Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Wachoffizierin

GeschichteKrimi, Romanze / P16
Benjamin Asmus Hermann Gruber Marten Feddersen OC (Own Character) Saskia Berg Thure Sander
25.04.2020
05.09.2020
14
32.131
1
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
05.06.2020 3.124
 
"Ist es noch weit?", fragte Julian mich, da wir schon einige Minuten durch die Gänge liefen. "Nein, wir sind gleich da.", antwortete ich, war mir aber ehrlich gesagt nicht so sicher. Um ehrlich zu sein hatte ich nämlich keine Ahnung wo wir gerade waren. Daran merkte ich, dass ich noch nicht lange hier arbeitete und meine Routine von früher völlig verschwunden war. Außerdem war ich wegen dem Einsatz vollkommen durch den Wind, auch wusste ich das mir noch ein Gespräch mit Thure bevor stand.
"Das ist so groß hier!", staunte Julian, dem es auf einmal doch nichts mehr auszumachen schien das wir etwas länger laufen mussten. Ein paar Gänge später wusste ich aber wieder wo wir lang mussten und kam mit Julian schließlich auf der Brücke an. "Wow!", rief er und rannte gleich nach vorne. Meine Kollegen konnten ihm gerade noch ausweichen. Es war schön, den Kleinen so begeistert zu sehen. Als hätte er die Vorkommnisse durch die ganzen Eindrücke plötzlich einfach vergessen.
"Frau.. ähm.." Ich drehte mich um und erblickte Kai, der mir eine Tasse entgegen hielt. "Thaler.", räusperte sich Marten hinter ihm und verkniff sich sichtlich das Lachen. "Genau, Frau Thaler. Hier ist ihre heiße Schokolade, die sie gewünscht haben. Ich habe ihnen auch ein bisschen Sahne drauf gemacht und Schokosplitter, schmeckt damit gleich noch ein bisschen besser.", erklärte er mir und aus irgendeinem Grund wirkte er total nervös. "Vielen Dank, sehr aufmerksam. Das wird der Kleine hoffentlich trinken, er friert immer noch total.", antwortete ich und nahm die Tasse an mich. "Dem Kleinen?", fragte Norge und ich nickte. "Natürlich oder dachten sie das wäre für mich?", wollte ich spaßhalber wissen und ging Julian entgegen, während ich mir immer noch das Kühlpack auf die Wange hielt. Ich bekam mit wie Marten in Gelächter ausbrach und sich über Kai lustig machte, verstand aber nicht was er sagte. Ich konzentrierte mich lieber auf Julian.
Der Kleine war vollkommen begeistert von dem was er hier sah. "So viele Knöpfe!", staunte er. "Allerdings.", bestätigte ich. "Wenn wir los fahren, darfst du bestimmt mal einen drücken. Aber erstmal hab ich hier was für dich, schau mal." Ich ging ein wenig vor ihm in die Knie. "Heiße Schokolade.", meinte ich. "Für mich?", wollte Julian wissen. "Für dich ganz allein.", erwiderte ich und er umfasste die Tasse mit beiden Händen. Sogleich probierte er das Getränk. "Gut?", wollte ich wissen und er nickte eifrig.
"Sieht man an der Schnute, dass es wohl schmeckt." Ich zuckte zusammen, als ich plötzlich die Stimme von Thure hinter mir vernahm und richtete mich wieder auf. "Ein Kind auf der Brücke?", fragte er mich. "Ich hab's versprochen.", antwortete ich. "Und ich passe auf, dass er nichts anstellt. Versprochen.", versicherte ich dem Kapitän.
"Daran habe ich keinen Zweifel.", erwiderte Thure. "Aber bis wir zurück fahren dauert es noch ein wenig und ich würde unser Gespräch gerne vorziehen.", offenbarte Thure mir. "Herr Feddersen.", sagte er noch im gleichen Atemzug und Marten kam zu uns. "Zeigen sie doch dem jungen Mann den Maschinenraum, damit ich mit Frau Thaler sprechen kann.", bat Thure den Maschinisten. "Er wird nicht mitgehen.", befürchtete ich. "Sorgen sie dafür, weil wir zwei haben etwas zu klären.", meinte Thure.
Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen und blickte stattdessen auf Julian. Ich nahm ihm die inzwischen leere Tasse ab, da er den Kakao in Rekordzeit leer getrunken hatte. "Möchtest du noch mehr vom Schiff sehen?", fragte ich und Julian nickte sofort. "Dann geh mal mit meinem Freund Marten mit, der zeigt dir den Maschinenraum.", erklärte ich Julian. "Kann Bea auch mitkommen?", wollte Julian wissen. "Deine Freundin Bea siehst du in ein paar Minuten wieder. Da unten ist es sowieso sehr eng, da gehen wir zwei besser alleine."
Marten hielt Julian die Hand hin, dieser sah mich unsicher an. Erst als ich nickte, nahm er Marten Hand und ging mit ihm. Er sah sich immer wieder nach mir um, er hatte Angst. Er musste keine Angst haben, aber bei dem was ihm passiert war, war das eine ganz normale Reaktion. Ich wollte ihnen hinterher gehen, denn ich konnte die Blicke des Kleinen nicht ertragen, aber Thure stellte sich mir in den Weg.
"Sie bleiben bei mir.", stellte er klar. "Weggelaufen wird jetzt nicht. Bei Feddersen ist der Junge gut aufgehoben und sie kommen jetzt mit, wir haben was zu besprechen." Thure sprach ruhig, aber auch bestimmend.
Als Julian und Marten außer Sichtweite waren, verließen Thure und ich ebenfalls die Brücke. Die Blicke meiner Kollegen spürte ich die ganze Zeit auf mir, denn sie schauten uns beiden hinterher. Anscheinend ahnten sie, dass etwas nicht stimmte. Nur was konnte Thure schon machen? Im schlimmsten Fall konnte er den Fall melden, raus werfen konnte mich nur Herr Gruber. Aber würde es wirklich so weit kommen? Ich hatte doch gerade erst angefangen hier zu arbeiten, das konnten sie doch nicht wirklich tun. 'Doch, das können sie.', dachte ich. 'Du hast etwas verschwiegen, das reicht für eine fristlose Kündigung.'
Ich folgte Thure durch die Gänge des Schiffes und hatte keine Ahnung wo wir hin gingen. Umso mehr überraschte es mich, als wir vor der Kapitänskajüte stehen blieben. Thure schloss die Tür. "Nach ihnen.", sagte er und ich betrat den kleinen Raum. Dafür, dass nicht viel Platz war, war es hier trotzdem gemütlich eingerichtet. Koje, Kleiderschrank und sogar ein Schreibtisch. Eben den Bedürfnissen eines Kapitäns angepasst.
Thure kam ebenfalls herein und schloss die Tür hinter sich. Jetzt war ich alleine mit ihm, vollkommen allein. Wie im Archiv, nur diesmal standen wir nicht so nah aneinander. Thure schwieg zunächst und mit jeder Sekunde die verging wurde ich nervöser. Meine Wange pochte schmerzhaft und ich bereute das Kühlpack auf der Brücke gelassen zu haben. Aber ich wollte vor Thure so professionell wie möglich wirken, wobei das wahrscheinlich sowieso nichts mehr ändern würde. Ich hatte es vermasselt.
"Sie wissen, dass wir nicht an Fällen arbeiten dürfen, in die wir persönlich involviert sind, oder?", fragte Thure mich irgendwann und brach so das Schweigen. "Ja.", antwortete ich und wich seinem Blick aus. "Zum persönlich involviert sein zählen auch Situationen, die uns an gewisse Dinge erinnern.", meinte Thure weiter. "Ich weiß.", gab ich zu und Thure seufzte.
"Ziehen sie bitte ihre Jacke aus.", bat er mich plötzlich. "Was?", fragte ich erschrocken. "Sie tragen seit sie bei uns sind lange Kleidung und ich will wissen warum. Tun sie mir bitte den Gefallen und ziehen sie jetzt die Jacke aus."
Ich trug über meiner Bluse wie die letzten Tage auch meine Sweatshirtjacke und das nur, um zu vermeiden das jemand meine blauen Flecken sah. Nun befahl der Kapitän mir ausgerechnet dieses Kleidungsstück abzulegen. Ahnte er etwas oder wusste er bereits Bescheid? Wenn ja woher? 'Saskia!', schoss es mir durch den Kopf. Und da ich nicht wollte, dass er das zu Gesicht bekam was sie bereits gesehen hatte, wollte ich das natürlich verhindern.
"Nein!", widersprach ich deshalb. "Frau Thaler, sie sollten mir keine Widerrede geben!", stellte Thure klar. "Sie haben schon ein großes Problem, machen sie es nicht noch größer! Also, ziehen sie die Jacke aus.", bat er mich erneut. "Ich.. ich.. ich kann nicht!", schluchzte ich. "Ich kann nicht!" Thure kam zu mir und sah mir in die Augen. "Aber ich kann.", sagte er und öffnete den Reißverschluss meiner Jacke. Anschließend schob er sie mir von den Schultern. Wehren konnte ich mich nicht, dazu war ich gerade einfach unfähig.
Kurz darauf hatte er mich von der Jacke befreit und ich kniff die Augen zu. Ich wollte seine Reaktion, die er wegen der Blessuren zeigen würde, nicht sehen. Ich schämte mich einfach zu sehr, weshalb die Tränen nicht mehr zu halten waren. Ich spürte, wie sie an meinen Wangen hinunter liefen. Ich hörte wie Thure scharf die Luft einzog, anscheinend war er geschockt.
So viel sah man inzwischen zwar nicht mehr, aber genug um zu erahnen wie schwer die Verletzungen gewesen sein mussten. Thure fuhr ganz vorsichtig über meinen linken Oberarm und ich zuckte zusammen, denn etwas schmerzempfindlich waren die Stellen teilweise noch. Ich öffnete die Augen und blickte ihn an, sah wie erschrocken er war und weitere Tränen kullerten mir die Wangen hinunter.
"Tut das weh?", wollte Thure wissen. "Manchmal noch ein wenig.", gab ich mit heißerer Stimme zu. "Wundert mich nicht.", antwortete der Kapitän. "Ich würde mir gerne noch ihre Hüften ansehen, darf ich?", fragte Thure nun. Er musste definitiv Tipps bekommen haben, ansonsten würde er nicht so zielsicher wissen wo er nachsehen musste. Jedoch nickte ich einfach, denn ich vertraute ihm. Aus irgendeinem Grund war ich froh, dass er es jetzt wusste, aber ich hatte dennoch Angst vor den Konsequenzen.
Er legte seine Hände an meine Taille und wollte meine Bluse ein wenig hoch schieben, jedoch fühlte ich mich auf einmal wieder so schäbig das ich ihn mithilfe meiner Hände stoppte. "Nicht!", flüsterte ich. "Keine Angst, ich will mir das nun anschauen. Ich kümmere mich um meine Leute, dazu gehört auch so was. Ich habe nicht vor, ihnen weh zu tun." Und das war wirklich das, was die plötzliche Panik ausgelöst hatte. Von einem Mann angefasst zu werden, war etwas wovor ich seit den Taten meines Ex-Freundes Angst hatte, allein die Vorstellung war seitdem grauenvoll gewesen. Dennoch, ich traute Thure komischerweise und ließ es letztendlich doch zu.
Nachdem er gesehen hatte, was er hatte sehen wollen, seufzte er. "Was ihnen passiert ist tut mir leid.", sagte er. "Und ich wünschte, ich könnte es vermeiden, aber.. Frau Thaler, ich werde das Herrn Gruber wirklich melden müssen." Ich merkte, dass ihm das gar nicht so leicht fiel, jedoch war es seine Pflicht als Kapitän. "Ich weiß.", antwortete ich und nahm mir meine Jacke. Ich zog sie mir wieder an, denn damit fühlte ich mich einfach wohler.
"Haben sie Anzeige erstattet?", wollte Thure nun von mir wissen. "Nein.", antwortete ich ehrlich. "Ich bin nach einer Auseinandersetzung abgehauen, seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich will auch keine Anzeige erstatten, sondern einfach nur meine Ruhe. Ich bin hierher gekommen, um neu anzufangen.", erklärte ich Thure. "Das funktioniert so leider nicht.", antwortete er. "Dieser Mensch muss zur Rechenschaft gezogen werden.", stellte Thure klar.
"Ohne meine Aussage geht da gar nichts!", erinnerte ich ihn. "Frau Thaler, jetzt seien sie vernünftig!", meinte Thure streng. "Was ihnen angetan wurde darf nicht ohne Folgen für den Täter bleiben!" Ich schluchzte auf. "Ich will das nicht!", rief ich. "Ich will das doch alles nur vergessen, ihn vergessen, einfach alles! Ich.. Er.." Ich konnte vor lauter Schluchzen keinen anständigen Satz mehr herausbringen.
"Setzen sie sich.", meinte Thure ruhig, dirigierte mich zur Koje und drückte mich auf die Matratze. Ich vergrub den Kopf in den Händen und weinte hemmungslos. Trotzdem wunderte es mich, dass der Kapitän mich in den Arm nahm. Schließlich war ich seine Angestellte, nur tat es mir so gut, dass ich es einfach zu ließ. Er redete beruhigend auf mich ein, was mir wirklich half wieder runter zu kommen. Nach ein paar Minuten stand Thure auf, schenkte ein Glas Wasser ein und gab es mir. "Danke.", sagte ich und nahm gleich ein paar Schlückchen. "Gern geschehen.", antwortete Thure. "Aber ich denke wirklich, dass sie eine Anzeige machen sollten. Sie sind hier doch sicher und sobald die Anzeige gemacht ist, werden die Kollegen ihn dort wo er ist gleich in Gewahrsam nehmen. Ihnen wird nichts passieren, das verspreche ich."
Ich überlegte und musste einfach einsehen, dass es wohl wirklich die beste Lösung war meinen Ex anzuzeigen. "Okay.", sagte ich nach einiger Zeit. "Ich mache die Anzeige.", meinte ich. "Gute Entscheidung.", antwortete Thure. "Aber.. Eins müssen sie noch wissen.", begann ich zögerlich. "Und das wäre?", fragte der Kapitän. "Als ich gegangen bin, da.. da gab es eine Auseinandersetzung und ich hab ihn verletzt. Wie schwer keine Ahnung, jedenfalls war er bewusstlos und das hab ich für meine Flucht ausgenutzt. Er hat aber noch gelebt, als ich gegangen bin. Nur wusste ich mir nicht anders zu helfen, er hat mich wieder misshandelt und er hätte mich niemals gehen lassen! Niemals!" Thure nahm mir das leere Glas ab. "Es ist schon in Ordnung. Dafür können sie nicht belangt werden, das war Notwehr. Wir werden das alles klären, wenn wir zurück in der Zentrale sind. Ich bin jedenfalls froh, dass sie mir das anvertraut haben und ich werde später sofort mit Herrn Gruber sprechen. Er wird sicher eine Kündigung in Betracht ziehen, aber so weit werde ich es nicht kommen lassen. Wollen wir dann wieder zurück auf die Brücke gehen? Ihr kleiner Freund wird sie sicher schon vermissen."
Ich wischte mir die inzwischen halb getrockneten Tränen ab und nickte. "Dann los.", meinte Thure und wir gingen zur Tür. Schweigend liefen wir zurück zur Brücke. "Danke.", sagte ich, bevor wir schließlich hinauf gingen. "Dafür nicht. Ich kümmere mich um meine Leute, das ist meine Pflicht.", erwiderte Thure. Er ließ mir dann den Vortritt und ich ging die wenigen Stufen zur Brücke hinauf. Julian stand bei Marten und Saskia, aber war sichtlich misstrauisch.
"Julian, schau mal.", sagte Saskia und deutete auf mich. "Bea!", rief der Kleine und wirkte plötzlich wieder total fröhlich. Er rannte mir in die Arme und ich nahm ihn hoch, auch wenn das Schmerzen verursachte. "Na, wie war's im Maschinenraum?", fragte ich. "Super!", antwortete der Junge. "Ihm hat es wirklich gefallen, aber er hat trotzdem auf sie gewartet und wollte gleich wieder hierher. Vielleicht können sie ja die Einweisung auf der Brücke übernehmen.", meinte Marten. "Sollte ich hinkriegen.", erwiderte ich und ging mit Julian nach vorne. Die besorgten Blicke meiner Kollegen versuchte ich zu ignorieren.
Mein WO-Lehrgang lag zwar schon eine Weile zurück, aber ich kannte mich mit allem noch aus. Ich zeigte Julian alles was ihn interessierte und er hatte merklich Spaß dabei. Ich spürte, dass ich hier richtig war. Das ich genau hier bleiben wollte, als Wachhabende auf diesem Schiff. Genau hier gehörte ich hin. Blöderweise war nun einiges ans Licht gekommen, was ich eigentlich für mich hätte behalten wollen, aber ein Zurück gab es nicht. Vielleicht war es wirklich besser so, jetzt da es raus war fühlte ich mich tatsächlich etwas leichter. Nur wollte Thure noch mit Herrn Gruber reden und das machte mir richtig Angst.
