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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.08.2020 4.013
 
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Hallo, guten Abend meine Lieben.

Ich entschuldige mich dafür, dass es heute 19.00 geworden ist, bis das Update kam.
Trotzdem hoffe ich, dass euch das Kapitel gefällt!
Vielen Dank, dass ihr diese Geschichte lest!
Ich freue mich auf eure Reaktionen :*

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 9
Name: Da Wo Du Herkommst
Wörter: 3.902
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Kapitel 9: Da Wo Du Her Kommst

„Das ist echt kaum auszuhalten!“, beschwerte Taemin sich und ließ sich rückwärts auf sein Bett fallen, welches er den ganzen Tag über vermisst hatte.

Jinki, der nach dem Treffen mit Jisung wieder mit Taemin zurückgefahren war und nun am Fußende seines Bettes saß, seufzte: „Dass deine Mutter noch ein paar Dinge mit deinem Vater besprechen muss ist doch verständlich. Diese eine Nacht wirst du doch überstehen, ohne dass du sie noch mit hundert weiteren Fragen löcherst.“

„Es geht mit nicht darum, dass sie bei meinem Dad geblieben ist und wir jetzt hier sind“, brummte Taemin und zeigte zu seinem Schreibtisch. „Es geht mir um ihn!“

Derjenige, der Jinki und Taemin nach Hause gefahren hatte und nun als Aufpasser auf dem Schreibtisch des Jüngeren saß und seine Beine baumelnd herunterhängen ließ, grinste blöd vor sich hin. „So ging das die letzten Monate immer, Kleiner“, gluckste Jonghyun, „Nur hast du mich die ganze Zeit nicht gesehen. Diese Regel hat sich ja jetzt, dank deiner Initiative, in Luft aufgelöst.“

„Selbst wenn“, ging Taemin dagegen. Seine Nerven lagen blank bei dem Gedanken daran, dass Jonghyun einiges von ihm gesehen und gehört hatte, was er nicht hätte sehen oder hören sollen. „Du musst doch nicht die ganze Nacht dort sitzen und uns anstarren!“

Jonghyun freute sich jedoch noch mehr über Taemins Reaktion und hatte nichts Besseres zu tun, als weiter den Idioten raushängen zu lassen. „Nach den ganzen Sachen, die du dir erlauben konntest, bin ich jetzt mal dran dich zu nerven. Ich hab‘ meinen Spaß und du bist aufs Blut genervt. Eine bessere Situation gibt’s nicht für mich.“

Ein pfeifenartiges Geräusch kam über die Lippen des Jüngeren, bevor dieser weiter jede Entscheidung seines Vaters kritisierte: „Ich fass es einfach nicht, dass ich mir das geben muss. Es reicht schon mein ganzes Leben lang belogen worden zu sein. Doch mit welcher Straftat in meinem Leben habe ich dich als meinen Bodyguard verdient?“

„Karma schlägt immer irgendwann zu. Ich denke dein überhebliches Mundwerk hat dazu geführt.“ Jonghyun spielte mit den Stiften, die auf dem Tisch lagen und nahm dann einen silbernen Kugelschreiber in die Hand. Er drehte den Stift wiederholt zwischen seinem Fingern und warf ihn ab und an in die Luft als wäre es sein Eigentum.

„Und wann hat dein Karma bitte zugeschlagen? Bei dir hat sich doch sicher viel mehr angesammelt als ein“, Taemin zeigte Anführungszeichen in der Luft, „überhebliches Mundwerk.“

„Ich hab dich an der Backe. Das ist genug Bestrafung für den Rest meines Lebens“, konterte Jonghyun mit einem eisernen Grinsen auf den Lippen.

Taemin machte eine kurze, empörte Pause. Jonghyun hatte es faustdick hinter den Ohren und es machte ihm sehr zu schaffen, dass er ihm immer Kontra gab. Da fiel es ihm nicht leicht, immer etwas entgegenzubringen. „Du-!“

„Schluss jetzt! Ihr nervt“, beschwerte Jinki sich und stand vom Bett auf, „Ich werd‘ mir mal einen Tee kochen. Den werde ich heute Nacht sicher gebrauchen, wenn ich euch weiter zusammen ertragen muss.“

„Jetzt sag mir nicht, dass du das in Ordnung findest, was er da tut?“, wollte Taemin wissen und setzte sich richtig auf, damit er Jonghyun besser im Auge behalten konnte. Dieser hatte den Stift mittlerweile zur Seite gelegt und blätterte nun in Taemins Aufzeichnungen für sein Studium herum.

