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Wie das Leben so spielt

von Eulchen68
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Fred Weasley George Weasley OC (Own Character)
27.04.2020
04.04.2021
171
466.894
112
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Dieses Kapitel
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27.04.2020 2.365
 
Gespannt saß Isa auf der obersten Treppenstufe und versuchte, so leise wie möglich zu sein, um zumindest ein wenig von dem Gespräch im unteren Stockwerk mitzubekommen, das gestaltete sich jedoch um einiges schwieriger als sie sich erhofft hatte. Das junge Mädchen strich sich einige ihrer schwarzen Haare aus der Stirn und spitzte die Ohren.

„Miss Becker, ich bitte sie“, begann der Mann, der eben einfach vor ihrer Haustür gestanden hatte ein weiteres Mal auf ihre Mum einzureden, „denken sie an ihre Tochter. Sie können sie nicht ewig hier einsperren.“

Ihre Mum schwieg beharrlich und Isa kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie sich jetzt gestresst einige Strähnen aus dem Gesicht streichen würde, um nicht laut zu werden. Irgendwas hatte dieser Mann an sich, was ihrer Mum überhaupt nicht passte, das hatte Isa schon gemerkt, als er hier angekommen war. Sofort war sie auf ihr Zimmer geschickt worden und sie hatte nur einen kurzen Blick auf diesen sehr alten, komischen Mann werfen können. Er trug einen purpurnen Mantel und eine sehr kleine Brille und sein Bart war so lang, dass Isa ihn für den Weihnachtsmann gehalten hätte, wenn sie nicht schon vor einigen Jahren aufgehört hätte an diesen zu glauben.

Ein leises Plopp hinter ihr verriet Isa, dass Roger nach Hause gekommen war, und sie drehte sich zu ihm um und legte den Finger an die Lippen. Er durfte sie jetzt bloß nicht verraten. Schließlich wollte sie unbedingt mitbekommen, was unten in der Küche gesprochen wurde.

„Ich habe dir gesagt, du sollst deine Mutter nicht belauschen“, flüsterte Roger grinsend und setzte sich neben sie auf die Stufe. Er legte einen Arm um ihre Schulter und starrte gemeinsam mit ihr in den dunklen Flur nach unten, in dem es eigentlich nichts zu sehen gab. Durch die angelehnte Küchentür fiel ein dünner Streifen Licht in den Flur, doch dieser reichte nicht aus, um den gesamten Flur zu erhellen.

„Ich weiß“, grinste Isa zurück, „aber unten ist ein alter Mann, der wie der Weihnachtsmann aussieht und ich möchte wissen, was er hier will und warum Mum so gestresst von ihm ist. Außerdem ist das der erste Besuch, den wir je hatten.“

Roger legte den Kopf leicht schief und strich sich kurz über seinen kurzen Bart, bevor er sich erhob. „Ich gehe mal nachschauen, in Ordnung?“

Isa nickte nur und schaute ihm hinterher, doch ihren Platz verlassen wollte sie trotzdem nicht. Roger stand zwar meistens auf ihrer Seite, wenn es um ihre Mum ging, doch sie wusste auch, dass er nicht über sie entscheiden konnte. Er war nicht ihr Vater, auch wenn sie sich das schon oft gewünscht hatte. Sie hatte ihm das auch schon einige Male gesagt, aber er war nicht allzu begeistert über diese Aussage gewesen. Die ersten Male hatte er nur den Kopf darüber geschüttelt, doch irgendwann hatte er ihr klar und deutlich zu verstehen gegeben, dass er niemals ihr Vater sein würde. Egal wie sehr sie sich das wünschen würde, diesen Platz würde er nicht einnehmen.

„Guten Abend, Emilia…. Professor“, hörte sie noch, doch dann zog jemand die Küchentür zu und es war still. Jetzt konnte sie überhaupt nicht mehr lauschen und das war Rogers Schuld. Er hatte ihr versprochen zu helfen und sie nicht noch weiter auszuschließen. Wütend starrte sie in den dunklen Flur nach unten, doch ändern konnte sie jetzt auch nichts mehr. Wenn sie nach unten ginge, um an der Tür zu lauschen würde es ein Donnerwetter geben, wenn sie erwischt würde.