Einige Zeit später waren die Ermittlungen auf dem kleinen Kutter beendet und man brauchte uns nicht mehr, weshalb Thure den Befehl gab, den Heimathafen anzusteuern. Julian gefiel es noch mehr, nun, da das Schiff in Bewegung war. Irgendwann bekamen wir die Nachricht, dass Julians Mutter am Steg auf uns wartete.
Die Fahrt verlief reibungslos und früher als gedacht legten wir an. Mit den Anderen hatte ich kein Wort mehr gewechselt, ich hatte mich voll und ganz auf Julian konzentriert. Dieser rannte sofort seiner Mutter in die Arme, als er sie sah. "Mama!", rief er. "Julian, mein Schatz!" Ich kannte seine Mutter ja schon und war froh, dass alles gut ausgegangen war. "Ich bin mit dem großen Schiff da gefahren und Bea hat mir alles gezeigt!", erzählte Julian aufgeregt. "Das klingt toll!", bestätigte seine Mutter.
Die Anderen und ich standen um die beiden herum und lächelten allesamt. "Wenn ich groß bin werde ich Kapitän!", schwor Julian uns und sah überglücklich aus. "Und die Bea arbeitet dann auf meinem Schiff!", fügte der Kleine hinzu. "Das wäre mir eine große Ehre!", erwiderte ich und machte einen Knicks. Julian lachte und kam zu mir, um mich in den Arm zu nehmen. Ich ging dafür ein bisschen in die Knie.
"Pass gut auf dich auf, ja?", bat ich ihn. "Immer!", versprach er mir. "Du darfst uns jederzeit hier besuchen kommen, wenn dir danach ist.", bot Thure ihm plötzlich an. "Wirklich?", fragte Julian mit großen Augen. "Wirklich.", bestätigte Thure ihm. Mich überraschte das Angebot des Kapitäns, aber gleichzeitig freute ich mich auch.
Ich nahm Julian nochmal fest in den Arm und als wir uns los gelassen hatten, griff ich in meine Jackentasche. Ich hatte vorhin noch schnell meine Nummer aufgeschrieben, irgendwie war es mir wichtig das er sie bekam. "Hier, schau mal.", sagte ich und Julian nahm den Zettel an sich. "Wenn du und deine Mama irgendwann mal wieder Hilfe brauchen solltet, dann kannst du mich jederzeit anrufen. Das kannst du aber auch, wenn du einfach nur reden möchtest, also wann immer dir danach ist." Julian strahlte über das ganze Gesicht. "Danke!", sagte er und zeigte den Zettel stolz seiner Mama. "Das ist toll, Liebling.", meinte sie und kam näher zu mir.
"Danke für alles, Bea!", sagte sie und nahm mich in den Arm. Ich ließ es zu, auch wenn ich wusste, dass es kein gutes Bild auf mich warf. Schließlich hatte ich alles zu sehr an mich heran gelassen und diese Geste bestätigte das nur. Aber es war mir egal, die Meinung meiner Kollegen und ob ich deshalb nur noch mehr Schwierigkeiten bekam. Es war mir gleichgültig. Ich war die einzige gewesen, die zu dieser Frau hatte durchdringen können und dasselbe galt auch für ihren Sohn. Wir hatten dasselbe durchmachen müssen, waren dadurch gewissermaßen verbunden. Auf eine Art und Weise, die kein Außenstehender so einfach nachvollziehen konnte.
"Wir sehen uns, ja?", fragte sie und ich konnte das nur bestätigen. Nachdem sie sich auch bei den anderen Beamten bedankt hatte, nahm die Frau ihren Sohn an die Hand und gemeinsam gingen sie davon.
Bis ich gehen konnte, würde es noch dauern. Vorher stand noch die Aussage an und das Gespräch mit Gruber, wahrscheinlich durfte ich dann noch meinen Schrank räumen und meine Uniform abgeben. Nach nicht mal einer Woche Dienst. "Gehen wir.", sagte Thure und alle liefen wir hoch zur Zentrale.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast