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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.05.2020 4.207
 
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Hallo meine Lieben.

Ist es jetzt schon wieder 2 Wochen her? :O
So schnell geht die Zeit rum in den letzten Wochen >.<

Vielen Dank, dass ihr auch weiter dabei seid und Interesse an meiner Geschichte zeigt!

Zwar bin ich mir nicht sicher, ob es großartig auffällt, aber ich versuche euch in dieser Geschichte mal etwas längere Kapitel zu bieten als sonst. Ich habe mir zumindest das Ziel gesetzt knapp 4.000 (später werden sie auch noch länger) Worte statt sonst meist 3.500 pro Kapitel zu schreiben. Ich hoffe es wird dadurch nichts zu langweilig und die neue Länge der Kapitel ist gut so. ^.^

Ich hoffe euch geht es gut und ich wünsche euch ganz viel Spaß mit dem 2. Kapitel meiner neuen FF. Nun kommen weitere Charaktere dazu. Ich bin gespannt wie es euch gefällt.  
Ich freue mich sehr über euer Feedback.

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 2
Name: Die Letzte Nacht
Wörter: 3.986
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Kapitel 2: Die Letzte Nacht

Mit flatternden Augenlidern wurde er wach und versuchte sich an das grelle Sonnenlicht, welches durch das offene Fenster direkt auf sein Gesicht fiel, zu gewöhnen.

Die letzten Stunden steckten ihm so sehr in den Knochen, dass er sich nicht mal dazu überwinden konnte seinen Kopf zur Seite zu drehen, um den Sonnenstrahlen auszuweichen. Er fühlte sich trotz Schlaf unglaublich müde und schlapp. Hätte es das Licht und den frischen Wind nicht gegeben, der ihn an der Nase kitzelte, wäre er sicher wieder eingeschlafen.

Doch so war es ihm unmöglich. Die Erinnerungen an die letzte Nacht, die sich bruchstückartig in seinem Kopf zusammen puzzelten ergaben immer mehr Sinn. Er hatte wohl keine andere Wahl, als aufzustehen.

Doch warum war er so müde? Wieso erinnerte er sich nicht mehr daran, wie er ins Bett gekommen war? Was hatte er-

Schlagartig schlugen seine Erinnerungen zu, als er versucht hatte den letzten Tag Revue passieren zu lassen. Das Firmengelände. Der große Typ, der Koffer und letztendlich die beiden Typen, die ihn in ein Auto gesteckt hatten.

Aufgeschreckt fuhr er nach oben und augenblicklich machte sich ein pochender Schmerz in der rechten Hälfte seines Kopfes bemerkbar. „Scheiße“, fluchte er und petzte seine Augen zu. Dieser Schmerz war ihm bekannt, doch wie jedes Mal, war er verdammt unangenehm.

„Dir auch einen wundervollen guten Morgen, bester Freund“, sagte derjenige, der am Schreibtisch vor dem offenen Fenster saß und sicher auch dafür verantwortlich war, dass Taemin um diese Uhrzeit geweckt worden war.

„Du kannst mich mal“, brummte Taemin und legte sich seine Hände vors Gesicht. Auch, wenn er dutzende Fragen hatte, die Schmerzen waren so unerträglich, dass er diese Dunkelheit, die ihm seine Hände boten, dringender brauchte. „Was suchst du in meinem Zimmer?“

Es war so, als hätte es die letzte Nacht nie gegeben, was ihn direkt an allem zweifeln ließ, was er getan, gesehen und gehört hatte. Als er seine Augen geöffnet hatte, hatte er sich in seinem gewohnten Umfeld, eingewickelt in seiner weißen Satinbettwäsche auf seinem großen, luxuriösen Bett, wiedergefunden.

