Gehetzt, gestellt und abserviert

von ElliHill
GeschichteKrimi / P16
Alex Brandt Andrea Schäfer Jenny Dorn Kim Krüger Semir Gerkhan
19.04.2020
28.05.2020
13
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23.05.2020 1.077
 
Semir wachte am nächsten Morgen um halb sieben auf. Er ging duschen und als er fertig war, sah er, dass auch Andrea bereits aufgewacht war. „Was machst du denn? Du hast doch Urlaub.“ fragte er erstaunt. „Das ist richtig. Und genau deshalb werde ich dir ein wundervolles Frühstück machen. Die Kinder stehen auch gleich auf. Dann können wir alle gemeinsam frühstücken.“ erklärte sie und küsste ihn. „Übrigens, Dana fährt nächste Woche auf Klassenfahrt. Diesmal geht es an die Nordsee. Genauer genommen auf die Insel Borkum.“ Semir sah sie an. „Und was kostet das?“ „Der Anteil pro Kind sind 260 Euro. Die Klassenfahrt wird eine Woche gehen. Sie fährt am Montag und kommt am Sonntag wieder.“ Semir nickte nachdenklich. Seine Töchter kamen rein. Allen voran war die kleine Lilly, die in ihrem Schlafanzug auf ihn zu rannte.

„Hey, mein Engel. Schon ausgeschlafen?“ wollte er von ihr wissen und sie nickte. Nur kurz beschäftigte Semir sich mit seiner Kleinsten und kitzelte sie etwas. Lilly jauchzte vor Freude und lachte aus vollem Herzen. Dann setzte er sie auf ihren Stuhl und wandte sich Ayda zu, die etwas verschlafen war. „Guten Morgen Ayda. Bist du immer noch ein Morgenmuffel?“ grinste er. Seine Tochter sah ihn an. „Ich habe Bauchweh. Mein Kopf tut auch weg und ich will auch gar nicht essen.“ kam von dem Mädchen und sofort legte Semir ihr die Hand auf die Stirn. „Andrea, ich glaub sie hat Fieber.“ sagte er. Auch seine Frau nahm sich Ayda an. Sie steckte ihr das Fieberthermometer in den Mund und wartete, bis die Messung vorbei war. „Du hast Recht. Sie hat 38,8°C. Ayda, wir fahren gleich direkt zum Arzt.“ Das Mädchen nickte. „Darf ich danach wieder ins Bett?“ bettelte sie. „Am besten lege ich dich auf die Couch.“ meinte Semir, nahm seine Tochter auf den Arm und trug sie ins Wohnzimmer. „Du legst dich hier auf die Couch und schläfst noch ein bisschen, gleich bringe ich dich in Mamas Auto. Sie fährt dann mit dir zum Kinderarzt.“ versprach er. Ayda nickte und drehte sich um. Sie schlief direkt wieder ein.
Auch Jaron war bereits wach und beobachtete das Haus. Gegen halb acht ging die Tür auf und ein Mann, den er als den Polizisten identifizierte, trat mit einem Mädchen auf dem Arm heraus. Er liebkoste das Mädchen und legte es anschließend in einem der beiden PKWs. Wut stieg in Jaron auf, als er sah, wie zärtlich dieser Mann mit dem Mädchen umging. Eine Frau kam heraus und sie hielt ein kleineres Mädchen an der Hand. Zwei Töchter??? Zwei Mädchen, die ihrem Vater hilflos ausgeliefert waren? Er musste tätig sein. „PAPA!! Nimmst du mich zum Bus mit?“ hörte er von einer weiteren Person, die nun aus dem Haus kam. Drei! Drei Töchter! Die größere war bestimmt schon 16 oder 17. Das Mädchen, welches er aus dem Haus getragen hatte, war nicht älter als 10 und das Kleinste sicher gerade 6 oder 7. „Ja, steig ein mein Schatz!“ rief der Polizist dem Mädchen zu und sie stieg tatsächlich ein.

