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Kinder der Nacht 1 - Kindheit voller Geheimnisse

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
27.04.2020
22.01.2022
38
224.921
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15.01.2022 6.326
 
Danke für die Reviews.

Heute geht es für Nick erst mal los mit ein paar Prüfungen.

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Kapitel 36 - Erste Prüfungen

Nick deutete auf seine Wachssieben von Silvester. “Sie ist viel deutlicher, als ich dachte.”
“Was meinst du?” Harry lief neben ihm her zu seinem Unterrichtsraum, weil sein Freund ihn gebeten hatte, bei der Prüfung dabei zu sein. Als moralische Unterstützung. Und da er frei hatte, machte er das natürlich gern.
“Sieben. Ich habe sieben Prüfungen. Mathe, die Kombiprüfung Naturwissenschaften, Kunst, Musik, Geografie, Latein und Deutsch. Snape meint, die Ergebnisse der Prüfungen entscheiden, wo ich mehr Unterricht brauche und wo ich weiterhin selbst lernen kann.”
“Was ist mit Sport?”
Nick grinste. “Das ist keine Prüfung, das ist ein Witz. Ich bin besser, als die Schulen in den Staaten erwarten.”
Harry lächelte. “Es gibt in manchen Ländern freiere Schulen. Nicht so mit Struktur wie bei euch oder uns hier. Sondern welche, wo die Schüler praktisch das lernen, was sie lernen wollen. Du hättest dort sicher Erfolg, weil du von dir aus lernst. Dir macht es Spaß. Du würdest es nicht ausnutzen, dass dort kein Druck herrscht.”
Sein Freund sah ihn skeptisch an. “Wenn du meinst. Momentan würde ich es gern ausnutzen. Ich hab Schiss.”
“Ach komm schon”, sagte er und legte ihm den Arm um die Schulter. “Du packst das.”
Nick straffte sich und nickte leicht. “Ich packe das. Es bleibt mir ja eh nichts Anderes übrig, sonst ist Professor Snape sauer auf mich und dann…” Er schüttelte sich leicht.
Harry lachte leise. “Oh ja, das wäre ziemlich gefährlich und das wollen wir alle nicht erleben.”
Sie kamen in dem Raum an, wo Nick seiner ersten Prüfung entgegen treten musste. Geografie. Eine dreiteilige Prüfung, wie Snape erklärte. Ihm ging es vor allem um den asiatischen Raum. Es gab zwei Blätter. Eine leere Landkarte und eine mit Begriffen zum Eintragen. Dann gab es Fragen an der Tafel, die Nick auf einer Pergamentrolle beantworten sollte und am Ende würde noch ein mündlicher Teil kommen, wo es darum ging, wieder Dinge auf einer Karte zu suchen. Dieses Mal an der großen, die vorn im Raum hing, jetzt natürlich abgedeckt.
“Darf ich die Prüfung mitmachen?”, fragte Harry. Da sie für ihn keine Bedeutung hatte, hatte er richtig Lust, mal zu schauen, ob er auch was gelernt hatte. Durch seine Anwesenheit in einigen Stunden, durch das Abhören von Nick und durch die Gespräche mit seinem Freund über dessen Unterricht.
Snape nickte, zauberte ihm die Blätter und eine leere Pergamentrolle auf den Tisch und blickte auf seine Uhr. “Sie haben 60 Minuten Zeit. Danach kommt der mündliche Teil.”
Harry kümmerte sich erst mal um die Karte und war dankbar, dass die Ländergrenzen eingezeichnet waren, so würde er sich nicht komplett zum Vollidioten machen. Er kam sich mal wieder wahnsinnig unwissend vor und nahm sich ganz fest vor, sich mal in Ruhe mit einem Atlas hinzusetzen und ihn sich anzusehen. Die einzigen Begriffe, mit denen er wirklich etwas anfangen konnte, waren die, die mit Indien zu tun hatten.
Die Zeit verrann. Snape sagte nach einer halben Stunde die Zeit an. Nick war längst beim Beantworten der Fragen von der Tafel, Harry suchte immer noch die Orte, wo er die Begriffe einzeichnen konnte. Denn ein kurzes Überfliegen der Fragen hatte ihm gezeigt, dass er nicht viele beantworten konnte.
Es ging bei den Fragen um die einzelnen Länder. Um wichtige. Warum sie wichtig waren. Es ging um Landwirtschaft und Klimazonen. Es ging um Böden, Meere und wichtige Produkte, die sich daraus ergaben. Pflanzen und Minerale.
Da er aber nicht aufgeben wollte, nahm er alles zusammen, was er durch und mit Nick gelernt hatte und beantwortete ein paar Fragen. Es ging auch um die Wüste Gobi und hier konnte er zumindest mal zusammenhängend antworten, Hermine sei Dank.
Während Nick von Snape ausgefragte wurde und mit einem Zeigestock an der jetzt wieder aufgedeckten Karte Städte, Gebirge und Flussläufe zeigen musste, grübelte Harry noch über den Fragen. Die Karte zum Eintragen hatte Snape natürlich eingesammelt.
Nach etwas über einer Stunde war die Prüfung vorbei und Nick wirkte erleichtert. Zuversichtlich. Er hatte also ein gutes Gefühl. Harry freute sich für ihn. “Ich hatte ziemliche Probleme”, gab er zu. “Ohne mein Mitlernen durch dich hätte ich kaum etwas schreiben können. Wir lernen hier… nichts über unsere Welt.”
“Wie Hermine gesagt hat: Ihr lernt hier, die Welt euren Wünschen anzupassen. Wobei, nicht die Welt, sondern eher euer Umfeld.” Nick lächelte. “Ich glaube, ich habe zumindest so viel gewusst und richtig beantworten können, dass ich hier weiterhin mehr oder weniger allein lernen kann.”
“Ich hoffe es für dich. Du bist gut darin und hast Ehrgeiz. Das ist gruselig. Sollte man mit 13 nicht total genervt von der Schule sein und lustlos?”
