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John Bentons U.N.I.T.-Tagebuch

von - Leela -
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Brigadier Alistair Gordon Lethbridge-Stewart Captain Mike Yates OC (Own Character) Sergeant John Benton
24.04.2020
04.06.2022
64
161.145
3
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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18.11.2021 1.874
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Warum ich Johnny so liebe? Würde ich eine Liste anfangen, wäre ich ein paar Jahre mit nichts anderem beschäftigt. Deswegen liefere ich euch hier erst einmal einen speziellen Aspekt, der ganz oben mit auf der Liste rangiert! Oder besser, Johnny liefert. Viel Spaß bei:

Here, There, Corona Everywhere

Manchmal kommt man auf die einfachsten Dinge nicht. Insbesondere ich. Ich weiß nicht warum, aber manchmal bin ich - wie drückt es meine Frau aus? - liebenswert naiv. Naja, wenn es dazu beiträgt, daß man mich noch lieber hat, dann habe ich zu dieser Gelegenheit wohl alles richtig gemacht!
      Eigentlich ging es in dem Sinne nicht einmal um etwas besonderes. Besonders schon, aber in dem Sinne nichts außergewöhnliches. Robin wollte uns seine neue Freundin vorstellen. Das war es. Dafür hatte er ein Treffen mit seinen engsten U.N.I.T.-Freunden inklusive derer Partnerinnen geplant. Eine überschaubare kleine Truppe, Elijah mit seiner Freundin Jan-Lee, Alden mit seiner Freundin Raphaela, und ich mit Leela.
      Über Robins Freundin wußten wir noch nicht viel. Wir hatten mitbekommen, daß er jemanden in der Disco kennengelernt hatte, und seitdem hatte er kaum noch Zeit. Das klassische Prinzip. Inzwischen war die Beziehung so weit gefestigt, daß er uns seine Freundin unbedingt vorstellen wollte. Und das wurde eine Wundertüte. Keiner von uns hatte je ein Bild von ihr zu sehen bekommen. Wir wußten praktisch nichts über sie. Er hatte uns noch nicht einmal ihren Namen verraten. Und wir waren alle mächtig gespannt!
      Und Robin ließ keine Gelegenheit aus, ein großes Faß aufzumachen.
      Es begann damit, daß er uns in ein Gasthaus in Deutschland einlud, das er »zufällig gefunden hatte«. Es hieß »La Corona« und lag in der Pfalz. Ich dachte schon bei mir, als wenn wir selbst keine mediterranen Restaurants hätten. Aber scheinbar wollte er etwas besonderes machen, und er zahlte für uns ja auch die Gästezimmer für eine Übernachtung, da sagt man dann nicht Nein.
      Alden und Elijah hatten sich mit ihren Frauen für die Ankunft zusammen getan. Leela und ich konnten von ihrer Wohnung aus bequem anreisen, da Leela selbst aus Deutschland kommt, waren wir schon ein bißchen dichter dran. Wir trafen uns vor dem Haus und konnten auch direkt in die Zimmer einchecken. Elijah und seine Freundin tuschelten miteinander. Anscheinend unterhielten sie sich über den Namen des Gasthofes, denn sie schauten immer wieder zu dem Schild.
      Wir bezogen unsere Zimmer und gingen hinunter in den Raum, der extra für unser Treffen fertig gemacht worden war. Acht Plätze an einem runden Tisch. In der Mitte stand ein dekorativer Eisbär mit einer roten Robe und einer Krone auf dem Kopf. Leela wurde sofort auf ihn aufmerksam, musterte ihn eingehend und grinste mich an. Kein Wunder, daß sie sofort darauf zuschlug, sie liebt Tiere aller Art. Und der Bär war wirklich schön gemacht.
      Alden wurde mittlerweile auf die Hintergrundmusik aufmerksam. »Rhythm of the night«. Ein tolles Lied. Ich konnte verstehen, daß er sich darüber freute. Er fragte mich etwas provokant, ob ich die Band wußte. Ich wußte es tatsächlich. »Corona«. Passend zum Gasthof, dachte ich noch. Die nahmen es anscheinend ganz genau.
