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⓷  THE THIRD RULE  ⓷ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 Slash
Bangtan Boys EXO SHINee
27.04.2020
23.11.2020
16
69.959
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
31.08.2020 4.492
 
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Guten Tag meine Lieben <3
hier ist auch schon das neue Kapitel!
Ich bedanke mich bei euch für mittlerweile schon 5 Empfehlungen!!! Vielen vielen Dank :*
Ich hoffe ich enttäusche euch nicht und diese Geschichte gefällt euch weiterhin!

Wir sehen uns dann in 2 Wochen wieder für das nächste Kapitel!

Love
Eure Nami

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Diese Geschichte kann (davon abhängig wie sensibel man ist) verstörende Szenen beinhalten. Das Rating P18Slash ist jedoch zum größten Teil dafür, um mich für sexuelle Szenen abzusichern.

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Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

The Third Rule

Pairing: JongTae (weitere Pairings werden hier noch nicht gespoilert ^.^)

Kapitel: 10
Name: Umzug
Wörter: 4.367
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Kapitel 10: Umzug

Mit dem Knall der zuschlagenden Tür wurde Taemin aus seinem Schlaf gerissen. Er schlug seine Augen auf und schrak vor Überraschung in die Höhe. Jinki, der für diese Übernachtung brav neben Taemin geschlummert hatte, reagierte ähnlich und stieß sogar einen Laut aus, der an eine kämpfende Katze erinnerte. Wäre er nicht so müde gewesen, hätte er vielleicht darüber gelacht, dass sein Freund so zerknautscht aussah.

Er war jedoch noch nicht richtig wach und war selbst komplett von diesem Knall überfallen worden. Also murmelte er meckernd vor sich hin: „Man, was soll denn das?“
Er rieb sich den Schlaf aus den Augen und als er seine Hand wegnahm erkannte er Jonghyun, der an diesem Morgen wieder auf dem Schreibtisch saß und ihn beobachtete. Er sah kein bisschen müde aus, doch auch ihn hatte dieser Knall nicht ruhig gelassen. Er wirkte angespannt und wirkte sehr aufmerksam.

„Na, Dornröschen? Gut geschlafen?“ Jonghyun machte sich zwar wieder über ihn lustig, richtete seine Augen aber angestrengt auf die Tür des Zimmers. Es sah fast professionell aus, so wie er sich verhielt.

Bevor Taemin jedoch darauf kontern konnte, meldete sich Jinki zu Wort, der seine Beine aus dem Bett schwang und aufstand. „Ich schätze das ist Eunji. Ich bin gespannt, was ihr Gespräch mit Jisung ergeben hat.“

Neben Taemin war Jinki ein echter Frühaufsteher, was der Jüngere nie hatte nachvollziehen können. Diese gute Laune am frühen Morgen war nicht ansteckend, sondern nervenaufreibend. Aus diesem Grund war es gut so, dass Jinki, nachdem er das gesagt hatte, das Zimmer verließ, um nach dem Rechten zu sehen.

Der Jüngere streifte sich die zerzausten, schwarzen Fransen aus der Stirn und atmete durch. Wenn seine Mutter so früh am Morgen mit ihnen lange Gespräche über die Zukunft führen wollte, dann brauchte er zunächst eine heiße Dusche und mindestens noch drei Liter Kaffee. Anders würde er diesen Morgen sicher nicht überstehen, denn er fühlte sich wie vom Zug überrollt.

Die Geschehnisse des letzten Tages stecken ihm noch in den Knochen. Er gab es zwar nicht zu, aber seine Prellungen waren immer noch zu spüren und sein Kopf dröhnte bei dem Gedanken an all das, was er erfahren hatte.

Doch das Wichtigste spukte ihm im Kopf herum, seit er das Casino verlassen hatte:
Sein Zwillingsbruder.

Er erinnerte sich noch gut daran als Teenager viel Zeit im Internet verbracht zu haben, um zu Googlen wie es war einen Zwilling zu haben. So oft hatte er etwas gefühlt, was er nicht hatte erklären können. Mittlerweile glaubte er wirklich an dieses Band, dass zuließ, dass man immer wusste wie es seinem Geschwisterteil ging oder zumindest merkte, wenn der andere es schwer hatte und einen brauchte.