Nick grinste. “Bin ich nicht. Ich freue mich auf die Schule und mir macht das Lernen hier mehr Spaß als je zuvor.” Er streckte sich. “Danke, dass du mitgemacht hast. So allein mit Snape, das mag ich nicht. Also nicht wegen dem Alleinsein mit Snape, aber diese vollkommene Ruhe in so einer Prüfung und dann ganz allein...”
Harry winkte ab. “Ich weiß schon, was du meinst. Wer mag das schon.” Für einen Momente zuckte der Gedanke durch seinen Kopf, ob es nicht gefährlich war, Nick mit Snape allein zu lassen. Er ärgerte sich. Immerhin war es Snape, der Nick hier am Meisten beschützte.
Sie liefen in den Gemeinschaftsraum, wo Hermine und Neville saßen und Luna etwas für Pflanzenkunde erklärten. “Hey, Nick, wie war´s”, fragte Hermine sofort.
“Es war okay.”
“Er hat viel mehr gewusst als ich”, sagte Harry. “Ich komme mir mal wieder dämlich vor. Wobei, die Fragen über Indien konnte ich beantworten.”
“Sowas aber auch.” Neville sah ihn wissend an. “Du hast ja auch aus gegebenem Anlass eine Menge darüber gelesen.”
Luna lächelte. “Snape ist ein interessanter Mann, der das Interesse an anderen Dingen wecken kann. Das ist eine Gabe.”
Ein interessanter Mann… Wenn sie wüsste. Wenn sie wüssten. Harry stand langsam auf. “Ich muss noch zu meinem Job. Es ist Montag und Saladin möchte gestriegelt werden und ein wenig raus aus seiner Höhle.”
“Ich komme mit”, sagte Nick. “Ich müsste noch für Mathe lernen, aber ich glaube, wenn ich das noch mal durchgehe, dann verwirre ich mich selbst. Im Notfall setze ich die Prüfung in den Sand und Snape muss mich da noch mehr unterrichten, bis ich es wirklich kapiert habe.”
“Wann hast du Mathe?”, fragte Harry. “Nicht, dass ich da mitmachen werde, aber ich kann ja irgendwas anderes machen, wenn ich frei habe.”
“Du hast frei.” Nick lächelte. “Du hast bei allen meinen Prüfungen frei. Snape hat die extra so gelegt. Weil er meinte, dass ich vielleicht nicht allein sein möchte.”
Harry sah die Verwunderung in den Gesichtern seiner Freunde. “Er hat sich echt verändert… als ich in die Schule gekommen bin. Ich denke, so wie er jetzt ist, ist er wirklich. Ich habe ja mittlerweile die Schulakte von Dad durch und ich kann verstehen, warum er so sauer war und warum er sich Sorgen gemacht hat, dass das wieder losgeht.”
“Was genau hat dein Dad eigentlich gemacht?”, fragte Neville. “Snape war in den letzten Jahren ja ziemlich böse auf dich. Was ist da vorgefallen?”
“Eigentlich ist es ganz simpel. Dad hat, wie Jugendliche so sind, nicht hören können. Er hat Snapes Privaträume gefunden. Die Räume von den Lehrern liegen ja meist ein wenig versteckt, damit die mal Ruhe haben.” Neville, Luna und Hermine nickten. “Und wir Schüler haben da nichts zu suchen.”
“Selbstverständlich nicht”, sagte Hermine. “Wer will schon ständig fremde Leute in den eigenen vier Wänden haben.”
“Eben. Genau das ist der Punkt. Snape hat Dad und Sirius beim Rumschnüffeln erwischt. Was auch immer die finden wollten und warum auch immer sie das gemacht haben. Jedenfalls war er sauer und hat sie verscheucht. Und das… hat sie richtig neugierig gemacht.”
“Du bist ja auch ein wenig neugierig geworden, was Snape angeht”, sagte Luna.
“Aber ich halte Grenzen ein. Dad und Sirius haben irgendwann keine Grenzen mehr gekannt. Sie wollten sogar bei ihm einbrechen. Natürlich sind die Räume von Lehrern geschützt. Und so hat es einen Riesenlärm gegeben und Riesenärger für Dad und seine Freunde. Doch das hat die einfach nicht abgeschreckt. Sie haben immer weiter gemacht und ihn genervt. Fast sieben Jahre lang. Bis kurz vor den Prüfungen, wo sie dann wohl mal ein wenig zum Nachdenken gekommen sind.”
“Ich wäre ausgerastet, wenn mir jemand so auf den Wecker gehen würde”, murmelte Nick. “Gut, dass Snape offenbar Selbstbeherrschung hat.”
Harry sah ihn ernst an. “Oh ja. Das ist sehr gut.”
“War das ein Slytherin-Gryffindor-Problem?”, fragte Luna.
“Nein”, sagte Harry und schüttelte heftig mit dem Kopf. “McGonagall hat der Gruppe auch diverse Nachsitzstunden aufgebrummt. Auch wegen der Missachtung der Privatsphäre von Lehrern. Und weil Dad und Co. oft nachts unterwegs waren oder in Bereichen des Schlosses, wo sie nicht hin gedurft hätten oder im Verbotenen Wald.”
“Pech, dass sie immer wieder erwischt wurden”, sagte Neville.

“Wieso hast du so gelacht? Als Neville meinte, es sei Pech, dass dein Dad und seine Freunde immer erwischt wurden?”
“Weil ich weiß, warum und hätten sie das gewusst, hätten sie sich mit Snape nicht angelegt”, antwortete er. “Aber ich darf es dir leider nicht erzählen. Tut mir leid, Nick.”
“Kein Thema.” Schade, aber er konnte damit leben. Er wollte ja auch nicht, dass Harry Ärger bekam. “Wie bist du eigentlich zu deinem Nebenjob gekommen?”