      Während wir dort zusammen standen und warteten, sahen wir Robin mit jemandem am Tresen sprechen. Offenbar die erste Bestellung des Tages. Und dann war der große Moment gekommen! Er kam mit seiner Freundin zu uns herüber, und wir konnten sie schon mal begutachten. Ja, hübsch, groß, dunkle lange Haare, die ihr in Locken über den Rücken fielen – die erste Sympathie war schon mal hergestellt. Ohne näheres zu wissen, konnte man schon verstehen, daß er sich in sie verliebt hatte.
      Robin verkündete, daß es vor der Vorstellungsrunde ein Begrüßungsgetränk gab. Zwei der Angestellten servierten uns Corona-Bier. Meine Güte! Man konnte es auch übertreiben mit dem Image! Aber gut, ich mochte es, von daher war es kein Problem.
      Nach dem Auftakt begann Robin vorzustellen. Elijah und Jan-Lee, John und Leela, Alden und Raphaela. Es folgte der Kommentar, daß der Rest ja bekannt sein dürfte, und das war’s. Und ich stand sprachlos da. Wollte er uns seine Freundin nicht vorstellen? Hatte er das vergessen? Allerdings nahmen alle anderen es als selbstverständlich hin und suchten sich ihre Plätze am Tisch. Möglichst ohne meine Verwirrung zu deutlich zu zeigen, gesellte ich mich dazu. Hatte ich etwas verpaßt?
      Am Tisch entwickelten sich die ersten Gespräche. Und ich erkundigte mich leise bei meiner Freundin und Elijah, die neben mir saßen, ob Robin uns nicht wenigstens sagen wollte, wie seine Freundin hieß. Die beiden wechselten einen Blick, den man mit Erstaunen betiteln konnte, und versicherten mir unisono „Hat er doch!“
      Das machte meine Verwirrung erst recht komplett. Und so erkundigte ich mich, wann. Ich begriff es nicht einmal, als Elijah sagte, die ganze Zeit. Als ich danach fragte, wie sie denn nun hieß, mußte in Sekundenschnelle eine nonverbale Absprache zwischen Leela und Elijah stattgefunden haben. Denn keiner der beiden verriet mir den Namen! Das müsse ich schon selber herausfinden, hieß es.
      Na super. Ich war mal wieder derjenige, der den entscheidenden Moment nicht mitbekommen hatte! Und meine Freunde ließen mich auflaufen, inklusive der Frau, die behauptete, daß sie mich liebte. Ich beschloß, ab sofort bei solchen Gelegenheiten noch aufmerksamer zu werden, und mich nicht von Dingen ablenken zu lassen, die in dem Moment nicht von Bedeutung waren!
      Ich stellte erst als alles zu spät war fest, wie paradox dieser kühne Vorsatz war. Denn Leela und Elijah hatten so auffallend Recht, daß Johnny Benton es einmal wieder nicht begriff. Mir fiel es nicht einmal auf, als ich noch beim zusammen stehen den demonstrativ ausgelegten Flyer der Corona GmbH zur Hand genommen hatte, die Fenster und Türen für Großprojekte herstellten, und ich fragte noch dämlich, ob Robins Wohnblock mit neuen Fenstern ausgestattet werden sollte. Die Frage war ernst gemeint gewesen.
      Da mir nichts anderes übrig blieb… Da ich dachte, mir würde nichts anderes übrig bleiben, hakte ich also an passender Stelle noch einmal ein, und fragte das Mädel, ob sie mir noch mal ihren Namen verraten würde. Sie sah mich mit diesem speziellen Grinsen an und fragte zurück, ob ich den nicht wissen würde. Als ich etwas verlegen verneinte, schmunzelte sie mit dem Hinweis, und dabei hätte Robin sich so viel Mühe gegeben.
      Das wäre jetzt eigentlich die letzte Gelegenheit für mich gewesen zu schalten. Daß ich mich gerade in unserer Runde zum Gespött machte, merkte ich jedenfalls. Ich werde nie vergessen, wie sieben Leute sich mit Kraft das Grinsen zu verbeißen bemühten. Ich war hilflos. Und so fragte ich, ob die anderen alle es schon vorher gewußt hätten. Und sie alle beteuerten, daß sie es erst hier erfahren hätten. Ich zweifelte langsam an meinem Verstand.
      Leela spielte demonstrativ mit dem Flyer der Fensterfirma. Ich hätte ihr das Ding am liebsten aus der Hand gezogen. Sie machte mich damit nervös. Alden nahm demonstrativ einen Schluck von seinem Bier. Und Raphaela hielt ihre Speisekarte demonstrativ für mich gut sichtbar. Elijah begann, »Rhythm of the night« zu singen. Jan-Lee zupfte an dem Saum von Umhang des Eisbären. Hilfestellung hatte ich wohl ganz offensichtlich nicht zu erwarten.
      Robin schaute sich das Spektakel an und meinte, es wäre kein Wunder, daß ich nicht drauf kommen würde – offenbar hatte er einen Hinweis zu wenig ausgelegt, so daß für mich keiner mehr übrig geblieben wäre.
      Könnt ihr glauben, daß ich es da immer noch nicht begriffen habe…?
      Dieses hübsche, für mich noch immer namenlose Mädchen grinste mich an und erklärte, sie hätte von Robin ja schon einiges über die Kameraden gehört, jetzt wußte sie, was er in Bezug auf mich meinte. Ein etwas zweifelhaftes Kompliment. Aber wohl verdient, wenn ich es rückblickend betrachte. Sie fragte Robin, ob sie mal den letzten Hinweis liefern sollte, nahm ihre Tasche und warf mir kurz darauf ihren Ausweis zu.
      Ich las neugierig. Corona. Ich starrte den Ausweis an. Das leise „Nein…!“ das von meinen Lippen folgte ersetzte meinen Wunsch, den Kopf auf den Tisch zu hämmern. Das Gelächter am Tisch war natürlich vorprogrammiert gewesen. Erschöpft gab ich Robins Freundin ihren Ausweis zurück. Anschließend wäre ich am liebsten so tief wie nie im Erdboden versunken. Und das sah man mir auch an, als ich auf meinem Platz tiefer rutschte. Jetzt konnte ich mir die ganzen Reaktionen auch erklären. Elijah und Jan-Lee hatten schon vor dem Gasthaus darüber philosophiert, ob es da einen Zusammenhang gab, weil der Gasthof ja nicht gerade in unserer üblichen Nähe lag. Leela hatte kombiniert, als sie zusätzlich den Eisbären mit der Krone gesehen hatte, weil Krone übersetzt Corona hieß. Alden hatte spätestens bei dem Lied geschaltet, und bei Raphaela hatte der Schlaghammer mit den Flyern ausgereicht, die anders keinen Sinn ergaben. Spätestens beim Bier hatten alle dann den endgültigen Hinweis zur Bestätigung erhalten. Nur John Benton hatte es nicht einmal begriffen, als er die Hinweise auf Nachfrage direkt vor die Nase gehalten bekommen hatte.
      Um zumindest ein bißchen meine Ehre zu retten, oder zumindest die von meinem Schatz, stellte ich ihr Leela als das arme Wesen vor, das mit dem naivsten Geschöpf des ganzen Planeten zusammen war. Ich muß gestehen, es tat in eben dem Moment unglaublich gut, als sie es mit einer festen Umarmung konterte und mit einer gewissen Form von verliebten Stolz mit den Worten „Das ist meiner!“ auf sehr unmißverständliche Weise klarstellte, daß ich zu ihr gehörte und sich jemand anders gar nicht erst Hoffnungen zu machen brauchte.
      So hatte ich also einmal mehr ohne es zu wollen für die Erheiterung der Mannschaft gesorgt. Aber was soll’s, irgendwie war das ja schon ein bißchen mein Markenzeichen, und spätestens seit ich die Erfahrung gemacht hatte, daß meine Freundin mich gerade für diese »liebenswerte Naivität« so liebte, nahm ich es gelassen und schämte mich mit einem Schmunzeln. Meinen kleinen Triumph bekam ich allerdings auch noch, und den hatte ich meiner Naivität sogar zu verdanken. Denn ich war dadurch der einzige gewesen, der ihren Ausweis zu sehen bekommen hatte. Die anderen mochten ihren Vornamen schneller herausgefunden haben. Aber ich wußte als einziger ihren Nachnamen, ihr Geburtsdatum, und wo sie wohnte!


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 46/2021 von mir war:
      Schreibe eine Geschichte mit Corona, aber NICHT mit dem Virus, und auch nicht mit irgend einem anderen Virus! (Beispiele: Die Band namens Corona [»Rhythm of the night«], das Bier namens Corona, Corona als Frauenname…) Die Geschichte soll den Grundtenor Corona haben, aber eben in dem Zusammenhang, den ihr auswählt, und der Name soll auch im Titel vorkommen.
      Damit soll einmal daran erinnert werden, daß es auch andere, normale, schöne und vor allem ältere Dinge gibt, die man mit dem Begriff verbinden kann.



Anm. d. Aut.: An einer Stelle dieses Kapitels war ich sehr froh und dankbar, daß ich den Virus ausgeschlossen habe!
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