Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
20.07.2020 4.143
 
►►►►►►►►►►
Hallo meine Lieben :)

Es geht weiter mit der Geschichte und ich hoffe sehr das Kapitel gefällt euch! Danke, dass ihr wieder dabei seid und eure Zeit investiert, um zu lesen!
Hab euch lieb.

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

►►►►►►►►►►
Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 7
Name: Ohne Reue
Wörter: 4.038
►►►►►►►►►►


Kapitel 7: Ohne Reue

Es war eine äußerst unangenehme Situation, in der Taemin sich da gerade befand. Eigentlich hatte er sich schon lange nicht mehr so unwohl gefühlt. Nicht mal während der Zusammentreffen mit Jonghyun war er so unsicher und verwirrt gewesen.
Er wusste nicht genau, womit er anfangen sollte und er hatte auch keine Ahnung wann der richtige Moment gekommen war alles anzusprechen. Er fühlte sich nicht ansatzweise so stark, wie er es in der Nacht noch gedacht hatte.

Schweigend saßen die drei an dem kleinen Tisch in der Küche. Er selbst war gerade aufgestanden, trug noch einen blauen Pyjama aus Satin und teure Hausschuhe von einer exklusiven Marke, die sicher teurer war als drei Mieten dieser miefigen Wohnung. Die Müdigkeit stand ihm sicher ins Gesicht geschrieben, er schaffte es ja nicht mal seine Augen gänzlich zu öffnen. Die halbe Nacht war er wach gewesen und es war ihm so vorgekommen, als hätte ihn seine Mutter keine drei Sekunden nachdem er eingeschlafen war wieder geweckt.

Sie hatte sich, nachdem sie für alle drei Kaffee gekocht hatte, links neben ihn gesetzt. Ihre Finger trippelten über das Porzellan ihrer eigenen Tasse und hinterließen ganz leise klingende Geräusche.

Jinki, Taemins angeblicher bester Freund saß ihm gegenüber und starrte unentwegt auf die braune heiße Flüssigkeit in seiner Tasse. Er hatte sich bisher noch nicht wirklich bewegt. Sonst war Taemin es gewohnt, dass der Ältere viel zu viel Zucker und Milch in seinen Kaffee schüttelte und danach redete wie ein Wasserfall. Doch nichts. Er war so still, als hätte ihm jemand den Mund zugenäht. Doch auch er sah müde aus. Hatte er vielleicht genauso wenig geschlafen wie Taemin selbst?

„Ok, mir reicht‘s“, platzte es aus Taemin, nach mindestens fünf Minuten des unangenehmen Schweigens. „Wollt ihr mir nicht endlich auch mal erklären was hier abläuft?“

Jinki sah auf. Taemins und sein Blick trafen sich kurz, doch Jinki hielt diesem nicht lange stand und blickte sofort wieder nach unten auf den Küchentisch, bevor er vor sich hin murmelte: „Bevor wir das tun können, sollten wir erst mal hören was du weißt.“

„Was ich weiß, lasst mich mal überlegen...“, begann Taemin mit einem zynischen Ton in der Stimme, „Ach ja! Meine Eltern und mein bester Freund gehören einer Art Organisation an, die nicht selten in Verbrechen und Gewaltdelikte verwickelt ist und zudem schrecken sie wohl auch nicht davor zurück andere Menschen zu töten. Hab ich das richtig verstanden?“

„So ist das nicht“, erwiderte ihm nun seine Mutter. Diese wirkte, als wäre diese ganze Sache eine riesige Last gewesen, die nun von ihren Schultern abfiel. Taemin merkte das daran, dass sie viel lockerer sprach als sonst. So, als hätte sie sich sein ganzes Leben in ihren Worten zurückgehalten. „Jonghyun wird dir doch sicher gesagt haben, dass unsere Gruppe mit dem Staat zusammenarbeitet. Niemand Unschuldiges kommt durch unsere Hände zu schaden. Es geht um Kriminelle, Schmuggler, Räuber, Mörder. Nur diese werden von uns ausgeschaltet.“

„Aber ihr tötet Menschen.“

Jinki ließ nach Taemins Aussage wieder ein wenig den Kopf fallen. Das reichte dem Jüngeren als Bestätigung.

