Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Schwarzmagierin

von Anerya
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Ceryni Hoher Lord Akkarin Lord Dannyl Lord Rothen Regin Sonea
22.04.2020
20.06.2021
31
124.099
6
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
22.04.2020 809
 
Sonea erwachte von ihrem eigenen Schreckensschrei. Ihr Herz pumpte wie Wild und wollte sich einfach nicht beruhigen. Es war nicht das erste Mal, dass sie mitten in der Nacht aus einem ihrer Albträume auf diese Weise erwachte und jedes mal scheiterte sie beinahe daran, sich selbst zu beruhigen.
Resigniert erhob sich die Schwarzmagierin aus ihrem Bett und trat an das Fenster, um es zu öffnen. Vielleicht würde die frische Luft ihr helfen. Ihre Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Lächeln. Sie wusste es eigentlich besser, diesem Albtraum konnte sie nicht entfliehen, er hielt sie in seinem Griff. Wenn sie nicht gerade davon träumte, wie Akkarin völlig leblos in ihren Armen lag, Karikos Messer in seiner Brust, dann Träumte sie, wie sie das letzte Verlor, was ihr von ihm geblieben war. Unwillkürlich wanderte ihre Hand zu ihrem noch flachen Bauch. Es war wirklich kein günstiger Zeitpunkt für eine Schwangerschaft und doch hatte sie sich darüber gefreut, dass ihnen dieser Fehler unterlaufen war.
Lady Vinara war überrascht gewesen, dass es überhaupt passiert war. Sowohl Sonea als auch Akkarin waren als Magier ein der Lage eine Schwangerschaft zu verhindern und doch erwartete Sonea nun ein Kind von ihrem ehemaligen Mentor. Über Akkarins Beweggründe konnten sie nur spekulieren, sie selbst hatte aus Unwissenheit und Vertrauen in seine Fähigkeiten gehandlet. Vielleicht hatte er gedacht sie würde sich darum kümmern.
So viel war seit der Schlacht in der Gilde passiert, dass es Sonea vorkam wie Monate, dabei waren es erst einige Wochen, die vergangen waren.  
Neue Ämter waren verteilt worden, die Schäden der Schlacht zu großen Teilen beseitigt, man hatte ihr sogar eine eigene Residenz gebaut. Sie war schlicht, doch Sonea wollte es gar nicht anders. Eigentlich war das Haus für sie allein zu groß, doch wenn ihr Kind erst einmal das Licht der Welt erblickt hatte, würde sie sich wahrscheinlich nicht mehr so verloren darin fühlen. Und irgendwann würde sie einen zweiten Schwarzen Magier ausbilden, der dann ebenfalls in die Residenz ziehen würde. Wenn es nach der Gilde ging, würde das eher früher als später passieren, doch sie fühlte sich noch nicht bereit, die Verantwortung zu tragen.
Sonea seufzte leise. Sie fragte sich immer und immer wieder, wie es wohl wäre, mit Akkarin hier zu wohnen, was anders gewesen wäre, hätte er sich nicht für sie geopfert. Wäre er glücklich gewesen, von ihrer Schwangerschaft zu erfahren? Sie wusste nicht einmal, ob er sich Kinder gewünscht hatte. So vieles wusste sie nicht über ihn, die Zeit mit ihm war einfach viel zu kurz gewesen. Und sie hatte so viel davon verschwendet, indem sie ihn gehasst hatte.
Sie schüttelte den Kopf, um diese Gedanken zu vertreiben. Vielleicht hätte sie besser damit abschließen können, hätte sie ihn beerdigen können, doch in dem allgemeinen Chaos nach der Schlacht war seine Leiche auf mysteriöse Weise verschwunden. Sie selbst konnte sich an nichts erinnern, außer, dass sie über seinem leblosen Körper zusammengebrochen war. In ihrer nächsten Erinnerung war sie in Rothens Apartment aufgewacht und war tagelang von Dorrien und ihrem ehemaligen Mentor aufgepäppelt worden. Nur diesen beiden hatte sie zu verdanken, dass sie überhaupt so viel Lebenswille gehabt hatte, um herauszufinden, dass sie Akkarins Kind unter dem Herzen trug.
Bisher wusste nur Lady Vinara davon, der sie sich anvertraut hatte, doch Sonea hatte beschlossen, dass sich das bald ändern sollte. Es würde sich nicht ewig verheimlichen lassen, dass sie Schwanger war und es gab einige wenige Menschen in der Gilde, denen sie lieber selbst davon erzählen wollte.
Tief die herbstliche Nachtluft ein und ausatmend beruhigte sie sich langsam wieder, drängte ihre Gefühle zurück und richtete sich ein wenig auf. Sie war es Akkarin schuldig, stark zu sein. Die Gilde brauchte sie, ohne sie wäre sie völlig Schutzlos. Auch wenn es ihr lieber gewesen wäre, sie wäre mit ihm gemeinsam gestorben. Doch das würde bedeuten, dass sie umsonst gekämpft hätten, dass er sich umsonst geopfert hätte. Kyralia war wichtiger als sie beide.
Eine ungewohnte Entschlossenheit keimte in ihr auf. Sonea würde alles daran setzen, die Gilde wieder aufzubauen und sein Andenken zu ehren. Sie würde ihr Kind zu einem selbstständigen und grundanständigen Menschen erziehen und sich, sobald sie ihr Wissen weitergegeben hatte, irgendwohin zurück ziehen, wo sie in Ruhe um ihn trauern konnte. Ihre eigenen Bedürfnisse mussten warten, immerhin war die Gefahr aus Sachaka noch immer nicht gebannt und sie hatte jetzt die Verantwortung für Kyralia, die Gilde und für ihr Kind.
Dieser Entschluss war seltsam beruhigend für sie. Mit diesem Ziel konnte sie leben und vielleicht irgendwann einmal wieder ordentlich durchschlafen. Behutsam schloss sie das Fenster und kehrte in ihr Bett zurück. Zumindest für den Moment half es ihr, in den Schlaf zurück zu finden.
Im Halbschlaf erfasste sie ein vertrautes Gefühl der Geborgenheit, als ob sie nicht allein wäre. „Ich liebe dich“, schien Akkarin ihr zuzuflüstern. Zumindest in ihren Träumen konnte sie ihm für immer Nahe sein.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast