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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.10.2020 4.384
 
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Guten Abend meine Liebsten <3

So, jetzt geht es auch schon mit dieser Geschichte weiter. Da ich heute so spät dran bin schreibe ich nicht zu viel und beeile mich mit dem Upload.

Vielen Dank, dass ihr schon wieder zu dieser Geschichte gefunden habt und ich bedanke mich bei euch fürs Lesen! <3

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 13
Name: Ich Kann Dich Nicht Leiden
Wörter: 4.258
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Kapitel 13: Ich Kann Dich Nicht Leiden

Es kam ihm so vor als hätte er erst am Tag zuvor seine Sachen gepackt, um in der Gangnam-Fraktion zu wohnen und nun stopfte er wieder seine Sachen in seinen Koffer. Egal wie ängstlich oder unsicher er wurde, bei dem Gedanken daran seine Mutter zurückzulassen, er hatte sich dafür entschieden.
Immer, wenn er sich zu etwas entschlossen hatte, dann war diese Entscheidung auch endgültig. Niemand brachte ihn davon dann ab.

„Also verstehe ich das richtig?“, fragte Minho, der Taemin mit hochgezogenen Augenbrauen beim Kofferpacken beobachtete. „Du hast deiner Mutter gesagt du würdest zur Fraktion in Nowon gehen, um dich zu schützen, doch stattdessen willst du nur nach Nowon gehen, um deinen Zwillingsbruder ausfindig zu machen? Deine Mutter lässt du im Dunkeln und dich bringst du in Gefahr. Willst du das echt durchziehen?“

„Ich bin erwachsen. Ich weiß was ich tue und wofür ich mich entscheide. Ich bin mir sicher, dass ich das machen will.“ Taemin schlug den Koffer zu, nachdem er alles darin verstaut hatte.

„Wie willst du das ganze finanzieren? Reisekosten, vielleicht auch Hotels... selbst wenn du Zeugen fändest, viele rücken nicht mit der Sprache raus, solange sie keine Scheine vor deren Auge sehen.“ Minho war einer dieser Freunde, die es eigentlich immer gut meinten, es aber irgendwann mit ihrer Fürsorge so weit trieben, dass es nervig wurde.

Doch selbst dafür hatte Taemin eine Lösung: „Mein Vater war Millionär“, sagte er. „Er hat sein gesamtes Vermögen geteilt und meiner Mutter und mir vermacht. Um Geld müssen wir uns am wenigsten sorgen.“

Es war tatsächlich so. Taemin war innerhalb einer Nacht zu einem Superreichen geworden. Die Gelder, die sein Vater mit seinen Hotels gemacht hatte und dann schließlich auch mit dem Verkaufs seines Besitzes, hatte er gut angelegt, da das Geschäft mit der Bande ebenso gut lief.

So viel Geld zur Verfügung zu haben war neu für Taemin. Zwar hatte er immer in Saus und Braus gelebt, doch das Geld war nie sein eigenes gewesen. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt nicht.

„Na schön. Keine Geldprobleme“, bemerkte Minho, war aber weiterhin nicht überzeugt von dem Plan. „Aber selbst wenn wir nach Nowon kommen, was versprichst du dir da? Dass da plötzlich jemand ist, der deinen Bruder kennt? Dein Vater hat monatelang gesucht, meinst du nicht auch, er wäre selbst auf diese Idee gekommen?“

„Nein, denn er hat sich die ganze Zeit auf seine Feinde konzentriert, bevor er darüber nachdachte seine Freunde mit einzubeziehen. Erst vor wenigen Wochen hat er an die anderen Fraktionen gedacht und sie kontaktiert. Das was er herausgefunden hat, hat er aufgeschrieben. Und ich habe es gefunden.“ Taemin zog an dem Reißverschluss seines Koffers, doch dieser klemmte. „In Nowon gibt es vielleicht jemanden, der mir bei der Suche nach meinem Bruder helfen kann. So wie ich das sehe hat der Tod meines Vaters auch in irgendeiner Form damit zu tun. Finde ich die, die meinen Bruder entführt haben, dann finde ich vielleicht auch die Mörder.“

