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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.06.2020 4.244
 
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Hallo meine Lieben :)

Es ist heute wieder etwas später geworden, aber hier ist das neue Kapitel. Ich hoffe ihr habt ganz viel Spaß beim Lesen! Vielen Dank für eure Unterstützung, die Favoriteneinträge und die 3 Empfehlungen! Ich freue mich sehr darüber!

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 5
Name: Zwei Bedingungen
Wörter: 4.134
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Kapitel 5: Zwei Bedingungen

„Na, wie fühlt sich das an?“, wollte Jinki wissen und schubste Taemin. „Es ist doch schön hier draußen, oder?“

„Ja, ganz toll“, brummte Taemin und fuhr sich durch die Haare.

Es hatte ganz schön lange gedauert, bis Taemin sich von seinem nervigen Freund hatte überreden lassen nach draußen zu gehen und zum nächsten Park zu fahren. Dort angekommen war er schon so erschöpft gewesen, dass er sich noch gerade so zu der nächsten Bank hatte schleppen können.

//Was hatte dieser Trottel eigentlich erwartet? Dass ich nach 5 Tagen Bettruhe schon Kilometer weit laufen kann?//

Er hatte so wenig Lust drauf draußen zu sein, wie er auch Lust darauf hatte sich mit Jinki zu unterhalten. Überhaupt keine. Für ihn war nur eins wichtig. Informationen! Die, die er von Jinki nicht bekam, egal wie oft er es ansprach.

Er redete sich heraus, mit den schlimmsten Einfällen. Erfand etwas total bescheuertes wie, dass es eine Art Schock war unter dem er mit Jonghyun geredet hatte. Er hatte angeblich keine Ahnung wer er war und hatte ihn nur weggeschickt, weil er glaubte, dass er in diesem Moment eine Gefahr war. Laut Jinki war er wütend auf Jonghyun gewesen, weil dieser ihn verletzt hatte.

Dabei hatte er ihm doch das Leben gerettet.

„Können wir jetzt wieder nach Hause gehen?“, wollte Taemin wissen, der nach der Begegnung mit Minho glaubte ständig beobachtet zu werden. Wenigstens in seinem Zimmer fühlte er sich nicht ganz so verfolgt. Das hatte er nämlich schon mehrfach auf Kameras oder Wanzen abgesucht. Es war nichts zu finden. Also war er in seinem Zimmer eigentlich von diesen Typen verschont. Zumindest solange seine Mutter zuhause war.

„Wir sind doch erst hergekommen“, beschwerte sich der Ältere, dessen Augen wegen der Sonnenstrahlen, die auf sein Gesicht fielen, geschlossen waren. „Genieß doch einfach mal ein wenig die Natur und die frische Luft. In deinem Zimmer versauern kannst du immer noch, wenn ich nach Hause fahre.“

„Und wieso kannst du nicht jetzt schon nach Hause fahren?“, jammerte der Jüngere.

„Sei doch nicht immer so bockig“, sagte Jinki und kicherte leise. „Du liebst mich doch, ob du beleidigt bist oder nicht.“

„Pf“, stieß Taemin aus, „Ich müsste gar nicht so bockig sein, würdest du mir einfach sagen welches Spiel hier gespielt wird.“

„Ich spiele kein Spiel, Tae“, versicherte Jinki ihm, „Ich hab dir alles gesagt. Alles was ich weiß.“

Das glaubte Taemin nicht. Nicht mal, nachdem er das zum hundertsten Mal gehört hatte. Es wirkte alles so einstudiert. Als hätte er sich genau Gedanken darüber gemacht, was er sagen musste, um Taemins Fragen zu umgehen.

Aus diesem Grund war Taemin zurzeit überhaupt nicht gut auf seinen besten Freund zu sprechen. Immerhin log er ihn an. Am liebsten wäre es ihm, wenn Jinki ihn nicht jeden Tag besuchen würde.

Er wollte nicht mehr belogen werden. Jinki sollte das lernen.

Seine Mutter hätte in diesem Moment wohl gesagt, dass es der pure Trotz wäre, doch Taemin sah das anders. Er handelte, um sich selbst und auch Jinki etwas zu beweisen.

„Ich hab da vorn einen Eiswagen gesehen“, sagte der Jüngere plötzlich und zeigte auf eine Stelle des Parks, der für sie auf dieser Bank in einem toten Winkel lag.

„Oh, plötzlich doch Lust hierzubleiben?“, fragte Jinki und sah Taemin mit einem lieben Lächeln an.

Taemin zögerte danach doch ein wenig. Jinkis überfreundliche Art war manchmal ganz schön anstrengend, besonders, wenn er sauer auf ihn sein wollte. „Hol uns was.“ Er kramte in seiner Hosentasche nach seinem Geldbeutel und reichte ihn dem Älteren. „Geht auf mich.“

„Nicht gerade die höflichste Art, aber allein, dass du doch hierbleiben willst, überredet mich“, sagte Jinki und nahm den Geldbeutel an sich.

Taemin zuckte mit den Schultern. „Bist du mit mir befreundet, weil ich super höflich bin?“

„Nein“, entgegnete Jinki, wie aus der Pistole geschossen, „Ganz sicher nicht.“

Diese Aussage hatte Taemin zwar erwartet, trotzdem verzog er ein wenig seine Lippen. „Echt nett.“

Jinki stand auf und streckte sich. „Für dich bin ich doch immer der Netteste, was?“

„Bist du.“

„Ich brauch nicht lange“, sagte Jinki und sein Lächeln war unerbittlich.

Darauf antwortete Taemin nicht, sondern wartete bis der andere losgegangen war. Jinki drehte sich sogar mehrfach zu ihm um, was dem Jüngeren mal wieder das Gefühl gab, ein kleines Kind zu sein.

Doch das machte er nicht mehr länger mit.

Als Jinki so weit weg war, dass sie sich gegenseitig nicht mehr sehen konnten sprang Taemin auf und suchte nach einem schnellen Weg, um zu verschwinden. Er wollte Jinki mal so richtig einen Schrecken einjagen und wenn das nicht passierte, sollte er sich wenigstens ein bisschen darüber ärgern, sitzen gelassen worden zu sein.

Doch er hatte nicht sonderlich viele Möglichkeiten zu fliehen. Es waren nur zwei Wege, die er einschlagen konnte. Er konnte weiter in den Park gehen und sich hinter einem Baum verstecken oder über die Straße in eines der Geschäfte gehen.

Er entschied sich jedoch dafür sich im Park zu verstecken. Das Risiko, dass er es nicht rechtzeitig auf die andere Straßenseite schaffte war wirklich zu hoch.

Also lief er los, ein paar Schritte über eine Wiese, hinein in ein kleines Fleckchen, dass mit Büschen und Bäumen ausgestattet war. Selbst wenn Jinki versuchte ihn hier zu finden würde es sicher ewig dauern, bis er dies schaffte.

Die Kraft verließ ihn jedoch ziemlich schnell. Nur wenige Minuten war er unterwegs, bis er sich an einen großen, dicken Baum setzte, von dem aus er die Bank auch nicht mehr sehen konnte. Zufrieden atmete er durch. Sollte Jinki sich doch Sorgen machen. Er hatte jedenfalls keine Lust weiter dort rumzusitzen und sich zu langweilen.
Taemin fühlte sich wohl mit seiner Entscheidung. Es kümmerte ihn kein Stück wie Jinki auf sein Verschwinden reagieren würde und es machte ihm auch nichts aus zu wissen, dass er seinen Freund damit wirklich verängstigen könnte. So war er nun mal.

Er war voll Schadenfreude und malte sich sogar aus, wie Jinki reagierte, sollte er die leere Bank sehen. Er lächelte frech vor sich hin, bis er plötzlich ein leises Knacksen kleiner Äste direkt vor sich hörte. Es klang fast so, als wäre noch jemand dort unterwegs.

Jinki? Jetzt schon? Das konnte nicht sein!

„Hallo?“, fragte Taemin vorsichtig und hoffe aber darauf keine Antwort zu bekommen. Immerhin hätte das Geräusch auch eine Katze oder ein anderes Tier auslösen können.
Doch das war nicht der Fall.
Ein einziger Blick genügte ihm, um die Entscheidung zu fliehen doch wieder direkt zu bereuen.

Das Geräusch war von einem Menschen ausgelöst worden, der gerade hinter einem Baum hervor kam, der offensichtlich auch nicht versuchte sich vor Taemin zu verstecken. Er zeigte sich ihm aus freien Stücken, womit Taemin nie gerechnet hätte.

„Du?“, fragte er und stand so schnell auf, dass es ihn wieder in der Seite schmerzte.

Der andere lächelte. Auch an diesem Tag war er schwarz gekleidet und benutzte eine Cappy, um seine pechschwarzen Haare zu verdecken. Genauso wie er ihn bisher immer gesehen hatte.

Jonghyun.

„Darf ich dich fragen, was das hier werden soll? Solltest du verstecken spielen hättest du das deinem Freund mitteilen müssen.“ Jonghyun kam langsam auf ihn zu und ihm lag ein draufgängerisches Lächeln auf den Lippen.

„Bleib da ja stehen!“, rief Taemin, der es überhaupt nicht zulassen wollte, dass dieser Mensch sich ihm in seinem Radius von einem Meter befand. „Komm ja nicht näher!“

„Begrüßt man so seinen Lebensretter?“, fragte Jonghyun und lachte. „Man, ich dachte echt es wird etwas einfacher mit dir, aber du bist echt ein ganz schön schwerer Brocken.“
Der Ältere rollte kurz mit seinen braunen Augen und lehnte sich mit verschränkten Armen an einen großen Baum an.

„Was soll das denn jetzt wieder heißen?“, stammelte Taemin und sah sich um. Vielleicht würde Jinki zu ihm kommen, wenn er ihn rief.
Gerade als er sich umgedreht hatte, um nach seinem Freund zu sehen hielt er inne. Wollte er wirklich, dass Jinki ihm zur Hilfe kam? War er nicht vor Jinki geflohen?

Dass Jonghyun jetzt hier war, war doch überhaupt nicht schlecht. Vor ein paar Tagen hatte Taemin ihn noch verfolgt, um mir ihn zu reden. Das hier war doch eine Situation, die zu seinen Gunsten aufgetreten war.

Jonghyun blieb weiter stehen, ohne den Eindruck zu machen Taemin näher kommen zu wollen. „Das heißt, dass ich nicht gedacht hab, dass ein so zierlicher Mensch wie du, so viel Arbeit bedeutet.“

Taemin, der sich in seinem Kopf etwas zurecht legte, um so viel Informationen aus Jonghyun heraus zu bekommen wie möglich, begann Fragen zu stellen: „Warum bist du hier?“

„Ich dachte Minho hätte es dir erklärt: Wir sind zu deinem Schutz in deiner Nähe.“ Jonghyun lächelte. Dieses Lächeln war jedoch nichts, was Vertrauen weckte oder ihm die Art Sicherheit vermittelte, die Minho bei Taemin geweckt hatte.

„Und was soll das bedeuten? Wer schickt euch denn bitte und... du kennst Jinki richtig?“ Taemin machte eine kurze Pause, um etwas in dem Gesicht des anderen zu erkennen und tatsächlich: Jonghyun wirkte ein wenig ertappt, denn die Selbstsicherheit war nicht mehr so deutlich zu erkennen. „Ihr habt miteinander geredet und euch merkwürdige Dinge an den Kopf geworfen. Sowas macht man doch nicht, wenn man sich nicht kennt.“

