Begegnung im Schnee

von Feodora29
KurzgeschichteFreundschaft / P12
OC (Own Character) Vixx
19.04.2020
23.05.2020
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23.05.2020 3.131
 
Nach zehn Minuten juckte es in ihrer Nase, aber sie hatte hier kein Papiertaschentuch und ging deshalb ins Bad. Dabei ließ sie für den kurzen Moment ihre Zimmertüre auf. Als sie zurück in den Flur trat, nachdem sie ihre Nase noch im Bad geputzt hatte, sah sie Hongbin und Sanghyuk vor ihrem Zimmer. Beide sprachen angeregt miteinander, blickten dabei aber in das Gästezimmer und deuteten dabei wohl auf die Computer.

Sophia stand schon direkt neben ihnen, als sie von den beiden bemerkt wurde. Plötzlich taten die beiden so, als hätte Sophia sie bei etwas unerlaubten erwischt und begannen sich zu entschuldigen. Doch Sophia winkte mit einer wegwerfenden Handbewegung ab und grinste stattdessen leicht.

„Seid ihr an Computer interessiert?“, fragte sie beide. Sie schüttelten fast synchron die Köpfe.

„Nein“, sagte Hongbin zusätzlich. Verdutzt über die Antwort, sah Sophia beide abwechselnd an. Worüber hatten sie denn dann gesprochen?

„Warum steht ihr dann hier?“, fragte sie schließlich ratlos und Sanghyuk zeigte mit der rechten Hand in ihr Zimmer. Dabei sah sie in seinen Augen ein Leuchten, ehe sie der Richtung seiner gedeuteten Hand folgte.

„Das Spiel“, gab er als Erklärung hinzu und nun verstand Sophia, was sie meinten. Auf dem Schreibtisch sah man deutlich den Bildschirm des Computers mit dem Spiel Bomber Man. Grinsend wandte sie sich beiden nochmal zu.

„Ihr kennt das Spiel?“ Beide nickten deutlich.

„Wollt ihr auch mal spielen?“, fragte sie und nach kurzem Zögern nickten sie nochmal. Diesmal sah sie in beiden Gesichtern die kindliche Freude, die sie selbst gestern erfasst hatte. Leicht lachend trat Sophia ein und gab Hongbin und Sanghyuk zu verstehen, dass sie auch reinkommen könnten. Sanghyuk schloss als letzter die Tür, ehe er sich neben Hongbin stellte, der hinter Sophia stand, die sich inzwischen hingesetzt hatte. Sie hatte auf Sanghyuk gewartet, um die Tastenkombinationen für das Spiel zu erklären, indem sie einfach nebenbei ein neues gestartet hatte. Schnell stellte sie am Ende weitere Tasten auf der Tastatur so ein, dass mehr als ein Spieler Bomber Man spielen konnte.

Erst als das getan war, stand sie auf und machte den Platz für einen frei, bevor sie einen Klappstuhl aus einer anderen Ecke des Raumes holte. Den stellte sie neben den Drehstuhl und bot beide Plätze nun Hongbin und Sanghyuk an. Dies ließen beide sich nicht zweimal sagen und kurz darauf waren sie vertieft in ihr Spiel, sprachen dabei Koreanisch und wurden mit den Tastenbewegungen immer intensiver.

Es war nicht das erste Mal, dass Sophia sie nicht verstand, aber die Tonlage und das, was sie sah, reichte aus, um in etwa abzuschätzen, worüber beide sprachen. Sie kannte das selbst gut, als sie früher mit Mathias so gespielt hatte.

Nachdem beide zwei Runden gespielt hatten, wollten sie abwechselnd mit Sophia spielen, doch jene stellte einfach noch eine dritte Tastenkombination ein. So wurde es zwar langsam eng zu dritt auf einer Tastatur, aber es war noch immer möglich und lustiger wäre es auch. Sie schoben dazu die Stühle ganz weg und knieten sich alle drei vor den Schreibtisch hin. Dabei hatte wohl Sophia noch den größten Nachteil, weil sie etwas kleiner war und deshalb am schlechtesten von allen dreien zur Tastatur kam. Trotzdem machte sie es den zwei Männern beim Spielen nicht leicht und verfiel beim Spielen ebenfalls in Kommentare in ihrer Muttersprache.