„Oder die Mörder sind einfach nur irgendwelche Kriminelle, die überhaupt nichts damit zu tun haben und du vergeudest deine Zeit.“ Jonghyun, der schon nach wenigen Minuten damit fertig gewesen war seine sieben Sachen zusammen zu packen, lag nun auf seinem Bett und sah Taemin dabei zu, wie er mit dem Reißverschluss kämpfte. „Ich meine wer sagt dir, dass diese beiden Verbrechen was miteinander zu tun haben?“

„Ich denke nicht nur, dass es die beiden sind“, fuhr Taemin fort und war erleichtert, als der Reißverschluss sich endlich wieder löste. „Was ist damit, dass ich fast von einem Auto zermatscht wurde? Und der Tod meines Großvaters ein Autounfall war? Kann doch kein Zufall sein.“ Müde schnaufte er, als der Reißverschluss kurz vorm Ziel wieder einhakte. „Verdammtes Ding.“

„Das kann man ja nicht mit ansehen“, sagte Minho und drückte Taemin ein wenig zur Seite, damit er seinen Koffer schließen konnte. „Und du willst echt Jonghyun mitnehmen? Immerhin ist der nicht gerade feinfühlig.“

„Ich bin für jede Unterstützung dankbar, die ich kriegen kann“, meinte Taemin, versuchte aber gar nicht erst Minho darum zu bitten ihn zu begleiten. Er wollte ihn nicht auch noch unter diesen Druck setzen, sich ihm wegen Jisung verpflichtet zu fühlen.

Doch Jonghyun machte ihm da einen Strich durch die Rechnung: „Eunji will eigentlich, dass wir beide als zusätzlichen Schutz bei ihm sind, wenn er nach Nowon geht.“

„Das ist aber nicht nötig“, raunte Taemin schnell. „Ich will nicht, dass ihr euch dazu gezwungen seht, mir zu folgen.“

„Natürlich bin ich dabei“, rief Minho strahlend aus. „Ich hatte Angst du würdest gar nicht fragen!“ Eilig stürmte er zu seiner Seite des Zimmers und zog einen kleinen Koffer unter dem Bett hervor. „Außerdem habe ich mein ganzes Leben darauf gewartet hier endlich mal herauszukommen.“

Es ging Minho anscheinend nicht nur darum Taemin zu helfen. Nein, der Jüngere hatte das Gefühl Minho sehnte sich ein wenig nach Abenteuer. Vielleicht auch Freiheit.

„Na super“, meckerte Jonghyun und stand von seinem Bett auf. „Jetzt habe ich einmal gehofft, dass ich dich los bin und schon folgst du Taemin wie ein braves Hündchen.“

„Ich arbeite für ihn, nicht für dich. Also muss ich mich nicht rechtfertigen!“ Minho packte seine Sachen schneller zusammen als ein Blitz.

„Mach doch was du willst“, entgegnete Jonghyun ihm, der gerade noch einmal zu seinem Schrank lief und seine Hand hineinsteckte, bevor mehrere Piep-Töne erklangen. „Komm mal her, Taemin.“

Der Jüngere lief zu ihm und erkannte nichts anderes als einen kleinen Safe in Jonghyuns Schrank, aus dem er eine Schusswaffe hervor nahm, die ihm mehr als bekannt war.

„Du hast sie aufgehoben?“, rief Minho plötzlich als er darauf aufmerksam wurde. „Bist du bescheuert? Jisung hätte-“

Jonghyun antwortete Minho, war aber nicht gerade bei der Sache, sondern starrte Taemin weiter an: „Jisung hat mir den Safe zur Verfügung gestellt und mich gebeten die Waffe zu verstauen. Er hat sich die Möglichkeit offengelassen, falls Taemin sie eines Tages wiederhaben will. Damit hatte er mal wieder den richtigen Riecher.“

Damit hatte Jonghyun Minho wieder zum Schweigen gebracht und drückte Taemin die Pistole in die rechte Hand. Danach stellte er sich hinter ihn, griff um den Jüngeren herum und legte seine große Hand um Taemins, die noch etwas unbeholfen die Waffe hielt.