„Wow“, fauchte Taemin und stand auf, um etwas Abstand von seiner angeblichen Familie zu nehmen, die ihm nun mehr als fremd war. „Ich fass es nicht. Jahre, nein, mein ganzes Leben lang habt ihr mir etwas vorgemacht. Ihr habt mich in dem Glauben gelassen mein Vater wäre ein überaus erfolgreicher Geschäftsmann. Ihr habt mich von blutbeflecktem Geld in Saus und Braus leben lassen.“

Taemin stellte alles in Frage, was er je erlebt und besessen hatte. Nichts davon hatte er bekommen, weil seine Eltern einen ganz normalen Job hatten. Sein Reichtum war auf illegalen Geschäften, Kriminalität und toten Menschen aufgebaut gewesen.

„Das stimmt so nicht ganz“, verbesserte seine Mutter ihn und legte nun ihre Hände um ihre Tasse, um ihre Finger zu wärmen. „Dein Vater war sehr erfolgreich. Seine Firma gab es schon, bevor er mich überhaupt kennen gelernt hat. Sein Autozubehör hat sich von je her gut verkauft und auch das Hotel, indem du aufgewachsen bist, hat nichts mit all dem zu tun. Das hat er sich selbst aufgebaut, nachdem er sein selbst erworbenes Geld neu investieren wollte. Seine Hotels haben ihm alles bedeutet.“

„Und jetzt? Was bedeuten sie ihm jetzt, da sie abgerissen werden und die Fenster seiner PKW-Frima mit Steinen eingeschlagen werden? Er hat das alles aufgegeben für dieses Casino. Oder eher für das, was im oberen Stock dieses Casinos ist. Er hat uns im Stich gelassen und ist pleite... Moment. Ist er überhaupt pleite?“

„Wir waren nie Pleite, Schätzchen“, erklärte Eunji, schaffte es aber nicht Taemin dabei in die Augen zu sehen. „Jisung hat beschlossen, dass wir so leben sollen, damit es nicht so auffällig ist. Wir leben so, um uns zu schützen.“

„Der Schutz hat uns einen Scheiß gebracht“, beschwerte sich der Sohn und stürzte aus dem Zimmer.

„Taemin, rede nicht so“, rief ihm die Mutter hinterher, „Und vor allen Dingen sollst du jetzt nicht wegrennen.“

Doch Taemin lief nicht weg, weil er zu aufgebracht war, sondern, um in seinem Schlafzimmer sein dickes, schweres Wirtschaftsbuch zu holen. Danach stapfte er zurück zu den beiden und warf das Buch auf den Tisch, was in einem lauten Knall aufkam.

Taemin war rasend vor Wut. „Es sollte nicht auffällig sein, dass wir in diesem heruntergekommenen Wohnhaus wohnen? Überraschung! Wir wurden schon längst gefunden.“ Trotzig schlug Taemin die ersten Seiten auf und zum Vorschein kam der Drohbrief, den Taemin vor einer Woche im Briefkasten gefunden hatte.

Jinki, der für eine ganze Weile ruhig geblieben war, hatte mit dem ersten Blick auf den, in Zeitungsfetzen zusammengewürfelten, Brief seine Stimme wiedergefunden. „Woher hast du das?“

Taemin versuchte nun ein wenig ruhiger zu reden, damit er es besser erklären konnte. „Der wurde uns zugeschickt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ihr alle davon wisst. Also hab ich versucht alle davon fernzuhalten. Ich wollte es selbst regeln.“

„Fangt an zu laufen“, lies Jinki von der Drohung ab und nahm den Fetzen in die Hand. „Eure Zeit läuft ab.“

„Wie lange hast du den schon?“, wollte die Mutter wissen und nahm das Blatt aus Jinkis Hand.

„8 Tage. Vielleicht.“

Eunji zog scharf Luft ein und betrachtete sich den Zettel ganz genau: „War das der Erste?“

„Der Dritte“, gestand Taemin und nahm nun wieder etwas Abstand von den beiden. Es fiel ihm sehr schwer in deren Nähe zu sein. Es war komisch, aber plötzlich wünschte er sich Minho und Jonghyun an seine Seite.

Denn die beiden hatten ihn nicht belogen.