Sie spielten sicher schon die dritte Runde, da klopfte es an der Tür und Sophia betätigte die Pausentaste. Dann stand sie auf und ging zur Tür, während im Hintergrund Sanghyuk und Hongbin bereits weiter sprachen. Sie nahm ganz stark an, sie diskutierten über das Spiel und die vorherigen Runden.

Sophia öffnete die Tür und hatte Wonshik sich gegenüber. Er wollte etwas sagen, sah aber im selben Moment hinter Sophia seine zwei Freunde und erfasste noch schneller, was sie soeben spielten. Er fragte etwas auf Koreanisch, aber Sophia war trotzdem klar, was in etwa die Frage bedeutete, denn sie hatte Bomber Man daraus gehört. Anstatt Hongbin und Sanghyuk antwortete sie.

„Ja, das ist Bomber Man, du kannst mitspielen“, sagte sie und erhielt somit wieder seine Aufmerksamkeit. Nun strahlte auch er übers ganze Gesicht, haderte aber mit sich selbst. Er sprach sowohl an Sophia, als auch an die anderen gewandt, jedoch auf Englisch.

„Ich gebe nur kurz Bescheid“, sagte er und drehte sich um. Wonshik trat in Sophias Zimmer und sagte etwas auf Koreanisch, bevor er wieder die Tür schloss und an Sophia vorbei zu Hongbin und Sanghyuk lief. Die beiden erklärten ihm anscheinend etwas, sodass alle drei schnell wieder zu ihr sahen. Sie mussten schließlich noch die Runde zu Ende spielen.

Sophia hatte sich soeben gesetzt, da klopfte es schon wieder. Sie wollte aufstehen, wurde aber von Hongbin rechts neben ihr aufgehalten, während Wonshik ohne ein Wort zur Tür ging und jene öffnete. Trotzdem sah Sophia zur Tür und erblickte einen verwirrten Jaehwan, Hakyeon und Taekwoon, die wohl alle mit Sophia gerechnet hatten. Jaehwan sprach zuerst zu Wonshik, der auch antwortete und dann traten alle anderen drei ebenfalls zögernd ein, nachdem Sophia einfach nur lächelnd genickt hatte.

Plötzlich war der Raum mit sieben Leuten mehr als überfüllt und doch drängten sich die anderen vier hinter die drei Spieler, um zusehen zu können.

Sanghyuk, Sophia und Hongbin fuhren mit ihrem Spiel fort, was am Ende Sophia gewann und wechselten dann die Personen. Obwohl der Großteil darauf beharrte, dass Sophia mitspielen sollte, gab sie ihren Platz trotzdem auf, damit jeder von ihnen erstmal spielen könnte. So saßen in der nächsten Runde Jaehwan, Wonshik und Taekwoon vor dem Bildschirm, um sich deutlich artikulierend zu duellieren. Das war nicht nur ein Kampf im Spiel, sondern auch ein Kampf um den Platz vor der Tastatur. Keiner hielt sich zurück, den anderen so viel wie möglich zu behindern, um sich dadurch einen Vorteil im Spiel zu verschaffen.

Sophia sah sich das Ganze eine viertel Stunde lang an, mit allen möglichen neuen Kombinationen, in denen sie auch einmal noch gegen Wonshik und Hakyeon gespielt hatte, bevor sie die Jungs alleine ließ und runter in die Küche ging.

Dort war mal keiner, doch Sophia hörte aus dem Wohnzimmer zumindest ihren Onkel sprechen. Heike war wohl bei den Nachbarn, das hatte sie zumindest Sophia vorher noch gesagt.