„Die drei unteren Finger legst du um den Griff, so etwa“, erklärte er und führte Taemins Hand so, dass er die Pistole richtig hielt. „Den Daumen legst du über die Seite darüber. Der Zeigefinger kommt auf den Abzug.“

Taemin zitterte innerlich sogar ein wenig, hoffte aber, dass Jonghyun es nicht merken würde. Die Hand, die seine umschloss, war so warm und der Atem, den Jonghyun während des Redens ausstieß, spürte Taemin an seinem Ohr und auf seinem Hals, was ihn umso nervöser werden ließ.

Zusätzlich packte Jonghyun jetzt noch nach seiner anderen Hand und legte sie als Stütze ebenfalls an die Waffe. „Für deine ersten Schüsse solltest du beide Hände benutzten, du bist den Rückstoß nämlich nicht gewohnt.“

Ihm wurde immer heißer. In diesem Moment war es fast so, als würde Jonghyun ihn von hinten umarmen und er konnte das, was das in ihm auslöste, überhaupt nicht verstehen. So etwas passierte zum ersten Mal mit ihm und deswegen fühlte er sich hilflos. Dabei wollte er doch genau darauf achten, was Jonghyun ihm erklärte.

„Diese kleine Erhebung da vorne, das ist das Visier. Eine Zielhilfe. Da musst du durchsehen, wenn du einen treffsichereren Schuss abfeuern willst.“

„Ok“, flüsterte Taemin, brachte seine Stimme aber kaum heraus. Jonghyun musste ihn irgendwie so sehr aus der Bahn gebracht haben, weil er ihn mit seiner Art verunsicherte. Das musste der Grund dafür sein, warum Taemin sich so verhielt. Er mochte die Nähe des Älteren einfach nicht. So war das!

„Wie du die Waffe entsicherst weißt du noch?“, wollte Jonghyun wissen, ließ aber immer noch nicht von Taemin ab.

„Äh“, stotterte er und nickte dann. „Ja. Ja klar.“

„Dann will ich dir mal glauben“, meinte Jonghyun. „Für‘s erste solltest du aber nicht damit schießen. Du hast keinerlei Erfahrung. Dafür solltest du erst mal üben. Aber dafür müsste man einen Platz haben, an dem man wirklich üben kann. Also benutze das Ding momentan nur im absoluten Notfall!“

Endlich beendete Jonghyun diese „Umarmung“, aber nur, um Taemin an den Schultern zu packen und ihn zu sich zu drehen. Seine Augen durchbohrten den Jüngeren fast, während er sprach. „Verstehst du? Du wirst nicht schießen, solange Minho und ich noch da sind, um dir zu helfen! Erst, wenn er und ich den Löffel abgegeben haben, kannst du dich damit verteidigen. Vorher könnte es uns alle in Gefahr bringen, wenn ein Anfänger um sich schießt.“

„Verstanden“, murmelte Taemin. „Dann hoffen wir mal, dass sie nicht zum Einsatz kommt.“

„Das hoffen wir alle“, meldete Minho sich zu Wort. „Ich werd dann mal meinen Eltern Bescheid geben. Die offizielle Version ist also, dass wir dich nach Nowon begleiten, um deinen Schutz zu erhöhen?“

Taemin nickte und machte sich dann von Jonghyun los. „Niemand sollte erfahren was wir wirklich vorhaben.“

„Na gut. Dann macht euch fertig. Wir sollten dann wohl demnächst los.“ Mit diesen Worten trat Minho aus der Tür und ließ Jonghyun und Taemin allein, was Taemin nicht gerade erfreute.

Es war eine merkwürdige Spannung zwischen den beiden und das schon, seit er neben Jonghyun eingeschlafen war. Der Moment mit der Pistole eben hatte nicht gerade dazu beigetragen, dass es lockerer zwischen ihnen wurde.

Dennoch wollte Taemin das herunter spielen und lief an ihm vorbei, zurück zu seinem Koffer und tat so als würde er ihn noch einmal öffnen wollen, um zu checken ob er auch alles dabei hatte, nachdem die Pistole in einem Seitenfach verstaut war.

