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Pustekuchen! II

von InkedSoul
OneshotHumor, Liebesgeschichte / P18 Slash
Gellert Grindelwald Percival Graves
22.04.2020
06.06.2020
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12.589
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22.04.2020 11.110
 
Hallo zusammen!
Lena hat mir einen lieben Review geschrieben und sich von mir gewünscht, das ganze noch etwas »weiterzuspinnen«. Genau das habe ich hiermit getan und ich hoffe, das Ergebnis gefällt.

Für diejenigen unter euch, die den ersten Teil bereits gelesen haben: Die Fortsetzung setzt exakt am Ende des ersten Teils wieder ein und ich schreibe weiterhin eher aus Gellerts Blickwinkel (nur so zur Orientierung). Also alles wie gehabt ;)

Für diejenigen unter euch, die einfach nur über die Kurzinfo gestolpert sind: Ich kann und werde euch natürlich nicht aufhalten, direkt hier in den zweiten Teil hineinzulesen, rate euch aber, den Vorgänger zumindest zu überfliegen (Den Link dazu findet ihr HIER). Ergibt in dieser Reihenfolge einfach mehr Sinn, da ich Rückbezüge setze und euch sonst ein Teil des Dialoges verloren geht, quasi.

Achso, das hier ist ein P 18-Slash Rating (und das hat auch seinen Grund). Meine erste Geschichte in diesem Format. Falls euch auffallen sollte, dass ich etwas geschrieben habe, was selbst für zwei talentierte Zauberer rein physikalisch einfach nicht möglich ist, schreibt mir einfach eine PN oder so (–soll ja schließlich alles irgendwo noch realistisch sein).

So. Genug Vorspiel. Willkommen zu Teil II !

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Pustekuchen! II


...Was soll ich denn nur mit dir machen, hm? Du machst es mir viel zu leicht...Dann macht es einfach keinen Spaß...Du kannst doch nicht einfach meine Erwartungshaltungen durchkreuzen, über einen Mann herfallen, von dem du nicht einmal wissen willst, wer er überhaupt ist, deine Paranoia begraben und einschlafen! Du kannst nicht einfach so neben mir einschlafen! Ich bin ein vollkommen Fremder für dich und du weißt, dass deine Paranoia nicht von ungefähr kommt. Und ich weiß, dass du Köpfchen hast und bei Leibe nicht so leichtsinnig bist, um dich mal eben einfach so schutzlos einem völlig Fremden auszuliefern...Ich könnte jetzt einfach alles mit dir machen. Alles, was auch immer ich will. Und du wirst nicht in der Lage sein, schnell genug reagieren zu können, um es noch zu verhindern. Du bist chancenlos, Percival Graves...Und ich bin wirklich geneigt, das hier noch ein wenig auszureizen...Wie offensichtlich ich wohl werden muss, bis ich aus deinen Augen so etwas wie entsetztes Erkennen herauskitzeln kann?...
Auf Gellert Grindelwalds verfälschte Gesichtszüge hatte sich so etwas wie ein selbstzufriedenes, zutiefst vorfreudiges Schmunzeln geschlichen, während er dem schlafenden Amerikaner an seiner Seite gedankenverloren einfach weiter mit sachten, kreisenden Bewegungen durch seinen dunklen Schopf krauelte.
„Percy?“, Gellert fühlte unwillkürlich den Griff um seine Taille eine Spur fester werden, „Percy, du möchtest mir nicht zufällig einen kleinen Gefallen tun?“
Eine klitzekleine Weile herrschte Stille. Gellert hielt in seiner Kopfmassage inne und musste sich ein wenig verrenken, um zu bemerken, dass Graves seine Augenbrauen etwas gekräuselt hatte. Offenkundig befand sich der Auror nicht im komatösen Tiefschlaf –zumindest noch nicht, wenn es nach Grindelwald ging– sondern hielt sich vielmehr im Zwischenstadium des Dämmerzustandes auf.
„Noch einen?...“, folgte nach diesem gedehnten Augenblick der absoluten Stille auch schon das verbale –leise vor sich hin gemurmelte– Pendant zu Percivals leicht veränderter Mimik, „...Ich habe dir doch bereits Zuflucht gewährt. Du darfst den Vorzug meiner Gesellschaft genießen. Was willst du denn noch?“
...Ist das nicht ein wenig anmaßend von dir, Graves? Ist es nicht vielmehr so, dass du den Vorzug meiner Gesellschaft genießt? Wer hat hiermit denn überhaupt erst angefangen? Wer kuschelt sich hier jetzt schon minutenlang ununterbrochen an wessen Schulter? Wer von uns beiden wirkt regelrecht verzweifelt bedürftig? –Und das mit der »Zuflucht« ist wirklich witzig...Du gehörst zu denjenigen, die mich aufstöbern sollen. Die mich verhaften sollen. Die mich zum Schweigen bringen sollen. Die mich für meine »zahlreichen Vergehen« zur Rechenschaft ziehen sollen. Und was tust du? Du gewährst mir »Zuflucht«...Absurd...
„Ich würde mich freuen, wenn du einen Tee mit mir trinkst.“
Gellert hielt seine Stimme so neutral wie ruhig, während er nebenbei schon einmal die abgestandene Tasse vom Beistelltisch zu sich schweben ließ und den genauen Inhalt inspizierte. Er wurde nicht enttäuscht und erwärmte den kalten Tee beiläufig mühelos mit etwas stabloser Magie, während der Amerikaner an seiner Schulter nur so etwas wie ein genuscheltes, mit einem belustigten Schmunzeln versehenes „Du wirst mir doch wohl nicht etwa den Tee mit diesem Schlaftrank andrehen wollen?“ von sich verlauten ließ.
„Und wenn dem so wäre? Was würdest du dazu sagen, Percy?“ Noch immer Neutralität, diesmal begleitet von einem untrüglichen Zug Amüsement.
„Ist gut.“
...Was ist denn los mit dir? Wo ist deine Skepsis? Dein gesunder Menschenverstand? Dein Kampfgeist? Die Hexe vorhin hast du noch allein für ihren kläglichen Versuch angeklagt, warum bei mir dann so überhaupt gar keine Gegenwehr? Wie war das noch? Du möchtest nicht eingeschläfert werden und deiner dir unvertrauten Umgebung bis auf unbestimmte Zeit hilflos ausgeliefert sein? Inwiefern hat sich daran warum etwas geändert, frage ich mich...
Wo es Percival an angebrachter Skepsis zu mangeln schien, reagierte Gellert nur umso skeptischer –hielt aber an seinem Vorhaben fest. Wenn es der erste Direktor des MACUSA ihm wider Erwarten so unverschämt leicht machen wollte, würde Gellert ihm dabei gewiss nicht im Wege stehen. Also schüttelte der blonde Zauberer nur etwas enttäuscht von Percivals gedankenloser Zutraulichkeit dezent mit seinem Kopf, ehe er sich etwas aufrichtete, Percival so von seinem Oberkörper rutschte und reichte ihm die dampfende Tasse an.
„Vorsicht, heiß...Du musst pusten.“
„Wie zuvorkommend fürsorglich du doch bist...“, auch Percival hatte sich ein Stück weit aufgerichtet und dem anderen Zauberer über den Tassenrand hinweg ein verschmitztes Zwinkern zukommen lassen, ehe er sich noch einen kleinen Kuss von dessen Lippen raubte –natürlich ohne sich im Vorhinein eine Erlaubnis einzuholen– und mit einem ergebenem Seufzer und einem gemurmelten „Auf dich, mein namenloser Fremder“ auf den Lippen, die Tasse ohne Schwierigkeiten vollständig leerte.
Grindelwald hatte Gelegenheit, sich dessen zu vergewissern, immerhin hielt ihm der Auror die leere Tasse bereitwillig entgegen, natürlich nicht, ohne einen abschließenden Kommentar loszuwerden.
„Schmeckt widerlich. Hat eindeutig zu lange gezogen, viel zu bitter.“ Die gekräuselten Lippen und seine verzogene Miene sprachen dabei Bände, während er Gellert die Tasse übergab, nur um sich anschließend zurück eng an seine Seite zu schmiegen, als wäre das eben niemals passiert.


Grindelwald wartete. Er wartete schon eine Weile. Eine lange Weile. Um über diese lange  und sich immer länger hinziehende Weile nicht in Langeweile zu verfallen, beschäftigte er sich mit dem Buch in seinem Schoß und ließ seine Gedanken ein wenig treiben.
Es war alles mehr als problemlos vonstatten gegangen –diese kurze Episode, in der er seinem Zielsubjekt viel näher gekommen war, als er es eigentlich jemals vorgehabt hatte, einmal ausgenommen. Percival Graves befand sich in seiner Gewalt. Er hatte ihn im Krankenhaus besucht. Niemand hatte ihn selbst erkannt oder würde sich an die Anwesenheit dieses namenlosen, goldblonden Besuchers erinnern. Es ist nicht einmal zu einem Kampf gekommen, sondern Percival hatte sich von ihm mühelos betäuben lassen. Und seine Abwesenheit würde nicht auffallen, da Gellert einen seiner Leute mit genügend modifiziertem Vielsafttrank ausgestattet hatte, um dem Personal über neun, zehn Tage hinweg erfolgreich einen schlafenden, den Behandlungsmethoden nicht länger widerstrebenden, einsichtigen ersten Direktor vorzugaukeln. Niemand würde ihn vermissen. Und Gellert konnte sich in aller Ruhe ungestört mit ihm auseinandersetzen.

Und so saßen sie hier. In einem Raum ohne Fenster, mit soliden Steinwänden und ebenso solider Tür. Beleuchtet lediglich durch eine bläuliche Lichtkugel, welche wie ein Damoklesschwert über dem ersten Direktor schwebte. Gellert seinerseits lehnte sich gemütlich, ein Bein lockerlässig über sein anderes geschlagen, der Rückenlehne seines Stuhls entgegen und widmete sich ganz seinem Buch. Der Zauberer hatte sich bewusst nahe bei der Tür, an der Wand positioniert und seinen Stuhl seitlich zu seinem Opfer ausgerichtet. Es hatte unterschwellige, psychologische Gründe –und Grindelwald hatte lieber eine Wand hinter sich und den perfekten Ausblick auf alles und jeden in seiner Umgebung, als unnötig viel Luft in seinem Rücken und somit einen für ihn uneinsichtigen Winkel zuzulassen, aus welchem er rein theoretisch überrascht werden konnte. Und er verabscheute so etwas wie Überraschungen zutiefst –vor allem, wenn sie ihm nicht zum Vorteil gereichten, sondern sich nachteilig auf ihn und seine Bestrebungen auswirken konnten.
Percival andererseits, im Zentrum dieses spartanisch eingerichteten Zimmers, befand sich noch immer jenseits eines bewussten Zustands und hing vielmehr in seinem Stuhl, als das er darin saß. Jedes Mal, wenn Gellert ihm einen flüchtigen Seitenblick zuteilwerden ließ, schlich sich über den puren Anblick automatisch ein verzücktes Schmunzeln in sein Gesicht. Beide Arme mit Lederriemen straf an den zugehörigen Lehnen befestigt. Seine Beine an die Stuhlbeine gebunden. Zwei weitere, breite Lederriemen um seinen Oberkörper geschnallt, welche den schlaffen Körper nicht nur stoisch aufrecht hielten, sondern ihn auch an die Rückenlehne schnürten. Nicht zu vergessen noch ein kleines Detail, welches vielleicht nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, Gellert aber unter keinen Umständen missen wollte. Unter gar keinen Umständen.
...Keine Katze ohne Halsband...
Grindelwald empfand diesen köstlichen Anblick wirklich als ungemein befriedigend und in einem Maße erheiternd, dass es seine Enttäuschung über Graves’ mangelnde Gegenwehr fast wieder wett machte. Fast. Warum Percival den vergifteten Tee einfach so getrunken hatte, konnte sich Gellert offengestanden noch immer nicht erklären. –Und. Das. War. Ärgerlich.
Ärgerlich und einer der Gründe, weswegen Gellert zunächst noch nichts weiter mit seinem Entführungsopfer anstellte, keinen Finger an ihn legte und geduldig darauf wartete, dass die Dosis Schlaftrank in seinem Organismus nachließ und der Direktor wieder zu sich kam.