Jinki, welcher schon kurz davor gewesen war das Zimmer zu verlassen, blieb kurz stehen. „Nein. Ich finde nichts daran in Ordnung und das liegt daran, dass ich ihn nicht ausstehen kann. Aber: Wir werden mit ihm auskommen müssen. Dein Vater hat nun mal das sagen. Auch wenn ich seine Entscheidung, Jonghyun zu behalten, nicht gerade unterstütze.“

„Oh, ist da wer beleidigt, weil der böse Jonghyun den unschuldigen Taemin eingeweiht hat?“, säuselte Jonghyun zynisch, wurde dann aber wieder ernster. „Komm schon, Jinki! Taemin ist erwachsen und er hatte ein Recht darauf die Wahrheit zu hören. Das ist meine Meinung und die Tatsache, dass Jisung mich nicht bestraft hat beweist doch, dass es das Richtige war. Und weißt du, warum Taemin so lange angelogen wurde? Weil keiner von euch den Arsch in der Hose hatte, ihm die Wahrheit zu gestehen!“

„Wow, da hast du aber einiges nicht mitbekommen. Es ging nicht darum, dass wir uns nicht getraut haben. Es ging darum Taemin vor diesem scheiß Leben zu schützen. Das hat nichts mehr mit beleidigt sein zu tun. Das ist einfach nur pure Verachtung, Jonghyun“, entgegnete Jinki und öffnete die Zimmertür. „Du hast dich den Vorschriften widersetzt. Es hätte zu dem viel mehr schieflaufen können. Taemin wäre im Unwissen besser zu beschützen gewesen. Doch durch dein Plappermaul hast du ihn noch mehr in Gefahr gebracht.“

„Ich beschütze ihn, also wird ihm nicht mal ein Haar gekrümmt werden, mach dich locker“, gab Jonghyun an und lächelte Taemin dann zu. „Außerdem, was soll er denn für ein schlimmes Leben haben? Als Sohn von Jisung steht ihm doch alles offen.“

Taemin wich Jonghyuns Blick jedoch schnell aus, da er sich nicht wirklich wohl dabei fühlte. Jonghyun war für ihn wirklich schwer zu verstehen und zu deuten. Es war fast so, als würde er sich vor ihm nackt ausziehen, sobald er ihn ansah. Deswegen wollte er ihn so gut es ging meiden.

„Dann mach einfach deinen Job. Aber sollte Taemin wegen dir etwas passieren, dann bist du der erste, der bereuen wird.“ Mit diesen drohenden Worten verließ Jinki das Zimmer.

Jonghyun nahm ihn jedoch überhaupt nicht ernst, brabbelte ihm kurz unverständlich nach und sprang dann vom Schreibtisch. „Findest du es nicht eigenartig, dass ich derjenige bin, der so behandelt wird? Immerhin war ich der einzige, der dir die Wahrheit erzählt hat. Aber nein, ich bin wie immer das schwarze Schaf. Weil ich Dir einen Gefallen getan habe.“

„Es geht mir gar nicht darum, dass du mir von dieser Sache erzählt hast“, begann Taemin und ließ Jonghyun nicht aus den Augen. Taemin störte es einfach, dass Jonghyun so war, wie er war. Es machte ihn verletzbar. Deswegen war er so abweisend zu ihm. Also ließ er die Zügel ein wenig lockerer. „Dafür bin ich dir ja dankbar.“

Jonghyun stockte merklich und kam vor Taemins Bett zum Stehen. Die Verwunderung über Taemins plötzlichen Annäherungsversuch stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Du was?“

„Ich werde das bestimmt nicht wiederholen“, sagte Taemin. Er rückte an die hintere Lehne seines Betts und zog dann seine dünnen Beine an seinen Körper. „Also nerv mich jetzt nicht.“

„Na schön“, gluckste Jonghyun und lief dann um das Bett herum. Er schien so langsam sehr gut mit Taemins Art klarzukommen, denn er reagierte auf dessen Ignoranz mit ein klein wenig Sarkasmus: „Ich werde deine herzliche Dankbarkeit nie vergessen.“

„Diese Dankbarkeit verschwindet, wenn du so weiter machst“, murmelte Taemin und sein Unwohlsein stieg, als Jonghyun sich plötzlich kichernd neben ihn setzte. Warum musste der Ältere ihm denn auch immer so nah kommen?

