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John Bentons U.N.I.T.-Tagebuch

von - Leela -
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Brigadier Alistair Gordon Lethbridge-Stewart Captain Mike Yates OC (Own Character) Sergeant John Benton
24.04.2020
01.07.2022
69
173.990
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
29.04.2022 910
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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John ist von seinem Wesen her sehr gutmütig. Aber auch bei ihm kann man eine Grenze erreichen. Was dann passiert… Er beschreibt es anschaulich in seinem neuen Kapitel. Nicht alles läuft so, wie man es gerne hätte…

Zu den Waffen

Es ist im Grunde nicht meine Art, Kameraden anzublaffen. Okay, wenn ich die Aufsicht über rangniedrigere Soldaten unter meinem Kommando habe, dann kann ich auch schon mal meine Autorität ausspielen. Aber ich behaupte mal, daß ich eigentlich sehr umgänglich bin.
      Dies änderte sich in einem speziellen Fall drastisch, als wir einen neuen Corporal in unserem Team dazubekamen. Der Typ machte mir echt zu schaffen! Nicht nur, daß er alles besser wußte, nein, seine Arbeitseinstellung ließ auch zu wünschen übrig. Das affektierte Gehabe konnte ich gar nicht ausstehen. Wenn er wenigstens etwas geleistet hätte! Seine Arbeit führte er aber sehr gelangweilt aus. Und beides zusammen war erst recht unertragbar.
      So etwas durfte man mir doch nicht unterstellen! Okay, wahrscheinlich dachte der Brigadier, am besten Sergeant Benton, der tut niemandem was. Und meistens hat er ja auch Recht damit. Mit mir kann man viel machen, weil ich mich in den seltensten Fällen wehre. Aber auch bei mir ist irgendwann eine Grenze erreicht, und das will was heißen.

Ich sollte mich also um den Neuen kümmern. Und ich versuchte wirklich, die Ruhe zu bewahren. Das ging schon morgens beim Kaffee los. Natürlich darf er, wie jeder andere auch, seinen Kaffee genießen. Solange der keine höhere Priorität als der Dienst hatte. Darauf, daß die Berichte bearbeitet wurden, wartete ich allerdings vergebens.
      Als ich das erste Mal die Nerven verlor und ihn anherrschte, er solle, statt in der Gegend herumzugaffen, lieber seine Aufgaben verrichten, interessierte es ihn nicht einmal. Für mein Selbstwertgefühl war das natürlich ganz toll. Konsequenz gab es am Kaffeeautomaten, als ich ihm den Nachschub verwehrte, bis die Aufgaben erledigt waren. Was soll ich sagen? Die Figur zu straffen, mich zu meiner vollen Größe aufzubauen und jegliche gutmütigen Züge aus meiner Miene zu verbannen, wurde mit einem Achselzucken belohnt. Daneben stand der Schokoriegelautomat. Ich war nicht schnell genug.
      Das war aber erst der Beginn des Tages. Und die gerade beschriebene Dramatik eher ein Kavaliersdelikt im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte.
      Der Supergau passierte, als wir einen konkreten Einsatz hatten. Ich gebe mir die Hauptschuld an dem Desaster. Anstatt den Einsatz zu Erziehungsmaßnahmen zu nutzen, hätte ich alles daran setzen müssen, jedes Risiko auszuschließen. Und dieser neue Lackaffe war ein Sicherheitsrisiko!
      Naja. Als die Weltraumwürmer auf der Erde landeten, und ich das Kommando über einen der Trupps bekam, um die Invasion zu vereiteln und den Planeten zu schützen, setzte ich meine Leute so ein, daß wir strategisch die Gefahr bekämpfen konnten. Ich entwickelte ein ausgeklügeltes Netz unter Waffeneinsatz, in dem jeder eine wichtige Position hatte, die zum Erfolg beitrug. Vielleicht hatte ich gedacht, der Neue würde sich gerne profilieren. Oder - ganz verwegen - sogar den Ernst der Lage verstehen. Ich hatte mich nie in meinem Leben so verkalkuliert.
      Ich werde nie begreifen können, wie jemand mitten im Einsatz, mitten im Kampf, seinen Platz verlassen, und sich in ein Café setzen kann! Mein ganzes System, das ich mir überlegt hatte, brach in sich zusammen, und daß wir alle lebend da rausgekommen sind, verdanken wir einem verzweifelten Spagat aller übrigen Kameraden, die nun versuchten, die Lücke in unserer Verteidigungslinie aufzufüllen.
      Erst als die Gefahr gebannt war, und ich einige Minuten keuchend auf dem Boden kniend verbracht hatte, war ich in der Lage mich aufzuraffen, um zu gucken, wo der gute Herr geblieben war. Ich fand ihn bei Eiskaffee und einer Waffel mit heißen Kirschen in einem Café etwas ab vom Schuß. Und das wie selbstverständlich.
      In mir brodelte es, wie nie zuvor in meinem Leben! Ich mußte aufpassen, daß ich ihm nicht im Affekt eine runterhaute. Eine solche Arbeitseinstellung kann ich unter meinem Kommando nicht gebrauchen.
      Statt der Handgreiflichkeiten beschränkte ich mich darauf, ihn anzuschreien. Ich kann laut werden, wenn es darauf ankommt, so hatte ich aber wohl noch nie jemanden angebrüllt.

Natürlich meldete ich den Vorfall, und ich verweigerte die weitere Zusammenarbeit. Was daraus geworden ist? Nunja. Ich mußte mich für meine sehr deutliche Wortwahl verantworten. Was ich nicht gewußt hatte war, daß unser Schützling der Sohn eines hochrangigen Generals war. Hätte ich anders gehandelt, hätte ich es gewußt?
      Unser Brigadier erkannte die Situation jedenfalls gut. Mit ein bißchen mehr Diplomatie, als es mir in der Situation möglich gewesen war, gelang es ihm, eine Versetzung durchzusetzen. U.N.I.T. würde den jungen Mann wohl unterfordern, hieß es. Das war die offizielle Formulierung dafür, daß der Brigadier nur rechtschaffene Leute unter sich haben wollte.
      Man kann darüber streiten, ob man mit dem Ergebnis zufrieden sein konnte. Immerhin waren wir ihn los, nur darauf kam es an. Sollte er doch andere Abteilungen terrorisieren als unsere. Für den Erfolg schrubbte ich auch gerne mit grimmiger Entschlossenheit die Böden der Fahrzeughallen, dafür, daß ich ihn mit ehrlichen Worten bedacht hatte.


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Kalenderwoche 17 von mir war:
      Schreibe eine Geschichte mit mindestens zehn verschiedenen »Affenworten«, zum Beispiel gaffen, Giraffe, Waffe, Affekt, Kaffee etc.
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