Gellert hatte seine Lektüre bereits fast durchgelesen, als er endlich eine Bewegung aus dem Augenwinkel registrierte. Ein ächzendes Stöhnen folgte unmittelbar hinterher. Grindelwald untersagte sich darüber knapp ein diabolisches Grinsen und gab sich weiter beschäftigt, während er den Auror genauso aufmerksam wie neugierig –und innerlich voller Vorfreude– unauffällig musterte, damit ihm auch ja nichts entging.
Dem ächzenden Stöhnen folgte unmittelbar der klägliche Versuch, sich und seine Gliedmaßen durchzustrecken. Mehr als vergeblich natürlich, hatte Gellert den Amerikaner schließlich so gründlich verschnürt, dass so gut wie keine Regung mehr möglich war –was Percival auch direkt feststellen durfte. Darüber sichtlich irritiert blinzelte Graves noch etwas desorientiert an sich hinunter und fand auch schnell heraus, weswegen er sich derzeit nicht bewegen konnte. Jedoch, sehr zu Gellerts Erstaunen –und Missfallen– schien Percival von seinem »heiklen« Zustand keineswegs überrascht. Er wirkte regelrecht unbekümmert, als ihm über das Bewusstwerden seiner Lage ein erkennendes „Oh“ entwich. Nicht mehr. Keine Entrüstung. Kein Ansatz eines intuitiven Befreiungsversuches. Kein Zorn...Rein gar nichts.
Grindelwald empfand Graves unbekümmerte Gelassenheit als geradezu unverschämt, hatte er sich schließlich genau das von ihm erhofft. Entsetzen. Überraschung. Unverständnis. Empörung. Irgendetwas davon zumindest. Dass Gellert es noch nicht geschafft hatte, diesen Amerikaner aus seinem gelassenen Gemütszustand herauszukitzeln, enttäuschte den Schwarzmagier genaugenommen zutiefst. Verstimmt blätterte er auf die nächste Seite um.
...Mal sehen, wie ruhig du noch bleiben kannst, wenn du mich erst entdeckt hast...

Lange warten musste Gellert nicht mehr. Percival begutachtete in Seelenruhe seine Fesseln, richtete seinen Blick gen der leuchtenden Kugel ein gutes Stück über seinem Kopf –dessen bloßes Vorhandensein ihm verriet, dass er hier nicht allein sein konnte– und ließ seinen Blick anschließend durch den in schummriges Licht getauchten Raum schweifen. In einigem Abstand vor ihm blieb sein Blick dann an einer Gestalt im Halbschatten haften. Grindelwald spürte seinen Blick sehrwohl auf sich, beschloss aber, ihn einfach gucken zu lassen und seinerseits geduldig darauf zu warten, dass Graves die späte Erkenntnis doch noch überrollte.
Percival sah einen Mann Mitte Vierzig. Er wirkte wie die Ruhe selbst, wie er da so in seinem Stuhl saß und seine Hände mit einem Buch in seinem Schoß beschäftigte. Wie er lässig seine Beine überschlagen hatte und nebenbei mit dem oberen Fuß leicht wippte. Er steckte in einem von zwei auf Hochglanz polierten schwarzen Schnürstiefeln, welche bei näherem Hinsehen nicht nur über silberne Applikationen verfügten, sondern auch ein wenig Absatz besaßen. Den Rest seiner Beine umhüllte eine eng anliegende, ebenso schwarze Lederhose. Seine Taille wurde von einem breiten, mehrschnalligen Gürtel betont, welchen jedoch eine aquamarinfarbene Weste von zweifelsfrei hoher Qualität teilweise bedeckte. Seine Erscheinung wurde noch von einem schneeweißen Hemd und einem dunkelblauen, fast schwarzen Seidenschal abgerundet. Seine Hemdärmel trug er über seinen Handgelenken locker hochgeschlagen und seinen Kragen aufgestellt, während der Mittvierziger mit ungewöhnlich blassem Teint seinen Seidenschal locker in seinem Dekolletee geknotet hatte. Seine kurzen, kunstvoll aufgestellten Haare und sein sauber getrimmter Oberlippenbart schimmerten bei aktueller Beleuchtung wie kühles Platin –und er trug eine Brille. Eine rahmenlose, unauffällige Brille, aber dennoch unverkennbar eine Brille.

„Mein namenloser Fremder entpuppt sich also als niemand Geringeres als Gellert Grindelwald.“
Kein Erstaunen. Kein Argwohn. Kein Zorn. Kein Unwohlsein. Nicht einmal irgendeine Form von Abwertung oder Feindseligkeit. Absolut nichts davon konnte Gellert in Stimmlage oder Tonfall des Amerikaners ausmachen, nicht einmal unterschwellig –und das war...unerwartet...und passte dem selbsternannten Folterexperten ganz und gar nicht.
Es war eine Reaktion, die er so nicht vorhergesehen hatte –dabei war Gellert keineswegs unvorbereitet in ihre Situation gestartet.
Er hatte es bis ins Detail geplant. Wo er sich in dieser Kammer positionierte. Wie er saß. Ob er ihr Gespräch eröffnete, oder Percival sich an ihn herantasten ließ. Wie er ihr Gespräch steuern würde. Wann er ihn mit seiner unschätzbaren Aufmerksamkeit bedachte. Wann er wie aufstand und ihren noch vorherrschenden Abstand überwand. Wann er wie mit seinem ersten Zauber einsetzte, wie die Abstände waren, wann er Pausen einlegen würde um sein Zielsubjekt in falscher Sicherheit zu wiegen...All das hatte Grindelwald bereits in seinem Kopf mehrmals durchexerziert. Diverseste Varianten und mögliche Verläufe durchgespielt. Die möglichen Reaktionen des Aurors bedacht und sich jeweils auf sie eingestellt.
Denn es gab eine nicht zu unterschätzende Wahrheit, die jedoch viele so leichtsinnig vernachlässigten, nicht bedachten, so an Effizienz einbüßten –und die Gellert stets von vorneherein einen unschätzbaren Vorteil einbrachte und ihm die Kontrolle über die Situation sichern sollte.
Das Spiel, was sie hier spielen würden, begann nicht mit dem ersten Satz. Begann nicht mit dem ersten Folterfluch. Begann nicht mit Einsetzen der Schmerzen –sondern schon sehr viel früher –und hatte längst begonnen. Der erste Eindruck war entscheidend und das Vorspiel niemals zu unterschätzen. Es hatte Auswirkungen –vor allem psychische, mentale Auswirkungen– die, wenn man es verstand sie richtig einzusetzen und zu steuern, im Bestfall einen physischen Kontakt vollkommen überflüssig machten. Dass Percival Graves eine härtere Nuss war, bei der, wenn Gellert sie voll und ganz knacken wollte, er um Folter –psychisch und physisch– nicht herumkommen würde, war ihm bewusst. Percival Graves war nicht grundlos der erste Direktor des MACUSA und hatte eine spezielle Ausbildung absolviert. Demnach war der Ersteindruck umso entscheidender gewesen –also der wirkliche Ersteindruck, nicht dieses chaotische »Irgendetwas«, was da warum auch immer zwischen ihnen im Krankenhaus passiert war. Da war Gellert nicht er selbst gewesen. Vor allem nicht für den Amerikaner.

Und dennoch besaß ebenjener Amerikaner –der von Grindelwald in an Perfektion grenzender Konsequenz um seine Freiheit und in eine Situation gebracht worden war, aus der er nicht mehr würde entfliehen können– die Frechheit, ihm in seiner unverschämt gelassenen Ausstrahlung auch noch ein kleines Schmunzeln zu schenken.
Diese an Arroganz grenzende Ruhe brachte Gellert wirklich auf die Palme. Nicht nur, weil es unerwartet kam und er diese Eventualität nicht mit einkalkuliert, nicht bedacht, nicht mit einberechnet hatte. Nicht, weil er die Möglichkeit, Percival könnte es in seinem Zustand, in seiner Lage doch tatsächlich für eine gute Idee halten, den Zauberer –von dem er genau wusste, wer er war, was er war, was er tat, getan hatte und noch tun würde– der für sein vorzeitiges, garantiert nicht schmerzfreies Ende ganz allein verantwortlich sein würde, einfach so verflucht authentisch unbekümmert, unschuldig anzulächeln, einfach nicht für »möglich« gehalten hatte.
Der Hauptgrund für Grindelwalds Missfallen war etwas viel Fundamentaleres. Wenn Percival Graves gelassen blieb und sogar noch die Dreistigkeit besaß, ihn anzulächeln, grenzte dieses Verhalten für Gellert Grindelwald an Respektlosigkeit. Keinen Respekt vor dem, was er schon getan hatte, tat und in sehr naher Zukunft auch mit diesem vorwitzigen Amerikaner tun würde. Keinen Respekt vor seinen Leistungen inklusive seiner Fähigkeiten. Keinen Respekt vor Gellert selbst als Person. Als spräche er ihm alle Gefährlichkeit ihm gegenüber ab. Als wäre Grindelwald für den Leiter der amerikanischen Aurorenabteilung in etwa so gefährlich wie ein Knuddelmuff. –Dabei war Gellert Grindelwald doch Minimum ein Ungarischer Hornschwanz!

Und dennoch ließ sich der Schwarzmagier nichts –und absolut überhauptnichts– von seiner immensen inneren Verärgerung anmerken. Denn das hier, das hier war sein Spiel! Und er würde einen Teufel tun, sich von Percival Graves seine Kontrolle abluchsen zu lassen!
„Weit weniger schnuckelig, nehme ich an.“, war demzufolge seine betont ungerührt, kühl und neutral gehaltene Entgegnung, während er weiterhin davon absah, dem Auror offen ins Gesicht zu schauen, lediglich seine Beine umschlug und eine Seite weiter blätterte.
„Wo denkst du hin?“, Percival blieb in seiner Selbstsicherheit merklich unbeeindruckt –und sein Schmunzeln hatte er ebenso wenig eingebüßt, „Egal welches Gesicht du trägst, Gellert, schnuckelig bist du immer.“
...Pure Provokation. Na schön, Graves, spielen wir dieses Spiel zu zweit –Sei gewarnt, ich verliere niemals. Niemals...
Gellerts Reaktion war mehrteilig. Er klappte sein Buch zu, legte es beiseite, nahm seine Lesebrille ab, schob sie sich in seine Weste, stand auf, griff den Stuhl an der Lehne, zog ihn hinter sich her und stellte ihn mit der Rückenlehne nach vorn unmittelbar vor dem Amerikaner ab. Dann setzte er sich. Er setzte sich rittlings auf seinen Stuhl, legte seinen linken Arm auf der Rückenlehne ab, zog seinen Stab und hielt ihn Graves direkt unter sein Kinn.
Jeder einzelne Schritt wurde mit Präzision ausgeführt, jede Bewegung mit einer Seelenruhe bis ins letzte Detail vollendet. Gellert ließ sich Zeit. Zeit, einen sehr tiefen, unergründlichen, aber seinerseits alles ergründenden Blick in die dunkelbraunen Iriden seines Gegenübers zu werfen –und zu beobachten, was sich darin abspielte. Wiederum nicht das, was er sich erhofft hatte. Nicht ein klitzekleines Fünkchen Unbehagen ließ der Amerikaner ihn sehen. Grindelwalds Mundwinkel zuckten darüber unzufrieden ein wenig nach unten.
„Du bist mir zu entspannt, Graves.“ Gleichgültigkeit. Gellert vermittelte Graves nichts als nüchterne Gleichgültigkeit. Alles andere hielt er sowohl aus Mimik, als auch Tonfall konsequent heraus.
„Mhmm, und was sagt dir das?“, Percivals Schmunzeln war zwei fragend und oder erwartungsvoll hochgezogenen Augenbrauen gewichen, während er seine Augen keineswegs von Gellert abwandte, vielmehr dessen heterochrome Augen fasziniert zu mustern schien und weiterhin in seinen Fesseln verharrte, als gäbe es nichts Normaleres in seiner Welt, „Es sagt dir, dass ich keine Angst vor dir habe. Es sagt dir, dass ich mit so etwas hier gerechnet habe. Es sagt dir, dass ich von alldem nicht überrascht bin...Warum, meinst du, ist das so?“
...Wieso werde ich das ungute Gefühl nicht los, etwas ganz Entscheidendes übersehen zu haben? Gefällt mir nicht...