„Ich sag schon nichts mehr“, meinte er und hielt Taemin urplötzlich seine ausgestreckte Hand hin, welche Taemin fragend beobachtete. „Aber ich denke wir sollten irgendwie miteinander auskommen, oder? Sonst werden die nächsten Wochen nicht gerade einfach für uns.“

Taemin starrte weiter auf die ausgestreckte Hand des Älteren und haderte mit sich selbst. Würde es tatsächlich friedlicher werden, sollte er einschlagen? Oder war das nur einer von Jonghyuns Versuchen ihn gefügiger zu machen? Wollte er überhaupt einschlagen? Er kannte Jonghyun doch kaum. Aber dieser kannte Taemins ganze Lebensgeschichte dafür umso ausführlicher.

„Kein Interesse am Friedensangebot?“, fragte Jonghyun, dem Taemins Überlegungen wohl zu lange dauerten. „Ich denke es wäre besser für uns beide. Wir lassen die Streitigkeiten hinter uns und versuchen zusammen zu arbeiten. Immerhin wird es für die nächste Zeit so bleiben, dass ich auf dich aufpassen muss und wenn du mir dann nicht vertraust dann-“

„Man, du nervst“, fiel Taemin ihm ins Wort und nahm die Hand des anderen in Seine. „Lassen wir es hinter uns...“

Es war merkwürdig Jonghyuns Hand zu nehmen und irgendwie erinnerte es ihn an das Gefühl, als er von ihm ins Auto getragen worden war. Taemin hatte das noch sehr gut in Erinnerung, doch es fiel ihm schwer dieses komische Kribbeln zu deuten. Ob es Aufregung war oder doch die Unsicherheit wegen Jonghyuns Charakter konnte er nicht deuten.

Doch der Ältere hatte recht. Er hatte Taemin die Wahrheit gesagt, immer. Er hatte ihn nie belogen oder ein Blatt vor den Mund genommen. Für Taemin war dies der Moment, von dem ab er beginnen wollte seinem Bodyguard zu vertrauen.

„Du kannst jetzt loslassen“, sagte Jonghyun und grinste blöd vor sich hin, nachdem dieser Handschlag schon mehrere Sekunden anhielt.

Taemin, der bis zu diesem Zeitpunkt in seinen Gedanken versunken gewesen war zuckte zusammen und zog seine Hand dann schnell weg.

Der andere kicherte als wäre er amüsiert über Taemins Verhalten. „Immerhin hast du weiche Haut, da macht es mir nichts aus etwas länger festzuhalten.“

„Pf“, kam es aus Taemin, der von dieser Aussage nicht nur eingeschüchtert, sondern noch viel nervöser wurde. Doch er wechselte schnell das Thema, um diese Unsicherheit zu überspielen. „Wenn wir jetzt Frieden haben, heißt das dann, dass du nicht die ganze Nacht damit verbringen wirst, mich anzustarren?“

„Tut mir leid, aber ich werde dafür bezahlt dich anzustarren“, sagte Jonghyun, weiterhin sichtlich amüsiert. „Aber wenn du willst, kann ich mich in einer dunklen Ecke verstecken, in der du mich nicht siehst, wie ich es sonst immer getan hab.“

Taemin riss die Augen auf und spürte ein unruhiges Pochen in seinem Kopf. „Du hast was immer getan?“

„Meist hab‘ ich gewartet bis du das Licht ausgemacht hast und dann hab ich da hinten gesessen“, erklärte Jonghyun und zeigte auf eine Ecke neben seiner Kleiderkommode. „Aber keine Sorge. Du musst dich für nichts schämen. Immerhin hast du einen sehr ruhigen Schlaf. Bis auf die Nächte, in denen du Albträume hast.“

Hitze stieg in Taemins Wangen und ihm war klar, dass Jonghyun die Röte in seinem Gesicht bestimmt schon längst wahrgenommen hatte. „Du hast jede Nacht dort gesessen? Du hast alles gesehen? Und Minho?“