Hatte Roger den Mann gerade mit Professor begrüßt? Also kannten die Beiden sich vielleicht sogar und Roger könnte ihr später mehr erzählen. Roger hasste Geheimnisse und Lügen fast so sehr wie Tomaten und es gab nur selten Themen, bei denen er der Meinung war, sie wäre noch zu jung, um etwas zu erfahren. Er nahm sich immer die Zeit, um Isa alles zu erklären, aber in gewisser Weise war das schließlich sein Job. Roger lebte nun schon so lange bei ihnen, dass Isa sich nicht an eine Zeit ohne ihn erinnern konnte. Er war ihr Lehrer und ihr Pate und lebte, seit ihre Mum ihm den Job angeboten hatte, bei ihnen unterm Dach. Morgens brachte er Isa lesen, schreiben und alles Wichtige bei und an drei Nachmittagen in der Woche arbeitete er zusätzlich für das Ministerium im Außendienst. Heute war einer dieser Ministeriumstage, weshalb er auch erst so spät nach Hause gekommen war.

„Isa?“, hörte sie ihre Mutter aus der Küche brüllen und so schnell sie konnte, rannte sie die Treppe nach unten. Auf der letzten Stufe kam sie ins Stolpern, doch sie fing sich gerade rechtzeitig, um die Tür aufzureißen, bevor sie mit vollem Schwung dagegen rannte.

„Ja, Mum?“ Der Weihnachtsmann-Mann saß, mit einer Tasse Tee in der Hand, auf einem Küchenstuhl und hatte ein Schmunzeln auf den Lippen. Seine Augen strahlten förmlich, als er ihr seine Hand entgegenstreckte. „Guten Abend, Isabella. Ich bin Professor Dumbledore.“

Vorsichtig ergriff Isa die Hand. „Isa.“

Professor Dumbledore gluckste freudig und bedeutete ihr, sich zu ihm zu setzen. Isa schaute kurz zu ihrer Mutter, doch diese nickte nur mit einem Gesichtsausdruck, den Isa nicht deuten konnte, und somit ließ sie sich kurzerhand auf ihren Stuhl fallen. Sofort schoss ihr Blick wieder zu dem Besucher, der sie mit dem gleichen Interesse musterte.

„Weißt du warum ich heute hier bin?“

Isa schüttelte auf die Frage nur den Kopf und wieder stahl sich ein Lächeln auf das Gesicht des Mannes. So langsam fragte Isa sich, ob er auch grimmig schauen konnte, aber das wollte sie vielleicht lieber nicht herausfinden. Auch Roger hörte so gut wie nie auf, zu lächeln, aber wenn er sauer wurde, dann wollte man lieber nicht mit ihm in einem Raum sein.

„Ich leite eine Schule, für besondere Schüler.“

„Ich bin nicht bekloppt oder verrückt!“, stellte Isa fest und schaute Professor Dumbledore fest in die Augen, um ihre Aussage zu unterstreichen. Sie war sich nicht sicher, was die von ihm halten sollte. Schon allein, weil ihre Mum noch immer sehr unglücklich über seinen Besuch wirkte.

„Oh gewiss nicht!“, lachte dieser nur und hielt ihrem Blick stand. „Das wollte ich nicht damit ausdrücken. Ich leite Hogwarts, eine Schule für Schüler, die die gleiche Begabung haben wie du.“

Er machte eine kurze Pause und schaute zu Roger auf, der noch immer neben Emilia Becker stand und sich lässig an den Tresen lehnte. „Ich hörte, dass Mr. Lucas dir schon seit einigen Jahren Unterricht gibt und du gute Fortschritte gemacht hast, aber ich habe gerade schon mit deiner Mutter besprochen, dass ich es sinnvoll fände, wenn du mit Menschen in deinem Alter lernen würdest.“

Emilia Becker brummte etwas in ihren nicht vorhandenen Bart und Isa Schaute, verwundert zu ihrer Mutter auf. „Ich dachte, Roger soll mich unterrichten, Mum?“

„Ja, das war unser Plan, Kätzchen.“ Müde strich Emilia sich über ihr Gesicht und schaute zuerst Roger, dann Professor Dumbledore und zu guter Letzt ihre Tochter an. „Aber wir können das Leben scheinbar nicht planen und ich denke, dass dir die Schule gefallen würde. Ich war auch dort, als ich so alt war wie du und ich habe viele Freunde dort gefunden.“