Auch Jinki atmete schwer und hielt sich seine Hände an die Schläfen. „Der Dritte? Wie lange bekommt ihr diese Briefe denn schon?“

„Ein paar Monate“, fügte Taemin hinzu, „Aber das ist doch nicht schlimm, oder? Jonghyun hat mir gesagt, dass die beiden genau deswegen an unserer Seite waren. Oder sind.“

„Sind. Sie sind immer da“, murmelte Jinki und rief anschließend. „Komm raus. Das Verstecken nützt uns sowieso nicht mehr.“

Als wäre Taemin in einem Film spielten sich alle möglichen Geschehnisse vor ihm ab und doch fühlten sie sich nicht real an. Minho kam urplötzlich und als wäre es das normalste von der Welt vom Flur in die Küche und stellte sich direkt an seine Seite, was dem Jüngeren seltsamerweise irgendwie Halt gab. Es wunderte ihn, dass er so einfach in der Wohnung war, aber es freute ihn auch Minho bei sich zu wissen.

Denn dieser war, nachdem Taemin und Jonghyun so heftig aneinandergeraten waren, bei Taemin geblieben und hatte mit ihm noch einmal über alles gesprochen. Taemin hatte zwar kaum mehr irgendwelche Fragen herausbekommen, aber Minho war tatsächlich direkt an seinem Bett geblieben, bis er eingeschlafen war. Schon jetzt gab es da diese gewisse Vertrautheit, die er bei seiner kompletten Familie verloren hatte.

„Ihr wisst, dass ihr eigentlich schon längst unterwegs sein solltet?“, fragte Minho als erstes und schaute dann zu Taemin, mit einem leichten Lächeln im Gesicht.

Minho lächelte oft und es fühlte sich wirklich gut an, dass er während dieser ganzen Zeit Taemin damit das Gefühl gab nicht allein zu sein.

„Das ist uns bewusst“, sagte Jinki und stand nun ebenfalls auf, doch nur, um zum Küchenfenster zu gehen und hinauszusehen. „Wir wollten nur schon mal wissen was er weiß, damit wir uns darauf vorbereiten können.“

„Worauf?“, fragte Taemin und Skepsis breitete sich in ihm aus. Gab es da etwa noch mehr? Reichte es denn nicht aus, dass seine Familie zu einer Gang gehörte, die Kriminalität bekämpfte und deswegen auch selbst kriminell wurde? Genügte es nicht zu wissen, dass deswegen Leute hinter ihm und auch seiner Familie her waren?

War das alles nicht genug?

„Das ist meiner Meinung etwas, wobei Jisung dabei sein müsste. Es hat auch mit ihm zu tun“, äußerte Minho so schnell, bevor jemand anderes antworten konnte. Denn seine Mutter hatte für Taemin schon den Eindruck gemacht, als wollte sie einfach alles loswerden, was sie jahrelang verheimlicht hatte.

Minho fügte auch noch hinzu: „Ihm jetzt alles auf einmal zu erzählen wäre sicher zu viel für ihn. Immerhin ist die Wahrheit nicht so einfach wie ein Pflaster abzureißen.“

„Du hast recht“, entgegnete die Mutter verständnisvoll und schob ihre Kaffeetasse von sich. „Wir sollten deinen Vater besuchen, Taemin.“ Ihr Beschluss klang so endgültig und angsteinflößend. Fast so als wartete auf Taemin noch viel Schlimmeres als alles, was in den letzten Tagen passiert war.

„Ich...“, begann er unsicher und suchte verzweifelt nach einer Ausrede. Er wollte seinen Vater nicht sehen und um ganz ehrlich zu sein: Er wollte nicht mehr vom diesem Kram wissen.
Er hatte sich so lange nach der Wahrheit gesehnt, aber nun wünschte er, er könnte alles wieder vergessen und seinen Vater auf die normale Art hassen als wäre er wirklich einfach nur aus egoistischen Gründen verschwunden und hätte den Rest seiner Familie zurückgelassen.
Doch hier ging es doch um so viel mehr. Also wollte er vernünftig sein. „Na schön, dann macht euch fertig. Ich werd‘ in der Zeit kurz vor die Tür gehen, ein wenig frische Luft schnappen.“

„Ich komme mit“, kam es aus Minho, der schneller reagierte als jede Katze auf Katzenminze.

„Nein“, murmelte Taemin, der sich immer noch erdrückt fühlte von all dem. Ihm war bewusst, dass Minho schon sehr lange immer in seiner Nähe war, doch für diesen Moment brauchte er die Sicherheit für sich zu sein, um die Ereignisse irgendwie zu verarbeiten. „Für drei Minuten wäre ich ganz gerne allein.“

„Ist ok, Minho“, entschied Eunji. Als Taemins Mutter war sie von je her immer vernünftig und zuvorkommend gewesen. Sie hatte in Taemins Augen viele gute Eigenschaften. Doch das wirklich Mütterliche, das Liebevolle fehlte ihr. „Gib ihm etwas Zeit.“

Nachdem das also entschieden war atmete Taemin aus und ließ die drei zurück. So schnell er konnte zog er sich in seinem Zimmer um, schlüpfte in eine schwarze Hose und einen weißen Pullover und zog an der Tür seine ebenfalls weißen Marken-Sportschuhe an.

Als er endlich vor der Haustür angekommen war und die kühle Brise sein Gesicht streifte, fühlte er sich sogar ein wenig besser, irgendwie auch befreit. Doch diese Wohltat hielt nicht sehr lange an, da hatten ihn die Gedanken an seine momentane Lage wieder eingeholt.

Er ging ein paar Schritte, direkt hinters Haus. Dort stand eine Bank, auf der er des Öfteren gesessen hatte, wenn es ihm in der Wohnung zu eng geworden war. Also setzte er sich auch an diesem Tag hin. Seine Augen suchten sofort seine Vergangenheit in weiter Ferne. Mehrere Kilometer entfernt, in dem Stadtbereich der superreichen konnte er noch die Spitze des Hotels sehen. Dort hatte er, ab dem er fünfzehn Jahre alt gewesen war, in dem er im höchsten Stockwerk gewohnt. Quasi seine eigene Wohnung.
Er erinnerte sich in den letzten Monaten mit einem lachenden und einem weinenden Auge daran: Wände aus Glas, von denen man die ganze Stadt aus sehen konnte. Räume, die größer waren als seine ganze jetzige Wohnung. Ein Badezimmer mit einer riesigen Wanne und ohne Schimmel. Davon träumte er nur noch.
Das alles war mittlerweile nicht nur in der Distanz weit entfernt. Denn von dem leerstehenden Hotel sollte bald nichts mehr übrig sein.
Ein Bankgebäude sollte dort errichtet werden und Taemin hasste den Gedanken daran. Er war dort aufgewachsen und mit dem Abriss, würde auch sicher seine Erinnerung an seine Kindheit verschwinden.

Enttäuscht stieß er Luft aus und ließ seinen Kopf mit geschlossenen Augen nach hinten fallen. Wochenlang hatte er seinen Vater verflucht und gehasst, weil er ihm mit seinem Verschwinden alles genommen hatte. Seinen Alltag, seine Zukunftsperspektiven, sein Ansehen. Ach, wie sehr er es vermisste von Mädchen angehimmelt zu werden und wöchentlich einen Bericht über sich selbst im Fernsehen zu sehen. Wenn man momentan von ihm etwas hörte, dann nur noch in Klatsch-Magazinen und die schrieben über sein Leben als gefallener reicher Sohn. Es war zum Abgewöhnen.

Doch konnte er seinem Vater nun wirklich noch böse sein? Immerhin hatte er sich von ihnen entfernt, um Taemin zu schützen. Aber warum genau? Warum hatte alles so weit gehen müssen? Warum hat er ihn und seine Mutter nicht mit sich nehmen können? Gab es denn überhaupt Hoffnung das alles zu überleben?

Erst, als er spürte, dass sich jemand neben ihn setzte wurde er aus seinen trübsinnigen Gedanken gerissen. Er rechnete eigentlich damit, dass die anderen ihm schon gefolgt waren und er nun mit ihnen mitgehen musste. Doch als er seine Augen öffnete wurde er aufs negativste überrascht. „Ah, der Vollidiot“, flüsterte er und versuchte den anderen nicht zu lange anzusehen.

„Wenn das mal nicht die am Boden zerstörte, kleine Göre ist“, sagte Jonghyun, der sich neben Taemin gesetzt hatte, als wäre es das normalste von der Welt. „Wie hast du es geschafft, dass nicht mal Minho in der Nähe ist?“

„Ich hab’ um Ruhe gebeten, aber dann musstest du ja auftauchen“, brummte Taemin und war mehr als erstaunt darüber, wie normal Jonghyun an diesem Tag aussah.