„Minho auch, Kleiner“, bestätigte Jonghyun ihm, „Aber es gibt nichts, wofür du dich schämen müsstest und was deine Privatsphäre angeht sind wir immer diskret. Wir haben dich also nicht begafft, wenn du dich umgezogen hast, falls du davor Angst hast.“

„Moment:“, stoppte Taemin ihn, „Du warst im gleichen Raum, wenn ich mich umgezogen habe?“

„Manchmal“, gestand Jonghyun lächelnd, „Aber ich hab nie hingesehen, versprochen!“

„Unfassbar“, zischte Taemin und rückte ein Stück von dem anderen weg. „Ich glaub das nicht. Von wegen Privatsphäre.“

„Sei nicht so. Immerhin hätten sich andere nicht zurückgehalten“, trällerte Jonghyun vor sich hin und legte sich plötzlich quer über Taemins Bett. „Andere hätten vielleicht auch noch Fotos vom beliebtesten Junggesellen Seouls gemacht.“

„Also erstens ist das mit dem beliebtesten Junggesellen schon lange her“, begann Taemin und streckte nun seine Beine ein wenig, um den anderen mit seinen Füßen an dessen Seite von ihm zu schieben, „und zweitens könntest du aufhören mir so sehr auf die Pelle zu rücken, Blödmann.“

„Ich dachte es herrscht Frieden?“ Jonghyun setzte sich wieder auf, jedoch nur um mit seinen Händen um Taemins nackte Fußgelenke zu greifen.

Der Jüngere war wie erstarrt, wenn Jonghyun ihn berührte. Das Resultat aus tagelanger Distanz und Unsicherheit. „Es herrscht Frieden. Das bedeutet aber nicht, dass du dir alles erlauben kannst.“

„Ich sollte mir aber alles erlauben dürfen, immerhin hab‘ ich dir vor ein paar Tagen erst das Leben gerettet.“ Jonghyun war also wirklich jemand, der es liebte Taemin auf die Nerven zu gehen.

Doch dieser ließ sich das auch nicht gefallen, sondern hielt dagegen: „Ohne dich wäre ich gar nicht in diese Situation gekommen.“

Darauf lachte Jonghyun kurz auf als hätte Taemin einen sehr schlechten Witz gerissen. „Jetzt bin ich wieder schuld daran, dass du mir hinterhergerannt bist? Kann ich doch nichts dafür, dass du mich so faszinierend findest.“

„Du hältst echt unglaublich viel von dir“, wisperte Taemin und vergrub seine Finger in seiner Decke, um sie langsam über seine Beine zu legen. „Egal ob ich dir gefolgt bin oder nicht, meine Rippenprellung ist nicht ohne und die gäbe es nicht, hättest du mich in der Drogerie nicht beschattet.“

„Ich musste dich beschatten, immerhin ist das mein Job.“ Der Ältere legte seinen Kopf ein wenig schief und durchlöcherte Taemin fast mit seinen großen, viel zu unschuldig wirkenden, braunen Augen.

„Wie wär’s, wenn du dann jetzt einfach deinen Job tust und aufhörst zu reden. Du bringt mich nämlich echt durcheinander“, beschwerte Taemin sich und stockte kurz, da er befürchtete, dass das vielleicht etwas falsch rüberkam.

Was dann auch eintraf. Jonghyun lachte erneut. „Ich bringe dich durcheinander? So schnell kommt es raus.“

„Red‘ dir ja nichts ein“, meckerte der Jüngere. Dass sein Atem unruhiger wurde und sein Herz schneller schlug, bemerkte der andere hoffentlich nicht.

Denn es stimmte. Jonghyun brachte ihn durcheinander auf so vielen verschiedenen Ebenen. Und vielleicht auch ein wenig auf der, die der Ältere gerade angedeutet hatte.

Und anschließend setzte er auch noch einen drauf: „Du findest mich doch auch gut.“

Überforderung ließ Taemin seinen Mund öffnen und als Nächstes nur noch etwas heraus brabbeln, ohne darüber nachzudenken: „Auch..., aber du... hast du? Was?“

Jonghyun stieß etwas erschöpft und ertappt gleichzeitig Luft aus und erhob sich von Taemins Bett. Doch entging Taemin nicht, dass er während er sprach versuchte lässig und belustigt zu wirken. „Lassen wir das. Immerhin sollte ich nicht anfangen auch noch die letzte Regel zu brechen, was?“

„Du meinst die Dritte?“ Dieses Gespräch wurde für Taemin langsam in Themen gelenkt, die er überhaupt nicht hatte ansprechen wollen. Die Dritte Regel: War es da nicht um Sympathie und auch ... er wagte es kaum darüber nachzudenken; romantische Gefühle gegangen?

„Vergiss es direkt wieder, ja? Bild dir nichts Blödes ein!“ Je mehr Jonghyun redete, desto mehr hatte Taemin das Gefühl, dass er Ältere so schnell wie möglich den größtmöglichen Abstand zwischen sie bringen wollte. Vielleicht, weil auch ihn dieses Thema unsicher machte?

Es war eine Reaktion, die er von dem selbstsicheren Jonghyun gar nicht erwartet hatte. So hatte Taemin ihn bisher nicht erlebt und es war ungewohnt, aber interessant. Er sammelte mehr und mehr Dinge über Jonghyun in seinem Kopf. Fakten, die ihm vielleicht irgendwann mal nützlich sein würden.

Und doch wollte er mehr erfahren oder auch mehr aus ihm herauskitzeln: „Du hast aber-“

Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen und Taemins Wort von Jinki unterbrochen, der mit einem Tablett in der Hand, auf dem eine Teekanne und drei Tassen platziert waren, ins Zimmer stolperte: „Na? Wer möchte noch einen Tee haben?“

„Ich werde kurz an die Luft gehen, durchatmen. Die Nacht wird lang für mich“, sagte Jonghyun als wäre dies ein geeigneter Zeitpunkt für eine Flucht und eilte zur Tür. „Und ihr solltet euch demnächst hinlegen, es ist schon relativ spät und so wie ich Eunji kenne wird sie sehr früh hier auf der Matte stehen und euch sagen, wie es weiter geht.“

Taemins Mutter war Pionierin darin Pläne zu schmieden. Deswegen wusste Taemin auch, dass Jonghyun recht hatte. Sie würde mit seinem Vater besprechen, wie es nun weiter ging. Bestimmt musste er wieder ausziehen. Nachdem sie von den Drohbriefen erfahren hatte, traute Taemin ihr nämlich alles zu.

Jonghyun verließ den Raum und kurz war es still, während Jinki das Tablett auf dem Schreibtisch im Zimmer abstellte.

„Was war das denn? Eigentlich dürfte er doch gar nicht rausgehen“, wollte er dann wissen, und setzte sich mit seinem Tee neben seinen besten Freund. „So verwirrt hab‘ ich ihn bisher noch nie erlebt. Habt ihr euch wieder gezofft?“

„Nein. Ich hab‘ keine Ahnung was los ist“, log Taemin und nahm die warme Tasse, die eigentlich nicht für ihn bestimmt war, aus Jinkis Händen. „Er ist wohl einfach ein merkwürdiger Kerl.“

Jinki reagierte auf den Tassendiebstahl nicht überrascht, führte das Gespräch einfach fort. „Das kannst du laut sagen. Er hat schon merkwürdige Seiten. Du solltest ihm echt nicht zu sehr vertrauen.“ Er hielt Taemin eine Schale hin. „Zucker?“

„Gern...“



***

Er atmete tief durch. Die frische Luft fühlte sich in seinem erhitzten Körper wie Eis an, doch es war erstaunlich wie gut ihm das tat.

Immerhin sollte er nicht auch noch anfangen die letzte Regel zu brechen, erinnerte er sich daran, was er im Leichtsinn vor wenigen Minuten noch zu Taemin gesagt hatte.

Hatte er denn den Verstand verloren? Wieso sagte er sowas? Taemin war für ihn definitiv ein rotes Tuch! Er würde niemals so etwas wie Sympathie für ihn empfinden, geschweige denn mehr. Wieso musste er dann, ausgerechnet im Moment, in dem sie sich vertragen hatten mit so einem Kommentar alles wieder schlimmer machen?

Oder war es gar nicht schlimm? War es vielleicht gut sich mit ihm anzufreunden? Würde ihm das mit seinem Job helfen? Oder würde es das ganze nur noch schwieriger machen?

