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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
09.06.2020 3.781
 
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Hallo meine Süßen :)

Hier ist das neue Kapitel dieser Geschichte und ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!
Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit dafür nehmt!!!

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 4
Name: Mein Blut, Dein Blut
Wörter: 3.683
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Kapitel 4: Mein Blut, Dein Blut

Die Tage vergingen langsam, als würde Taemin jede einzelne Sekunde zweimal erleben. Er war genervt davon, dass keiner ihm seine Fragen beantworten wollte, nicht mal sein bester Freund.
Dann war er aufgebracht, weil er einfach nicht erfuhr, wer Jonghyun und Minho waren.
Und zu guter Letzt war er hundemüde. Er schaffte es am Tag kaum vier Stunden zu schlafen und wurde dann von seinen Albträumen wieder geweckt, die allesamt etwas mit diesen mysteriösen, waffenstehlenden Typen zu tun hatten.

Alle um ihn herum waren so merkwürdig. Wichen seinen Fragen auf die blöd-möglichsten Weisen aus und konnten ihm dabei nicht mal in die Augen sehen.
Seine Mutter war aufgedreht, fürsorglich und ein wenig durcheinander. Jinki besuchte ihn täglich, hatte aber kein anderes Thema als sein Studium.
Sonst hatten sie immer über alles reden können. Nun war es so, als hätten sie sich rein gar nichts mehr zu sagen.

Er fühlte sich nur noch missverstanden und vor allem richtig sauer. Er war es leid, dass sie ihn behandelten wie ein Kind.

Er musste die Dinge selbst in die Hand nehmen. Das am besten sofort, denn seine Mutter hatte vor wenigen Minuten die Wohnung verlassen, um einzukaufen. Er hatte also endlich eine Chance.

Sicher würde seine Mutter die Tür verschlossen haben, wie sie es sonst auch immer tat. Das hatte schon angefangen als Taemin noch ein junger Teenager war. Sie schloss ihn ein, damit er nicht abhaute, denn das war in seinen jüngeren Jahren sehr oft vorgekommen.
Es wäre viel zu einfach gewesen die Wohnung durch die Tür verlassen zu können. Doch damit, dass Taemin gehen wollte, rechnete sie sicher. Also versuchte er gar nicht mal die Tür zu checken.

Er quälte sich aus seinem Bett, das er die letzten zehn Tage eigentlich nur zum Duschen verlassen hatte. Seine Beine fühlten sich an wie Pudding und auch seine Brust schmerzte noch so sehr, dass er eigentlich noch weiter im Bett bleiben müsste, um seine Gesundheit nicht zusätzlich zu gefährden. Um liegen zu bleiben war er jedoch zu stur. Er hatte es sich nun mal in den Kopf gesetzt das alles allein schaffen zu wollen.

Er lief zum Fenster über dem Schreibtisch und öffnete es. Die Wohnung war im dritten Stock, eigentlich nicht wirklich geeignet, um sie durch das Fenster zu verlassen, doch er hatte einen Plan, den er sich über Nacht ausgedacht hatte.
Er hatte genug Knast-Filme gesehen, um den Trick mit den zusammengeknoteten Laken zu kennen.
Und diese hatte er sogar schon vorbereitet und unter seinem Bett versteckt.

Er ging zurück, griff unter das Bett und zog die Fluchtmöglichkeit heraus. Das Bücken war ihm nicht leichtgefallen, doch als er es endlich in der Hand hatte gab es für ihn kein Zurück mehr.

Etwas unbeholfen krabbelte er auf seinen Schreibtisch und zischte leise, als er den Schmerz nun deutlicher spürte. Es war nicht die beste Idee gewesen und wahrscheinlich würde es ihn wirklich starke Schmerzen kosten, hinunterzuklettern, doch er war fest entschlossen. Er würde das durchziehen.

