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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.09.2020 4.325
 
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Guten Abend ihr Lieben.

Ist etwas später geworden heute. Hoffe euch geht es gut!
Vielen Dank für eure Liebe und eure Unterstützung! <3

Love
Eure Nami

PS: Ab nächsten Montag gibt es eine neue Fanfiktion von mir! *-*
Schaut für den Uploadplan auf meinem Profil vorbei :*

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 12
Name: Abschied
Wörter: 4.214
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Kapitel 12: Abschied

Als er aufwachte fand er sich in der gleichen Situation wieder, in der er eingeschlafen war. Kurz hatte er geglaubt, er hätte das alles nur geträumt, aber ein kleiner Blick genügte, um zu wissen, dass Taemin immer noch in Jonghyuns Arm lag.

Er hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass ihm das so guttun würde. Tatsächlich hatte er geglaubt, dass Jonghyun mit allem scheitern würde und Taemin in der Nacht zurück ins Büro schleichen müsste, doch der Ältere hatte recht behalten. Taemin war schneller eingeschlafen als das er hätte mit dem Schäfchen zählen beginnen können.

Als er seinen Kopf ein anhob, um zu Jonghyun zu sehen, war er fast überrascht den Älteren mit geschlossenen Augen vorzufinden. Er schlief tatsächlich. Das erkannte Taemin an seiner ruhigen Atmung und den geschlossenen Augenlidern. So hatte Jonghyun damals auch ausgesehen, als Taemin ihm beim Schlafen zugesehen hatte. Glücklicherweise war dies niemals zwischen den beiden zur Sprache gekommen.

Um eine Wiederkehr einer solchen Situation zu vermeiden senkte Taemin seinen Kopf wieder zurück auf Jonghyuns Brust und schloss seine schweren Augenlider. Fünf Minuten wollte er einfach nur liegen bleiben und die Zeit genießen, in der er sich so erholt fühlte, wie schon seit Tagen nicht.

Auch wenn er einen holprigen Start mit Jonghyun gehabt hatte und sie beide gegenseitig noch abweisend waren, so spürte Taemin doch, dass sie immer besser miteinander auskamen. Sie verstanden sich mittlerweile so gut, dass sie nebeneinander einschlafen konnten. Das musste ja etwas heißen.

Hatte Jonghyun nicht erwähnt, dass man sich nur neben einer vertrauen Person wohl fühlen und gut einschlafen konnte? War Taemin für Jonghyun also auch so eine Person? Oder war es immer noch einfach nur ein Job für ihn? Taemin wollte sich eigentlich nichts einreden, denn er war eine Niete darin sich anderen anzuvertrauen und auch andere waren nicht gerade vertraulich mit ihm. Er hatte es immer schwer gehabt Freundschaften zu schließen und genau deswegen wollte er es mit Jonghyun oder auch Minho nicht überstürzen. Immerhin wurden die dafür bezahlt bei ihm zu sein.

Wieder einschlafen wäre dennoch nicht mehr möglich gewesen. Zwar war der Duft des Lavendelöls immer noch zu erschnuppern, aber allein seine Gedanken daran, wie Jonghyun zu ihm stand hielten ihn wach. Zudem fiel Taemin etwas auf, was ihm vorm Einschlafen nicht aufgefallen war, bestimmt weil er viel zu müde gewesen war.

Jonghyuns Eigengeruch. Dieser war recht süßlich und auch ein klein wenig parfümiert, doch er war richtig angenehm. Fast hätte Taemin den ganzen Tag so liegen bleiben können und an ihm riechen können, wäre ihm nicht aufgefallen, wie merkwürdig das klang. Für ihn war Jonghyun von Anfang an doch ein Idiot gewesen. Wieso dachte er nun an so merkwürdige Sachen?

Es war merkwürdig wie Taemin sich verhielt. Eigentlich hätte er doch mal auf die Uhr schauen und aufstehen sollen. Besonders an diesem Tag, denn der Leiter von Jongno wollte anreisen. Doch Taemin interessierte es überhaupt nicht. Es war als wurde er festgehalten von der angenehmen Wärme, der Entspannung und seines Geruchssinns.

„Na, gut geschlafen?“, knurrte Minho plötzlich, der der Lautstärke nach zu urteilen ziemlich nah an Taemins Bett stand.

Taemins Herz stolperte. Er hatte doch hoffentlich nicht mitbekommen, dass Taemin schon wach gewesen war und sich dazu entschieden hatte, sich wieder bei Jonghyun bequem zu machen? Gerade wollte er seine Augen öffnen, da begann jemand anderes zu sprechen:

„Ich schlafe nicht“, meine Jonghyun plötzlich und Taemin bekam eine Gänsehaut.

Jonghyun hatte nicht geschlafen?! Hatte er dann wieder mitbekommen, dass er ihn angestarrt hatte? Taemin wurde ganz heiß. Es würde sehr peinlich für ihn werden, wenn es tatsächlich so war.

„Sicher schläfst du nicht, deswegen hast du auch so friedlich ausgesehen“, äußerte Minho zynisch, der dem Älteren einen Vortrag hielt, der es in sich hatte. „Man Jonghyun! Ich muss mich auf dich verlassen können, was Taemins Sicherheit angeht. Es muss mittlerweile mit allem gerechnet werden. Das haben wir von zwei Wochen gelernt. Wir sind die einzigen, die auf ihn aufpassen und wenn die vor kurzem so nah an Jisung rangekommen sind, dann kann Taemin-“

„Könntest du bitte leiser sein, während du mir das sagst, was ich schon lange weiß? Wir sollten ihn nicht aufwecken. Er hat ein wenig Ruhe nötig“, fuhr Jonghyun ihm sanft ins Wort. „Glaub es oder nicht, aber ich habe nicht geschlafen. Ich hab‘ meinen Körper lediglich ein wenig runter gefahren, aber ich hätte jedes Geräusch mitbekommen. Keiner wäre ihm zu nahegekommen.“

Taemin wurde nervöser. Log er? Oder hatte er die Wahrheit gesagt, aber nichts davon mitbekommen, dass Taemin seinen Kopf gehoben hatte? Wollte er Taemin vor Minho einfach nicht in eine unangenehme Situation bringen?

„Deinen Körper runterfahren ist wirklich perfekt, sollte jemand seine Waffe auf Taemin richten. Das würdest du direkt mitbekommen, richtig?“, fauchte Minho, diesmal aber ein wenig leiser. „Jonghyun mach keinen Scheiß mit Taemin, ja? Das war das einzige, was Jisung uns aufgetragen hat und besonders jetzt dürfen wir ihn nicht enttäuschen. Wir dürfen bei diesem Job nicht einen Fehler machen. Wer weiß ob diese Typen nicht genau auf so einen Moment warten, in dem wir unachtsam sind.“

„Taemin wird kein Haar gekrümmt, solange ich in seiner Nähe bin“, stellte Jonghyun fest. „Sollte jemand ihm das gleiche antun wollen wie Jisung, werde ich dafür sorgen, dass sie sich die Kugeln in die eigenen Köpfe schießen.“

Taemin spürte, dass Jonghyun ihn etwas fester hielt, worauf sein Herz für einen Moment aussetzte. Der Ältere war so ernst, dass es ihn komisch fühlen ließ.
Es war merkwürdig mitzubekommen, wie die beiden über ihn redeten, aber er hatte auch gar nicht erwartet, dass vor allem Jonghyun diesen Job Taemin zu schützen so ernst nahm. Das stimmte ihn jedoch traurig. Wenn die beiden ihn so sehr beschützen wollten, würden sie dann nicht zwangsweise auch irgendwann verletzt werden? Oder auch sogar getötet?

