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Willkommen auf Horseland

OneshotFreundschaft / P12 / Gen
19.04.2020
08.03.2021
7
7.715
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.08.2020 1.566
 
Hi,
so das nächste Kapitel. Ist eben grade durch eine spontane Idee entstanden.
Viel Spaß damit.
Lg
Cruella de Vil
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„Du fängst mich nicht!“
„Und ob. Ich bin die schnellste Katze im Wurf.“ Übermütig setzte die junge graue Kätzin zum Sprung an. Wollte unbedingt ihren Bruder fangen.
„Bitte hört auf so herum zu toben!“, die Mutter der fünf Katzenwelpen erschien und augenblicklich saßen ihre Kinder artig da.
„Aber Mama...“,fing das  graue Jungtier an, verstummte aber, als sie den Blick ihrer Mutter sah. Eisblaue Augen schauten streng zu ihr.
„Heute ist es soweit! Heute entscheiden die Menschen, wer von euch in die Zucht geht und wer von euch nicht gut genug ist. Heute geht es vor allem um das Aussehen und die Präsenz.  Wie verhalten sich Türkisch Angora?“ Blitzschnell stand sie vor einem männlichen Jungtier und sah ihn lauernd an.
„Ähm... stolz. Und stark. Mutig und hoheitsvoll. Wir sind die Könige unter den Katzen.“
„Sehr gut“ Ein Geraune ging durch den Wurf. Lob von der Mutter, gab es nur selten.
„Und was sind wir nicht?“ Nun stand die Kätzin lauernd vor ihrer silberfarbenen Tochter. Diese wich verunsichert einen Schritt zurück.
„Ähm, weiß nicht.“, kam die Antwort.
„Wir sind nicht wild, laut oder unkontrollierbar. Aber wir sind auch keine Schmusetiere. Wir stehen loyal zu unseren Besitzern, ohne dass wir uns ihnen unterwerfen wie Hunde.“ Wieder war es der selbe Bruder, welcher ein Lob der Mutter für sich einheimsen konnte. Zwei Menschen, welche das Katzenzimmer betraten, unterbrachen die Fragerunde. Ein Jungtier nach dem Anderen wurde aus der Wurfbox gehoben und eingehend begutachtet. Die graue Kätzin war die letzte.
„Mist und ich dachte wir hätten diesmal einen fünf Punkte Wurf.“, fauchte der Mann, welcher die Katze am Nackenfell hielt.
„Wieso? Die anderen taugen doch auch zur Zucht.“, der andere Mann musterte das verängstigte Jungtier nochmal genauer,„Ach Mist, hast recht. Die ist ja mehr lilac als Silberfarbend.“
„Ja und schau dir das mal an. Das sind weiße Haare an der Pfote. Der Brustkranz wäre schon mehr als genug weiß. Ich denke die ist für Ebay.“
Rüde kam die Kätzin in eine dunkle Box und wurde aus dem Raum getragen. Ebay! Sie hatte schon viele Schauergeschichten über das Ebay gehört. Niemand wusste was genaueres, aber was alle wussten: Wer zu Ebay musste, wurde nie wieder gesehen. Weder in der Stadt, noch auf irgendwelchen Ausstellungen. Panik erfasste das Jungtier. Sie wollte nicht verschwinden. Sie wollte doch einfach nur zurück zu ihren Geschwistern.
In ihrer Verzweiflung merkte das junge Tier gar nicht, dass es in einen anderen Raum getragen wurde. Erst der Lichtstrahl des sich öffnenden Deckels, lies sie wieder in die Realität zurück kehren.
„Was machst du?“, das war wieder einer der Männer. Über der Katze schwebte eine Hand und packte sie am Nackenfell.
„Fotos für Ebay.. Je schneller sie weg ist, desto besser. Vielleicht bekommen wir ja noch unsere 500 für sie.“
Grob wurde die Kätzin auf einen Holztisch gesetzt. Einer der Männer holte grade ein Fotoapparat raus, als es an der Tür klingelte.
