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John Bentons U.N.I.T.-Tagebuch

von - Leela -
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Brigadier Alistair Gordon Lethbridge-Stewart Captain Mike Yates OC (Own Character) Sergeant John Benton
24.04.2020
01.07.2022
69
173.990
3
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12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.05.2022 1.426
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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John hat, als Soldat, einen sehr anspruchsvollen Job. Es gibt immer wieder Situationen, die ihn daran erinnern. Eine dieser Gelegenheiten gibt er heute zum besten, in seinem neuen Tagebuchkapitel. Begleitet ihn also, bei seinem Abenteuer:

Auf einsamen Straßen

Wer es einmal mit Axons zu tun bekommen hat, der ist für sein Leben gezeichnet! Das habe ich festgestellt, als ich eines Nachts allein auf einer Landstraße unterwegs war.
      Ich war in einem unserer Jeeps auf dem Rückweg vom Einsatzort zurück zur Basis. So weit war auch noch alles in Ordnung. Es machte mir nichts aus, in der Nacht zu fahren. Gerade bei U.N.I.T. gab es oft Gelegenheiten, wo das notwendig wurde, und man konnte fast sagen, ich war es gewöhnt.
      Was ich nicht gewöhnt war, das war das einsetzen des Regens. Ich war zwar oft genug auch schon bei Unwetter jeglicher Art gefahren und konnte gut damit umgehen, trotzdem fühlte ich mich nicht dabei wohl, noch immer bei Dunkelheit zu fahren, wenn es wie Bindfäden regnete, so daß man gleich doppelt nicht vernünftig sehen konnte.
      Die Scheibenwischer kamen kaum gegen den Niederschlag an. Das war sehr unangenehm, vor allem auf der Strecke, die ich gerade fuhr. Zu den Seiten war der Boden jetzt mit Sicherheit aufgeweicht, da war ich mir sicher. Und dort wollte ich nicht landen, wenn ich von der Straße abkam.
      Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, als ich vor mir eine orange Masse auftauchen sah. Und das ist es, was ich zu Beginn meinte! Hier setzte purer erlernter Automatismus meinen gesunden Menschenverstand außer Kraft!
      Dazu muß man wissen, daß ich es schon einmal erlebt hatte, als die Axons unseren Planeten ausbeuten wollten, in einem Jeep von den Außerirdischen angegriffen zu werden. Große, fast lavaförmige Wesen, die absolut tödlich waren, wenn sie es darauf anlegten. Und diese Horrorfahrt wird mich bis ins Grab verfolgen!
      Ich war mit Captain Yates zusammen auf dem Weg aus der Gefahrenzone heraus gewesen, als die Axons überall an der oder auf der Straße auftauchen. Ein paar Mal gelang es mir, sie durch geschickte Fahrmanöver abzuschütteln. Das Glück endete, als sie einfach so einen Baum sprengten, der sich quer über die Straße legte.
      Sie belagerten den Jeep regelrecht - als ich versuchte, sie mit Fahrtaktik abzuschütteln, konnte ich fast noch weniger sehen als jetzt, weil einer quer vor der Windschutzscheibe lag - und meine verzweifelte Manöver, zusammen mit dem resoluten Einsatz des Captains, brachten uns nur einen Teilerfolg ein. Der finale Schlag gelang uns erst, als ich schon auf einem Feld gelandet war, der Captain im Jeep eine Granate zündete, und wir uns mit einem Sprung aus dem Fahrzeug ins Freie retteten. Der letzte der Axons wurde zusammen mit dem Jeep in die Luft gesprengt. So etwas muß ich nicht noch mal erleben!
      Und das war eben jetzt der Knackpunkt! Ich sah dieses Lavawesen am Straßenrand stehen, und sofort hatte ich wieder die alte Situation vor Augen, als wäre ich wieder mitten in dem Szenario drinnen. Und entsprechend reagierte ich! Obwohl ich eigentlich wußte, daß die Axons den Planeten längst und lange verlassen hatten, und die Chancen, daß sie zurückkehrten, denkbar gering waren, ging in mir etwas auf Autopilot, als wäre ich in der Zeit zurückversetzt. Ganz automatisch riß ich das Lenkrad herum, um dem Wesen auszuweichen – und landete auf dem matschigen Feld, wo ich ja nicht hatte hinwollen!
      Da steckte der Jeep also nun, bei miserabelstem Wetter, mitten in der Dunkelheit, und selbst der für das Gelände ausgelegte Wagen kam nicht mehr vor und zurück. Ich mochte mir gar nicht ausmalen, wie das ausgesehen hätte, wenn ich mit einem normalen Pkw hier gelandet wäre!
      Ich probierte den Funk. Und nichts war mir in meinem Leben je peinlicher, als dem Brigadier diese Meldung erstatten zu müssen. Aber ehrlich gesagt sehnte ich mich jetzt mehr denn je so nach meinem Bett, daß mir selbst das egal war.