Bis zum Abendessen war es noch eine halbe Stunde und Heike hatte schon vorher gesagt, dass es heute nur ein Einfaches mit Brot werden würde. Da Sophia etwas langweilig war, beschloss sie einfach schon mal den Tisch zu decken.

Sie hatte soeben das Brot mit der Brotschneidemaschine geschnitten, da bemerkte sie erst eine Person im Raum. Durch das Schneiden hatte sie nicht gehört, dass jemand in den Raum getreten war. Es war Sanghyuk, der etwas unschlüssig herum stand.

„Und, gewonnen?“, fragte Sophia sofort grinsend, worauf er aber etwas enttäuscht den Kopf schüttelte.

„Nicht? Du warst doch vorhin so gut“, meinte Sophia, während sie sich setzte und Sanghyuk sich auf seinen Platz gegenüber von Sophia niederließ.

„Leo-hyung kann nicht verlieren“, begann er leise und Sophia fragte nun nach.

„Leo? Ist das Jung Taekwoon?“, fragte sie und er nickte.

„Dann ist das sein Künstlername?“ Wieder nickte Sanghyuk.

„Hast du auch einen?“

„Ja, Hyuk“, erklärte er und Sophia stellte fest, dass es sich bei ihm lediglich um eine Kürzung seines Namens handelte.

Sophia hatte weiter fragen wollen, weil sie sich bei Sanghyuk unbefangen fühlte, doch in dem Moment kam ihre Tante zurück und so trudelten kurz darauf auch alle anderen zum Essen ein.

Als das Essen vorbei war, räumte zunächst Sophia den Geschirrspüler aus, während Heike schon mal den Tisch frei machte und den Rest soweit wegräumte. Nachdem das benutzte Geschirr wieder im Spüler stand, machte Heike den Vorschlag, dass Sophia doch mit den Gästen ein Spiel spielen könnte. Sophia war davon nicht abgeneigt und räumte aus dem Wohnzimmer Jenga und Mensch-ärgere-dich-nicht in die Küche. Dann ging sie nach oben und klopfte wieder einmal an ihre eigentliche Zimmertüre an. Das war für sie irgendwie komisch, wo es doch ihr Zimmer seit fünf Jahren war.

Sanghyuk öffnete sie und Sophia erklärte kurz ihr Vorhaben so schlicht wie möglich, erwähnte dabei aber das Wort Jenga, weil sie von dem ausging, dass es in anderen Ländern sicher bekannter wäre. Mensch-ärgere-dich-nicht hielt sie nämlich für ein deutsches Spiel, was sie ihnen mit Sicherheit erstmal beibringen müsste, sofern sie dies spielen wollten. Sanghyuk meinte, den anderen es mitzuteilen und dann nach unten zu kommen.

Sophia lief also wieder in die Küche, baute aber noch keines der Spiele auf, legte nur die nötigen Utensilien dazu heraus. Sie besaßen zum Glück ein doppelseitiges Brett, wo sich auf der einen Seite die klassischen vier Spieler versuchen konnten und auf der Rückseite sechs.

Kurz darauf hörte sie jemanden auf Koreanisch sprechen und Sophia erblickte zunächst Sanghyuk und Hakyeon, bevor ihnen der Rest folgte. Alle sechs waren gekommen und setzten sich neben Sophia, die an einer Stirnseite saß. Gleichmäßig verteilten sie sich jeweils zu dritt auf jede Seite. Rechts von ihr saßen Sanghyuk, Hongbin und Wonshik, auf der anderen Hakyeon, Jaehwan und Taekwoon.

„Was wollt ihr spielen? Ich habe hier Jenga und ein deutsches Spiel, was Mensch-ärgere-dich-nicht heißt“, erklärte sie und nannte bei letzten sowohl den deutschen Namen und dann eine vage Übersetzung dessen. Unter den Männern entstand kurz eine Diskussion, bis sie sich schnell einigten, nämlich auf Mensch-ärgere-dich-nicht. Insgeheim hatte Sophia darauf gehofft.

