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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.07.2020 4.116
 
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Hey ihr süßen Menschen!

4 Empfehlungen! Vielen Dank! Ihr seid so süß <3

Ich konnte für dieses Kapitel leider auf Instagram keinen Teaser droppen, aber ich hoffe das war nicht zu schlimm. Trotzdem gibt es heute schon das 6. Kapitel und für das 7. kommt aber wieder ein Teaser.

Vielen Dank für eure Unterstützung!
Ich hab euch alle sehr lieb.

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 6
Name: Gossenjunge
Wörter: 3.988
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Kapitel 6: Gossenjunge

„Taemin. Erinnerst du dich daran, dass du mir versprochen hast mich nicht zu verraten?“ Der Ältere lief ihm schon seit mehreren Minuten hinterher und versuchte ihn von seinem überstürzten Plan abzubringen. „Das, was du da tust, liefert mich doch total ans Messer.“

Taemin antwortete Jonghyun zunächst nicht, sondern sah auf sein hell aufleuchtendes Handy, welches ihm die Entfernung bis zu seinem lang ersehnten Ziel anzeigte. Danach hob er seinen Kopf, um den Älteren anzusehen, der schon ganz rot vor Wut und Aufregung war. „Ich werd‘ dich schon nicht verraten. Ich lass mir einfach was einfallen. Zufall, Schicksal, was du willst.“

„Zufall!?“, wollte Jonghyun wütend wissen und packte den Ärmel von Taemins schicker Outdoorjacke, damit sie beide zum Stehen kamen. Jonghyun versuchte Blickkontakt aufzubauen, doch Taemin wich diesem so gut es ging aus. Dennoch versuchte der Ältere auf ihn einzureden: „Es ist mitten in der Nacht! Du kannst keinen Kilometer laufen, ohne gleich wieder erschöpft zu sein und du hast auch keine gute Ausrede, wenn du dort auftauchst! Bist du wirklich so dumm?“

Taemin lachte zischend. Er hatte schon vieles an den Kopf geworfen bekommen, aber das? Er war alles andere als das. „Dumm? Ich denke mein Verhalten hat nichts mit Dummheit zu tun“, rief er und dabei war es ihm egal, ob ihn jemand hören würde. Sollte doch die ganze Welt etwas von seiner Wut abbekommen. „Darf ich dich daran erinnern, dass meine Mutter und ich seit Wochen Drohbriefe erhalten? Nur deswegen wollte ich doch diese Waffe! Nur deswegen war ich zu all dem gezwungen! Wegen ihm!“

„Ich weiß, dass ihr bedroht werdet, genau deswegen sind Minho und ich ja da“, entgegnete Jonghyun dem Hitzkopf. Taemin war es fast schon unangenehm, dass Jonghyun sich so an seiner teuren Jacke festklammerte. Immerhin hatte er nicht das Geld für eine Neue. Daran dachte Jonghyun aber keines Falls. „Aber darf ich dich daran erinnern, dass wir eine Abmachung hatten?“

„Es tut mir leid, aber ich halte mich nicht an die Versprechen, die ich gebe“, sagte Taemin und zog seine Hand zurück, damit Jonghyun losließ, doch ohne Erfolg. Es machte den Anschein als würde er Taemins Jacke eher zerreißen, statt sie loszulassen.

„Wow, du hast einen noch viel schlechteren Charakter, als ich mir in den letzten Wochen gedacht hab“, fauchte er und zog Taemin zornig näher an sich heran. Seine Augen verwandelten sich in dünne, Verachtung ausstrahlende Schlitze. „Ich warne dich, Kleiner. Ich habe dir mein Vertrauen geschenkt und du willst ganz sicher nicht, dass ich mich gegen dich richte.“

„Lass mich los.“ Taemin zog erneut an seinem Arm, konnte sich aber immer noch nicht befreien. Zusätzlich störte ihn die Nähe zu Jonghyun ungemein, besonders wenn dieser so ungehalten war, wie in diesem Moment. „Mein Charakter kann dir doch noch gar nicht so klar vor Augen liegen. Du kennst mich nicht mal.“

„Nein, aber ich erkenne ein Arschloch daran, wenn es jemanden hintergeht“, erwiderte Jonghyun. Seine Nasenflügel bebten und auch sonst machte es den Anschein, als wäre er kurz davor dem Jüngeren etwas anzutun. „Ist es dir eigentlich egal was aus anderen wird, wenn du dein Ding durchziehen willst?“