Jaron spürte große Wut in sich. Dieser Mann hatte drei Mädchen und vermutlich missbrauchte er sie jede Nacht. Vielleicht im Wechsel. Jede Nacht ein anderes Mädchen, welches diese Schande ertragen musste. Ein Mädchen, welches die Schmerzen ertragen musste, damit der Vater sein Vergnügen hatte. Er sah, wie Gerkhan in sein Wagen stieg und losfuhr. Nur kurz darauf fuhr auch die Frau los. Jaron hängte sich direkt an sie und als sie ihr Ziel erreicht hatte, sah er, dass es ein Kinderarzt war. Sollte dieses Schwein das Mädchen so stark verletzt haben, dass sie ärztliche Hilfe brauchte? Und diese Frau machte das alles mit? Genau wie seine Mutter! Sie war feige und setzte sich nicht zur Wehr! Er wartete eine ganze Weile, bis die Frau wieder herauskam und das Mädchen ins Auto trug. Dann ging die Fahrt zurück nach Hause. Für Jaron reichte es. Dieser Mann, der diesem kleinen Mädchen so viel Leid zugefügt hatte, musste dafür bezahlen. Er musste für Gerechtigkeit sorgen. Er fuhr nach Hause um sich einen Plan zurecht zu legen. Diesem Mann musste gezeigt werden, dass das was er machte falsch war. Er durfte seine Töchter nicht lieben. Nicht so! Er stellte den Transporter wieder ab und saß nur wenig später im Wohnzimmer. Katrin kam erst am Sonntag zurück und so hatte er genügend Zeit, diesem Mann Respekt vor dem weiblichen Wesen einzubläuen. Dieser Mann würde niemals wieder ein Mädchen verletzten. Nie wieder.

„Morgen Semir. Was ist los? Hast du Probleme?“ wollte Alex wissen, als sein Partner hereinkam. „Morgen. Nein, keine Probleme. Ayda ist heute Morgen mit Fieber aufgewacht und Andrea ist mit ihr zum Arzt. Hoffe, das ist nichts Ernstes.“ Semir ließ sich auf seinen Stuhl fallen. „Wird schon nicht. Ich meine, es kann ja eine Erkältung sein, oder so.“ Semir nickte. „Du hast Recht. Okay, lass uns doch mal mit Jenny sprechen, wie weit sie mit der Stimmenanalyse bzw. mit der Auswertung der Anrufer ist.“ Alex nickte. Sie gingen zu Jenny, die an ihrem Schreibtisch saß. „Morgen Jenny, hast du schon was für uns?“ wollte Alex von ihr wissen. „Ja, die Anrufe könnt ihr alle in die Tonne kloppen. Hey, was ich da für Typen geprüft habe. Die einen haben ihren Nachbarn erkannt, der nächste seinen Chef oder Kollegen. Jeder wollte jedem was ankreiden. Leider sind alle Personen, die ich überprüft habe, negativ.“ berichtete Jenny und sah die Beiden an. „Danke Jenny. Gute Arbeit.“ lobte Semir. Sein Handy klingelte und er sah auf das Display. „Das ist Andrea. Sicher geht es um Ayda.“ stieß er aus und ging in sein Büro.

„Andrea? Was ist mit der Maus?“ wollte er sofort wissen. „Ayda hat eine Darminfektion. Sie bekommt Antibiotika und muss die nächsten Tage im Bett bleiben. Es ist nicht ansteckend und damit keine Gefahr für uns anderen Familienmitgliedern. Ich werde mich um die Maus kümmern. Mach dir nicht so große Sorgen.“ Semir lächelte leicht. „Danke mein Schatz. Das beruhigt mich sehr. Ich hoffe sie wird schnell gesund.“ Er steckte das Handy wieder ein und sah Alex, der nun ins Büro kam, freudig an. „Alles halb so wild. Ayda hat eine Darminfektion. Nicht ansteckend.“ Sein Partner setzte sich. „Siehst du, alles gut. Sie hat die beste Pflege, die sie bekommen kann. Andrea hat doch noch Urlaub oder?“ Semir lachte leise. „Ja, und wenn sie ihn nicht hätte, dann hätte sie Urlaub genommen, um für Ayda da zu sein. Hoffe, dass es schnell vorüber ist. Kranke Kinder sind sehr anstrengend.“