Isa schaute ihre Mum an und war sich nicht sicher, was sie fühlen sollte. Auf der einen Seite hatte ihre Mum ihr schon einiges von der Schule erzählt und auch Roger hatte viele lustige Geschichten auf Lager, wenn es um Hogwarts ging, doch beide sahen in diesem Moment alles andere als begeistert aus und Isa hatte das ungute Gefühl, nicht die ganze Wahrheit zu kennen und das behagte ihr nicht. Von Roger wusste sie, dass man erst alle Fakten kennen sollte, bevor man sich eine Meinung bildete, doch in diesem Moment schien es ihr, als hätte sie nicht genügend Wissen dafür.

„Irgendwas sagt ihr mir nicht“, stellte sie das Offensichtliche klar und ihre Mum zuckte kurz zusammen, bevor sie ein Lächeln aufsetzte, das nicht wirklich ehrlich wirkte. Diesen Gesichtsausdruck hatte sie immer dann, wenn sie der Meinung war, Isa wäre noch zu klein, um bestimmte Dinge zu erfahren.

„Das ist doch Unsinn, Isa.“

„Ich denke, dir wird es bei uns wirklich gefallen Isa. Ich lasse dir deinen Brief hier und deine Mutter wird dir alles weitere erklären.“ Der Professor stellte seine Tasse auf den Tisch, legte einen Umschlag daneben und erhob sich langsam. „Ich finde selbst hinaus.“

Zurück blieben nun nur noch die drei Bewohner des Hauses. Während Isa versuchte die beiden Erwachsenen niederzustarren, versuchte ihre Mum, ihrem Blick so gut es ging auszuweichen. Roger hingegen erwiderte den Augenkontakt mit einer Ernsthaftigkeit, die sie nur selten bei ihm gesehen hatte. Mit einem leisen Klicken fiel die Haustür ins Schloss.

„Was genau ist hier los?“ Isa schaute Roger herausfordernd an und reckte ihr Kinn ein Stück nach oben.

„Isa“, begann Roger langsam und bedachte Emilia mit einem kurzen Blick. „Wir… Deine Mum… Ich…“

„Wir haben entschieden, dass dir diese Schule mehr beibringen kann, als Roger“, unterbrach ihre Mutter das Gestammel und setzte sich an den Tisch neben Isa. Sie wirkte noch immer nicht ganz zufrieden mit der Situation, aber sie war entspannter als zuvor, jetzt wo der Besucher wieder verschwunden war. „Roger hat ein Angebot bekommen, um wieder mehr zu arbeiten und du hast bis jetzt fast all deine Zeit in diesem Haus verbracht. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich dich hier einsperren wollte, bis du erwachsen bist. Das war nicht die richtige Entscheidung und dieses Jahr bist du alt genug für Hogwarts und ich möchte dir diese wunderbare Chance nicht kaputt machen.“

„Wird Roger uns dann verlassen?“

„Erstmal nicht, Kätzchen!“ Roger kniete sich vor sie hin und schaute ihr in die Augen. „Erstens würde ich dich niemals ganz verlassen, sondern mir höchstens eine eigene Wohnung nehmen. Zweitens ist Hogwarts ein Internat und du wirst nur im Sommer und an Weihnachten zu uns kommen und ich verspreche dir, dass ich in dieser Zeit immer bei dir sein werde egal wo ich wohne.“

Isa schaute Roger in die Augen und versuchte, in seinem Blick eine Lüge zu erkennen, doch wie immer war dort nichts als tiefe Ehrlichkeit und Zuneigung zu finden, weshalb sie nickte und ihre Arme um seinen Hals schwang.

„Isa?“ Langsam drehte Isa sich zu ihrer Mum um und zog auch sie in eine Umarmung, die das junge Mädchen am liebsten nie wieder gelöst hätte.

„Ich habe dich lieb, Mum“, nuschelte sie gegen die Schulter ihrer Mum und vergrub ihr Gesicht noch etwas tiefer.

