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20. April: Wie man einen Krieg verhindert [by - Leela -]

OneshotSci-Fi / P12 / Gen
General Winston W. Wamsler Leutnant Hasso Sigbjörnsen Major Cliff Allister McLane Ordonnanz-Leutnant Spring-Brauner
20.04.2020
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20.04.2020 2.036
 
Tag der Veröffentlichung: 20.04.2020
Zitat: "Manchmal reichen Worte nicht aus, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen." (Sword Art Online)
Titel der Geschichte: »Wie man einen Krieg verhindert«
Autor: - Leela -
Hauptcharaktere: Major Cliff Allister McLane, Leutnant Hasso Sigbjörnsen, General Winston W. Wamsler, Ordonnanz-Leutnant Spring-Brauner
Nebencharaktere: Die restliche Crew der Orion
Pairings: -/-
Kommentar des Autors: Das Zitat hat mir von Anfang an gefallen – allerdings wußte ich zuerst noch nicht, in welches Fandom ich damit gehen will. Bis ich einen Charakter fand, der sich mir förmlich aufdrängte und mir mit dem Zitat - wie man sieht - direkt in die Hände spielte. Das Ergebnis findet ihr hier! Ich wünsche euch viel Spaß dabei, und danke Lula für die Inspiration für dieses kleine Werk.





Wie man einen Krieg verhindert

„Cliff! Das ist jetzt nicht dein Ernst!“ Hasso sah den Raumschiff-Kommandanten ungläubig an, der mit verschränkten Armen sein Werk bewunderte.
      Jetzt erwachte Cliff Allister McLane aus seiner selbstzufriedenen Starre, um in eine selbstzufriedene philosophische Stimmung überzugehen. Bedeutungsvoll legte er den Zeigefinger gegen die Lippen, bevor er seinem Freund mit einer ihm eigenen Gemütsruhe und expertischer Sachkenntnis erklärte: „Hasso, das hier ist Kunst! Das, was du hier siehst, ist ein Werk filigranster Arbeit, die nur sehr wenigen gelingt! Auf ein Ergebnis wie dieses kann der Künstler stolz sein, und ohne mir selber auf die Schulter klopfen zu wollen, erfüllt mich dieser Anblick mit einer gewissen Wärme, etwas einzigartiges geschaffen zu haben.“
      „Ja!“ Hasso lachte auf. „Das hast du in der Tat!“ Kopfschüttelnd betrachtete er den schnellen Raumkreuzer, den Cliff für gewöhnlich befehligte, und der jetzt akkurat im Zugangsbereich zu den Docks der Unterwasserbasis verkeilt war, so, daß die Tore zu dem Dock nicht mehr schließen konnten und sich das Raumschiff keinen Millimeter mehr bewegen ließ, egal in welche Richtung. Der Bordingenieur wußte, wer auch immer versuchen wollte, beides ohne größere Schäden für das eine oder andere voneinander zu trennen, würde scheitern. Es war ein Meisterwerk par excellence, in der Tat. Jeder, außer eventuell Cliff Allister McLane, Kommandant des schnellen Raumkreuzer Orion 8, der sein eigenes Raumschiff erst mit einer Präzision, die ihresgleichen suchte, in diese ausweglose Lage manövriert hatte, hätte eher Basis und Raumkreuzer endgültig in ihre Einzelteile zerlegt, als dieses groteske Bild wieder in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen.
      Kunst war es mit Sicherheit! So etwas hatte hier, in der Basis, sicher noch niemand gesehen. Allerdings war dadurch nicht nur das besagte Raumschiff, sondern auch der komplette Raumverkehr lahmgelegt. Das automatische Alarmsystem war angesprungen, und hatte die Basis in Ausnahmezustand versetzt.
      Hasso kannte seinen Kommandanten und besten Freund. Er wußte, daß Cliff zu drastischen Maßnahmen fähig war, wenn es die Situation erforderte. Mit einer solchen Wahnsinnstat in der eigenen Basis hätte er allerdings nie gerechnet.