“Snape hat ihn mir angeboten. Ich kapiere nicht, wieso genau, aber da er mir Spaß macht, werde ich ihn weiterhin nach bestem Wissen und Gewissen ausführen.” Harry grinste jetzt. “Saladin ist ein tolles Tier. Weich und warm und… ich streichle ihn gern.”
“Ich auch. Er ist toll. Ich würde ihn gern mal wieder reiten.” Nick seufzte. “Wieso bist du so rot im Gesicht?”
“Herrgottnochmal. Ich bin 15 und habe dir gerade gestanden, dass ich gern ein Pferd streichle. Sowas ist peinlich.”
“Also mir nicht.” Nick sah ihn immer noch verständnislos an. “Und dir sollte das auch nicht peinlich sein. Ich denke, es gibt viele 15jährige Menschen auf der Welt, die gern Tiere streicheln. Und soll ich dir mal sagen, wieso?”
“Na mach mal.” Harry lachte jetzt leise und sah schon nicht mehr so rot aus.
“Weil das schön ist. Tiere sind toll. Die lügen nicht, die spielen einem nichts vor. Wenn sie dich mögen, dann lassen sie sich anfassen und streicheln und spielen mit dir und wenn sie dich nicht mögen, beißen sie. Man kann sie zwar bestechen, aber wenn man sie schlecht behandelt oder ein schlechter Mensch ist, merken die das genau. Tiere sind toll.”
“Weißt du, Nick, du solltest doch eher ein Hufflepuff sein als ein Gryffindor. Einen Freund wie dich wünscht sich doch jeder.”
Nick fühlte, dass er es jetzt war, der leicht rot wurde. Hastig blickte er nach unten auf den Boden. “Danke für das Kompliment”, nuschelte er. “Was müssen wir denn heute machen?”
“Saladin ein wenig striegeln und ihn etwas herumführen. Nur in der Nähe der Höhle.”
“Wieso ein wenig?”, fragte Nick und pflückte ein paar Gräser und Kräuter, von denen er mittlerweile wusste, dass Saladin sie mochte. “Wieso nicht richtig?”
“Snape meinte, wenn man ihn jetzt zu doll bürstet, bürstet man das ganze Winterfell raus und dann friert er. Erst im Frühling, wenn es wärmer wird, wird er richtig intensiv gestriegelt und gekämmt. Snape meinte, das dauert dann auch eine Weile und er mag es nicht.”
“Verstehe ich nicht. Saladin mag es doch, wenn man ihn striegelt.”
“Aber nicht, wenn es zu lange dauert. Dann wird er unruhig.” Harry lachte. “Dass ich hier noch eine Ausbildung in der Pferdepflege kriege, hätte ich auch nicht gedacht.”
Nick fand das auch witzig und grinste. “Wobei”, sagte er. “Es ist eigentlich gar nicht so fernliegend. Ich meine, Pferde waren lange ein sehr gängiges Transportmittel. Selbst Ende 1800 und Anfang 1900, als Autos sich langsam durchgesetzt haben, hatten die wenigsten Leute so eins. Die waren ja teuer und Tankstellen gab es da bestimmt auch nicht überall. Also kennen es die meisten Lehrer wahrscheinlich noch so und müssen sich erst mal an die neumodischen Kutschen ohne Pferde gewöhnen.”
Harry lachte leise und Nick lachte mit. Das hier war besser als Mathe pauken. Wobei er da nicht drum herum kommen würde. Hermine, die mittlerweile ein wenig Spaß am Gleichungenlösen gefunden hatte und da auch durchstieg, hatte ihm angeboten, noch mal mit ihm zu lernen. Aber auch sie war zum Glück der Meinung gewesen, dass etwas Zeit draußen und zusammen mit einem Freund besser war, als stundenlanges, stupides Lernen.
Nick schloss die Augen und sog tief Luft in seine Lungen. Der erste Monat des neuen Jahres neigte sich dem Ende. Seine Mom hatte früher immer gesagt: Wenn der Januar erst mal vorbei ist, ist bald auch Frühling und Ostern. Nach Ostern ist dann fast direkt Sommer und der ist auch schnell rum und dann ist schon Herbst und Winter und schon ist das Jahr wieder vorbei. Er fand diese Einstellung immer noch ein wenig pessimistisch, aber eines stimmte. Die Zeit verging manchmal zu schnell. Ihm blieben wohl im besten Fall drei Jahre in Hogwarts. Und eines davon war halb rum.
Die kalte Luft, der Geruch nach Nässe, Moosen und Holz, durchsetzt mit einem leichten Duft nach Tannenbäumen, beruhigte ihn ein wenig. Er mochte diesen Geruch. In so einer Gegend würde er sicher gut leben können. Er mochte zwar sonniges und warmes Wetter, aber er brauchte es nicht zwingend.
“Hey”, sagte Harry und zog ihn mit sich mit, damit er nicht gegen die Höhlenwand lief. “Nicht träumen. Das sollte man hier im Wald nicht tun.”
“Ich…” Er blinzelte. “Der Wald ist toll.”
“Aber nicht ungefährlich.”
Saladin schnaubte leise, als er sie sah und ließ sich gern streicheln. Er freute sich offenbar über die Gesellschaft, ließ sich den Strick um den Hals legen und aus seiner Box führen. Er nahm die Leckerli, die Harry ihm gab und den Grasbüschel von Nick.
“Ein Glück, dass auch im Winter ein paar Sachen zu finden sind.” Nick nahm eine Bürste und fing dann an, Saladin zu striegeln. So wie Harry es ihm gezeigt hatte.
Gemeinsam erledigten sie die Arbeit, dann legte Harry Saladin das Zaumzeug an, wie er es mittlerweile von Hagrid gelernt hatte und zog leicht daran. Nick sah ihm zu. Saladin hatte offenbar nichts gegen einen Spaziergang und trabte ihm hinterher.
“Ist an Zaumzeug nicht so ein Ding dran, wo die Pferde drauf beißen?”
“Hagrid sagt, nicht an jedem. Und Saladin mag es nicht.”