Taemin schnaufte. Er hatte keine Lust sich weiter aufzuregen und Jonghyun anzuschreien. Dafür hatte er auch gar nicht die Kraft. Diese Diskussion führte doch zu nichts, denn er hatte auch nicht vor nachzugehen. Wie konnte er auch, nach allem was er nun wusste? „Man, er wird sich schon zurückhalten, wenn ich ihm erkläre, dass du-“

„Hab‘ ich es dir vorhin nicht deutlich genug erklärt oder wollte das nicht mehr in deinen kleinen Kopf rein?“, unterbrach Jonghyun ihn, „Dort hält sich niemand zurück. Keine Freunde und auch keine Familie. Die Regeln zu brechen ist super gefährlich! Dabei habe ich nur drei, an die ich mich halten sollte und eine von denen habe ich deutlich gebrochen, in dem ich mit dir rede!“

„Was sind das für Regeln? Geht’s da um mich?“, fragte Taemin und zog ein letztes Mal an seinem Ärmel, doch es blieb immer noch erfolglos. Jonghyun hing an ihm wie eine abhängige Zecke.

„Natürlich geht es dabei um dich“, brummte der andere und rollte mit den Augen. Erst jetzt erkannte Taemin, dass Jonghyun alles andere als verständnisvoll und akzeptabel war. Immerhin hatten sie das gemeinsam. „Minho und ich sind doch nur auf dich angesetzt.“

„Dann erklär’s mir“, forderte Taemin. Er konnte nicht loslassen. Jetzt, wo er seinem Ziel der letzten Monate so nah war, konnte er sich dich nicht wegen einer Person, die er kaum kannte, zurückhalten. „Was wäre so schlimm daran, die Regeln zu brechen?“

Als ein Auto an den beiden vorbei fuhr wurden sie etwas aufmerksamer. Auch, wenn es mitten in der Nacht war, es gab immer noch andere, die unterwegs waren. Taemin beobachtete jedoch nur Jonghyun, welcher sich umsah und ihn dann mit sich zog, hinein in eine kleine Gasse zwischen zwei großen Häusern, die ein wenig dunkel gelegen war und ihnen Sichtschutz bot.

Dann wurde Taemin von Jonghyun an den Schultern fest gegen die nächste Hausmauer gedrückt und er atmete scharf ein, da der Aufprall ihm kurz Schmerzen zufügte. Es wurde Taemin immer deutlicher: Das, was Minho über Jonghyun gesagt hatte, entsprach der Wahrheit. Er musste also noch vorsichtiger im Umgang mit ihm werden.

„Was soll das denn?“, beschwerte er sich und versuchte den anderen weg zu stoßen, was aber überhaupt keine Wirkung zeigte. Wie es bisher immer der Fall gewesen war: Jonghyun war der Stärkere. Gegen ihn hatte Taemin nicht eine Chance.

Jonghyuns düsterer Blick war für einen kurzen Moment wie versteinert. Er stand vor Taemin und starrte diesen an, bis er Ruhe gab. Danach begann er zu flüstern: „Du erinnerst dich daran, dass dein ach so toller bester Freund mich Gossenjunge genannt hat?“

Da Taemin nicht genau wusste, ob es ihm erlaubt war zu sprechen nickte er lediglich. Immerhin durfte er Jonghyun nicht mehr zu sehr provozieren. Er war nicht gerade in einer Situation, in der er sicher war. Jonghyun war stark genug, um ihm in einer Sekunde das Genick zu brechen. Also blieb er einfach ruhig und dachte über die Situation auf der Straße nach. Die Worte, die Jinki und Jonghyun gewechselt hatten.
Die beiden hatten nach dem Unfall ganz schön hitzig miteinander diskutiert, da waren Taemin Worte wie Gossenjunge sicher nicht entgangen.