„Es sollte gar nicht erst so weit kommen, dass sie die Möglichkeit haben ihm in den Kopf zu schießen“, beschwerte Minho sich. Er konnte es wohl einfach nicht ausstehen, wenn Jonghyun ihm Paroli bot. Jedes Mal musste er noch einen draufsetzen. „Und lass ihn in Zukunft allein schlafen. Hast du nicht bemerkt, dass es ihm unangenehm war, dass du dich ihm so aufgedrängt hast?“

„War es ihm unangenehm, oder dir?“, konterte Jonghyun und kicherte ganz leise. „Es geht dir doch nur darum Taemins Liebling zu sein. Es passt dir nicht, dass ich ihm helfen konnte und du mit deiner Nudelsuppe einen Fehlschlag gelandet hast. Halt dich ruhig für was Besseres, weil du hier aufgewachsen bist und ich von der Straße komme, aber sieh ein, dass ich mich nicht unter Wert behandeln lasse, besonders nicht von dir. Taemin scheint da nämlich auch keinen Unterschied zu machen. Kümmer’ dich also um deinen Kram und pass besser auf, dass du Jisungs dritte Regel nicht brichst, die war ihm nämlich am wichtigsten.“

Die dritte Regel. Schon wieder ging es um diese merkwürdigen Regeln. Aber was wollte Jonghyun damit anspielen? Womöglich, dass Minho Sympathien für Taemin hegte. Das war doch schon klar, immerhin verstanden die beiden sich recht gut.
Ging es hier also tatsächlich darum, dass Jonghyun Minho irgendwelche Gefühle für Taemin unterstellte?

So ein Unsinn.

„Glaub mir, Taemin weiß ganz genau, dass er bei dir aufpassen muss. Und was unsere Regeln angeht: Darauf solltest eher du Acht geben“, nörgelte Minho. „Ich bin nicht derjenige, der sich letzte Nacht an ihn ran gemacht hat, wie ein billiger Playboy.“

„Sagte die Eifersucht. Das nächste Mal solltest du darauf achten nicht so bitter zu klingen, dann würde ich dir deine Unsicherheiten vielleicht nicht anhören können.“ Jonghyun klang so gehässig, dass Taemin dessen schiefes Grinsen vor seinem inneren Auge erkennen konnte.

Die beiden waren wirklich alles andere als Freunde.

„Du kannst mich mal“, pöbelte der Jüngere und Taemin hörte, wie sich Schritte vom Bett entfernten. „Wenn Jisung das mitbekommen würde, dann würde er dich wieder auf die Straße setzen.“

„Vielleicht, aber du weiß auch, dass er meist hinter mir gestanden hat“, konterte Jonghyun. „Jetzt hat Taemin das sagen und das bedeutet, dass du ihn nun davon überzeugen müsstest mich wieder in die Gosse zurück zu schicken. Egal wie Taemin ist, zu sowas wäre er nicht fähig. Das wäre Jisung eigentlich auch nie gewesen.“

„Bild dir ruhig ein etwas Besonderes für die beiden zu sein“, meinte Minho nun mit etwas lässigerer Einstellung. „Du wirst nie etwas Besonderes für irgendwen sein, so arschig wie du dich verhältst.“

Dann, bevor sich die beiden vielleicht noch weiter in die Haare bekamen, öffnete Taemin seine Augen und streckte sich ein wenig, damit es so aussah als wäre er tatsächlich erst in diesem Moment aufgewacht.

„Damit hab ich gerechnet… Entschuldige“, sagte Jonghyun fast flüsternd. „Haben wir dich geweckt?“

Taemin blinzelte mehrfach und sah erst Jonghyun an und dann zur anderen Seite des Zimmers, wo Minho gerade dabei war sich umzuziehen. Also wandte er seinen Blick wieder zu Jonghyun zurück und schüttelte den Kopf. Er war ganz gut darin zu schauspielern, es fiel ihm also nicht schwer so zu tun als wäre er gerade erst wach geworden.

„Du warst ziemlich ruhig heute Nacht. Konntest du dich etwas erholen?“, wollte der Ältere nun wissen, während Taemin sich aufsetzte und damit die körperliche Nähe der beiden beendete.

