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Dreams

von GH0ST
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Bruno Bucciarati Giorno Giovanna Guido Mista Leone Abbaccio Narancia Ghirga Pannacotta Fugo
20.04.2020
04.05.2020
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04.05.2020 953
 
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Es war schwieriger die wahre Bedeutung zu sehen als es zu verstehen war. Die Schwelle zwischen Dies- und Jenseits war seit langem überschritten. Wahrscheinlich war Bruno Bucciarati der Erste, welcher verstanden hatte, was trotz Giornos Heilungsversuch mit ihm passierte, aus welchem Grund er langsam zu fühlen begann, was er schon die ganze Zeit vermutete. Irgendetwas in seinem Inneren wirkte verschoben – nicht einmal wortwörtlich, sondern einfach nur sinnbildlich. Seine Zeit hätte bereits verspielt sein sollen. Er hatte verloren und dennoch hatte sich nichts geändert. Es war ein Geschenk und dennoch war es zum anderen nicht mehr als eine Strafe; herausgezögertes Leid, welches alle anderen betreffen sollte, wenn sie es erfuhren. Das, was Giorno versucht hatte, hatte nicht einmal funktioniert und dennoch konnte er es ihm nicht sagen; noch nicht. Es war nicht der richtige Zeitpunkt und dennoch...

Brunos Blick wendete sich auf seine kalte Hand. Das Loch in seiner Haut, welches der Nagel bei dem Sturz am Hafen hinterlassen hatte, klaffte noch immer in seiner Haut und dennoch floss nicht einmal Blut. Es passierte einfach nichts und eben jenes Gefühl war nur schwer zu verarbeiten. Der Gedanke allein hinterließ ein merkwürdiges Gefühl, welches der Capo aber dennoch nur wie durch eine Schicht Watte wahrnehmen konnte. Genau wie seine Empfindungen, schwanden seine Gefühle, seine Sinne. Es war absehbar. Er hatte von Beginn an gewusst, dass es auf ihrer Mission irgendwann genauso enden würde und dennoch hatte er den Gedanken verdrängt. Wie er hatten es auch die anderen gewusst, jene anderen, welche in jenem Augenblick nicht einmal etwas ahnten. Sie alle konnten nur bemerken, dass Bruno sich merkwürdig verhielt, dass er anders agierte als sonst, dass er… Mehr Risiken einging; eingehen musste, weil er kaum noch etwas zu verlieren hatte. Er musste sein Team so weit voranbringen, wie es ihm möglich war; mit allem, was ihm noch zur Verfügung stand. Wie viel Zeit ihm als wandelnde Hülle noch blieb, war nicht gesagt, er wusste einfach nur, dass eben jene Zeit mehr als kostbar war und sie somit nicht verschwendet werden durfte.

Das Boot trieb still im Wasser, nachdem sie abgelegt hatten und Narancia wieder zu ihnen gestoßen war. Leicht bewegte er noch einmal seine Finger, bevor er seinen Blick flüchtig über die Anderen wandern ließ; Mista, Giorno, Trish, Abbacchio und Narancia. Sie schliefen, brauchten die Ruhe, während es Bucciarati selbst schon beinahe irritierte, das er selbst dieses Gefühl der Müdigkeit nicht einmal mehr verspüren konnte. Im Grunde war es nur noch seine Aufgabe, sie alle sicher nach Rom zu bringen, was danach geschah, stand ganz sicher nicht mehr in seiner Macht und dennoch war es eben jener Moment, in welchem er endlich bemerkte, wie viele ungesagte Dinge eigentlich mit ihm zurückgeblieben waren. Die ganze Situation aus den stummen Augen einer Hülle, eines Geistes zu sehen, welcher zwischen beiden Seiten gefangen war, machte deutlich, an welchen Stellen wirklich etwas gefehlt hatte und welche Worte es waren, welche wirklich hätten ausgesprochen werden sollen. Anscheinend bemerkte man tatsächlich erst was fehlte, wenn es bereits zu spät war.

Für einen kurzen Augenblick hätte der Capo schwören können, gespürt zu haben, das sein Herz schmerzte, doch versuchte er sich schließlich einfach nur mit dem Geräusch der Wellen abzulenken, welche das kleine Boot umspielten und es außergewöhnlich ruhig auf dem Wasser treiben ließen. Blicke lasteten auf ihm, es war das Einzige, was er in jenem Moment beinahe schon zu deutlich spüren konnte, doch er konnte sich einfach nicht dazu durchringen, seinen Kopf zu bewegen und in die Richtung zu sehen, aus welcher die Blicke stammten. Doch es dauerte schließlich auch nur wenige Sekunden, bevor eine Stimme leise an sein Ohr drang, eine Stimme, welche er unter tausenden hätte ausmachen können. Sie gehörte zu dem Ex-Polizisten Leone Abbacchio, derjenige, dessen Worte vielleicht doch mehr ausgelöst hatten als sie es aus seinen Augen bezwecken sollten. Die Frage, welche der Ältere in jenem Augenblick stellte, drang nicht einmal vollständig an sein Ohr heran, es fühlte sich an als könne er sie einfach nicht verstehen und dennoch wollte er nicht nachfragen, wollte die Sorge des Ex-Polizisten nicht auf sich richten – nicht mehr als er dies mit seinem Sturz, dem plötzlichen Verlust des Gleichgewichts bereits getan hatte.

Langsam, für sich selbst beinahe schon in Zeitlupe schüttelte Bruno den Kopf, sah aber dennoch nicht in die Richtung Abbacchios, bevor er einfach nur eine Gegenfrage stellte. Die Worte waren aus seinem Mund gedrungen, ohne dass er sie steuern konnte. Sie hatten sich verselbstständigt, hatten etwas versucht, was er nicht einmal nach der Erkenntnis geschafft hatte, ihm entgegenzubringen.
„Deine Worte…“, waren die einzigen Silben, welche der Capo in jenem Moment über die Lippen bringen konnte.
Leone musste wissen, auf was er ansprach.
Immerhin gab es nur eines, was er zu ihm gesagt hatte als er das Boot betreten und damit auch seinen Untergang besiegelt hatte. Auch ihm mussten die Worte noch wie ein Echo im Kopf kursieren, dass er zu Bruno gesagt hatte, dass der einzige Ort, an welchem er innere Ruhe verspüren konnte, an Brunos Seite war und dieser hatte genau gewusst, was solche Worte aus dem Mund Leones bedeuteten. Er sagte etwas dergleichen nicht daher, dafür waren seine Gedanken zu klar, zu geordnet. Er wusste, was er wollte und Bruno wusste es inzwischen auch. Vielleicht hatte er doch zu wenig darüber nachgedacht.
„Das ist nichts, worüber du dir jetzt Gedanken machen solltest, wir haben grade andere Probleme.“, entgegnete Leone gleich, doch Bucciarati schüttelte den Kopf.
„Ich hätte es erwidern sollen.“
Bevor es zu spät war.
Im Anschluss kehrte wieder das Schweigen ein. Er musste verstanden haben. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte es ausgesehen als hätte Leone gelächelt.

Broken hearts and starting fights
Turning truth to lies
Gotta get out stop wasting time
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