Müde warf er seine Beine aus dem Bett und spürte den kalten Boden auf seinen Füßen. Das gab ihm genug Antrieb, um aufzustehen, was er jedoch so schnell tat, dass ihm davon ein wenig schwarz vor Augen wurde und er taumelte.

„Vorsicht“, hörte er Jonghyuns Stimme und spürte dann auch augenblicklich starke Arme, die sich um ihn legten und dadurch stabilisierten. „Du hast nicht sonderlich gut geschlafen, du solltest langsamer machen.“

Erst als er wieder klare Sicht hatte erkannte er, dass Jonghyun ihn so gut wie im Arm hielt und deren Körper viel zu nah beieinander waren. Blut schoss ihm in die Wangen und er drückte den Älteren so fest von sich, wie er nur konnte. „Es ist ok. Woher willst du überhaupt wissen, dass ich nicht gut geschlafen habe?“

„Du warst unruhig, hast unverständliche Sachen gemurmelt und so gut wie jede halbe Stunde kurz deine Augen geöffnet“, berichtete Jonghyun über das, was ihm in der Nacht aufgefallen war und half Taemin damit sich zu erinnern.

Tatsächlich. Als er aufgewacht war hatte er es kurz vergessen, aber Jonghyun hatte recht. Er war ständig wach gewesen, hatte mehrere Stunden gar nicht geschlafen und war immer wieder wegen irgendwas aus seinem Schlaf gerissen worden. Keine guten Voraussetzungen, um einen normalen Start in den Tag zu haben.

Er gähnte und streckte sich. Er hatte eigentlich keine Lust darauf auf dem Weg ins Badezimmer seiner Mutter zu begegnen. Er war ja immer noch wütend auf sie, ihren Vater und auch Jinki. Doch all das, was er erfahren hatte, hatte es schwer gemacht sich weiter darauf zu konzentrieren sauer zu sein.

Doch er blieb nicht vor weiterem menschlichen Kontakt verschont. Minho, der wohl ebenfalls mit seiner Mutter angekommen war, streckte seinen Kopf ins Zimmer und lächelte freundlich. „Guten Morgen. Würdest du dich ein klein wenig beeilen? Deine Eltern warten in der Küche.“

Seine Eltern? Wie lange war es her, dass er ein ernstes Gespräch mit seinen Eltern führen musste? Das letzte Mal als er vielleicht zehn Jahre alt war und sie ihm erklären wollten, wie das mit Bienchen und Blümchen funktionierte. Bis heute hatte ihn diese anschauliche Erklärung ein wenig verstört.

Wie erwartet hatte er wohl keine Zeit noch eine Dusche zu nehmen und brummte vor sich hin. „Sicher.“

„Jong, du kannst Pause machen. Ich bin ja jetzt da“, sagte Minho und blickte zu dem anderen herüber. Kurz glaubte Taemin sogar, dass es fast eine Art Überheblichkeit von Minho gewesen war sowas zu sagen. Als wäre es wichtiger, dass er da war und Jonghyun nur eine Art… Minho-Ersatz.

Wie erwarten sah Jonghyun darauf nicht gerade glücklich aus. Zudem stand er für Taemin eigentlich noch immer zu nahe. Es erleichterte ihn sogar ein wenig zu wissen, dass er gleich Pause machen und ihn deswegen nicht mehr anstarren würde.

Doch auch das war Taemin nicht vergönnt. „Ich bleibe, immerhin bin ich noch nicht müde.“

„Du bist seit über 24 Stunden wach. Du solltest schlafen gehen“, versuchte Minho ihn zu überzeugen. Auf Taemin machte es fast den Eindruck als wollte er, dass Jonghyun ging. Die beiden waren wohl nicht die besten Freunde. Doch das war Taemin auch schon vorher klar gewesen. Durch solche Worte wurde es ihm nur noch etwas klarer.

Jonghyun blieb dennoch stur: „Ich will wissen, wie es jetzt weiter geht, immerhin ist das auch mein Job. Die paar Minuten halte ich schon noch durch.“

„Na, wenn du meinst“, murmelte Minho und winkte Taemin dann zu sich. „Kommst du?“

„Darf ich vorher wenigstens kurz ins Bad?“, wollte Taemin wissen, der sich vorkam, als müsste er sich gleich einem Verhör unterziehen und musste von Minho abgeführt werden wie ein Krimineller.