„Er hat tatsächlich geholfen“, gab Taemin zu und kämmte sich mit den Fingern durch die Haare. „Danke.“

„Nichts zu danken. Es ist mein Job dafür zu sorgen, dass es dir gut geht.“

Taemin wollte es nicht, aber irgendwie traf es ihn, was Jonghyun sagte. Das alles war für ihn einfach nur ein Job. Vielleicht hielt er sich ja wirklich streng an die Regeln. Es konnte möglich sein, dass er Taemin nicht mal leiden konnte und einfach nur so tat; und diese Unsicherheit nervte ihn.

Als wäre überhaupt nichts gewesen, stand Jonghyun auf und streckte sich. Für ihn war diese Nacht sicher nicht angenehm, denn er hatte sich ja kaum bewegen können. Immer nur an der gleichen Stelle zu liegen und seinen Arm um Taemin zu halten, war bestimmt auf Dauer unbequem, vielleicht auch schmerzhaft gewesen.

Davon ließ sich der Ältere aber nichts anmerken: „Ich werd’ mal in der Küche nachsehen, was du zu dir nehmen kannst, ohne dass es deinen Magen gleich wieder reizt.“

Nachdem Jonghyun das gesagt hatte, spürte Taemin etwas in seinem Bauch poltern. Tatsächlich. Er hatte Hunger. Dieses Gefühl war ihm in den letzten Wochen ziemlich unbekannt gewesen. Ein Wunder, was ein wenig Schlaf aumachte. Er fühlte sich tatsächlich wie ein neuer Mensch.

„Danke“, sagte Taemin erneut.

Darauf schenkte Jonghyun ihm ein Lächeln, merkte aber erneut an. „Du musst dich nicht bedanken, Kleiner. Wie gesagt mache ich einfach nur meinen Job.“

Vollidiot, dachte sich Taemin und spürte, dass es ihm erneut einen kleinen Stich versetzte. Doch was hatte er eigentlich erwartet? Dass sie nebeneinander schliefen und am nächsten Tag beste Freunde werden? Bei Jonghyun konnte er sich das eigentlich überhaupt nicht vorstellen.

Doch er sehnte sich sehr nach so etwas. Eine Vertrauensperson, mit der er über alles sprechen konnte. Sein Leben lang war Jinki diese Person gewesen, bis Taemin alles über diese Organisation erfahren hatte.
Er hatte sich von seinem besten Freund abgewandt, weil er ihm nicht mehr vertraute. Das setzte Taemin sehr zu, denn nach dem Tod seines Vaters hatte er niemanden mehr, mit dem er wirklich sprechen konnte.

Er fühlte sich ziemlich allein. Vielleicht verletzten ihn Jonghyuns Worte deswegen so sehr. Das hatte vermutlich auch nichts mit Jonghyun selbst zu tun. Es war mehr Taemins eigene Schuld, dass es ihm so erging.

Minho, welcher nun komplett umgezogen war sprach erst mit Taemin, als Jonghyun aus dem Zimmer gegangen war. Doch er redete anders mit ihm, so freundlich und höflich. Er zeigte Taemin eine ganz andere Seite von sich. „Es ist schon zehn Uhr. Es freut mich, dass du so lange schlafen konntest.“

Zehn Uhr? Das war wirklich erstaunlich. Er musste mindestens acht Stunden geschlafen haben. „Mich auch. Ich hab das Gefühl wieder viel mehr schaffen zu können.“ Er stand auf und reckte seine Arme in die Luft. „Entschuldige, wenn ich in den letzten Tagen etwas garstig war. Ich glaube der Schlafmangel hat mich ganz schön verändert.“

„Kein Problem. Jeder hier kann verstehen, wenn du mal aus der Haut fährst, besonders in dieser Zeit“, erläuterte Minho ihm und lief zu Taemins Bett, um die Tasse von der Ablage zu nehmen. „Dein Tee. Du hast gestern gar nichts mehr davon getrunken.“

„Gib ihn mir“, sagte Taemin und nahm die Tasse an sich. „Er ist zwar kalt, hat aber bestimmt den gleichen Effekt.“

„Ich kann dir einen neuen machen“, schlug Minho vor.

