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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.05.2020 3.748
 
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Hallo meine Süßen :)

Nun sind wir schon beim dritten Kapitel <3
Diesmal leider doch etwas kürzer geworden als 4.000 Wörter, aber ich wollte es nicht zu sehr ziehen >.< Nächstes Mal wirds länger!
Ich hoffe sehr, dass es euch gefällt! Vielen Dank, dass diese Geschichte schon 2 Empfehlungen hat, das freut mich wirklich sehr <3
Viel Spaß beim Lesen :*
Ich freue mich sehr auf euer Feedback.

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 3
Name: Ungefilterte Lügen
Wörter: 3.583
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Kapitel 3: Ungefilterte Lügen

Er hatte starke Schmerzen an der Hüfte und auch seinem Brustkorb, doch so langsam konnte er wieder atmen. Unter Schmerzen zog er Luft in seine Lunge und ließ sie ganz langsam wieder heraus. Der Schock des fast-Zusammenstoßes mit einem großen, silbernen BMW steckte ihm so sehr in den Knochen, dass er keine Worte fand.

Trotzdem: Er hatte Jonghyun gefunden oder Jonghyun hatte eher ihn gefunden! Und er hatte Taemin gerettet. Dennoch brachte er nicht eine seiner Fragen heraus.
Er war perplex, ängstlich und hoffte, dass er nicht direkt wieder ohnmächtig werden würde. Denn das brauchte er jetzt nicht auch noch. Die Schmerzen reichten fürs Erste aus. Er wollte sich am nächsten Tag nicht wieder fühlen als hätte er sich volllaufen lassen.

„Hast du dich verletzt?“, fragte Jonghyun und streifte Taemin die blonden Strähnen aus dem Gesicht. „Du bist ganz schön hart auf die rechte Seite gefallen.“

Der darauf entstehende Blickkontakt war dem Jüngeren jedoch zu viel, sodass er begann zu stottern: „I-ch“
Er wollte sich hinsetzen, spürte aber einen augenblicklichen Schmerz in den Rippen, zischte und legte sich wieder zurück. Egal was er sich bei dem Sturz zugefügt hatte es fühlte sich richtig schlimm an. Es war ein Schmerz, den er bisher noch nicht kannte. So etwas wie einen Unfall hatte er auch nie gehabt.

„So eine Scheiße“, brummte Jonghyun und sah zu den Passanten auf, die sich in einem Kreis um die beiden versammelt hatten. „Könnte jemand den Notarzt rufen?“

Sofort nahm eine junge Frau ihr Telefon hervor und tippte darauf herum. „Natürlich!“

„Taemin!“, konnte der Verletzte nun seinen besten Freund hören, der wohl nach seinem plötzlichen Verschwinden aus dem Drogeriemarkt nach ihm gesucht hatte, „Wo bist du, verdammt?“

„Er ist hier“, antwortete Jonghyun laut und sah dann wieder auf den Jüngeren herab. Es war immer noch etwas merkwürdig, da er direkt über Taemin lag und sich erst dann ein wenig aufsetzte und neben ihm zum Sitzen kam. „Einfach liegen bleiben. Die Sanitäter kümmern sich bald um dich, ok?“

Jonghyun hatte sich wohl auch verletzt. Er rieb sich über seine Hände, welche bluteten, was Taemin erst jetzt bemerkte.

„Um Himmels Willen“, kam es aus Jinki, der sich durch die Masse an Schaulustigen gequetscht hatte und vor Taemin auf die Knie fiel. „Was ist passiert?“

„Da vorn gab es einen Unfall. Hätte dieser junge Mann nicht eingegriffen, wäre ihr Freund sicher von einem Auto erfasst worden. Ein Krankenwagen ist auch schon unterwegs“, erklärte ein Mann, der auch ganz in der Nähe von Taemin stehen geblieben war.

„Taemin, was machst du nur für Sachen? Geht es dir gut? Wieso bist du weggelaufen?“, jammerte Jinki und untersuchte Taemin mit seinen Blicken, „Und wenn dir niemand geholfen hätte, dann- DU?!“

Der Ältere hatte aufgehört auf Taemin einzureden, als er dessen Retter ins Gesicht geblickt hatte. Dieser lächelte nur frech, als er Jinki begrüßte. „Was geht?“

„Was geht?“, wiederholte Jinki fassungslos, „Du gehst! Weit weg! Jetzt! Sofort.“

„Das bringt jetzt auch nichts mehr, du Leuchte.“

„Verschwinde, du Idiot“, schrie Jinki Jonghyun an und verwirrte damit nicht nur Taemin, sondern auch die Menschen um sie herum.

„Es hat doch keinen Sinn mehr, Bro“, meine Jonghyun und sah ein wenig sarkastisch drein. „Chill einfach und erklär‘s ihm.“

„Bro? Chill mal?“ Wütend stieß Jinki den anderen gewaltvoll von Taemin weg. „Wie kannst du nur so dumm sein?“

„Er kennt mein Gesicht und das macht es mir unmöglich die Regeln einzuhalten. Er ist mir hinterhergejagt. Was hätte ich denn tun sollen?“

„Also liegt er wegen dir hier?“, schlussfolgerte Jinki und schüttelte den Kopf. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass ihr das nicht tun sollt. Ich habe es euch doch gesagt! Und jetzt zieh‘ Leine, Gossenjunge!“

Taemin war schockiert. Solch eine Wut und auch solche Worte kannte er bei Jinki überhaupt nicht.
Normalerweise war er der ausgeglichenste Mensch, den er kannte. Ruhig und gelassen, immer auf Frieden bedacht. Doch Jonghyun schien eine ganze andere Seite an ihm zu wecken.
Was war nur mit den beiden? Woher kannten sie sich?

Jonghyun kicherte und stand dann auf. Die vorherige Bemerkung hatte ihn wohl wenig gekratzt, sodass es überhaupt nicht der Rede wert war. „Meinetwegen. Aber er wird Fragen haben. Du kannst es nicht mehr verhindern, Bettelknabe. Er muss es früher oder später erfahren.“

„Arsch“, murmelte Jinki in sich hinein, als Jonghyun sich von ihnen entfernte.

Für Taemin war das alles ein großes Rätsel. Er wollte eigentlich auch nicht zulassen, dass Jonghyun wieder verschwand. Er musste es ihm doch erklären! Deswegen hatte er ihn gesucht!
Doch gerade als er ihn aufhalten wollte erstickten die Sirenen des Krankenwagens seine Stimme.


***

„Mom, es sind nur Prellungen. Sonst wäre ich nicht schon wieder hier, sondern immer noch im Krankenhaus.“ Taemin versuchte schon seit einer halben Stunde seine Mutter zu beruhigen, die nicht eher sitzen wollte, bevor sie nicht alles getan hatte, um Taemins Schmerzen so gut wie es nun mal ging, zu lindern.

„Ich habe aber gelesen, dass Quarkwickel die Entzündungen hemmen können.“ Sie war gerade dabei die kalte Masse auf Taemins Oberkörper aufzutragen, als dieser schmerzlich zusammenzuckte. „Tut mir leid, tat das weh?“

„Ja“, brummte er und schüttelte den Kopf. Alles tat weh. Selbst eine normale Atmung schmerzte. Wenn er Pech hatte, dann würde er die Folgen dieser Prellung noch Monate spüren, also musste er sich daran gewöhnen. „Es ist aber keine Entzündung, also pack das Zeug wieder von mir runter.“

„Honig!“, rief sie urplötzlich aus und Taemin zuckte vor Schreck erneut auf.

„Was?“

„Honig wirkt wärmend. Vielleicht wäre das besser.“

Gerade als die aufgeregte Frau aufstehen wollte hielt Taemin sie auf. „Ich brauch das nicht. Wirklich. Der Arzt hat gesagt ich soll mich nur schonen und nichts übertreiben. Dann würde es mit der Zeit abheilen.“

„Na schön“, meinte sie und setzte sich zurück neben ihren Sohn, um den Quark wieder von seinem Körper zu wischen. „Das wird aber bedeuten, dass du fürs Erste im Bett bleiben musst. Das heißt keine Ausflüge in die Stadt und ganz sicher keine verrückten Verfolgungsjagden mehr.“

Das passte seiner Mutter sehr gut in den Kram. In seinem bisherigen Leben war sie immer eher ein Freund davon gewesen, dass Taemin zuhause blieb, in seinem Zimmer, späterhin auch in seiner Wohnung… und jetzt wieder in seinem Zimmer. Doch er hasste es, dieses eingesperrt sein. So fühlte er sich immer wie ein Kind, was er nun schon lange nicht mehr war.
Zudem schien seine Mutter auch überhaupt nichts davon zu halten, was er ihr gesagt hatte. Doch er hatte einen guten Grund gehabt, um Jonghyun nachzujagen.

„Wie oft soll ich es noch sagen?“, fragte er und japste kurz, da das Luftholen ihn schmerzte. „Ich bin nicht verrückt. Dieser Kerl, dem ich nachgelaufen bin, hat mich gestern nach Hause gebracht. Er hat sich vor dir als Taxifahrer ausgegeben, aber ich schwöre dir, der ist alles andere als ein Taxifahrer! Der ist kriminell.“ Taemin war ganz klar, was er damit andeutete und auch, dass er sich selbst wegen des Waffenhandels auffliegen lassen könnte, doch er musste herausfinden wer Jonghyun war.

Seine Mutter reagierte jedoch nicht wirklich darauf. Deswegen ließ Taemin erneut eine Bombe platzen: „Er hat was mit Papa zu tun, da bin ich mir sicher und-“

„Schluss jetzt, Taemin!“, befahl die Mutter und schlug sich selbst kräftig auf die Oberschenkel. „Ich habe dir gesagt, dass du nicht nach deinem Vater suchen sollst, richtig? Das habe ich dir gesagt! Habe ich es dir nicht gesagt?“

„Aber dieser Jonghyun weiß wo er ist!“, protestierte Taemin, „Da bin ich mir sicher!“

„Sei ruhig jetzt!“, forderte sie wieder und stand auf. „Es reicht mir. Dein Vater hat seine Entscheidung getroffen. Er hat uns verlassen und dabei wird es bleiben. Versuch nicht ihn zu finden. Und versuch vor allen Dingen nicht irgendwelchen Fremden zu folgen, weil du glaubst, dass sie mit ihm im Kontakt stehen!“

„Mom“, begann Taemin in einem flehenden Ton. Ihre Art mit dem Verschwinden seines Vaters umzugehen war so merkwürdig. Sie wollte nicht darüber sprechen, wollte sich nicht mal an ihn erinnern. So als wäre er für sie gestorben.

Taemin war zwar auch wütend auf ihn, doch er wollte nicht eher ruhen, bis er die Antwort darauf hatte, warum er mitsamt all seinem Geld verschwunden und seine Familie schutzlos zurückgelassen und damit Lachnummern aus ihnen gemacht hatte. Der Sohn konnte kaum mehr auf die Straße gehen, ohne fotografiert zu werden und am nächsten Tag etwas über sein klägliches Leben in Magazinen zu lesen.

„Nichts da, Mom“, sagte sie und lief zur Tür. Auch, wenn sie sich um ihren verletzten Sohn sorgte, solange er nicht das Thema wechselte wollte sie dieses Gespräch nicht weiterführen. „Schlaf jetzt. Wir reden morgen weiter.“

„Vielleicht sollten wir dann mit Jinki reden“, meinte Taemin schnell, bevor seine Mutter gehen konnte. „Er schien diesen Jonghyun zu kennen. Die haben miteinander geredet als kennen sie sich schon länger.“

Das kam ihm auch noch sehr komisch vor. Nachdem sie im Krankenhaus angekommen waren, war Jinki einfach verschwunden. Er hatte sich nicht mal von Taemin verabschiedet. Zudem hatte er so mit Jonghyun gesprochen als würden sie sich länger kennen. Etwas lief hier, was nicht laufen durfte und er musste herausfinden was das war.

Doch seine Mutter war komplett dagegen. „Musst du erst von einem Auto überfahren werden, bis du verstehst, dass du deine Nase nicht da reinstecken solltest?“

„Was?“ Es war merkwürdig, dass sie so sprach. Nie hätte er ihr zugetraut, dass sie so etwas sagen würde. Sonst hatte sie immer auf jedes Wort geachtet. Das war in ihrem Leben als Frau eines Firmenbesitzers sehr wichtig gewesen.  

„Du... hast mich schon verstanden. Kümmere dich darum gesund zu werden. Mehr sollte doch jetzt nicht interessieren.“ Sie öffnete die Tür und war kurz davor ihn allein zu lassen.

„Mama, bitte“, jammerte Taemin, der sich mehr als unverstanden fühlte. „Wenn du mir jetzt auch nicht mehr zuhören willst, wen habe ich dann noch?“

„Gute Nacht, Taemin“, sagte sie kalt und verließ das Zimmer.

Nachdem sie ihn allein gelassen hatte verwandelte sich seine Verzweiflung schnell in unkontrollierbare Wut. Für wenige Sekunden hatte er diese auch an seinem Smartphone auslassen wollen, welches neben ihm auf dem kleinen Nachttisch lag. Er nahm es an sich, hob seine Hand und war kurz davor es mit voller Wucht gegen die nächste Wand zu knallen, bis ihm einfiel, dass er sich so schnell kein neues Handy hätte leisten können.
Seine Hand senkte sich wieder und er atmete schwer aus. Vor einem halben Jahr wäre das kein Problem gewesen. Doch nun musste er sich zusammenreißen und seine Wutausbrüche waren nicht mehr so zerstörerisch wie sonst. Er hasste es. Denn meist hatte es ihn beruhigt etwas gegen eine Wand zu werfen oder kaputt zu machen.

Doch statt diesem Drang nachzugehen öffnete er sein Smartphone und gleich danach den Chat mit seinem besten Freund, der sich immer noch nicht bei ihm gemeldet hatte.

Nicht mal auf die Nachrichten vor einer Stunde hatte er geantwortet, die Taemin noch einmal durchlas.

>Von Taemin 16.38 Uhr
Ich bin wieder aus dem Krankenhaus raus. Hattest es wohl nicht nötig zu bleiben und zu schauen wie es mir geht…<

Sein Kopf senkte sich. Wieso war Jinki ihm nur aus dem Weg gegangen? War es wegen der Sache mit Jonghyun? Hatte er Angst vor Taemins Fragen? Wenn es daran lag, dann konnte er sich echt auf was gefasst machen!!

Also schluckte er seinen Stolz herunter und tippte erneut.

>Von Taemin 17.24 Uhr
Ey, Arschloch!<

Schnaubend ließ er das Handy auf seinen Schoß fallen und beschloss, da er auch sonst nichts Besseres zu tun hatte, einfach darauf zu warten, bis er sehen würde, dass Jinki endlich online ging.
Entgegen seiner Erwartungen war das jedoch direkt der Fall.

>Von Jinki 17.25 Uhr
sei nicht so!!! ich musste arbeiten, doofbacke!
wie gehts dir?<

Taemin rümpfte seine Nase. Seine Arbeit schon wieder. Deswegen hatte er sich nicht mal verabschieden können. Sonst wäre diese Entschuldigung ihm sicher nicht genug gewesen, doch nun wollte er den Moment, in dem Jinki online war, für Wichtigeres nutzen.

>An Jinki 17.27 Uhr
Wenn es dich interessieren würde hättest du schon früher gefragt! Was meine rippen machen ist gerade auch verdammt egal! Du solltest besser sofort deinen ALLERWERTESTEN zu mir bewegen und mir erklären wars du mit diesem Jonghyun am hut hast!!!<

Das sollte genügen. Immerhin waren die beiden eigentlich wie Brüder und es gefiel Taemin selbst nicht, wenn er so mit seinem Hyung redete.
Doch letzten Endes war es nicht genug, um ihn zu ihm zu bringen.

>Von Jinki 17.30
Sorry aber kann hier nicht weg… Ich komm morgen<

„Ich komm morgen“, wiederholte Taemin den letzten Satz und rollte mit den Augen. Nicht mal mehr auf Jinki konnte er zählen und er war wirklich ganz kurz davor durchzudrehen.

Taemin wurde eines klar: Bei der Suche nach Jonghyun und Minho würde ihm wohl keiner helfen.

Egal wie er es anstellte, er würde es allein tun müssen.


***



„Er wird dich bestimmt jeden Moment anrufen, anschreiben, oder sonst irgendwie versuchen dich zu kontaktieren“, erklärte die Frau, die gerade dabei war eine Menge Quark und Einwegtücher in den Müll zu werfen, nachdem sie aus Taemins Zimmer gekommen war.

Jinki betrachtete seinen hellen Handy-Bildschirm. Angestrengt pustete er Dampf aus, der einen leicht feuchten Film auf seinen zu einem Lächeln gebogenen Lippen hinterließ.

„Hat er schon“, antwortete er ihr und kicherte, „Er nennt mich ein Arschloch.“

„Was wirst du ihm sagen?“, wollte sie wissen und setzte sich dann, mit einer Tasse Kamillentee, neben ihn an den glänzenden Küchentisch.

„Das Übliche. Ich musste arbeiten, stimmt ja auch irgendwie“, murmelte er und tippte auf seinem Smartphone herum. Danach setzte er wieder seine Lippen an das Gerät in seiner Hand und zog kräftig daran. Der sanfte Geschmack breitete sich in seinem Mund aus und ein wohliges Gefühl überdeckte die Aufregung des vergangenen Tages.

„Wolltest du nicht eigentlich mit dem Rauchen aufhören?“, fragte sie kritisch und hob eine Augenbraue an. „Das Zeug macht dich noch krank.“

„Eunji, seit wann bemutterst du mich denn?“, fragte Jinki, der während er sprach den nach Kaffee schmeckenden, nikotinhaltigen Dampf langsam wieder ausstieß. Dabei wurde ihm die klare Sicht auf Taemins Mutter ein wenig genommen und doch konnte er sehen, wie sie mit ihrem Kopf schüttelte. „Außerdem rauche ich nicht. Ich VAPE, wie das die coolen Kids heut zu Tage tun.“

„Die coolen Kids rauchen und vapen nicht“, murmelte die Frau und sah auf das Handy in Jinkis Hand, das einen Ton von sich gegeben hatte. „Ist er es wieder?“

„Er will, dass ich zu ihm komme“, erklärte er und legte die E-Zigarette auf dem Küchentisch ab. „Wenn er wüsste, dass ich längst wieder hier bin, würde er meinen Kopf abreißen.“

„Du sorgst dich nun mal immer um ihn. Manchmal zu sehr.“ Sie sah kurz über ihre Schulter, hinein in den Flur zur Tür von Taemins Zimmer, dem Bettruhe verordnet war. „Wieso bist du nicht bei ihm und sagst ihm, dass du Angst um ihn hattest?“

„Weil er das gerade nicht hören will und das weißt du“, äußerte er und legte das Handy zu seiner Zigarette, nachdem er seinem jungen Freund geantwortet hatte. „Es interessiert ihn gerade nicht, wie viele Sorgen ich mir seit Jahren um ihn mache. Er will Antworten. Antworten, die ich ihm einfach nicht geben kann.“

„Du weißt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, richtig?“ Sie hielt ihre Hände um die heiße Tasse, als würde sie sie damit wärmen wollen. Doch egal wie zierlich, zerbrechlich und sanft diese Frau wirkte, mit ihren langen, schwarzen Haaren und den großen, braunen Augen, so hatte sie doch einen sehr starken und auch impulsiven Charakter.

„Jetzt noch nicht.“ Jinkis Stimme hob sich ein wenig. Der Gedanke, dass Taemin alles erfahren und vielleicht selbst versuchen würde dort rein zu kommen… schrecklich. Er konnte es nicht akzeptieren. Seit Jahren hatte er ihn von allem ferngehalten und jetzt sollte alles rauskommen? Die ganze Arbeit für die Katz! Wegen Jonghyun?! „Taemin wäre überhaupt nicht auf so etwas vorbereitet. Er ist eine verzogene Rotznase. Wie sollte er mit solchen Details seiner Vergangenheit klarkommen, wenn sonst sein größtes Problem war in welcher Farbe er seine Haare als nächstes färben sollte?“

„Du weißt wie ich dazu stehe“, meinte die Mutter und griff nun nach Jinkis Zigarette, um sie zu begutachten. „Taemin hätte damit aufwachsen müssen, genau wie du. Dann hätten wir dieses Problem jetzt nicht. Er würde wissen was passiert und er würde nicht versuchen nach seinem Vater zu suchen. Vielleicht wäre er so auch noch weniger in Gefahr. Aber niemand wollte damals auf mich hören. Jetzt haben wir den Salat. Taemin hat keine Ahnung und wenn er es herausfindet wird er stinksauer auf uns alle sein.“

„Taemin sollte es nie erfahren!“, rief Jinki aus, versuchte danach aber wieder etwas ruhiger zu werden. „Ich bin durch dieses Leben gekommen, aber nur, weil ich keine andere Wahl hatte. Taemin hatte die Wahl und Jisung hat damit die richtige Entscheidung getroffen, ihn aus all dem rauszuhalten. Es war das Beste für ihn.“

Eunji zischte und führte sich die Zigarette an den Mund, um einen kleinen Zug zu nehmen: „Jisung ist in vielen Situationen ein Idiot und genau deswegen musste er uns verlassen. Er war unvorsichtig und er glaubt an Lügen. Das wird Taemin hoffentlich nicht geerbt haben.“

Jinki zischte. Die Art, wie diese Frau über ihren Mann sprach, der immer nur das Beste für Taemin gewollt hatte, nervte ihn ein wenig. Zwar war auch sie besorgt um ihren Sohn, doch wenn es um Liebe und Fürsorge in der Familie ging, dann war Jisung klarer Spitzenreiter. „Ich dachte Rauchen macht krank?“

„Ich bin alt. Ich sterbe sowieso früher als du, was soll’s?“, meinte sie lässig, „Immerhin hat mich dieser Tag wieder Jahre meines Lebens gekostet. Es ist nicht schön einen Anruf zu bekommen, in dem man dir sagt, dass dein Sohn fast von einem Auto überrollt wurde.“ Die E-Zigarette legte sie wieder zurück neben das aufleuchtende Handy Jinkis.

Dieser langte sofort danach und es traf ihn ein wenig, als er Taemins letzte Nachricht las.

>Von Taemin 17.32
„Morgen“ kannst du dir sparen. Du wirst mir sowieso nichts sagen. Ich schaff das allein. Ich hab das immer geschafft.<

Bitter tippte er, konnte es letztendlich aber nicht abschicken:

>Du hast es nie allein geschafft.<

Er löschte das Geschriebene wieder und verfasste eine neue Nachricht.

>An Taemin 17.34
Versuch zu schlafen. Wir sehen uns morgen.
Ob du mich sehen willst oder nicht, ich werde da sein...<

Für ihn war dieser Junge mehr wert als sein eigenes Leben. Taemin hatte von all dem jedoch keinen blassen Schimmer. Immerhin war es ihm bisher immer gut gegangen. Jinki war, genauso wie Taemin in dieses Leben geboren worden, jedoch mit einem großen Unterschied. Jinki war nicht der Sohn eines reichen Konzernbesitzers, der es sich erlauben konnte, sein Kind von den Schattenseiten dieses Lebens fernzuhalten. Taemin hatte immer die Hilfe und Unterstützung anderer bekommen. Er war nie allein gewesen. Und solange Jinki lebte würde Taemin auch nie allein sein!

„Eunji…“, sagte Jinki nach einer kurzen Pause, „Meinst du es war Absicht? Der Unfall?“

„Kann sein“, antwortete sie ohne jegliche Überlegung. Sie musste wohl schon darüber nachgedacht haben. Ihre nächsten Worte bestätigten diese Annahme. „Immerhin war es sehr zufällig, dass gerade dann so etwas passiert und Taemin der Einzige ist, den es hätte treffen können.“

Jinkis Fingerknöchel spannten sich an und schmerzten. „Das heißt wir müssen vorsichtiger sein! Immerhin können die überall sein und nur darauf warten, dass Taemin sich wieder so schutzlos präsentiert.“

„Er war nicht schutzlos“, meinte sie und nippte an ihrem Tee, der vor ihr auf dem Tisch stand. „Er wird beschützt, das weißt du.“

Für Jinki war das jedoch nicht genug. Immerhin sprach sie da gerade von demjenigen, wegen dem das alles überhaupt passiert war. „Ja, aber von wem? Im allerletzten Moment hat er ihn abfangen können. Gerade noch rechtzeitig. Eine Sekunde später und Taemin wäre Brei gewesen. Dieser Typ bringt nur Ärger, das habe ich von Anfang an gesagt!“

Doch sie war so ruhig als gäbe es überhaupt nichts zu befürchten. Saß entspannt auf ihrem Stuhl und nippte wieder an ihrem Tee, bevor sie sagte: „Und dennoch bist du nicht derjenige, der sich um die Entscheidungen kümmert. Jisung hat die beiden damit beauftragt und ich vertraue auf ihn. Er wird wissen, wem er das zutraut. Immerhin ist Taemin ihm der wichtigste Mensch auf Erden.“

Jinki war alles andere als überzeugt von Jisungs Auswahl. Mit Minho konnte er ja noch leben, aber Jonghyun? Was hatte er sich dabei nur gedacht? „Eine Sekunde später und Taemin wäre heute gestorben. Mehr muss ich dazu nicht sagen.“ Genervt stand er auf, packte sein Handy mitsamt der Zigarette in seine Hosentasche und lief dann an der Frau vorbei. „Doch egal was mit Taemin passiert, ich werde mit einem reinen Gewissen einschlafen. Denn ich setzte ihn nicht dem Feuer aus und würde es nie tun.“

„Nein, weil du selbst mit dem Feuer spielst, Jinki“, entgegnete sie ihm. „Sei mir nicht böse. Du weißt, dass Taemin und du mir viel bedeutet.“

„Ja, aber Deine Art ihm das zu zeigen lässt zu wünschen übrig“, fauchte er und legte dann wieder einen ruhigeren Ton auf. Immerhin war sie älter als er und er war sich bewusst, dass er nur so lässig mit ihr reden durfte, weil er so eng mit Taemin befreundet war. „Wir sehen uns morgen, ja? Dann wird‘ ich ihn besuchen.“

Er lief ein paar Schritte weiter, war schon am Türrahmen, als sie noch sagte: „Taemins Kampf ist nicht Deiner und war es auch nie. Also bring dich nicht auch noch in Gefahr.“

„Taemin ist wie mein kleiner Bruder“, wisperte er, „Und wenn es sein muss, dann würde ich für ihn sterben.“
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