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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.10.2020 4.792
 
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Hallöchen meine Lieben :)

Neuer Montag, neues Kapitel!
Ich hoffe es gefällt euch und wünsche euch eine schöne Woche :*

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 14
Name: Nowon
Wörter: 4.704
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Kapitel 14: Nowon

„Wollen wir dann auch mal reingehen?“ Minho verschränkte seine Arme vor der Brust. Er verlor schnell die Geduld, besonders, wenn man direkt vor dem Ziel stand.

Taemin jedoch begutachtete die Klingelschilder des grauen, unscheinbaren Mehrfamilienhauses und legte seinen Kopf ein wenig auf die Seite. Er hatte noch keinen Grund sich zu beeilen: „Ich denke noch nach.“

„Worüber?“, fragte Jinki und stellte sich mit einer ernsten Miene neben Taemin. Er hatte an diesem Morgen noch gar kein Wort mit ihm gewechselt, immer noch aus Frust, weil Taemin Jonghyun in seinem Hotelzimmer hatte haben wollen.

Deswegen war auch Taemin nicht gerade erpicht darauf ihm auf eine freundliche Art und Weise zu antworten. Dieses Getue war ihm trotzdem etwas zu kindisch. Er lachte und ließ damit etwas Zynismus mitschwingen: „Hallo, wir kommen aus der Gruppe in Gangnam und ich bin der Sohn von Jisung, dem erst kürzlich das halbe Gesicht weggebombt wurde. Wir sind hier, um meinen verschollenen Zwillingsbruder zu finden, von dem ich glaubte er sei tot. Hätten Sie eine Idee, wo er sein könnte?“

„Das klingt doch schon mal gar nicht so schlecht und wenn du das noch etwas lauter wiederholst, dann müssen wir uns gar nicht erklären, sondern werden gehört“, meinte Jonghyun und schob sich an Jinki vorbei, um selbst die Klingelschilder anzusehen. „Was sagtest du stand in der Akte? Der Name des Leiters der Fraktion hier ist Jeon Sungjin richtig?“

„Ja, aber“, begann Taemin und wollte sich erklären, doch hatte er nicht damit gerechnet, dass Jonghyun in Sekundenschnelle die Türklingel mit dem Aufdruck Jeon betätigte und damit alle aus der Bahn warf.

„Bist du bescheuert?“, fragte Taemin und stieß den Älteren ein wenig zur Seite. „Wir wissen doch überhaupt nicht was wir sagen sollen.“

„Jetzt müssen wir uns einfach etwas einfallen lassen“, kam es aus Minho, der auf der Stelle zu hüpfen begann. Ihm war es wohl gelegen gekommen, dass Jonghyun die Initiative ergriffen hatte. Die beiden hatten vielleicht doch etwas mehr gemeinsam als sie das zugeben, geschweige denn einsehen wollten.

„Es wäre besser gewesen Sungjin einfach zu informieren, bevor wir losgezogen sind.“ Jinki war nun wieder an Taemins Seite, nachdem er sich er erneut zwischen ihn und Jonghyun gedrückt hatte, wie ein menschliches Schild, dass den Älteren von Taemin fernhalten sollte.

Darauf schnaufte Taemin nur. Ihm war klar, dass Jinki ihn für dumm halten würde, sollte er herausfinden, dass Jonghyun dafür zuständig war nachts neben ihm zu liegen und ihm beim Einschlafen zu helfen. Jinki wäre dann alles andere als begeistert.

„Dafür ist es jetzt eh zu spät.“ Minho hüpfte immer noch herum wie ein Gummiball, was Taemin ein klein wenig unruhig stimmte. Minho war ihm wirklich zu abenteuerlustig. Es machte fast den Eindruck als freute er sich darauf, dass es endlich losging.

Gegen Taemins Erwartungen war es jedoch recht einfach in das Gebäude zu kommen, denn innerhalb weniger Sekunden ertönte ein kleiner Ton, der ihnen anzeigte, dass die Tür freigegeben wurde und sie eintreten konnten. Sie hatten sich nicht mal in einem unangenehmen Austausch von Worten mit der Gegensprechanlage erklären müssen.

Jonghyun ging an Taemin vorbei und lief diesem ein wenig in die Füße, damit er als erster das Treppenhaus des Gebäudes betreten konnte. Unfassbar, dachte sich Taemin, denn es störte ihn so langsam wie eine Bella unter Werwölfen und Vampiren behandelt zu werden. Er war gar nicht so unbeholfen und brauchte keine ständige Leibgarde. Doch das konnte er denen wohl lange erzählen.