„Noch nicht? Nein?“, Percival hatte Grindelwald einen Moment gegeben, um über seine Frage nachzudenken. Da Gellert aber davon abgesehen hatte, auch nur irgendeine Reaktion zu zeigen, meldete er sich eben wieder selbst zu Wort, seinem nachsichtigen Ton nach mehr als entschlossen, seinem Entführer auf die Sprünge zu helfen, „Gut, dann stell dir doch bitte folgende Fragen. Warum habe ich mich nicht gewehrt? Warum habe ich den Tee anstandslos getrunken? Warum wollte ich nicht, dass du wieder gehst? Warum habe ich dich nicht einmal nach deinem Namen gefragt? Du hast dich doch mit Sicherheit im Vorhinein über mich informiert. Mein untypisches Verhalten kann dir eigentlich nicht entgangen sein.“
„Ist es auch nicht...“, war die schlicht gehaltene Antwort seitens Grindelwald mit leicht gekräuselter Stirn, während er Percival warnend aber betont sanft mit seiner Stabspitze mehrmals unter sein Kinn tippte und nebenbei noch gedanklich etwas anfügte.
–Mir ist vor allem nicht entgangen, wie du mir deine Zunge in den Hals gesteckt hast, »Percy«...
„Tatsächlich?“, da war sie, eine Spur Zweifel –versehen mit einem überaus kritischen, zunehmend tadelndem, vorwitzigem Untertönchen, „Dann frage ich mich aber, was dich dazu veranlasst, so murrig mit mir zu sein. Dass du vorsichtig bist, hatte ich erwartet –alles andere hätte mich auch enttäuscht– Aber dass du mich mit deinem Stab bedrohst, ist unverhältnismäßig, mein Lieber.“
Grindelwald hätte die letzte Aussage des Direktors jetzt eindeutig als weitere überflüssige Provokation werten können –tat es aber nicht. Gellert konnte sich nicht helfen, über diese unverkennbare Spur ehrlicher Entrüstung in Percivals Stimme, seinen vorwurfsvollen Blick...Dem Schwarzmagier huschte augenblicklich ein zutiefst amüsiertes Schmunzeln über sein Gesicht und war vorerst bereit, sich zunächst milde stimmen zu lassen, mitzuspielen solange es ihm Spaß machte, abzuwarten, wohin es ihn führen würde, und Graves mehr in seiner Mitteilsamkeit zu bestärken, statt sie zu hemmen.
„Meiner Meinung nach ist es durchaus verhältnismäßig, Graves.“, Grindelwalds Schmunzeln war in einen belustigt funkelnden Blick und eine überspitzt strenge Mimik übergegangen, während er nebenbei wieder gegen das Kinn des Amerikaners tippte, „Aber bitte, überzeuge mich –Und mit ein bisschen Glück verschwindet mein Stab dann wieder aus deinem Gesicht.“
Um zu demonstrieren, wie ernst er seine letzten Worte nahm, tippte Gellert seinem Entführungsopfer einmal auf seine Nasenspitze –und das Schmunzeln war wieder da. Dieses Mal eine Mischung aus natürlich und aufgesetzt.
„Du hast doch wohl nicht geglaubt, ich würde jemanden küssen, von dem ich nicht weiß, wer es ist?“
Ganz klar eine Suggestivfrage. Eine lupenreine Suggestivfrage, erneut zwei hochgezogene Augenbrauen und ein Blick, der Grindelwald ganz eindeutig »Das ist doch nicht dein Ernst?« suggerieren wollte –also praktisch zwei Suggestivfragen auf einmal.
Gellert war begeistert –das hier machte ihm zunehmend wieder mehr Spaß– sein Schmunzeln wurde augenblicklich eine verschmitzte Spur breiter.
„Oh, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, du wolltest es gar nicht wissen.“
Erneut entschloss sich Gellert dazu, Graves beiläufig mit seiner Stabspitze auf seine Nase zu tippen und erntete auf seine natürlich provokativ gemeinte Aussage direkt ein recht monotones „Autsch.“ Nicht mehr. Nicht weniger.
„Du willst also behaupten, du wusstest von Anfang an, wer ich bin.“
Grindelwald kräuselte etwas seine Stirn, sein Lächeln war verschwunden, einer nachdenklichen Miene gewichen. Seine Stabspitze war tiefer gewandert und ruhte nun auf den geschlossenen Lippen des Aurors.
„Nein, nicht von Anfang an.“, ein bestärkendes Kopfschütteln folgte –augenscheinlich hielt Percival eine Rückkehr zur Ernsthaftigkeit nun auch für die einzig angebrachte Herangehensweise, „Am Anfang war es lediglich ein Verdacht. Also habe ich dich getestet, um mir sicher sein zu können...Spätestens nach deiner indirekten Drohung war es eindeutig.“
Percival wirkte durch und durch aufrichtig –und machte Gellert tatsächlich für einen Moment stutzig. Also ging er den Verlauf ihrer ersten Begegnung mental noch einmal durch. Graves war so freundlich, ihn dabei verbal zu kommentieren.
„Dein Verhalten hat mit deiner Maske immer weniger harmoniert, Gellert. Du wolltest mir zu Beginn einen verängstigten, überforderten, verzweifelten Patienten vorspielen, der sich seiner Medikation entziehen will. Als ich dich gegen die Tür gedrängt habe, hast du dich zwar drängen lassen, bist aber nicht wirklich zurückgewichen. Du hast dich weder unterworfen, noch untergeordnet. Ziemlich ungewöhnlich für einen namenlosen Niemand, der sich nicht einmal der Behandlung eines Medi-Magiers anvertraut, dem mächtigsten Zauberer des MACUSA ohne Unterlass Contra zu bieten, findest du nicht? Ab da war es leicht. Wer könnte dieser Niemand sein, der sich weigert, sich von sich aus mir vorzustellen? Wer könnte das sein, der sich »rein zufällig« ausgerechnet in mein Zimmer verirrt hat? Wer könnte überhaupt einen Grund haben, mich nicht mit seinem tatsächlichen Gesicht zu besuchen? Und wer wäre zu so etwas überhaupt in der Lage? Ich mag eventuell aktuell nicht auf der Höhe sein –das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich blind bin...Du konntest nur Gellert Grindelwald sein.“
...Das ergibt alles immer weniger Sinn, Graves. Wenn du es wirklich wusstest, warum hast du dich dann nicht gewehrt und dich auch noch so schamlos an mich herangeschmissen?...
„Was mir aber noch immer nicht erklärt, weshalb du meinen Stab in deinem Gesicht für keine gute Idee hältst.“, merkte Grindelwald direkt weiterhin kritisch an, nachdem er seine nur noch irreführenderen Gedankengänge fürs Erste entschieden in seinen Hinterkopf verbannt hatte –und sie dort auf Wiedervorlage legte. Nebenbei ging Gellert noch dazu über, seinem Amerikaner mit seinem Stab mehrmals gegen seine Stirn zu tippen. Percival seinerseits blieb nach wie vor gelassen, ließ sich weder provozieren, noch aus der Ruhe bringen –und blieb kommunikativ wie eh und je.
„Ich halte es für keine gute Idee, da du jemanden bedrohst, der einen potenziellen Bündnispartner darstellt.“
Da Grindelwald vor wirklichem Erstaunen über diesen letzten Satz die absolute Kontrolle über seine Mimik für einen kurzen Moment doch tatsächlich abhanden gekommen war, wurde für den Auror in kurzer Abfolge zunächst verstärktes Stirnrunzeln, gefolgt von einer hochgezogenen Augenbraue sicht- und ein ungläubiges Schnauben hörbar, ehe der Schwarzmagier sich in einer fließenden Bewegung kopfschüttelnd erhob –er sah enttäuscht aus– und seinen Stuhl mit einem lässigen Schlenker in eine leere Ecke außerhalb von Graves’ Sichtbereich schickte.
„Als ob dich die letzte Anweisung deiner Vorgesetzten so sehr in deinem Stolz verletzt hätte, dass du darüber plötzlich deine Loyalität wegwirfst...“, als Gellert diesen Moment später auch schon wieder voll und ganz Herr seiner Gesichtszüge war, trat er noch einen Schritt an den Auror heran, beugte sich ihm auf Augenhöhe entgegen und setzte ihm nicht zum ersten Mal die Spitze des Elderstabes unter sein Kinn –Grindelwalds Stimme hatte einen unterkühlten Ton angenommen, „Wenn du mich überzeugend anlügen willst, Graves, wirst du kreativer werden müssen.“
„Wer hat denn hier etwas von »plötzlich« gesagt?“
Erneut Entrüstung. Durchaus überzeugend authentisch dargestellte Entrüstung. Und –Grindelwald glaubte im ersten Augenblick doch tatsächlich, er hätte sich wortwörtlich »versehen«– eine Art begeistertes Funkeln in diesen dunkelbraunen Iriden.
„Du hast Recht. Die Präsidentin und ihren Umgang meinen –nennen wir es »kurzzeitigen Anflug von Schwindel«– betreffend, als Motiv für meinen Sinneswandel anzubringen, würde mich unglaubwürdig erscheinen lassen. Aber, mein lieber Gellert, ich widerspreche entschieden. Mein Sinneswandel ist schon länger her, mir hat es bisher lediglich an einer Gelegenheit gemangelt, es dich wissen zu lassen.“
...Würde mir zumindest erklären, weshalb du dich im Krankenhaus mir gegenüber so offen über Picquery aufgeregt hast. Das mit der »Zwangspause« hast du offensichtlich nicht gut verkraftet...
„Interessant.“ Ein Wort. Ein Beschluss. Gellert stupste Graves ein letztes Mal unter sein Kinn, ehe er seinen Stab sinken ließ und in gesetzten, geschmeidigen Schritten hinter ihn trat. „Ich bin ganz Ohr. Warum willst du so unbedingt auf meine Seite wechseln? Oder könntest du es einfach nicht ertragen, mich zu verhaften, weil ich so furchtbar »schnuckelig« bin?“
„Ganz im Gegenteil. Vielleicht finde ich die Vorstellung dich zu verhaften sogar besonders reizvoll, gerade weil ich dich so »furchtbar schnuckelig« finde? –Nebenbei bemerkt, in Natura bist du sogar noch attraktiver, als auf den Fahndungsplakaten.“
Nebenbei neigte Percival seinen Kopf so weit in den Nacken wie es eben ging, um zu Gellert mit einem an Verwegenheit grenzenden Schmunzeln wieder Blickkontakt herstellen zu können. Da sich der Schwarzmagier beidseits an Graves’ Rückenlehne aufstützte und ihn, sich leicht über ihn gebeugt, von oben herab ansah, konnte der Direktor ebenso ein –vielleicht verzücktes?– auf jeden Fall zutiefst amüsiertes Schmunzeln auf Grindelwalds Mund ausmachen.
„Du wirst mich aber nicht verhaften, Graves.“
Noch immer dieses kleine Schmunzeln, während Gellert weiterhin heiter gestimmt unterstützend leicht mit seinem Kopf schüttelte und nebenbei Percivals Kopf mit sanfter Gewalt zurück in seine Ursprungsposition dirigierte, sodass er nunmehr in einigem Abstand vor sich erneut die magisch versiegelte Tür bestaunen durfte.
„Bedauerlich...“, der Auror hörte sich keineswegs so an, als würde er es auch nur im Mindesten bedauern, kehrte dann aber übergangslos zu seiner ernsthaften, reservierten Art zurück, „...Wie du dir denken kannst, habe ich mich von Berufs wegen genauso über dich informiert, die du dich über mich. Während meiner Recherchen habe ich festgestellt, dass sich unsere Interessen im Grunde gleichen. Ich möchte Gerechtigkeit. Sicherheit. Und Freiheit. Die Freiheit, mich nicht verstecken zu müssen. Ich möchte nicht gezwungen sein, eine Beziehung –wenn überhaupt– nur im Verborgenen führen zu können, in der stetigen Sorge, dass mein Status darunter leidet. Ich möchte endlich für etwas kämpfen, an das ich wirklich glaube, Gellert.“
Grindelwald hatte längst aufgehört zu zählen, wie oft es dem Auror während der kurzen Zeit ihrer Bekanntschaft bereits gelungen war, ihn in Erstaunen zu versetzen –jedenfalls hatte es dieser Amerikaner soeben aufs Neue geschafft. Er hatte Gellerts Erwartungshaltung erfolgreich durchkreuzt und ihn wiederholt in eine Phase der Verwunderung und Neukalkulation gestürzt. Graves klang Wort für Wort gnadenlos aufrichtig. Alles. Und Grindelwald war zu seiner eigenen Überraschung inzwischen immer mehr bereit, ihm wirklich Glauben zu schenken.
„Und das kann dir der MACUSA nicht länger bieten?“
Der Schwarzmagier hauchte ihm diese Frage von hinten regelrecht direkt ins Ohr, während Gellert nebenbei seine Arme von hinten so über die Lehne legte, dass seine Hände samt Elderstab in Percivals Sichtfeld auftauchten und vor ihm locker in der Luft hingen –Dass dies praktisch eine gespiegelte Version dessen darstellte, was sich zwischen den beiden zeitweise im Krankenzimmer abgespielt hatte –jedoch hier selbstverständlich ohne Kuss– war Grindelwald dabei nicht unbedingt bewusst.
„Du weißt genauso gut wie ich, dass die Antwort darauf Nein lautet.“, Percival drehte kurzzeitig seinen Blick zur Seite, um Grindelwald einen bestärkenden Blick zuzuwerfen, richtete seinen Kopf aber direkt im Anschluss –diesmal ohne Gellerts Hilfestellung– selbstständig zurück nach geradeaus auf die Tür, „Wir wünschen uns beide eine neue, eine offenere Welt. Da der MACUSA die geltenden Systeme stützt, auf ihnen beruht, werde ich auf Seiten des MACUSA niemals den Wandel in der Gesellschaft erreichen, den ich für längst überfällig halte. Ich behaupte nicht, dass ich hinter deinem Vorhaben stehe, die No-Majs rigoros zu unterdrücken. Aber das ist vielleicht ein Kompromiss, den ich werde eingehen müssen.“
„Und du wärest bereit dazu? Sag mir, warum.“
„Weil ich genauso wie du erkannt habe, dass das Alte erst weichen muss, ehe man Neues errichten kann. Ich halte dich für einen vernünftigen, intelligenten Zauberer mit einem gut durchdachten Plan, der ausschließlich das tut, was er als unabdingbar notwenig erachtet. Den zahllosen Gerüchten zufolge, die über dich in Umlauf sind, bist du sogar ein Visionär –eine Fähigkeit, die ich niemals besessen habe und um die ich dich wahrlich nicht beneide. Es muss furchtbar sein...Wenn du mir also sagst, dass die Unterdrückung der nichtmagischen Gesellschaft übergangsweise unabdingbar notwenig ist, bin ich bereit, das zu akzeptieren.“
„Gut.“, während seine rechte Hand einfach weiter so verweilte, wie sie war, strich Gellert mit den Fingern seiner stablosen Hand einmal durch den schwarzen Schopf unter sich und Percival damit seine gelösten Strähnen zurück –dass dem zufriedenen Schwarzmagier darüber unwillkürlich erneut die Assoziation von dem Amerikaner als Katze kam, sollte nicht verwunderlich sein, „Dann verrate mir noch, warum du mir deinen Standpunkt nicht bereits im Krankenhaus mitgeteilt hast. Dein alternativer Verführungsversuch war dahingehend nicht unbedingt zielführend, Graves.“
Gegen Ende hatte sich zunehmend ein sanfter, wie belustigter Tadel in Grindelwalds Stimme gestohlen, während er nebenbei dazu überging, Percivals eines Ohr zu massieren, welches durch die stimulierende Zuwendung bereits rot angelaufen war und heiß pochte.
„Deine Antwort ist zweiteilig.“, Gellert war zwar nicht dazu in der Lage, Percivals Lächeln zu sehen, konnte es dafür aber überdeutlich hören, „Zum Einen war ich mir nicht sicher, wie überzeugend ich dir meine Gründe darlegen kann. Und ich wollte nicht riskieren, dass du mich aus Vorsicht und in einer Kurzschlussreaktion, über die Erkenntnis, dass ich sehrwohl wusste, wer du bist, angreifst und unnötig Aufmerksamkeit auf uns ziehst. Hättest du mich immerhin angegriffen, hätte ich mich verteidigen müssen. Und hätte ich mich verteidigt, wäre es zweifellos zu Missverständnissen zwischen uns gekommen. Wollte ich vermeiden. Da erschien es mir unter dem Strich einfach sicherer, dir die Kontrolle zu überlassen, dich unsere Auseinandersetzung nach deinen Vorstellungen vorbereiten zu lassen, und mich einer Umgebung auszuliefern, die dir das nötige Sicherheitsempfinden bietet –damit du mir auch wirklich zuhörst und nicht so viele Gründe hast, skeptisch zu sein.“
Eine kurze Pause seitens Graves folgte –sein Lächeln hatte natürlich nicht an Intensität verloren. Grindelwald beschränkte sich seinerseits ganz darauf, weiterhin aufmerksam zuzuhören.
„Zum Anderen wissen wir beide, dass du dich in meiner Gesellschaft niemals so entspannt hättest, wenn du gewusst hättest, dass ich da bereits wusste, dass du du bist. Es war einfach ein Versuch, Gellert...“, Nebenbei machte der Schwarzmagier ein entspanntes Schulterzucken aus. Und da Percival einen weiteren Versuch startete, erneut Blickkontakt zu Gellert herzustellen, sah sich selbiger –mittlerweile viel zu breit grinsend, als es noch irgendwie vertuschen zu können– eben dazu gezwungen, dem Zauberer vor sich beide Hände auf die Ohren zu legen und somit seinen Kopf in Position und sich selbst weiter aus seinem Sichtfeld herauszuhalten, „...Du bist nunmal unsagbar schnuckelig. Hochintelligent. Und wunderschön. Ich finde dich faszinierend. Wie könnte ich da die seltene Gelegenheit, allein und unbeobachtet mit dir in einem Raum zu sein, ungenutzt verstreichen lassen? Und erinnere dich zurück. Du hast mich gefragt, was ich vorhätte. Und da ich zu diesem Zeitpunkt bereits nichts weiter vorhatte, als mir die Zeit zu vertreiben und auf deine Instruktionen zu warten, habe ich es eben –ausprobiert. ...Gellert? Gellert, kannst du mir verraten, was das werden soll?“
Das, was den Amerikaner zunehmend verwirrte und ihn irritiert die Stirn runzeln ließ, war genau genommen nichts anderes, als Gellerts Versuch, nicht gänzlich seine Beherrschung zu verlieren und sich davon abzuhalten, schallend loszulachen. Vollkommener Pustekuchen! Seine ihm so kostbare Selbstbeherrschung war dahin.
Gellert –noch immer ein verräterisches Dauergrinsen im Gesicht– versuchte ebenjenes gewissermaßen in Percivals dunklem Haarschopf zu verstecken. Während seine Hände auf Graves’ Schultern gewandert waren –seinen Elderstab hielt der Schwarzmagier natürlich weiterhin zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger fest– hatte Grindelwald offenbar im Moment nichts besseres zu tun, als sich mit seiner Stirn an Percivals Hinterkopf aufzustützen, ganz nebenbei seine Nase in den dunklen Strähnen auf Tauchstation zu schicken und erneut in dieser herrlichen Kurkumanote zu baden.
„Nur wenn du mir sagst, was das ist...Dieser Geruch...“ Es war kaum mehr als ein Säuseln. Ein recht einnehmendes Säuseln, während Gellert wirklich aufpassen musste, nicht auch noch damit anzufangen, mit dem Kopf dieses Aurors auf Kuschelkurs zu gehen.
„Das ist mein Haarpflegemittel.“ Kurz angebunden. Anhaltend irritiert. Halb fragend. Halb belustigt. Unverkennbar mit einem Lächeln in der Stimme.