Er war nicht wie sonst schwarz gekleidet, sondern trug ganz gewöhnliche Alltagskleidung und sah damit sogar recht modisch aus. Hellbraune Schuhe, schwarze, weite Hosen und ein braunes, langärmeliges, weites Shirt. Dazu eine hellgraue Cappy und schwarze Kopfhörer hingen um seinen Nacken.

„Unfassbar. Du bittest um Ruhe und Minho bricht die zweite Regel“, kicherte Jonghyun, der nicht mal ansatzweise mehr so aufgebracht wirkte, wie noch in der Nacht. „Du schaffst es total ignorant zu sein und damit aber zu wirken wie ein scheues, unschuldiges Reh. Damit bringst du uns dazu, uns nicht mal an die einfachsten Dinge zu halten.“

„Arsch, ignorant, verzogen, Göre… Willst du noch etwas zu deiner Liste über mich hinzufügen oder hast du es bald?“, meckerte Taemin und rückte auf der Bank ein wenig weiter weg, um nicht zu sehr in seiner Nähe zu sein. Denn diese störte ihn jedes Mal aufs Neue.

„Wobei es mich bei Minho gar nicht wundert, dass er die Regeln bricht“, fuhr Jonghyun fort, ohne auf Taemins Worte einzugehen. „Er hat schon Regeln gebrochen, bevor du uns überhaupt kennen gelernt hast.“ Bitter wandte sich Jonghyun ab und sah nun ebenfalls in die Richtung, in die Taemin zuvor geblickt hatte.

„Das Regelbrechen traue ich Dir eher zu“, sagte Taemin und schlug lässig seine Beine übereinander. Jonghyun musste ja nicht erkennen wie unwohl er sich in Jonghyuns Anwesenheit fühlte.

Das lag jedoch nicht wirklich an dessen Verhalten oder seinen Ansichten. Nein. Taemin störte es lediglich, dass Jonghyun kein Blatt vor den Mund nahm. Er war erschreckend ehrlich. So ehrlich, wie es bisher noch niemand zu ihm war. Kritik hatten schon viele an ihm ausgeübt, sie ihm aber nie so eiskalt ins Gesicht geschmettert. Das war der Jüngere alles andere als gewohnt. Es machte ihn vor Jonghyun äußert unsicher und das störte ihn.

„Glaub mir. Minho ist schlimmer“, erläuterte Jonghyun und zeigte in die Richtung des Hotels. „Du vermisst es bestimmt den Hintern abgewischt zu bekommen, oder? In so `nem Luxus aufzuwachsen hatte sicher was für sich.“

„Penner“, kam es aus Taemin, der eigentlich nicht mal mehr einen Satz mit ihm wechseln wollte.

Doch Jonghyun lachte lediglich, nachdem er von Taemin beschimpft worden war. Es war fast so als konnte Taemin ihn mit rein gar nichts wirklich schocken. „Echt? Du bist sauer auf mich? Immerhin hab‘ ich wegen dir fast alles wieder verloren.“

„Aber wie es scheint bist du immer noch auf mich angesetzt“, brummte Taemin, „Mein Vater hat dir also Gnade erwiesen. Seine Regeln scheinen ihm doch nicht so wichtig zu sein.“

„Dein Vater ist mein geringstes Problem“, sagte Jonghyun und warf einen Blick um die Ecke. „Deine Mutter ist doch eher die, die die Zügel in der Hand hat.“

Seine Mutter also. Doch das hatte sich Taemin schon gedacht. So wie Minho es ihm geschildert hatte war seine Mutter in diese Gruppe hineingeboren worden. Taemins Vater war lediglich angeheiratet, hatte aber nach einem tragischen Vorfall die Führung übernommen. Um welchen Vorfall es sich genau handelte wusste Taemin nicht, aber es war ihm rein theoretisch auch egal. Seine ganze Familie hatte ihn belogen und das stand für ihn momentan im Vordergrund.

„Lee Eunji war diejenige, die Jisung darauf aufmerksam gemacht hat Regeln aufzustellen. Du als Erbe kannst dir gar nicht vorstellen wie wichtig deiner Mutter dein Leben ist. Immerhin bist du der einzige, der irgendwann das Recht hat, an die Stelle deines Vaters zu treten.“ Jonghyun sah Taemin ganz genau an als erwartete er, dass er aus der Haut fahren oder ausrasten würde.

Ganz ehrlich gesehen war Taemin auch kurz davor. All die Jahre war ihm eingetrichtert worden irgendwann an die Stelle seines Vaters zu treten. Die Firma und die Hotels zu übernehmen und ein großer Geschäftsmann zu werden. Doch stattdessen sollte er der Anführer einer kriminellen Bande werden? „Ganz sicher nicht. Vielleicht bin ich ein Arschloch und eine verwöhnte Göre wie du so gern sagst, aber ich will mit dieser ganzen Mafia-Geschichte nichts zu tun haben!“

Jonghyun gluckste. Es störte Taemin, dass der Ältere seine Worte nicht ernst nahm und sich fast immer darüber lustig machte oder ihn für seine Meinungen verurteilte. So wie in diesem Moment: „Mafia? Haha! Da hast du aber einiges falsch verstanden. Jedoch wundert mich das nicht. Das ist ja nicht das erste Mal, dass du falsch liegst.“

„Falsch!“, rief Taemin aus und bekam dafür die Aufmerksamkeit des anderen. „Damit sagst du das Richtige. Das, was hier läuft, ist falsch. Und ich werde nicht einen Finger für eine solche Organisation krumm machen. Da mache ich doch lieber meinen Abschluss in Wirtschaft und versuche es mit einem eigenen Unternehmen.“

„Du würdest scheitern“, sagte Jonghyun trocken. Er traute Taemin tatsächlich überhaupt nichts zu.

„Ach was, du kannst hellsehen? Wusste ich gar nicht“, entgegnete Taemin ihm. Er war bestürzt darüber was der andere sagte, wie eigentlich immer, wenn er auf ihn traf.

„Ein Unternehmen wofür? Denkst du echt du hättest das Zeug Hotels zu leiten, wie dein Vater? Diese zu erben ist zwar einfach, sie selbst aufzubauen aber ist unfassbar schwer. Und dann auch noch so viel Erfolg zu haben wie Jisung das passiert nur einem unter Millionen.“ Der Ältere zog eine große Sonnenbrille hervor, die er an seinen Ausschnitt gesteckt hatte und setzte sich diese auf die Nase. Danach redete er ziemlich überheblich weiter: „Ich glaube du wärst besser in einem großen Büro, vor einem Computer aufgehoben, wo du nicht mit Menschen kommunizieren musst und dich als was Besseres fühlst.“

„Du kannst mich mal!“, brummte Taemin. Am liebsten hätte er diesen Idioten einfach sitzen gelassen und wäre gegangen. Doch seine Worte hatten Taemin so sehr getroffen, dass er für sich selbst einstehen wollte. „Ich will wenigstens ehrlich mein Geld verdienen und nicht wie du Leute verfolgen und krumme Geschäfte machen.“

„Na wenigstens hab‘ ich einen Job“, ging Jonghyun dagegen. „Und nur zu Info, nicht jeder hat eine so leichte Kindheit gehabt, wie du. Für mich ist das Geld nicht an Bäumen gewachsen. Genauso wie für deinen besten Freund nicht. Er hat sich den Arsch aufgerissen, um für dich da zu sein, aber du nimmst alles so selbstverständlich, dass mir davon schlecht wird.“

„Was hat diese Diskussion mit Jinki zu tun?“ Taemin war ein wenig verwirrt, vor allem, da er Jinki erwähnt hatte. Sein bester Freund war wirklich immer für ihn da gewesen, doch lag das tatsächlich an Taemin selbst und den Umständen, unter denen er aufgewachsen war? Jinki hatte ihm doch immer erzählt, dass er sich freiwillig dem Heimunterricht und dem Fernstudium anschloss, da er das Gefühl hatte so deutlich mehr lernen zu können. War das etwa auch eine Lüge gewesen?

Davon wollte Taemin sich aber nicht zu sehr verunsichern lassen. Er suchte weitere Worte, mit denen er gegen Jonghyun ankommen würde: „Und außerdem: Kann ich etwas dafür wo ich hineingeboren wurde? Nein. Genauso wenig wie du etwas für dein Leben kannst. Also hör auf mir das vorzuhalten, denn dein Charakter ist auch nicht gerade der Beste!“

„Du kannst nichts dafür, wo du rein geboren wurdest, richtig“, ging Jonghyun auf ihn ein. Das jedoch nur, um ihm gleich darauf wieder etwas vor die Nase zu halten. „Aber du kannst etwas dafür wie dich andere sehen, indem du dich so verhältst.“

Getroffen sah Taemin von ihm ab. Jonghyun hatte unglaubliche Macht über seinen Gefühlszustand. Doch das hätte er ihm nie zeigen wollen.

„Unfassbar.“ Taemin zuckte zusammen als er Minhos Stimme hörte und wandte sich zu ihm. Er stand ein wenig von der Bank entfernt und schüttelte den Kopf. „Ihr könnt wohl nicht ein paar Sekunden zusammen sein, ohne euch in den Haaren zu haben.“

„Wenn er mich einfach in Ruhe lassen würde, dann hätten wir dieses Problem nicht.“ Taemin stand auf und trat an Minhos Seite, um sich wieder etwas wohler zu fühlen.

„Und was ist aus euch beiden in einer Nacht geworden?“, wollte Jonghyun wissen und betrachtete Taemin und Minho mit einem kritischen Blick. „Seid ihr schon auf Wolke 7 oder warum sucht er deine Nähe?“

Minho zischte, lächelte bei seiner Antwort aber: „Warum? Neidisch?“

Taemin sah nervös zwischen Jonghyun und Minho hin und her. Er war kein Fan dieser Anspielungen, zumal Taemin nur deshalb Minhos Nähe suchte, weil er sich mit ihm sicher fühlte.

„Worauf sollte ich bitte neidisch sein?“, fragte Jonghyun mit einem sarkastischen Unterton in der Stimme.

Minho kicherte kurz und legte dann seinen Arm um Taemins Schultern, welcher seinen Kopf darauf ein wenig einzog, ihn aber nicht davon abhielt. „Darauf, dass ich mich mit Jisungs Sohn besser verstehe als du, weil du ein totaler Idiot zu ihm bist.“

„Taemin ist der Idiot.“ Jonghyun stand nun auch von der Bank auf und steckte sich einen seiner Kopfhörer ins Ohr. „Aber wie ich sehe ist unser Welpe bei dir in sicheren Händen. Ich verschwinde.“

Taemin fiel der Mund auf. Hatte dieser Vollidiot ihn da gerade wirklich Welpe genannt? „Hast du eigentlich nichts anderes zu tun, als mich zu nerven?“

„Komisch. Diese Frage kann ich nur zurückgeben“, säuselte Jonghyun und hob eine Hand. „Man sieht sich.“

„Du wirst sofort stehenbleiben, Kim Jonghyun“, rief plötzlich Taemins Mutter, die gerade bei ihnen angekommen war. „Du wirst schön mit uns kommen. Mir reicht’s, dass du dich ständig aus der Affäre ziehst.“

„Ich hab‘ meinen Job gemacht.“ Jonghyun sah sie nicht mal an, während er mit ihr sprach und es wunderte Taemin sehr, dass niemand von ihnen irgendwie höflich mit seiner Mutter sprach. Es war so als würden sich alle schon Jahre kennen. Vielleicht auch etwas, was in dieser Gruppe normal war. „Minho ist da, wieso sollte ich dann mit euch gehen?“

„Hör auf so zu tun als hättest du eine Wahl.“ Eunji trat näher an ihn heran und zwang ihn regelrecht ihr in die Augen zu sehen. „Mal sehen ob du dich Jisung herausreden kannst, wenn ich dabei bin.“

Jonghyuns Augen waren in ihrer Gegenwart nicht halb so stark wie Taemin gegenüber. Fast so als wäre die Mutter jemand, die ihn richtig verängstigte. „Ich hab‘ schon mit ihm gesprochen. Er sagte es ist alles geklärt.“

„Für mich nicht“, zischte die Frau, „Und jetzt beweg dich. Wir sind sowieso schon viel zu spät dran.“

So hatte auch Jonghyun keine Chance mehr sich dagegen zu wehren. Also machten sie sich zu viert auf den Weg. Minho hatte seinen Wagen hinter dem Haus geparkt, welches Taemin sofort an die Nacht erinnerte, in der er die beiden kennen gelernt hatte.

Minho fuhr, Jonghyun hockte schmollend auf dem Beifahrersitz und Taemin saß auf dem Rücksitz, zwischen seiner Mutter und Jinki, die sich noch nicht einmal für all ihre Lügen entschuldigt hatten.

Doch auf eine Entschuldigung kam es Taemin nicht an.
Jetzt nicht mehr.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast