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keeping up with the bronevs

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Flora Reinhold Hershel Layton Jean Descole
23.04.2020
03.09.2020
9
30.893
2
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14 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
23.04.2020 3.061
 
/ hier nochmal die warnung: spoiler für ziemlich alle spiele der serie - vor allem teil 3, 5 und 6
außerdem geht es insgesamt um themen wie tod eines familienmitglieds, beerdigungen, mentale gesundheit, etc. falls euch das nahe gehen sollte- stay safe!
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Prolog - Lange nicht gesehen

Professor Hershel Layton huschte schnellen Schrittes über das Gelände der Gressenheller Universität.

Auf dem Campus tummelten sich die aus den Semesterferien zurückgekehrten Studenten, tauschten sich über ihre freie Zeit und die anstehenden Kurse aus und genossen die ersten Sonnenstrahlen. Der Frühling kündigte sich in der englischen Metropole an und vertrieb an diesem Morgen auch noch die letzte Dunkelheit, die das graue Wetter übrig gelassen hatte.

Hershel hatte einen düsteren Winter hinter sich gehabt. Erst vor wenigen Wochen war sein langjähriger Assistent und bester Freund Luke Triton mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten ausgewandert und hatte ihn mit einem ungewohnt einsamen Alltag zurückgelassen. Besonders zu dieser Zeit eine Herausforderung, hatte er doch diesen Winter seine große Liebe, Claire, die vermeintlich zehn Jahre zuvor bei einem Laborunglück ums Leben kam, erneut verlieren müssen. Schon damals war es schwer gewesen, sich aus dem Loch, in das er nach ihrem Tod gefallen war, wieder heraus zu hieven und er hatte feststellen müssen, dass es auch beim zweiten Mal nicht weniger schmerzte. Vielleicht war es da ganz gelegen gekommen, dass er sich die letzten Wochen ganz auf den Umzug seines Schützlings Flora, die eine Ausbildung zur Küchenhilfe in einem anderen Teil der Stadt anstrebte, konzentrieren konnte.

Auch das allerdings ein endgültiger Hinweis, dass sich sein Leben mit dem Beginn des Sommersemesters spürbar wandeln würde. Aber vielleicht, dachte er, als er auf den Eingang des Universitätsgebäudes zu spazierte, war das auch gar nicht so schlecht.

Die letzten Jahre waren stets geprägt von Abenteuern, Nachforschungen an Seiten von Scotland Yard und Studienreisen; kaum eine Verschnaufpause zwischen den Mysterien, in die der Archäologieprofessor stets verwickelt wurde. Da blieben wenige Kapazitäten für einen normalerweise großen Anteil seines Berufs - das Unterrichten an der Universität war in den von ereignisreichen Reisen geprägten Jahren häufig zu kurz gekommen. Nicht selten mussten Vertretungen für seine Vorlesungen gefunden werden oder Seminare entfallen. Jetzt, wo ihn das Abenteuer augenscheinlich verlassen hatte, hatte Hershel Zeit, sich diesem Bereich seines Lebens intensiver zu widmen. Und wahrscheinlich war es wirklich gut für ihn, nach diesem langen Winter endlich wieder unter Leute zu kommen. Frischer Wind musste her!

Und dieser ließ nicht lange auf sich warten.

„Hihi, Guten Morgen, Professor!“Quer durch das sich langsam füllende Foyer eilte zielstrebig Rosalind Stone, eine seiner Studentinnen, auf Hershel zu. Er musste ein angestrengtes Seufzen unterdrücken. Dass die aufdringliche Rosalind auf der Teilnehmerliste seines bereits ausgebuchten Seminars stand, hatte er bereits mit äußerst gemischten Gefühlen festgestellt. „Guten Morgen, Rosalind. Ich hoffe, Sie hatten entspannte Ferien?“

Sie kicherte und winkte breit grinsend ab. „Oh ja, ich habe bereits die vorbereitende Lektüre für Ihr Seminar Antike Bestattungskulturen gelesen, ich bin schon ganz gespannt, was Sie mir dieses Semester alles beibringen werden! Die Publikation von Doris Pompotious war wirklich ein interessanter Ansatz, dazu habe ich noch einige Fragen, wenn Sie-…“