Sie liefen eine Weile mit dem Pferd in der Gegend herum, allerdings nur in unmittelbarer Nähe der Höhle. Nick geriet wieder ins Träumen. “Ich hätte auch gern ein Pferd. Damit würde ich dann den Wald erkunden und die Umgebung von Hogwarts und Hogsmeade. Da könnte man sicher richtig tolle Touren machen. Ausflüge. Es wäre toll, wenn es hier eine Pfadfindergruppe gäbe. Oder man könnte im Sommer an einen See reiten. Einen normalen. Ohne Riesenkraken und Grind…”
“Grindelohs.” Harry sah ihn an. “Grindelohs gibt es in allen Seen.”
“Mmmm.” Er grübelte. “Ich würde es trotzdem riskieren, dort schwimmen zu gehen.”
Harry lachte leise, wurde im nächsten Moment allerdings ernst und zog seinen Zauberstab. “Was machst du denn hier?”
Nick blickte zu Ron Weasley rüber, der auf einem umgekippten Baumstamm saß. Es wirkte gestellt. Und um da länger zu sitzen, war es auch zu kalt.
“Ich kann mich hier genauso aufhalten wie ihr. Oder gelten für euch besondere Regeln?”
“In dem Fall schon”, knurrte Harry leise. “Ich bin hier, weil Snape mir einen Auftrag erteilt hat.” Er reichte Nick die Zügel. “Bring Saladin in die Höhle. Ich denke, Snape hat die speziell geschützt. Ich will nicht, dass ihm was passiert.”
Nick nahm sie und zog das Pferd mit sich mit. Der bockte jetzt ein wenig, weil er es nicht witzig fand, von einem Jungen geführt zu werden, der Angst hatte. Das Tier spürte das und wurde unruhig. Aber letztendlich ging er doch mit. Nick lief eilig auf die Höhle zu, bis Crabbe plötzlich vor dem Eingang auftauchte.
“Nicht so hastig.”
“Du solltest dich von Saladin fern halten.”
“Der Gaul ist mir doch scheißegal.” Malfoy und Goyle traten neben ihn.
“Snape aber nicht. Wenn Saladin was passiert, zerlegt er euch in kleine Stückchen.”
Malfoy lachte kalt. “Snape ist im Schloss. Das sind gute 20 Minuten von hier. Der kriegt es gar nicht mit. Du bist fällig, du dreckiger Muggelabschaum.” Er zielte mit dem Zauberstab auf ihn.
“Harry”, rief Nick. Seine Stimme bebte leicht.
Harry kam zu ihm und funkelte Malfoy an. “Ihr seid so elende, feige Ratten. Aber gut, damit passt ihr in Voldemorts Reihen.” Wütend schoss er einen Fluch auf ihn ab, der davon zurück an die Höhlenwand geschleudert wurde, die allerdings blau aufleuchtete und ihn wegstieß. “Ich lenke sie ab, du bringst Saladin in die Höhle und bleibst dort. Sie kommen da nicht rein.”
“Aber Harry…”
“Geh schon. Ich kann mich wehren gegen diese vier Typen.”
Nick hielt sich am Zügel des Pferdes fest, was leise wieherte und daran zog. Sanft glitt er mit seiner zitternden Hand über den Kopf. “Ganz ruhig, Saladin. Wir beschützen dich.”
“Schade, dass der Basilisk nicht mehr da ist”, knurrte Crabbe. “Der hätte das Problem schon erledigt.”
“Den habe ich platt gemacht. Und der war ein paar Nummern größer und intelligenter als ihr”, fauchte Harry.

Harry war langsam aber sicher genervt. Von der Blödheit seiner Mitschüler. Die wussten wirklich nicht, wann gut war. Bis jetzt hatten sie sich zurück gehalten, seit der Sache mit der Peitschenden Weide. Jetzt kochten sie mal wieder über. Er fühlte das Kribbeln seines Zauberstabs in seiner Hand und lächelte. Jetzt würde er ihn endlich mal richtig ausprobieren können.
Crabbe und Goyle schossen einige Lähm- und Fesselflüche auf ihn ab, doch Harry wich ihnen einfach aus. “Feigling”, knurrte Goyle. “Kämpfe gefälligst richtig.”
“Ihr greift mich zu dritt an, zu viert, wenn man die Ratte dort drüben mit einrechnet”, er deutete auf Ron, “und nennt mich feige. Ihr seid die Feiglinge.” Wütend schoss er Flüche auf Malfoys Handlanger ab, die zur Seite geschleudert wurden und benommen im Schnee liegen blieben.
Saladin wieherte, folgte Nick dann aber, als der das Pferd in die Höhle zog. Malfoy wollte einen Fluch auf die beiden abschießen, doch Harry stürzte sich auf ihn und hieb ihm zwei Mal die Faust ins Gesicht. Dann sprang er auf und stellte sich ihm. Er war wirklich schneller und stärker geworden durch den Sport.
Der blonde Slytherin blutete. Vielleicht würde der Geruch des Blutes ja Snape anlocken. Er wusste nicht, ob der so gute Ohren hatte, um das hier mitzukriegen. Zutrauen würde er es ihm, aber es war unwahrscheinlich.
“Du verdammter Pisser”, meckerte Malfoy und hob seinen Zauberstab. Wütend schoss er einige Feuer- und Wasserzauber auf ihn ab.
Harry blockte sie, indem er den Zauberstab wie einen Schild genau in die Zauber hielt. Und es klappte. Das Wasser sprengte einfach zur Seite ab, das Feuer nicht ganz so. Wie Ollivander es ihm gesagt hatte.
“Serpensortia”, zischte er und erstarrte, als eine ziemlich große Schlange zum Vorschein kam. Sie war gute drei Meter lang und dicker als ein kräftiger Männerarm. Klar, sein Stab beinhaltete den Teil einer Schlange. Der Zauber klappte also gut. Und vor allem fühlte er die Kontrolle, die er über das Tier hatte. “Siehst du, ich kann das auch. Und meine Schlange ist echt und nicht so ein Regenwurm wie deine im zweiten Jahr. Und ich kann sie auch noch steuern, weil ich Parsel kann. Und jetzt verpisst euch hier, Malfoy, sonst habt ihr ein echtes Problem.”