„Ich befinde mich im Zwiespalt, Percy. Ich weiß ehrlich nicht, ob ich kaltherzig genug bin, dir das anzutun...“, Noch immer Gesäusel, während Grindelwald nebenbei dazu überging, Percivals Hals von hinten zu umarmen –bemüht, ohne dabei Gefahr zu laufen, ihn zu ersticken– seine eigene Wange an die des Amerikaners zu lehnen und nebenbei logischerweise sein Kinn auf einem seiner Unterarme aufzustützen, „...Wir könnten jetzt nahtlos da weitermachen, wo wir letzte Nacht noch aufgehört haben...“
„Du hast doch nicht etwa vor, mich noch einmal zu betäuben, Gellert?“
Eine ganz klar alles andere als ernst gemeinte Frage. Grindelwald entkam augenblicklich ein amüsiertes Schnauben, ging aber dennoch in betont ernstem, nachdenklichem Tonfall auf diese Frage ein, während er sich schweren Herzens von dem anderen Zauberer löste, seinen Stab in seiner Weste verstaute, seine Runde um den Stuhl beendete und wieder vor ihn trat. Der Schwarzmagier beugte sich wie vorhin schon einmal auf Augenhöhe dem Auror entgegen, stützte sich nebenbei beidseits auf den Stuhllehnen, an denen ja auch unverändert Percivals Arme festgeschnürt waren, auf und bedachte Graves, während er sprach, mit einem zunächst überzeugend bedauernden Gesichtsausdruck.
„Nein, ehrlich gesagt nicht...“, ein regelrecht sanftmütiges Kopfschütteln folgte, „...Mein Problem ist, dass dein Angebot für mich nicht unabdingbar notwendig ist. Ich wollte dich isolieren, damit ich aus dir in aller Ruhe die Informationen herausholen kann, die ich brauche. Dich brauche ich nicht unbedingt. Und du bist bereits hier. –Ich weiß nicht, ob dich leben zu lassen, ein Risiko ist, welches ich einzugehen bereit bin. Du wirst mir dahingehend sicher zustimmen. Du hast es eben noch selbst gesagt. Ich bin kein Zauberer, der unnötige Risiken eingeht, von denen ich mir keinen garantierten Nutzen versprechen kann.“
Da war sie. Endlich. Mehr als bloß eine Spur Unsicherheit in diesen tiefdunkelbraunen, ihn fragend, teils verständnislos musternden Iriden. Die Verunsicherung auf die Gellert schon so lange gewartet und emsig darauf hingearbeitet hatte. Auf der Stelle war da wieder ein unverkennbar zufriedenes Schmunzeln in seinem Gesicht.
„Kann ich so skrupellos sein, dich zunächst in falscher Sicherheit zu wiegen, nur um im Anschluss die notwenigen Informationen aus dir herauszufoltern, solltest du dich plötzlich als unkooperativ erweisen? Oder sollte ich gnädig sein, nicht mit dir spielen, meine Informationen aus dir herausholen und dich direkt im Anschluss töten, damit du nicht mehr leiden musst als notwendig?“
Während er von Percival zunehmend verständnislos, vielleicht unterschwellig sogar eine Spur enttäuscht oder frustriert mit leicht zusammengezogenen Augenbrauen angeschaut wurde, konnte es sich Gellert nicht verkneifen, seinem Amerikaner mit seiner Hand betont fürsorglich Wange und Kieferkontur entlangzustreichen –noch immer dieses verständnisvolle Schmunzeln auf den Lippen.
„Also schlägst du eine Kooperation grundsätzlich aus?“
Selbstverständlich tat er das nicht. Gellert erkannte natürlich den unbezahlbaren Mehrwert, den Percival darstellte. Und er verstand durchaus, weshalb Graves gewartet hatte, bis Gellert auf ihn zugekommen war und nicht von selbst Kontakt aufgenommen hatte. Zum Einen, wäre es dem Auror tatsächlich gelungen, von sich aus Kontakt herzustellen, der Schwarzmagier hätte sich wahrscheinlich eher nicht darauf eingelassen und dieses Angebot als Scharade, als Falle mit doppeltem Boden abgetan. Zum Anderen war das Risiko einfach zu groß gewesen, dass Graves’ Loyalität dem MACUSA gegenüber bei seinem Versuch, mit Gellert in Verbindung zu treten, angezweifelt werden würde. Und einen ersten Direktor, dem nicht zu Einhundert Prozent vertraut wurde, konnte Gellert nicht gebrauchen. Auf diese Weise war Percivals Integrität noch unangetastet und das würde auch so bleiben.
Grindelwald würde seine Pläne diesen Zauberer betreffend ändern, ihn für seine Seite kämpfen lassen und garantiert nicht denselben Fehler begehen, wie Seraphina Picquery. Er würde im Gegensatz zu ihr auf ihn achten, dafür sorgen, dass er nicht noch einmal Gefahr lief, inmitten irgendwelcher Augen beinahe sein Bewusstsein zu verlieren –und ihn auf seiner Seite halten.
Daran, dass Percival Graves’ Loyalität ihm galt, dass dieser Zauberer in diesem Raum bisher nichts als die unumstößliche Wahrheit gesagt hatte –dessen war sich der Schwarzmagier mittlerweile todsicher. Was einen lebendigen Percival selbstredend sehr viel kostbarer machte, als einen toten.
Doch auch wenn Gellerts Entschluss was Graves betraf bereits feststand, bereitete es ihm gleichzeitig ebenso ein diebisches Vergnügen, den sonst so vor unverschämter Selbstsicherheit sprühenden ersten Direktor des MACUSA noch ein wenig zappeln zu lassen. Warum auch nicht? Grindelwald wäre schließlich nicht Grindelwald, wenn er es nicht genießen, gnadenlos auskosten und noch ein kleinwenig weiter ausreizen wollen würde.

„Darauf zu verzichten, dich zu foltern, würde mich nun einmal um eine Menge Unterhaltung bringen, mit der ich aber bereits fest gerechnet hatte, Percy. Erwarte so etwas doch nicht von mir.“
„Es bringt vermutlich nichts, zu erwähnen, dass ich dir bereits mehrfach eine alternative Unterhaltungsmöglichkeit angeboten habe...“, die Unsicherheit war verschwunden, die authentische Entrüstung –diesmal zuzüglich überdeutlicher Unzufriedenheit– wieder da, „...Du müsstest dich lediglich darauf einlassen.“
„Stimmt. Ich müsste mich lediglich darauf einlassen...“, Da Grindelwald beiläufig entschieden hatte, sein inneres Raubtiergrinsen nicht länger vor Percival verborgen zu halten, präsentierte er es ihm nun ganz offen –und ließ sich sehr zur Verblüffung des Aurors geradezu beiläufig rittlings auf seinem Schoß nieder, machte es sich dort sichtlich gemütlich, „...Ob und inwiefern es mit dir weitergeht, kann ich mir auch nachher noch überlegen.“
Ein abschließend amüsiert musternder Blick folgte, ehe er Graves mit seinem Zeigefinger einmal auf seine Nasenspitze tippte, seine dafür verantwortliche Hand anschließend in seinen Nacken wandern ließ –und ihre Lippen nach stundenlanger Pause wieder miteinander verschloss.
...Alles andere wäre eine Verschwendung deines Potenzials, mein kleiner Percy...

„Bedeutet das, du bist zu einer Entscheidung gekommen?“
Percival hatte den Kuss sehr zu Gellerts Belustigung –und ansatzweise Missfallen– nicht erwidert. Stattdessen hatte er sich für Skepsis entschieden und mit anhaltend zusammengezogenen Augenbrauen diese Frage gestellt.
Gellert entschied sich als Entgegnung für einen strengen, aufgesetzt mahnenden Blick inklusive eines tadelnden Tonfalls, nur um direkt im Anschluss bereits wieder den Mund dieses unnachahmlich vorwitzigen Amerikaners für sich zu vereinnahmen.
„Sei bloß still, Percy. Eventuell neige ich sonst noch dazu, meine Entscheidung dich betreffend doch noch einmal zu revidieren.“
Dieses Mal ging der Auror mit einem geschmunzelten „Du bist anstrengend“ auf den Kuss ein, hielt seine Lippen nicht länger verschlossen und machte bereits recht enthusiastisch mit, als Gellert ihm erneut ein nicht wirklich durchsetzungsstark mahnendes „Sei still“ leise gegen seine Lippen raunte.