„Nicht nötig.“ Taemin nahm einen Schluck des kalten, bitteren Getränks, aber es fühlte sich dennoch recht gut an. Sein Hals war ausgetrocknet, von daher hatte es tatsächlich etwas Gutes, dass der Tee noch herumgestanden hatte. „Was denkst du, wann Seojun ankommt?“

„Sicher in der nächsten Stunde“, antwortete Minho. „Du solltest dich fertig machen.“

„Klar.“ Taemin stellte den Tee wieder ab und lief zu seinem Kleiderschrank.

Ab heute würde etwas Neues beginnen, da war er sich sicher. Er hatte sich die letzten Tage genug Gedanken darüber gemacht und er war sich einem bewusst.

Er würde nicht weiter hierbleiben, nachdem Seojun das Kommando übernommen hatte.




„Das ist das Büro. Ich habe mich in den letzten zwei Wochen persönlich darum gekümmert, dass alles Wichtige sortiert und für eine neue Leitung bereit ist.“ Taemin betrat mit dem Mann das Arbeitszimmer seines Vaters.

Zum Teil war es seltsam, all das nun einem Fremden zu überlassen, aber Taemin war sich sicher, dass der Leiter von der Fraktion in Jongno mehr mit all dem klarkommen würde als er. Immerhin hatte Taemin keine Ahnung von diesen Geschäften. Er wusste vielleicht ein wenig, wie das mit Hotels funktionierte, aber für den Staat irgendwelche Aktionen zu organisieren und Schmuggler zu schnappen, hatte er von seinem Vater nicht gelernt. Taemin hatte stets nur darauf hinaus gearbeitet ein Hotelier zu werden.

Zudem war Seojun ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Mensch. Er hatte ihm als aller erstes sein Beileid ausgesprochen und ihm davon erzählt, welche Stützte sein Vater für diese Organisation gewesen war. Doch da Taemin nicht wirklich darüber sprechen wollte, war der Mann sensibel genug gewesen, um das Thema zu wechseln. Danach hatte Taemin ihn herumgeführt und ihm seinen neuen Arbeitsplatz gezeigt.

„Du hast sehr viel Arbeit erledigt in den letzten Tagen, stimmt’s?“, fragte Seojun und betrachtete sich die Ordner und Hängeakten, die Taemin sortiert hatte. „Ich denke es wird kein Problem mich bei diesem System zurecht zu finden.“

„Mein Vater war schon immer etwas chaotisch, da musste ich ein wenig eingreifen. Aber wenn es dir hilft umso besser“, sagte Taemin und verschränkte die Arme vor der Brust. Nur ein Mal hatte er seinen Vater in diesem Zimmer an seinem Schreibtisch gesehen, aber dennoch war es für ihn jetzt sehr merkwürdig einen anderen auf diesem Stuhl zu wissen. Das schlechte Gewissen kam in Schüben, doch Taemin war auch bewusst, dass sein Vater das alles niemals für ihn gewollt hätte.

„Na schön. Dann werde ich mich fürs Erste um die Leitung kümmern. Ich meine in Jisungs Fußstapfen werde ich nicht direkt treten können, aber ich werde mein Bestes geben“, erklärte der Mann und lächelte Taemin freundlich an.

Damit war für den Jüngeren alles Wichtige geklärt und es fiel ihm ein riesiger Stein vom Herzen. Er wusste, dass die Leute hier weiter in geordneten Strukturen leben würden. „Ich danke dir wirklich sehr.“ Taemin entfernte sich ein paar Schritte von ihm und stellte sich in die Tür. „Du bist für uns alle die letzte Rettung.“

„Das glaube ich nicht“, entgegnete er. „So wie das alles hier aussieht hättest du sicher dafür gesorgt, dass alles normal weitergelaufen wäre. Du solltest dich nicht unterschätzen.“

Taemin schüttelte den Kopf, da dieser Gedanke für ihn zu abwegig war. „Dazu wäre es nie gekommen. Ich wäre niemals an Vaters Stelle getreten.“

„Wieso nicht?“, fragte der andere nach.