„Äh... ja klar“, antwortete Minho, der bemerkte, dass Taemins Laune nicht gerade gut war und deswegen etwas vorsichtiger mit ihm wurde. „Wir werden dann in der Küche auf dich warten. Lass dir Zeit.“

„Sehr freundlich“, zischte Taemin, kramte schnell ein Outfit aus einer Kommode und lief an Minho vorbei aus der Tür.
Er lief auf direktem Weg zum Badezimmer, damit er allen anderen Personen in der Wohnung ausweichen konnte.

Gerade als er die Tür hinter sich schloss hielt er jedoch inne. Denn er konnte Jonghyun hören, der wohl Minho ansprach. „Du hast echt keinen Stolz, oder? Hat er dich etwa schon so sehr an der Leine, dass du bei ein paar kleinen Worten schon zurückhaltend wie ein Welpe wirst?“

„Sei still“, fuhr Minho ihn an. Es klang fast so, als wollte er Jonghyun am liebsten an die Kehle springen für diese Aussage.

„Ich mein ja nur. Du gehst ganz schön leichtsinnig damit um“, fügte Jonghyun hinzu, während beide am Badezimmer vorbeikamen. „Dieser Job hat dich angreifbar gemacht. Genau das hätte doch verhindert werden sollen.“

„Glaub doch was du willst.“

Mehr konnte Taemin nicht mehr hören, obwohl er sich sehr wünschte mehr von diesem Gespräch mitzubekommen. War es da etwa um ihn gegangen? Und was bedeutete, dass Minho sich durch diesen Job angreifbar machte? Ging es darum, dass Minho eben nachgegeben hatte und ihn nicht gezwungen hatte direkt mit in die Küche zu kommen? Nein, das wäre doch reichlich blöd.

Doch die Antworten würde er nicht bekommen, wenn er weiter regungslos an der Tür stehen bleiben würde. Also lief er zum Waschbecken, um sich ein wenig frisch zu machen.

Aus Trotz ließ er sich aber Zeit. Wieso sollte er sich überhaupt beeilen? Seine Familie hatte ihn so lange hintergangen, da konnten sie auch mal auf ihn warten. Also schälte er sich aus seinem Pyjama, und stieg für fünf Minuten unter die Dusche, um seinen Körper und seine Haare schnell zu waschen. Danach schlüpfte er in eine Sporthose und einen weiten, warmen Hoodie, putzte sich die Zähne und verließ dann nach circa fünfzehn Minuten das Badezimmer.

Es enttäuschte sogar ihn fast ein wenig, dass die, die in der Küche auf ihn warteten sich nicht beschwerten, sondern ihn mit freundlichen Worten empfingen. Er hatte sich eigentlich schon darauf vorbereitet mit ihnen in ein Wortgefecht zu geraten, bei dem er sicherlich gewonnen hätte. Vielleicht waren sie deswegen so vorsichtig, weil sie wussten, dass er recht behalten würde.

„Guten Morgen, Junge“, sagte Jisung mit einem Lächeln im Gesicht. „Setz dich doch bitte.“

Sein Vater, seine Mutter und Jinki hatten an dem Küchentisch Platz genommen und einen Stuhl für ihn frei gehalten, auf dem er sich niederließ.
Minho stand lässig an den Kühlschrank gelehnt. Ihm sah man nicht an, dass er sich vor wenigen Minuten noch mit Jonghyun fast in die Haare bekommen hätte.
Und dieser Unruhestifter hatte sich auf die Küchenplatte neben den Herd gesetzt. Taemin wunderte sich, warum seine Mutter ihn nicht schon längst vor dort runter gescheucht hatte. Sonst war sie doch auch immer so penibel mit ihrer ordentlich geputzten Küche gewesen. Doch diesmal nicht. Sie hatte wohl andere Probleme, denn sie sah mitgenommen und erschöpft aus, ebenso wie Taemins Vater.

„Wieso hab ich das Gefühl, dass dieses Gespräch alles andere als angenehm wird?“, frage Taemin und hatte eigentlich vor gehabt damit die Stimmung ein wenig zu lockern. Doch nichts. Die ernsten Mienen verweilten und die angespannte Stimmung war deutlich zu spüren.

Jinki griff nach der Kaffeekanne und schenkte Taemin ungefragt etwas davon in eine Tasse, die direkt vor ihm stand. „Vielleicht sollten wir nochmal in Ruhe darüber reden, bevor wir solche Konsequenzen ergreifen und ihn vor vollendete Tatsachen stellen.“

Taemin nahm die Tasse an sich, war aber von Jinkis Aussage seinen Eltern gegenüber so verwirrt gewesen, dass er zunächst nichts davon trinken konnte. „Solche Konsequenzen? Was ist denn passiert?“

„Hör zu“, begann der Vater und sprach so ruhig, wie Taemin ihn noch nie sprechen gehört hatte. „Deine Mutter und ich haben gründlich darüber nachgedacht und auch, wenn sie nicht ganz meiner Meinung ist...“ Er machte eine Pause und sah kurz zu seiner Frau, die schnaufend in eine andere Richtung sah. „Bin ich zu der Entscheidung gekommen dich wo anders unterzubringen.“

Taemin, der seine Hände krampfhaft um die heiße Tasse klammerte sah zwischen seinen Eltern hin und her. „Wo anders unterbringen? Das heißt ich soll schon wieder umziehen?“

„Sozusagen“, bestätigte Jisung und warf dann einen kurzen Blick zu Minho. „Ich fände es das Beste, wenn du von jetzt ab immer mit Minho und Jonghyun zusammen bleibst. Deswegen wäre es wohl gut dich in einem unserer Quartiere zu verstecken.“

„Verstecken? Glaubst du echt, ich würde mich in einem verrammelten Zimmer über einem Casino verkriechen? Vergiss es“, brummte Taemin und nahm nun einen Schluck aus der Tasse, wobei er sich fast die Zunge an dem Getränk verbrannte und darauf durch den Mund atmen musste, um sie zu kühlen.

„Es wird auch nicht im Casino sein“, erklärte der Vater und hielt Taemins wuterfüllten Blicken stand. „Meiner Meinung nach wäre es das Beste dich in der Fraktion Jongno unterzubringen.“

„Was?“, sagten zwei Personen gleichzeitig. Es war nicht nur Taemin, den diese Entscheidung gestört hatte. Auch Jonghyun hatte das wohl auf dem falschen Fuß erwischt.

„Hast du ein Problem mit Jongno?“, wollte Jisung von ihm wissen und drehte sich zu dem, der auf der Arbeitsplatte saß.

Jonghyun sah für einen Moment ein wenig sprachlos aus, fand aber dann ganz schnell seine Worte wieder. „Jongno ist doch viel zu mittig gelegen. Lebt er zentral kann er doch von allen Seiten gefunden werden.“

„Und was schlägst du dann vor?“

„Die Fraktion in Nowon liegt am nördlichsten Rand der Stadt“, erklärte Jonghyun. „Zudem hast du mir doch gesagt, dass sie dort in einem normalen Wohnhaus zusammenkommen. Es ist also die unscheinbarste Station.“

„Ich sag das nur ungern, aber Jonghyun hat recht“, unterstützte Jinki ihn. „Die Gruppe in Jongno lebt zudem in einem Untergrund liegenden Versteck. Dass Taemin weg soll alles gut und schön, aber er wird doch verrückt, wenn er die ganze Zeit unter der Erde hockt.“

„Ist eigentlich jedem hier egal, wie ich das Ganze sehe?“, wollte Taemin wissen, der die anderen für eine gewisse Zeit hatte einfach reden lassen. „Ich fang doch nicht an, mich einfach zu verstecken, nachdem ich von all dem weiß.“

„Na bitte“, rief Eunji und sah Jisung auffordernd an. „Ich habe es dir gesagt. Taemin ist niemand, der sich einfach weg sperren lässt.“

Damit hatte seine Mutter mal ausnahmsweise recht. Er hat es von je her gehasst Hausarrest zu bekommen oder im Hotel eingesperrt zu sein, wenn vor der Tür Journalisten auf ihn gegeiert hatten. Taemin wollte seine Freiheiten nicht hergeben, die sowieso schon sehr eingeschränkt waren. Er konnte ja kaum in die Stadt gehen, ohne von jemandem erkannt zu werden, als der Sohn, dessen reicher Vater plötzlich verschwunden war und seine Hotels abreißen ließ.
Doch er wollte nicht auch noch die Möglichkeiten, die ihm noch blieben, verlieren, um an die frische Luft zu kommen.

