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Ein Kuss im Regen

von Taktlos
Kurzbeschreibung
OneshotTragödie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Vergil
24.04.2020
24.04.2020
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„Hey.“

Er blickte von dem Buch auf, welches er gerade laß und legte den Kopf schief während er sich sein gegenüber genauer besah. Sie lag ihm gegenüber auf dem Sofa und warf ihm einen spitzbübischen Blick zu, in ihren Augen blitzte der Schalk. Sie knetete ihre Finger, bemerkte er. Etwas, was sie oft tat wenn sie nervös war. Doch weswegen?
Seine Miene verfinsterte sich ein wenig und er besah sich seine Partnerin für einen weiteren langen Moment, bevor sie schließlich weitersprach.


Weißt du, was so richtig romantisch wäre?“ Sie kicherte ein wenig und machte es sich kurzerhand noch ein wenig bequemer, drückte sich tiefer in die Kissen in ihrem Rücken, ehe sie spielerisch mit ihren Augenbrauen wackelte.

Er spürte wie seine Mundwinkel kurzerhand ein wenig nach oben zuckten, ehe er einmal tief seufzte und das Buch mit einem sanften Geräusch schloss. Normalerweise beließen sie es bei gemütlichem Schweigen, wann auch immer er las und sonnte sich still in seiner stummen Gesellschaft. Das hieß jedoch nicht, dass sie ihn nicht gerne mal necken würde.

Sie beobachtete ihn wachsam als er das Buch schließlich auf dem Sofatisch ablag, fast schon so als würde sie erwarten, dass er sich jeden Moment auf sie stürzen würde und doch wurde ihr Grinsen noch breiter.

„Ich fürchte, du wirst es mir ohnehin sagen. Selbst wenn ich nicht darum bitte.“ Bei seiner Aussage schien sich ihre Stimmung mit einem mal komplett zu wenden. Braune Augen weiteten sich gespielt entrüstet und sie schnappte empört nach Luft.
Wieder zuckten seine Mundwinkel und doch besah er sich ihr Schauspiel weiterhin.


„Vergil!“ rief seine Gefährtin, gespielt fassungslos und griff nach ihrem Herzen, fast schon so als hätte seine Bemerkung sie zutief getroffen, allerdings ging das spielerische Glitzern in ihren Augen nicht verloren. Er spürte eine angenehme Wärme, die seine Brust durchflutete und sich in ihm ausbreitete. Sie waren sich auf so vielen verschiedenen Ebenen fremd und ergänzten sich doch dort, wo sie es am meisten brauchten, wonach sie sich am meisten sehnten.

Was für ein seltsames Phänomen, meinte er zu sich selbst. Dass es ausgerechnet ein Mensch war, dem er sein Wesen anvertraut hatte.

Genau so, wie es auch sein Vater vor ihm getan hatte.


„Dann sag es mir.“ Er hielt ihren Blick gefangen als sie sich mit einem mal aufsetzte und tief seufzte, fast schon so als würde sie sich in der Vorstellung verlieren, welche ihren Kopf nicht loszulassen schien. Sein Blick rutschte flüchtig an ihr herunter. Sie trug ein altes, ausgewaschenes Shirt und noch immer ihre Pyjama Hose. Ihre braunen Haare trug sie noch immer in dem geflochtenen Zopf, den sie sich am gestrigen Abend mühsam erkämpft hatte. Er war nicht sehr ordentlich, doch das hatte sie nicht gestört.

Und ihn störte es ebenfalls nicht.

Nun allerdings glitt sein Blick wieder an ihr herauf und blieb an ihrem hängen. Wieder schlich sich dieses verträumte Grinsen auf ihr Gesicht, ehe sie
mit einem mal aufstand und zu ihm kam. Fast unkenntlich setzte er sich auf, seine Hände fanden ihre Hüften als ihre Arme sich um seinen Hals schlangen. Sie fand schließlich Platz auf seinem Schoß und er betrachtete sie für einen weiteren Augenblick, ehe sie dann fortsetzte.

„Ein Kuss im Regen.“


Vergil hob dezent eine Braue und gab ein leises Geräusch von sich. Das also hatte sie so sehr beschäftigt, dass sie seine Lektüre unterbrochen hatte?
Ihr Blick huschte flüchtig zu seinen Lippen und… Ah. Jetzt verstand er.

Der Weißhaarige brummte leicht und zog seine Partnerin enger an sich, seine Finger glitten unter den Stoff ihres Shirts und zogen dort leichte Spuren nach sich. Fast augenblicklich bemerkte er, wie sie unter seiner zarten Berührung schauerte und sich Gänsehaut bildete.

„Es regnet nicht.“ Meinte er leise und sie lachte kurz.
„Das macht nichts.“ Ihre Finger glitten in sein Haar und er schloss die Augen, als er sich ihrer Berührung hingab. Sie beugte sich leicht zu ihm herab.
Für einen Augenblick herrschte erneut Stille zwischen ihnen.