„Weil ich erst vor drei Wochen von all dem hier erfahren habe. Mein Leben dreht sich eigentlich um etwas anderes. Für meine Eltern werde ich versuchen das alles hier wieder zum Laufen zu bringen, aber ich werde niemals ein Teil dieser Gruppe sein.“

„Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet“, sagte Seojun und seine Augen wanderten nervös hin und her. „Das bedeutet, wenn deine Mutter nicht irgendwann die Kraft findet die höchste Leitung hier zu übernehmen…?“

„Dann wäre es von Vorteil, wenn du dich an diese Stelle gewöhnen würdest und hierbleibst“, beendete Taemin seinen Satz. „Ich weiß es ist wirklich viel verlangt, aber...“

Seojun fiel ihm ins Wort, aber auch nur, da Taemin nicht genau wusste, wie er weitersprechen sollte. „Mach dir keine Sorgen, Taemin. Dein Großvater und auch dein Vater haben so hart für uns gearbeitet und deswegen werde ich es in ihrem Sinne weiterführen. Ich hoffe aber sehr, dass deine Mutter wieder auf die Beine kommt und diese Aufgabe in eurer Familie bleibt. Es wäre sehr schade, wenn diese Ära ein Ende fände.“

„Vielen Dank, Seojun.“ Taemin wollte sichergehen, dass dieser Mann wusste wie dankbar er ihm war und deswegen bedankte er sich nun zum zweiten Mal. Denn er glaubte, dass seine Mutter nicht die Kraft dazu hatte, die Leitung irgendwann wieder zu übernehmen.

Diese Frau war nach Jisungs Tod nämlich komplett zusammengebrochen. Kaum einer kam mehr an sie heran, nicht mal Taemin selbst. Sie verschloss sich in ihrem Zimmer, redete nicht und war nicht mal bei der Beerdigung ihres Mannes dabei gewesen. Für Taemin war es schrecklich, seine starke Mutter so zu sehen. Doch er hoffte sehr, dass sie diesen Schock bald überstehen würde. Denn er würde leider nicht für sie da sein können.

„Taemin?“, hörte der Jüngere plötzlich Jonghyun hinter sich sagen. „Verzeih die Störung, aber deine Mutter will dich sehen.“

Überrascht wandte Taemin sich nach hinten, um Jonghyun anzusehen: „Echt?“ Es war seit dem Tod seines Vaters nicht einmal vorgekommen, dass seine Mutter nach ihm gerufen hatte. Es musste sicher etwas Wichtiges sein.

Jonghyun nickte.

„Jonghyun“, rief Seojun plötzlich. „Nett dich wiederzusehen.“

Taemin schrak auf und sah die beiden abwechselnd an: „Ihr kennt euch?“

„Freut mich auch“, brummte Jonghyun, der seine übliche Abwehrhaltung angenommen hatte. „Sir...“

„Ich habe Jonghyun damals von der Straße geholt, deinen Vater kontaktiert und ihn hier abgesetzt. Es freut mich, dass er einen Platz hier gefunden hat.“ Seojun setzte sich etwas zögerlich auf den großen Stuhl hinter dem Schreibtisch und betrachtete die wichtigsten Papiere, die Taemin ihm schon hingelegt hatte. „Was ist jetzt deine Aufgabe, Jonghyun?“

Taemin war ein wenig verwundert. Davon hatte Jonghyun ihm noch gar nichts erzählt. Doch wieso hätte er das auch tun sollen? Die beiden waren ja keine Freunde oder so etwas in der Art... Dennoch war es merkwürdig. Er hatte sich nichts anmerken lassen, als Taemin von dem Leiter aus Jongno erzählt hatte.