Außerdem war ihm noch etwas wichtiger: „Ich gehe von mir aus mit euch in die Fraktion in Gangnam, aber nicht, um mich dort zu verstecken.“ Er machte eine Pause und sah dann seinem Vater eindringlich an. „Ich will dabei helfen Taesuk zu finden.“

„Das kannst du vergessen“, brummte der Vater.

„Jisung!“, beschwerte sich die Mutter. „Ich habe dir gesagt, dass es so kommen wird. Er wird sich all dem stellen müssen. Immerhin ist er mein Sohn.“

„Er ist unser Sohn und wir haben schon einen verloren“, verbesserte Jisung seine Frau und verhakte seine Finger ineinander. „Es wird so geschehen, wie ich das sage! Taemin wird nach Nowon gehen!“

„Denkst du echt du hast das Recht zu entscheiden, was ich tue?“, wollte Taemin wissen und lachte. „Ganz ehrlich? Ich bin zwanzig Jahre alt, somit darf ich tun was ich will. Außerdem bist du derjenige, der gegangen ist. Glaubst du, ich höre da noch brav auf dich, als wäre nie etwas gewesen?“

„Das solltest du-“

Taemin unterbrach seinen Vater: „Ihr habt mich mit dem Gedanken großgezogen mein Bruder sei tot. Dabei habt ihr es nie ganz sicher gewusst. Ihr habt mich belogen und mir eingeredet, dass ihr überhaupt keine Ahnung habt, warum ich diese scheiß Ohnmachtsanfälle habe. Ihr habt mich von zwei mir völlig Fremden beschatten lassen, die mich sogar beim Schlafen beobachtet haben. Ich werde entscheiden, wie ich weiterlebe! Ihr habt da kein Wort mehr mitzureden!“

„Junge“, sagte der Vater und ließ einen Vorwurf folgen. „Ist das der Dank dafür, dass wir dein Leben beschützt haben?“

„Ihr hättet mich beschützen können, selbst wenn ich davon erfahren hätte. Nur dann wäre ich mir nicht halb so bescheuert vorgekommen, wie jetzt!“

Nach diesem Gefühlsausbruch stand Taemin auf und wollte die Küche verlassen, wurde jedoch von Jinki am Handgelenk festgehalten. „Es ist ok, wenn du deine Meinung dazu hast. Aber es geht nicht, einfach wegzurennen.“

„Du hast mir ebenso wenig etwas zu sagen. Du bist ein Lügner wie sie“, entgegnete der Jüngere ihm und riss sich aus seinem Griff.

Jinki wurde wütend: „Wir haben das doch alle nur-“

„Ok, es reicht“, schrie Jisung mit erhobener, angsteinflößender Stimme. Er schlug mit der Faust so hart auf die Tischplatte, dass die Tassen darauf kurz bebten und aus Taemins sogar ein klein wenig heraus schwappte. „Raus! Alle. Taemin: Du bleibst hier!“

Das war ein Machtwort, dem keiner sich zu widersetzen traute. Selbst Taemin, der eigentlich darauf aus gewesen war, vor niemandem Kleinbei zu geben blieb wie angefroren stehen und traute sich kaum, sich zu rühren. Denn so hatte er seinen Vater noch nie erlebt.

So lange, bis alle anderen die Küche verlassen hatten war es ruhig. Taemin rechnete mit dem größten Donnerwetter, das er von seinem Vater je bekommen hatte. Doch es war ganz anders.