„Natürlich. Ihre Wissbegierde freut mich, aber ich fürchte, auch ich muss mich erst etwas vorbereiten.“ „Aber sicher doch. Ich will Sie selbstverständlich nicht aufhalten, welchem Mysterium Sie diesem Semester auch nachjagen werden - Hauptsache, Sie vergessen Ihre Schülerinnen nicht, hihi! Bis Dienstagnachmittag dann!“  Die junge Studentin schlug den Weg zur Bibliothek ein, Hershel lief entgegengesetzt in Richtung der kleinen Küche, die sich die Mitglieder der Fakultät teilten. Um diese Zeit trudelten bestimmt einige Professorinnen und Professoren ein, um bei einem ersten Kaffee und über der jüngsten Publikation eines Kollegen erst richtig wach zu werden. Hershel für seinen Teil schwor jedoch auf einen guten Earl Grey, mit dem er sich motiviert auf in sein Büro machen konnte.

„Für mich bitte auch eine Tasse.“ Professor Jónsdóttir tauchte am Wasserkocher neben ihm auf. Ihre Gesellschaft schätzte Hershel sehr, sie war eine äußerst fähige Archäologin und noch dazu sehr hilfsbereit - hoffentlich würde es in diesem Semester nicht allzu häufig dazu kommen, dass sie Hershel vertreten musste. „Guten Morgen, Professor Jónsdóttir. Ich hoffe, Sie haben die freie Zeit genossen.“ „Oh ja, das kann man so sagen. Ich bin mit meiner Freundin nach Kairo gereist - wahrlich eine Stadt, die in ihrer archäologischen Bedeutung seinesgleichen sucht. In diesem Sinne, wohl mehr eine Dienstreise als ein Entspannungsurlaub… nicht, dass es mir etwas ausgemacht hat. Ich hoffe nur, meiner Freundin auch nicht… Die Faszination für Archäologie färbt nun mal auf seine Liebsten ab. Sie kennen das bestimmt auch von zuhause.“ Sie lachte sanft, Hershel versuchte, sich nicht zu viel aus dem Kommentar zu machen. Sie konnte es schließlich nicht besser wissen. „Ich hoffe, Sie hatten auch schöne Ferien“, fügte sie hinzu. „Ach, ja. Vermutlich nicht vergleichbar ereignisreich, ich habe ein paar ruhige Tage bei meinen Eltern verbracht. Jetzt freue ich mich, nach mehreren langen Aussetzern wieder unterrichten zu können“, gestand Hershel, fixiert darauf, seiner Kollegin einzuschenken. „Kairo muss wirklich sensationell sein.“ „Danke für den Tee. Wenn Sie später Zeit finden, zeige ich Ihnen gerne Fotos. Apropos… in einer freien Minute sollten Sie mal in die neuste Ausgabe der Archeology Today reinlesen, das wird Sie sicher interessieren... Ich habe Ihnen meine Ausgabe mal in Ihr Postfach gelegt.“ „Danke für den Hinweis.“

Sein Postfach - tja.  Am liebsten wollte er gar nicht darüber nachdenken, in welchem Zustand er sein Büro hinterlassen hatte. Ohne seinen gutmütigen Lehrling war es eine echte Herausforderung, Ordnung zu halten. Das hatte er schon in seinen eigenen vier Wänden über die letzten Wochen feststellen müssen. Der Professor hatte zwar einige Stärken, aber Ordnung halten gehörte definitiv nicht dazu.  Als er allerdings die Tür zu seinem Büro öffnete, blickte er auf ein Bücherregal mit säuberlich einsortierten Wälzern, einen blitzblanken Fußboden und einen Schreibtisch mit einem penibel angeordneten Stapel Post, neben dem sich stolz ein brandneu strahlendes Telefon präsentierte. Ein erleichtertes Seufzen fiel von Hershel ab.

