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Kinder der Nacht 1 - Kindheit voller Geheimnisse

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 Slash
27.04.2020
09.01.2021
22
124.994
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Kinder der Nacht

Prolog

Dunkle Wolken.
Der Wind so sichtbar wie eine Mauer aus Stein.
Feuerwogen, riesig wie ein Wolkenmeer. Wie Wellen überziehen sie den Himmel.
Und ich stehe hier, schaue hinauf zum Inferno, was alles Leben verschlingt und spüre nichts. Ich weiß, dass ich träume. Ich bin gefangen und gleichzeitig so frei, wie ein Mensch nur frei sein kann. In unseren Träumen sind wir frei. Hier und nur hier können wir alles tun, alles sein und alles sehen. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Hier sind wir allein und doch alle vereint. Hier wird aus Realität Phantasie und aus Phantasie Realität. Aber wir sind in ihnen gefangen, denn wenn wir erwachen, ist alles weg.
Ich sehe den Untergang allen Seins. Das Ende der Welt. Und wie ich es gelernt habe, vergeht sie in Feuer, welches getrieben von übermächtigen Stürmen über die Erde fegt. Wie ein Ring legen sich die Feuerwogen um den Hof meiner Eltern. Sie verschlingen ihn, ziehen Stein für Stein, Balken für Balken, Baum für Baum nach oben in die brennende Unendlichkeit.
Doch mich erreichen sie nicht. Um mich herum vergeht alles Leben, doch der Wind, heiß und brennend, erreicht mich nicht. Weder heiß, noch kalt. Nicht eine Haarsträhne auf meinem Kopf bewegt sich.
Hinter mir bricht das Haus zusammen und wird hinauf gezogen in den höllischen Himmel, aber ich stehe nur ruhig da und sehe. Ich spüre keine Angst. Ich spüre nichts. Ich höre nichts, obwohl es ohrenbetäubend tosen müsste.
Und dann erwache ich in dem dunklen Raum, in meinem Bett und um mich herrscht immer noch die Ruhe. Die Ruhe der friedlichen Nacht vor dem nächsten arbeitsreichen Tag. Ich fühle in mich hinein. Doch auch dort ist Ruhe.
Es war also kein Alptraum. Aus Alpträumen erwache ich erschreckt und schweißgebadet. Nicht ruhig. Es war… wie eine Botschaft. Ein Blick auf das Ende der Welt, wie die Priester es erzählen.
Und ganz tief in mir weiß ich zwei Dinge. Es wird geschehen. Damit haben sie immer Recht gehabt. Und es wird nicht so geschehen. Die Welt wird nicht gewarnt werden durch himmlische Vorzeichen oder höllisches Leid, was über die Erde kommt und über die Menschen. Nein, so wird es nicht geschehen. Es wird passieren wie…
Ich stehe auf und gehe vor die Tür. Der Sommer ist heiß und die Nachtluft so angenehm kühl. Sie streichelt meinen warmen Körper, kühlt mein ständig grübelndes Hirn.
Auf meine Lippen stiehlt sich ein kleines Lächeln. So wird es passieren. Ich weiß es.
Leise und schleichend. Wie ein Waldbrand wird es sein, uns vorkommen. Wie ein Inferno. Aber in Wahrheit ist es nur ein zu heißer Sommer. Und ein winziger Funke, der den Tod bringt.
Ich frage mich, ob es wohl genug Männer geben wird zu diesem Zeitpunkt, die ein komplettes Verbrennen verhindern oder ob die Welt wirklich untergehen wird.
Ich bin ein Kind, gerade neun Jahre alt. Doch ich würde es gern erfahren, ob mein Traum und die daraus resultierende Gewissheit Realität werden oder ob es mal wieder nur das ist, was meine Eltern immer sagen.
‘Der Junge hat viel Phantasie. Er ist ein Träumer. Aber immerhin packt er fleißig mit an.’
Ich würde gern alt genug werden um zu sehen, ob der Himmel brennen kann, oder ob sich nur das Feuer der Erde im ewigen Blau spiegelt.
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