtige. Allerdings, die bleiben, machen mir Sorgen.” Er musterte ihn, blickte auf seine Armbanduhr. Er war unruhig. Snape zauberte einen kleinen Vogel herbei und ließ ihn davon fliegen. “Das sind Botschaftenvögel. Nützlicher Zauber. Bringe ich Ihnen noch bei, sobald Sie wieder auf dem Posten sind. Ich hole Doktor Cullen, er wird sich um Sie kümmern. Und dann werde ich Mister Burkhardt suchen.”
Harry sah, wie er aufstand und sich umsah. Das Schloss war riesig. Wo wollte er anfangen? Selbst mit dem Hinweis auf die Täter gab es immer noch viele Ort, wo sie sein konnten. Und die Vorstellung, was die seit Stunden mit Nick machten, ließ sein Blut kochen.
“Ich war ja immer dafür, Schüler irgendwie magisch zu markieren, damit man sie besser findet, wenn Sie heimlich nachts unterwegs sind oder Unsinn gemacht haben, aber Dumbledore meinte, das sei gegen die Menschenrechte. Ausgerechnet er findet das. Jetzt wäre es nützlich.”
Markieren, damit sie auf einer Karte als kleiner blinkender Punkt aufleuchteten? Snape hatte ja merkwürdige Ideen… Karte!!! “Professor. Mein Zauberstab.” Er tastete danach.
“Was wollen Sie damit?”
“Was holen.”
“Was? Sagen Sie mir was, ich hole es.”
“Karte des Rumtreibers.” Snape sah ihn verwirrt an. “Machen Sie schon”, fuhr er ihn an.
“Accio Karte des Rumtreibers”, sagte er und hielt im nächsten Moment das Pergament in der Hand. “Ah, doch mehr als ein kleiner Scherz. Wie aktiviert man sie?”
“Mit dem Zauberstab antippen und sagen: Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin.”
Der Mann tat es und blickte kurz beeindruckt auf das Werk. “Eindeutig die Idee und Intelligenz Ihres Vaters und die Arroganz und Respektlosigkeit von Sirius Black. Aber gut, im Moment ist sie nicht schlecht. Da ist er. Und wie ich dachte, Crabbe, Goyle und Malfoy sind bei ihm. Ich muss los, Potter.”
“Ich will mit”, keuchte er.
Snape lachte überheblich. “Sie halten mich auf und sind für Ihren Freund gerade keine Hilfe. Keine Sorge, ich werde mit drei Kindern schon fertig.” Schritte näherten sich. “Ich bin allein viel schneller. Lassen Sie sich versorgen und ich sage Bescheid, was los ist.” Er blickte wieder auf die Karte und zog eine Augenbraue hoch. “Oh, vier. Das ist nicht schön.”
“Was?”, fragte Harry alarmiert.
Snape lief den Gang entlang. “Mister Weasley ist bei meinen Schülern. Ich hätte nicht gedacht, dass er so weit geht.” Damit verschwand er um eine Ecke. Dafür kam Doktor Cullen die Treppe runter und auf ihn zu.
“Harry, was ist passiert?”
“Jemand hat mich niedergeschlagen und Nick entführt. Helfen Sie Professor Snape. Mir geht es gut.”
“Severus informiert mich schon, wenn er mich braucht. Und Ihnen geht es nicht gut.” Er blickte auf die Blutlache auf dem Boden und hob ihn hoch, als wäre er eine Puppe. “Ich kann Sie leider nicht schweben lassen, tut mir leid. Ich bin kein Magier.”
“Ich weiß. Habe ich schon mitbekommen. Ich will nicht in den Krankenflügel. Da war ich schon viel zu oft.”
Der Arzt wollte etwas sagen, sah aber wohl keinen Sinn darin, mit einem sturen Teenager zu diskutieren und nickte deshalb leicht. “Okay, ich bringe Sie in Ihren Gemeinschaftsraum. Aber dort lassen Sie sich von mir behandeln. Deal?”
“Okay”, nuschelte ergeben und nickte leicht. Weil ihm wieder schwindlig wurde, lehnte er seinen Kopf gegen die Brust des Mannes, der ihn trug. Er kam sich zwar ein wenig komisch vor, von einem Mann durch die Gegend getragen zu werden, aber da er nicht laufen konnte… Außerdem hatte Doktor Cullen so eine Ausstrahlung, die irgendwie beruhigend war. Es war fast wie bei Snape.
Harry runzelte die Stirn, ließ es aber sofort wieder bleiben, als seine Wunden sich meldeten. Cullen und Snape waren alte Bekannte, vielleicht Freunde. Cullen war stark. Sah sehr jung aus und strahlte gleichzeitig eine gewisse Reife und Erfahrung aus. Er war ein Muggel, durfte hier aber arbeiten. Er war nachts mit Snape unterwegs, konnte im fast Dunklen noch lesen. Er lauschte. Er lag mit dem Ohr an der Brust des Mannes und fühlte und hörte nichts. Keinen Herzschlag, keine Atmung.
“Sie sind auch einer.”
“Ein Was?”, fragte der Mann und sah sich um.
“Ein Vampir. Wie Snape.”
Der Arzt musterte ihn kurz. Seine Augenfarbe änderte sich von dunkel auf karamellbraun. “Ja.”
“Wieso haben Sie…?” Er keuchte.
“Wir haben noch genug Zeit zu reden. Seien Sie jetzt lieber still.” Cullen sah ihn ernst an. “Da die Schule noch nicht weiß, was Severus ist, hüten Sie wohl sein Geheimnis. Es wäre nett, wenn Sie auch meines hüten.”
“Wieso sind Sie hier?”
“Um Dumbledore zu ärgern und weil er mich gebeten hat. Er baut eine Armee auf, um die Schule und die Schüler zu schützen.”
“Falls ich versage.”
“Ja”, sagte der Mann ruhig. “Aber ich finde seine Ideen und deren Umsetzung zum Kotzen. Und jetzt halten Sie den Mund. Sie sollten nicht sprechen.”
Harry tat es und ließ sich von dem Vampir-Arzt tragen. Ein Vampir, der Arzt war. Sachen gab es. Wobei Harry den blonden Mann jetzt mit mehr Ehrfurcht betrachtete. Er musste eine immense Selbstbeherrschung haben, wenn er Menschen behandeln und operieren konnte.

Im Gemeinschaftsraum angekommen, waren die Schüler, die ihn sahen, entsetzt. Hermine geriet fast in Panik, wobei die Aura des Arztes auch bei ihr wirkte. Von einem der Hauselfen, die Cullen gerufen hatte, ließ er sich aus dem Krankenflügel die Dinge holen, die er brauchte und verarztete Harry zügig. Er bekam einen Kopfverband und Cullen verabschiedete sich. Vorerst. Er versprach, bald und regelmäßig nach Harry zu sehen.
“Was ist passiert?”, fragte Hermine.
“Mich hat jemand niedergeschlagen. Crabbe, Goyle oder Malfoy. Oder Ron.” Er sah Fred und George an, die entsetzt wirkten. “Sie haben Nick. Snape hat es auf der Karte gesehen. Tut mir leid, ich musste sie ihm geben. Ich weiß nicht, wie weit die gehen, aber wenn ich meinen Kopf fühle… Nick kann sich nicht wehren und mit der Karte konnte er ihn am Schnellsten finden.”
“Ist doch scheißegal, dass er sie hat. Ron ist da echt dabei?”, fragte Fred und schien es nicht fassen zu können.
“Ja. Snape war auch ziemlich entsetzt.” Harry dachte an sein Gesicht. “Er hat fast enttäuscht ausgesehen. So als hätte er das nicht erwartet. Dabei dachte ich immer, dass er uns Gryffindors alles zutraut.” Er atmete tief ein und aus. Trotz des Tranks, den Cullen ihm eingeflößt hatte, schmerzte sein Schädel entsetzlich. Die Wunde am Hinterkopf zog und ihm war immer noch leicht schwindlig und schlecht.
“Wenn der dem Kleinen was tut…” George schlug sich mit der Faust in die Handfläche. “Verdammt, weißt du, wo sie sind?”
“Nein. Snape hat gestanden, als er sie gesucht hat. Ich konnte nichts sehen und ich denke, genau das wollte er auch. Er meinte, er sei allein eh schneller als mit mir als Hilfe und er hatte Recht. Er kennt das Schloss und ich denke, er wird mit seinen Schülern und Ron schon fertig.”
“Er macht sie hoffentlich fertig”, fauchte Hermine. “Die haben sie doch nicht mehr alle. Ich meine, wie können die dich so verletzen? Die kennen doch keine Grenzen mehr. Hoffentlich geht es Nick gut.”
Das hoffte Harry auch. Bis ihm wieder die zweieinhalb Stunden einfielen, die zwischen dem Niederschlagen und seinem Auffinden lagen. Er bekam richtig Angst.

Nick ging es nicht gut. Gar nicht. Auch er hatte Angst. Nur eine andere Art als Harry. Er hatte Todesangst. Und war stinkwütend, weil er sich einfach nicht wehren konnte. Er wusste nicht mal, was die Jungs mit ihm machten. Sie schossen Flüche auf ihn ab, so viel spürte er. Und die verursachten Schmerzen. Mal mehr, mal weniger. Bei Ron kaum. Entweder war er ein mieser Magier, oder er wollte ihm nicht wirklich weh tun. Jedenfalls waren es Flüche, die Schüler in ihrem freiwilligen Trainingskurs bisher nie benutzt hatten.
“Verdammt, Weasley, mach schon, du Lusche. So ein kleiner Cruciatus ist doch nicht so schwer. Einfach zielen und wollen.” Crabbe stieß ihn derb an. “Los. Bring ihn zum Schreien. Das willst du doch schon die ganze Zeit.”
“Ich… glaube, der hat genug.” Ron sah unsicher aus. Der Feigling. Erst ihn mit kidnappen und jetzt zog er den Schwanz ein. Das machte nicht nur seine Kumpane sauer, sondern sogar Nick.
“Du machst es jetzt richtig, sonst zeige ich dir an dir selbst, wie das sein muss”, zischte Crabbe ihn an. “Los, Weasley.”
Der richtete seinen Zauberstab auf Nick, der reglos an der Wand lag und sich nicht bewegen konnte. “Crucio”, murmelte er.
Nick fühlte wieder die Schmerzen, überall in seinem Körper. Stärker dieses Mal. Er schrie auf. Ron wollte also lieber ihn verletzen, als selbst verletzt zu werden. Als der Schmerz nachließ, schaute er ihn böse an. “Elender Feigling”, wisperte er. “Schlappschwanz.” Er wusste, dass es nicht intelligent war, den Jungen zu provozieren, aber er musste seine Wut rauslassen, sonst würde die Angst übermächtig werden.
“Geht doch. Aber das geht noch besser.” Mehrfach schossen die Slytherins auf ihn noch Flüche ab. Goyle und Crabbe. Malfoy stand nur grinsend hinter ihnen und lobte sie. Was für ein widerlicher Wurm.
“Die kriegen euch dran. Sobald ihr geht, verrate ich euch und dann fliegt ihr. Und geht in den Knast”, keuchte Nick.
“Dazu wirst du keine Gelegenheit mehr haben, Burkhardt.” Er fühlte, wie er in die Luft gehoben wurde. Die vier Jungs hielten ihre Zauberstäbe auf ihn gerichtet. “Jetzt zermatschen wir dich, du dreckige Muggelmade”, feixte Malfoy. “Mal sehen, ob du fliegen kannst.”
“Das ist hoch genug”, sagte Ron. “Wenn er da runter fällt, bricht er sich noch was.”
“Mein Gott, bist du eine Memme. Was meinst du denn, warum wir das hier machen. Damit er sich was bricht, natürlich. Am besten das Genick.” Crabbe funkelte ihn wütend an. “Gut, dass es hier so hohe Innenräume gibt. So können wir ja sagen, er ist da oben runter gefallen.”
“Spinnt… spinnt ihr? Die Brüstung ist gute 20 Meter hoch. Ihr bringt ihn um.”
Malfoy stieß Ron jetzt hart gegen die Brust. “Denkst du, wir wollen, dass er uns verrät? Außerdem, was soll das, Weasley? Hast du nicht seit Wochen getönt, dass du ihn am Liebsten vom Astronomieturm werfen willst? Der ist noch höher. Hast du nicht gesagt, dass so ein Muggel nicht an unsere Schule gehört und dass du ihn aus deinem Leben löschen willst? Hast du nicht gesagt, dass du ihn loswerden willst, egal wie? Jetzt hör auf, dir in die Hose zu machen.” Er blickte hoch. “Na, Burkhardt? Wie ist die Luft da oben?”
Nick zitterte panisch. Unter sich sah er nur Steinboden. Kalt, grau und hart. Und die vier Mitschüler. Die würden ihn doch nicht wirklich fallen lassen, oder? Die wollten ihm sicher nur Angst machen.
“Verdammt, ich bringe doch keinen 13jährigen um. Ihr spinnt doch. Ich will damit nichts zu tun haben.” Er hörte die Worte nur noch, weil die Jungs sich anbrüllten.
“Du hängst mittendrin, Weasley”, fauchte Crabbe und nahm seinen Arm runter. Nick fühlte, wie er dem Boden kurz entgegen sackte. “Goyle, lass ihn. Wollen wir doch mal schauen, ob der Rettende Ron ihn allein halten kann.”
“Was soll das? Ihr müsst mir helfen. Allein schaff ich das nicht. Das wisst ihr.” Ihre Blicke trafen sich über die Entfernung hinweg und Ron Weasley schien erst in dem Moment zu begreifen, was er hier tat.
“Tja. Dein Pech. Du hast Potter niedergeschlagen, damit wir den Kleinen in die Finger kriegen. Du wolltest den beiden eine Abreibung verpassen. Es war dein Plan.” Malfoy griff nach Rons Hand. “Jetzt bringen wir es auch zu Ende. Sonst verrät er uns und wir sind alle dran. Und ich lass mir von einem Muggel nicht mein Leben kaputt machen. Lass ihn fallen.”
Nick sah, wie die zwei Jungs um den Zauberstab rangelten, fühlte den haltenden Zauber langsam verschwinden. Als Malfoy Ron den Zauberstab aus der Hand schlug, fiel er.
Er sah für einen Moment die triumphierenden Gesichter der Slytherins, Rons entsetzten Blick. So nah, als würden sie direkt vor ihm stehen. Dann verschwamm alles. Er fiel haltlos. Durch einen Schleier aus Tränen sah er den grauen, harten Steinboden, dem er rasend schnell entgegen stürzte. Und in seinen Ohren klang das Lachen von Malfoy, Crabbe und Goyle.
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