„Tut mir leid, aber ich darf dir davon nichts sagen“, murmelte Jonghyun. Seine Antwort war derer Minhos sehr ähnlich. Die beiden durften wohl tatsächlich nichts über diese Sache verraten. „Und außerdem: Was würde für mich herausspringen, wenn ich meinen Job nur für dein Mitwissen riskieren würde?“

„Was dabei für dich herausspringt ist mir vollkommen egal. Ich habe ein recht zu wissen, was hier abläuft!“ Der Jüngere sah nicht ein den anderen um Antworten anzubetteln und er hatte doch auch mit dem was er sagte nicht falsch gelegen. Immerhin ging es hier um ihn. Doch als Jonghyun darauf nichts sagte fragte er weiter. „Aber du kennst Jinki, richtig?“

„Hör auf nachzuhaken, das nervt.“ Jonghyun verschränkte die Arme vor der Brust und wirkte auf Taemin nun, trotz der starken Worte, sehr unsicher.

Taemin schien bei Jonghyun nicht so viel zu erreichen, obwohl er nicht lockerlassen wollte. Bisher hatte er mit Jonghyun auch noch nicht wirklich geredet.
Er hatte erwartet, dass der Typ so kalt und unnahbar sein würde wie bei deren ersten Begegnung. Doch es musste nicht sein, dass er so war. Vielleicht war er gar nicht so stark wie er tat.
Also redete er weiter auf Jonghyun ein: „Doch. Das werde ich so lange, bis mir einer von euch endlich sagt was hier läuft. Könnt ihr nicht nachvollziehen wie merkwürdig das alles für mich ist?“

„Doch, es muss verdammt seltsam sein. Das erlaubt es mir aber immer noch nicht, dich einzuweihen“, sagte Jonghyun und sah an Taemin vorbei. „Wir haben Regeln, an die wir uns halten müssen.“

„Würdest du auch wollen, dass ihr euch an die Regeln haltet, wenn du an meiner Stelle wärst?“, wollte Taemin wissen, aber sah in Jonghyuns großen braunen Augen keine wirkliche Regung. „Immerhin habt ihr meine Waffe geklaut. Die hat mich fast alles gekostet, was ich noch hatte. Was macht ihr damit überhaupt?“

Der andere lachte kurz und schüttelte dann den Kopf. „Oh, du armer pleitegewordener Firmenerbe. Soll mir jetzt leidtun, dass wir dich vor einer kriminellen Handlung bewahrt haben? Außerdem haben wir das Ding nicht mehr, keine Sorge.“

„Was zu gefährlich ist, kann ich immer noch für mich selbst entscheiden“, zischte Taemin. Jonghyun war wirklich schwer zu knacken.

„Nein, das kannst du nicht“, donnerte Jonghyun ihm nun etwas ungehaltener entgegen. „Du hast doch überhaupt keine Ahnung! Du hast dein schönes, behütetes Leben geführt und du solltest aufhören deine Nase in Dinge zu stecken, in die sie nicht reingehört!“

Taemin hatte nicht mit einem solchen Ausbruch gerechnet und ganz kurz glaubte er sogar, dass Jonghyun sich tatsächlich um ihn sorgte. „Dann sag mir was los ist! Vielleicht kann ich es dann einschätzen.“

„Ich darf es nicht, wie oft soll ich dir das noch sagen?“, brummte Jonghyun und lief dann doch auf Taemin zu. „Es könnte echt böse für mich enden.“

Diesmal hielt Taemin ihn nicht davon ab ihm näher zu kommen. Doch je näher der andere kam, desto merkwürdiger fühlte es sich an.
Es war eine Mischung aus Unwohlsein, Aufregung und ganz merkwürdiger Weise auch... etwas Positivem. Er fühlte sich in Jonghyuns Nähe mittlerweile sogar vertraut, sodass er überhaupt keine Angst mehr vor ihm hatte.

Also versuchte Taemin nochmal an Jonghyun zu appellieren. Und diesmal ließ er sich sogar darauf herab ihn zu bitten: „Sag mir was hier los ist!... Bitte!“

Es war kurz still zwischen ihnen und Taemin hatte den Eindruck, als würde dieser gequälte Gesichtsausdruck Jonghyuns daraus resultieren, dass dieser gerade mit sich selbst kämpfte.

Schließlich atmete Jonghyun tief aus und stemmte seine Hand gegen den Baum, vor dem Taemin stand. Jonghyuns Arm war kaum fünf Zentimeter von ihm entfernt und das führte dazu, dass sein Ohr ganz heiß wurde.

„Du willst also die Wahrheit hören?“, fragte Jonghyun leise und ein bitterböses Lächeln zog sich über seine Lippen. „Du hast keine Angst davor, alles zu erfahren?“

Taemin nickte, da er nun keine Fehler mehr machen durfte. Denn er hatte Jonghyun genau dort, wo er ihn haben wollte.

„Ok. Ich werde dir erklären was hier vor sich geht, ja. Aber hier geht das nicht.“ Jonghyun machte eine Pause und sah sich um, bevor er sich wieder zu Taemin wandte. „Erwarte mich heute Nacht bei dir zuhause. Dann können wir in Ruhe darüber reden.“

„Ok“, sagte Taemin lediglich, war aber auch etwas skeptisch.

„Aber bis dahin verhalte dich bitte unauffällig. Geh zurück zu deinem Freund und verrate nicht, dass du mich getroffen hast! Das alles hier könnte mich in sehr große Schwierigkeiten bringen. Du bekommst das was du willst, aber dafür brauche ich deine Unterstützung.“

Wieder nickte Taemin nur, denn er fürchtete sich davor, dass jedes Wort Jonghyun wieder von seinem Vorhaben abbringen konnte. Also blieb er ruhig und wollte genau das tun, was er von ihm verlangte.

„Na schön“, murmelte Jonghyun und legte urplötzlich eine Hand auf Taemins Kopf, „Dann solltest du aufhören Minho und mir in den Weg zu kommen. Wir wollen dir, wie gesagt, nichts Böses.“

Diese Berührung fühlte sich für Taemin so seltsam an.
Zum einen war es fremd und ungewohnt, dass überhaupt jemand ihm gegenüber solche Zärtlichkeit zeigte.
Zum anderen kribbelte sein Körper so merkwürdig. So als würde es ihm tatsächlich gefallen.

Es gefiel ihm? Sicher nicht. Er sollte Jonghyun nicht trauen, auch wenn er ihm entgegenkam. Das wiederholte Taemin mehrfach in seinem Kopf. Immerhin war der Ältere bisher nicht so freundlich zu ihm gewesen.

„Hast du starke Schmerzen?“, wollte Jonghyun zudem plötzlich noch wissen.

Taemin sah auf und der Augenkontakt machte ihn noch nervöser: „Ich... äh... etwas.“

„Es tut mir leid“, flüsterte Jonghyun, „Ich hab’s verbockt.“

‚Dem ist nichts heilig.‘
Minhos Worte, an die Taemin sich erinnerte machten ihn plötzlich wieder etwas aufmerksamer.

Er kannte Jonghyun nicht. Er konnte ihn noch nicht einschätzen. Er sollte sich also eher an Minho halten, der Jonghyun sicher schon länger kannte.
Er musste also auf der Hut sein.

„Der Unfall ist ja nicht deine Schuld“, meinte er und sah Jonghyun etwas unsicher an, denn er wusste nicht wie er die plötzliche Sorge des anderen deuten sollte. „Dann sehen wir uns heute Abend?“

„Auf mein Wort kannst du dich verlassen. Immer!“


***


„Als du gesagt hast da sei ein Eiswagen, hättest du ruhig die übelst lange Schlange davor erwähnen können“, meckerte Jinki, der Taemin einen Becher in die Hand drückte.

Es war pures Glück gewesen, dass Taemin es noch rechtzeitig zur Bank zurückgeschafft hatte und er war auch ganz schön aus der Puste, was er aber Jinki so gut es ging verheimlichen wollte.

Deswegen lachte er, brachte aber nur ein recht gestelltes Kichern heraus: „Ich wollte mal für ein paar Minuten meine Ruhe, weißt du?“

Aus Jinki kam ein brummendes Zischen. „Na wenigstens habe ich jetzt kein schlechtes Gewissen mehr, mir extra viel Sahne und Kirschen dazu bestellt zu haben.“ Er reichte Taemin seinen Geldbeutel.

„Na, wenn das so ist kannst du doch gar nicht böse auf mich sein“, meinte Taemin und stocherte in seinem Bananen- und Oreo-Eis herum.
Jinki kannte tatsächlich noch seine Lieblingssorten, obwohl sie so etwas schon sehr lange nicht mehr gemacht hatten. Fast hatte er ein schlechtes Gewissen bekommen, weil er versucht hatte abzuhauen.

Aber nur fast.

„Was ist los?“, fragte Jinki aus heiterem Himmel.

„Was soll sein?“, stellte Taemin eine Gegenfrage.

„Du grinst so merkwürdig.“

Erst jetzt fiel Taemin die Spannung auf seinen Wangen auf. Es tat schon fast weh, so blöd hatte er vor sich hin gelächelt. „Tu ich das?“

„Ja. Als sei dir irgendwas Tolles passiert, während ich weg war.“ Jinki grinste nun auch blöd vor sich hin.

Doch was sollte Taemin ihm sagen? Dass er Jonghyun getroffen hatte und dieser bereit war mit ihm über alles zu sprechen? Nein. Immerhin musste er vorsichtig sein, wenn Jinki ihn kannte. Außerdem hatte Jonghyun Taemin gebeten niemandem etwas zu sagen. Also improvisierte er: „Naja... irgendwie gefällt es mir hier doch... Blödmann...“

Jinki sah danach wirklich glücklich aus, was Taemin tatsächlich ein wenig schlecht fühlen ließ. Es war nicht schwer für ihn zu lügen, das war ihm immer leicht von den Lippen gegangen. Doch Jinki anzulügen war ein ganz anderes Level. Normalerweise hatten die beiden keine Geheimnisse voreinander. Bis auf die Schusswaffe wusste Jinki alles von Taemin.

Und jetzt gab es dieses neue Geheimnis.

„Das ist schön zu hören“, flüsterte Jinki und schloss wieder seine Augen, um die Sonne zu genießen.

Erst in diesem Moment begann Taemin auch die Natur und das warme Gefühl auf seiner Haut wertzuschätzen.



An diesem Tag wurde Taemin von Jinki erst relativ spät nach Hause gebracht und hatte dann als aller erstes alles ausführlich seiner Mutter erzählen müssen.
Dabei hatte er gar nicht so viel zu erzählen gehabt. Den halben Tag hatten sie im Park gesessen und über langweilige Dinge geredet und anschließend waren sie noch in einem japanischen Restaurant, um eine Suppe zu essen. Das war’s schon. Mehr war überhaupt nicht passiert an diesem Tag.

Zumindest war dies Taemins offizielle Version.

Doch in seiner Magengegend war immer noch dieses merkwürdige Gefühl. Ein Gefühl, dass seit der Begegnung mit Jonghyun einfach nicht weggehen wollte. Es war schon fast wie eine ständige Übelkeit, die ihn den ganzen Tag begleitete. Vielleicht war es die Aufregung endlich die Wahrheit zu erfahren.

Nervös ging Taemin unter die Dusche, um Zeit totzuschlagen. Er wusste ja nicht wann Jonghyun auftauchen würde. Also musste er sich irgendwie wachhalten.

Über eine halbe Stunde hatte er unter der Dusche gestanden, bis er spürte, dass das Wasser langsam kälter wurde.

Er stieg aus der Dusche und sah direkt in den kleinen Spiegel gegenüber. Seine Haare störten ihn immer noch und genau das musste er jetzt ändern, sonst würde er es wieder schleifen lassen.

Er nahm die Haarfarbe aus dem kleinen Schränkchen unter dem Waschbecken, die Jinki ihm einen Tag nach dem Unfall gegeben hatte. Er hatte diese im Drogeriemarkt gekauft, bevor er Taemin gefolgt war.

Kurz las Taemin sich die Anleitung durch und klatschte sich die Masse auf die Haare, versuchte sie so gut wie es ging zu verteilen und ließ sie danach eine Dreiviertelstunde einwirken.

In dieser Zeit hatte er einfach auf dem Deckel der Toilette gesessen und mit seinem Handy das Internet durchforstet.
Er suchte so etwas wie „Minho und Jonghyun beschützen“ und „Jonghyun Waffe“ und „Unfälle Seoul der letzten Tage“. Doch er konnte keine Anzeichen auf die beiden finden, die er suchte.
Nichts half ihm weiter. Er musste also weiterhin einfach geduldig sein und in der Nacht keine Frage vergessen.

Er beugte sich darauf Kopf vor in die Dusche und ließ das lauwarme Wasser über seinen Kopf laufen, welches lila-schwarz gefärbt am Boden des weißen Duschbeckens ankam. Es dauerte fast eine Viertelstunde die Haare von der restlichen Farbe zu befreien.

Eine weitere halbe Stunde verbrachte er damit sie zu trocknen und ein wenig zu stylen. Letztendlich war er nicht mal unzufrieden damit. Er hatte sich lange nicht mehr so natürlich gesehen und irgendwie gefiel es ihm, weil es so ungewohnt und anders war.

Nach dieser ganzen Aktion war er definitiv müde geworden und schaffte es zum Glück noch, sich in seinem Bett zu verkriechen. Wahrscheinlich war es nicht die beste Idee gewesen sich so zu verausgaben, denn er wollte einfach nur noch schlafen, obwohl es kaum Mitternacht war.

Wachbleiben! Einfach Wachbleiben!

Doch für einen kleinen Moment wollte er die Augen schließen und abschalten. Er döste lediglich etwas vor sich hin, war aber kurz davor tatsächlich einzuschlafen.

Es fühlte sich für ihn so an als wären nur wenige Minuten vergangen als ihn etwas Merkwürdiges aufschreckte. Er spürte, dass jemand seine Schulter berührte und erschreckte sich davon so sehr, dass er hochfuhr.

„Was?“, fragte er und rieb sich über die Augen.

„Tut mir leid“, flüsterte Jonghyun, „Ich war mir unsicher ob ich dich wecken sollte.“

Taemins Herz schlug ein wenig höher, als er realisierte was los war. „Nein, nein. Schon in Ordnung. Ich habe nicht wirklich geschlafen.“

Da es komplett dunkel im Raum war streckte Taemin sich, damit er die kleine Lampe neben seinem Bett anknipsen konnte. Das Zimmer wurde in ein sanftes, weiches Licht getaucht und so konnte er Jonghyun auch erkennen, der direkt an seinem Bett stand.

„Ich hätte dich fast nicht wiedererkannt“, kicherte Jonghyun und setzte sich dann neben ihn auf das Bett. „Deine Haare sind anders.“

Taemin stockte kurz. Er hatte nicht damit gerechnet, dass ihn so etwas überraschte, geschweige denn, dass er es ansprach. „Ich dachte du bist immer in meiner Nähe, dann hättest du das doch wissen müssen.“

„Nein. Ich bin nicht immer da. Minho hat mich heute Mittag abgewechselt. Deswegen habe ich dir gesagt, dass wir uns heute Nacht sehen. Ich habe erst vor einer halben Stunde mit ihm getauscht“, erklärte Jonghyun.

„Ihr seid wirklich merkwürdig. Dieses ganze System ist merkwürdig“, brummte Taemin und kratzte sich am Kopf, „Wer bezahlt euch überhaupt dafür, dass ihr in meiner Nähe bleibt? Um mich zu schützen? Woher kommt das Geld? Von meiner Mutter kann es nicht sein.“

„Die Haarfarbe steht dir besser“, meinte Jonghyun plötzlich, ohne auf Taemins vorhergehende Fragen einzugehen.

Damit brachte er diesen jedoch ein wenig aus der Fassung. „Ich... hä?“

„Das war ein Kompliment“, sagte Jonghyun, „Damit solltest du dich doch auskennen. Soweit ich weiß, warst du mal der beliebteste Junggeselle des Landes, wenn ich da nicht falsch liege.“

So weit war Jonghyun also schon informiert. Dennoch waren seine Worte etwas komisch.

„Und das Kompliment soll heißen, dass ich vorher blöd ausgesehen hab?“ Taemin wollte eigentlich gar nicht darüber reden, aber er war es von der ersten Begegnung mit Jonghyun nicht gerade gewohnt, dass er ihm Komplimente machte. Ganz im Gegenteil. Der Ältere war vor ein paar Tagen relativ abweisend gewesen.

„Nein“, entgegnete Jonghyun ihm schnell und schnaufte, „Ich meinte nur-“

„Ich meine, dass du nicht hier bist, um meine neue Haarfarbe zu bewundern, sondern um mir zu sagen was hier los ist“, verbesserte Taemin ihn. Er war müde, trotz des Besuchs und er wollte zu diesem Zeitpunkt einfach nur seine Antworten bekommen. Mehr nicht. „Also, wirst du jetzt mit dir darüber reden oder nicht? Wenn nicht, solltest du gehen und nicht meine Zeit verschwenden.“

„Du solltest nicht so bockig sein. Immerhin willst du etwas von mir“, wisperte Jonghyun, „Aber keine Sorge. Ich bin ja deswegen hier, um mit dir zu reden.“ Er machte aber trotzdem nicht den Anschein als würde er direkt loslegen wollen.

„Also? Erklärst du es mir jetzt?“, fragte Taemin wieder und ihn überkam langsam das Gefühl, dass Jonghyun gar nicht so einfach mit der Sprache herausrücken würde, wie er das dachte.

Und das bestätigte dieser mit seiner nächsten Aussage: „Wenn ich dir deine Antworten gebe, musst du mir zwei Dinge geben.“

Skeptisch hob Taemin seine Augenbrauen. Der Typ wollte also etwas für seine Informationen. „Ach, muss ich das?“

Jonghyun fuhr fort, als hätte Taemin längst eingewilligt. „Erstens: Ich brauche dein Wort, dass du niemandem davon erzählen wirst. Sollten die herausfinden, dass ich dir das alles gesagt habe, dann werde ich große Probleme bekommen.“

„Wer sind die?“, wollte Taemin wissen.

Der Ältere schnaufte, als würden Taemins Fragen ihn stören. „Das wirst du ja dann noch erfahren“, brummte er, „Aber mein zweites Anliegen wäre mir dennoch etwas wichtiger als dein Schweigen.“

Taemin war weiterhin kritisch. Er hatte kein Geld nach der Aktion mit der Schusswaffe und sonst konnte er Jonghyun auch nichts bieten. „Und das wäre?“

„Wenn du alles weißt was du wissen willst, dann wirst du nicht mehr versuchen mich zu finden oder mit mir reden wollen, kapiert?“, forderte Jonghyun streng, „Du wirst nicht hinter mir oder Minho hinterherrennen, uns auf der Straße suchen oder von anderen Informationen über uns erfahren wollen. Wir werden uns nichts mehr sehen bis der richtige Zeitpunkt kommt.“

„Und das ist alles?“, wollte Taemin wissen. Diese Bedingungen waren nicht gerade schwer einzuhalten. Das glaubte er zumindest.

„Das ist alles“, sagte Jonghyun.

Das war für Taemin jedoch nichts, worüber er lange nachdenken musste. „Ich bin einverstanden.“
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