„Ich liebe dich.“ flüsterte sie leise an seinen Lippen und er brummte leise, erwiderte es jedoch nicht. Er war kein Mann großer Worte. Sie würde wissen, wie viel sie ihm bedeuten würde. Im nächsten Moment nahm er ihr die Gelegenheit zu sprechen, beugte sich vor und überbrückte den Abstand zwischen ihnen.


Ihre Lippen schmiegten sich an seine und das Buch blieb für den Rest des Tages unangetastet.





Kälte kroch in ihre Glieder und es fiel ihr schwer die Augen offen zu halten. Regen perlte auf ihrer Haut ab, durchzog ihre Kleidung und seine Berührungen waren nicht genug um sie aufzuwärmen, sie bei sich zu halten. Für einen Moment fielen ihre Lider zu und die Müdigkeit schien sie zu übermannen, gefangenzunehmen und nicht loszulassen.

„Nicht-“ Seine Stimme klang so fern und es fiel ihr schwer sich zu konzentrieren. Der Schmerz in ihrer Brust weitete sich aus und sie spürte wie die Dunkelheit nach ihr griff, wurde jedoch kurz darauf erneut leicht wach gerüttelt.

Sie wimmerte, griff nach seinem Arm, öffnete die Augen und suchte seinen Blick. Regen traf ihre bebenden Lippen und sie schluckte schwer, schmeckte Metall und Salz und Tränen, die sie nicht mehr zurückhalten konnte.

„Bleib wach. Bleib bei mir-“ murmelte er, hielt ihre Hand fest mit seiner umklammert während er versuchte sich selbst nicht in der aufkommenden Verzweiflung zu verlieren. Der Kampf war lange vorbei, die Dämonen besiegt und doch war er nicht schnell genug gewesen um sie vollends zu schützen, sie zu retten.
Er hatte sie enttäuscht, seinen Schwur ihr gegenüber gebrochen.

Wieder einmal. Wie damals bei seiner geliebten Mutter
und seinem Bruder.

Vergil-“ Ihre Stimme kam ihr fremd vor und im nächsten Moment wurde sie von einem starken Hustenreiz übermannt. Wärme sickerte in ihre Kleidung und erneut wimmerte sie als auch sie erkannte, dass sie starb. Sie starb in seinen Armen und schluchzte schwer auf, versuchte sich aufzusetzen doch ihre Glieder gehorchten nicht-

Der Himmel bebte, Donner hallte in ihren Ohren wieder und sie zuckte zusammen, seine Hand fand ihre Wange und strich ihre Tränen fort.
„Bitte.“ Er hätte sie beinahe überhört und seine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.
Er hätte jede Folter auf sich genommen, jedes Jahr welches ihm in seiner Gefangenschaft genommen wurde erneut auf sich genommen, alles um sie bei sich zu halten.
Ihr Griff um seine Hand lockerte sich und er erkannte, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte.
Er würde alles für sie tun. Ihr jeden Wunsch erfüllen-

Er griff nach ihre Wange und lehnte sich zu ihr herunter doch ihre Lippen schmeckten nach Blut, waren zu kalt als dass er diesen Kuss genießen könnte. Er schloss die Augen und salziger Regen zog seine Spur über seine Wangen. Er hielt sie fest umklammert und schluchzte, als ihn die Endgültigkeit und Verzweiflung übermannte.

Vergil schluckte und bemerkte zu spät, dass sie ihn verlassen hatte.

Liebste?“ Seine Stimme brach und seine Tränen fielen, benetzten ihre Haut, zu blass. Sie musste die Augen geschlossen haben, sich im Moment verloren haben. Er hatte ihr ihren Wunsch erfüllt, ein Kuss im Regen-

Sie würde ihn nie wieder küssen.

„Bitte-“

Sie würde ihn nie wieder ansehen.

„Ich liebe dich-“

Sie antwortete nicht.



und sie würde ihm nie wieder antworten.



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Nun, da wären wir.

Vielen Dank für das Lesen meines kleinen OneShots!
Es ist mittlerweile einige Jahre her, seitdem ich mich wirklich wieder dem Schreiben gewidmet habe und tatsächlich auch etwas zu Ende gebracht habe. :)


Diese Geschichte spielt einige Jahre nach dem Ende von Devil May Cry 5 und richtet sich dabei nach meiner Vorstellung, wie das Leben von Vergil weiter verlaufen sein könnte - und natürlich dem, was ich mir persönlich für ihn gewünscht habe.
Ich habe ihn noch nie bewusst beschrieben und hoffe trotzdem, dass er nicht zu OOC dargestellt wurde.

Ich freue mich über sämtliche Kommentare und Fragen, Anregungen, etc!
Falls ihr Rechtschreib- oder Grammatikfehler entdeckt, lasst es mich wissen, damit ich die Geschichte später noch einmal korrigieren kann.

Vielen Dank fürs Lesen!
Bleibt Gesund und passt allesamt auf euch auf!

Liebe Grüße,
Sarah
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