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Willkommen auf Horseland

OneshotFreundschaft / P12
19.04.2020
12.08.2020
5
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17.06.2020 1.059
 
Zitternd stand das junge Hängebauchschwein dem bärtigen Mann gegenüber. Im Hintergrund hörte sie ihr Mädchen schreien. Schrill und hoch. Es klang wie ein "Nein Papa", war aber von ihrer Panik überschattet.
Es knallte erneut. Eine Schmerzwelle durchzuckte das Minischwein von der rechten Flanke ausgehend den Körper. Wollte sich wimmernd zurück ziehen, doch die Hand des Mannes hielten sie kräftiger an dem linken Ohr, als man es seiner schmalen Statur zugetraut hätte.
Erneut holte der Mann zu einem Peitschenhieb aus, während seine fünfjährige Tochter im Hintergrund schluchzend zusammen brach. In dem Moment ertönte ein lautes "Polizei, lassen sie die Waffe fallen!"
Fast augenblicklich ging das Foltergerät zu Boden. Der Mann ließ Trines Ohr los und drehte sich zu den beiden Uniformierten um. Zitternd presste sich das Schwein in die Ecke, während ihre Augen schreckgeweitet die Szene anstarrten.
" Was ist los meine Herren? Was machen sie in meinem Garten?", die Stimme des Vaters klang hart und herzlos.
"Wir wurden gerufen. Es stand der Verdacht der Kindesmisshandlung im Raum." Der Vater lachte kalt auf.
"Sophie geht es gut. Sie lernt nur heute eine Lektion. Ihr dummes Schwein, welches meine Frau unbedingt haben wollte, musste ja meinen Grillvorrat fressen. Da muss man auch mal härter zugreifen. Das müssen Kinder schon früh lernen."
Die Beamten sahen sich zunächst überrascht an, bis deren Blicke ebenfalls härter wurden und sie synchron nickten. Während der eine in das Funkgerät sprach, setzte sich der andere neben Trines Mädchen und nahm sie in den Arm.
Wenig später kamen noch einige Menschen dazu. Darunter die Familienmutter, welche nach einen kurzen, lauten Streit mit ihrem Ehemann, mit ihrem Kind im Haus verschwand.
Trine saß immer noch zusammen gekauert in der Ecke. Das Schwein verstand das alles nicht. Vorhin tollte sie doch noch so fröhlich mit dem Mädchen durch den Garten, dessen Geburtstagsgeschenk sie vor einigen Wochen gewesen war. Sogar eine ihrer rosa Haarschleifen hat das junge Frauchen ihrem Schwein an die Rute gebunden.
"Hey du. Wer bist du denn?", die lockende, weibliche Stimme schreckte Trine aus ihren Gedanken. Trine gefiel auf Anhieb die Stimme der Tierheimmitarbeiterin. Als die Frau dann auch noch eine Karotte aus der Tasche holte, war es um das Hängebauchschwein geschehen und sie folgte willig in einem Transporter.