„Ich dich auch, Kätzchen.“ Ihre Stimme klang nicht so fest wie sonst und Isa verstärkte ihre Umarmung nochmal. „Roger würde gerne die letzten drei Wochen vor dem Schulbeginn mit dir zu einigen seiner Freunde fahren. Was sagst du dazu?“

„Kommst du mit?“

„Nein, Liebes. Ich kann keinen Urlaub nehmen und ich habe auch noch einige Termine hier, aber der Urlaub mit Roger letztes Jahr hat dir doch auch ohne mich gefallen, oder nicht?“

Ihre Mum schob sie ein Stück aus der Umarmung und Isa begann zu strahlen. „Das heißt wir fahren in den Urlaub?“

„Sieh es als einen Urlaub bei Freunden zuhause“, meinte Roger und Isa nickte begeistert. Der letzte Urlaub mit Roger war wirklich gut gewesen. Sie waren in Portugal bei einem alten Schulfreund von Roger gewesen, der einen Bauernhof führte. „Dann aber jetzt ab ins Bett, morgen geht es schon früh los und ich möchte kein müdes Kätzchen mitnehmen müssen.“

Roger lachte schallend auf, als Isa vom Stuhl sprang, und nach oben rannte, um sich bettfertig zu machen. Schon einige Minuten später lag sie im Bett und wartete darauf, dass die beiden Erwachsenen kamen, um ihr eine gute Nacht zu wünschen.

Ihre Mum war die Erste, die zu ihr kam und eine Weile saß sie einfach schweigend auf der Bettkante. Isa beobachtete sie aufmerksam dabei und versuchte herauszufinden, was ihre Mum so sehr an dem Besuch gestört hatte.

Erst nach einigen Minuten brach ihre Mum das Schweigen. „Hogwarts ist wirklich eine gute Schule.“

„Und warum wolltest du dann nicht, dass ich dort hingehe?“, frage Isa geradeheraus. Diese Frage hatte sie sich schon einige Male gestellt, wenn Roger oder ihre Mum ihr von ihrer Schulzeit erzählt hatten. Alle Geschichten, die sie gehört hatte, waren immer fröhlich und glücklich gewesen. In ihr hatte sich jedes Mal der Wunsch geredet, auch einmal dort zur Schule zu gehen, doch bis heute hatte diese Option niemals zur Debatte gestanden.

„Ich war immer der Meinung, es wäre besser, wenn du hier bei uns bleiben würdest“, erwiderte ihre Mum leise und strich ihr mit der Hand durch den Haaransatz. „Hogwarts ist weit weg und ich wollte dich lieber hier bei mir wissen.“

„Und jetzt ist es anders?“, hakte Isa weiter nach, doch ihre Mum zuckte langsam mit den Schultern, ohne die Streicheleinheit zu unterbrechen.

„Vermutlich nicht“, gestand sie nach einigen Momenten der Stille, „aber vielleicht muss ich einfach einsehen, dass es das Beste ist, wenn du zur Schule gehst und dort neue Freunde findest, so wie ich, als ich so alt war wie du.“

„Meinst du denn, ich werde da Freunde finden?“, fragte Isa gerade heraus.

„Natürlich wirst du in Hogwarts Freunde finden“, ertönte die sanfte Stimme ihres Paten und Isa wandte sich zur Zimmertür. Roger lehnte im Türrahmen, die Arme lässig vor der Brust verschränkt, und bedachte sie mit einem wissenden Blick, „darum musst du dir wirklich keine Sorgen machen. Du wirst viele junge Menschen kennenlernen, die alle genauso begabt in der Zauberei sind, wie du es bist.“

„Und wenn ich keine Freunde finde?“, äußerte sie ihre Sorge ein weiteres Mal, doch Roger schüttelte leise lachend den Kopf und trat in ihr Kinderzimmer.

„Ach, Kätzchen“, tadelte er sie liebevoll, „ich wüsste niemanden, der dich nicht ins Herz schließen würde.“

„Und jetzt ist es Zeit zu schlafen“, warf ihre Mum leise ein und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Morgen wird ein langer Tag und du solltest dich ausruhen, damit du nicht vollkommen müde bist, wenn ihr bei Rogers Freunden ankommt.“

Isa nuschelte eine zustimmende Antwort und kuschelte sich etwas tiefer in ihre Bettdecke. Schon bevor die beiden Erwachsenen das Zimmer verlassen hatten, waren ihr die Augen fast zugefallen. Im letzten Moment sah sie, wie ihr Pate sich noch einmal zu ihr herumdrehte und ihr freundlich zuzwinkerte. Dann zog er die Tür hinter sich zu und eine angenehme Dunkelheit hüllte sie ein.
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