„Hast du mal wieder gute Laune heute…“, entgegnete ihm sein Freund, der sich mit dem Schreibtischstuhl zu Taemin drehte und diesen schief ansah. „Deine Mutter hat mir gesagt, dass du noch schläfst, also hab ich ohne dich mit dem Lernen angefangen.“

„Meine Mutter...“, stammelte Taemin vor sich hin und sah zu dem kleinen, geöffneten Fenster. Der Blick auf die gegenüberliegenden, mächtigen Hochhäuser betrübte ihn zusätzlich. Er hasste diese Aussicht noch mehr als sein viel zu kleines Zimmer. Und das nun schon seit über einem halben Jahr.

„Ja deine Mutter“, sagte Jinki, nun etwas verwirrt und sah seinen Freund mit fragenden Augen an. „Hast du dich gestern volllaufen lassen oder warum siehst du aus als wärst du von einem Ethanol-Zug überrollt worden?“

„Sehr freundlich“, gab Taemin ihm zurück. Dennoch war ein Kater seinem jetzigen Zustand wirklich sehr ähnlich.

„Im Übrigen will deine Mum mit dir sprechen, wenn du wach bist“, fügte der Ältere hinzu und nickte in die Richtung der Zimmertür.

Reden war nicht gerade Taemins Stärke, besonders, wenn er das mit seiner Mutter tun sollte. Also versuchte er ganz ungeschickt das Thema zu wechseln. „Ich hoffe wir haben was zu Essen im Haus.“

„Deine Mutter hat Dich gestern einkaufen geschickt. Von dem Abenteuer bist du im Übrigen erst mitten in der Nacht, ohne Einkäufe, zurückgekehrt, wie mich deine Mutter informiert hat.“ Jinki schnaufte und drehte sich mit dem Stuhl zum Schreibtisch zurück. „Du solltest definitiv mit ihr reden. Sie hat sich Sorgen gemacht.“

Nervös schluckte Taemin. Sie hatte Jinki also erzählt, dass er fort gewesen war. Hatte sie dann mitbekommen, dass er nachts zurückgebracht wurde? Hatte sie die beiden merkwürdigen Typen gesehen, die ihn in das Auto gezwängt hatten?

Überstürzt verließ er sein Bett und ein leichtes Frösteln überkam ihm. Das Wetter war nicht schlecht, doch es war eigentlich noch nicht warm genug, um den ganzen Tag das Fenster offen zu lassen.

„Mach das wieder zu, bis ich zurückkomme“, forderte er Jinki auf.

„Grummel, grummel“, nahm der andere Taemin auf den Arm.

Sonst wäre er sicher auf diese kleine niveaulose Zankerei mit seinem besten Freund eingegangen, hätten ihn zu diesem Zeitpunkt nicht ganz andere Dinge viel mehr gekümmert: Er musste ganz dringend herausfinden was passiert war.

Auf nackten Füßen lief er durch die beschämend kleine Wohnung. Es störte ihn nicht zum ersten Mal, nicht die gewohnte Wärme einer Fußbodenheizung an seinen Sohlen zu fühlen. Es blieb jedoch keine Zeit zurückzugehen und seine Hausschuhe zu suchen. Er eilte und je länger er lief, desto schneller wurden seine Schritte.

Letztendlich blieb er an dem Durchgang zur Küche stehen, da er schon im Flur seine Mutter am Herd stehen sah.

„Mom“, sagte Taemin auffordernd und jagte damit seiner jungen Mutter einen solchen Schrecken ein, dass diese einen Löffel in den großen Topf fallen ließ, vor dem sie stand.

„Taemin!“, rief sie aus und schnellte zu ihm herum. „Wieso musst du mich so erschrecken?“

„Mom“, wiederholte Taemin, verblüfft und auch fassungslos darüber, dass seine Mutter am Herd stand. Nicht, weil das etwas Neues war. Sie machte einen so gelassenen Eindruck auf ihn, dass er glaubte alle Geschehnisse der letzten Nacht schlicht geträumt zu haben, wäre er nicht von Jinki darauf aufmerksam gemacht worden.