Was war dieser ungewöhnlichen Szene vorausgegangen? Es war ein unschönes Spektakel gewesen, das im Büro von General Wamsler stattgefunden hatte. Hasso und die Crew der Orion waren dabei gewesen, als Cliff die unerhörte Order vom General erhalten hatte.
      „Wie bitte? Ich soll in den Seq’aya-Sektor fliegen, um neue Technologien auszuspionieren?“ Cliff waren sämtliche Gesichtszüge entglitten, als sein Vorgesetzter sein Anliegen mit stoischer Gleichmütigkeit in Worten formuliert hatte. Dem Kommandanten kam gerade jegliche Gelassenheit abhanden. „General, bei allem Respekt, allein die Annäherung an diesen Sektor kommt einer Kriegserklärung gleich! Sie wissen so gut wie ich, daß die Seq’aya keinen Konatkt zu ihren Nachbarspezies wünschen. Sie haben meinen Bericht vor eineinhalb Jahren dazu gelesen. Wir können von Glück sagen, wenn unsere Handelsschiffe geduldet werden, wenn sie über die Route durch den Seq’aya-Sektor abkürzen. Da rede ich allerdings noch nicht davon, daß ein Schiff welcher Art auch immer vor hat, sich in dem Sektor aufzuhalten. Und jetzt schicken Sie mich da hin, um das Volk auszuspionieren? Wir sprechen hier von der Orion, das ist ein schneller Raumkreuzer, und kein kleines Handelsschiff, das mal nett am Tor klopft. Die Seq’aya verstehen da keinen Spaß! Wollen Sie das riskieren?“
      Wamsler ließ sich von seinem Gegenüber in keiner Weise aus der Ruhe bringen. „Major McLane, Ihre Einschätzung in allen Ehren. Aber wenn unsere Informationen richtig sind, dann wird auf der Heimatwelt der Seq’aya an einer neuen Technologie gearbeitet, mit der man Raumschiffe aller Art in einem Umkreis von mehreren Lichtjahren vollständig außer Betrieb setzen kann. Antrieb, Bewaffnung, Lebenserhaltung, um die wichtigsten Funktionen zu nennen! Das ist eine Multiwaffe, mit der sie das Universum in ihre Gewalt bringen können! Wollen Sie das riskieren?“
      „Wenn ich damit einen intergalaktischen Krieg verhindere, dann ja!“ erklärte der große, drahtige Offizier trocken.
      Wamsler stützte die Hände auf den Schreibtisch und sah den Kommandanten mit forschendem Blick an. „Was, wenn Sie dadurch erst einen intergalaktischen Krieg auslösen?“
      Cliff ließ sich von der Argumentation nicht beeindrucken und begegnete dem General mit ebenso großer Entschiedenheit. „Das kann ich Ihnen sagen! Das eine ist Fakt! Das andere ist Spekulation! Das eine ist unbefugtes Eindringen in fremdes Territorium, auf dem wir nichts zu suchen haben, und wird als Kriegsakt aufgenommen. Das andere könnte eine Bedrohung sein … oder auch nicht!“
      „Und was schlagen Sie vor, für den Fall, daß die Bedrohung echt ist?“ wollte der General ehrlich interessiert wissen.
      Cliff bemühte sich, nicht allzu offensiv die Schultern zu zucken. „Wachsam sein und die Situation im Auge behalten! Um dann einzugreifen, wenn wirklich eine konkrete Gefahr droht.“
      „Das empfinde ich für ein bißchen wenig!“ erwiderte Wamsler spöttisch.
      „Alles andere wäre zu viel!“ argumentierte Cliff. „Die Seq’aya sind von je her ein Volk, welches sich von der Außenwelt abschottet. Dagegen ist nichts einzuwenden! Es hat nie einen feindlichen Akt gegeben, solange ihre Territorial-Rechte nicht verletzt wurden! Aus welchem Grund sollten wir Anlaß dazu haben, zu glauben, daß sich an der Grundeinstellung etwas geändert hat? Und, mit Verlaub, selbst wenn an Ihren Gerüchten etwas dran ist; Maßnahmen zu einer eventuellen Verteidigung dürften jedem Volk ja wohl erlaubt sein! Es ist ja nicht einmal gesagt, daß diese Technologie, von der Sie sprechen, offensiv eingesetzt werden soll, sofern sie tatsächlich exitiert! Und, ohne respektlos erscheinen zu wollen, wenn ich Sie gerade reden höre, hätte ich sogar schon einen Grund dafür, falls die Seq’aya sich dazu entschließen, aus purer Vorsicht eine Waffe zur defensiven Verteidigung zu entwickeln!“
      Wamsler zog leicht die Augenbrauen hoch. „Dafür, daß die Seq’aya so ein abgeschottetes Volk sind, wie Sie sagen, kennen Sie sich erstaunlich gut aus, Major!“