„Das hat er nicht einfach so gesagt“, gestand Jonghyun und drehte seinen Kopf nach jedem Satz kurz zur Seite. Er ging anscheinend sicher, dass niemand außer Taemin ihn hören konnte. „Ich hab‘ lange genug auf der Straße gelebt, verfluchte 15 Jahre, und nur dieser Job hat mich davor bewahrt weiter in einem dreckigen Park zu schlafen, verstehst du?“

Taemin schluckte. Das hatte er nicht erwartet. Jonghyun verhielt sich nicht so, als hätte er je auf der Straße gelebt. Er sah gepflegt aus und wirkte meist sehr kultiviert, wenn er nicht gerade die Nerven verlor. Zudem wirkte er auch recht gebildet. Etwas, was man nicht erwartet, wenn einer sehr lang auf der Straße gelebt hatte. „Du warst obdachlos?“

„Wenn du je wissen willst, wie sich die Hölle auf Erden anfühlt, dann kann ich es dir genau erklären“, fügte er hinzu. Die Verbitterung in seiner Stimme und auch die unsicheren Augen Jonghyuns weichten Taemin sogar ein wenig auf. Nach ein paar Sekunden fuhr Jonghyun fort: „Die Aufgabe dich zu beschützen hat mich von der Straße geholt und sollte Er erfahren, dass ich dir alles gesteckt habe, wovon Er dich fern halten will, dann lande ich ganz schnell wieder dort, wo ich war.“

„Und wieso sollte mich dein Wohl interessieren?“, wollte Taemin wissen, der sich wie immer als unantastbar darstellte. Auch, wenn Jonghyuns Schicksal ihn ein klein wenig getroffen hatte... er wollte es ihm unter keinen Umständen zeigen.

Jonghyun schnaufte, machte fast einen enttäuschten Eindruck. „Verdammt, Taemin! Bist du echt so ein Arsch?“

Der Jüngere hatte keine Antwort darauf. Er kannte die Worte, die andere gebrauchten, ihn zu beschreiben. Arschloch war nicht selten eins davon. Selbstsüchtig, arrogant und verzogen gehörten dazu. Unecht, falsch und fake ebenso.

Doch es störte ihn nicht. Er hatte sich daran gewohnt unbeliebt in seinem sozialen Umfeld zu sein. Immerhin hatte sein ganzes soziales Umfeld eigentlich nur aus den Leuten bestanden, die unter ihm gestanden hatten. Angestellte, Geschäftspartner. Bis auf Jinki hatte er keine wirklichen Freunde. Selbst seine Mutter hatte nie wirklich positive Worte über ihn in den Mund genommen.

Es störte ihn nicht.
Absolut nicht.

„Fein“, sagte Jonghyun und ließ den Jüngeren aus heiterem Himmel los. Er hatte scheinbar aufgegeben auf Taemin einzureden. „Tu was du willst. Aber ich betone es noch einmal: Mich möchtest du nicht zum Feind haben.“

„Jetzt hab’ ich aber Angst“, fauchte Taemin ihm entgegen und entfernte sich ein paar Schritte. Jonghyuns Drohungen waren wirklich ein Klacks gegen das, was ihm sonst so per anonymen Briefen zugestellt worden war. „So oder so steht es nicht gut für mich, ob ich dich gegen mich habe oder nicht.“

Danach reagierte jedoch nicht Jonghyun auf ihn, sondern jemand anders, dessen Stimme plötzlich hinter den beiden zu hören war. „Du hättest ein ganz schönes Problem, wenn Jonghyun sich gegen dich richten würde.“

Minho stand an der Ecke zur Straße und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Seine Anwesenheit verwunderte jedoch nicht nur Taemin, sondern auch Jonghyun, der in Taemins Augen seinem Kollegen gegenüber viel beunruhigter wirkte als zuvor.

„Was suchst du hier? Du hast doch noch ein paar Stunden.“ Jonghyun nahm nun mehrere Schritte Abstand von Taemin, nahm seine Cappy ab und fuhr sich durch seine schwarzen Haare, die in dem Licht der Straßen sogar schimmernd glänzten. Zwar versuchte er sicher dadurch gelassener zu wirken, doch Taemin spürte, dass er alles andere als gelassen war.

„Ihr wurdet auf der Straße gesehen, deswegen wurde ich schon etwas früher losgeschickt“, erklärte Minho und zog seine perfekt geformten Augenbrauen nach oben, „Und ich bin froh, dass es so gekommen ist. Denn wie es scheint hast du dich ganz schön in die Scheiße geritten, Jong. Wieso hast du nicht mit mir darüber geredet oder mich zu Rate gezogen?“

„Die Göre hat einfach keine Ruhe gegeben“, versuchte Jonghyun sich zu erklären. Taemin stieß auf diese Beleidigung auch einen empörten Laut aus. Er konnte Jonghyun nicht ausstehen. Dieser Typ war einfach niemand, dem er noch einmal begegnen wollte.

