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Überwachung mal anders

von Motoshai
GedichtAllgemein / P12 / Gen
25.04.2020
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Geduld, Geduld, so tönt Frau Merkel,
das ist halt nicht nur so’n Tuberkel,
und dieses Jahr läuft gar nichts mehr,
doch liebe Leute, nehmt’s nicht schwer –
nicht so allein, wie ihr es glaubt:
Der Staat euch schön aufs Händi schaut.

Auf dieses auch nicht erst seit neulich
greift er uns drauf – wie unerfreulich!
Es zeigt ihm flugs mein Funk-Profil,
mit welchen Leuten ich wo spiel’.

Der Online-Kauf, der Online Kauf
– wo ich nicht in den Laden lauf’ –
ist schön und gut; ein Nachteil nur:
und zwar im weiten Netz die Spur.

Woher das Gut, wohin das Geld,
in jedem Winkel dieser Welt
bin ich, tu’ ich mich erst verbinden,
für jedermann ganz leicht zu finden.
So ist’s nun mal, das ist so üblich;
doch find’ ich gerade das betrüblich.
Denn was ich mag, mir leisten kann:
Was geht das einen andern an?

„Ich bin das Netz! Und ich mich rühm’:
Bei mir, da bleibt ihr anonym!“
Das war einmal, und es war schön.
Die Politik mag das nicht seh’n.
Präzise woll’n die lieber wissen:
Wie oft, wie viel hab’ ich gegessen.
So kommt das Virus sehr gelegen,
Regierung hat da nichts dagegen:
„Mit dem Corona-Gottgeschenk
ich listig meine Bürger lenk’!“

Natürlich ist das nicht so tragisch
und hundert Pro auch demokratisch,
denn wer nichts zu verbergen hat,
der lächelt ohnehin nur matt:
„Das Schwänzchen sauber, klein und schön,
das kann doch jedermann gern seh’n!
Ja, an den beiden Klöten-Zwergen,
da ist doch auch nichts zu verbergen!
Und wenn die Unterhose stinkt,
mir MOSSAD eine neue bringt!“
Die NSA schickt frische Socken,
da bleibt doch echt kein Auge trocken.
„Wie kommt das nur?“ – Na, ist doch nett:
die Waschmaschin’ im Internet!
Von Amazon der Money-Button
(den früher wir doch auch nicht hutton)
macht transparent den Hausbedarf,
nachdem man sich in Schale warf.

Ich hör’ das Arbeitsamt schon fragen:
„Tun wirklich Sie Armani tragen?“
Der Bürger seine Stirne runzelt,
wenn das Finanzamt leise schmunzelt:
„Und alles das könn’ Sie sich leisten?
Von Ihrem Lohne, diesem dreisten?“
Verwirrt ich nach der Lösung such’
und seh’ mein Konto: off’nes Buch!

Im Supermarkt, da werd’ ich taktlos
angemacht: „Zahl’n Sie kontaktlos!“
Das hätt’ ihr gern, ich seh’ es kommen:
Bald wird mir’s Bare weggenommen!
Doch gebt nur acht: Mir reicht der Dreck –
dann schmeiß’ ich meine Karten weg!

Ihr Spitzel und ihr Datensammler,
Politiker, Geheimdienstgammler
und großer Firmen klebrig’ Finger:
Euch allen hack’ ich ab die Dinger!
Kein Argument hat noch Gewicht:
Euch eklem Pack, euch trau’ ich nicht!
 
 
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