Mit einem lauten Schnaufen stieß er die Luft wieder aus und lehnte sich neben der Haustür gegen die Rauputz-Wand. Er durfte nicht allzu viel Zeit hier draußen verbringen, aber er fühlte sich gerade so wohl, dass es ihm egal wurde wie lange Taemin mit Jinki allein war. In dieser Nacht würde dem Jüngeren sowieso nichts passieren. Er lief ja auch nicht auf der Straße herum als bettelte er darum über den Haufen gefahren zu werden.

Also blieb er stehen und hoffte durch die frische Luft seinen aufgewühlten Geist beruhigen zu können.

Es reicht, wenn einer von uns Taemin vergöttert, dachte er sich und schüttelte den Kopf. Er war nicht durch all diesen Mist gegangen, um dann letztendlich an diesen blöden Regeln zu scheitern. Taemin war ein verzogener Sohn. Als etwas anderes würde er ihn nie sehen.
Doch es würde tatsächlich helfen, wenn Taemin glaubte, dass er von Jonghyun gemocht wurde. Vielleicht würde er ihm so noch mehr vertrauen und damit würde sich der Jüngere nicht mehr so sehr gegen seinen Schutz wehren.

Mit diesem Gedanken zufrieden seufzte Jonghyun. Also: Er musste sich einfach ein wenig einschleimen und schon würde er seine Arbeit vereinfachen. Das war die beste Methode, um Taemin zu schützen und sein Vertrauen letztendlich auf ganz natürlichem Wege zu bekommen.

Doch wie würde Jisung das sehen? Die Regeln hatte zwar bestimmt Eunji aufgestellt, doch er war schon nicht sonderlich glücklich darüber gewesen, dass Taemin nun Bescheid wusste. Wie würde er reagieren, wenn Minho oder Jonghyun noch einen Fehler machten?

„So ganz allein hier draußen? Hast du nicht einen Erben zu beschützen?“

Jonghyun war so sehr in Gedanken gewesen, dass die schmale Gestalt, die sich langsam angeschlichen hatte, ihm gar nicht aufgefallen war. „Kibum? Was machst du hier?“

„Nach dem Rechten sehen, was denkst du denn?“, kicherte der andere und lehnte sich darauf neben Jonghyun gegen die Wand. „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Lange nichts mehr von dir gehört.“

„So wird das auch bleiben“, brummte Jonghyun und sah sich genau um, damit er sichergehen konnte, dass sie nicht beobachtet wurden. „Ich werd‘ euch nicht besuchen können. Entweder arbeite ich oder stellte mich mit den anderen in der Gangnam-Fraktion gut.“

„Du kannst dich mit jemandem gutstellen? Also das ist mir neu“, gluckste er und fuhr sich mit seinen sauber manikürten Fingern durch sein fast weißblondiertes Haar. Sein roter, langer Mantel und die schwarzen Markenjeans, die unten herausguckten, gaben Jonghyun das Gefühl, als würde er neben einem Star stehen, der sich mit ihm unterhielt. „Sind sie nett zu dir, obwohl du aus anderen Umständen kommst?“

„Die meisten können mich nicht ausstehen“, brummte Jonghyun und dachte an den Hass, den Jinki ihm entgegenbrachte. „Aber es geht mir auch nicht um die meisten. Es geht mir eigentlich um gar keinen.“

„Ich habe dich erst kürzlich mit dem Jungen im Park gesehen. Ihr habt sehr vertraut gewirkt.“

„Vertraut?“ Natürlich. Es musste ja jemanden geben, der Jonghyun beschattete, während er Taemin beschattete. Man konnte einfach nicht in Ruhe arbeiten!

„Es würde mich nicht wundern, wenn da mehr zwischen euch ist, als pures Schützen und Beschützt werden. Immerhin scheint der Bengel genau dein Typ zu sein.“ Kibum grinste und fügte noch hinzu. „Attraktiv und nicht auf den Mund gefallen.“

„Gib nicht so einen Quatsch von dir“, schnaubte Jonghyun, „Taemin ist Teil meines Jobs, mehr nicht.“

„Aber ein sehr hübscher Teil deines Jobs, richtig?“

„Kibum“, fuhr Jonghyun den anderen an, „Ich hab kein Interesse an arroganten Firmensöhnen.“