“Was geht hier vor?”, donnerte Snape in dem Moment. Entweder hatte er doch ein Supergehör oder Vampire konnten Blut sehr weit riechen. “Weasley, Sie Feigling, Zauberstab runter. Man greift keine Schüler von hinten an. Allein der Versuch wird der Nagel zu Ihrem Sarg. Mir reicht es jetzt. Wenn es nach mir geht, fliegen Sie von der Schule und zwar heute noch.” Er lief auf Draco zu, die Schlange, die ihn anzischelte, völlig ignorierend. “Was machen Sie und Ihre Handlanger hier?”
“Wir dürfen genauso in den Wald…”
“Falsch. Dürfen Sie nicht. Von wem haben Sie die Erlaubnis? Der Wald heißt ‘Verbotener Wald’.”
Malfoy sah ihn wütend an. “Potter hat mich angegriffen.”
“Das sehe ich. Warum, Mister Potter?”
“Weil die drei Slytherins mal wieder Nick angreifen wollten, ohne Rücksicht darauf, dass er Saladin am Zügel hatte und ich wollte nur Ihr Pferd beschützen. Draco hat mit dem Zauberstab auf Nick und Saladin gezielt, da bin ich auf ihn gesprungen und hab ihm zwei mal eine rein gehauen.”
Snapes Blick verfinsterte sich. Er deutete mit seinem Zauberstab auf Malfoy. “Mir reicht es. Abmahnung, Abmahnung, Abmahnung.” Sein Zauberstab deutete in Richtung von Crabbe und Goyle. “Außerdem schreiben Sie mir dieses Wochenende einen fünfseitigen Aufsatz zum Thema: ‘Warum heißt der Verbotene Wald wie er heißt und warum dürfen Schüler ihn ohne Erlaubnis eines Lehrers nicht betreten.” Er sah, wie Malfoy den Mund öffnete. “Ein Widerwort. Ein Versuch, sich darum zu drücken und Sie schreiben die Schulordnung ab. Und nur zur Warnung. Das ist ein 600 Seiten Werk. Die Schule ist alt und es gab viele Gesetze, die nie gelöscht wurden. Und jetzt gehen Sie zurück in die Schule. Weasley, Sie melden sich bei Professor McGonagall.”
“Aber… Professor…”
“Sie wollten Mister Potter von hinten angreifen. Das ist widerwärtig, feige und absolut asozial. Ich hoffe, Sie schmeißt Sie raus. Menschen wie Sie brauchen wir hier nicht.”
“Ich habe gar nichts gemacht”, sagte Ron jetzt wütend.
“Sie sind hier. Und ja wohl kaum durch Zufall. Ihre neuen Freunde tun Ihnen nicht gut, Weasley. Und eines kann ich Ihnen verraten. Wenn Sie in der Scheiße stecken, drehen die sich grinsend um und laufen ganz weit weg.”
“Slytherins eben”, knurrte er mit einem hämischen Gesichtsausdruck.
Harry sah das kurze rote Aufblitzen von Snapes Augen. Jetzt wurde es gefährlich. “Halt die Schnauze, Ron. Merkst du eigentlich noch, was du hier von dir gibst? Zu einem Lehrer?”
“Lass mich doch in Ruhe.” Er stand auf und stapfte zum Schloss zurück.
“Fliegt er wirklich?”, fragte Harry leise. Er winkte Nick zu, der am Höhleneingang stand.
“Saladin ist in seiner Box und knabbert etwas Heu”, sagte er unsicher.
“Gut. Danke.” Snape hatte immer noch die Fäuste geballt. “Es wäre besser, wenn er fliegt. Das wäre mal ein deutliches Statement. Aber ich denke, Dumbledore wird es nicht zulassen. Und Minerva folgt seinem Befehl und nicht ihrem Hirn.” Sein Blick glitt über die Schlange. “Hübsches Tier.”
“Danke. Aber wie entlasse ich die wieder? Die ist doch nicht echt, oder?”
“Es eine körperliche Illusion. Momentan ist sie echt. Sie löst sich in einigen Stunden allein auf. Lassen Sie sie einfach in den Wald. Sie ist zwar giftig, aber die Lebewesen hier kommen damit klar.”
“Echt stark, Harry. Dein neuer Zauberstab ist genial.”
Harry verzog das Gesicht. “Ich habe Crabbe und Goyle ziemlich weh getan.”
“Und?”, fragte Snape und lief in Richtung Schule davon. “Ich wünschte mir, ich dürfte das auch. Mister Burkhardt, gehen Sie zurück in die Schule und hören Sie auf, hier zu prokrastinieren.”
“Was?”, fragte er verwirrt.
Snape blieb stehen und drehte sich um. Auf seinen Lippen lag jetzt wieder ein leichtes Lächeln. “Arbeiten, die man eigentlich kann und machen muss, aufschieben und durch andere meist durchaus sinnvolle Tätigkeiten ersetzen, die jetzt aber gar nicht so nötig wären. Saladin pflegen ist toll und ich freue mich, aber für eine Matheprüfung lernen, ist wichtiger. Dringender. Also bewegen Sie sich ins Schloss und machen es.”
Nick verzog das Gesicht. Harry lachte leise. Ob Snape das Wort erfunden hatte? Er nahm sich vor, Hermine danach zu fragen. Die wusste sowas.

“Nein, das Wort Prokrastination gibt es wirklich und es kann sogar eine Krankheit sein, wenn man es zwanghaft macht. Aufgaben aufschieben und ersetzen. Die meisten Menschen machen das mal. Studenten zum Beispiel, gerade weil sie ja lernen müssen, viel eigenständig einzuplanen, während vorher in der Schule und im Elternhaus alles geregelt wurde. Viele Freiberufler sind davon auch betroffen. Künstler zum Beispiel. Ich habe gehört, bei Schriftstellern ist es extrem. Die fangen an, die Wohnung zu putzen, obwohl sie eigentlich schreiben sollten.”