„Ich dachte es wäre besser er weiß Bescheid, bevor er uns noch einmal verfolgt und sich vor das nächste Auto wirft“, fuhr Jonghyun fort.

Taemin musste nun ein klein wenig schmunzeln. Der selbstsichere Jonghyun war Minho anscheinend unterlegen und er verstand nun auch warum. Wenn Jonghyun auf der Straße gelebt hatte und erst vor kurzem diesem „Club“ beigetreten war, dann war Minho als älteres Mitglied eine Stufe über ihm. Dies zeigte der Jüngere der beiden auch deutlich in seinen nächsten Worten:

„Aber du hast eine Entscheidung getroffen, die du nicht hättest treffen dürfen“, belehrte Minho Jonghyun und schüttelte enttäuscht den Kopf, „Du kannst froh sein, dass Ich gerufen wurde und kein anderer nach euch gesehen hat. Echt, du baust in letzter Zeit nur Mist.“

„Aber Taemin ist ein Schwachk-“, wollte Jonghyun dagegen gehen, wurde aber von Minho unterbrochen.

„Jonghyun“, zischte Minho, „Du weißt wer er ist und in welche Probleme du dich reitest, solltest du es dir mit ihm verscherzen!“

Der Ältere wurde ruhiger und sah zu Boden, worüber Taemin sich weiter amüsierte. Ob er selbst oder Minho dafür zuständig war Jonghyun zum Schweigen zu bringen, war ihm egal. Allein die Tatsache, dass er sich zurückhalten musste gefiel ihm so gut, dass er weiter frech vor sich hin grinste.

„Ich übernehme ab hier“, beschloss Minho, „Du kannst zurück gehen. Hol ein bisschen Schlaf nach. Vielleicht liegt es daran, dass du in letzter Zeit zu wenig davon hattest.“

Einen so bitteren Gesichtsausdruck hatte Taemin bei Jonghyun bisher noch nicht gesehen und er fürchtete sich sogar ein wenig davor. Aber so war es nun mal, wenn man in einer solchen Hierarchie lebte. Jonghyun musste wohl oder übel nachgeben.

„Gut, soll mir recht sein“, brummte er, „Ich hab‘ eh genug von ihm.“ Er warf Taemin einen letzten, verächtlichen Blick zu, bevor er ging. Mit großen Schritten lief er an Minho vorbei und sah auch ihn noch einmal bitterböse von der Seite an, bevor er aus Taemins Blickfeld verschwand.

Dieser entspannte sich augenblicklich, als ihm bewusst wurde, dass er es nun nicht mehr mit Jonghyun, sondern mit seinem anderen ‚Bodyguard‘ zu tun hatte.
Minho war auch in diesem Moment so anders, als sein Partner. Er wirkte unglaublich ruhig, so als könnte ihn nichts erschüttern. Diese Ruhe wirkte sich auch auf Taemin aus, der bis eben noch ziemlich aufgebracht war. Doch es reichte ein kleines Lächeln auf Minhos Mundwinkeln zu erahnen, um ihn zu beruhigen.

„Nimm es ihm nicht böse“, sagte Minho und trat nun näher an ihn heran, „Er hatte es wirklich nicht leicht bisher.“

Taemin atmete tief durch, bevor er das Wort an Minho richten konnte: „Bist du hergekommen, um mich auch aufzuhalten?“

„Nein“, antwortete er ohne jegliche Zurückhaltung, „Tu, was du nicht lassen kannst. Jonghyun war immer egal was aus mir wird. Was jedoch aus ihm wird ist mir zwar nicht egal, aber er hat sich selbst in die Probleme hineingeritten. Jetzt muss er mit den Konsequenzen leben. Das kommt davon, wenn man die Regeln bricht.“

Taemin beobachtete jede Bewegung Minhos ganz genau und war fast immer fasziniert. Er wirkte so vorsichtig und grazil, obwohl er recht groß und muskulös war. Er war einfach von allem ein bisschen aber von nichts zu viel. Zudem machte sein Charakter ihn noch attraktiver als er es eh schon war. Aus diesem Grund wurde Taemin auch noch neugieriger darauf mehr von ihm zu erfahren.