Einige Wochen saß das Schwein schon in ihrer Bucht im Tierheim. Klar es ist gemütlich, aber irgendwie fühlte es sich nicht nach zuhause an. So kühl und irgendwie rastlos. Die Tierpfleger gaben sich zwar alle Mühe:spielten mit ihr, fütterten und streichelten sie, hielten die Bucht sauber und öfter kamen auch Besucher vorbei, aber es war halt nicht ihr zuhause.
Es war ein Donnerstagnachmittag, als Trine drei Menschen über den Hof gehen hörte. Eine erwachsene Person und zwei Kinder, vermutete das Minischwein.
"Mama, können wir noch die Kaninchen gucken? Die haben so süße Knopfaugen." Hörte Trine einen Jungen sagen und eine weibliche, erwachsene Stimme bejahte. Kurz darauf waren die drei Personen an Trines Nachbarbox und nahmen die flauschigen Tierheimbewohner in Augenschein.
"Du bist ja cool. So lustig gefleckt. Und dazu eine rosa Schleife am Schwänzchen. Bist du eine richtige Dame?"
Moment mal! Rosa Schleife? Trine, welche vorher noch deprimiert die Stallwand angesehen hatte, drehte sich zu der Stimme um. Sie erblickte einen blonden Jungen, welcher kaum über die hohe Boxenwand sehen konnte.
" Willi, schau mal. Da sind Baby Kaninchen. Mama, ich möchte ein Kaninchen."
"Du hast schon einen Gecko, einen Hund und ein Pferd. Das reicht. Findest du nicht? Will, was hast du denn da entdeckt?"
"Ein Schweinchen." lachte der Junge und winkte eifrig seine Begleiter zu sich. Nun schaute ebenfalls eine braunhaarige Frau und ein braunhaariger Junge über die Box zu Trine.
"Boah die ist ja cool.", meinte der kleinere der Jungs staunend,"Komm mal her Maus. Wie heißt sie?"
"Clementine.", las die Frau das Schild vor, "Das ist ein Mini Hängebauchschwein aus schlechter Haltung."
"Die sieht gar nicht aus wie eine Clementine.", maulte plötzlich der braunhaarige Junge und der blonde ergänzte, "Eher wie eine Trine."
Augenblicklich wurde Trine wacher und grunzte mehrmals. Trine! Das war ihr Kosename! Den hatte Sophie immer benutzt.
"Mama,können wir das Schweinchen mitnehmen?"
"Du hast mehr als genug Tiere."
"Darf ich sie denn haben? Ich habe nur ein Pferd und Trine würde es bestimmt prima bei uns gefallen.", mischte sich der größere Junge ein und die Frau sah ihn nachdenklich an.
"Moment. Ich frage mal John.", seufzte sie dann und ging nach draußen zum telefonieren.
"Wieso bekommst du immer alles was du willst? Wie machst du das?", fast ehrfürchtig Sah der kleinere zu seinem Cousin auf.
"Ich frage nur bei Sachen, welche ich wirklich will."

Vorsichtig trat Trine aus der Transportbox. Der Kies knirschte unter ihren Füßen. Lockende Stimmen und herrliche Essensgerüche wehten ihr entgegen.
"Hey, Kleine. Wer bist du?", die Stimme gehörte zu einer grauen Katze, welche sie aufmerksam ansah.
"Trine.",kam die knappe Antwort.
"Ich bin Angora. Bist du zu Besuch oder haben die Menschen dich etwa adoptiert? Ich meine, du bist doch ein Schwein, oder? "
"Angora, sei bitte netter. Du warst auch mal neu. Hallo, ich heiße Chef.", ein Collie Rüde erschien in Trines Blickfeld und sah sie freundlich an.
"Hi", meinte diese verschüchtert. Sie wusste nicht so recht, wie sie reagieren sollte. Die Menschen waren inzwischen ins Haus gegangen, damit sich die Tiere ungestört kennen lernen konnte. Trine fehlte nun die Sicherheit.
"Ich bin Jimber." Das Schwein erschrak, als die Stimme neben ihr erklang und zog ängstlich den Kopf ein, als sie den Hengst in voller Größe vor sich stehen sah.
"Ich tu dir nichts. Möchtest du?" Mit den Worten schob der Palomino der neuen einen Apfel hin. Essen konnte Trine noch nie widerstehen.
"Danke dir.", murmelte sie mit vollem Mund.
"Gerne. Du brauchst keine Angst zu haben. Auch nicht vor der Kratzbürste Angora. Die kann auch nett sein, wenn sie möchte."
Ein empörtes Schnaufen der Katze kam als Reaktion auf Jimbers Satz und Chef fing an leise zu lachen.
"Wo Jimbers recht hat, hat er recht. Also Trine, willkommen auf Horseland."
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