„Schatz?“, fragte sie und suchte in einer Schublade nach einer Gabel, mit der sie den Löffel wieder aus dem Topf herauszufischen versuchte. „Ist alles in Ordnung? Hast du dich erholt?“

„Hab‘ ich mich erholt?“ Entweder seine Mutter spielte ihm irgendetwas vor oder er war tatsächlich nicht mehr ganz klar im Kopf. „Wovon hätte ich mich erholen sollen?“

„Das wollte ich dich Fragen“, meinte sie und warf den dreckigen Löffel in die Spüle, bevor sie sich wieder ihrem Sohn zuwandte. „Der Taxifahrer hat dich reintragen müssen so weggetreten warst du. Habe ich dir nicht gesagt, dass du zu jung bist für solche Alkohol Geschichten?“

„Taxifahrer?“, fragte Taemin nach und setzte sich auf einen der Plastikstühle an dem kleinen Küchentisch.

„Ja. Du hast dir ein Taxi gerufen. Der Mann sagte mir, dass du dich an einer Bar hast abholen lassen“, erklärte sie und legte ihre weiche Hand auf die Stirn ihres Sohns.
Ihre Fürsorge war nicht sehr oft zu spüren und für Taemin selbst war es ein wenig merkwürdig, dass sie sich so sehr kümmerte.

Doch er wurde wegen ihrer Worte aufmerksamer. Ein Taxifahrer, der ihn ins Haus getragen hatte. War das etwa jemand, der ihm in der Nacht begegnet war? „Der Mann. Was für ein Mann? War er vielleicht schwarz gekleidet und trug eine Cap?“

„Was stellst du denn für merkwürdige Fragen heute?“ Sie sah ihren Sohn kritisch an und ging vor seinem Stuhl in die Hocke, um ihm direkt ins Gesicht zu sehen. „Es war doch wegen des Alkohols, dass du nicht bei Bewusstsein warst, oder?“

Nun gingen Taemins Alarmglocken los. Er machte sich Sorgen um seine Mutter. Diese hatte in den letzten Monaten nichts weiter getan, als diese alte Wohnung zu schrubben, für ihn zu kochen und bei Bewerbungsgesprächen zu sitzen. Sie musste nicht auch noch erfahren, dass Taemins Zustand daraus resultierte, dass er wieder ohnmächtig geworden war. Zum dritten Mal in den letzten sechs Monaten.

„Ich hab es übertrieben“, sagte er schlussendlich und tat schuldig. „Es tut mir leid.“

„Schon in Ordnung, aber pass bitte auf, dass das nicht zur Gewohnheit wird.“ Sie lächelte und stand dann wieder auf. „Du weißt, dass es genug Leute gibt, die nur darauf warten dich in einem solchen Moment fotografieren zu können.“

„Der Absturz des Firmen-Sohns, Ich weiß schon.“ Taemin stützte einen Ellenbogen auf dem Tisch ab und legte dann seinen Kopf auf seine Hand. Die Schmerzen waren glücklicherweise langsam verflogen und doch spürte er noch die Geschehnisse der letzten Nacht in seinem Körper.

„Du solltest dich jetzt frisch machen und dann mit Jinki lernen, deswegen ist er ja extra hergekommen.“ Sie widmete sich wieder dem Topf. „Ich rufe euch, wenn das Essen soweit ist.“

Taemin sagte nichts mehr, denn für ihn war das auch nicht mehr nötig. Seine Mutter glaubte, dass ihn ein Taxifahrer zurückgebracht hätte und er wegen des Alkohols so schlecht drauf war. Er ging nur darauf ein, um sie zu schützen.
Alles, was in dieser Nacht passiert war, war zu gefährlich, um es sie wissen zu lassen. Allein die Geschichte mit der Waffe durfte sie niemals erfahren.