Er war ruhig, seine Stimme ebenso. „Mit dem, was du sagst hast du mir zwar bewiesen, dass du es wirklich willst, aber glaub mir: So einfach wie es klingt deinen Bruder zu suchen, so schwer ist die Umsetzung. Sieh mich an. Nächtelang bleibe ich wach, verbringe meine Zeit damit unsere Feinde zu jagen und das ist aus mir geworden.“

Mit Grauen betrachtete Taemin seinen angeschlagenen Vater. Es war ihm schon am Tag zuvor aufgefallen, wie er aussah, doch ihm war nicht bewusst gewesen, weswegen es so war. Doch auch, wenn Taemin nicht so enden wollte, er wollte trotzdem nicht aufgeben. „Du traust es mir also nicht zu?“

„Natürlich traue ich dir so eine Aktion nicht zu!“, äußerte Jisung zur Enttäuschung seines Sohns. Jedoch gab er ihm auch anschließend eine plausible Erklärung. „Du hast von je her ein einfaches Leben gelebt. Hast alles bekommen was du wolltest. Du weißt nicht, was es heißt sich vor Arbeit die Nächte um die Ohren zu schlagen. Du hast noch nicht einmal um dein Leben laufen müssen. Du weißt doch noch nicht mal, wie man mit einer Waffe zielt.“

Taemin schnaufte. Sicher. Das hatte Jonghyun ihm also auch erzählt. „Ich bin nicht so schwach wie ihr alle denkt!“

„Doch bist du“, entgegnete er ihm. „Du hättest doch nicht mal genug Kraft in den Armen um beim Armdrücken gegen deine Mutter zu gewinnen.“

„Willst du mich für blöd verkaufen?“

„Nein, ganz ehrlich. Nicht mal ich schaffe das“, sagte er und kicherte als würde er die Situation auflockern wollen.

Doch Taemin war ganz und gar nicht zum Lachen. „Mein Bruder ist vielleicht irgendwo da draußen. Bitte verlange nicht von mir rumzusitzen und darauf zu warten, dass ich ihm irgendwann mal aus Zufall über den Weg laufe.“

„Er ist dein Bruder, das stimmt. Dass du ihn suchen willst ist verständlich. Aber er ist auch mein Sohn. Ebenso wie du mein Sohn bist. Ich würde es nicht ertragen dich auch noch zu verlieren, verstehst du das nicht?“

„Ich muss mich doch nicht in zu große Gefahr begeben“, schlug Taemin vor und sagte dann etwas, ohne großartig darüber nachzudenken. „Minho und Jonghyun sind doch da. Sie können an meiner Seite bleiben. Du magst die beiden doch, oder? Wäre das nicht ein Kompromiss?“

Jisung schwieg. Für Taemin war das jedoch ein gutes Zeichen, denn er kannte es sehr gut. Diese Falten in der Stirn und der leicht nach unten gebogene rechte Mundwinkel. So sah sein Vater immer aus, wenn er ihm etwas nicht mehr abschlagen konnte.

Also setzte Taemin noch einen drauf, um die Entscheidung seines Vaters einfacher zu machen. „Ich bitte dich. Lass es mich versuchen. Wenn es mir zu viel wird oder du glaubst, dass ich nicht gut genug für den Job bin, dann kannst du mich immer noch nach Jongno oder Nowon schicken.“

Sein Vater stand auf. Kurz glaubte Taemin, er würde nein sagen, als er auf ihn zu kam und sich vor ihm aufbaute wie ein Bär vor seiner Beute. Doch kurz darauf breitete Jisung seine Arme aus, legte sie um Taemin und zog ihn an seine Brust, bevor er murmelte: „Ich erlaube es dir. Aber bitte versprich mir, dass du alles mit mir absprechen wirst. Jonghyun und Minho werden immer an deiner Seite sein. Es darf dir nichts passieren.“

„Danke“, flüsterte Taemin und die Wärme seines Vaters durchströmte seinen ganzen Körper. Danach hatte er sich so unendlich lange gesehnt. „Es wird alles gut gehen.“

„Ich liebe dich so sehr, mein Junge“, sagte er leise und tätschelte seinen Kopf. „Du, dein Bruder und deine Mutter. Ihr drei seid die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Deswegen bin ich so stur.“

„Ich versteh schon“, meinte Taemin und lehnte sich etwas mehr an seinen Vater an.