„Rosa, was wäre ich nur ohne Sie.“ Die Raumpflegerein des Professors konnte ein Lachen nicht unterdrücken und ließ kurz davon ab, die Auswahl an Schallplatten neben dem Grammophon abzustauben. „Ein ganz schöner Chaoskopf, das wären Sie. Obwohl, das sind Sie ja jetzt schon.“ Rosa winkte amüsiert ab. „Nun, willkommen zurück, Professor. Wie lange wird es wohl dieses Semester dauern, bis Sie ein eiliger Brief erreicht und Sie wieder Hals über Kopf in ein neues Abenteuer stürzen?“ Hershel legte seinen Mantel ab. „Ich fürchte, darauf kann ich momentan vergeblich warten. Sie wissen sicher, dass Luke mich dieses Jahr bedauerlicherweise nicht unterstützen wird…“ „Ja richtig, der kleine Gentleman ist umgezogen, nicht? Ich hoffe, es geht ihm gut, richten Sie ihm mal meine Grüße aus! Hoffentlich langweilt er sich nicht zu sehr ohne Sie… obwohl ich das gleichwohl für Sie hoffen sollte!“, fügte Rosa mit gedämpfter Stimme hinzu. „Mhm…“ Hershel war vor seinem Schreibtisch zum Stehen gekommen und blätterte durch den Stapel Post, der sich in den letzten Wochen angesammelt hatte. Einige Briefe von alten Freunden, Austausch mit ausländischen Kollegen, mehrere Zeitungsausschnitte - und da war unter anderem auch die neuste Ausgabe der Archeology Today, in der Professor Jónsdóttir den wohl interessanten Artikel schon mit einem Zettel markiert hatte. „Oh, gut möglich, dass Luke Ihnen geschrieben hat. Ich habe Ihre Post schon mal geordnet, das war diesmal wirklich von Nöten - jemand muss sich gehörig mit der Adresse vertan haben. Ich habe mehrere Brief aussortieren müssen, auf denen ein ganz falscher Name stand…“ Sie schüttelte gedankenverloren den Kopf. „Wirklich merkwürdig. Jedenfalls-… Ah!“

Just wurde Rosa durch das scheppernde Klingeln des neuen Telefons unterbrochen. „Schön, es funktioniert also! Dann lasse ich Sie lieber mal alleine, Professor… bis später!“ Hershel griff nach dem Hörer und winkte ihr, während sie sich lautlos aus dem Raum stahl.

„Layton?“, räusperte er sich - das alles war noch etwas ungewohnt für ihn.

„Hersh, hallo!!!“ Prompt riss er den Hörer von seinem Ohr, als der Anrufer mit deutlich zu viel Enthusiasmus für diese Distanz in die Leitung brüllte.

„Randall, meine Güte… Schön, von dir zu hören. Was ist denn los?“ Bei dem Level von Begeisterung, die sein Kindheitsfreund an den Tag legte, konnte er eigentlich nur wegen Archäologie oder wegen eines besonders kniffliges Rätsels, über das er gestolpert war, anrufen.

Und Hershel sollte Recht behalten: „Bist du in deinem Büro? Oh, natürlich bist du das. Hörst du, hast du die neue Archeology Today da?“  „Ja sicher, warte einen Moment, Randall…“ Mit einer Hand fischte er das Magazin aus dem Stapel Post und lies sich auf seinen Schreibtischstuhl sinken. Randall war nun schon die zweite Person, die ihn binnen kürzester Zeit auf die neue Ausgabe verwies - also musste es wohl wirklich um einen spannenden Beitrag gehen. Hershel fing schon an, in Gedanken die haarsträubendsten Theorien und Entdeckungen zusammen zu spinnen.

Randalls breites Grinsen war buchstäblich durch den Hörer zu spüren. „Gut, sehr gut… Schlag mal Seite 32 auf, mach schon!“ „Ich bin ja dabei!“, lachte Hershel. Seine Aufregung war wirklich ansteckend, das war schon immer so gewesen. Er bekam die dünnen Seiten des Archäologiejournals mit einer Hand kaum schnell genug zu fassen.