Die Waffe, für die er fast den letzten Rest seines Kontos geplündert hatte und die nun in der Hand von den beiden Typen waren, die ihn nach Hause gebracht hatten. Doch wer waren die zwei? Auftragskiller? Stalker? Aber hätten sie ihn dann wirklich nach Hause gebracht?

Entkräftet schleifte Taemin sich ins kleine Badezimmer der Wohnung, welches nicht mal mehr eine Badewanne hatte, geschweige denn ein Fenster. Es war beengend und schlecht beleuchtet, doch Letzteres war an diesem Morgen gar nicht so schlecht, denn er konnte in dem Spiegel über dem Waschbecken gar nicht erkennen wie fertig er wirklich aussah.

Er sah nur seine blondierten Haare, deren Ansatz langsam so groß war, um es noch modisch zu nennen und seine kaum geöffneten braunen Augen, die er früher aus Langeweile immer mit farbigen Kontaktlinsen verdeckt hatte. Dieser Spaß blieb ihm in letzter Zeit aber verwehrt, sowie vieles andere.

Müde drehte er das kalte Wasser auf, formte unter dem Stahl des Wasserhahns seine Hände zu einer Schale, um ein wenig Flüssigkeit darin einzufangen und klatschte es sich danach ins Gesicht, um sich etwas mehr zu wecken.
Es zeigte Wirkung. Die Augen waren nun nicht mehr ganz so verschlafen und die Wangen kribbelten ein wenig. Vielleicht würde er durch das kalte Wasser nun auch etwas mehr Farbe ins Gesicht bekommen.

Er setzte sich anschließend auf den Deckel der Toilette, um sich Stück für Stück auszuziehen. Seine Mutter hatte ihm höchstwahrscheinlich seine Straßenkleidung ausgezogen und ihm ein weites Pyjamaoberteil übergestülpt, wessen er sich nun entledigte. Anschließend griff er zur Seite, zu einem Outfit, welches er am Tag zuvor vor dem Duschen an einem Haken gehängt hatte, um es noch einmal tragen zu können. Eine einfache Jeanshose und ein weicher, dunkelgrauer Wollpullover.

Zum Schluss putzte er sich die Zähne und tat etwas Creme auf seine Lippen, um der trockenen, spröden Haut darauf wieder etwas Leben einzuhauchen.

„Besser wird es nicht“, murmelte er, klatschte sich noch einmal auf die Wangen und verließ dann das Badezimmer mit gemischten Gefühlen. Zum einen wollte er herausfinden, was in der letzten Nacht geschehen war, zum anderen wollte er es einfach hinter sich lassen. Selbst die Tatsache, dass irgendwelche Fremden diese Schusswaffe besaßen wollte ihn nicht mehr interessieren. Es war vorbei. Nun musste er zusehen, dass er seine Mutter und sich selbst anders schützte.

Als er sein Zimmer wieder betrat wurde er erneut von der Enge, in die gerade mal sein altes Bett, ein kleiner Schreibtisch und eine Kommode passte, erschlagen. Jinki saß immer noch am Schreibtisch und wirkte unfassbar konzentriert, während er so in seinem großen Geschichtsbuch blätterte.

„Immer so wissbegierig“, sagte Taemin und warf sich voller Elan zurück auf sein Bett. „Wenn ich so eifrig wie du wäre, wäre ich sicher auch Einser-Student.“

„Du müsstest nicht halb so eifrig sein wie ich, um gute Noten zu schreiben“, säuselte Jinki vor sich hin, der gerade die letzten Zeilen einer Seite las. Danach wandte er sich wieder seinem Freund zu. „Wenn du nur nicht so ein faules Stück wärst, hättest du schon längst deinen Uni-Abschluss in der Hand.“

Taemin zischte genervt und drückte seinen Kopf in das große, flauschige Kissen. Das Fernstudium war, neben dem Heimunterricht, den er statt einer normalen Schule bekommen hatte, noch schlimmer als alles andere. Er hatte keine Lust sich online Seminare reinzuziehen, die ihn nicht interessierten und noch weniger wollte er für diesen ganzen Dreck lernen. Immerhin war sein Leben völlig anders geplant gewesen. Sich jetzt plötzlich für seine Ziele wirklich anzustrengen, wollte Taemin überhaupt nicht einsehen. „Können wir nicht irgendwas anderes machen?“

„Tae“, murrte Jinki, der bestimmt mit genau dieser Reaktion des Jüngeren gerechnet hatte, „Du hast mich gebeten dir beim Lernen zu helfen, erinnerst du dich?“

Das war Taemin doch egal. Besonders nach dieser Nacht würde er alles andere tun, als seine Nase in seine blöden Bücher zu stecken, ob der Ältere nun deswegen hergekommen war oder nicht. „Ich hab aber keine Lust drauf.“

„Du kannst einem echt auf die Nerven gehen, wirklich“, meckerte Jinki, nahm ein dickes, schweres Wirtschaftsbuch vom Schreibtisch und warf es dem Jüngeren über, der auf diesen Angriff gar nicht gefasst war.

„Spinnst du?“, rief Taemin, der es gerade geschafft hatte das Buch aufzufangen, bevor es auf seinem Kopf landete. „Das Ding hätte mir schwere Gehirnschäden zufügen können.“

„Wenn du dein Gehirn weiterhin nicht fürs Lernen einsetzt, wäre es sowieso kein großer Verlust gewesen“, sagte Jinki trocken und setzte sich nun zu Taemin aufs Bett.

„Sehr witzig“, knurrte Taemin, „Volli-“

„Wie bitte?“, ging Jinki dazwischen und zog den Jüngeren am Ärmel zu sich heran, um mit seiner Hand durch Taemins Haare zu wuscheln, wie ein wild gewordener Affe, der auf der Suche nach Läusen war. „Wie wolltest du mich gerade nennen?“

„Sorry, Hyung!“, rief Taemin nachgebend, „Bitte hör auf!“

Jinki lachte und ließ dann von Taemin ab, deutlich amüsierter als zuvor. „Schlag jetzt dein blödes Buch auf, sonst kommen wir heute überhaupt nicht weit.“

Es gab wohl keine Flucht vorm Lernen und das wollte Taemin gerade einsehen, als er lustlos die ersten Seiten seines Buches öffnete. Doch urplötzlich hielt er an. Er hatte schon fast vergessen, dass er das kleine Blatt in dem Buch verstaut hatte, damit niemand anders es fand.
Nur ein kurzer Blick auf die aus Zeitungsschnipseln zusammengewürfelte Nachricht erschreckte ihn so sehr, dass er das Buch wieder zuschlug.

„Was ist?“, fragte Jinki überrascht, der leicht zusammen gezuckt war, als das Buch vor seinen Augen fest geschlossen wurde.

„Nichts, ich...“, brabbelte Taemin und zog sich so schnell wie möglich eine Ausrede aus den Fingern. „Ich will mir die Haare färben, kommst du mit in die Drogerie?“

„Wie bitte?“ Jinki fiel der Mund auf.

Taemin kannte dieses fassungslose Gesicht sehr gut, doch er musste seinen Freund irgendwie davon überzeugen. „Bitte. Ich werd‘ noch verrückt, wenn ich mich jeden Tag ansehen muss und einen Balken an meinem Ansatz sehe. Lass uns meine Haare färben und danach lernen wir, ja?“

Jinki war von dieser Idee jedoch alles andere als begeistert: „Tae, du weißt, dass meine Zeit wichtig ist. Ich muss später noch arbeiten.“

Diese blöde Arbeit. Sie kam den beiden oft in den Weg und Taemin hatte damals sogar schon öfter angeboten Jinki finanziell zu unterstützen, um mehr Zeit mit ihm verbringen zu können. Doch das hatte er natürlich immer strikt abgelehnt. Zwischenzeitlich hatte es sogar zum Streit geführt. Seine Arbeit war ihm sehr wichtig, das war Taemin mit der Zeit deutlich geworden.

„Dann lernen wir morgen“, bettelte Taemin, „Bitte. Ich fühl mich heute sowieso nicht so gut. Lass uns ein wenig Spaß haben, ja?“

Der Ältere hob eine Augenbraue. „Indem wir deine Haare färben?“

Eifrig nickte Taemin, worauf Jinki nur lachen konnte. Wenn der Jüngere eines gut konnte, dann war es seinen Freund von etwas überzeugen, was er gar nicht wollte. Ein wenig Wimpern-Klimpern und ein Schmollmund reichten schon aus, um Jinkis reines Herz zu erweichen.

„Na schön“, sagte Jinki einsichtig, „Aber wenn du dich morgen auch davor drücken willst, dann werd‘ ich dir nicht mehr mit deinem Studium helfen.“

„Sicher“, kicherte Taemin ironisch. Er wusste, dass sein Freund niemals so sein konnte. Selbst wenn er großen Mist baute, Jinki würde ihn niemals allein lassen.

Das war Taemin sicherer als alles andere.


***

„Schwarz“, rief Jinki aus und hielt Taemin eine kleine Verpackung vor die Nase. „Schwarz ist doch gut. Dein Ansatz ist schwarz. So haben wir nicht so viel Arbeit.“

Doch Taemin gefiel dieser Vorschlag nicht. Er mochte seine blondierten Haare und er mochte auch das Gefühl dadurch besonders zu sein. Er hatte keine Lust sie natürlich zu färben und damit dann auszusehen wie jeder Normalo. Denn das machte ihn nicht wirklich aus. „Laaaaaaaangweilig!“

„Wenn du jetzt von mir verlangst deinen Ansatz nach zu bleichen, dann wird das eine Katastrophe, das weißt du. Ich bin kein Profifriseur wie der, der dir sonst immer jede Woche die Haare gemacht hat.“ Jinki wehrte sich richtig dagegen, was Taemin jedoch nur noch mehr amüsierte.

Doch eigentlich hatte der Ältere recht. Seine natürlichen Haare selbst zu blondieren könnte in großem Chaos enden und zu fleckigen Stellen führen. Er hatte also fast keine andere Wahl, als sich der langweiligen Version von sich selbst zu widmen. Er nahm die Packung an sich.

„Eine gute Entscheidung“, sagte Jinki und freute sich fast ein wenig zu sehr darüber. „Wann war das letzte Mal, dass ich dich mit schwarzen Haaren gesehen hab. Als du 13 warst vielleicht? Wahnsinn. Sieben Jahre ist das schon her.“

„Nerv mich nicht“, meckerte Taemin, dem die Idee stinklangweilig auszusehen überhaupt nicht passte. Er hatte in letzter Zeit einfach zu viel aufgeben müssen und mit seinen Haaren war es nun fast so, als hätte es sein vorheriges Leben nie gegeben.

Und alles nur wegen IHM.

„Schmoll doch nicht so“, sagte Jinki und legte einen Arm um Taemins Schultern. „Es ist bestimmt schwer für dich, aber sieh es mal so: Andere müssen ihr ganzes Leben zurückstecken und dürfen ihr Äußeres nicht so ernst nehmen. Denn viele haben überhaupt nicht das Geld für sowas.“

„Vergleich mich nicht mit dir“, brummte der Jüngere genervt. „Ich konnte es mir eben nun mal immer erlauben, daher fällt mir das hier jetzt nicht so leicht.“

Jinki, der Taemins gemeine und unfaire Worte jedes Mal wegsteckte, als wären sie nicht der Rede wert, hielt ihn nur noch fester. „Ich weiß, aber sieh es doch mal positiv.“

„Ich soll es positiv sehen, dass ich vor ein paar Monaten noch alles hatte, was ich brauchte und mir dann alles genommen wurde? Ein sehr guter Rat, echt.“ Taemin schüttelte den Arm des anderen ab und machte sich auf den Weg zur Kasse. Kurz hoffte er sogar, dass sein Freund einfach nach Hause gehen würde.

Jinki folgte ihm jedoch mit weiteren, in Taemins Ansicht, unnötigen Ratschlägen: „Vielleicht solltest du mal anfangen dankbarer dafür zu sein, was du jetzt hast. Immerhin hab‘ ich mein ganzes Leben so leben müssen wie du dein jetzt lebst. Nein, eigentlich hab‘ ich mit noch weniger auskommen müssen. Ich hab‘ immer gearbeitet für das, was ich bekommen hab. Nicht mal mein Unterricht wurde mir bezahlt und deswegen weiß ich auch wie hart es ist- Hey!“

Jinkis Redefluss war plötzlich unterbrochen worden, als Taemin mit einem Mal wie angewurzelt stehen blieb und der Ältere dadurch gegen ihn gelaufen war.
Taemin selbst jedoch war das egal gewesen, er hörte auch nicht mehr auf die langweiligen Worte seines Freundes, denn es war ihm etwas ins Auge gefallen, was ihn sofort hatte erstarren lassen. Er hatte nicht einen weiteren Schritt machen können, so sehr hatte es ihn schockiert, was er sah.
Der Kerl kam ihm so bekannt vor. Dieses Outfit und diese Cap. Es war so, als hätte er den Typ, der ein paar Meter entfernt von ihm stand und eine Creme betrachtete, schon einmal gesehen.

„Taemin?“, fragte Jinki nun etwas lauter und erregte damit sogar die Aufmerksamkeit der anderen um sie herum.

Auch die, des Cappy-Typen, der ein wenig seinen Kopf hob bis seine Augen Kontakt mit denen Taemins hatten und plötzlich größer wurden. Er schien schockiert darüber, Taemin zu sehen.

Oder war er schockiert, dass Taemin Ihn gesehen hatte?

Jonghyun, kam Taemin sein Name in den Sinn, als sie sich kurz anstarrten. Das war dieser Kerl der letzten Nacht. Der, der ihm die Waffe abgenommen hatte! Der, der ihn zu diesem Auto getragen hatte.
Mit Sicherheit auch der, der sich vor seiner Mutter als Taxifahrer ausgegeben hatte.

Er konnte nicht mehr warten. Auch in dieser blöden Situation musste Taemin mit diesem Typ reden. Doch gerade als er auf ihn zugehen wollte, wandte Jonghyun sich ab, ließ die Creme zu Boden fallen und lief weg. Er lief schnell.
Er wollte tatsächlich vor Taemin weglaufen.

„Oh nein! Heute verliere ich dich nicht“, rief Taemin, drückte Jinki das Färbemittel in die Hand und begann zu sprinten. Quer durch die Drogerie, an den Kassen vorbei und hinaus auf die Straße. Er sah aus wie ein Dieb auf der Flucht, doch das störte ihn nicht. Er musste diesen Jonghyun schnappen und zur Rede stellen, wenn sie schon vom Schicksal wieder zusammengebracht wurden.

Hektisch sah er sich um. Die Fußgängerzone war belebt. Ein guter Ort, um sich unter die Leute zu mischen.
Mit aufmerksamen Augen sah Taemin in jeden Winkel. Doch nichts. Dieser Jonghyun war wie vom Erdboden verschluckt. So als wäre er überhaupt nicht zu Fuß unterwegs.

„Scheiße“, fuhr es aus Taemin, dessen Wut sich ins Unendliche steigerte. Er hatte ihn verloren und damit auch jegliche Antworten, die er brauchte.