Ihr Schweigen hielt keine drei Minuten an. Dabei hatte es Gellert wirklich umfänglich genossen. Er genoss es sogar unbeschreiblich. Jede Berührung ihrer Lippen. Ihr durchaus heißes, andauerndes, ausgeglichenes Zungenduell. Diese leisen, ununterdrückbaren Seufzer, die er Percival entlocken konnte. Wie er sich unbeeinträchtigt in seinem bereits deutlich verwuschelten dunklen Schopf austoben konnte. Wie er ihm seinen Nacken kraueln konnte. Wie er mit tänzelnden Fingerkuppen über sein Shirt im Brust- und Bauchbereich wandern konnte. Wie er ihm seine Seiten entlangstreichen konnte. Wie er ihn mittels hauchzarter, kaum spürbarer Berührungen an Ohr, Hals, Schulter, Arm, bis hinunter zu seinen Händen langsam aber sicher in tiefe Verzweiflung stürzen konnte.
Und am allermeisten genoss es Gellert, wie sehr sich Percival doch seinen Berührungen engegenstrecken wollte, wie er ihnen folgen wollte, wie sein Körper immer lauter nach »mehr« zu schreien schien –aber dem einfach nicht folgen konnte. Dem nicht folgen konnte, weil er weiterhin wie ein fest verschnürtes Päckchen an diesen Stuhl gefesselt dasaß, in dieser Hinsicht einfach machtlos war –und der Gnade eines bestimmten Schwarzmagiers vollkommen ausgeliefert, nebenbei bemerkt. Graves war ihm ausgeliefert. Das gefiel Gellert selbstredend mit Abstand am meisten.
„Gel-lert? Rein interessehalber...“
Dass der starke, mächtige Auror unter ihm bereits jetzt zu kaum mehr als ein bisschen Genuschel fähig war –welches auch noch verdächtig verwaschen klang– trieb Grindelwald auf der Stelle ein durchtriebenes Grinsen mitten ins Gesicht. Gellert hatte sich gerade erst vorerst von Percivals Mund gelöst, sich in seinen dunklen Haarsträhnen verhakt, sich seinen Kopf zurechtgedreht –und war gerade hochkonzentriert damit beschäftigt, an Percivals oberem Halsansatz einen gründlichen Knutschfleck zu kreieren. Im Krankenhaus hatte er sein Werk schließlich nicht vollenden können –und sein erster Ansatz lag ohnehin unter Percivals Halsband verborgen. Und da der Direktor aus bekannten Gründen momentan absolut nichts dagegen machen konnte –selbst wenn er gewollt hätte, hätte er nicht gekonnt– hatte der Schwarzmagier den Zeitpunkt für goldrichtig befunden.
Eigentlich hätte Gellert jetzt einen Grund gehabt, böse auf seinen Amerikaner zu sein, hatte er schließlich soeben mit seinem undeutlichen Gesäusel das von ihm höchstselbst angeordnete Schweigen vorschnell wieder durchbrochen –entschied sich aber für etwas anderes. Der Schwarzmagier reagierte mit einem halb fragenden, halb mahnenden Grummeln gegen Percivals pulsierende Halsschlagader, ehe er –einem plötzlichen Impuls folgend– sanft in seine dort empfindliche Haut biss und Graves darüber unmittelbar ein sagenhaftes Aufkeuchen entlockte –voller mühevoller wie vergeblicher Zurückhaltung, Empörung, Entrüstung, Belustigung und einfach nur purer Fassungslosigkeit.
...Goldig...
„...Hast du eigentlich vor, mich jemals wieder von diesem Stuhl hier loszubinden?“
Noch immer ganz eindeutig Entrüstung aus dem Mund des Aurors, als er sich über diesen unerwarteten Überfall wieder halbwegs gesammelt bekommen hatte. Gellert war verzückt.
„Definitiv nicht.“ Sein Dauergrinsen war aus seiner Stimme deutlich heraushörbar, während er nebenbei unbeirrt damit fortfuhr, sich an Graves’ Hals festzusaugen –ein klitzekleinwenig zu knabbern ab und an, wenn es ihn in seiner vollendeten Unschuldsmanier gerade mal wieder einfach so überkam– und dem ihm gnadenlos ausgelieferten Direktor weiter mit seinen Fingerkuppen über seinen Körper zu fahren.
„Das ist doch Folter!“ Eine ausgewogene Mischung aus vorwurfsvoller Empörung und Amüsement. Grindelwald las aus seiner Wortwahl, seinem Tonfall, seinen sich unter ihm und in seinen Fesseln verstärkt windenden –zwecklos bleibenden– Bewegungen, seiner Mimik –aus einfach allem– dass Percival das eindeutige, unbedingte, unverhandelbare Bedürfnis verspürte, »mitmachen« zu wollen. Also wirklich mitmachen zu wollen, nicht nur dazu verdammt zu sein, still dasitzend hinzunehmen.
...Kann ich sehr gut verstehen –Aber ein bisschen Geduld wirst du wohl noch aufbringen müssen, Percy-Schatz...
Gellert dachte gar nicht daran, dem unausgesprochenen Wunsch seines Amerikaners nachzukommen –zumindest noch nicht. Zuerst hatte er noch etwas mit ihm vor. Etwas, wobei er einen zum Stillhalten verdammten, wehrlosen Graves –der nicht in der Lage sein würde, ihm dazwischenzufunken– eindeutig bevorzugte.
Zu diesem Zweck löste er sich wieder von Percivals Hals, nur um sich erneut seinen Stab aus der Weste zu ziehen und ihn ihm mit betont fürsorglicher Stimme direkt unter die Nase zu halten.
„Percy, vertrau mir. Folter...funktioniert bei mir ein bisschen anders.“, Ein vielsagendes Zwinkern folgte. Ein heimtückischer Zug um die Mundwinkel ebenfalls, „...Stillhalten. Nicht das ich noch abrutsche.“
Ohne auf irgendeine Reaktion seitens des Direktors zu warten, wandte er sich damit bereits wieder von seinem Gesicht ab und seine volle Aufmerksamkeit seinem ledernden Halsband zu. Grindelwald konnte nicht beurteilen, ob es Percival erst dadurch aufgefallen war, oder er bisher einfach nur auf den passenden Moment gewartet hatte, um ihn darauf anzusprechen. –Wie auch immer, Graves klang sowohl argwöhnisch, wie kritisch als auch misstrauisch, während Gellert nur allzu gut die ihn intensiv musternden Blicke des Aurors auf sich spürte.
„Warum trage ich ein Halsband, Gellert?“
Grindelwald hatte doch tatsächlich Mühe, sich ein weiteres Schmunzeln zu verkneifen.
„Weil du keine herrenlose, herumstreunende Katze bist, Percy...Du hast ein Zuhause.“
Ein sanftmütiger, seelenruhiger Tonfall, während sich der Schwarzmagier mit seiner Linken tiefer in den dunklen Strähnen verhakte –nur um sicher zu gehen, dass Percival auch wirklich ganz stillhielt natürlich. Nebenbei setzte Gellert seinen Stab an und begann damit, sein Symbol in das dunkle Leder zu gravieren –sprich: Linie, Kreis, Dreieck. Die drei Heiligtümer des Todes.
„Willst du damit andeuten, dass du mein Besitzer bist?“
...Wo kommt denn dieser schnurrende Unterton auf einmal her?...
Gellert war begeistert. Eigentlich hatte er ja erneut mit Entrüstung oder ähnlichem gerechnet. Dass Percival jetzt aber auf diese Weise reagierte, gefiel dem Schwarzmagier sogar noch besser –gerade weil er nicht damit gerechnet hatte. Grindelwald schlich sich ein zufriedenes Grinsen aufs Gesicht, während er sich daran machte, sein Dreieck zu beenden. Dass Graves dieses Lächeln mehr sagte als Tausend Worte, war ihm dabei sehrwohl bewusst –und auch haargenau so beabsichtigt.
„Ich hätte es wissen müssen.“, Percival klang geradezu von sich selbst enttäuscht –hielte Gellert seinen Kopf momentan nicht wortwörtlich in seinen Fingern, hätte er ihn über diese Erkenntnis jetzt sicher resigniert geschüttelt, „Dass du eine kleine, sadistische Ader hast, hätte ich mir auch gleich denken können.“
„Hättest du.“ Ein bestätigender Seitenblick seitens Gellert folgte, ehe sich seine Augen auch schon zurück an das Halsband hefteten, um sein Symbol noch um einen Schriftzug zu ergänzen. Percivals anschließendes, zutiefst amüsiertes Brummen –welches ihn dann doch eine Spur irritierte– nahm er dennoch wahr.
„Mhmm...Dir ist aber ein winziges Detail entgangen, Gellert.“, Grindelwald hielt mit seiner Arbeit dann doch noch einmal inne und warf Percival einen fragenden wie verständnislosen Blick zu –hätte er es mal gelassen. Graves’ tiefbraune Augen hatten wieder diesen einen Ausdruck angenommen, der auf Gellert beinahe hypnotisch wirkte, von dem er sich kaum wieder losreißen konnte, „Katzen haben keine Besitzer. Katzen haben Bedienste–.“
So war es auch nicht verwunderlich, dass er nicht mehr dazu kam, Percival seinen Satz, der wohl so etwas wie eine Aufklärung, eine Belehrung darstellen sollte, beenden zu lassen, sondern ihn anstatt dessen in einen weiteren tiefen Kuss zog, sodass sich der Amerikaner an seiner letzten Silbe nur verschlucken konnte.
„Irrtum, Percy...“, war zunächst alles, was Grindelwald erneut mit vielsagendem Schmunzeln hervorbrachte, nur um ihm direkt im Anschluss ein, zwei weitere kleine Küsse von seinen Lippen zu stehlen und ihm durch seine dunklen Strähnen und seinen Nackenbereich zu kraueln. Als sich Gellert wieder einigermaßen von seinem Amerikaner gelöst bekam, hatte er nichts besseres zu tun, als ihm auch noch in foppend tadelnder Manier alles andere als zum ersten Mal mit seiner Stabspitze vor seiner Nase herumzufuchteln –und dabei war der Schwarzmagier eigentlich so überhaupt gar kein Freund von »Herumfuchtelei« –zu unpräzise– Bei Percival allerdings, konnte er es einfach nicht lassen, „Dein Halsband macht mich zu deinem alleinigen Fürsorger.“, ein betont eindringlicher Blick auf den Auror folgte, erst danach führte Grindelwald seine Gravur in feinen, geschwungenen Linien fort, „Und damit du das auch nicht vergisst, wirst du es weiter tragen.“
„Worauf habe ich mich da nur eingelassen?“ Ganz klar geschnurrt. Und auch ganz klar nicht unbedingt ernst zu nehmen. Gellert stellten sich seine Nackenhärchen auf.
...Darüber hättest du dir vielleicht eher Gedanken machen sollen, mein Lieber...
Gellert verbot sich ein verräterisches Grinsen. Anstatt dessen garnierte er seinen konzentriert auf die Vollendung seines Schriftzuges gerichtet bleibenden Blick mit einer kühlen, lupenreinen Drohung –oder einem Versprechen –oder einer neutralen Ansage. Reine Ansichtssache –nach Empfinden des Schwarzmagiers.
„Wenn du weiter so meckerst, bekommst du zur Strafe auch noch ein Glöckchen.“
Percival starrte ihn an, als hätte er soeben eine falsche Bohne von Bertie Botts erwischt, als hätte ein eigentümliches Kribbeln seinen gesamten Körper unter Strom gesetzt.
...Wie ein kleiner Kater, bei dem sich sämtliche Haare schlagartig aufgerichtet haben –Fragt sich nur, ob es ein instinktives Abwehrverhalten deinerseits ist, oder vielleicht nicht doch eher unerwünschte Erregung bei dem Bild, welches ich dir soeben in den Kopf gepflanzt habe...


Nachdem Gellert fertig war, pustete er nur noch einmal abschließend über seinen Schriftzug, welcher in feingeschwungenen, akkuraten Linien nun das Wort »Percy« formte, gab dem geduldig ausharrenden Graves einen Kuss auf die Stirn –was war ihm auch anderes übrig geblieben?– stand umsichtig auf und löste erst danach Gurt für Gurt einzeln.
Der dankbare Blick, den sich Grindelwald für sein Verhalten von Percival einheimste, war wirklich unbezahlbar –das Folgende nicht weniger ein Hochgenuss.
Ganz der Gentleman hielt Gellert ihm seine Hand anbietend entgegen und zog den darüber noch leicht verdutzten Auror zurück auf seine Beine –dass ihm Percival dabei gleich wortwörtlich in die Arme fiel, war nicht unbedingt so geplant gewesen. Graves’ darüber kurzzeitig entsetzter Gesichtsausdruck, während er Gefahr lief, an Grindelwalds Körper einfach hinunterzusacken, ebenso wenig.
Gellert konnte ihn nur durch seine guten Reflexe davon abhalten, eher Bekanntschaft mit dem Boden zu machen, als ihm lieb war. Und so fand sich Gellert in einer zunächst etwas uneleganten Umarmung mit dem Direktor wieder. Percivals Beine waren ihm weggesackt und er wurde lediglich von zwei Armen, die sich um seine Taille geschlungen hatten noch halbwegs aufrecht gehalten. Seine Stirn war in Schlüsselbeinhöhe gegen Gellerts Oberkörper geprallt und einfach dort liegengeblieben, während Grindelwald auch eindeutig zwei sich mit aller Macht in seine Weste krallende Hände auf seinem Rücken spüren konnte.
„Percy, du hast doch nicht etwa vor, ausgerechnet jetzt schlappzumachen?“ Eigentlich hatte der Schwarzmagier vorgehabt, seiner Stimme eine unterschwellig vorwurfsvolle Betonung zu geben –klang aber mehr besorgt als alles andere.
„Käme mir nie in den Sinn!“, Nicht eine einzige Spur Belustigung. Nicht einmal ansatzweise oder unterschwellig. Stattdessen so etwas wie verteidigende, verdrießliche Aggressivität. Percival klang geradezu giftig –was Gellert ihn im ersten Moment perplex mustern ließ, ihn im nächsten aber schon weiter zu sich hochzog, den sturen Dickschädel dieses Amerikaners auf seine Schulter bettete, eine Hand von dessen Rücken löste und ihm stattdessen mit seinen Fingern durch seinen dunklen Schopf strich –während Graves mit allem und vor allem sich selbst unzufrieden grummelnd einfach weiterfauchte, „Sitz du erstmal stundenlang auf einem Stuhl, der dir alles mögliche abschnürt!“
...Merlin, jetzt fängst du auch noch an zu schmollen. Das klang ja geradezu vorwurfsvoll aus deinem Mund! Dabei will ich doch nur dein bestes, Percy. Und dass das ausschließlich an meinen Fesselungskünsten lag, bezweifle ich. Hättest du dich im MACUSA immerhin nicht an einem Stuhl festgeklammert, hätte vermutlich Picquery herhalten müssen. Kein Wunder, dass sie dich da eigenhändig ins Krankenhaus geschleift hat...
„Ist dir schwarz vor Augen?“ Unter den Streicheleinheiten und Grindelwalds eindringlichem Tonfall, fuhr Percival augenblicklich wieder mit seinem Kopf hoch –nach wie vor eine energische, sich echauffierende, zutiefst unzufriedene Miene ziehend.
„Ich sehe dich glasklar!“ Allein die Tatsache, dass Graves ihm mit seinem vorwurfsvollen Blick nicht in die Augen schaute, sondern konsequent einen Punkt dicht neben seinem Ohr niederstarrte, bestätigte Gellert bereits, dass der Auror ihn soeben angeflunkert hatte und zurzeit mindestens in verschleierten Doppelbildern sah.
„Erzähl mir doch nichts...“, ging Gellert großzügig ausnahmsweise einmal über diese Unehrlichkeit hinweg, nahm Percivals Gesicht in seine Hände –in einer ja weiterhin seinen Elderstab haltend– und führte es bestimmt zurück zu sich, nachdem er sich vergewissert hatte, dass der Auror sein Gleichgewicht wieder selbstständig halten konnte.
„...und komm her.“, fügte Grindelwald noch in entschiedenem Tonfall beiläufig an, ehe er ihre Münder wieder miteinander verschloss.


Nach einem für Percival hauptsächlich besänftigenden Zungengefecht, standen sie immer noch sehr eng beieinander. Während es Percival anscheinend gerade für eine umwerfend gute Idee hielt, sich an Gellerts einem Ohrläppchen zu vergehen und ihn weiterhin in einer lockeren Umarmung zu halten, verursachte er mit genau diesem Verhalten bei seinem Gegenüber aktuell verstärkte Konzentrationsprobleme. Denn eigentlich sollte es doch für Gellert Grindelwald, den gefährlichsten, mächstigsten Schwarzmagier und meistgesuchtesten Verbrecher der Gegenwart –vielleicht sogar aller Zeiten– kein Problem darstellen, mithilfe des Elderstabs zwei Stühle in ein Doppelbett zu verwandeln –tat es aber. Er hatte sogar immense Schwierigkeiten. Gellert benötigte genau genommen insgesamt ganze sage und schreibe drei Versuche, bis sich sein Zauber dann endlich ausführte.
...Ich kann nur hoffen, dass Percy das jetzt nicht mitbekommen hat! Ist ja hochgradig peinlich!...
Während er sich seinen Stab zurück in die Innentasche seiner Weste schob, begutachtete er den Auror vor sich mit einem verstärkt prüfenden Blick, um sich zumindest Gewissheit zu verschafften. Als sich die Stühle dann endlich in Percivals Rücken in einer hinteren Ecke des Raumes erfolgreich zu einem Bett transformiert hatten, hatte mindestens das der geschulte Auror mitbekommen, sich ein wenig von Grindelwald gelöst und einen musternden Blick über die Schulter geworfen. Ob das jetzt bedeutete, dass Graves Gellerts vorangegangenes Fiasko –inklusive der verheerenden Wirkung, die Percival offensichtlich auf ihn hatte und damit dieses Fiasko eben erst ausgelöst hatte– eventuell nicht mitbekommen hatte...Gellert war sich da nicht so sicher. Jedenfalls wurde er jetzt von Percival angelächelt –seine Augen hatten ein wissendes Funkeln abbekommen– und schon in den nächsten Kuss gezogen.

Und dieser Kuss hielt an. Und hielt weiter an. Percival fing nebenbei schon einmal damit an, Grindelwald an seinem dunklen Seidenschal zu zupfen, hielt aber noch einmal kurz inne, um sich auch die Erlaubnis dafür einzuholen. Natürlich bekam er sie. Gellert schmunzelte ihm ja beinahe schon auffordernd entgegen, küsste ihn weiter und verschwand schon einmal mit seinen Händen unter dem Shirt des Direktors –und es fühlte sich so verboten gut an! Warme, weiche, ebene Haut, die sich straff über darunterliegende, feste Muskulatur spannte. Während sich Gellert unter seinem Shirt austobte –und Percival ein leises Seufzen nach dem anderen entlockte– kam er nebenbei natürlich auch nicht umhin, zu bemerken, wie sich Graves daran machte, ihn um ein Kleidungsstück nach dem anderen zu erleichtern. Der Seidenschal flog natürlich zuerst. Wäre Graves nicht der magischen Künste fähig und nicht dazu in der Lage gewesen, stablose Magie zu wirken, hätte der mehrschnallige Gürtel des Schwarzmagiers womöglich eine Herausforderung dargestellt. So jedoch fiel auch der Gürtel ohne großartigen Zeitaufwand zu Boden. Graves musste nicht einmal hinsehen.
Als der Auror dazu überging, die Knopfleiste seiner Weste und seines Hemdes hinabzufahren und somit sämtliche Knöpfe dazu brachte, selbstständig aus ihren Löchern zu schlüpfen, wollte auch Gellert keine Sekunde länger warten und schoppte seinerseits den dunklen T-Shirtstoff auffordernd so hoch es eben ging –das alles selbstverständlich ohne ihre Lippen auch nur einmal voneinander zu trennen.
Bis hierhin jedenfalls. Um den Stoff immerhin in einem Stück von Percivals Oberkörper zu bekommen, mussten sie sich schließlich notgedrungen kurzzeitig voneinander lösen. Betonung auf kurzzeitig. Der Stoff flog, da presste sich der Auror auch schon wieder ungeduldig an ihn, während sich Grindelwald noch Weste und Hemd vom Leib zog und achtlos zu Boden gleiten ließ. Die Schleife an Percivals Hosenbund war in seinen Augen gerade viel wichtiger –hatte eindeutig eine höhere Priorität.
Ein Zug daran und Einwenigtieferziehen des karierten Stoffs genügte, um auch schon die Pyjamahose des Direktors zu Boden gleiten zu lassen –und ganz nebenbei eine pechschwarze, bereits ausgebeulte Boxershorts und ein Paar trainierter Beine zu offenbaren.
Während Percival seinerseits noch das dünne Lederband bewunderte, an welchem ebenfalls das Symbol der Heiligtümer des Todes in Brusthöhe baumelte, und welches eben erst freigelegt worden war, ging Grindelwald bereits dazu über, den Zauberer vor sich an seinen Hüften zu umfassen und gen Bett zu dirigieren.
Percival ließ es einfach mit sich machen. Er ließ es einfach mit sich machen und gab sich voll und ganz damit zufrieden, den Schwarzmagier in einen weiteren tiefen Kuss zu verwickeln, sich von ihm mit geschlossenen Augen durch den Raum führen zu lassen und sich seine blasse Haut entlangzustreicheln –jedenfalls solange, bis er die Bettkante bereits an seinen Kniekehlen spüren konnte.
Ehe Gellert wusste wie ihm geschah, hatte Percival ihn in genau dem Augenblick, in dem er eigentlich vorgehabt hatte, seinen Amerikaner auf die Matratze zu drücken, auch schon seinerseits herumgewirbelt, rücklings auf die Matratze manövriert und sich einfach auf ihn draufgelegt! Und so fand sich Gellert im ersten Moment noch eindeutig desorientiert plötzlich unter ihm im Bett liegend wieder. Seine Beine baumelten über den Rand hinweg, während er noch dabei war, seine Fassung wiederzuerlangen und das eben noch einmal im Geiste zu rekapitulieren, um auch nachvollziehen zu können, weshalb er jetzt plötzlich unter Percival lag –und nicht umgekehrt!
Graves, trotz Grindelwalds vorwurfsvollen Blicks gänzlich unbekümmert, entgegnete mit einem Paar herausfordernd hochgezogenen Augenbrauen, seine Hände entspannt auf Gellerts Brust ineinander verhakt, sein Kinn auf ihnen abgestützt –und lächelte den Schwarzmagier so verdammt scheinheilig unschuldig an, als könnte kein Wässerchen ihn trüben.
Gellert wollte darüber gerade ansetzten etwas zu sagen –er wusste zwar noch nicht was, doch auf jeden Fall irgendetwas Gemeines, Zynisches, da war er vollkommen überein mit sich– kam aber nicht mehr dazu. Percival erstickte jeglichen Versuch seinerseits mit einem kleinen Kuss auf den Mund, stützte sich beidseits mit seinen Armen in der Matratze auf und begann eine Spur aus unzähligen, kleinen, hauchzarten Küssen über Kinn, Kehlkopf, Hals, Brustbein, Bauch eine gerade Linie seinen Oberkörper hinab bis zu seinem Nabel zu ziehen –und noch ein kleines Stückchen darüber hinaus.

Gellert konnte über diese Behandlung nicht anders, als einfach liegen zu bleiben. Mit geschlossenen Augen liegen zu bleiben, sich immer tiefer zu entspannen, dem Kribbeln, welches Percival so ziemlich überall in seinem Körper verursachte, nachzuspüren, ein leises Seufzen nach dem anderen von sich zu geben und es zu genießen. Einfach nur umfänglich zu genießen, unerhört faul zu sein und sich im Ausnahmsweise-einmal-Nichtstun zu sonnen.
Der Schwarzmagier bekam nur am Rande mit, wie sich Graves mit den Schnüren seiner Lederhose beschäftigte, schließlich seine Hände unter seinen Körper schob, sein Becken sanft anhob, ihm das Leder immer tiefer unter seinem Po wegzog –und sich dem Auror somit eine nachtblaue Boxer offenbarte. Eine nachtblaue Boxer, welche immer abwechselnd mit weißen Mond- und Sonnesymbolen gespickt war –und unter welcher sich ebenfalls bereits deutliche Anzeichen dessen abzeichneten, wie sehr es ihm doch gefiel, von dem ersten Direktor des MACUSA berührt zu werden.
Die Handflächen verschwanden wieder von unter seinem Körper. Stattdessen spürte er etwas an seiner Kniekehle und sein eines Bein wurde ihm angehoben. Wenig später wurde ihm sein Stiefel vom Fuß gezogen. Die Socke folgte. Sein Bein wurde wieder abgestellt. Und das Prozedere wiederholte sich.
Als sich seine Lederhose ebenfalls endgültig von seinem Körper verabschiedet hatte, schob sich erneut ein warmer, definierter Körper über ihn, zog ihn in einen weiteren innigen Kuss und Gellert spürte außerdem Fingerkuppen, die ihm in kreisenden Bewegungen seine Kopfhaut massierten –was allerdings auch bedeutete, dass es jetzt seiner bis dato intakten Frisur an den Kragen ging.
Er beschloss, ihr nicht groß nachzuweinen. Erstens, weil Gellert grundsätzlich keine einzige Träne mehr verdrückte –ganz egal weswegen– und Zweitens, war zwar auch mit Magie nicht alles möglich und in das Styling seiner »schwierigen« Haare investierte er vermutlich mehr Zeit als die meisten anderen Zauberer –doch lieber ließ er sich seine feinen, platinblonden Strähnen zerwuscheln, als Percival jetzt dazu zu bringen, wieder mit dem aufzuhören, was er gerade tat.


Eine kleine, herrliche Ewigkeit später lag Grindelwald noch immer tiefenentspannt auf seinem Rücken unter dem anderen Zauberer. Sie waren mittlerweile weiter aufs Bett gerobbt, sodass sich Gellert mit seinem gesamten Körper darauf ausbreiten konnte, während sich Graves gerade erneut ausgiebigst seinen Brustkorb hinabküsste. Unten angekommen spürte Gellert lediglich den fragend prüfenden Blick des Aurors auf sein Gesicht huschen. Er spürte es. Ausschließlich. Hatte Gellert schließlich nach wie vor seine Augen zu und auch nicht wirklich vor, sie in nächster Zeit wieder zu öffnen.
Da er Graves auch so verstanden hatte, hob er lediglich sein Becken ein wenig an und Percival tat ihm den Gefallen, ihn von seiner mittlerweile viel zu engen Unterhose zu befreien. Sonnen und Monde landeten infolge dessen neben dem Bett. Als Grindelwald allerdings ein raues, leises Lachen vernahm, kurz bevor ihm ein sanfter Kuss auf seine Spitze gesetzt wurde –waren seine Augen schlagartig wieder sperrangelweit auf. Gerade rechtzeitig um zu sehen –und, bei Merlin, zu fühlen!– wie sich Percival dicht über ihm –so nah, dass sich ihre Haut gerade so nicht berührte– sich ihm langsam wieder entgegenschob und es sich nebenbei nicht nehmen ließ, ihm mit seiner Zunge eine Spur bis hinauf zu seinem Halsansatz zu ziehen. Da Grindelwalds Kettenanhänger bereits vor einiger Zeit seitlich neben seinen Hals gerutscht war, stellte sie für den Auror keinerlei Hindernis da.
...Oh Merlin, du bist die genau richtige Spur versaut für mich, Percy...
Unnötig zu erwähnen, dass Graves ihm nebenbei unermüdlich mit seinen tiefbraunen, lodernden Augen, die einen unsagbar hungrigen Ausdruck angenommen hatten, in seine heterochromen schaute und seinen Verstand kurzzeitig einen Kurzschluss erleiden ließen! Percival war noch nicht einmal wieder vollständig über ihm, da lag Gellert auch schon seinen Rücken durchgebogen, seinen Kopf in den Nacken gelegt, transpirierend und keuchend unter ihm –und konnte einfach nicht mehr an sich halten! Das war zu viel! Zu viel dafür, dass Selbstbeherrschung und Kontrolle in sämtlichen Lebenslagen eigentlich sowas von überhaupt gar kein Problem für den Schwarzmagier darstellten! Und er hatte hier auch nicht gerade zum allerersten Mal Sex!
Während Grindelwald mit leicht benebeltem Verstand –und das lag ganz eindeutig nicht nur an dieser Kurkumawolke, mit der Percival mittlerweile sie beide umhüllte– den Beschluss fasste, dass ein Führungswechsel längst überfällig war –nicht dass dieser verwegene Amerikaner ihn noch für den devoten Typ Mann hielt, nichts läge dem ferner!– war Graves mittlerweile dazu übergegangen, sein eines Ohr anzuknabbern und mit seinen Fingerkuppen weiter über blasse Haut zu tanzen.


Leuchtende Augen trafen auf leuchtende Augen als Gellert den Auror in einer fließenden Bewegung in Rückenlage dirigierte, ihm einen weiteren Kuss aufdrückte, sich nicht erst noch großartig mit Kusslinien aufhielt und Percival einfach direkt auffordernd an dem Bund des letzten verhüllenden Stoffs zupfte. Dann war er auch schon verschwunden und leistete Gellerts Boxer neben dem Bett Gesellschaft.
...Genug Vorspiel, Percy...
Grindelwald hatte sich bereits über ihm positioniert, über Percival mittels eines stablosen Zaubers ausreichend Gel verteilt und dafür auch einen zwar weiterhin verklärten, jedoch auch irgendwie konfusen und leicht verwirrten Blick inklusive gekräuselter Stirn von Graves kassiert –Aber als er sich hinablassen wollte, besaß dieser Amerikaner doch tatsächlich die Frechheit, ihn an seinen Hüften zu fassen und zu intervenieren!
„Warte...Gellert, was ist mit Vorbereitung?“
„Ich pfeife auf Vorbereitung!“ Zugegeben etwas energischer als beabsichtigt. Doch Tatsache.
...Wenn ich noch sehr viel länger warte, ist es für mich schon vorbei, ohne dass ich es bis zum Ende auskosten konnte...
Hatte Gellert nicht vor zu riskieren. Im Moment interessierte es ihn herzlich wenig, dass es ihn höchstwahrscheinlich im Nachhinein da unten zwicken würde. In seinen Augen nur ein Grund mehr, das in naher –sehr naher– Zukunft noch einmal zu wiederholen und für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen. Grindelwald selbst mochte beide Rollen, auch wenn er es nur selten zuließ, den »passiveren« Part zu übernehmen. Graves allerdings schätzte er mehr als »durch und durch aktiv« ein, was Gellert bereits jetzt schon in euphorische Vorfreude versetzte, ihm bei ihrem nächsten Mal den »passiven« Part zu überlassen.

Aber das tat jetzt und hier noch nichts zur Sache. Gegenwart war immer noch Gegenwart und Zukunft immer noch Zukunft. Und in der Gegenwart wollte Gellert jetzt diesen Zauberer spüren und ihn auch das letzte Bisschen seiner kostbaren Selbstbeherrschung verlieren sehen –so wie Graves ihn bereits erfolgreich um die seine gebracht hatte.
Also beugte er sich ihm entgegen, verwickelte den Auror in einen weiteren tiefen Kuss, schmunzelte triumphierend in sich hinein, als sich Percival –bereits genießerisch brummelnd– dazu entschlossen hatte, seine Hände wieder von Grindelwalds Seiten zu nehmen und sie lieber neu in verwuscheltem, platinblondem Schopf und Nackenbereich zu positionieren.
Die ideale Gelegenheit für den Schwarzmagier, sich aus ihrem Kuss zu lösen und sich doch direkt auf Percival niederzulassen –noch nicht vollständig selbstverständlich. Eben so weit, bis sein Körper ihm Grenzen auferlegte. Dann wieder ein Stückchen höher, nur um sich im Anschluss ein wenig tiefer sinken zu lassen. Und so weiter.
Nebenbei konnte er mit zunehmendem Amüsement beobachten, wie Percival darüber mehrmals seinen Namen fluchend ausstieß, sich alles in ihm anspannte und er sich mit mahlenden Kiefern und diesem sagenhaft verklärten Blick mit allen zehn Fingern ins Laken krallen musste, um bloß still- und sich vollkommen ruhig zu halten –nichts zu überstürzen.

Als der Schwarzmagier Graves vollständig in sich aufnehmen konnte, fanden sie schnell in einen gemeinsamen Rhythmus und die Gesichtsmuskulatur sowie der Rest des Direktors entspannte sich wieder etwas. Vorerst, zumindest.
Im Gegensatz zu seinem Amerikaner gebot sich Grindelwald seine Augen bloß offen zu behalten –Schließlich wollte er nichts verpassen, sich nicht die kleinste Regung des Untenliegenden entgehen lassen. Dafür war es zu faszinierend.
Während Percival seine Lider zugefallen waren und sichtlich genoss, nahm der Schwarzmagier ihn genau unter die Lupe, sog alles in sich auf. Seine leicht verschwitzten, dunklen, dicken Strähnen. Seine leicht zusammengezogenen, markanten Augenbrauen. Seine viel zu unverschämt dichten Wimpern für einen Mann. Seine kleine Nase –die wirklich die Bezeichnung »niedlich« verdient hatte– mit ihren bebenden Nasenflügeln. Seine etwas geöffneten Lippen, aus welchen ihm ein verräterisches Geräusch nach dem anderen entfleuchte. Das frische Unterdruckhämatom an seinem Hals. Dicht gefolgt von seinem ganz persönlichen Halsband, inklusive seitlicher Gravur. Sein sich schnell und flach heben- und senkender Brustkorb. Sein trainierter, flacher Bauch. Sich immer weiter anspannende, bebende Muskelpartien. Sich weiterhin seitlich am Laken festkrallende Hände. Nicht zu groß. Nicht zu klein. Fingerkuppen, die sich simultan zu seiner immer hektischer werdenden Atmung immer mehr krümmten und nahezu verzweifelt etwas zum sich daran festhalten suchten. Einfach herrlich! Solange bis sich alle Anspannung entlud, von seinem Körper wich und eine erschlaffte Hülle zurückließ.

Einen fix und fertigen Percival unter sich zu haben war ein köstlicher Anblick. Er sah so friedlich, so unschuldig dabei aus –obwohl er ja bereits mehr als genug unter Beweis gestellt hatte, dass er genau das gerade nicht war. Ein überreizter, träger Körper. Flackernde Augenlider. Kollabierende Atmung.
Mehr brauchte Gellert nicht, um ihm zu folgen. Ein beiläufiges Handwedeln später, hatte er auch schon die Spuren wieder beseitigt, die er soeben auf Graves hinterlassen hatte, zog sich zurück und blieb einfach –ein seliges Grinsen im Gesicht– auf dem Auror liegen. Und er war selig! Wirklich selig, zufrieden und glücklich im Moment.
Sich mit geschlossenen Augen auf Percivals Brust gekuschelt, lauschte Grindelwald seinem sich allmählich wieder normalisierenden Herzschlag. Roch seinen ganz eigenen Geruch. Spürte den sanftmütigen Blick des Aurors auf sich. Fühlte, wie sich erneut eine krauelnde Hand in seine leicht angefeuchteten, hellen Strähnen verirrte und sich –sicher aufgrund von stabloser Magie, etwas anderes kam nicht infrage– eine wärmende Decke von unten bis über ihre Taillen zog und sich anschließend ein Arm auf seinem Rücken platzierte und dort auf der Stelle auf und ab strich.
...Dich behalte ich...


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So. hier ist jetzt erst einmal »Ende.«
Wer noch Bock auf ein wenig Zusatz und eine Art Ausblick hat, darf auf der nächsten Seite gerne weiterlesen ☺

Und sonst...Ich freue mich immer sehr über einen Review, eine PN oder sonstwelche Kommis. Von daher, wenn ihr Lust habt, lasst mir doch ein paar Worte da. Rückmeldung ist immer gut  ☺
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