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Die Wachoffizierin

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16
Benjamin Asmus Hermann Gruber Marten Feddersen OC (Own Character) Saskia Berg Thure Sander
25.04.2020
05.09.2020
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32.131
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05.05.2020 2.008
 
Verschlafen öffnete ich die Augen und verspürte sofort einen stechenden Kopfschmerz. Deshalb schloss ich die Augen nochmal kurz und rieb mir die Schläfen. Mir war noch immer schlecht und ich spürte jeden Muskel meines Körpers, ich konnte mich kaum bewegen ohne mir einen Schmerzenschrei verkneifen zu müssen. Dennoch setzte ich mich auf und atmete erstmal tief durch, die Übelkeit wurde ein wenig besser.
Ich sah mich im Zimmer um und realisierte, dass ich wirklich nicht mehr zu Hause war sondern im Hotel. Ich war wirklich gegangen, ich hatte ihn verlassen. Immer noch brannte die Nachttischlampe und ich setzte mich erstmal auf die Bettkannte, ehe ich langsam aufstand. Schritt für Schritt ging ich zum Fenster, um den Rollo hoch zu ziehen. Es dämmerte bereits, es musste also schon Abend sein und ich hatte den kompletten Tag verschlafen. Ein Blick auf die Uhr an der Wand sagte mir, dass es kurz vor halb sieben war und noch nicht zu spät fürs Abendessen. Eigentlich hatte ich keinen Hunger, aber seit Tagen hatte ich nichts mehr ordentliches gegessen und um wieder auf die Beine zu kommen musste ich unbedingt etwas zu mir nehmen. Also suchte ich mir frische Kleidung und mein Duschzeug aus dem Koffer, denn ich wollte mich wenigstens kultiviert vor den anderen Hotelgästen zeigen. Meine Verletzungen würden schon genügend Aufmerksamkeit erregen.
Bevor ich ins Bad ging, guckte ich nochmal auf mein Handy. Das war die ganze Zeit lautlos auf einem Schränkchen gelegen und wieder wurden allerlei verpasste Anrufe und Nachrichten angezeigt. Mit zitternden Fingern machte ich die Abdeckung ab und entfernte den Akku, sowie die SIM-Karte. Ich hatte mir nicht mal mehr die Mühe gemacht das Handy vorher ordnungsgemäß auszuschalten und das es davon Schaden nehmen könnte war mir egal. Ich schmiss die Einzelteile wieder auf das Schränkchen und schnappte mir meine Sachen um duschen gehen zu können.
Das Wasser schmerzte ein wenig als es auf die Schrammen prasselte, aber gleichzeitig tat es meinem müden Körper unheimlich gut. Auch wenn sich die Spuren nicht abwaschen ließen, so fühlte ich mich danach schon gleich viel besser. Nachdem ich geduscht, abgetrocknet und angezogen war verließ ich mit einem etwas mulmigem Gefühl mein Zimmer. Das die Gänge weitestgehend leer waren musste daran liegen, dass die meisten nun unten beim Essen waren und genau dort musste ich jetzt auch hin. Bei dem Gedanken wurde mir wieder schlecht, aber ich musste etwas essen, daran führte kein Weg vorbei.
Den Speisesaal hatte ich schnell gefunden und wie erwartet war dieser rappelvoll. Ich hielt Ausschau nach einem freien Tisch, fand jedoch keinen. Deshalb änderte ich meinen Plan nochmal und ging wieder nach oben in mein Zimmer, um mir eine dünne Jacke und meinen Geldbeutel zu holen. Ich steckte diesen zusammen mit dem Schlüssel in meine Tasche und verließ erneut das Zimmer. Diesmal war mein Ziel der Ausgang. Ich wusste das es hier in der Nähe etliche Buden gab, die etwas Essbares verkauften.
Also setzte ich mich ins Auto und fuhr die Gegend ab, bis ich so eine Bude gefunden hatte. Dort bestellte ich mir eine Portion Pommes zum Mitnehmen. Denn ich wollte nicht länger als nötig in der Gegenwart von anderen Leuten verweilen. Ich fuhr dann weiter bis ich zu einem Strand kam, an dem ich früher auch immer spazieren gegangen war. Das Auto ließ ich stehen und nahm lediglich meine Tasche und die Tüte mit dem Essen mit. Ich suchte mir eine Bank und setzte mich dorthin, um zu essen und gleichzeitig die Aussicht aufs Wasser zu genießen. Leichter Wind wehte mir durch die Haare und ich schloss kurz die Augen. Ich hatte ganz vergessen, wie schön es hier sein konnte. Die Meerluft war im Vergleich zur stickigen Stadtluft eine Wohltat.
Ich aß die Portion komplett auf und merkte erst jetzt, dass ich wohl doch ziemlich hungrig gewesen sein musste. Anschließend lief ich noch einige Zeit am Strand entlang, so lange bis es schon dunkel war und ich begann mich unwohl zu fühlen. Deshalb war ich auch froh wieder im Auto zu sitzen und später wieder im Hotel angekommen zu sein. Zurück im Hotel hatte ich mich sofort wieder hingelegt und war eingeschlafen.
Ich hatte sozusagen den Schlaf nachgeholt, den ich die letzten Monate versäumt hatte. Das war nun schon die zwei Wochen her, von denen ich nie gedacht hätte das sie so schnell vergehen würden. Und heute war es schließlich soweit, mein erster Arbeitstag stand bevor. In Sachen Unterkunft würde sich hoffentlich auch bald etwas ändern, denn ich lebte immer noch im Hotel und das wurde langsam für mich teuer. Aber ich hatte glücklicherweise genügend Rücklagen, auf die ich zugreifen konnte und bald wieder festes Einkommen.
Heute Abend hatte ich einen Besichtigungstermin für ein Haus in Küstennähe, im Internet hatte es mir schon sehr gut gefallen und ich hoffte ich würde es auch bekommen. Aber es gab laut dem Vermieter sehr viele Interessenten und somit waren meine Chancen eigentlich gleich null. Versuchen wollte ich es aber trotzdem. Meine Verletzungen waren inzwischen auch weitestgehend verheilt, nur das blaue Auge war noch ein wenig zu sehen und die anderen blauen Flecken sowieso Kratzer. Jedoch hatte ich wenigstens kaum noch Schmerzen und konnte alles bis auf das Auge unter der Uniform verstecken. In meinem Beruf war so etwas aber nicht unüblich, also würde ich mich gut heraus reden können. Ich packte alles wichtige in meine Tasche und überlegte ob ich nicht mal mein Handy wieder zusammenfügen sollte. Jedoch entschied ich mich dagegen. Ich war jetzt zwei Wochen ohne ausgekommen und da ich mir sowieso ein neues anschaffen wollte, würde ich das alte nicht mehr benötigen. Genauso wie die SIM-Karte, ich brauchte dringend eine neue Nummer damit er mich nicht mehr kontaktieren. Ich wollte mit meinem alten Leben abschließen, mit all seinen Facetten. Letztendlich verließ ich das Hotelzimmer und ging hinaus zu meinem Auto. Hunger hatte ich keinen, dafür war ich zu aufgeregt.
Ich sollte um halb neun beim Polizeirat sitzen, vorher würde ich meine Uniform und meine neue Waffe bekommen. Das hatte man mir alles in dem Schreiben mitgeteilt, in dem auch gestanden hatte das ich die Stelle bekommen hatte. Danach würde ich dann bestimmt meine neuen Kollegen kennenlernen, auf die ich besonders gespannt war.
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Während Bea zur Zentrale fuhr, waren ihre neuen Kollegen dort bereits eingetroffen. Um neun Uhr wollten sie auslaufen,  bis dahin würden sie mit Schreibtischarbeit beschäftigt sein. Aber zunächst brauchten alle dringend Kaffee zum wach werden und Saskia Berg, Bootsfrau auf der Albartros II, kümmerte sich darum. Sie wusste das heute der erste Arbeitstag der neuen Wachoffizierin war und dementsprechend war sie auch schlecht gelaunt. Denn eigentlich hätte ihr dieser Posten zu gestanden. Seit Jahren arbeitete sie darauf hin, die Stelle war ihr sogar schon indirekt zugesichert worden und wegen einem Gerücht an dem nicht das geringste dran war hatte man kurzerhand entschieden jemand neues anzuheuern.
Saskia wusste das es ebenfalls eine Polizeioberkommissarin war, aber bei Weitem nicht mit so viel Berufserfahrung wie sie, denn sie war jünger. Jedenfalls glaubte Saskia das die Neue deshalb kaum für diesen Job geeignet war, jedoch spielte auch Traurigkeit und Demütigung eine Rolle. Und deshalb wollte sie eigentlich ihre Ruhe, nur war das kaum möglich.
Schon kamen zwei ihrer Kollegen zu ihr, Kapitän Thure Sander und Maschinist Marten Feddersen. "Ist der Kaffee schon fertig?", fragte der Maschinist gut gelaunt. "Ich habe ihn gerade aufgesetzt, ich kann ja viel aber zaubern kann ich nicht!", entgegnete Saskia pampig. "Is ja schon gut, kein Grund böse zu werden." Der Polizist tat erschrocken, fand es aber ehrlich gesagt ziemlich lustig das Saskia sich so aufregte.