***



„So, das wird deine Unterkunft, solange du hier bei uns in Gangnam bist“, erklärte Minho, der mit Taemin durch das obere Stockwerk des Casinos lief und den Koffer des Jüngeren neben einem der drei Betten in dem geräumigen Raum abstellte.

Taemin staunte. Die Menschen in dieser Organisation lebten wirklich nicht schlecht. Es war klein übertriebener Luxus, aber schon mehr, als man hätte erwarten können. Große betten, geräumige Schränke, dekorative Einrichtung, dunkle Holzböden und eine warmer Beigeton an den Wänden. Es fühlte sich fast an, wie in einem recht guten Hotel unterzukommen.

„Jonghyun und ich nutzen das Zimmer eigentlich nur zum Schlafen“, bemerkte Minho noch und zeigte auf das Bett in der hinteren Ecke, direkt vor einem mit Vorhängen bedeckten Fenster. Dort sah Taemin eigentlich nur eine atmende Delle unter einer Decke, die er als Jonghyun identifizierte. Dieser hatte sich nämlich schon vor mehreren Stunden zurückgezogen, um seinen Schlaf nachzuholen.

Taemin blieb nichts anderes übrig, als genervt auszuatmen. Er hatte zwar vorgeschlagen, dass Minho und Jonghyun in seiner Nähe bleiben sollen, aber so nah? Er konnte sich kaum vorstellen wie es sein würde das Zimmer mit Minho und Jonghyun zu teilen, zumal immer einer von beiden ihn beim Schlafen beobachtete.

„Wie viele wohnen eigentlich hier oben?“, wollte Taemin wissen, sprach aber leise, nachdem er realisiert hatte, dass Jonghyun gerade schlief.

„Hier in Gangnam befindet sich zwar mit deinem Vater der Chef, aber wir sind zu den anderen beiden Kollektiven die kleinste Gruppe. Mit deiner Familie sind wir zu zehnt.“ Minho achtete überhaupt nicht auf seine Lautstärke und war auch darauf aus Taemin alles detailreich zu erklären. „Du, deine Eltern, Jinki, dessen Eltern, Jonghyun, meine Eltern und ich.“

„Und warum ist diese Gruppe hier so klein?“, wollte Taemin noch wissen und hievte seinen vollgepackten Koffer auf sein Bett.

„Gangnam ist ein beliebtes, aber zugleich gefährliches Gebiet. Nur die wenigsten sind hier stationiert, um unauffällig zu bleiben. Wenn zu viele in diesem Casino ein und ausgehen würden, wäre das nicht gerade ein gutes Versteck.“ Minho half dem Jüngeren ungefragt dabei seinen Koffer zu öffnen, war auch dabei nicht gerade bedacht, leise zu sein. „Die meisten Leben in Jongno mit knapp 25 Personen. Wie du sicher heute Morgen mitbekommen hast haben die eine Art Untergrund-Versteck. Und ungefähr 15 Personen sind noch in Nowon in einem kleinen Wohnhaus.“

„Verstehe“, sagte Taemin und hob einen Stapel an Kleidung aus dem Koffer. „Ich werd‘ dann mal auspacken.“

„Gut“, meinte Minho. Sein Blick schweifte kurz zu Jonghyun und sein Ausdruck war ein wenig enttäuscht. Vielleicht, weil er ihn wegen seiner Lautstärke nicht geweckt hatte. Waren die beiden etwa so darauf aus sich zu necken, dass er sogar darauf gehofft hatte? „Ich werde dann kurz bei meinen Eltern vorbeisehen. Wenn etwas ist, kannst du einfach laut schreien. Aber hier wird bestimmt nichts passieren.“

Taemin nickte, damit er nicht mehr antworten musste. Egal wie seine Ansicht über Jonghyun war: Der Ältere war so lange wach geblieben, um auf ihn aufzupassen. Er musste ihn jetzt nicht auch noch unnötig reizen, indem er ihn weckte.

So verließ Minho dann das Zimmer, jedoch nicht ohne die Tür etwas lauter als nötig zu schließen.