Denn das alles war passiert. Die Waffe, Minho und Jonghyun... das war kein Traum gewesen, sondern die pure Realität.
Es gab keine Bar und auch keinen Taxifahrer. Er war von Jonghyun ins Auto getragen worden. Der Kerl, der ihm soeben urplötzlich im Laden begegnet war.

War das tatsächlich Schicksal oder Zufall? Taemin kamen nun Zweifel. Nein.
Dass Jonghyun ihm hier begegnet war, war sicher kein Zufall!

Wütend lief er los, in der Hoffnung diesen Kerl noch irgendwo zu finden. Es war doch überhaupt nicht möglich sich einfach so in Luft aufzulösen.
Dann kam ihm ein Gedanke. Er hätte nicht so schnell verschwinden können. Es sei denn dieser Minho hatte deren Wagen wieder ganz in der Nähe geparkt.

Auf der Straße. Dort musste er also nachsehen.

Er quetschte sich an ahnungslosen Passanten vorbei zur Hauptstraße, die um diese Uhrzeit wie immer stark befahren war. Es war fast unmöglich das Auto der beiden zu finden, sollten sie so vor ihm entkommen wollen.

Dennoch war Taemin fest entschlossen ihn zu finden. Er konnte nicht aufgeben. Jetzt noch nicht. Er brauchte diese Waffe und er brauchte die Informationen. Sonst war er und auch seine Mutter in größter Gefahr.

Als die Fußgängerampel grün zeigte lief er los und betrachtete jedes Auto ganz genau, während er die Straße überquerte. Manche Fahrer sahen ihn sogar ziemlich blöd an, während er jede einzelne Person genau untersuchte. Vielleicht war es hoffnungslos, aber er hoffe genau darauf, dass Minho und Jonghyun nicht damit rechneten.  

Er konzentrierte sich so sehr, dass alles andere unwichtig wurde. Er nahm überhaupt nichts mehr wirklich war. Die redenden Menschen wurden dumpf, die brummenden Autos rückten in den Hintergrund und auch die Musik, die von der Fußgängerzone kam, nahm er nur noch unterbewusst war. Nicht mal die Schrillen Rufe von weiblichen Teenagern, vor denen er sonst immer zusammenzuckte, unterbrachen seine Konzentration. Er wollte Jonghyun und Minho einfach zu dringend finden.

Erst ein lauter Knall und die darauffolgenden Schreie rissen ihn aus seiner Trance.
Ihm war nicht aufgefallen, dass ein rasendes Auto gehupt hatte. Er hatte auch nicht bemerkt, dass der Raser deswegen das Warnsignal auslöste, da er keine Möglichkeit hatte zu bremsen. Es fiel Taemin erst auf, als das Auto mit voller Wucht gegen einen an der Ampel stehenden Wagen knallte. Ein Wagen, der direkt vor Taemin war, der die Straße überquerte.

Andere Passanten wichen vorher schon aus, brachten sich und auch Kinder in Sicherheit, doch für Taemin kam dieser Reflex zu spät.

Das Auto wurde von dem Stoß richtig nach vorn geschleudert, so sehr, dass es Taemin in wenigen Sekunden getroffen und ihn vielleicht auch zu Matsch gemacht hätte.

Wäre da nicht eine Person gewesen, die sich im letzten Moment plötzlich auf ihn geworfen und ihn zur Seite gestoßen hätte.

Mit einem unsanften Aufprall kamen die beiden auf dem harten Asphalt auf und rollten quer über den Boden, bis sie langsam stehen blieben.

Vor Schock hatte Taemin seine Augen geschlossen. Er atmete nicht, während er die aufgebrachten Rufe um sich herum hörte.

War er tot? Lebte er noch? Was war passiert?

„Schon mal was von aufpassen, während man eine Straße überquert, gehört?“, fragte eine bekannte Stimme direkt über ihm.

Diese Stimme hatte Taemin so sehr überrascht, dass er seine Augen aufriss. Damit blickte er direkt in das Gesicht des anderen.

In Jonghyuns Gesicht.
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