Harry lachte leise. Als Ron mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck in den Raum kam, stöhnte er innerlich auf.
“Mir kann keiner was. Dumbledore sagt, ich kann hier bleiben”, verkündete er.
“Der Mann ist doch verkalkt”, sagten seine Zwillingsbrüder. “Seamus hatte Recht.”
“Ach haltet doch die Klappe.” Er verschwand nach oben.
Harry erhob sich von seinem Platz und folgte ihm. Er merkte, dass ihm einige Schüler nachsahen. Er schloss die Tür hinter sich.
“Hör mir mal genau zu, Ronald Weasley. Lass deine dreckigen Todessergriffel von Nick.” Als Ron seinen Zauberstab zog, hatte Harry seinen schon in der Hand und entwaffnete ihn. Es war so schnell gegangen, dass er es selbst nicht mitbekommen hatte. Sein monatelanges Training und der neue Zauberstab wirkten Wunder. “Was regst du dich so auf? Weil ich dich einen dreckigen Todesser nenne? Das bist du. Du hasst einen Muggel, nur weil er Muggel ist. Du willst ihm schaden, ihm wehtun. Aber nur in der Gruppe, weil du ein widerlicher, kleiner Feigling bist. Du hast Schiss vor einem offenen Duell mit mir allein, weil du dazu zu schwach bist. Darum willst du mich von hinten angreifen. Du bist schlimmer als die Leute, die du früher verachtet hast. Ich weiß nicht, was in den Ferien in dich gefahren ist oder schon im letzten Jahr.
Wenn du immer noch neidisch bist auf meinen Erfolg im letzten Jahr, dann tauche eine Stunde im See. Mach es nach. Vielleicht geht es dir dann besser. Geh in den Wald, dort sind Drachen. Reite einen. Klau ihm was. Mach etwas, um dich besser zu fühlen, aber höre endlich auf, deine Minderwertigkeitskomplexe und deinen Frust dadurch abbauen zu wollen, dass du ein kleines Kind fertig machen willst, was sich nicht wehren kann. Sonst mache ich dich zur Schnecke. Und du solltest eines nicht vergessen. Dumbledore braucht mich. Ob es ihm passt oder nicht, aber er braucht mich. Wenn es darum geht, wer die Schule verlässt, ob du oder ich, wirst du es sein.” Damit warf er ihm seinen Zauberstab vor die Füße. “Ich dreh mich jetzt um. Wenn du mich von hinten angreifst, verbringst du die nächsten Wochen im Krankenflügel, das verspreche ich dir.”
Damit ging er wieder nach unten und ließ sich hier vor den Kamin fallen. Ron kam nicht mehr runter an diesem Tag und Harry sah Nick beim Lernen mit Hermine zu. Zum ersten Mal hatte er sich mit jemandem ganz bewusst angelegt, um einen anderen, schwächeren Menschen zu schützen. Das, was dieses Land von ihm in Bezug auf Voldemort erwartete. Und eines musste er sich eingestehen. Es fühlte sich nicht schlecht an zu kämpfen, wenn der Grund stimmte. Und Nicks Schutz war ein guter Grund.

Am nächsten Morgen bat ihn McGonagall zu einem Gespräch in ihr Büro. Er ging schweigend mit.
“Mister Weasley hat sich beschwert, dass Sie ihn bedroht hätten.”
“Habe ich.” Die Frau wirkte irritiert. “Ich habe ihm gedroht, ihn fertig zu machen, wenn er es noch einmal wagen sollte, mich von hinten anzugreifen oder Nick etwas zu tun. Wieso haben Sie ihn nicht raus geschmissen? Wie viele Verwarnungen kriegt er noch, ohne dass es Folgen hat? Muss er erst jemanden umbringen, bevor in dieser Schule was passiert?”
McGonagall schwieg einen Moment. Dann senkte sie den Blick. “Professor Dumbledore hatte hier das letzte Wort.”
“Tze”, machte er. “Es ist leicht, sich dahinter zu verstecken, Professor McGonagall, aber Sie sind unsere Hauslehrerin. Wenn Nick was passiert, weil Ron durchdreht, ist es Ihr Problem. Ein Problem, von dem Sie monatelang wussten. Opfer und Täter sind Ihr Problem. Und ich glaube, dass Dumbledore Sie genauso fallen lässt wie Malfoy es mit Ron macht und wie Dumbledore es mit mir macht.”
“Es reicht, Mister Potter.”
“Hat er es Ihnen erzählt? Unser Gespräch? Dass er all die Kinder hier nur als Platzhalter ansieht und den Tod vieler eingeplant hat? Dass sowas halt notwendig sei? Hat er Ihnen erzählt, dass ich es anders sehe?”
“Er meinte, Sie seien im Moment sehr aufgebracht…”
“Ich bin stinksauer”, brüllte er. “Mich kotzt einfach alles an. Ihr Verhalten. Das Verhalten der Magier dieses Landes. Ron und Malfoy. Dumbledore mit seinem Gottkomplex. Der Mann ist alt, hat sein Leben hinter sich. Er ist so mächtig. Wieso kämpft er nicht? Wieso, Professor? Wieso versteckt er sich hinter mir, hinter einem 15jährigen Kind? Wieso hat er Voldemort damals nicht gestoppt, als der meine Eltern umgebracht hat? Wieso hat er ihn in den Jahren der Ruhe nicht gesucht, sondern ruhig in seinem Büro gewartet? Wieso bringt der Mann uns nichts bei, um uns zu verteidigen, sondern erwartet, dass wir wie Lämmer zur Schlachtbank laufen, auf die er mit einem herablassenden Wink deutet? Wieso? Mein Leben gehört ihm nicht. Es gehört mir.”
Ein leise Klopfen ertönte und Snape betrat den Raum. “Bitte, fahren Sie fort, Mister Potter. Es ist sehr gesund, sich mal Luft zu machen. Aber die Adressatin ist falsch. Minerva kann Ihnen nicht helfen.”
“Wer kann es dann, Professor Snape? Wer ist in diesem beschissenen Land zuständig, wenn ein 15jähriger von einem Massenmörder bedroht wird?”
“An und für sich die Auroren und das Zaubereiministerium. Aber das Problem ist, dass ein Teil von denen Anhänger des Massenmörders sind und ein weiterer Teil hat die Hosen gestrichen voll.”
“Voldemort ist doch nur ein Magier. Er ist kein Gott oder Übermensch, er ist nur ein Magier. Und die Auroren und die anderen Magier sind auch Magier. Wieso kämpfen sie nicht? Wieso ich?” Er fühlte sein Herz rasen.
Snape kam auf ihn zu und legte ihm die Hände auf die Schultern. Mit seinen dunklen Augen fixierte er die von Harry, der langsam ruhiger wurde. “Das ist ziemlich simpel. Wenn alle kämpfen, wird es ein Bürgerkrieg. Und das will keiner. Und so haben im letzten Krieg die Auroren versucht, Voldemort zu stoppen und Dumbledore mit dem Orden des Phönix hat allein gekämpft. Und der Rest hat den Kopf in den Sand gesteckt und einfach gehofft, dass sie übersehen werden. Jetzt haben wir das Problem, dass Voldemort als unsterblich gilt, ebenso wie Sie. Sie haben beide einen Todesfluch überlebt und es ist so leicht und einfach zu glauben, dass es Ihr Kampf ist. Es ist so viel leichter und es kostet viel weniger Menschenleben.”
Harry setzte sich auf einen Stuhl, als Snape ihn darauf drückte. “Was soll ich tun?” Er merkte, dass er den Mann wie hypnotisiert anstarrte, aber er konnte nicht anders und sein Gefühl sagte ihm, dass Snape ihn irgendwie dazu zwang.
“Sie haben sich doch längst entschieden. Spätestens seit Beginn diesen Jahres. Vor diesem Jahr hätte ich noch gesagt: Nehmen Sie Ihr Geld und hauen Sie ab. Retten Sie Ihr Leben und dann müssen die Leute hier sehen, wie sie klar kommen. Aber jetzt haben Sie Freunde. Sie trainieren gemeinsam, sie kämpfen jetzt schon gemeinsam. Diese Schüler lernen Sie kennen, als einen mutigen, jungen Gryffindor mit Anführerqualitäten. Ein Mensch, der zwar Rückhalt braucht, aber der tapfer an vorderster Front kämpft. Wenn Sie jetzt gehen, wird das schlechte Gewissen Sie so lange quälen, bis Sie es nicht mehr aushalten.”
“Dumbledore…”
“Kann Ihnen doch egal sein. Er wird Sie nicht unterrichten. Er ist viel zu beleidigt. Aber er forscht. Und das ist wichtig. Vor allem, weil er es kann. Lassen Sie ihn forschen. Dumbledore mag starrsinnig sein, aber er ist nicht dämlich und er wird Ihnen, mir und auch Minerva wichtige Erkenntnisse mitteilen.”
Harry schluckte, als er Tränen in seinen Augen spürte. Er blinzelte ein paar Mal und sah Snape an. “Werden Sie kämpfen?”
Snape hockte sich vor ihn, hielt den Blickkontakt aber aufrecht. “Es ist meine Aufgabe, diese Schule und ihre Schüler zu beschützen. Und da Dumbledore nun mal hier ist, genau wie Sie, wird die Entscheidung wohl auch hier fallen. Natürlich werde ich in einer möglichen Schlacht an Ihrer Seite kämpfen. An Ihrer und der der Schüler, die ich trainiere.”
“Und Sie?”, fragte Harry McGonagall.
“Natürlich. Ich habe auch im letzten Krieg gekämpft. Seite an Seite mit Ihren Eltern.”
Harry schluckte. “Dann habe ich eine Forderung an Sie.”
“Welche?”
“Unterrichten Sie uns. Professor Snape ist toll, aber je mehr wir wissen und können, desto besser sind unsere Chancen. Wenn wir in einen Kampf gezwungen werden, dann doch bitte mit Rüstung und Waffen.”
Die Frau nickte langsam. “Natürlich. Ich werde mit Severus über einen sinnvollen Plan sprechen und dann schaue ich mir in den nächsten Tagen mal an, was Sie bisher so gelernt haben.”
“Sie sind bei den Ronins jederzeit Willkommen, aber bitte, seien Sie vorsichtig, mit wem Sie darüber sprechen.”
“Ich würde nie mit einem Menschen darüber reden. Ronins?”
“Die Hogwarts Ronins”, sagte Snape mit einen Lächeln. Er stand in einer fließenden Bewegung auf. “Der Name der Gruppe um Mister Potter. Eine Abgrenzung von Dumbledore. Ronins haben keinen Herrn.”
Sie lächelte jetzt auch. “Aber einen guten Trainer.”
“Zwei, hoffe ich doch. Minerva, die Kids wollen kämpfen. Mittlerweile ist da eine neue, junge Gemeinschaft gewachsen. Aber sie wissen nicht, worauf sie sich einlassen. Du weißt es. Du hast im letzten Krieg gekämpft. Du kennst die Gegner. Sie brauchen Hilfe.”
“Jederzeit”, sagte sie. “Geht es Ihnen besser, Mister Potter?”
“Ja. Es…”
“Nein.” Sie hob die Hände. “Tun Sie das nicht. Sie haben keinen Grund, sich zu entschuldigen.”
“Stimmt. Sie sollten sich nicht entschuldigen, aber bedanken. Für einen wunderschönen Tag voller böser Eltern und Schuleulen.” Snape lächelte versonnen.
“Severus...”, zischte die Frau empört. “Altes Plappermaul.”
“Eltern… Eulen… Sie waren das?” Harry starrte seine Hauslehrerin an. “Wie haben Sie die Kimmkorn dazu bekommen, diesen Artikel zu schreiben?”
“Ein 10 Minuten Gespräch bei einem nächtlichen Kaffee. Eine Mischung aus guter Überredungskunst und der Wahrheit darüber, was für Stress sie mit dem Artikel Dumbledore und Fudge bereiten würde. Ich war wohl überzeugend.” Sie lehnte sich lächelnd zurück.
“Weiß Dumbledore das?”, fragte er und versuchte, ein Grinsen zu verbergen.
“Nein. Und es wäre besser, wenn er es nicht erfährt.”
“Von mir nicht.” Harry lachte leise. “Danke, Professor McGonagall. Meine harten Worte tun mir leid, aber ich stehe dahinter.”
“Das ist okay. Sie haben ja dummerweise Recht.”
“Verschwinden Sie jetzt, Potter”, sagte Snape. “Und treten Sie Mister Burkhardt in den Hintern, dass er lernt. Die Prüfung morgen ist schaffbar für ihn. Er kann das. Auch wenn er es nicht glaubt.”
“Ich mach ihm das klar. Danke, Professor Snape.” Er wollte gehen, stockte dann aber und wandte sich seinen beiden Lehrern wieder zu. “Professor Snape. Ich muss Sie um etwas bitten und glauben Sie mir, das fällt mir nicht leicht. Es geht um die Prophezeiung. Ich weiß, Sie haben es dieser Person versprochen, aber für mich ist der Inhalt wichtig. Könnte er zumindest sein. Und Dumbledore verrät sie mir nicht. Obwohl sie mich betrifft. Bitte, reden Sie mit der Person, die Sie kennen und die dieses Wissen hat. Schildern Sie ihr meine Situation. Aber sagen Sie ihr auch, dass ich es auch akzeptiere, wenn sie schweigt und ich werde nicht noch mal fragen und Sie belästigen. Versprochen.”
Snape nickte leicht. “Ich richte Ihre Bitte aus und ich verstehe sie sehr gut. Zugegeben, ich würde die genauen Worte auch gern hören.”
“Danke, Sir. Ich geh jetzt Nick zum Lernen anhalten und… meine Hausaufgaben für Verwandlung machen.”

Mathe, Kunst, Musik. Alle Prüfungen liefen gut für Nick. Und Harry, der ihm beim Lernen jetzt öfter Gesellschaft leistete, wenn er nicht gerade draußen im Wald war, um Saladin zu versorgen, lernte auch eifrig für seine Fächer. Bei Nicks Schulstoff war er nicht weit genug drin, um dort mitmachen zu können. Selbst bei Naturwissenschaften nicht. Diese Prüfung würde kommenden Dienstag fällig sein. Obwohl er da einige Stunden mitgemacht hatte und einiges verstanden hatte, war die Komplexität des Faches, wie Snape es unterrichtete, zu hoch für ihn.
Was das Sitzen, Lesen und Lernen anging, entwickelte Harry sich gefühlt zu einer zweiten Hermine. Nur die Stunden in der Turnhalle, wo er Magietraining und Sport machte, holten ihn mal von den Büchern weg. McGonagall war zwei Mal dabei gewesen und hatte zugesehen. Sie hatte nichts gesagt, aber beim Rausgehen dann leise mit Snape getuschelt.
Was die Prophezeiung anging, erhielt Harry noch keine Rückmeldung und wie er versprochen hatte, fragte er nicht mehr nach.
Einen einzigen Tag nahmen sich die Schüler mal frei. Und zwar den 3. Februar. An dem Tag fand nämlich das Quidditchspiel Gryffindor gegen Ravenclaw statt. Und da es ein zwar kühler, aber sonniger Tag war, machte es richtig Spaß, draußen zu sein und die Mannschaften anzufeuern.
Harry war begeistert, auch wenn seine Mannschaft einen miesen Start hatte und schnell mit 40 Punkten hinten lag. Es zeigte sich, dass die Mannschaft, die in der Besetzung schon am längsten zusammen spielte, den Gryffindors keine Chance lassen würde. Deshalb änderten sie ihre Taktik, spielten nur noch für Ginny und hinderten die Ravenclaws an weiteren Toren.
Fred schoss sogar noch ein Tor, wobei das eher Zufall war, weil der Quaffel von ihm abprallte und verfälscht wurde. Aber es zählte. Danach schnappte sich Ginny den Ball und beendete das Spiel. Es war ein spannendes Spiel gewesen und in Anbetracht der Temperaturen zum Glück kein allzu langes.
Das war der einzige freie Tag gewesen, den Harry sich mal gegönnt hatte. Die Ronins hatten zwar eine Weile draußen am See herumgestanden und in kleinen Grüppchen über Zauber und Gegenzauber gefachsimpelt und über den Fechtunterricht, den inzwischen einige Schüler mehr mitmachten, aber das war kein echtes Training.
Danach war wieder Lernen angesagt. Harry konzentrierte sich zunehmend auf Zaubertränke, weil es einfach das komplexeste Fach war und Nick brachte seine naturwissenschaftliche Prüfung hinter sich und hatte dann eine Woche Ruhe, wo er sich auf die Sprachprüfungen vorbereiten konnte. Latein und Deutsch. Die Lateinprüfung hatte Snape auf den 13. Februar gelegt und die in Deutsch auf den 16. Und er hatte Harry noch ermahnt, Nick am 14. Februar, der ein Feiertag in Hogwarts war und wo kein Unterricht stattfand, ein wenig abzulenken.
“Wieso ist es eigentlich ein Feiertag?”, hatte Harry Hermine gefragt, nachdem er auf dieselbe Frage von Nick keine Antwort hatte geben können.
“Weil wir eh ziemlich wenige Ferientage haben, weil es hier Pärchen in der Schule gibt und weil wir ein wenig die Wirtschaft in Hogsmeade ankurbeln sollen. Darum dürfen wir vormittags ja auch dorthin.”
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