„Es können aber nur sechs mitspielen“, begann sie als erstes, als sie das Brett heranzog und die Figuren raus suchte. Wieder fielen koreanische Begriffe, bis Taekwoon sich auf Englisch äußerte.

„Ich spiele nicht mit“, sagte er und Sophia nahm es nickend zur Kenntnis.

„Wenn es schnell geht, können wir ja noch eine Runde spielen, oder ihr alleine“, fügte sie an und baute alles auf. Anschließend begann sie das Spiel zu erklären, wiederholte sich auch auf ihre Fragen hin und schlug am Ende vor, einfach zu beginnen und durch das Spiel an sich den Rest zu klären. Eine kleine weitere Verzögerung gab es, weil es Uneinigkeiten um die Farben gab, aber letztendlich klärten sie das durch Schere-Stein-Papier und es konnte losgehen.

Sophia hatte viel Spaß und auch der Rest, was auch an den deutlichen Freudentränen erkennbar war, die sich nicht nur Sophia aus den Augen wischen musste. Da sie zu sechst spielten, dauerte es über eine Stunde, bis sie fertig waren. Am Ende verlor Sophia, wobei Wonshik als erster seine vier Figuren in Sicherheit hatte. In der Zeit hatte Sophia auch die Zahlen im Koreanischen bis etwa 20 drauf. Umgekehrt konnten die Koreaner nun auf Deutsch bis mindestens 20 zählen.

„Nochmal“, verlangte Sanghyuk, wobei auch sofort dahinter Taekwoon kam, der nun unbedingt auch mitspielen wollte. Sophia gab bekannt, diesmal nicht mitzuspielen, was Sanghyuk nicht so toll aufnahm, sie aber erklärte, noch etwas lernen zu wollen. Da kam auch erstmals die Frage von Hakyeon, ob sie für eine Prüfung lernen müsste. So musste Sophia erklären, dass sie gerade vor den Beginn ihrer Abschlussprüfungen der Schule stand. Mit dieser Erklärung gaben sie sich mehr oder weniger zufrieden und Sophia ging nach oben.

Dort nahm sie sich lediglich die Hefter, um einfach nur diese durchzulesen, das wäre noch ausreichend und dauerte lange genug. Sie hätte natürlich auch noch eine Runde mit den anderen gespielt, aber ehrlich gesagt wollte sie nicht einen wieder den Spielplatz nehmen und dann war da noch etwas. Sophia fing an, sich mit ihnen gut zu verstehen und sich anzufreunden. Aber das würde nichts bringen, wenn sie spätestens am Montag wieder weg wären. Freundschaften über so weite Distanzen mit so vielen kulturellen und sprachlichen Unterschieden hielten in der Regel nicht lange. Außerdem kannten sie sich im Grunde nicht. Sie wollte einfach nicht eine engere Bindung eingehen und deshalb war sie in ihr Zimmer geflüchtet.

Als es um neun war, ging sie sich duschen, ehe sie sich an den Spanischhefter machte und weiterhin konzentriert diesen las. Ihre Zimmertüre hatte Sophia einen kleinen Spalt offen gelassen, damit sie hören würde, wenn die sechs jungen Männer von unten herauf kamen. Denn dann wollte sie aufhören.

Dass sie das Lesen nicht durchgehend aushielt, bemerkte sie erst, als sie durch ein Geräusch aufschreckte und feststellte, eingeschlafen zu sein. Ihr Kopf hatte auf dem Tisch gelegen, auf ihrem linken Arm.

Blinzelnd und etwas desorientiert wischte sie sich erstmal über die Augen. Dann blickte sie auf die Uhr auf ihrem Handy und erschrak abermals. Es war fast halb eins. Sophia klappte den Hefter zu und stand auf. Dabei fiel ihr etwas vom Rücken und erstaunt drehte sie sich um. Es war eine Decke und zwar eine der Sommerdecken, die sie eigentlich für die Gäste in ihr Zimmer gebracht hatte. Wie war die denn hierhergekommen?