„Man“, sagte Taemin ohne Stimme und lief dann mit dem ersten Stapel an Kleidung zu dem großen Kleiderschrank neben seinem Bett. Er hatte nicht sonderlich viel mitgenommen, nur das Wichtigste: Ein paar Outfits, Drogerieprodukte, Handy, Laptop und Ladekabel. Den Rest hatte er in seiner Wohnung gelassen. Sein Studium war fürs Erste sowieso gestrichen. Er hätte überhaupt keine Konzentration dafür.

Die paar Sachen waren schnell ausgepackt, und dann saß Taemin schon nach circa zehn Minuten auf seinem Bett und starrte in die Leere. Viel zu entdecken gab es nicht und er hatte sich schon an der Einrichtung satt gesehen. Die kleinen Ablagen über den Betten, die mit Lichtern ausgestattet waren, waren wohl das Highlight des Zimmers.

Er konnte einfach nicht verhindern, dass sein Blick ab und an bei Jonghyun, oder eher bei der in einer Decke eingerollten Raupe, hängen blieb. Es war wirklich etwas irreal für Taemin, dass Jonghyun so ruhig und friedlich war. Das hatte er sich bei all den bisherigen Begegnungen mit ihm nie vorstellen können. Dass er bei dem angeschalteten Deckenlicht schlafen konnte wunderte ihn auch…

Neugierig stand Taemin auf und schlich auf Zehenspitzen quer durch den Raum. Jonghyun musste einen sehr tiefen Schlaf haben und das wollte er sich genauer ansehen.
Als er dem Bett näher kam konnte er das Gesicht des anderen erkennen, das aus diesem Decken-Cocon herausguckte.
Jonghyuns Augen waren geschlossen, sein Gesicht entspannt. Er schlief tatsächlich tief und fest und sah dabei so aus, als wäre er der unschuldigste Mensch der Welt.

Taemin ging direkt vor dem Bett ein wenig in die Hocke, um ihn sich genauer zu betrachten. Er hatte schon immer das Gefühl gehabt, dass Jonghyun ein außerordentlich hübscher Mann war. Genau in diesem Moment wurde ihm das umso klarer. Sein Gesicht wirkte so symmetrisch und seine Haut war makellos, mit einem schönen mandelbraunen Teint.

Er gab es nicht gern zu, aber Taemin war fasziniert von Jonghyun. Es verblüffte ihn immer wieder, auch wenn er sich das nicht ansehen ließ. Dieser Moment war besonders für ihn. Denn es war das erste Mal, dass er sich nicht unwohl in seiner Nähe fühlte. Ganz im Gegenteil. Er hatte wirklich das Gefühl, dass diese Abneigung, die die beiden füreinander hatten, nicht mehr existent war.

„Vielleicht bist du gar nicht so unausstehlich wie du tust“, flüsterte Taemin und legte seine Hände auf die Bettkante, um sich abzustützen und wieder aufzustehen.

Wäre nicht plötzlich Jonghyuns Hand unter der Decke herausgekommen die nach Taemins rechtem Handgelenk grabschte.
Taemin riss die Augen auf und beobachtete den anderen. Dieser sah immer noch so aus als würde er schlafen. Das konnte doch nicht wahr sein. Was sollte er tun, wenn er plötzlich wach wurde?

Sanft nahm Taemin seine zweite Hand zur Hilfe und wollte Jonghyuns Finger von seinem Handgelenk lösen. Dies führte jedoch nur dazu, dass dieser fester zupackte.

„Nein…“, murmelte der Ältere schläfrig.

Taemins Herz schlug über. Hatte er ihn tatsächlich geweckt? „Was?“

„Ich kann… das nicht mehr“, brabbelte Jonghyun, dessen Augen weiterhin geschlossen waren. „Das muss… aufhören.“

Er redete im Schlaf… Zum Glück.

Wovon er wohl gerade träumte? Ob es um seine Vergangenheit auf der Straße ging? Oder um etwas, was er getan hatte und jetzt bereute?

Taemin hatte sich gerade beruhigt und wollte sich wieder darauf konzentrieren, sich aus Jonghyuns Griff zu befreien, da schallte urplötzlich der Schrei einer Frau durch das obere Stockwerk.

Dieser Schrei hallte ihm durch seinen Kopf und ließ ihn erschaudern.
Denn diese Stimme gehörte zu seiner Mutter.
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