      Ich hatte noch nicht ganz die Verbindung hergestellt, als es an eine Seitenscheibe klopfte. Ich schrak so zusammen, daß schon zu befürchten war, mein Posten müsse nachbesetzt werden. Wir dürfen nicht vergessen, ich hatte gerade frisch die Axons wieder vor Augen! Obwohl Axons nicht unbedingt anklopfen, das gebe ich zu.
      Nachdem ich mich und mein Herz wieder beruhigt hatte, sah ich mir die Gestalt, die vor der Scheibe stand, näher an. Es war jemand in einem Regencape. Vorsichtig ließ ich die Scheibe ein Stück herunter. Der Mann fragte, ob ich Hilfe gebrauchen könnte. Nunja. Man hätte die Frage angesichts meiner Lage belächeln können, und doch war sie nicht ganz unberechtigt, da ich mir tatsächlich selbst hätte helfen können. Doch sah ich die Chance hier, den Brigadier nicht gleich mit dieser peinlichen Geschichte konfrontieren zu müssen, und so nahm ich die Hilfe dankbar an – zu dem Zeitpunkt wußte ich nur noch nicht, wie diese aussehen würde.
      Und das konnte ich nur unter die Überschrift setzen, manchmal mußte man einfach Glück haben im Leben! Denn der Mann gehörte zu dem Gasthof, dessen Werbeschild ich schon gesehen hatte – es war diese wundervolle Leuchtreklame für den »Lavahof« gewesen, die ich als Axon angesehen hatte. Die Familie jedenfalls hatte durch Zufall meinen Unfall aus dem Gaststubenfenster heraus beobachtet, und sofort reagiert.
      So kam ich erst einmal in der Gaststube unter, wo es trocken, warm, entspannt und vor allem völlig ungefährlich war, wurde mit heißem Kakao versorgt und konnte in Ruhe telefonieren, um den verunglückten Jeep bergen zu lassen. Ich fühlte mich mehr als glücklich, daß ich nicht im Jeep warten mußte, bis die Hilfe kam. Im Gegenteil, hier im Gasthof war es sehr angenehm, und ich hätte sogar noch ein Zimmer für die Nacht bekommen können, was aber nicht mehr notwendig war, weil ich auf den Abschleppdienst warten und dann gleich mit zurück fahren wollte.
      Die Wartezeit jedenfalls wurde mir sehr versüßt, mit der Torte des Hauses, auf den Schrecken sozusagen. Und ich erfuhr, woher der Lavahof seinen Namen hatte – die Betreiber kamen nämlich ursprünglich von Island, und hatten etwas gesucht, was sie mit ihrer Herkunft verbanden. Herzlichen Glückwunsch! Ich erzählte ihnen auch, wie mein Unfall überhaupt zustande gekommen war, um sie wissen zu lassen, wie gefährlich die Entscheidung gewesen war. Auch wenn ich einräumen mußte, daß ich wahrscheinlich der einzige U.N.I.T.-Soldat außer Mike Yates mit solch einschlägigen Erfahrungen war. Wie wohl der Captain in der Situation reagiert hätte? Vielleicht etwas cooler als ich. Immerhin ist er damals nicht gefahren.
      Ich gebe zu, daß ich dem Brigadier nicht sagte, warum ich mit dem Jeep von der Straße abgekommen war. Das Wetter reichte glücklicherweise aus, so daß er keine Nachfragen stellte. Und ich wollte vermeiden, daß ich noch arbeitgeberseitig eine Therapie verordnet bekam, weil ich dieses Erlebnis nicht verarbeitet hatte. Was ich, wie man sieht, ja tatsächlich nicht habe. Vielleicht sollte ich daran noch mal arbeiten. Falls das kürzliche Schockerlebnis nicht dazu ausreicht, die Erinnerung zu neutralisieren.
      Für die Betreiber des Lavahofes gab es als Dank jedenfalls einen kleinen ferngesteuerten U.N.I.T.-Jeep – als Erinnerung an diese spezielle Nacht. Immerhin, auch der Brigadier war froh über die Hilfe, die mir »zufällig« zur Seite gestanden hatte. So fuhr ich noch einmal bei Tageslicht und schönstem Wetter - und mit meinem Privatwagen - bei dem Gasthof vorbei, um den Mini-Jeep zu überreichen. Und der kam wirklich gut an.
      Bei der Gelegenheit habe ich mir das Werbeschild noch einmal genauer angesehen. Ein lavaspuckender Vulkan. Wenn die Leuchtreklame an war, war die Lava förmlich in Bewegung. Und das in der Nacht, bei Nieselregen, wo durch die Licht- und Sichtverhältnisse sowieso schon alles anders wirkt, als für gewöhnlich. Jetzt jedenfalls hatte es so gar nichts mehr mit einem Axon gemein. Und das empfand ich als äußerst beruhigend. Wer weiß, vielleicht reicht diese Erfahrung ja schon als Traumatherapie aus…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 19/2022 von Fenja Flower war:
      Es ist noch dunkel und du bist auf einer Landstraße unterwegs. Es regnet schon seit einer Weile Nieselregen-Bindfäden. Warum bist du unterwegs und wer oder was begegnet dir? Und hilft er/sie/es dir?

Anm. d. Aut.: Bezug zu der Episode »The Claws of Axos«
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