Kurz sah er hinunter. Es war niemand zu sehen bis auf den Asphaltboden zwischen ihm und dem nächsten Wohnhaus. Zu fallen würde ihn sicher mehr als ein paar gebrochene Knochen kosten. Er durfte also keinen Fehler machen, sonst würde er es bitterlich bereuen oder auch nie wieder etwas bereuen.

Er hob die Masse an Laken an und versuchte sie irgendwie am Schreibtisch und Fenster zu befestigen, sodass er kein Risiko einging. Er hob den Rest an, um ihn herauszuwerfen und-

„Diese Knoten lösen sich schneller, als du überhaupt anfangen kannst zu klettern“, meinte eine bekannte Stimme.

„Ah!“ Taemin war von der Person, die plötzlich in seinem Zimmer aufgetaucht war so erschrocken, dass er mit samt den Bettlaken von seinem Schreibtisch fiel.

Der Aufprall auf seinem Hintern war tat so weh, dass er sich kurz überhaupt nicht mehr bewegen konnte. Es reichte normalerweise schon aus sich zu setzen, damit er die Verletzungen des Unfalls spürte, aber dieser Aufprall übertraf alles. „Aua...“

„Wirklich du bist der hilfloseste, tollpatschigste und wehleidigste Typ, den ich je kennengelernt hab“, sagte Minho, der große, Braunhaarige, den Taemin bisher nur einmal gesehen hatte. Bei der Waffenübergabe.

„Du? Wie bist du hier reingekommen?“, rief Taemin aus, spürte aber direkt wieder ein Ziehen in der Brust, „Was willst du von mir?“

„Dich vor dem sicheren Tod bewahren.“ Minho Griff nach einem Knoten der Laken und zog mit etwas Kraft daran, was dazu führte, dass sich die Stoffstücke direkt wieder teilten. „Hättest du damit versucht zu entkommen, wärst du ganz schnell auf dem Boden aufgekommen. Aber mit ein paar Prellungen wärst du diesmal nicht davongekommen.“

„Verschwinde aus meiner Wohnung“, rief Taemin etwas panisch und rutschte auf dem Boden nach hinten, bis er die nächste Wand im Rücken spürte. Das Zimmer war einfach viel zu klein. Es gab eine Ausweich- und auch keine Schutzmöglichkeit. Er war zusammen in einem Zimmer mit einem Typ, der vielleicht im Besitz seiner Waffe war und es bestand eine Restmöglichkeit, dass er sie auch in diesem Moment bei sich führte.

Minho sah zu ihm, begann dann urplötzlich zu lächeln und machte ein paar Schritte auf ihn zu. „Ganz locker. Ich werde dir nichts tun. Ich bin nur hier, um dich vor dieser Dummheit zu bewahren und dir wieder auf dein Bett zu helfen.“

„Bleib ja weg!“, fauchte Taemin und trat mit seinem linken Fuß aus, mit dem er es nicht mal ansatzweise schaffte, den flinken Minho zu treffen.

„Wir sind nicht die Verfasser der Drohungen, die ihr ständig geschickt bekommt!“, erklärte Minho und dadurch wurde der andere ganz schnell still. „Wir sind die Guten. Denke ich mal.“

„Denkst du? Was soll das heißen?“ Taemin hampelte immer noch herum, aber er hatte gegen ihn und besonders in seinem Zustand keine Chance.

„Mecker‘ nicht rum, dafür werd‘ ich nicht genug bezahlt“, entgegnete der Ältere ihm und packte Taemin unter den Achseln.

Dieser konnte sich nicht mal mehr wehren, da hatte der andere ihn schon angehoben und mit einem Schwung wieder auf sein Bett gesetzt, was zu seiner Überraschung nicht wirklich weh getan hatte. Dennoch beschwerte er sich: „Hey!“

Minho war aber nicht abzulenken. Er warf sogar wieder die Decke über Taemins Beine und setzte sich dann direkt neben ihn auf das große Bett. „Ich werde niemandem sagen, dass du das mit den Laken versucht hast, aber halte dich in nächster Zeit bitte von den Fenstern fern ok? Das erschwert meine Arbeit nur.“

Taemin atmete keuchend und hielt sich seine Hand an die Seite. Der Sturz vom Schreibtisch war ihm überhaupt nicht gut bekommen. „Deine Arbeit?“

„Musst du nicht wissen“, sagte Minho, „Zumindest nicht jetzt.“

„Natürlich muss ich es wissen“, forderte der Jüngere. Er fühlte sich immer noch nicht wohl in Minhos Nähe, aber zumindest hatte er mittlerweile keine Angst mehr von ihm. Denn er ging wenigstens ein klein wenig auf ihn ein. „Es hat doch mit mir zu tun, oder?“

„Es steht mir nicht zu dir das zu sagen. Ich darf es nicht.“

„Du darfst es nicht, wer befiehlt es dir? Und wer sollte dich verraten? Ich?!“

„Du wirst bald deine Antworten bekommen, aber bis es so weit ist, solltest du ein wenig mehr auf dich Acht geben. Ein gewisser Jemand schiebt sonst immer weiter auf, dass du die Wahrheit erfährst.“ Minho wirkte etwas unruhig und betrachtete Taemin auch ganz genau, wohl um sicher zu gehen, dass ihm nichts fehlte.

„Ein gewisser jemand? Etwa dieser Jonghyun?“, wollte Taemin wissen, da dieser ihm zuerst in den Sinn kam. Um ehrlich zu sein, kam er ihm ständig in den Sinn, seit er Taemin geholfen hatte den Unfall zu überleben.

Minho sah Taemin wegen seinem Verdacht zunächst mit großen Augen an, begann dann aber schallend zu lachen. „Jonghyun? Haha! Als ob!“

„Wie?“ Taemin war verwirrt und verschränkte seine Arme vor der Brust. Es verunsicherte ihn stark, dass der andere plötzlich lachte, als würde er sich über ihn lustig machen.

„Jonghyun interessiert es nicht was du weißt oder nicht“, erklärte er Taemin, nachdem er sich wieder etwas beruhigt hatte. „Den Typ hat noch nie etwas groß interessiert. Deswegen hat es ihn auch nicht gekümmert, dass er dir fast alle Rippen gebrochen hätte. Für den ist überhaupt nichts heilig.“

„Aber, wenn es nicht Jonghyun ist, wer sollte sonst-“

„Du denkst viel zu kompliziert. Dein Leben war bisher nicht ganz so, wie es dir vorgekommen ist. Die Dinge sind dennoch um einiges einfacher als sie scheinen“, sagte er und tippte Taemin kurz auf die Stirn, „Nur eines sollst du wissen: Jonghyun und ich sind nicht in deiner Nähe, um dir zu schaden. Also solltest du nicht gegen uns arbeiten oder versuchen uns zu finden, kapiert?“

„Aber du bist doch zu mir gekommen!“, meinte Taemin.

„In Ausnahmefällen ist mir das auch erlaubt, aber sonst nicht. Das ist gegen die Regeln. Eigentlich ist es auch gegen die Regeln mit dir zu reden, aber da es eh nur noch eine Frage der Zeit ist und keiner mich verpetzen wird, ist das auch ok.“

Es war verrückt, aber Minho war so ganz anders als Jonghyun. In seiner Nähe war Taemin irgendwie gelassener, obwohl er ihn gar nicht wirklich kannte. Zudem war Minho auch jemand, der nicht so wortkarg war. Das machte ihn irgendwie noch vertrauenswürdiger. Auch, wenn er in Rätseln sprach.

Diese Ausnahmefälle, von denen er sprach, waren in den letzten Tagen also mehrfach vorgekommen. Zum einen die Waffe, dann der Unfall und jetzt sein Fluchtversuch. Immer wenn die beiden auftauchten hatte es etwas damit zu tun, das Taemin sich in Gefahr brachte. Bedeutete das also...?

„Seid ihr sowas wie Bodyguards oder so?“, schlussfolgerte der Jüngere, dem sonst nichts anderes eingefallen war. Zwar war es eigentlich gar nicht möglich, denn weder seine Mutter geschweige denn er hatten genug Geld, um sich so etwas leisten zu können.

„Nein. So nennen wir uns nicht“, sagte Minho und stand von dem Bett auf. „Aber genug geplaudert. Warte nur ein wenig ab und werde gesund. Ich denke du wirst in wenigen Tagen sowieso erfahren was passiert.“

Das war für diesen großen Muskelkerl sehr leicht gesagt. Immerhin hatte er nicht all den Druck auf seiner Brust, den Taemin spürte. „Wie würde es dir gefallen, wenn du an meiner Stelle wärst?“

„Es wäre ätzend“, antwortete Minho schnell, „Aber ich werde dir trotzdem nicht mehr sagen.“

Taemin stieß Luft aus. Er hasste es etwas nicht zu wissen. Er war bisher immer in alles eingeweiht worden. Selbst im Teenageralter hatte er mit seinem Vater Entscheidungen für die Firma treffen dürfen. Nun, da es dieses große Geheimnis gab, von dem er überhaupt keine Ahnung hatte, fühlte er sich wieder wie ein Kind. Ein Kind, dass sich benehmen musste und nichts sagen durfte.

Also kam ihm eine Idee. „Sagst du es mir, wenn ich deine Arbeit besonders schwer mache?“

„Wie?“, fragte Minho und sah den anderen ein wenig perplex an.

„Egal wie oft ich aus dem Fenster springen will, du würdest mich davon abhalten?“

„Vergiss es“, meckerte Minho, „Ich kann dich tausend Mal am Tag vor dem Tod bewahren, aber so kriegst du nichts aus mir raus. Zudem stehe ich nicht auf Erpressung.“

Taemin blies seine Wangen auf. Mittlerweile war es ihm klar, dass er aus Minho nichts herausbekam, egal wie sehr er darum bettelte. Er war nicht zu knacken. Und soweit er das aus seiner Aussage hatte entnehmen können war Jonghyun ein noch viel schwererer Brocken.

„Na dann“, verabschiedete sich Minho plötzlich, während Taemin noch in seinen Gedanken versunken war und verließ das Zimmer schneller, als er es betreten hatte.

Für Taemin stand fest, dass er wohl überhaupt keine andere Wahl hatte als abzuwarten, aber er hasste es. Er war kein Typ der gerne wartete, sondern eher der, der mit dem Kopf durch die Wand sprang, um etwas zu erfahren. Doch diesmal würde es ihm nichts nützen, egal wie eisern sein Kopf war.

***



Das Stockwerk über dem Casino war laut, roch muffig und die bunten Lichter überall nervten sie. Schon lange hatte sie diese Räume nicht mehr betreten und das war gut für sie gewesen. Denn sie hasste es dort. Alles hieran erinnerte sie an eine schönere Zeit und das verabscheute sie. Nicht mal die kleine, verkümmerte Wohnung, in der sie jetzt wohnte, war schlimmer.

Ihre Schritte waren leise und bedacht. Eigentlich hatte sie vor, von niemandem gehört oder gesehen zu werden, damit sie keine Aufmerksamkeit auf sich zog, was sie sonst eigentlich liebte. Doch diesmal würde es nur von ihrem Vorhaben ablenken.

Der Flur war recht breit, an den Wänden hingen obskure Bilder von irgendwelchen modernen Künstlern, mit denen sie sich eigentlich nie befasst hatte. Ihr Mann war derjenige gewesen, der das Stockwerk kürzlich erst modernisiert hatte und dabei hatte sie ihm auch freie Hand gelassen. Hätte sie sich doch nur mal eingemischt und auf die Führung bestanden, dann wären ganz viele Dinge anders gelaufen.

Doch darum durfte sie sich nicht mehr kümmern. Es war vorbei und sie musste nun so handeln, wie sie es für richtig hielt.

Kurz blieb sie vor der verschlossenen Tür des Büros stehen und atmete durch. Die nächsten Minuten würden viel entscheiden und sie wollte endlich ihre Meinung durchsetzen. Deswegen ersparte sie sich jegliche Höflichkeit und stürmte in das Zimmer, indem eine Überraschung auf sie wartete.

„Jonghyun“, sagte sie, als sie den jungen Mann vor dem Schreibtisch auf einem Stuhl sitzen sah.

Dieser hatte sich bis eben mit dem anderen im Raum unterhalten. Nun drehte er sich um und stand auf. „Ma‘am.“

Dieser Jonghyun war ihr nicht wirklich geheuer. Immerhin war er noch nicht lange hier und kannte sich noch nicht richtig aus. Dennoch wurde er dafür eingesetzt, um ihren Sohn zu schützen. „Solltest du nicht bei Taemin sein?“

„Taemin wird gerade von Minho bewacht“, erklärte nun nicht Jonghyun, sondern der Mann, der hinter dem Schreibtisch auf dem großen Ledersessel saß.

Also beschloss nun auch sie, nicht mehr mit Jonghyun zu reden, sondern mit ihrem Mann: „Jisung, ich muss etwas mit dir besprechen.“

„Jonghyun, wenn du uns ein wenig entschuldigen würdest. Meine Frau scheint es sehr eilig zu haben.“

Jonghyun kicherte kurz auf Jisungs Aussage und verbeugte sich dann leicht: „Schon gut.“

Eunji beobachtete Jonghyun ganz genau und ließ ihn nicht eher aus den Augen, bevor er das Zimmer verlassen hatte. Eigentlich hätte sie auch gern noch ein wenig gewartet, bevor sie das Gespräch begann, um sicherzugehen, dass er nicht mehr in der Nähe war, doch Jisung redete sofort los.

„Setz dich, Liebling. Was kann ich für dich tun? Es muss wichtig sein, immerhin warst du schon lange nicht mehr hier.“

„Was wollte er?“, fragte sie und setzte sich auf den Stuhl, auf dem Jonghyun zuvor noch gesessen hatte.

„Der Junge hat mir erklärt was mit Taemin passiert ist und wie der Unfall passieren konnte.“ Er legte seine Hände zusammengefaltet auf den Tisch aus tiefdunklem Holz. „Er wollte mir es von sich aus erklären, bevor es irgendwelche Gerüchte gibt, die ihn darstellen als wäre er unfähig.“

„Taemin ist schwer verletzt, also ist er unfähig“, knurrte sie und schüttelte den Kopf. „Stell dir vor was hätte passieren können.“

„Er hat mir auch erzählt“, fuhr Jisung fort, ohne auf ihre Worte einzugehen, „Dass unser Sohn versucht hat sich eine Schusswaffe zu besorgen und Jonghyun sich deswegen vor ihm zeigen musste.“

Eunji sah auf. „Taemin hat was?!“ Wie hatte es passieren können, dass ihr das entgangen war?

„Er hat sich mit einem Waffendealer getroffen. Für so taff hatte ich ihn gar nicht gehalten“, erläuterte Jisung und lachte darauf kurz. „Minho und Jonghyun haben sie ihm weggenommen und ihn nach Hause gebracht.“

„Ich weiß. Sie haben ihn so aufgeregt, dass er das Bewusstsein verloren hat“, beschwerte Eunji sich. „Aber von einer Waffe haben sie mir nichts gesagt. Sie haben lediglich gesagt, dass er sich draußen rumgetrieben hat.“

„Sie wollen ihm keine Probleme machen, deswegen behalten sie ein paar Dinge für sich. Aber da die Sache mit dem Unfall passiert ist, hat Jonghyun mir alles erklärt:“

„Na da bin ich mal gespannt.“ Sie war kein Fan von Jonghyun, das war klar. Sie wollte ihren Sohn in Sicherheit wissen und das war er definitiv nicht. Besonders nicht in den letzten Tagen.

„Taemin hat ihn gesehen und war ihm deswegen gefolgt. Jonghyun musste also verschwinden, hat aber im letzten Moment gemerkt, dass Taemin sich gefährdet. Also hat er ihn im letzten Moment von der Gefahrenzone entfernen können. So sind Taemins Verletzungen entstanden.“

„Das ist nicht lache. Er war unachtsam, das ist alles.“

„Eunji“, sagte Jisung nun etwas einfühlsamer, „Du weißt Taemin bedeutet mir alles. Dass er verletzt wurde ist schrecklich. Aber Jonghyun hat seine Aufgabe erfüllt. Er hat ihn beschützt.“

Wütend schlug sie auf den Tisch. „Du willst also weiterhin Jonghyun diesen Job überlassen?“

„Er macht seine Sache gut. Es bleibt dabei.“ Der Mann versuchte weiter ruhig zu bleiben. Seine schnellere Atmung jedoch verriet ihr, dass er alles andere als gelassen war.

Vielleicht, wenn sie noch ein wenig Druck auf ihn ausübte: „Jisung, ich-“

„Eunji, ich habe meine ganze Existenz hierfür aufgegeben.“ Nun war er alles andere als gelassen und ausgeglichen. Er hatte sichtlich die Nase voll. Doch so war es schon seit Jahren. Denn sie wusste, dass er ihre Einstellungen überhaupt nicht mochte. „Ich habe seit über einem halben Jahr meinen Sohn nicht mehr gesehen. Er hält mich für ein Monster, das seine Familie zurückgelassen hat. Wenn ich also sage, dass meine Entscheidung so bleibt wie sie ist, dann bleibt sie so.“

„Taemin muss hergebracht werden, Jisung“, redete sie weiter auf ihn ein, „Er muss alles erfahren. Er bringt sich sonst noch mehr in Gefahr.“

„Damit ihm genau das gleiche passiert wie seinem Bruder?“

Eunji beobachtete wie Jisung von seinem Stuhl aufsprang und an das Fenster lief. Es hatte sich ein klein wenig Schmutz darauf gebildet, welcher sicher der Sturm vor ein paar Tagen an die Scheibe gepeitscht hatte. Sicher gefiel das Jisung überhaupt nicht. Er war sehr reinlich, achtete auf jeden Krümel.

„Jisung...“ Traurig senkte sie ein wenig ihre Schultern. Taemins Bruder, den er erwähnt hatte, war doch der Grund für all das. „Dazu habe ich dir bereits alles gesagt. Taemin wird das verstehen.“

„Wir hoffen seit 19 Jahren und ich arbeite ja daran. Aber was nützt es ihm davon zu erzählen?“ Verzweifelt versuchte er sich herauszureden. Doch für Eunji war das nicht ernst zu nehmen. „Taemin bleibt dem Ganzen hier fern. Basta.“

Die Frau schnaubte. Sie hatte es so satt, dass er die volle Kontrolle über das Leben ihres Sohnes übernahm. „Taemin wird dich immer mehr hassen, je länger es dauern wird. Er muss es erfahren, Jisung. Er sollte wissen mit welchem Blut er geboren wurde und was das für sein Leben heißt.“

„Es war dein Blut, dass uns dieses Unglück gebracht hat, Eunji“, schnaubte Jisung und drehte sich um, damit er seiner Frau in die Augen sehen konnte. „Taemin ist nicht derjenige, der irgendwann in meine Fußstapfen treten sollte.“

Sie sah das wiederum ganz anders. Es war doch kein Verbrechen Teil von all dem zu sein. „Es ist eine Ehre, die dir da widerfahren ist. Ebenso wäre es eine Ehre für Taemin.“

„Eine Ehre, die mich meine Familie gekostet hat?“ Jisung trat zurück zum Schreibtisch wie ein schnaubender Bär und ließ sich erschöpft in seinen Sessel fallen. „Eine Ehre, die Taemin traumatisiert hat, als seinem Bruder vor seinen Augen etwas angetan wurde. Ist es das alles wert?“

„Du tust es ja nicht mal mehr für die Sache selbst, sondern nur wegen Taesuk“, sagte sie und stellte damit etwas fest, was für sie schon viel zu lange im Gefühl war. Bisher hatte sie sich nur nicht getraut es auszusprechen. Ihn kümmerte nicht, was mit den anderen passierte. Er interessierte sich nur für seinen Sohn.

„Das stimmt, Eunji“, bestätigte er ihre Ansichten. „Und ich schwöre dir, wäre Taesuk noch bei uns, dann wären wir schon längst hier raus und könnten als hoch angesehene Familie leben. Wir hätten Geld. Wir hätten noch unsere Firma und unser Hotel. Wir hätten es schön.“

Eunji lachte zynisch. Natürlich war er dieser Ansicht. Doch er hatte keine Ahnung wie verblendet er von all dem war. „Du lebst in einer Traumwelt. Sieh dich doch an! Bist abgemagert bis auf die Knochen und arbeitest zu viel, nur um dem perfekten Bild einer normalen Familie hinterher zu jagen. Wir werden nie wieder eine normale Familie sein können!“

„Wenigstens habe ich noch den Traum, dass wir irgendwann wieder eine richtige Familie werden. Dich interessiert nur dieses Leben hier“, hielt er ihr vor und rieb sich über seine Schläfen, als hätte er starke Schmerzen.

„Ein Leben, das meine Familie nun mal lebt“, sagte sie und war weiterhin überzeugt von ihrer Einstellung. „Du hättest mich nicht heiraten müssen. Es war deine Entscheidung.“

Doch Jisung schien das egal. Er sah ihr tief in die Augen, bevor er in einem strengen Ton zu ihr sprach: „Es bleibt dabei. Taemin wird von all dem hier noch nichts erfahren. Er wird geschützt und es fehlt ihm an nichts. Es würde uns allen sein Vertrauen kosten, wenn er die Wahrheit erfährt. Wen hätte er dann noch, dem er vertrauen könnte?“

„Du willst das Vertrauen deines Sohnes behalten? Dann sag ihm die Wahrheit“, forderte sie. Sie war es leid Taemin immer anzulügen und so langsam gingen ihr auch die Ausreden aus. „Er hat Jonghyun und Minho doch schon längst gesehen. Er wird nicht aufhören Fragen zu stellen.“

„Uns wird etwas einfallen“, knurrte er und sah auf das Foto seines Sohnes, welches auf seinem Schreibtisch stand. Sie erinnerte sich daran, wie er das Foto an Taemins 18. Geburtstag geschossen hatte. Seitdem hatte er das und ein weiteres Foto der Familie immer dort, wo er arbeitete. „Er wird uns kein Wort mehr glauben, wenn er herausfindet, dass sein Leben eine Lüge war.“

„Er wird dir auch dann kein Wort mehr glauben, wenn wir noch weiter schweigen.“ Sie wollte nicht aufgeben, denn immerhin hatte sie recht. Wie würde Taemin reagieren, wenn er erst in einem halben Jahr oder noch später davon erfahren würde?

Doch Jisung war alles andere als einsichtig. Er ließ lieber seine Stellung raushängen: „Lass es, Eunji. Du wirst mich nicht überzeugen können. Wir bleiben dabei. Taemin darf nicht erfahren wo ich bin und was ich mache. Er soll ebenso nicht erfahren was es hier mit uns auf sich hat. Hast du verstanden?“

Sie verzog ihre Lippen. „Sicherlich...
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