„Du gehst.“
„Nein du, das ist bestimmt wieder der Postbote, welcher sich in der Adresse irrt.“
Während sich die Männer stritten, erblickte die graue Katze ein offenes Fenster. Das war ihre Chance! Sie wollte nicht als Futter für dieses Ebay enden. So leise und so schnell sie konnte, huschte sie durch den Raum zum Fenster. Mit einem beherzten Sprung gelangte sie nach draußen und fand sich auf einer Rasenfläche wieder. So schnell sie konnte floh sie blindlings in eine ihr unbekannte Richtung.
„Scheiße, die Katze ist weg. Du Idiot.“
„Wieso ich. Du musstest doch jetzt unbedingt Fotos machen.“
Die schimpfenden Männer im Rücken trieben die Katze nur noch mehr an. Panisch sah sie sich nach einem Versteck um. Ihre Beine und Pfoten waren lange Läufe gar nicht gewohnt und wollten so nach einer kurzen Strecke ihr schon den Dienst quittieren. Da! Ganz in der Nähe standen zahlreiche Wollsäcke. Flink huschte die Kätzin in einen offenstehenden Sack und verkroch sich in der weichen Schafwolle. Sie war etwas fettiger, als sie es von Zuhause kannte, aber immerhin.
Fieberhaft wartete die Katze darauf, dass sich ihrer Verfolger entfernten. Sie musste zurück zu ihrer Mutter. Aber nein, da lauerte ja auch Ebay. Wohin sollte sie nur?
Ein zurrendes Geräusch ließ die Kätzin aufschrecken. Erschrocken wollte sie an die frische Luft um einen Überblick zu gewinnen, doch der Sack war zu. Einen Ausgang gab es nicht mehr. Und auch kein Futter und Wasser. Einsamkeit machte sich in ihr breit. Ihre Pfoten taten ihr weh und sie bekam Durst. Vor einem halben Tag hatte sie noch fröhlich mit ihren Geschwistern gespielt und nun das.
Der ganze Schlamassel, nur weil sie nicht gut genug war. Gut genug, um ihre Zuchtlinie weiter führen zu dürfen. Diese blöde Fellfarbe! Diese blöden drei weißen Haare an der Pfote! Wimmernd zog sich das Jungtier mehr in die Wolle zurück. Das wäre alles nicht passiert, wenn sie besser gewesen wäre.
„Die Linie der Türkisch Angora dürfen nur die Besten der Besten fortführen. An euren Aussehen könnt ihr nicht viel ändern. Aber euer Auftreten.“ Die Worte ihrer Mutter erschienen wie aus dem Nichts. Ihr Aussehen kann sie nicht ändern, das stimmt. Aber ihren Charakter!
Wie waren Türkisch Angora? Stolz, Mutig und Hoheitsvoll. Loyal, aber keine Schmusekatzen. Genau so musste sie werden! So kam sie nicht zu Ebay.
Entschlossen wühlte sich die Katze bis zum Rand des Sackes. Mit den Krallen schlitzte sie ein Loch hinein und zwängte sich in die Freiheit. Die Freiheit war aber lediglich ein großer Raum, gefüllt mit Kisten und Säcken. Verwundert blickte sie sich um. Das Weibchen war noch nie an einem solchen Ort gewesen. Wusste sie doch nicht, dass es sich um ein Frachtraum eines Flugzeuges handelte. Doch die Verwunderung machte bald Freunde Platz, als die Kätzin die Witterung von Wurst aufnahm.
Und in mitten dieser Kisten und Säcke übte sie stundenlang, wie sich eine perfekte Türkisch Angora zu verhalten pflegte. Übte das stolzieren, den richtigen Schwung mit der Rute oder auch das galante Putzen. Perfektionierte ihren Augenaufschlag und trainierte ihr gütiges Kopfnicken.
Später überstand die Kätzin, versteckt in ihrem Wollsack,  die Landung und das Verladen in einen Lastwagen. Nach weiteren zwei Stunden wurde der Sack ausgeladen.

„Hier Eva-Marie. Frisch aus Russland. Deine ganz bestimmte Schafwolle.“
Ein helles Lachen folgte als Antwort. „Na na, das ist keine Schafwolle, sondern Ziegenhaare. Hast du noch nie was von der Orenburger Ziege gehört. Die hat extra weiches Haar. Daraus machen sich bestimmt besonders schöne Schale für den Basar.“
„Mir egal. Ich liefere nur aus.“ Die Katze hörte, wie sich der Lastwagen entfernte.
„Na dann schauen wir mal nach.“, murmelte sie Frauenstimme und öffnete den Sack. Voller Schrecken fand die graue Katze ihr Loch nicht und sprang so nach oben hin aus den Ziegenhaaren. Haarschaf am Gesicht der Frau vorbei, welche verwundert aufschrie. Mist, sie befanden sich in einem geschlossenen Raum. Fluchtartig rannte die Katze unter den nächstbesten Stuhl und machte sich dort so klein wie möglich.
Von dem Schrei angelockt kam in erwachsender Mann, sowie ein blonder und ein braunhaariger Junge in den Raum.
„Mama, alles okay?“, der braunhaarige Junge sah seine Mutter besorgt an, welche nur kurz nickte und unter den Stuhl deutete.
„Ja, habe mich nur erschreckt. Da ist wer mit den Ziegenhaaren gereist. Ich glaube wir haben einen Besucher.“
„Boah eine Katze. Können wir die behalten?“, aufgeregt hüpfte der braunhaarige auf und ab. Der Vater stoppte das Gespringe, indem eine seinem Sohn eine Hand auf die Schulter legte.
„Wir können nicht alles behalten, was du siehst, Benni.“, tadelte er und erntete einen beleidigten Blick.
„Vielleicht vermisst sie jemand.“, meinte der blonde Junge und sah mitleidig auf die Katze,„Na du. Wer bist du denn? Wo sind deine Eltern? Hast du auch keine mehr? Dann kannst du bei deiner Tante und deinem Onkel wohnen. Mache ich auch. Nerven manchmal ein bisschen, aber es geht schon.“
„Pah! Hast du gehört John? Wir nerven.“
Während sich die Menschen unterhielten, schlich die Katze vorsichtig aus ihrem Versteck und rannte auf die offene Tür zu. Doch plötzlich erschien ein Collie in dieser und versperrte ihr den Weg.
Verschreckt bremste die Katze ab und versteckte sich wieder unter dem Stuhl.
„Hallo. Ich heiße Chef und wer bist du?“ Freundlich musterte der Hund den Neuankömmling.

In den darauffolgenden Wochen suchte die Familie Handler nach den ehemaligen Besitzern. Es wurden etliche Telefonate mit den Transportgesellschaften und den Behörden in Russland geführt. Niemand wusste woher die kleine Katze stammen könnte. Sie selber erzählte den Tieren auf Horseland lediglich, dass sie aus einer langen Zuchtreihe stammte und was Neues ausprobieren wollte. Deswegen sei sie auf Horseland gelandet. Die Katze akzeptierte den Reiterhof schnell als ihr neues Heim und gewöhnte sich rasch an die tierischen und menschlichen Bewohner. Allerdings blieb sie stets hoheitsvoll und stolz. Denn als sie es damals nicht war, wurde sie aussortiert und das wollte die Kätzin auf keinen Fall ein zweites Mal durchmachen.
Nach geschlagenen zwei Monaten erfolgloser Suche, gaben es die Handler auf. Die Kätzin putzte sich gerade auf einem Strohballen, als sich Eva-Marie davor hockte.
„Du Kleine, wir können deine Familie leider nicht finden. Aber was hältst du von einer neuen? Möchtest du hier bleiben?“ Die Katze entgegnete den freundlichen Worten mit einem kurzen Mauzen, welches Eva-Marie richtig als ein „Ja“ auffasste.
„Also dann.“, die Frau holte ein rosa Halsband mit einer goldenen Marke hinter dem Rücken hervor,„Willkommen auf Horseland, Angora.“
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