Als er den besagten Artikel aufblätterte, nahm er grade noch so Notiz davon, dass Professor Jónsdóttir genau diese Seite für ihn markiert hatte - dann stockte ihm der Atem beim Anblick der Doppelseite.

Aus dem Exil zurück in der Forschung titelte die Archeology Today in Großbuchstaben über zwei Seiten. Unter der pompösen Überschrift blickte Hershel direkt in das Antlitz eines ernst dreinblickenden Professor Desmond Locklairs.

Zwei Jahre lag es mittlerweile zurück, dass Hershel zuletzt vom renommierten Archäologen gehört hatte.

Mit rasendem Puls überflog er den Artikel - ein Interview zwischen der Redaktion und dem verschollen geglaubten Locklair. Hershel schaffte er es kaum, einem ganzen Satz am Stück Aufmerksamkeit zu schenken. Der Kern des Interviews war aber selbst beim bloßen Überfliegen eindeutig. Locklair behauptete, in den letzten Jahren im Fadenkreuz einer kriminellen Organisation gewesen zu sein, die hinter seinen Forschungsergebnissen zur Hochkultur Aslant her war -  nach zwei Jahren Aufenthalt im Exil wäge er sich in Sicherheit und kündigte an, schon bald mit einer Publikation seiner Nachforschungen wieder in den akademischen Diskurs einzusteigen. Um fair zu sein, gelogen war es nicht - aber einen Teil der Wahrheit verschwieg Locklair.

Vor zwei Jahren, auf der gemeinsamen Suche nach dem Vermächtnis von Aslant, hatte sich Locklair als wahre Identität seines langjährigen Gegenspielers Jean Descole herausgestellt - und auch als Hershels leiblicher Bruder. Wenn er ganz ehrlich zu sich war, dachte er nicht gerne an diese Zeit zurück, denn wo auch immer er ansetzte, lag eine bodenlose existenzielle Gedankenspirale vor ihm, auf deren Erkundung er sich ausnahmsweise lieber nicht einlassen wollte.

Das letzte, was er damals von Locklair - oder Descole - oder seinem Bruder, wobei er sich mit letzterer Formulierung noch nicht besonders angefreundet hatte - gesehen hatte, war, wie er zwischen stürzenden Felsen verschwand. Nicht, dass er unbedingt damit gerechnet hatte, dass ihm etwas zugestoßen sei - im Gegenteil, Jean Descole war dramatischen Abgängen und überraschenden Auftritten nie abgeneigt gewesen. Jedoch war mit ihm auch sein Alias Locklair von der Bildfläche verschwunden und hatte in der archäologischen Forschungswelt für einige Suchaufrufe und Schreckensvisionen gesorgt, die selbst an Hershel, der nicht viel für Tratsch und Klatsch übrig hatte, nicht unbemerkt vorbeizogen. Natürlich hatte er sich auch ein wenig Sorgen gemacht, ob nun als emphatischer Mensch, als Kollege oder als Bruder - diesem Rätsel war er noch auf der Spur.

Allerdings hatte Hershel nicht damit gerechnet, dass er je wieder von ihm hören würde - hatte Descole doch bei ihrer letzten Begegnung seine Identität als besonnener Archäologe Locklair als naives Wunschdenken abgestempelt und für gestorben erklärt. Mit der Verhaftung von Leon Bronev war auch Descoles langjährige Bestimmung, die Vernichtung der kriminellen Untergrundorganisation Targent, allemal besiegelt.

Ein flaues Gefühl machte sich in ihm breit. Hatte Locklair seine Vergangenheit als Descole hinter sich gelassen? Oder hatte er die Rolle des Archäologen wieder eingenommen, um den Weg für weitere kriminelle Machenschaften zu ebenen? Würde mit Locklair auch Descole zurückkehren? Und was bedeutete das für ihn, Hershel?

Randalls Stimme, die aus weiter Ferne zu ihm durchdrang, zog ihn wieder zurück vor seinen Schreibtisch. Jetzt erst bemerkte Hershel, wie sein Herzschlag sich fast so zu überschlagen drohte wie seine Gedanken. „Hast du den letzten Absatz schon gelesen? Er kündigt ein neues Buch an! Haha! Hast du ansatzweise eine Idee, wie lange ich darauf gewartet habe?“

Seinen Enthusiasmus konnte Hershel ihm nicht verdenken. Schon in ihrer Jugend hatte Randall von Locklair geschwärmt und - auch, wenn er es nie zugegeben hatte - war Hershel immer noch hartnäckiger Verfechter der Theorie, Randalls dicke Brille sei nur ein dem Look des begnadeten Archäologen nachempfundenes Accessoire. Nach der gemeinsamen Forschungsreise, die in Locklairs Verschwinden resultiert hatte, war sein bester Freund davon überzeugt gewesen, dass er mehr wissen musste, als er zugab, was Hershel selbstverständlich stets abgestritten hatte. Dabei hatte Randall natürlich Recht und es sah ihm eigentlich gar nicht ähnlich, seinen Freunden etwas vorzuspielen. Aber das Wissen um Descoles wahre Identität hatte er seitdem mit niemandem, außer seinen Begleitern Luke und Emmy, geteilt. Das Wissen, dass jenes Vorbild gleichzeitig der Fädenzieher war, der Randall manipuliert und zum vermeintlichen Racheakt als Maskierter Gentleman verleitet hatte, plagte Hershel. Dabei war es selbst für ihn, der mit eigenen Augen Zeuge wurde, wie sich Desmond Locklair in Jean Descole verwandelte, kaum zu glauben, dass diese Fassaden auf dieselbe Person zurückzuführen waren. Descole, ein Antagonist, der mit unschuldigen Menschenleben spielte – der sich aber auch im Heiligtum von Aslant beschützerisch vor Hershels Lehrling Luke geworfen und für Aurora eingestanden hatte. Als was kehrte er nun zurück - als rachsüchtiger, skrupelloser Schurke oder als aufrichtiges, höfliches archäologisches Genie? Oder konnten beide Identitäten immer noch koexistieren?

„Hershel? Hallo, Hersh? Bist du noch dran?“

„Ja, ja… Das ist…“ Er schluckte. Wenn er einem nicht von dem erzählen konnte, was in ihm vorging, dann seinem besten Freund, dem Descole so großes Leid beschert hatte – so viel stand fest.  



Hershel hatte Professor Jónsdóttir das Magazin schon in der Mittagspause zurückgeben müssen.

So sehr er es versucht hatte, mit seiner Arbeit voranzukommen - solange das Interview mit Professor Locklair in Reichweite war, kam er nicht drum herum, die Seite immer wieder aufzuschlagen und sich an jeden einzelnen Satz zu heften. In dem Sinne hatte seine Kollegin Recht gehabt, wie er ihr später wahrheitsgemäß mitteilte - dieser Artikel hatte ihn tatsächlich interessiert; und einige verdrängte Gefühle und Gedanken in ihm aufgewühlt.

Zwar kursierten auch ohne die Archeology Today auf seinem Schreibtisch die Zeilen immer wieder in seinem Kopf herum, als er sich zielstrebig auf die Vorbereitung seines Seminars konzentrierte, trotzdem hatte er sich am Ende des Tages so in seiner Arbeit verloren, dass Rosa Grimes in zwischenzeitlich vor dem Schließdienst warnen musste. Die Zeit flog eben nur so dahin, wenn man seinen Beruf liebte, stellte Hershel zufrieden fest, als er gegen Abend den Campus verließ und in sein Auto stieg. Es fühlte sich gut an, wieder an der Universität zu sein, auch wenn er sich eingestehen musste, dass der Abenteurer in ihm nicht so einfach locker ließ. Gut möglich aber, dass das Gefühl, dass ihm irgendetwas fehlte, daher rührte, dass er seine Assistenten vermisste.

Während er das Licht der untergehenden Sonne zwischen den hohen Fassaden Westminsters genoss, schlichten seine Gedanken zurück zum Telefonat mit Randall - da war eine Sache, die ihn nicht recht loslassen wollte.

Wenn sich Professor Locklair seinen Ruf als geschätzter Archäologe zurückerarbeitete, konnten sich die beiden auf lange Zeit unmöglich ignorieren, zu sehr überschnitten sich ihre Forschungsgebiete. Was würden sie dann tun? Weitermachen wie vor den Ereignissen in Snøborg und vorgeben, lediglich fachliche Kollegen zu sein?

Je länger er darüber nachdachte, um eher dämmerte es ihm, dass ihr letztes Zusammentreffen ihn mit einer überwältigenden Vielzahl ungeklärter Rätsel zurückgelassen hatte, an die er sich in den letzten Jahren nicht gewagt hatte.

Randall hatte am Telefon angekündigt, bald schon mit Henry und Angela London einen Besuch abstatten zu wollen. Er würde sicherlich mit ihm über Locklair sprechen wollen - die beiden diskutierten schließlich gerne über Archäologie und Randall freute sich jedes Mal, wenn Hershel ihm von seinen Studien berichtete.

Gut, sagte er sich schließlich, als er vor seinem Haus parkte - Locklairs Rückkehr in die akademische Welt musste ja gar nicht zwingend etwas mit ihm zu tun haben - vielleicht war er ähnlich unbeholfen, was ihre Beziehung anging und würde kurzerhand einen großen Bogen um alles, was mir Hershel zu tun hatte, schlagen. Ja, gar nicht unwahrscheinlich, dass er genauso dachte und den Umständen lieber aus dem Weg ging.

Als er gedankenverloren den Weg zu seinem Hauseinfang einschlug, fiel ihm jemand seiner Straßenseite auf - auf der Bank einige Meter weiter hatte sich jemand niedergelassen, eine Zeitung vor sich aufgeschlagen, so dass sein Kopf vollständig hinter der Titelseite verschwand. Etwas störte Hershel an diesem Anblick, aber er konnte nicht genau sagen, was an einem zeitunglesenden Passanten auf einer öffentlichen Bank so merkwürdig war. Schnell wandte er seinen Blick ab.

Der Zeitungsleser erinnerte ihn daran, dass er heute Morgen nicht genug Zeit gehabt hatte, seine London Times überhaupt aus dem Briefschlitz zu nehmen. So ein Semesterbeginn war selbst für den etabliertesten Professor eine Umgewöhnung. Also jetzt mit dem Studieren der Tageszeitung den Feierabend einleiten.

Aber da war keine Zeitung mehr im Briefschlitz. Hershel erstarrte vor seiner Haustür. Flora - sein erster Ansatz für eine Erklärung. Aber seine Adoptivtochter wohnte seit ein paar Tagen am anderen Ende von London.

Hinter ihm hörte er das Rascheln von dünnem Papier. Dann fiel ihm auch auf, was ihm grade eben so seltsam vorgekommen war. Als er sich zu den sich nähernden Schritten umdrehte, streckte ihm ein allzu bekannter Archäologieprofessor seine London Times entgegen.

„Lange nicht gesehen, Professor Locklair.“
„Bitte, einfach Desmond.“

___

halli hallo!! wie lange ist es bitte her, dass ich das letzte mal professor layton fanfiction geschrieben habe? viel zu lange!!! ich hoffe es gibt noch einen kleinen lebendigen teil der fandom, der vielleicht freude an dieser story hat! der anfang war vielleicht etwas langatmig und ich schreibe offensichtlich gerne super viele existenzielle-krisen-monologe, aaaaber in den nächsten kapiteln geht es etwas aufregender weiter! (hoffentlich)

mein persönliches glow-up als jemand, der seit der mittelstufe layton-zeugs schreibt, ist übrigens, dass ich momentan in einem kulturgeschichtlichen museum arbeite. also flexe ich mal hier und da mit meinem archäologie-wissen, das /auf jeden fall/ vorhanden ist.

ich freu mich sehr über kritik, feedback, kommentare, anregungen, gedankenfreut mich falls sich noch wer über aktivität in der kategorie freut!!! Ich geb mir mühe, bald wieder zu updaten.

bis dahin - bleibt gesund!

hannah
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