Das Haus war im Innern alles andere als das eintönige Gebäude, welches es von außen war. Bisher hatte Taemin so etwas noch nie gesehen, weshalb er nicht schlecht staunte und ließ die bunten Eindrücke auf sich wirken. Die Treppen waren marmoriert, die Wände bunt bemalt mit unterschiedlichsten Motiven von Graffiti bis zu Malereien, die aussahen als stammten sie von Kindern als auch Erwachsenen. Hier und da erkannte er auch einen motivierenden Spruch oder auch bekannte Zitate.

„Faszinierend“, flüsterte Jinki, der einen genauen Blick auf die Wände geworfen hatte. „Sieht fast so aus als überlässt der Leiter der Fraktion die Dekoration seinen Mitgliedern und auch Nachkommen.“

Minho nickte: „Echt Wahnsinn wie verschieden wir alle leben. Hier fühlt man sich richtig wohl. Um einiges mehr als in diesem blöden Casino.“

Jonghyun lachte, lief aber weiter voraus, ohne sich nach den anderen umzusehen, geschweige denn die Wände genauer zu betrachten: „Dann solltest du mal Jongno sehen. Das Casino ziehe ich deren Versteck unter der Erde deutlich vor!“

Davon hatte Taemin auch schon gehört. Das Versteck der Gruppe in Jongno war bestimmt kein schönes Fleckchen. Es klang ja auch nicht gerade einladend unter der Erde zu leben und sich zu verstecken. Ob diese Leute grundsätzlich viel Tageslicht abbekamen? Wahrscheinlich nicht.

„Du warst schon mal in Der Fraktion Jongno?“, fragte Minho überrascht, der direkt hinter Jonghyun lief. Er hingegen blieb mit jedem Blick an einer anderen Stelle der Wände hängen.

„Damals, als Seojun mich von der Straße geholt hat, ja“, antwortete Jonghyun. „Ich habe nicht mal geglaubt, dass es etwas Freundlicheres in dieser Organisation gibt als das Casino, nachdem ich dort hin versetzt wurde. Hab mich wohl getäuscht.“

„Diese Fraktion hier scheint etwas komplett anderes zu sein“, meinte Taemin und sah ständig von einer bunten Wand zur Nächsten.

„Nowon hält sich auch bei den meisten Geschäften zurück. Sie sind mehr auf Sicherheit und Schutz bedacht als auf Angriff“, erklärte Jinki, der von den vieren die meiste Ahnung von alldem hatte. „Deswegen leben sie vielleicht auch so.“

„Wie kommt’s?“, wollte Taemin wissen.

Jinki zog ein wenig die Schultern an. „Keine Ahnung. Jisung erwähnte da mal etwas von einem Zwischenfall, den die Fraktion sich komplett hat zurückziehen lassen. Soweit ich weiß leben hier auch meist junge Mitglieder, die hineingeboren wurden.“

Der Ältere kannte keine weiteren Details, deswegen beschloss Taemin ihn nicht noch mit Fragen zu Löchern, ganz besonders als sie im dritten und obersten Stock angekommen waren und vor einer Tür stehen blieben, die einen Spaltbreit geöffnet war.

„Werden wir erwartet?“, fragte Minho und ging ein wenig in eine Abwehrhaltung, falls doch noch etwas passierte.

„Das werden wir gleich sehen“, brummte Jonghyun und klopfte einmal vorsichtig gegen die Tür, bevor er sie etwas aufschob und rief: „Hallo?“

„Kommt rein, kommt rein, nur keine falsche Scheu!“, hörten sie jemanden aus der Wohnung antworten und Taemin entspannte sich augenblicklich.

Die Stimme des Mannes hatte sich so warm und freundlich angehört, dass seine Zweifel ganz schnell verfolgen waren. Irgendwie hatte sie ihn an seinen Vater erinnert.

„Hallo? Herr Jeon?“ Minho trat in den Vorraum der Wohnung, der deutlich größer war als erwartet.

„Ja, der bin ich. Aber nennt mich doch Sungjin. Wir alle sind ja fast sowas wie eine große Familie, nicht?“ Die Stimme kam näher, Taemin konnte ihn jedoch nicht sehen, da Jonghyun und Minho ihm die Sicht versperrten. „Kommt ruhig rein. Ich kann’s kaum erwarten den berühmten Taemin kennenzulernen.“

„Sie wussten, dass wir kommen?“, hakte Jonghyun nach, der immer noch beschützerisch vor Taemin stand.

„Ja, seine Mutter hat mich kontaktiert, weil ihr einen Unterschlupf für ihn sucht. Mit meiner Vorgeschichte konnte ich nicht anders als zustimmen“, erklärte der Mann.

Taemin zog nun Jonghyun am Ärmel hinter sich und trat ein paar Schritte nach vorn. Es war tatsächlich verblüffend, dass nicht nur die Stimme des Mannes seinem Vater ähnelte. Seine Statur und sein Auftreten erinnerten ihn auch an Jisung. Zumindest bevor dieser so stark abgenommen und krank ausgesehen hatte.

Sungjin war groß, er überragte sogar Minho um wenige Zentimeter, seine Haare waren pechschwarz, doch man erkannte schon einige graue Strähnen, ebenso in dem vollen Bart, der, wie sein Haar, perfekt gestylt war. Er trug jedoch recht lässige Kleidung, eine einfache Jeans und einen schwarzen Pullover. Aber Taemin fiel eher die längliche, große Narbe auf dessen Hals auf. Sie sah fast aus wie eine schwere Schnittverletzung.

„Du bist Taemin, hab ich recht? Ich habe deinen Vater zwar nur einmal in meinem Leben gesehen, aber es ist wirklich erstaunlich, wie ähnlich ihr euch seht.“ Sungjin griff nach Taemins Hand und zog ihn ein Stück zu sich. „Faszinierend, ihr habt die gleichen Augen.“

„Danke?“, antwortete Taemin, der sich unsicher war, ob er überhaupt etwas darauf hatte antworten sollen. Die Hand des Mannes fühlte sich warm an. Noch etwas, was er mit Jisung gemein hatte.

Sungjin machte große Augen, nachdem Taemin verunsichert gewirkt hatte: „Tut mir leid, ich bin immer etwas zu vorschnell mit allem.“ Er ließ Taemins Hand los und sein Lächeln verließ ihn plötzlich. „Was mit Jisung passiert ist tut mir schrecklich leid. Das ist sicher eine schwere Zeit für deine Mutter und dich.“

Taemin ließ seinem Blick mal ein wenig durch den langen Flur der Wohnung schweifen. Er konnte fünf weitere Türen erkennen und am Ende erreichte man bestimmt das Wohnzimmer, das den Flur durch das viele Tageslicht, dass herein schien, erhellte. „Danke“, sagte er. „Aber es ist schon in Ordnung. Mir wäre es sowieso lieber, wenn wir über etwas anderes sprechen würden.“

„Natürlich. Du willst bestimmt wissen, wie es jetzt weiter geht und wo ihr leben werdet, richtig? Ich habe mir da schon ein paar Gedanken gemacht.“ Sungjin wandte sich kurz von ihnen ab und zeigte geradeaus. „Wollen wir uns dafür nicht setzen? Ich kann euch auch einen Tee machen.“

Taemin übernahm weiter das Reden, auch wenn er noch nicht genau wusste wie er mit dem Leiter sprechen sollte. „Danke, aber wir wollen Sie nicht zu lange stören. Eigentlich wollen wir auch nicht lange bleiben.“

„Nein?“, fragte Sungjin.

„Sie haben etwas von Ihrer Vorgeschichte gesagt. Darüber würden wir gerne etwas mehr erfahren“, erklärte Taemin ohne sich zurückzuhalten.

„Was meinst du?“


***

Taemin zuckte zusammen, als Jinki mit einem Schlürfen an seinem Tee die Stille, und damit auch seine Gedankengänge unterbrach.

Das Wohnzimmer, in das Sungjin sie geschickt hatte war riesig und hell erleuchtet. Die moderne, weiße Einrichtung und die neuste Technik in Form eines großen Fernsehers und Sound-Systems sprachen ganz für sich allein. Auch diese Fraktion war nicht gerade arm doch das hatte Taemin, nachdem er die Kontoauszüge gesehen hatte nie geglaubt.

Zu viert saßen sie auf dem Sofa aus hellem, cremefarbenen Leder und bis auf Taemin starrte jeder auf den runden, tiefen Tisch vor sich, den Sungjin eingedeckt hatte mit Tee und kleinen Süßigkeiten, damit das Warten etwas schneller verging.

Gerne hätte Taemin nur einen dieser Matcha-Kekse probiert, doch sein Magen rebellierte mal wieder, also wollte er es nicht drauf ankommen lassen. Es stand ein schwieriges Gespräch vor ihnen und er wollte es nicht damit unterbrechen das Bad aufzusuchen, weil er nichts bei sich behalten konnte.

Jonghyun saß rechts neben ihm und nach einer gewissen Zeit schubste er Taemin sanft: „Ist alles ok? Du bist wieder so blass.“

„Was?“ Jinki, der links neben Taemin hockte beugte sich nach vorn, damit er dem Jüngeren ins Gesicht starren konnte. „Geht‘s dir gut Tae? Bist du krank? Hast du-?“

„Alles in Ordnung“, grummelte Taemin und griff nach seiner Tasse, um einen Schluck zu trinken. „Ich bin nur etwas nervös. Mich anzustarren hilft dagegen aber nicht.“

„Es wird sicher alles gut“, sagte Minho, welcher sich neben Jinki platziert hatte, nachdem die anderen beiden sich so schnell wie möglich an Taemins Seite gequetscht hatten. „Immerhin war er doch sehr freundlich. Er wird seinen Sohn aus einem bestimmten Grund zu uns holen.“

„Sicher.“ Taemin kramte kurz in seiner Hosentasche und nahm ein kleines Stück Papier hervor. Diesen Zettel hatte er aus dem Arbeitszimmer seines Vaters mitgehen lassen. Es fühlte sich immer noch ein klein wenig seltsam an, die Handschrift seines Vaters darauf zu erkennen. Egal ob es nur ein Blatt Papier war, es war ein Stück von seinem Vater, welches zurück geblieben war.

Der neugierige Jonghyun jedoch, konnte nicht abwarten bis Taemin den Zettel entfaltete, sondern stahl ihn aus dessen Händen und warf einen Blick darauf.

„Hey“, beschwerte sich Taemin und wollte den Zettel zurücknehmen, da laß Jonghyun ihn schon vor.

„Angriff auf Nowon vor 10 Jahren. Verbindung zu Taesuk? Jeon kontaktieren.“ Er drehte den Zettel in seinen Händen, doch es war nicht mehr darauf geschrieben. „Was soll das denn heißen? Hatte dein Vater doch schon eine Idee?“

„Ich weiß nicht was das heißen soll, aber deswegen sind wir hier.“ Taemin rollte mit den Augen und zog den Zettel aus Jonghyuns Fingern. „Wir werden es herausfinden müssen.“

Jonghyun grinste. „Irgendwie mag ich deine Entschlossenheit. Du zeigst uns langsam aber sicher ganz andere Seiten von dir, Mr. Taemin.“ Er neigte seinen Kopf ein wenig zur Seite, wodurch seine Halswirbel leise knackten und atmete schwer aus.

„Was ist denn mit dir los?“, wollte Minho von ihm wissen. „Hast du nicht gut geschlafen?“ Er lächelte so, als würde er sich darüber amüsieren. Dieses Kindertheater wollte also schon wieder beginnen?

Doch Jonghyun wusste genau was er sagen musste, um Minho mit einem Mal bereuen zu lassen, dass er so hämisch gewesen war: „Mir mit Taemin so ein kleines Bett im Hotel zu teilen war nun mal ein wenig unbequem. Wobei ich es vorziehe, dass er direkt neben mir einschläft, damit ich in besser beschützen kann.“

Taemin zischte und spürte, wie ihm das Blut in die Wangen stieg. Danach warf er Jonghyun einen Blick zu, der ihm zeigen sollte wie wütend er war, doch der Ältere zwinkerte ihm lediglich zu. Er hatte mit purer Absicht verraten, dass sie die zweite Nacht infolge nebeneinander verbracht hatten.

Die Probleme folgten direkt auf dem Fuße. Jinki schnaubte wie ein Löwe, der gerade seine Beute verloren hatte: „Wie bitte, du hast was?!“

„Schon wieder?“, fragte Minho, der von dieser Information auch deutlich schlechtere Laune bekommen hatte.

„SCHON WIEDER?“, wiederholte Jinki und starrte Taemin nieder.

Dieser wünschte sich einfach in den Polstern des u-förmigen Sofas versinken zu können, während die drei ihm mit ihren Blicken unterschiedliche Emotionen zuwarfen. Wut und Schock von Jinki, Unsicherheit und Enttäuschung von Minho und Jonghyun lächelte.
Er lächelte so selbstüberzeugt, dass Taemin ihm am liebsten für seine blöden Sprüche geboxt hätte. Mitten in sein ach so perfektes Gesicht.

Doch da kam ihm etwas dazwischen. Oder jemand. „So, da sind wir wieder.“

Taemin atmete durch als Sungjin das Wohnzimmer betrat, mit jemandem im Schlepptau, den er auch direkt vorstellte. „Entschuldigt, aber mein Sohn hat mit seinen Freunden gerade irgendwelche Videospiele gespielt und er wollte die eine Runde beenden.“

„Kein Problem“, knurrte Jinki. „So konnten wir uns noch ein wenig unterhalten.“
Der Subtext war für Taemin nicht zu verkennen und er freute sich jetzt schon auf die Diskussion mit Jinki, in dem er ihm erklären müsste, warum er neben Jonghyun schlief. Dabei wusste Taemin nicht mal selbst eine Antwort darauf. Es war zum verrückt werden.

„Schön. Dann würde ich euch gerne bekannt machen“, sagte Sungjin. „Das ist mein Sohn Jungkook und Jungkook, das ist Jisungs Sohn Taemin. Die anderen sind Jonghyun, Jinki und Minho.“

„Es freut mich sehr euch alle kennenzulernen.“ Jungkook verbeugte sich tief vor den Gästen und diese erwiderten seine Geste. „Wir haben noch nie Besuch von anderen Fraktionen gehabt, das ist schon ein wenig aufregend.“

Jungkook war in Taemins Augen ein richtiger Gutmensch und das schon vom ersten Augenblick an. Zudem war er etwas unsicher, wirkte dadurch auch jünger. Sicher war er auch jünger als Taemin selbst.
Er sah seinem Vater ähnlich und war sehr gutaussehend. Seine Haare waren glänzend schwarz, etwas länger und in definierten Wellen ziemlich gut gestylt. Nicht jedem stand so eine Haarlänge, doch er konnte sie tragen. Neben all diesen Äußerlichkeiten fiel Taemin auch noch ein Muttermal unter seinen Lippen auf und letztendlich auch eine kleine Narbe direkt darunter.

„Komm, setzen wir uns“, sagte der Vater und Jungkook ging dem nach. Die beiden setzten sich hinter den Tisch, ihren Gästen auf dem Sofa gegenüber. „So, Taemin. Dann schieß mal los.“

Der Angesprochene verhakte seine Finger ineinander. Was, wenn er etwas Falsches sagte oder vor lauter Fragen vielleicht zu aufdringlich oder unsensibel wurde? Er musste sehr darauf achten was er aussprach, denn alles auf einmal könnte vielleicht etwas zu viel sein.

„Ich habe in den Unterlagen meines Vaters eine Notiz gefunden, in der er etwas über einen Angriff von vor zehn Jahren festgehalten hat.“ Er zog ein wenig seine Schultern an. Das alles etwas sensibel zu gestalten war schwieriger als gedacht. „Könnt ihr uns mehr davon erzählen?“

Sungjin warf seinem Sohn erst einen kurzen Blick zu und atmete einmal tief durch. Er dachte sicher nicht gerne darüber nach. „Es sind Erinnerungen, die wir gerne vergessen würden. Damals haben wir meine Frau... Jungkooks Mutter verloren.“

„Das tut uns leid“, sagte Jinki. Er hatte schon immer ein Talent dafür gehabt mit anderen mit zu fühlen. „Das muss schrecklich gewesen sein.“

„Sicher genauso schrecklich wie der Tag, an dem ihr Jisung verloren habt“, entgegnete Sungjin ihm und zog ein wenig seine Schultern an. „Es ist immer schlimm einen geliebten Menschen zu verlieren.“

„Wie ist es dazu gekommen?“, fragte Jonghyun nach, der selbst wohl nicht abwarten konnte mehr herauszufinden und für seine Ungeduld von Taemin einen unauffälligen Tritt abbekam.

„Sie hat unseren Sohn beschützt. So kam es dazu. Jungkook war damals 8 Jahre alt. Er war lediglich Anfänger in Taekwondo, konnte sich selbst also nicht groß verteidigen und ich war in dieser Nacht geschäftlich unterwegs. Wäre ich da gewesen, dann wäre es vielleicht auch nicht so weit gekommen.“ Er senkte ein wenig seinen Blick.

Jungkook legte eine Hand auf den Rücken seines Vaters. „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass es nicht deine Schuld war?“ Er sah auf und sprach nun zu Taemin und den anderen. „Damals sind Fremde hier eingedrungen und haben ganz schön gemetzelt. Viele sind nach dieser Nacht ohne Eltern aufgewachsen. Ich hatte Glück, dass meinen Vater nichts passiert ist.“

„Fremde? Ihr wisst nicht wer die waren?“, hakte Jonghyun nach, der es einfach nicht abwarten konnte.

Jungkook störte seine Frage jedoch überhaupt nicht und er schüttelte den Kopf. „Wir wissen bis heute nicht wer diese Mörder waren. Wir arbeiten daran, aber es gibt so gut wie keine Hinweise.“

„Gab es für diese schrecklichen Taten einen Grund?“, mischte Minho sich nun ein. „Oder sind diese Leute einfach bei euch eingedrungen, um so viel wie möglich zu töten?“

„Es ging meiner Meinung nach gar nicht darum zu töten“, erklärte Sungjin. „Ich bin viel eher der Überzeugung, dass sie in den Wohnungen nach jemandem gesucht haben. Nach meinem Sohn.“

Taemin spannte sich ein wenig an. „Nach Jungkook?“

Sungjin nickte: „Sie haben die meisten im Schlaf überfallen, aber keinem Kind etwas zuleide getan. Bis sie Jungkook gefunden haben.“

„Vater glaubt, dass sie mich mitnehmen wollten“, fügte der Sohn hinzu. „Immerhin haben sie mich aus dem Bett gezerrt, mir den Mund verklebt und mich hinter sich hergezogen. Doch da kam ihnen dann meine Mutter in die Quere. Sie hat mich tapfer verteidigt und mit ihren Rufen andere alarmiert, die uns zur Hilfe kamen. So sind diese Typen geflohen und meine Mutter war schwer verletzt. Keine halbe Stunde später ist sie gestorben.“

Kurz kehrte Stille ein. Allein die Vorstellung davon als Kind ein Elternteil auf diese Art zu verlieren bereitete Taemin eine Gänsehaut. Kaum vorzustellen wie Jungkook die letzten Jahre damit leben musste.

„Diese versuchte Entführung“, brach Jinki die Stille. „Was glaubt ihr warum sie das versucht haben?“

„Die Fraktion-Nowon schwächen?“, spekulierte Sungjin. „Immerhin war Jungkook nicht der einzige Sohn eines Fraktionsleiters, dem Schreckliches angetan wurde, richtig?“

Taemin nickte. Genau so etwas in der Art hatte er sich aus diesem Gespräch erhofft. „Es gibt eine Verbindung zwischen der Entführung meines Bruders und dem, was mit Jungkook passiert ist.“

„Wir gehen davon aus.“ Sungjin schenkte sich ein wenig Tee in eine leere Tasse. „Vor drei Wochen hat Jisung mich kontaktiert. Er wollte mich besuchen. Da er von der Nacht von vor zehn Jahren gesprochen hatte war mir klar, dass er etwas mehr darüber erfahren wollte. Er hatte es nicht mehr geschafft mich zu sehen. Und jetzt seid ihr hier.“

„Taemin möchte herausfinden was damals passiert ist. Für seinen Vater“, erklärte Jinki.

„Und das ehrt dich, wirklich“, sagte Sungjin, hob jedoch einen Finger. „Aber denk dran. Dein Vater ist beim Versuch gestorben. Er hat nicht deswegen sein Leben riskiert, damit du dafür stirbst.“

Taemin schüttelte den Kopf. „Ich tue das für meine Eltern und auch für euch. Uns allen ist Unrecht widerfahren und das sollte nicht ungestraft bleiben. Außerdem will ich meinen Bruder dort rausholen, wenn er noch irgendwo da draußen ist.“

„Verstehe.“ Der Mann nippte an seinem Tee. „Aber wie wollt ihr weiter machen? Immerhin habt ihr keine Indizien und wir haben die auch nicht.“

„Für mich ist eines auf jeden Fall schon klarer“, begann Taemin und schlug die Beine übereinander. „Diese Leute haben es definitiv auf die Fraktionsleiter und deren Familien abgesehen. Warum wissen wir nicht, aber das kann viele Gründe haben. Eifersucht, Rache oder auch Machtgier. Vielleicht wollen bestimmte Personen, dass unsere Organisation durch fehlende Nachfolger ihr Ende findet. Deswegen greifen sie uns an. Zwei der Fraktionen wurden schon angegriffen und eine blieb außen vor.“

„Hältst du die Fraktion in Jongno für verdächtig?“, fragte Sungjin.

„Nein“, sagte Taemin. „Deren Leiter hat erst kürzlich das Steuer in Gangnam übernommen. Seojun ist ein guter Mensch. Ich glaube er wäre zu so etwas nicht fähig. Ganz sicher nicht. Wozu sollte er auch? Ich glaube eher, dass die Fraktion-Jongno als Nächstes dran ist. Wir sollten sie warnen.“

„Oder ihnen ist bisher nichts passiert, weil es so viele sind“, schlussfolgerte Minho. „Sie können sich zuhauf verteidigen.“

„Vielleicht. Trotzdem will ich nicht abwarten bis ihnen doch etwas passiert.“ Taemin stand auf.

„Was hast du denn jetzt schon wieder vor?“, wollte Jonghyun wissen.

Taemin lächelte. Irgendwie bereitete es ihm Freude, dass er wegen seines Standes in dieser Organisation vor den dreien immer das Sagen hatte. Doch eigentlich wäre er auch allein gegangen, wenn nötig. „Wir wissen genug. Wir sollten nach Jongno gehen, um mit Seojuns Sohn zu sprechen.“


***


„Bin ich froh, dass du dich dagegen entschieden hast heute abzureisen“, säuselte Minho, der sich genüsslich auf das Sofa des Apartments warf, das ihnen Sungjin zur Verfügung gestellt hatte. „Immerhin sind das alles ganz schön viele Informationen auf einmal. Das strengt dich sicher auch an.“

„Wie hätte ich denn darauf bestehen können abzureisen, wo Jonghyun doch so hartnäckig war“, brummte Taemin. Eigentlich wollte er keine Zeit mehr verlieren, doch der Ältere hatte darauf beharrt zumindest eine Nacht in Nowon zu bleiben. Er hatte so sehr auf Taemin eingeredet und ihm erklärt, dass sie auch darauf achten mussten nicht verfolgt zu werden und sie sich mit einer verfrühten Abreise noch mehr in Gefahr bringen würden, dass Taemin letztendlich eingeknickt war.

Ein wenig hatte Jonghyun ja auch recht. Die Mörder von Jisung liefen frei herum und konnten sie immer beschatten oder verfolgen. Sie mussten vorsichtig sein und nichts überstürzen. Sonst würden sie irgendwelche Verbrecher noch in das Versteck in Jongno führen.


„Hey, Taemin“, rief Jonghyun quer durch das Apartment. Er hatte sich nämlich als erstes daran gemacht die Räume zu inspizieren. „Wollen wir uns ein Schlafzimmer teilen?“

Die Wohnung war groß, fast dreifach so geräumig wie die, in der Taemin mit seiner Mutter gelebt hatte. Es gab zwei Schlafzimmer mit jeweils zwei Betten, einen großen Wohnbereich mit einem Sofa, einem Massagesessel, einem Flachbildfernseher mit allem Drum und Dran und eine hochmoderne Küche. Ein guter Ort, um es sich gemütlich zu machen, was er seinem alten Leben in der miefigen Wohnung oder auch dem Casino vorzog. Hätte er es nicht so eilig seinen Bruder zu finden wäre er viel lieber länger in dieser Fraktion geblieben. Vielleicht auch für immer. Er hätte seine Mutter zu sich geholt und hätte diese blöde Organisation einfach hinter sich gelassen, denn so wie es schien taten das hier viele.

„Pf, ganz sicher nicht“, antwortete nicht Taemin, sondern Jinki, der sich an Taemins Oberteil klammerte und ein wenig daran zerrte. „Taemin lass uns kurz in der Küche reden, ja?“

Das musste ja so kommen. Taemin hatte geglaubt sich darum drücken zu können, doch Jinki bestand auf dieses Gespräch. Also ließ er sich einfach von ihm in die Küche verschleppen und setzte sich dort auf einen der Barhocker, die vor einem hohen, an der Wand befestigten Tisch standen.

Er sagte nichts, denn er wusste, dass das Wortgewitter schon von ganz allein auf ihn eindonnern würde. Damit hatte er auch den richtigen Riecher.

„Habe ich das vorhin richtig verstanden? Du schläfst mit diesem Gossenkind in einem Bett? Ist dir klar, dass das total dumm ist? Du hast doch keine Ahnung wer dieser Typ überhaupt ist. Vertraust du ihm etwa? Deine Mutter ist selbst skeptisch was ihn angeht, sie wollte nie, dass er für dich zuständig ist und du tust sowas!? Läuft da etwas was zwischen euch? Bitte sag mir, dass es nicht so ist!“

„Atme, Jinki“, knurrte Taemin und rieb sich mit seinen Händen über die Stirn. Es fühlte sich so an als hätte jedes Wort seines besten Freunds ein Pochen in seinem Kopf ausgelöst, welches zu leichten Schmerzen geführt hatte. „Glaubst du echt, dass ich so drauf bin und etwas mit ihm anfange?“

„Nein, ich habe dich immer für schlauer gehalten“, tobte Jinki und lief in der Küche zwischen Kühlschrank und Tisch auf und ab. „Aber was soll ich sagen, nachdem ich gehört habe, dass ihr das Bett teilt muss ich deinen Verstand schon klar in Frage stellen.“

„Blödmann“, entgegnete Taemin ihm. „Ich habe nichts mit Jonghyun und ich schlafe auch nicht MIT ihm, sondern NEBEN ihm, das sind zwei unterschiedliche Dinge.“

„Warum machst du sowas?“, fragte Jinki.

Taemin runzelte seine Stirn. „Warum?“

„Ja, warum?!“, wiederholte der Ältere, diesmal etwas lauter.

„Weil ich verdammt nochmal kein Auge zubekomme, wenn ich allein bin“, platzte es aus Taemin. „Denkst du, es gefällt mir von diesem Idioten abhängig zu sein? Ich stehe genauso wenig darauf wie du, das kannst du mir glauben!“

Er wusste, dass er damit nur die halbe Wahrheit aussprach und sogar ein wenig flunkerte. Klar, er war nicht begeistert davon, dass er Jonghyun brauchte um einschlafen zu können als wäre er sechs Jahre alt. Aber es war letztendlich doch gar nicht so schlimm, wie er das darstellte. Immerhin fühlte er sich neben Jonghyun, solange dieser ruhig war und ihn nicht nervte, sehr wohl. Besonders, wenn er morgens neben ihm aufwachte.

„Warum lässt du dann zu, dass du diesen Kerl so nah an dich ran lässt, wenn du doch mich hast?“ Jinki wirkte verletzt, nachdem er das gesagt hatte. Verständlich, immerhin waren die beiden schon seit Taemins Geburt beste Freunde. „Wieso gehst du zu Jonghyun, wenn du Probleme hast?“

Taemin schluckte. Er spürte schon einen Kloß im Hals und es war verdammt schwer seine Tränen zu unterdrücken, doch er zwang sich dazu. Er hatte in den letzten Tagen schon viel zu viel Schwäche gezeigt. „Du hast mich all die Zeit angelogen.“

„Darum geht es dir also. Immer noch? Selbst nachdem du gesehen hast, was mit deinem Vater passiert ist, bist du immer noch sauer, weil ich dafür gekämpft habe dich im Unwissen zu lassen?“ Jinki schüttelte den Kopf und setzte sich dann auf den Hocker neben Taemin. Die aufgebrachte Diskussion war nun ein ruhiges, intensives Gespräch. „Ich hatte Angst um dich, ist dir das nicht klar? Ich habe immer noch Angst.“

„Und ich habe Angst, dass du mein Vertrauen noch einmal so missbrauchen könntest, um mir Dinge zu verheimlichen, die ich eigentlich wissen sollte“, flüsterte Taemin und wandte seinen Blick von ihm ab.

Jinki griff nach der Hand des Jüngeren und umklammerte diese als wäre diese Berührung der letzte Faden, der ihre Freundschaft noch zusammenhielt. „Taemin, es tut mir leid. Es tut mir schrecklich leid dich verletzt zu haben, aber noch viel schlimmer ist es für mich dich so leiden zu sehen. Du machst einen auf stark, bist aber so kaputt, dass du dich sogar auf so einen Kerl wie Jonghyun einlässt. Bitte lass mich ab jetzt für dich da sein, ok? Denn auf dich aufzupassen war seit deiner Geburt an Meine Aufgabe.“

Es berührte ihn, dass Jinki so von ihm sprach, aber gleichzeitig hatte es auch einen bitteren Nachgeschmack. Für all das Leid war doch kein anderer verantwortlich als Taemin selbst. In einer solchen Situation konnte er doch gar nicht mehr wütend auf Jinki sein oder ihm Vorwürfe machen. Immerhin war sein Leben der Grund für all das hier. Und Jinki war ihm immer gefolgt, hatte all seine Launen ertragen und ihm durch schwere Zeiten geholfen. Er war wie ein großer Bruder.

„Na schön“, flüsterte Taemin. „Dann lass uns heute ein Zimmer teilen, ok?“

Jinkis Augen wurden fast doppelt so groß. „Meinst du das ernst?“

„Sowas machen beste Freunde nun mal oder?“
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