„Lass das Ding lieber zu, sonst kämpfst du wieder damit ihn zu schließen“, meinte Jonghyuns Stimme wieder direkt hinter ihm, was ihn so erschrak, dass er sich umdrehen musste.

Der Ältere stand tatsächlich nur wenige Zentimeter von ihm entfernt und Taemin fragte sich, wie er es geschafft hatte sich so anzuschleichen.

„Na schön“, meinte Taemin. „Ich werd‘ schon alles dabei haben.“

Wieder wollte er sich aus dieser Nähe zu dem anderen entreißen und an Jonghyun vorbei gehen, hätte ihn dieser jedoch nicht wieder an den Armen festgehalten.

„Noch etwas wollte ich dir sagen, immerhin verbringen wir die nächsten Tage zusammen.“ Jonghyun lächelte frech und übte mehr Druck auf Taemins Arme aus, bevor er sagte. „Wenn du meine Nähe willst, dann kannst du es mir einfach sagen. Mich zu beobachten während ich schlafe ist dafür gar nicht nötig.“

Taemins Atmen stockte und sein Blick wandte sich sofort von Jonghyun ab: „Ich hab‘ nicht! Das war nicht...“

Der andere kicherte ein wenig zu selbstbewusst und fuhr dann mit seinen Händen ganz langsam über Taemins Unterarme: „Mach dir keine Sorgen, Kleiner. Ich habe nichts dagegen, wenn du auf mich stehst.“

„Spinnst du? Wie überheblich kann man sein?“, fuhr es aus Taemin, den Jonghyuns Eitelkeit wieder etwas mehr angetrieben hatte. „Halt dich besser von mir fern, Blödmann!“

„Oh und jetzt ist er wieder ganz arrogant“, sang der Ältere. „Haben wir die Ignoranz nicht schon hinter uns gelassen?“

„Wenn du so bescheuerte Sachen sagst? Wieso glaubst du denn überhaupt so einen Mist? Als hätte ich momentan den Kopf dafür dir hinterher zu schmachten!“ Aufgebracht nahm Taemin Abstand von ihm und schlenkerte mit seiner Hand herum.

„Hey, du hast mich zwei Mal beobachtet, nicht umgekehrt“, gluckste Jonghyun.

„Ja, aber doch nur weil...“

„Weil?“

„Taemin!“ Jinki, der gerade am Zimmer angekommen war und nach ihm gerufen hatte, war im bestmöglichsten Zeitpunkt aufgetaucht, um Taemin aus dieser Situation zu retten.

Jonghyun wandte sich von dem Jüngeren ab und lief zu seinem Bett zurück, während Taemin tief durchatmete.

„Habe ich euch irgendwie gestört?“, wollte Jinki wissen und sah zwischen den beiden hin und her. „Habt ihr euch gerade unterhalten?“

„Überhaupt nicht“, sagte Taemin schnell, bevor Jonghyun etwas Blödes sagen konnte und setzte sich auf sein Bett. „Was gibt’s?“

„Du willst gehen? Hättest du mir davor noch etwas gesagt?“, wollte Jinki besorgt wissen.

Taemin lachte. „Nein.“

„Was?“ Jinki stand wie angewurzelt vor dem Bett des anderen. Es musste ihn sicher verletzten wie Taemin mit ihm umsprang. Doch das war dem Jüngeren egal. Er hatte einen Grund so abweisend zu sein.

„Du hast mir lange auch nichts gesagt. Naja. Zumindest die wichtigsten Dinge wolltest du mir nicht sagen.“ Für Taemin selbst war es kindisch sich so zu verhalten, doch irgendwie konnte er nicht anders.

„Ich werde mit euch gehen!“, entschied Jinki und tat so als hätte er auch jegliche Erlaubnis dazu.

„Wie bitte?“, wollte Taemin wissen. Eigentlich hatte er nicht erwartet, dass sie noch jemand begleiten wollte, besonders nicht Jinki.

„Oh man, nicht noch einer“, beschwerte Jonghyun sich hinter ihnen.

Jinki warf Jonghyun einen verachtenden Blick zu, bevor er sich vor Taemin erklärte: „Glaubst du echt ich lasse dich mit den beiden allein? Minho ist ja noch ok, aber der Gossenjunge ganz sicher nicht.“

„Einfach unfassbar“, säuselte Jonghyun und wirkte dabei sogar recht amüsiert. „Mich nennt er Gossenjunge, dabei waren seine Eltern nie anders als ich.“

„Pass auf was du sagst!“, zischte Jinki. Taemin wusste, dass seine Eltern ihm sehr wichtig waren und noch nie Kritik an ihnen ertragen hatte.

„Taemins Großvater hat sie doch vorm Bankrott gerettet und seitdem waren sie brave Diener dieser Organisation. Jetzt verrat‘ mir doch wie du dich von mir unterscheidest.“ Jonghyuns Worte waren recht hart, doch er selbst wirkte immer noch so als würde ihn diese Diskussion mit Jinki erheitern. „Wären sie nicht gerettet worden, dann wärst du auf der Straße aufgewachsen.“

„Meine Güte, ihr geht mir alle auf den Wecker“, rief Taemin aus und hob seinen Koffer vom Bett. „Von mir aus komm mit, aber versprich mir, dass du mich von nichts abhalten wirst. Auch meine Mutter soll nichts erfahren.“

Jinki legte ein wenig seinen Kopf schief, bevor er fragte: „Was hast du vor?“


***

„Du weißt, dass die beiden ganz schön beleidigt waren, als du dich für mich entschieden hast?“ Jonghyun lachte und sah sich dabei gründlich im Zimmer um, nachdem er seine Tasche abgestellt hatte.

Taemin legte sich erschöpft auf sein Bett. Es hatte überhaupt nicht lange gedauert Nowon zu erreichen, doch es war eine Heidenarbeit gewesen das Wohnhaus der 3. Gruppe zu finden.
Letzten Endes hatten sie so viele Stunden damit verbracht dieses Haus zu finden, dass Taemin sich dafür entschieden hatte eine Nacht in einem nah gelegenen Hotel unter zu kommen. Zum einen, um die Fraktion nicht so spät zu überraschen, zum andern damit er sich von den ständigen Quengeleien seiner drei Gefährten erholen konnte.

Doch direkt im Hotel hatte es schon Probleme gegeben, nämlich mit der Frage, wer mit wem ein Zimmer teilen würde. Natürlich bestanden seine Bodyguards darauf, dass Taemin nicht allein in einem Zimmer sein sollte, also sollte er sich für einen entscheiden.
Diese Entscheidung fiel auf Jonghyun, auch wenn deren letztes Gespräch nicht gerade angenehm für ihn gewesen war.
Seine Entscheidung hatte nicht nur Jinki bestürzt, sondern auch Minho, der versucht hatte alles in seiner Macht stehende zu tun, um Taemin umzustimmen.

„Ich hatte die Wahl zwischen meinem besten Freund, auf den ich wütend bin und der mich heute Nacht bestimmt nicht hätte schlafen lassen; Minho, der zwar gar nicht so übel ist, aber heute den ganzen Tag alles in Frage gestellt hat was ich sage; Und dir. Du hast wenigstens akzeptiert, warum wir hier sind.“ Mit Absicht sprach Taemin nicht an, was zwischen den beiden stand. Er hatte auch keine Zeit dafür. Jonghyuns Egoprobleme musste dieser mit sich selbst lösen. Taemin würde ihm nicht auf die Arme springen und ihm sagen, dass er ihn beobachtet hatte, weil er ihn irgendwie interessierte. Aber er interessierte sich auch nicht auf die Art, die Jonghyun sich einbildete.

Der Ältere kicherte und sah aus dem Fenster des Hotels nach draußen.

Taemin hatte absichtlich um ein Zimmer relativ weit oben gebeten. Es war sicherer vor irgendwelchen Eindringlingen und es erinnerte ihn ein wenig an die Zeit, in der er selbst in einem Hotel gelebt hatte.