"Wann kommt denn jetzt eigentlich die neue WO? Ich bin ja schon gespannt wen die uns da an Bord geholt haben." Das Saskia dadurch noch aufbrausender wurde hatte Marten nicht erwartet. "Hast du heute eigentlich nichts anderes zu tun, als blöde Fragen zu stellen?!", wollte Saskia aufgebracht von ihrem Kollegen wissen und warf das Geschirrtuch das sie bis eben noch in der Hand gehalten hatte demonstrativ auf den Tresen vor sich. Dann ging sie stapfend davon und setzte sich wütend hinter ihren Schreibtisch. Seit Tagen gab es kein anderes Thema mehr als die neue Mitarbeiterin und das nervte die Bootsfrau mittlerweile ungemein.
"Toll gemacht, Feddersen!", motzte der Kapitän. "Kann ich nix für, dass unsere Bootsfrau heute mit den falschen Fuß aufgestanden ist und allgemein momentan alles in den falschen Hals kriegt!", verteidigte sich der Beamte. "Sie hat ihre Gründe und das wissen wir alle. Schütte einfach nicht noch mehr Öl ins Feuer, klar?" Feddersen nickte. "Aber wie soll das laufen wenn die neue WO erstmal da ist?", erkundigte sich der Maschinist. "Nicht das sie die dann auch ausversehen.. du weißt schon."
Die Andeutungen waren für den Kapitän mehr als klar. "Saskia hat nichts getan!", bellte der Kapitän. "Feddersen, ich glaube sie sollten wieder an die Arbeit gehen." Und das war wohl besser so, was der Maschinist auch einsah. Er ging zurück an seinen Schreibtisch und hatte sein Verlangen nach Kaffee anscheinend plötzlich vergessen.
Saskia hämmerte derweil auf die Tastatur ein und der Kapitän seufzte bei diesem Anblick seiner Bootsfrau und mitunter auch guten Freundin. Deshalb konnte er auch nicht einfach darüber hinwegsehen. Der Kaffee war inzwischen durch gelaufen und er schenkte zwei Tassen ein, die er mit zu ihr nahm. "Pass auf, nicht das dir bald die Tasten um die Ohren fliegen.", meinte der Kapitän und stellte eine Tasse Kaffee neben seiner Kollegin auf dem Schreibtisch ab. "Und wenn is mir das auch egal!", stellte sie klar, bereute aber ihren bösartigen Ton sofort. "Entschuldige.", sagte sie. "Ich bin momentan anscheinend etwas drüber."
Thure nickte. "Kein Wunder, aber du musst das wirklich vergessen. Klar ist es scheiße gelaufen und ich hätte dich wirklich lieber als meine neue Wachoffizierin gehabt anstelle einer Fremden, aber da konnten wir ja noch nicht wissen das dieser Unfall passiert." Saskia antwortete nicht, sondern schnappte sich einfach die Tasse und nahm einen Schluck heißen Kaffee.
"Es war doch wirklich ein Unfall, oder?", fragte der Kapitän sicherheitshalber nach und Saskia stockte der Atem. "Was willst du mir unterstellen?!", zischte die kurhaarige Frau wütend. "Ich habe nichts getan, ich war nur zur falschen Zeit am falschen Ort!" Das Thure offenbar auch Zweifel an ihrer Unschuld hatte war wie ein Schlag ins Gesicht.
"Saskia, ich glaube dir.", beschwichtigte Thure sie gleich. "Aber es gibt andere, die es nicht tun und Bedenken haben.", fügte er hinzu. "Keine Sorge, ich werde der Neuen schon nix tun!", entgegnete Saskia sauer und konzentrierte sich wieder auf ihre Arbeit am Computer.
"Du wirst deine Chance bestimmt noch bekommen, dich als Wachoffizierin zu beweisen. Irgendwann, wenn Gras über die Sache gewachsen ist. Du hast Gruber selbst gehört, die Neue ist ziemlich jung und auch wenn sie Erfahrung in einer Führungsposition gesammelt hat ist das hier doch nochmal eine andere Liga. Sie hat ihre Probezeit und glaub mir, ich lasse ihr keinen Fehler durchgehen.", versicherte Thure seiner Mitarbeiterin und Saskia lachte spöttisch. "Und du meinst, das macht es besser?", fragte sie. "Ich will mir den Posten verdienen, Thure. Indem du das Küken anschwärzt, willst du mir indirekt zu einer Beförderung verhelfen. Aber weißt du was?" Saskia sah ihn eindringlich an. "Ich werde das Ganze mit Fassung nehmen, verlass dich drauf!"
Thure war dennoch skeptisch. "Du wirst nicht nur, du musst es mit Fassung nehmen. Behandle sie mit Respekt, ich habe keine Lust auf Zickenkrieg." Die Beiden Beamten schauten sich ernst an. "Keine Sorge, Chef.", sagte Saskia extra freundlich. "Ich werde mich schon benehmen." Der Zynismus in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
"Wenn die sich auch anständig verhält." Und somit wusste Thure, dass der gefürchtete Zickenkrieg schon vorprogrammiert war. Seufzend ging er dann davon, denn immerhin wollten sie bald auslaufen und er musste noch ein paar Dinge klären.
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