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John Bentons U.N.I.T.-Tagebuch

von - Leela -
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Brigadier Alistair Gordon Lethbridge-Stewart Captain Mike Yates OC (Own Character) Sergeant John Benton
24.04.2020
01.07.2022
69
173.990
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
01.10.2021 2.923
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Das Leben mit meinem Schatz ist bisweilen schon recht anspruchsvoll. Die Art wie, ist es allerdings auch, warum ich ihn so liebe. Die nächste Geschichte beschreibt es einmal wieder sehr schön. Es sind diese Momente, wo man einfach nur resignieren möchte – und die mit dafür Sorge tragen, daß ich ihn nie wieder hergeben werde…

Streifen-Chaos

Jeder Beruf hat so seine Eigenheiten, auf die man achten sollte. Eine Regel, die für Soldaten bei U.N.I.T. gilt, möchte ich euch heute näherbringen. Sie besagt: Achte genau darauf, was du unter bestimmten Voraussetzungen sagst!
      Wir hatten die extraterrestrische Bedrohung gefunden, die einen ganzen Landstrich lahmgelegt hatte. Dabei war es bei dieser Bedrohung nicht einmal so, wie wir es oft hatten, daß eine aggressive außerirdische Lebensform versuchte, den Planeten zu übernehmen oder zu zerstören. Nein, es handelte sich um einen Organismus, der aus dem Weltraum auf die Erde gelangt war, und wovon auszugehen war, daß es eher zufällig, oder sagen wir mal, unbeabsichtigt passiert war. Deswegen ließ es sich glücklicherweise auch örtlich gut eingrenzen. Es handelte sich um mehrere Fragmente, die rein äußerlich wie kleine Meteoriten wirkten, allerdings tatsächlich eigenständige Organismen waren. Das, was sie so gefährlich machte war, daß sie anscheinend eine Krankheit bei uns auslösten. Bei den Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Niedergangs lebten, waren verschiedene Symptome festgestellt worden. Hautausschläge, Atemprobleme, Niesen, aber auch schwere Erkrankungen und all sowas.
      Mittlerweile hatten wir alle Organismen geborgen und im Hauptquartier unter Quarantäne. Wir gingen ganz stark davon aus, daß wir alle erwischt hatten. Gerade wurden sie katalogisiert, mit dem Fundort zusammen, um einen Bezug zu den Krankheitsbildern herzustellen. Und unsere Wissenschaftsabteilung arbeitete mit Hochdruck daran, mehr über diese Lebewesen herauszufinden.
      Ich stand zusammen mit einigen Kameraden vor der Scheibe und sah mir die harmlos erscheinenden Felsbröckchen an. Radioaktivität war schon ausgeschlossen worden. Auch konnten sie nicht als Seuchenträger identifiziert werden. Sie sahen im Grunde auch ganz harmlos aus, waren einfach nur da. Was war es also, was die Leute in ihrer Nähe krank machte?
      Unsere Wissenschaftler arbeiteten auf Hochtouren. Ganz so wie sie wollten, konnten sie aber nicht. Und hier kommt die Militärbürokratie ins Spiel. Wir bekamen es live mit, als wir in dem großen Labor standen. Ging es um spezielle Ausrüstung, mußte dies erst nach speziellen Paragraphen beantragt werden. Eine Verlagerung wurde durch einen anderen Paragraphen ganz unterbunden. Wieder andere Paragraphen sorgten dafür, daß für bestimmte Verfahren erst bestimmte Genehmigungen eingeholt werden mußten, undsoweiter.
      Mir ging der ganze Paragraphenkram sehr auf die Nerven. Wollten wir nun etwas über das Phänomen aus dem Weltraum herausfinden oder nicht?
      Als ich in Worte faßte, daß ich gerne etwas über den Ursprung dieser Steinbrocken herausgefunden hätte, kommentierte Will an meiner Seite, daß es sicher auch dafür einen Paragraphen gab, der dagegen sprach. Da war er bei mir an der richtigen Adresse! Der ikonische Satz ‚Hör bloß auf! Ich bin allergisch gegen Paragraphen!‘ sollte noch in die U.N.I.T.-Geschichte eingehen. Will grinste nur und fragte mich, wie sich die Allergie denn äußern würde. Kreativität ist alles. Und so antwortete ich spontan, mit roten juckenden Streifen.
      Das war das letzte, worüber wir sprachen, bevor wir das Labor wieder verließen. Und für einen Augenblick geriet unsere Blödelei in Vergessenheit. Genau so lange, bis ich zu meiner Frau hoch ins U.N.I.T.-Büro ging…

Leela war noch beschäftigt, als ich zu ihr ins Büro kam. Ich war kaum in der Tür, als ich mich schon merkwürdig fühlte. Sie strahlte mich an, dann rutschte ihr Lächeln in Besorgnis ab, und sie fragte mich, was mit mir los sei.
      Bis dahin hatte ich noch gar nicht richtig ausgelotet, was mit mir passierte. Es war nur dieses kribbelige Gefühl, das anders war als das, was ich für gewöhnlich kannte, wenn ich mit meiner Frau zusammen war oder an sie dachte. Ich hatte kaum registriert, wie ich begonnen hatte, mich zu kratzen.
      In ihrem Gesicht stand mehr als Sorge geschrieben, als sie zu mir herüber hastete, und mich auf einen Stuhl dirigierte. In dem Moment begriff ich, warum. Mein Körper war überall mit roten Streifen versehen! So etwas hatte ich noch nie erlebt, und ich konnte mir auch nicht erklären, wo die herkamen. Ich merkte nur, daß sie fürchterlich juckten.
      Leela fragte einiges nach meinem Wohlbefinden ab, was ich glücklicherweise alles verneinen konnte. Mein Kreislauf war in Ordnung, ich hatte keine Atemnot, keine Kopfschmerzen, fühlte mich auch sonst ganz wohl, sah man von den juckenden roten Streifen ab. Ihre Vermutung war eine allergische Reaktion. Ich wollte schon abwinken. Ich hatte keine Allergien, was hätte so eine Reaktion ausgelösen sollen? Da fiel mein Blick auf die Büroordnung, die neben der Eingangstür hing und einige Paragraphen beinhaltete. Wann hatte ich das noch mal erwähnt, mit den roten juckenden Streifen…?
      Ich sank etwas in mir zusammen. Das hatte zur Folge, daß meine Frau in Panik geriet. Dabei resignierte ich gerade nur über meine eigene Naivität. Die Krankheitsbilder, die von den außerirdischen Organismen hervorgerufen wurden… Ich war mir sicher, ich hatte gerade den Schlüssel dazu gefunden. Und war mit meiner unbedachten Frotzelei gleich Opfer geworden. Ich bat sie, die Büroordnung zu entfernen.
      Meine Frau arbeitet lange genug bei U.N.I.T., hat selbst ja auch genug Erfahrung mit abstrakten Dingen, vor allem aber ist sie lange genug mit mir verheiratet, so daß sie gar nicht erst nachfragte, sondern meiner Bitte gleich nachkam. Schlagartig besserten sich die roten Streifen, auch wenn sie nicht ganz verschwanden. Als Leela mich nun nach dem tieferen Sinn der Aktion fragte, mußte ich die Karten auf den Tisch legen. Ich hatte eine Paragraphen-Allergie…

Meine Frau resignieren zu sehen, ist immer wieder ein Erlebnis für sich. Ich meine damit die besonderen Gelegenheiten, die ich hin und wieder generiere, und die sie regelmäßig hilflos zurück lassen, so wie jetzt. So saß sie mir nun gegenüber, ohne ein Wort zu sagen, dafür sprach ihr Blick Bände. Ich konnte es ihr nicht verdenken. Wir hatten gerade meine Grafettafobia in den Griff bekommen.
      Nun ist es so, daß es auch mit einer Paragraphen-Allergie in einem Büro so eine Sache für sich ist. Ich konnte mich dort nicht aufhalten, ohne daß die roten Streifen durchkamen, weil irgendwo immer irgendwelche Gesetzbücher, Verordnungen oder ähnliches herumlagen. Leela hatte Mühe, mich vom kratzen abzuhalten. Das machte die Sache ja nur schlimmer. Ich merkte aber kaum noch, wenn ich damit anfing, weil es so automatisch passierte. Auf meine Zeit bei ihr im Büro wollte ich aber auch nicht verzichten.
      Ganz schlimm wurde es, wenn sie auf die Idee kam, ein Gesetzbuch aufzuschlagen. Das passierte zwei Mal aus Versehen, weil sie nicht an meine Allergie dachte. Ich wußte gar nicht, wo ich zuerst anfangen sollte zu kratzen. Und sie wurde hektisch, in dem Bemühen, mich davon abzubringen, bis sie begriff, daß es mir am meisten half, wenn sie einfach das Buch zumachte!
      Die andere Variante setzte ich ein, als sie nicht anders konnte – sie mußte etwas für den Brigadier nachschlagen, und der hatte recht wenig Verständnis für meine Allergie. Er meinte, ich würde mir das nur einbilden, als wenn ich mir die roten Streifen einbilden könnte. Jedenfalls bestand meine einzige Chance auf Besserung darin, daß Büro zu verlassen, während die beiden Paragraphen wälzten. Nun gut, die Variante ging im Zweifel immer. Am wenigstens wollte ich sie einsetzen, wenn ich mit Leela das Büro allein hatte…

In einem waren Leela und ich uns einig. Besser eine Paragraphen-Allergie, als eine Grafettafobia. Ich wurde jedenfalls zum Studienobjekt für unsere Wissenschaftler, und brachte sie ein gutes Stück in ihren Forschungen voran. Ich versuchte derweil, auf andere Art Linderung zu erhalten. Wahnsinnig viel brauchte ich in der Apotheke nicht zu erklären. Auch da gab es eine Hausordnung mit Paragraphen, die sofort mein Beschwerdebild auslösten.
      Zwar glaubte mir niemand, als ich sagte, ich hätte eine Paragraphen-Allergie, und man hielt es eher für einen Witz. Aber die Symptome an sich sprachen für sich. Und so wurde mir eine Salbe empfohlen, die gut bei allergischen Reaktionen helfen sollte. Ach ja, und der Hinweis, daß ich versuchen sollte, die Ursache der Allergie zu meiden. An der Stelle hätte ich am liebsten gelacht.
      Ein bißchen half die Salbe tatsächlich. Das Problem war, daß die kleine Tube sehr schnell aufgebraucht war. Das war also auch nicht die Paradelösung. Immerhin wollte ich von meinem Gehalt gerne noch mal meine Frau zum Essen einladen, und nicht meinen ganzen Verdienst in Allergie-Salbe investieren.
      Ich versuchte also tatsächlich, den Auslöser zu meiden, wo es nur ging. Meine Frau wurde fast wahnsinnig. Jetzt wurde aus der büroklammerfreien Zone eine paragraphenfreie Zone, damit ich sie besuchen konnte. Zu Hause hatten wir alles ausgesourct, was mit Paragraphen zu tun hatte. Viel war es glücklicherweise ohnehin nicht. Ein paar Gesetzesheftchen nahm sie einfach mit an ihren Arbeitsplatz. So hatte ich zumindest Zuhause nicht mit den Beschwerden zu tun.

Nun könnte man meinen, man könnte sich irgendwie damit arrangieren. Die Forschungen um die außerirdischen Organismen liefen auf Hochtouren. Paragraphen konnte ich in meiner Soldatentätigkeit einigermaßen umgehen, wenn wir Zuhause Gesetze brauchten, übernahm meine Frau das, und hin und wieder rote Streifen konnte man verschmerzen, wenn es nicht zu extrem war. Es sah ja auch ganz interessant aus, und außer dem Jucken taten sie ja nichts. Das brachte mich übrigens zu dem Gedanken, daß ich froh war, bei meiner Frotzelei mit Will nicht kreativer geworden zu sein, als es darum ging, wie sich die Allergie bemerkbar machte. Denn daß da ein Zusammenhang bestand, das stand schon mal klar.
      Alles in allem kamen wir also relativ gut mit meiner Allergie zurecht. Meine Frau brachte es recht trocken auf den Punkt, als sie sagte, sie würde jede Allergie in Kauf nehmen, solange ich nur keine Leela-Allergie entwickelte. Als sie das so unbedarft sagte, schauderte es mich. Das hätte mir gerade noch gefehlt! Es erinnerte mich aber auch daran, immer schön vorsichtig zu sein, wenn ich etwas im Witz sagte. Die Paragraphen-Allergie war dahingehend jedenfalls fast schon willkommen.
      Wir hatten uns nun also auf die Allergie eingerichtet, als der Supergau passierte. Und zwar hatte es einen bösen militärinternen Vorfall gegeben, bei dem ich durch puren Zufall zu einem der wichtigsten Zeugen wurde. Mit anderen Worten, ich mußte vor Gericht. … An dieser Stelle lasse ich euren Gedanken einen Moment Spielraum.

Es ging nicht! Ich war geladen. Und als geladener Zeuge hatte man zu erscheinen, mal abgesehen davon, daß es mir ein Bedürfnis war, weil ich unseren Brigadier entlasten mußte. Eine Absage wäre nur mit einem ärztlichen Attest und Wegeunfähigkeitsbescheinigung möglich gewesen. Das konnte ich mit meiner Allergie sowieso vergessen. Das zählte nicht. Nun kann man sich vorstellen, daß so ein Gerichtssaal eine einzige Paragraphenhölle war. Und Hölle ist in meinem Fall wörtlich zu verstehen! Es konnte ja niemand stellvertretend für mich da hin. Das bedeutete, ich mußte da durch!
      Die Frage, in wie weit man einen rot-gestreiften Zeugen ernst nehmen kann, ist das eine. Das weitaus schlimmere war, daß ich mich gar nicht auf meine Aussage konzentrieren konnte, weil mein ganzer Körper juckte und nach Linderung schrie. Nun macht es sich im Gerichtssaal noch weniger gut, sich wie ein beflohter Straßenhund von oben bis unten zu kratzen. Ich versuchte also, die Zähne zusammenzubeißen und diese Tortur auszuhalten. Meine Finger krallten sich in den Tisch vor mir. Mir war nie bewußt gewesen, daß meine Fingernägel solche Spuren im Holz hinterlassen konnten. Ich zitterte. Das konnte ich gar nicht vermeiden. Ich verpaßte die Frage des Richters.
      Die wenigen, die um meinen Zustand wußten, namentlich meine Frau, Will und eine Handvoll Kameraden, litten von den Zuschauerbänken aus mit mir – konnten aber nichts tun. Leela hielt es irgendwann nicht mehr aus, stand auf und herrschte den Richter an, ob er nicht damit aufhören könne, mit Paragraphen um sich zu schmeißen. Sie durfte die Verhandlung von draußen weiter verfolgen…
      Ich hatte nicht einmal den Paragraphen mitbekommen, nach dem ich vereidigt wurde. Ich hatte mich nun schon, in Vorbereitung auf dieses Ereignis, mit einer Tonne Allergie-Salbe eingedeckt. Es nützte nichts. Mein Körper rebellierte gegen die Paragraphen.
      Wie ich es geschafft habe, die Verhandlung durchzustehen, ist mir selbst bis heute ein Rätsel. Irgendwie habe ich es geschafft, mich so weit zusammenzureißen, daß ich meine Aussage machen konnte. Das zeigt eigentlich nur, wie wichtig mir das Anliegen war. Daß die Gegenseite aufgrund meines Zustands nicht auf Ungültigkeit plädierte, glich einem Wunder. Meine Aussage wurde zu Protokoll genommen, und ich durfte den Saal verlassen – endlich.
      Ich fand meine Frau zu einer Kugel zusammengesunken auf der Bank vor dem Saal. Ich wußte nicht, wer mehr gelitten hatte, ich oder sie. Draußen auf dem Korridor wurde es schlagartig besser mit dem Juckreiz, dafür war es aber noch immer schlimm genug – endlich konnte ich dem aber nachgeben, während ich mich vor Leela auf den Boden kniete, um sie zu erlösen. Die Umarmung tat gut. Fast so gut wie das kratzen. Vor allem, weil sie die roten Streifen nicht störten. Ansehnlich sah es ja nicht aus. Aber das interessierte sie überhaupt nicht. Sie wollte nur, daß es mir gut ging. Und das, wo ich - einmal wieder - selbst schuld war an meinem Zustand. Aber ich hatte es ja nicht mit Absicht gemacht. Diesmal war es wirklich Schicksal gewesen.
      Dieser Tag ging als einer meiner schlimmsten in die Annalen meiner Geschichte ein. Und Leela hoffte noch immer, daß unsere Wissenschaftler eine Lösung für das Problem fanden. Denn daß man nicht immer gänzlich um Paragraphen herum kam, das hatte diese Gelegenheit ja ganz deutlich gezeigt…

Es dauerte einige Zeit, bis U.N.I.T.s Wissenschaftsabteilung das Geheimnis um die außerirdischen Organismen herausgefunden hatte. So lange versuchte ich, jeden Paragraphen zu umgehen, wo es nur ging. Wenn man eine Allergie hat, lernt man sehr schnell, wie man den Auslöser vermeidet. In meinem Fall war das nicht immer zur Freude des Brigadiers.
      Leela stand zwar voll hinter mir, manche Dinge ließen sie aber auch hilflos zurück. Sie hatte eine Taste von der Tastatur entfernen müssen, damit ich auch an unserem Computer arbeiten konnte.
      Irgendwann lagen die Auswertungen aus dem Labor vor. Damit meine ich nicht direkt irgendwelche Laborauswertungen über meine Allergie, aber es hat damit zu tun, denn wir wußten jetzt, wie die seltsamen Krankheitsphänomene zustande kamen, die in der Nähe der extraterrestrischen Organismen auftraten. Wie wir bereits vermutet haben, nahmen die Wesen unsere Wellen auf und verwerteten sie. Und jetzt kommt der Clou: Mit Krankheiten können sie nichts anfangen. Wer kann das schon? Das hatte zur Folge, daß, wenn jemand über eine Krankheit sprach, oder daran dachte, er die Wellen in ihrer reinen Form zurück gesendet bekam. Und das ist auch der Grund, warum es nichts nützte, sich einfach zu wünschen, wieder gesund zu sein. Positive Wellen werden von den Organismen absorbiert.
      Wir mußten also einen Trick anwenden. Wir mußten einen versteckten Heilungsgedanken mitsenden, der von den Organismen nicht erkannt und wieder mit zurück gesendet wurde. In meinem Fall funktionierte es so, daß ich im Labor in der Nähe der so harmlos wirkenden Meteoriten erwähnte, wie nervig meine temporäre Paragraphen-Allergie sei, die glücklicherweise nur einmalig im Leben vierzehn Monate anhielt. Jetzt wißt ihr, wie lange ich damit zu kämpfen hatte. Den Text hatten wir uns genau überlegt, damit da keine versteckten Fallen drin waren. Und es funktionierte! Der Krankheitsgedanke konnte von den Wesen nicht verwertet werden. Also wurde mein Leiden, das ich ohnehin ja schon hatte, zu mir zurückgesandt, allerdings zusammen mit den Zusatzinformationen, die dafür sorgten, daß ich die Allergie nur noch acht Tage auszuhalten brauchte, dann lief die Frist ab. Das war händelbar.

Es ist so schön, wenn so ein Leiden wie eine Paragraphen-Allergie absehbar ist. In der Zeit konnte ich die Trigger noch gut umgehen. Das einzige, was tricky war, war die Tatsache, daß ich nicht mit Bestimmtheit wissen konnte, ob es funktionierte. Es war ja nur ein Versuch, und eine Menge Hoffnung im Spiel. Aber als die vierzehn Monate mit der Allergie voll waren, hörte die Allergie schlagartig auf.
      Ich probierte es erst vorsichtig. Leela reparierte die Tastatur. Ich konnte die Paragraphentaste benutzen, ohne gleich Ausschlag zu bekommen. Das war ein Fortschritt! Dann wagte ich mich an kleine Gesetzesblätter. Die roten Streifen, an die ich mich schon gewöhnt hatte, blieben aus.
      Den nächsten Monat verbrachte ich mit Wonne damit, Gesetzesbücher zu lesen. Ich genoß es, Paragraphen zu lesen, ohne daß sie irgendwelche Beschwerden auslösten. Es wurde fast zu einer exzessiven Freude, alles zu lesen, was Paragraphen hatte. Ich kenne mich jetzt also im Strafrecht, im Sozialrecht, im Verkehrsrecht, sowie anderen Gesetzbüchern und diversen Verordnungen dazu perfekt aus!
      Also, von mir aus kann die nächste Gerichtsverhandlung kommen!


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 39/2021 von MiraMiracle war:
      Die Aussage, dass man auf etwas allergisch ist, ist manchmal nur im übertragenen Sinn gemeint (z.B. Drängler, Lügen, Komplimente,...). Nehmt es aber mal wortwörtlich und gebt eurem Charakter tatsächlich so eine ungewöhnliche Allergie.
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