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120 kleine Augenblicke

von Amarice
SammlungFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
Gabrielle Xena
18.04.2020
03.04.2021
17
44.947
5
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8 Reviews
Dieses Kapitel
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09.07.2020 3.650
 
Disclaimer: Alle Charaktere aus „Xena: Warrior Princess“ gehören MCA/Universal und Renaissance Pictures. Keine Copyright-Verletzungen sind mit dieser Geschichte beabsichtigt.

Einordnung: Keine besondere Staffel.

Genre: Humor

Inhalt in einem Satz: Aphrodite kommt Xena und Gabrielle zu Hilfe, muss dies am Ende aber bereuen.


Eden – (Garten) Eden

Im Kampf schwer verletzt und von der Göttin Hera und deren entflammtem Zorn verfolgt, hatte Xena, gestützt, fast schon getragen durch Gabrielle, in einer Höhle Zuflucht gefunden. Ihnen beiden allerdings war klar, dass sie sich nicht lange würden verstecken können. Schließlich war es nicht leicht, eine Göttin hinters Licht zu führen. So vergingen gerade einmal wenige Minuten, bis goldenes Funkeln die Höhle erfüllte. Doch zu ihrer beider Erleichterung war es nicht Hera, sondern die Liebesgöttin Aphrodite, die bei ihnen manifestierte.  

Die Göttin, rosafarben und luftig bekleidet, beäugte die beiden Frauen skeptisch, insbesondere Xena, die mit mehreren gebrochenen Rippen, einem ausgekugelten sowie gebrochenen Arm und zwei tiefen sowie unzähligen kleinen Wunden auf ihrem Körper, insbesondere ihrem reichten Bein, zu Boden gesunken war, während Gabrielle bemüht war, auf die Schnelle das Schlimmste zu richten. „Grausig, wie sie dich zugerichtet hat“, waren schließlich die ersten Worte, die die Göttin sprach, während sie den Mund angewidert verzog. „So viel Blut, das kann ich gar nicht sehen.“

„Dann sieh eben weg!“, schnappte Gabrielle, die hektisch damit beschäftigt war, die Blutung der beiden tiefen Wunden zu stillen. „Was willst du denn? Wir haben im Moment wirklich keine Zeit für dich!“

„Aua“, schmollte Aphrodite, wobei sie sich theatralisch eine Hand gegen die Brust presste. „Ich will doch bloß helfen. Wisst ihr, Hera ist eine Ziege! Sie plant mindestens drei meiner Tempel in Schutt und Asche zu legen, um sich dort eigene aufbauen zu lassen. Es ist wirklich nicht zu fassen! Wie kann sie mir das antun?!“

„Aphrodite! Komm zur Sache!“

„Ich bin bei der Sache! Ich erkläre euch doch gerade, dass ich sie hasse. Ich hasse sie wirklich! Und ich gönne ihr nicht den kleinsten, nicht einmal den allerkleinsten Triumph. Und deswegen werde ich euch vor ihr verstecken.“

„Verstecken?“

„Ja!“ Die Göttin gluckste erfreut. „In meinem geheimen Garten. Er trägt den wundervollen Namen Eden.“

Einen Augenblick lang sahen sowohl Gabrielle als auch Xena interessiert zu Aphrodite auf. Denn momentan konnten sie wirklich jede Hilfe brauchen, die sich ihnen bot. Aphrodite, sichtlich geschmeichelt von der Aufmerksamkeit, die plötzlich auf ihr ruhte, lächelte breit. „Ich bringe euch gleich hin, ja?“

Xena nickte kaum merklich, doch mehr brauchte es auch nicht. Schon schnippte die Göttin mit den Fingern und kurz darauf fanden sich alle drei in einem weitläufigen Garten wieder. Stolz zeigte Aphrodite in verschiedene Richtungen, wobei sie eifrig erklärte: „Hier in der Mitte ist mein kleiner See mit einem süßen Ruderboot. Das könnt ihr euch gerne ausleihen und ein paar Runden drehen, also wenn unsere kleine Freundin …“ Sie kicherte unpassenderweise. „… wieder auf den Beinen ist. Dort im Norden schließt das verzauberte Wäldchen an. Zwei Einhörner leben darin, nicht erschrecken, falls ihr sie trefft, die sind ganz harmlos. Westlich von uns ist der Blumengarten. Der größte Teil besteht aus Rosen, die müsst ihr euch unbedingt ansehen. Und letztendlich findet ihr im Osten den Obstgarten. Da könnt ihr euch gerne bedienen, aber …“

„Aphrodite!“, presste Xena zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, die totenbleich auf Gabrielle gestützt dastand und so aussah, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen. Gabrielle selbst war ganz rot im Gesicht, bedingt durch Xenas Gewicht auf ihren Schultern, und so erkannte selbst Aphrodite, dass der Garten wohl gerade nicht oberste Priorität besaß. „Ja, ja, natürlich“, sagte sie schnell. „Wartet, ich bringe euch direkt in mein kleines Gartenhäuschen. Dort kannst du in Ruhe gesund werden.“

Ein Schnippen später befanden sie sich in besagtem Häuschen, das in Wirklichkeit groß genug war, um den Namen Haus zu tragen. Aphrodite hatte sie direkt in ein geräumiges, sehr hübsch eingerichtetes, rosafarbenes Schlafzimmer gebracht. Erleichtert half Gabrielle Xena dabei, sich auf das Bett zu legen, während Aphrodite die Einrichtung durch eine Menge sauberer Tücher sowie eine große Schüssel frischen Wassers ergänzte. Auch mehrere Schälchen mit Salben und Kräutern zauberte sie herbei. „Damit kannst du sie versorgen. Ich würde ja helfen, aber Blut und so … das ist nicht meins. Und heilen könnte ich sie nur mit dem Segen Athenes. Na ja, das wäre auch nicht so gut. Soll ja niemand wissen, dass ihr hier seid, nicht wahr?“

„Schon gut, Aphrodite“, keuchte Xena, die einfach gerne die Augen geschlossen hätte. Sie fühlte sich so erschöpft wie lange nicht mehr. Doch eine Frage musste sie noch geklärt wissen. „Und du bist sicher, dass uns hier niemand findet?“

„Glaub mir, Xena, dieser Garten ist mein Geheimnis. Die anderen Göttinnen und Götter wissen nichts davon. Also das heißt … nur … ähm …“

„Aphrodite!“

„Nur Ares“, sagte diese da schnell und presste sich die Hände vor die Augen.

„Ares?!“ Xena schoss senkrecht in die Höhe, wobei sie unwillkürlich aufschrie und von Gabrielle sanft zurück in die Kissen gedrückt werden musste. Aphrodite kicherte ein wenig hysterisch. „Ares würde dich nicht verraten. Und bestimmt bekommt er auch gar nicht mit, dass du hier bist. Der ist beschäftigt. Ein Krieg hier und ein Krieg dort. Du weißt ja, wie er so ist.“

„Grhmp“, brummte Xena

„Eine Sache noch, bevor ich euch verlasse. Ihr könnt bleiben, solange ihr wollt, machen, was euch gefällt, aber eines dürft ihr auf gar keinen Fall: Esst nicht von dem Baum mit den goldenen Äpfeln! Das verbiete ich euch! Verstanden?!“

„Ja, ja“, sagte Gabrielle desinteressiert, da sie längst auf die Versorgung von Xenas Wunden konzentriert war. Aphrodite schien dennoch recht zufrieden mit ihrer Antwort, denn sie winkte ein letztes Mal, ehe sie in goldenem Funkeln verschwand und die beiden alleine zurückließ. „Endlich“, stieß Xena erleichtert hervor. Sie schloss ihre Augen, ganz darauf vertrauend, dass Gabrielle wusste, was zu tun war, und gab sich ihrer Erschöpfung hin.

*****


Seit knapp einem Monat lebten die beiden Frauen nun schon in Aphrodites Garten. Xena war wieder auf den Beinen und erholte sich von Tag zu Tag ein Stückchen mehr, was darin resultierte, dass ihr allmählich langweilig wurde. Sie brannte darauf, den Garten zu verlassen und Hera die Leviten zu lesen. Doch da ihr Schwertarm noch immer nicht voll einsatzfähig war und auch das rechte Bein nicht ganz so funktionierte, wie es sollte, hielten beide Frauen es für ratsam, ihren Aufenthalt noch etwas in die Länge zu ziehen. Die Langeweile allerdings brachte Xena auf wenig vernünftige Gedanken. So versuchte sie Gabrielle dazu zu überreden, mit ihr um die Wette zu tauchen oder eines der Einhörner einzufangen. Gabrielle, die die ruhige Zeit nutzte, um ihre Schriftrollen zu pflegen, hatte auf solche Aktionen jedoch überhaupt keine Lust und so streifte Xena oft allein durch die Wälder und Gärten. Eines Tages, als sie sich gerade im Obstgarten befand und die ein oder andere Beere pflückte, erfasste sie ein seltsames Gefühl. Sie verharrte kurz, dann kam die Erkenntnis. „Ares!“, zischte sie und schon im nächsten Moment manifestierte der Kriegsgott höchstpersönlich vor ihr.