Schnell war sie sorgfältig zusammengelegt, ehe sie sich in bereits Schlafsachen auf den Weg ins Bad machte. Dort putzte sie sich noch die Zähne, ehe sie wieder Richtung ihr Zimmer lief. Sie stand schon vor diesem, da fiel ihr das Licht von unten schwach auf. Es war noch jemand wach? Oder hatte jemand das Licht angelassen? Obwohl, jetzt kam ihr wieder in den Sinn, dass sie doch wegen eines Geräusches aufgeschreckt war. Dann hatte sie sich dies vielleicht wirklich nicht eingebildet.

Sie ging also leise die Treppe nach unten und machte die Lichtquelle als eine kleine Lampe in der Küche aus, dessen Türe auch offen stand. Vorsichtig trat sie in diese und erspähte Hakyeon, der am Fenster stand und nach draußen blickte.

Da er sie noch nicht bemerkt hatte, räusperte sie sich leise und Hakyeon zuckte zusammen, bevor er Sophia erkannte.

„Entschuldigung“, sprachen beide fast zeitgleich, worauf sie auch beide leicht grinsten. Sophia trat zu ihm zum Fenster und sah auch nach draußen. Nun verstand sie, was er dort beobachtete. Den Schnee, wie er herunterfiel und gut erkennbar war, weil eine Straßenlaterne genug Licht spendete.

„Kannst du nicht schlafen?“, fragte Sophia und sah ihn von der Seite an. Ein leichtes Nicken kam von ihm, während sein Blick etwas verträumt wirkte. Dennoch hatte Sophia das Gefühl, auch so etwas wie Wehmut darin zu erkennen, doch sie fragte nicht weiter nach.

„Und du?“, fragte er anschließend zurück.

„Ich bin am Schreibtisch eingeschlafen und jetzt aufgewacht“, erklärte sie leicht grinsend, worauf sie ihm mit ihrer Erklärung ein leichtes verschmitztes Lächeln entlockte. Sophia fand, dass Hakyeon ein schönes Lächeln hatte, was von Herzen zu kommen schien.

„Es ist schön“, sagte er plötzlich und klang nun wirklich nostalgisch.

„Der Schnee?“, fragte Sophia nach.

„Ja und auch der Ort hier. Es ist so schön ruhig.“ Sophia schwieg kurz und legte sich die richtigen Worte zurecht.

„Habt ihr in Korea etwa keinen Schnee?“

Nun stieß er leise amüsiert die Luft aus.

„Doch, aber nicht so viel und dort ist es nicht so ruhig wie hier.“

„Wo wohnt ihr denn? In einer Stadt?“

„Ja, in Seoul.“ Sophia war froh, dass sie den Namen der Stadt auch gleich verstand und mit dieser auch etwas anfangen konnte.

„Verstehe. Aber die Ruhe und Abgeschiedenheit hat auch so seine Nachteile“, meinte Sophia, worauf er sie fragend ansah.

„Na der Weg bis zur Stadt ist weit, ebenso mein Schulweg. Es geht immer viel Zeit verloren und man hat hier keine gleichaltrigen Leute, mit denen man etwas unternehmen kann. Meine Freunde wohnen zu weit weg.“

Verstehend nickte er, als er und Sophia wieder hinaus sahen. Plötzlich wurde es draußen stockfinster. Die Straßenlaterne war ausgegangen. Hakyeon schien das sehr zu verwundern, was sie aus seinem Gesicht las und deshalb eine Erklärung lieferte.

„Das ist normal. Am Wochenende gehen die Lichter halb eins aus. In der Woche schon halb elf.“

„Es ist wirklich einiges anders hier“, stellte er fest und nun war es Sophia, die nickte. Da sie den Schnee nun nicht mehr sahen, drehte sich Sophia vom Fenster weg und setzte sich an den Tisch, wo Jenga und Mensch-ärgere-dich-nicht ordentlich zusammen standen.

„Hat das Spiel Spaß gemacht?“, fragte sie einfach in den Raum hinein und zog zwei rote Figuren aus der Schachtel mit dem Kleinkram. Hakyeon setzte sich in Bewegung und ließ sich gegenüber von Sophia am Tisch nieder.

„Ja sehr“, antwortete er dann und Sophia blickte in ein strahlendes Gesicht. Sie lächelte und wollte auf einmal mehr wissen.

„Jan meinte, ihr seid in einer Band. Was für eine Art Band ist das? Singt einer und der Rest spielt Instrumente, wie zum Beispiel Imagine Dragons?“

„Nein, wir sind alle Sänger“, stellte er klar.

„Ah cool. Und wie heißt eure Band?“ Sophia war nun wirklich neugierig.

„VIXX.“

„Pix? Also P-I-X?“, fragte Sophia nach, worauf er den Kopf schüttelte.

„Nein. V-I-X-X.“ Ungewöhnlicher Name.

„Wofür steht es?“, kam von ihr die nächste Frage.

„Voice, Visual, Value in excelsis“, erklärte er und sie legte den Kopf leicht schief. Eine englische Bezeichnung. Klang aber nicht schlecht.

„Und habt ihr alle Künstlernamen wie Sanghyuk oder Jung Taekwoon?“

„Ehm, fast alle. Hongbin nicht. Meiner lautet N.“

„Wie der Buchstabe?“ Wieder nickte er.

„Und die anderen?“

„Jaehwan heißt Ken und Wonshik Ravi.“ Sophia dachte kurz über die Namen nach.

„Klingt cool und einfach“, stellte sie schließlich fest und Hakyeon lächelte zufrieden.

„Und ihr seid alle in etwa gleich alt?" Hakyeon schüttelte den Kopf.

„Nein, wir haben einen Unterschied von bis zu fünf Jahre. Sanghyuk ist der Jüngste, geboren 1995.“

„Ah, einen Moment“, meinte Sophia, der eine Idee gekommen war und deshalb kurz aufstand, um aus einer Schublade einen kleinen Block und einen Kugelschreiber zu holen. Mit beiden setzte sie sich wieder hin.

„Damit ich mir das auch richtig merke“, erklärte sie freundlich und schrieb die Künstlernamen untereinander, einfach deshalb, weil sie sich nicht sicher war, wie man den Rest richtig schrieb. Dann fügte sie hinter Hyuk das Jahr 1995 an, bei Hongbin 1994.

Hakyeon sah dies und fragte, ob er den Zettel haben dürfte. Etwas verwundert darüber, schob sie Stift und Block ihm zu. Hakyeon begann, etwas hinter jeden zu schreiben, ehe er es wieder Sophia reichte.

Erstaunt stellte sie fest, dass er nicht nur die Jahreszahlen hingeschrieben hatte, sondern auch die richtigen Namen.

„Danke“, sagte Sophia, als sie wieder aufblickte und ihn anlächelte.

„Wir sollten schlafen gehen“, meinte Sophia dann und stand auf. Sie riss den oberen Zettel ab, räumte Block und Stift wieder weg und folgte dann Hakyeon nach oben, wo sich beide noch gute Nacht wünschten.

Bevor Sophia selbst das Licht in ihrem Zimmer löschte, las sie den Zettel richtig. Zunächst war sie erstaunt über die Schreibweise der jeweiligen Namen. Ihr fiel auch auf, dass Hakyeon nicht oft in der lateinischen Schrift schrieb. Am Ende sah sie, dass er und Taekwoon die Ältesten waren. Geboren waren sie 1990 und somit ein Jahr jünger als Mathias, aber vier Jahre älter als sie selbst.

Jaehwan war 1992 geboren, Hongbin und Wonshik 1993 und Sanghyuk wusste sie nun auch. Er war in dem Alter wie der Großteil ihrer Klassenkameraden. Schließlich war Sophia mit einer der ältesten, weil sie nach dem Tod ihrer Eltern ein Schuljahr in der Grundschule hat wiederholen müssen.
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