„Na immerhin hast du mir damit einen großen Gefallen getan“, meinte Jonghyun amüsiert. „Ich muss mich heute nach weder mit dem makellosen Minho, noch mit dem Bettelknaben auseinandersetzten. Da bist du mir echt deutlich lieber.“

Taemin stockte kurz. Er war Jonghyun also lieber? Damit er ihn wieder ärgern konnte, oder was?
Doch darauf ließ er es überhaupt nicht ankommen, sondern setzte sich auf, um den anderen anzusehen, während er fragte: „Jinki und du: Warum hasst ihr euch so sehr? Und was sollen diese blöden Namen, die ihr euch immer nennt?“

„Jinki ist kein Freund von Nachzüglern“, erklärte Jonghyun ihm direkt und lief dabei an Taemins Bett. „Er sieht in jedem eine potenzielle Gefahr, den er nicht schon seit seiner Geburt kennt. Er mag es nicht, wenn Leute zur Gruppe dazu kommen. Deswegen hatte er schon immer was gegen mich und meine Ansichten.“

„Und warum versuchst du nicht irgendwie mit ihm auszukommen?“, hakte Taemin nach.

„Weil ich niemand bin, der es einfach so auf sich sitzen lässt, dass er Gossenjunge genannt und missachtet wird, weil er von der Straße kommt.“ Jonghyun wirkte getroffen, nachdem er das gesagt hatte. „Besonders von jemandem, dessen Eltern auch auf der Straße hätten landen können, wären sie nicht vom Anführer gerettet worden.“

Taemin bedrückte Jinkis Vorgeschichte. Denn er erfuhr immer mehr über seinen besten Freund, was er am liebsten selbst von ihm gehört hätte: „Jinki hat mir nie davon erzählt.“

„Weil er darauf nicht stolz ist, Dummchen“, erklärte Jonghyun und Taemin ignorierte das letzte, damit der Ältere ungehindert weitersprechen konnte. „Er ist nicht stolz auf die Vergangenheit seiner Eltern, aber genauso wenig ist er stolz darauf, dass sie in diese Bande abgerutscht sind. Er hat es gehasst dort aufzuwachsen. Er hasst Verbrechen und Kriminalität aller Art. Er macht das ganze doch nur wegen dir mit.“

„Wegen mir?“

„Du bist echt naiv, oder?“, brummte Jonghyun und setzte sich dann neben Taemin. „Jinki hat sein Leben lang für jeden kleinen Groschen gearbeitet, um seine Schule zu bezahlen und auch den Studiengang, damit er in deiner Nähe sein konnte. Er hat das alles für dich getan. Nur wegen dir ist er noch in der Bande.“

Taemin senkte seinen Blick, da er Jonghyun nicht mehr in die Augen sehen konnte. War denn alles seine Schuld? Jinkis hartes Leben, vielleicht sogar der Tod seines Vaters? Immer hatte er damit zu tun.

„Mach dir keinen Kopf“, meinte Jonghyun plötzlich als konnte er Taemins Gedanken lesen. „Jeder muss sich um sein eigenes Leben kümmern und Jinki hat sich dafür entschieden. Er hätte das alles nicht tun müssen. Auch ich wurde vor die Wahl gestellt. Aber alles war besser als noch eine Nacht unter der Brücke zu schlafen.“

Taemin wurde neugieriger als er es ohnehin schon war, also stellte er weiter Fragen: „Wie bist du da überhaupt reingeraten?“

„Lass uns nicht darüber reden, ja“, blockte er ab und schüttelte seinen Kopf. „Ich bin nicht gerade stolz auf das, was passiert ist und warum ich hier bin. Ich mache meinen Job, um weiterzukommen. Das ist alles.“

Verständnisvoll nickte Taemin. Er hatte eigentlich kein Recht ihn so auszuquetschen. Jonghyun hatte es bestimmt nicht einfach gehabt. Sonst wäre er sicher nicht hier und würde jemandem wie ihm dabei helfen seinen Zwilling zu suchen.

Danach wechselte Jonghyun das Thema, um weiteren Fragen über seine Vergangenheit zu entgehen: „Wie kommt es eigentlich, dass du nicht einfach das Geld von deinem Vater genommen und damit einfach ein neues Hotel gebaut hast? Du hättest normal weiterleben können und müsstest dich auf das alles nicht einlassen.“

„Hast du echt gedacht ich wäre so feige?“ Taemin schob schmollend seine Unterlippe nach vorn.

„Um ganz ehrlich zu sein habe ich dich für viel verwöhnter gehalten als du eigentlich bist“, kicherte Jonghyun. „So eine Aktion hätte ich dir heute Morgen noch nicht zugetraut.“

„Na vielen Dank“, brummte Taemin, worauf der andere wieder zu kichern begann.

„Keine Sorge. Bald kenne ich dich gut genug, um dich besser einzuschätzen.“ Jonghyun rückte auf dem Bett ein wenig näher. „Wobei ich dich eigentlich schon sehr gut kenne. Aber das was man sieht ist längst nicht alles. Bei dir kommt es auch ganz deutlich darauf an, was in dir steckt. Denn das meiste lässt du nach außen gar nicht durch.“

Das brachte Taemin wieder ein unangenehmes Gefühl zurück, welches er sich jedoch nicht anmerken lassen wollte. Jonghyun hatte ihn lange genug beobachtet, um alle schlechten, arroganten, verzogenen und gemeinen Seiten von ihm zu kennen. Doch er hatte recht. Taemin war mehr als das, was er anderen zeigte.
Dennoch wollte er das Gespräch beenden und sich hinlegen, damit er weiteren aufdringlichen Aktionen von ihm ausweichen konnte. „Wir sollten schlafen gehen.“

„Wenn du das willst“, sagte Jonghyun, immer noch sehr amüsiert. „Willst du, dass ich neben dir bleibe?“

Schnell schüttelte Taemin den Kopf und nahm eine Abwehrhaltung ein. Er brauchte nicht noch einmal die Verwirrung, die eine solche Nacht mit sich bringen würde. Da schlief er doch lieber etwas schlechter. „Ich brauch keine Hilfe mehr. Einschlafen werde ich von ganz allein.“

„Na, wenn du meinst.“ Jonghyun stand auf und lief zu seinem Bett. „Aber wenn etwas ist, dann kannst du es mir sagen.“

„Wirst du schlafen?“

„Etwas. Minho wird heute Nacht wachbleiben und auf das Zimmer aufpassen. Aber keine Sorge. Mein Schlaf ist nie sehr tief. Das meiste was hier drin passiert werde ich schon mitbekommen“, erklärte Jonghyun und setzte sich auf sein Bett.

„Ok.“ Taemin legte sich hin und zog die Decke über seinen Körper. Dann schaltete Jonghyun das Licht aus und mit einem Mal war es fast komplett dunkel, bis auf das Licht, welches von der Straße hereinschien.

Für einen kurzen Moment glaubte Taemin sogar sich wohlzufühlen. Bis nach wenigen Minuten das Trauerspiel wieder begann.
Er wälzte sich herum, schrak öfter auf, schlief, wenn nur wenige Minuten und riss danach wieder die Augen auf, nachdem ihn böse Träume aus dem Schlaf rissen.
Es war zum verrückt werden. Er hatte geglaubt, dass die Nacht neben Jonghyun ihm soweit geholfen hatte, dass er ihn nun nicht mehr brauchte. Doch seine Schlaflosigkeit hielt an.

Er war dem Ganzen einfach nicht gewachsen.

Er setzte sich auf, so langsam, damit Jonghyun davon nicht geweckt werden konnte und griff nach dem Wasserglas neben seinem Bett, um einen Schluck zu nehmen. Seine Hand zitterte, sein Körper bebte und zum Schluss fiel ihm sogar auf, dass er in den wenigen Minuten, in denen er geschlafen hatte, sogar geweint hatte.
Er fuhr sich schnaubend mit dem Handrücken über die feuchten Augen. Er war es einfach nicht gewohnt so verletzt zu sein. Vielleicht brachte er es niemals auf die Reihe, alles wieder zu normalisieren. Er war doch schon immer psychisch angeknackst gewesen.

„Scheiße“, wisperte er und schüttelte den Kopf. Sie hätten genauso gut schon zur Fraktion gehen können. Diese Nacht brachte ihm sicher keine Erholung.

„Du weißt, dass es nicht schlimm ist, um Hilfe zu bitten?“

Der Jüngere fuhr zusammen als er Jonghyuns Stimme direkt neben sich gehört hatte: „Wie bist du-?“

„Rutsch mal“, fuhr der andere ihm ins Wort und schob Taemin dann zur Seite, damit er sich neben ihn setzen konnte. „Du bist ganz schön stolz oder? Findest du es echt so schlimm, dass wir langsam deine Schwächen kennen lernen?“

„Vielleicht“, flüsterte Taemin mit wackliger Stimme. „Vielleicht ist es auch deswegen schlimm, weil du keine Schwächen hast.“

„Ich und keine Schwächen, da muss ich echt mal lachen!“, sagte Jonghyun und grübelte kurz. „Ich hasse es Fehler zu machen. Am schlimmsten wäre es für mich zu Versagen... so wie ich bei Jisung versagt habe.“

„Was meinst du?“

„Bevor ich dich beschützt habe, habe ich für ein paar Wochen auf deinen Vater aufgepasst. Auch, wenn er nicht mehr meine oberste Priorität war, nachdem ich auf dich aufpassen sollte, so hab ich mich ihm immer ein wenig verpflichtet gefühlt. Als er gestorben ist, hab ich geschlafen erinnerst du dich?“

Taemin nickte.

„Ich glaube vielleicht wäre es gar nicht so weit gekommen, wenn ich wach gewesen wäre. Vielleicht hätte ich etwas hören können. Das alles irgendwie verhindern.“

Damit hatte Taemin nicht gerechnet. Der ach so starke Jonghyun hatte auch seine schwachen Seiten. „Das war doch nicht deine Schuld. Du warst so lange wach gewesen. Selbst wenn du etwas bemerkt hättest, die hätten dir bestimmt etwas angetan.“

„Vielleicht hast du recht. Vielleicht aber auch nicht.“

Die einkehrende Stille war die Gelegenheit, um ein wenig über alles nachzudenken. Für Taemin trug Jonghyun auf keinen Fall die Schuld und das wollte er ihm auch irgendwie mitteilen. Aber er konnte es nicht. Er fühlte sich wie gelähmt von seiner eigenen Verfassung, als dass er Jonghyun hätte gut zureden können.

„Jetzt kennst du auch eine meiner Schwächen, zufrieden?“, wollte der Ältere wissen und legte dann ganz locker einen Arm um Taemin. „Du hast deinen Vater auf eine sehr grausame Art und Weise verloren. Es ist ok zu trauern und Probleme zu haben. Du musst das alles nicht mit dir allein ausmachen.“

„Das sagst du so einfach“, murmelte Taemin und spürte wieder eine Träne, die sich aus seinen Augen stahl. „Wen hab ich denn?“

„Auch wenn du glaubst, dass die ganze Welt momentan gegen dich ist, bist du trotzdem nicht allein. Wir drei sind mit dir gekommen, weil wir an dich glauben.“

„Es ist doch nur dein Job“, meinte Taemin.

„Mittlerweile habe ich das Gefühl, es ist mehr als das.“ Etwas zögerlich griff Jonghyun an Taemins Kopf und drückte diesen an seine Brust. „Du bist mehr als nur ein Job. Du bist ein Teil von Jisung, der mich zu einem anderen Menschen gemacht hat. Und genau deswegen werde ich immer an deiner Seite sein.“

Taemin zischte als in diesem Moment seine Hemmschwelle aufgelöst wurde und weitere Tränen ihren Weg aus seinen Augen fanden. „... Ich... kann dich nicht leiden, Blödmann.“

Jonghyun kicherte. „Ich dich auch nicht, Kleiner.“
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