„Komm schon, Jong. Keiner würde dich verurteilen, wenn du ein wenig Spaß mit dem Jungen hast“, gluckste Kibum und schubste den anderen. „Immerhin weiß ich ganz genau was für ein Typ du bist und meist hältst du dich bei Schönlingen wie Taemin kaum zurück.“

„Lass uns das Thema wechseln, ja?“, murrte Jonghyun, der sich schon öfter mit Kibum über solche Themen gestritten hatte. Eigentlich wünschte er sich der andere würde einfach wieder gehen. Doch ihm war klar, dass er das nicht tun würde. Kibum liebte es Diskussionen so lange auszureizen, bis Jonghyun die Geduld verlor und das war auch in dieser Nacht der Fall.

„Jetzt gib es schon zu“, sang er und tänzelte mit seinen Fingern auf Jonghyuns Oberarm herum. „Immerhin hast du dich damals bei mir auch nicht zurückgehalten.“

Genervt stieß Jonghyun Luft aus. Natürlich musste er diese eine Sache wieder ansprechen. Er gab ja auch seit fast einem Jahr überhaupt keine Ruhe mehr deswegen. „Ich sage es dir noch einmal, Kibum. ICH WAR BETRUNKEN!“

„Das sagen sie immer alle“, kicherte der Jüngere, „Vielleicht sagst du das auch deinem Taemin, nachdem du über ihn hergefallen bist, du Playboy.“

„Ich bin zu dem Schluss gekommen mich mit Taemin anzufreunden. Deswegen wirken wir etwas vertrauter. Das wird das alles einfacher machen und er bringt sich nicht ständig in irgendwelche blöden Situationen“, versuchte Jonghyun sich zu erklären.

„Du meinst solche Situationen, in denen du ihn fest umschlingen und vor dem suchen Tod durch ein Auto retten musst?“, hakte Kibum nach und machte dabei ein deutlich amüsiertes Gesicht.

Doch auf Kibums kleine Scherze ging Jonghyun gar nicht erst ein: „Apropos Unfall: Weißt du was da passiert ist?“

Plötzlich veränderte sich die Stimmung des anderen und er wurde ernster. Kurz dachte er nach, darauf schüttelte er aber den Kopf: „Ich hab‘ keine Ahnung. Der Fluchtwagen wird immer noch gesucht, aber ich glaube den wird man auch nicht schnappen.“

Genervt legte Jonghyun seinen Kopf in den Nacken. Es genügte doch, dass er mit Taemin schon genug Arbeit hatte, aber wer trachtete ihm nach dem Leben? Die, die seinen Bruder entführt hatten? Aber wer sollte das denn sein?

„Solche Aufgaben sind nicht leicht, richtig?“, flüsterte Kibum, „Immerhin warst du vorher ganz anderes gewohnt.“

„Es ist gut so, dass ich jetzt in Gangnam bin“, entgegnete Jonghyun ihm, „Ich war mir selten so sicher.“

„Dann hoffen wir mal, dass es so bleibt, sonst schicken sie dich noch dorthin wo du hergekommen bist“, sagte Kibum. Er war auch ein Meister darin bitter ehrlich zu sein. Etwas, was er mit Jonghyun gemein hatte.

„Ich muss wieder nach oben, sonst sehen sie irgendwann nach mir“, wollte Jonghyun die Konversation beenden, „Und bitte sei vorsichtig, wenn du in meiner Nähe bist. Auf Taemin aufzupassen reicht mir schon.“

„Jonghyun“, rief Kibum verblüfft, „Die paar Wochen mit diesen anderen Leuten haben dich zu einem Softie gemacht oder wie soll ich das verstehen?“

„Spinn nicht rum“, brummte der Ältere und öffnete die Eingangstür, „Nur werde ich dir nicht helfen können, wenn du dich in eine gefährliche Situation begibst. Es ist nicht mehr wie früher. Jetzt habe ich was zu verlieren.“

„Deinen kleinen Erben?“

„Nein“, sagte Jonghyun, „Es geht mit nicht um ihn. Das wird es nie. Du weißt aber ganz genau wen ich verliere, sollte ich versagen... Hab eine gute Nacht.“

Damit ließ Jonghyun seinen Freund zurück und machte sich zurück auf dem Weg zu seinem verzogenen Prinzen und dessen besten Freund.
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