„Was sind das für Regeln?“, fragte Taemin, der in der Gegenwart des anderen wieder etwas mehr auftaute.

„Regeln, die für unseren Job aufgestellt wurden. Leitfäden, an die wir uns halten müssen, damit dieser Job reibungslos funktioniert. Es sind nur drei und die sind auch recht simpel“, erklärte Minho und hielt einen Zeigefinder vor Taemins Gesicht. „Erstens. Unsichtbarkeit. Wir sollen für dich praktisch gar nicht existent sein. Du darfst uns nicht sehen und uns nicht hören. Uns zu zeigen ist nur in äußert gefährlichen Situationen erlaubt, wie der Unfall vor ein paar Tagen.“

„Und diese Regel war deswegen da, damit ich nicht mehr erfahre, richtig?“, schlussfolgerte Taemin und Minho nickte darauf, worauf der Jüngere fortfuhr. „Dann ist diese Regel doch jetzt hinfällig. Immerhin weiß ich jetzt alles.“

„Ja, wegen Jonghyun. Die erste Regel hat er also mehr als gebrochen. Er hat sich damit all dem widersetzt, was ihm aufgetragen wurde.“ Minho schnaufte und schüttelte seinen Kopf. Dabei fiel Taemin auf, dass dessen dunkelbraunen Haare nicht weniger glänzten als Jonghyuns.

Diese beiden Menschen waren fast zu perfekt in Taemins Augen.

„Echt mal, der braucht ganz dringend nochmal einen Crashkurs darin, wie man solche Vorschriften einhält“, brummte Minho.

„Was ist die zweite Regel?“, hakte Taemin nach. Jetzt, da er schon wusste, wem er das alles zu verdanken hatte und was alles damit zusammenhing, wollte er jedes Detail kennen.

„Die zweite Regel…“, begann Minho und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand, an die Taemin von Jonghyun vorher gestoßen worden war. Ein Bein winkelte er leicht an und stemmte seinen Fuß ebenfalls gegen die Mauer. „Wir sollen dich beschützen und vor diesem ganzen Zeug bewahren. Du wusstest von all dem nichts, weil jemand das so wollte. Es ging immer nur darum, dass es dir gut ging und du in Sicherheit warst.“

„Unfassbar, als ob meine Sicherheit das alles Wert ist.“ Taemin sah auf sein Handy. Die Kartenapp darauf zeigte ihm an, dass er immer noch mindestens dreißig Minuten laufen musste, um sein Ziel zu erreichen. Viel zu weit, um es mit seinen Verletzungen zu schaffen, das war ihm klar. Er hatte sich damit schon abgefunden in dieser Nacht niemanden zu konfrontieren, bevor er losgerast war. Doch das hatte er Jonghyun vor lauter Stolz nicht sagen können. Er hätte ihn in dieser Nacht bestimmt nicht verraten.

Doch nun, da Minho da und Jonghyun weg war konnte er nur noch eines tun. Er musste Minho ein klein wenig mehr ausquetschen. „Und die Dritte?“

„Die dritte Regel ist dem Vorgesetzten sehr wichtig“, erklärte Minho und machte eine Pause. Er lächelte, es war fast ein verlegenes Lächeln. „Das wird dir bestimmt etwas peinlich sein.“

Taemin war dadurch verunsichert. „Wieso sollte es mir peinlich sein?“

„Wir dürfen keine Sympathien für dich hegen. Selbst wenn wir das tun, dürfen wir es dir nicht zeigen. Dazu gehören jegliche Gefühle der freundschaftlichen, romantischen oder auch anderen Art, wenn du verstehst was ich meine“, erklärte Minho mit leiser Stimme. Es war eher so, als würde er sich wegen dieser Regel unwohl fühlen.

„Was?“ Taemin fiel der Mund auf. Er konnte kaum glauben, was er da gehört hatte. „Solche bescheuerten Regeln stellt er auf?“

„Glaub mir, das ist nicht so abwegig. Immerhin haben wir in den letzten Wochen kaum einen anderen Menschen zu Gesicht bekommen als dich. Zudem bist du unter Frauen als auch Männern sehr beliebt und dessen bist du dir auch bewusst, richtig? Wer weiß, vielleicht ist Jonghyun auch so abweisend zu dir, weil er auf dich steht“, kam es aus Minho wie aus einem Wasserfall, den man nicht stoppen konnte. Doch bei seinem Letzten Satz hörte er dann abrupt auf, da ihm bestimmt aufgefallen war, dass es recht unangebracht war seine Annahme auszusprechen.