Jonghyun rümpfte die Nase, statt dem neuen Anführer zu antworten, also übernahm Taemin das Reden: „Es war quasi der letzte Wille meines Vaters, dass er und ein weiterer in dieser Gruppe auf mich Acht geben. Ich habe das Gefühl, Vater hat es kommen gesehen, dass ein solches Unglück passiert. Er hat nur den Flaschen beschützen lassen.“

„Jonghyun wird seine Sache bestimmt gut machen, da bin ich mir sicher. Und glaub mir Taemin“, sagte Seojun und sah sehr ernst aus. „Es ist nie die falsche Entscheidung das eigene Kind zu beschützen.“

„Sicher“, murmelte Taemin leise und verbeugte sich. „Danke für alles. Ich würde dann gern nach meiner Mutter sehen.“

„Geht ruhig“, meinte der Mann und wandte sich erneut den Papieren zu. „Ich finde mich bestimmt zurecht.“



„Mum?“, fragte Taemin und trat mit Jonghyun im Schlepptau in das abgedunkelte Zimmer, in dem der Zigarettenqualm in der Luft stand. „Ist ja nicht auszuhalten.“ Nach Luft schnappend und eine Hand vor seine Nase haltend lief er zu einem Fenster, um die Rollos ein klein wenig zu heben und das Fenster für ein bisschen frische Luft zu öffnen. „Hier drin ist ja gar kein Sauerstoff mehr.“

Seine Mutter hatte in diesem Quartier ein Zimmer. Nun, da sie allein war, nutzte sie es als Rückzugsort, um niemandem zu begegnen.
Viel gab es in dem Zimmer auch nicht. Ein Bett, ein Schrank und ein Beistelltisch für einen Fernseher. Die Frau lag quer über dem großen Bett und starrte bei laufendem Fernseher an die Decke. Dieses Bild war für Taemin schon fast so schlimm, als seinen toten Vater zu sehen. Immerhin hatte er diese starke Frau noch nie in einer solchen Situation gesehen.

„Taemin, bist du’s?“, fragte Eunji, wartete aber lieber eine Antwort ab als aufzusehen.

„Ja“, antwortete Taemin und blieb ein Stück von dem Bett entfernt stehen. Er wollte ihr nicht näherkommen. Irgendwas in ihm hielt ihn vor ihr fern. „Jonghyun ist auch da.“

„Gut“, flüsterte sie. „Es ist gut, dass er bei dir ist. Dir soll nicht auch noch etwas passieren.“ Sie tastete neben sich nach der Fernbedienung und drückte auf den Knöpfen herum, bis der Fernseher verstummte.

Ihre Worte erinnerten Taemin so sehr an das letzte Gespräch mit seinem Vater, dass er schlucken musste. Den beiden war es immer nur um Taemins Sicherheit gegangen. Sie selbst waren für sich nicht wichtig. „Du wolltest mich sehen?“

„Ja, das wollte ich“, murmelte sie und ihr kraftloser Körper richtete sich auf. „Ich wollte mit dir reden. Denn ich finde du solltest auf deinen Vater hören. Geh nach Nowon. Versteck dich. Pass auf dein Leben auf. Besser du hältst dich was die Suche nach deinem Bruder angeht zurück.“ Sie redete zwar, doch Taemin war so abgelenkt von ihrer Art zu sprechen, dass er kaum mitbekam was sie sagte. Sie war so neben der Spur, sie konnte ihn nicht mal ansehen.

Doch das trieb Taemin noch mehr an, seine Entscheidung, die er in den letzten Tagen getroffen hatte, umzusetzen. Er musste es tun. Für sie und für seinen verstorbenen Vater.

„Ich werde nach Nowon gehen“, sagte er entschlossen. „Du hast recht, Mutter. Ich werde auf mich aufpassen.“

„Du willst weg?“, fragte Jonghyun plötzlich, völlig durcheinander. „Ist das dein Ernst?“ Er hatte ganz sicher nicht damit gerechnet, dass Taemin darüber nachgedacht hatte zu gehen. Daher hatte es ihn komplett unvorbereitet getroffen.

„Das ist gut so, Liebling“, murmelte die Frau und winkte ihren Sohn erleichtert zu sich.

Etwas widerwillig setzte Taemin sich in Bewegung und griff nach der ausgestreckten Hand seiner Mutter. Ihre Finger waren so kalt, dass es Taemin selbst schauderte.

„Bitte nimm Minho und Jonghyun mit, ja?“, forderte sie und drückte Taemins Hand immer fester. „Es würde mir besser gehen, wenn ich weiß, dass sie bei dir sind.“

Taemin nickte. Doch so zu tun, als wären die beiden sein Besitz oder seine Haustiere, die er immer überall mithin nehmen konnte, wollte er auch nicht. „Ich werde sie fragen, aber wenn sie nicht wollen, kann ich sie nicht zwingen.“

„Jisung hat uns gebeten dich zu beschützen“, brummte Jonghyun plötzlich, der nicht gerade begeistert über Taemins Entschluss schien, aber dennoch überzeugt klang. „Egal wo du hin gehst, da werde ich auch sein.“

„Das ist schön“, flüsterte die Mutter und legte sich wieder hin. Damit löste sich auch ihre Hand von Taemins. „Dann geh, Taemin. Geh und pass auf dich auf!“

„Mach’s gut, Mutter“, sagte Taemin und wandte sich von ihr ab, damit ihm der Abschied nicht zu schwerfallen würde. Viel Worte waren zwischen den Beiden sowieso nie nötig gewesen. Er wusste, dass sie ihn liebte und sie wusste, dass er sie liebte. Das Wissen genügte aus. Große Verabschiedungen oder Tränen war einfach nicht deren Art.

Schnell verließ er das Zimmer und Jonghyun folgte ihm auf dem Fuße. Taemin war nicht gerade darauf aus irgendwas zu erklären, bis Jonghyun aber nach Antworten verlangte.

„Du lässt deine Mutter zurück? Ist das wirklich in Ordnung? Dein Vater wurde auch angegriffen und wenn deine Mutter hier allein-“

Taemin unterbrach ihn: „Ich gehe nicht nach Nowon. Und selbst wenn ich dort hingehe, dann nur um Informationen zu sammeln.“

„Was? Informationen wofür?“, fragte Jonghyun, packte Taemin am Handgelenk und blieb mit ihm auf dem Flur stehen. „Taemin was hast du vor? Sag es mir.“

„Mein Vater ist dafür gestorben und jetzt ist es meine Aufgabe meinen Bruder zu finden“, entgegnete er ihm. „Ich werde Taesuk finden und ihn nach Hause holen. Vielleicht wird das meiner Mutter auch helfen.“

„Taemin du-“

„Versuch es nicht mir auszureden, du wirst meinen Entschluss nicht ändern können“, sagte Taemin. Er hatte sich lange genug Gedanken darüber gemacht und er war sich sicher. Nichts war ihm mehr wichtiger. „Du musst nicht bei mir bleiben, wenn dir das zu viel wird.“

„Ist das ein Scherz?“ Er sah Taemin vorwurfsvoll an als hätte dieser ihn gerade beleidigt oder ihm die schlimmsten Schimpfworte an den Kopf geworfen. „Ich denke ich habe mich vorhin deutlich genug ausgedrückt. Da wo du bist, da werde auch ich sein. Aber noch einmal sag ich es nicht.“

„Na schön...“, sagte Taemin, war aber tatsächlich erleichtert über die Einstellung des anderen. „Hast du meine Waffe noch?“

Jonghyun sah den jüngeren mit einem skeptischen Blick an. „Das Ding, dass du von diesem komischen Kerl bekommen hast? Wieso willst du die?“

„Für den Notfall? Kann nicht schaden, oder?“ Immerhin würden sie auf die Suche gehen nach Mördern, die mit explodierenden Kugeln um sich warfen. In Taemins Augen war es da besser sich irgendwie verteidigen zu können.

Der Ältere dachte nach, machte ein grimmiges Gesicht, zeigte letztendlich aber Einsicht. „Gut. Ich bring sie dir. Aber ich werde dir nochmal zeigen, wie man mit dem Ding umgeht, sonst schießt du dir damit nur noch selbst in den Fuß.“

Taemin lächelte. „Dann lass uns mal packen.“
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