      Cliff mußte sich merklich unter Kontrolle halten, um nicht die Nerven zu verlieren und sich seinem Vorgesetzten gegenüber im Ton zu vergreifen. Man merkte es deutlich, als er gepreßt hervorbrachte: „Sie sagen es, General. Und genau das ist der Unterschied zwischen Ihnen und mir: Für Sie als Theoretiker erscheint Ihnen hier an Ihrem Schreibtisch Ihre Schlußfolgerung logisch. Ich aber erlebe dort draußen im Weltraum die Praxis! Und deswegen, kann ich mir ein Urteil darüber erlauben, wie es da draußen vor Ort wirklich aussieht! Das ist der Grund, warum ich die Seq’aya einschätzen kann! Erfahrungswerte, von vorderster Front, wenn Sie so wollen! Wie haben Sie sich das gedacht, – daß wir mit der Orion so mir nichts dir nichts einfach in das Seq’aya-Territorium einfliegen und ein bißchen observieren? Wir können nicht einfach da auftauchen nach dem Motto: Hallo, hier sind wir! Wir hätten noch nicht einmal die Grenze passiert, da würden wir uns der kompletten Streitmacht der Seq’aya gegenübersehen, und sollte es diese grandiose neue Technologie tatsächlich schon geben, dann wäre dies der perfekte Anlaß, um sie gleich am eigenen Leib zu testen! Gerüchte hin, Gerüchte her, spätestens dann wären wir - zu Recht! - im Krieg. Wir können aber auch nicht verdeckt arbeiten und uns unbemerkt mit einem Raumkreuzer vom Kaliber der Orion einschleichen. Selbst wenn es uns in erster Instanz gelänge; in dem Moment wo unsere Tarnung auffliegt, und das würde sie unweigerlich, verweise ich auf die Konsequenzen aus Variante A!“
      Wamsler hatte sich den energischen Vortrag des Kommandanten in Ruhe angehört. Jetzt war er dran. „Ich verstehe Ihre Argumentation, McLane. Glauben Sie nicht, daß ich mir der möglichen Konsequenzen nicht bewußt bin! Allerdings wurde diese Angelegenheit als Risikofaktor eingestuft. Und dem haben wir nachzugehen, um die Sicherheit unserer eigenen Leute zu gewährleisten!“
      „Risiko, Risiko!“ ereiferte sich Cliff. „Die Oberste Raumbehörde stuft alles als Risikofaktor ein, was auch nur den leisesten Verdacht aufkommen lassen könnte, eine andere Spezies hat uns nicht lieb! Es würde mich nicht verwundern, wenn selbst die Nachricht über einen geplanten Haarnadelkongreß als Risikofaktor eingestuft würde! Ich wiederhole mich nur ungerne, aber der eigentliche Risikofaktor ist der, den Sie hier gerade künstlich produzieren, nämlich der absurde Versuch, mit den Seq’aya auf Konfrontation zu gehen!“
      „Major McLane!“ Wamslers Stimme hatte nun etwas tadelndes an sich, als würde er mit einem kleinen Kind sprechen. „Sie sind doch ein erfahrener Raumschiff-Kommandant! Das ist doch keine Situation, mit der Sie nicht umgehen könnten! Sie wissen doch so gut wie ich, daß wir manche heikle Aufträge angehen müssen, die nicht ganz ungefährlich sind, um das Wohl aller und das Gleichgewicht im Universum zu wahren!“
      Cliff warf resigniert die Arme in die Luft. „Sie verstehen es wirklich nicht, oder? Oder Sie wollen es nicht verstehen, weil Sie selbst Ihre Befehle haben, denen Sie sich beugen müssen, ich weiß es nicht. Was muß ich denn noch machen, als Ihnen meine ganze Raumfahrt-Erfahrung auf dem Schreibtisch auszubreiten? Sehen Sie doch ein, daß Sie sich und uns allen mit einer solchen Aktion eher schaden als nutzen!“
      Ordonnanz-Leutnant Spring-Brauner, der bis dahin still und zurückhaltend der Diskussion beigewohnt hatte, ging mit einer gemäßigten Ruhe, die leicht mit Überheblichkeit verwechselt werden konnte, um den Schreibtisch herum in den Raum. „Sieh an, sieh an. Kommandant McLane scheut eine Konfrontation im Weltall. Das ist ja mal etwas ganz neues. Sonst sind Sie doch der erste, der sich ins Abenteuer stürzt!“
      „Ins Abenteuer, ja, aber doch nicht in den Krieg, Herrgott nochmal!“ entfuhr es Cliff erbost. „Kapiert das denn hier niemand?!“
      Spring-Brauner maß den hochgewachsenen, dunkelhaarigen Raumschiff-Kommandanten, dem er nun direkt gegenüberstand, mit einem Blick. „Wie auch immer. Sie haben eine direkte Order bekommen, Major! Es liegt nicht in Ihrem Aufgabenbereich, diese auf Moral zu prüfen!“
      Dieser Kommentar war es gewesen, der den Ausschlag gegeben hatte. Cliff schwieg eine Sekunde lang ruhig, und seine Crew wußte, dieser Moment der Stille war bedrohlicher als alle Diskussionen und jeder Verlust der Beherrschung ihres Kommandanten. Cliff nickte. „Gut. Wenn die Orion einsatzbereit ist, fliegen wir los.“ Damit machte er auf dem Absatz kehrt und verließ das Büro.
      Seine fünfköpfige Besatzung folgte ihm mit gemischten Gefühlen. Beim Verlassen des Büros hörten sie gerade noch, wie Spring-Brauner selbstzufrieden zu General Wamsler sagte: „Geht doch!“

„Also, einsatzbereit ist die Orion nicht!“ stellte Cliff nüchtern fest. „Insoweit werde ich an meinen Worten festhalten, und dem entsprechend diesen Auftrag nicht ausführen.“
      Hasso betrachtete noch immer das vollkommen in den Dock-Toren verkeilte Raumschiff, das von der roten Alarmbeleuchtung der Basis hübsch angestrahlt wurde, und schüttelte den Kopf, um diesen wieder klarzukriegen. „Meinst du nicht, daß das hier eine Spur zu … dramatisch ist?“
      „Alles das, was nicht dramatisch ist, habe ich schon ausprobiert, ohne Erfolg, wie du weißt!“ Cliff maß den Ingenieur mit berechnender Miene. „Manchmal reichen Worte nicht aus, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen.“ Mit diesen Worten klopfte er seinem Freund auf die Schulter. „Komm, ich gebe dir einen Whiskey im Starlight Casino aus.“
      So verließen die beiden den Schauplatz des Geschehens, an dem es mittlerweile von aufgeregtem Personal, Offiziellen und Ermittlern nur so wimmelte.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Also das war wirklich mal eine sehr lustige Geschichte. Auch wenn ich die Charaktere nicht kenne, habe ich mich gut darin zurechtfinden können, und auch das Zitat hat wunderbar gepasst.

Eure lula-chan
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