„Du verarschst mich! Jonghyun ist richtig abfällig zu mir. Du willst mich nur davon abbringen noch heute Nacht irgendwas Blödes zu tun“, stammelte Taemin. Das konnte doch nicht wahr sein. Er fühlte sich wie auf einem Silberteller präsentiert. Dass solche Regeln wegen ihm aufgestellt wurden ekelten ihn sogar ein klein wenig an. Wie konnte Er nur solche blöden Regeln erfinden?!

„Stimmt, ich übertreibe. Aber nur ein kleines Bisschen“, kicherte der andere.

„Blödmann“, brummte Taemin, worauf Minho laut loslachte.

„Komm“, sagte er dann, nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte, „Ich bring dich nach Hause. Dann kannst du mich gerne weiter ausfragen und keiner kommt irgendwie zu Schaden. Was hältst du davon?“

***


„Er weiß es“, platzte es aus Jinki, als dieser mit aufgebrachten Schritten und ohne anzuklopfen das kleine Büro betreten hatte. „Er weiß alles!“

Der Mann, der wie fast immer an seinem Schreibtisch saß, beäugte Jinki kritisch, als dieser recht plump in sein Zimmer gestürmt war. „Was soll das heißen, er weiß es?“

„Jisung, ich hab die beiden auf der Straße gesehen. Jonghyun und Taemin. Sie haben heftig miteinander diskutiert. Das konnte man nicht übersehen. Jonghyun muss ihm von uns erzählt haben.“ Rasend lief Jinki durch Zimmer und dachte darüber nach, wie sie nun weiter vorgehen sollten. Doch ihm fiel nichts ein. Jahre des Stillschweigens. Für nichts. Nur, damit so ein Typ von der Straße kommen konnte und ihm alles brühwarm erzählte.

„Bist du dir da sicher?“ Jisung sah alles andere als glücklich aus. „Minhos Vater, der die beiden gesehen hat, hat nur gesagt, dass die beiden draußen sind, aber er hat nichts von einer Diskussion erwähnt.“

„Ich bin mir sicher. Jonghyun sagte was von wegen, dass er in Schwierigkeiten kommen würde und so‘n Zeug. Das klingt doch ganz eindeutig, oder?“ Jinki setzte sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch und schüttelte den Kopf. „Was sollen wir jetzt machen?“

„Du wirst gar nichts machen, Jinki“, sagte Jisung. Auf der Stirn des Mannes hatte sich eine ausgeprägte Ader gebildet, welche Jinki bisher nur gesehen hatte, wenn er vor schwere Entscheidungen gestellt wurde. „Ich habe dir wirklich schon genug zugemutet. Er reicht schon, dass du alles für Taemin tust und so hart arbeitest, um an seiner Seite bleiben zu können. Ich möchte nicht, dass du dich mit noch mehr Ballast voll türmst.“

Der Jüngere schnaufte. Es hatte ihm doch nie etwas ausgemacht für Taemin da zu sein. Immerhin war er sein bester Freund und für ihn eine Art kleiner Bruder. Er wollte ihn beschützen und er wollte, dass er von all dem hier ferngehalten wurde. „Wir können doch aber nicht zulassen, dass-“

Jisung unterbrach mit bitteren Worten Jinkis Gedankengang. „Meine Frau hatte wohl recht.“

Jinki riss schockiert seine Augen auf und legte seine Hände vor sich auf dem hölzernen Schreibtisch ab. „Nein! Nein, sie hatte auf keinen Fall recht. Dass Taemin so gut aufgewachsen ist hat er dir zu verdanken. Er steht nicht auf Abenteuer und Schießereien. Was denkst du wie er reagiert, sollte er alles erfahren? Er wird uns allen nicht mehr vertrauen können. Vielleicht wird er uns hassen.“

„Ich verstehe deine Sorgen“, sagte Jisung und verhakte seine Finger in einander.

