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Willkommen auf Horseland

OneshotFreundschaft / P12 / Gen
19.04.2020
08.03.2021
7
7.715
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Dieses Kapitel
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06.02.2021 1.036
 
„Und meine Freundin lebt auf einem richtigen Reiterhof. Kannst du dir das vorstellen? Mit ganz echten Pferden. Und einem echten Hofhund. Und...“
„Ist ja gut Molly, Magst du das bitte Mama erzählen? Ich bin gerade beschäftigt. Und Sie Frau Handler können Ihren Mund nun ausspülen. Ihre Zähne sehen super aus.“, zufrieden stand der Zahnarzt auf, um entsprechende Notizen in der Patientenkartei zu machen.
„Aber Papa“, murrte seine achtjährige Tochter,„ Mama hat gesagt, dass dich die Geschichte viel mehr interessiert.“ Der Familienvater seufzte.
„Ein echter Reiterhof. Das klingt ja spannend. Vielleicht kannst du deine Freundin da ja mal besuchen“, meldete sich nun seine Patientin, Frau Handler, zu Wort. Etwas verschüchtert wandte die Afroamerikanerin und ihren Blick zu der dunkelhaarigen Frau. „Ich weiß nicht, ob ich darf. Ich kenne Alma erst ein paar Tage und ihr Papa gehört der Hof nicht. Vielleicht mögen mich die Pferde nicht. Papa sagt, manche Menschen mögen unsere Hautfarbe nicht. Vielleicht ist es auch bei Tieren so.“ Nun wandte der Blick des Mädchens gen Boden. Erst vor kurzem musste sie die Schule aufgrund einiger Rassismusvorfälle wechseln und nun war sie verunsichert. Das Mädchen verstand nicht, warum das alles geschah. Sie wollte doch nur, wie alle anderen auch, Spaß haben, Freunde finden und ihre Kindheit in vollen Zügen genießen.
„Tiere machen da keinen Unterschied!“, erklärte Frau Handler bestimmt und sah Molly aufmunternd an,„Alma sagst du, heißt deine Freundin?“
Etwas augemuntert nickte Molly „Ja. Sie kommt eigentlich aus Mexiko. Vor fünf Jahren sind sie hierhin gezogen. Ihr Poapa arbeitet auf der Pferderanch. Horseland heißt die. Die haben sogar einen echten Hund.“
Nun lachte Frau Handler ausgelassen. „Ich weiß. Der heißt Chef.“
Mollys Augen wurden mit einem mal groß. „Woher wissen Sie das?“ Beinahe schon ehrfrchtig sahen ihre braunen Augen in die blauen der Frau.
„Weil meinem Mann und mir der Hof gehört. Natürlich bist du herzlich willkommen.“ Verschwörerisch zwinkerte Eva-Marie erst Molly zu, um sich danach an Mollys Vater zu wenden. „Natürlich nur wenn sie Ihre Erlaubnis hat.“

Ein paar Tage stieg Molly mit leuchtenden Augen aus dem Bus. Ihre beiden besten Freundinnen, Amber und Jasmin, erklärten Molly für verrückt. Zeit auf dem langweiligen, stinkenden Dorf zu verbringen, das käme den beiden Vollblut-Stadtmenschen nicht in den Sinn. Doch Molly war nicht zu stoppen gewesen. Einen Tag nach dem Kennenlernen mit Eva-Marie, erzählte sie ihrer Freundin Alma davon. Nun war sie offiziell eingeladen wurden. Da ihr Vater das Auto für ein Gespräch mit einem Pharma-Vertreter benötigte, hatte sich Mollys Mutter kurz entschlossen mit ihrer Tochter in den Bus gesetzt.
„Da ist Alma!“, rief ebendiese plötzlich aus und fuchtelte wie wild mit dem Armen. Lachend kam ihr ihre Freundin entgegen. Sofort bestürzten sich die beiden Mädchen mit Fragen, neusten Geschichten und Erklärungen vom Hof. Etwas überfordert, aber auch gleichzeitig glücklich über Mollys Augenleuchten, sah die Mutter die beiden Mädchen an. Almas Mutter erlöste sie aus dem Chaos, indem sie zum Kaffee einlud. Alma wollte währenddessen Molly herum führen.
„Und das ist Chef. Der Hund von dem ich dir erzählt habe. Der gehört Benni. Benni hat auch schon eine Eidechse!“, während die beiden Mädchen den Collie ausgiebig kraulten, sah Molly Alma mit großen Augen an.
„Aber doch nicht der Benni aus unserer Klasse. Der hat mich doch letztens geärgert. Der ist voll doof.“, sprach sie erschrocken und erinnerte sich nur ungern daran, dass der braunhaarige ihr zu gerne an den lockigen Haaren zog.
„Doch, der Benni.“, gab Alma zerknirscht zu, denn auch sie kannte die Geschichte,„Aber wenn er nicht in der Schule ist, ist er gar nicht so gemein. Außerdem kennst du ja schon seine Mama. Manchmal bekommt er ganz schön Ärger von ihr.“  Nun huschte auch über Mollys Gesicht ein schadenfrohes Grinsen. Das hatte er ihrer Meinung voll und ganz verdient!
„Können wir die Pferde schauen?“
„Na klar, die sind gerade in den Boxen. Komm mit. Aber du darfst nicht rennen oder laut sein. Das erschreckt die Pferde sonst. Okay?“ Gehorsam nickte die Afroamerikanerin und wurde von von ihrer Freundin zu den Stall gezogen.
„Das hier ist Jimber. Er ist noch nicht lange hier. Aber total lieb.“, Stolz wurde der Palomino Hengst präsentiert, welcher neugierig das fremde, kleine Mädchen begutachtete. Dieses wich aufgrund der Größe ein Stück zurück.
„Pferde essen keine Menschen. Außer die Haare sehen aus wie Fusilli.“, ertönte plötzlich eine Kinderstimme aus der Ecke des Stalles. Erschrocken drehten sich die Mädchen um.
„Besser Fusilli als verdorbene Spaghetti auf dem Kopf.“, trotzig blickte Molly in Bennis Augen. Neben Benni ertönte ein leises Kichern. Neugierig wanderte Mollys Blick zu dem neunjährigen, blonden Jungen.
„Hey ich bin Molly. Ich bin Almas Freundin. Wer bist du?“ Mollys Augen wurden nur noch neugieriger, als der blonde Junge plötzlich aufhörte zu lächeln. Viel eher schien es, als wolle er ganz schnell aus der Situation verschwinden.
„Das ist Willi, mein Cousin. E spricht nicht.“, kam es nun beschützerisch von Benni
„Bist du stumm?“, fragte Molly ohne auf Bennis Gemoser zu achten.
„Hallo Molly.“, Eva-Marie unterbrach das Ausfragen und sah den Neuankömmling lächelnd an.
„Hallo“, nun war Molly wieder etwas eingeschüchtert.
„Möchtet ihr vier Kuchen und heißen Kakao?“ Mit einem „Oh ja!“ stürmte Benni los zum Haus und zog Will und Alma hinter sich her.
„Alles klar bei dir?“ Eva-Marie sah in Molly´s bedrücktes Gesicht. Diese zuckte unentschlossen mit den Schultern.
„Wieso mögen mich Benni und Willi nicht? Wieso mag mich kaum einer? Bin ich wirklich so hässlich, wie die anderen sagen?“ Tränen standen in den kindlichen, braunen Augen, welche die Frau nun traurig ansahen.
„Quatsch! Du bist nicht hässlich! Die anderen Kinder sind nur eifersüchtig, weil du so toll bist.“, behutsam hockte sich Benni´s Mutter vor das Mädchen hin und sah ihr fest in die Augen, „Und was meine Jungs angeht. Willi macht gerade eine schwierige Zeit durch. Und Benni ist halt ein Junge. Manchmal sind die etwas doof, oder etwa nicht?“ Nun schlich sich ein kleines Lächeln auf Mollys Gesicht.
„Stimmt, Mädchen sind viel cooler.“, lächelte sie und erntete ein leises Lachen
„Na also. Lasse dir von niemanden einreden, dass du in irgendeiner Weise nicht gut genug bist. Denn so wie du bist, bist du perfekt! Verstanden?“
Gehorsam und mit ernstem Gesichtsausdruck nickte das Mädchen.
„Na dann, willkommen auf Horseland!“
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