Das, was Taemin Vater für Jinki immer liebenswerter als seine Mutter gemacht hatte war, dass er Taemin vor all dem hier schützen wollte. Jinki hatte bei diesem Plan gern mitgeholfen, denn er wusste wie es sich anfühlte dort zu leben. Also wollte er, dass sie genau bei diesem Plan blieben. Taemin sollte nichts hiervon sehen.

„Wenn Taemin es weiß“, fuhr Jisung fort und ließ geknickt seinen Kopf nach unten fallen, „Dann haben wir keine Wahl. Er wird herkommen müssen.“

Aufgebracht fuhr Jinki in die Höhe, sodass der Stuhl, auf dem er gesessen hatte, nach hinten umfiel. „Das kann nicht dein Ernst sein?“

Der andere sah Jinki lediglich mit angezogenen Schultern an und schüttelte anschließend den Kopf. „Leider ist es mir ernst. Finde heraus, was Taemin weiß. Wenn es stimmt was du sagst, dann rede mit Eunji und bringt ihn morgen früh direkt zu mir.“

„Jisung, nein. Bitte. Lass mich wenigstens versuchen ihn umzustimmen.“ Jinki flehte den anderen regelrecht an, etwas, was er sonst nie tat. Er war meist zu stolz, um etwas zu bitten und er hatte bisher alles in seinem Leben selbst erreicht. Doch diesmal war es anders. Ihm war bewusst, dass Taemin unter dem Schutz von Jisung stand.

Und dieser war auch derjenige, der alles in der Hand hatte, als er verkündete: „Das ist kein Rat mehr, Jinki. Ich sage das nicht als dein alter Freund. Ich befehle es dir, als dein Vorgesetzter. Wenn Taemin Bescheid weiß, dann bring ihn her. Das ist mein letztes Wort.“

„Du schickst damit Taemin in den sicheren Tod, das weißt du! Du hast ihn mit Absicht wegen Taesuk von all dem ferngehalten, erinnerst du dich?“, wollte Jinki an seine Vernunft appellieren.

Doch mit Jisung war nicht mehr gut zu sprechen. Dieser war viel zu sicher in seiner Entscheidung und Jinki wurde klar, dass er Taesuk besser nicht erwähnt hätte, als der ältere mit der Faust auf den Tisch schlug.

„Es reicht jetzt, Jinki. Mein Entschluss steht fest. Taemin wird immer beschützt. Es wird ihn nicht das gleiche Schicksal ereilen wie seinen Bruder“, erklärte der Mann und rieb sich dann über seine Hand. „Und jetzt geh. Ich bin müde.“

Jinki verließ das Zimmer, ohne sich von Jisung zu verabschieden, mit dem er sich sonst immer einig gewesen war. Doch jetzt war es anders. Jonghyun hatte dafür gesorgt, dass nichts mehr so sein würde wie früher.

Traurig lehnte er sich an der Tür an, die er hinter sich geschlossen hatte und atmete schwer. In Jinki brodelte etwas und es entwickelte sich ganz langsam zu einem Inferno aus Sorge, Wut, Traurigkeit, Angst und Hass.

Hatte er sich wirklich all die Zeit um Taemin gekümmert, damit er jetzt aufgeben und ihn herbringen musste? Wie es schien hatte er keine andere Wahl. Denn die Situation zwischen Taemin und Jonghyun war zu auffällig gewesen.

Es würde Taemin in Gefahr bringen. Es würde alles ändern. Jinki hatte sein Leben, außerhalb dieser Mauern als Taemins bester Freund in einem normalen Umfeld sehr genossen. Dass sich das alles von nun an ändern würde war für Jinki kaum zu ertragen.

Doch seine Intention Taemin zu beschützen war immer noch die gleiche. Er würde diesen steinigen Weg mit ihm gemeinsam gehen, auch wenn es möglich war, dass Taemin wegen der Geheimhaltung sauer auf ihn sein würde. Jinki wusste, dass er ihn nicht allein lassen wollte. Niemals.

Doch, dass er ab diesem Zeitpunkt überhaupt nicht gut auf Jonghyun zu sprechen war, war klar. Er war nicht nur wütend auf diesen Typ, er entwickelte schon fast eine Art Hass auf ihn.

Er würde dafür sorgen, dass dieser Gossenjunge bereute mit Taemin auch nur einen Satz gewechselt zu haben.
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