„Hallo, Xena. Mein Schwesterherz hat mir erzählt, dass du hier bist und dich vor Hera versteckst. Das sieht meiner Kriegerprinzessin ja gar nicht ähnlich.“ Er grinste frech und breit und beobachtete amüsiert, wie sich Xenas Augenbrauen gefährlich zusammenzogen.

„Ich verstecke mich nicht“, verteidigte sich diese auch sofort. „Ich war verletzt und hatte keine Lust, von Hera in kleine Stückchen zerlegt zu werden. Aber lange werden wir hier nicht mehr bleiben und dann geht es deiner lieben Mutter an den Kragen!“

Ares lachte schallend auf. „Das ist meine Kriegerprinzessin, wie ich sie kenne. Warum kommst du nicht mit zu mir bis dahin? Mein Palast ist viel beeindruckender als dieser langweilige Garten. Du darfst sogar deine komische Bardin mitbringen. Ich habe schließlich auch Haustiere, die ich nicht missen möchte.“

„Haha“, machte Xena und funkelte ihn böse an. „Verzieh dich, Ares, ich möchte hier in Ruhe …“ Sie brach ab, da sie im Grunde gar nichts tat und auch nicht wusste, was sie ihm erzählen könnte, das sie in Ruhe tun wollte.

„Was?“, hakte Ares unschuldig nach.

„Ach, verschwinde doch einfach!“

Ares tat nichts dergleichen, stattdessen zog er einen Kreis um Xena. „Du möchtest hier im Garten in Ruhe ein paar Beeren sammeln? Zurück zum beschaulichen Dorfleben?“ Er kicherte, woraufhin Xena ihm den Ellenbogen in die Rippen rammte. Ares‘ Lachen verstärkte sich, dann wurde er plötzlich ernst. „Hat sie euch verboten, von den goldenen Äpfeln zu essen?“, frage er und klang dabei recht unschuldig.

„Ja. Warum?“

„Nur so.“

Xena hob eine Augenbraue. „Was ist mit den Äpfeln?“

„Das hat sie nicht euch nicht gesagt, was?“ Unschuldig zwinkerte er sie an.

„Nein“, sagte Xena gedehnt und schaute fragend zu ihm. Doch plötzlich kam es ihr, dass sie genau so reagierte, wie Ares sich das wünschte. Und das gefiel ihr überhaupt nicht. Schnell setzte sie eine desinteressierte Miene auf. „Es ist mir aber auch egal. Ich mag sowieso keine Äpfel.“

„So, so“, sagte Ares, abermals mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.

Xena verdrehte ihre Augen, dann marschierte sie los, in der Absicht, in einfach stehen zu lassen. Doch so schnell ließ er sich nicht abwimmeln. „Glaub ja nicht, dass an den Äpfeln irgendetwas Böses wäre“, sprach er, während er ihr folgte. „Sie möchte sie nur nicht mit euch teilen. Weil diese Äpfel das bei Weitem beste Obst sind, das Schwesterherz in ihrem Garten hat. Ich schwöre dir, Xena, so gute Äpfel hast du dein Lebtag noch nicht gegess…“

„Was ist denn bloß los mit dir?“ Xena fuhr zu ihm herum. „Lass mich doch mit diesen blöden Äpfeln in Frieden und verschwinde endlich!“

„Nicht blöd, Xena. Traumhaft gut. Das kannst du mir glauben. Aber nun muss ich mich wieder meinen Geschäften widmen.“ Mit diesen Worten löste er sich in einem Schein aus blauem Licht auf. Xena sah ihm einen Augenblick lang verwundert hinterher, dann verließ auch sie den Obstgarten, um zurück zu Gabrielle zu gehen.

*****


Ares‘ Besuch lag inzwischen ein paar Tage zurück und Xena erinnerte sich kaum mehr daran. Es war ein heißer, sonniger Nachmittag und sie saß neben Gabrielle am See. Beide ließen sie ihre Beine ins kühle Nass baumeln. Neben sich hatten sie einen Krug Wein sowie zwei Becher stehen. Sie hatten das Getränk im Keller gefunden, den wiederum sie erst vor zwei Tagen entdeckt hatten. Und nachdem Aphrodite ihnen erlaubt hatte, zu machen, was sie wollten, und ihnen nicht verboten hatte, sich an ihrem Wein zu bedienen, hatten sie beschlossen, sich ein, zwei oder auch mehr Becher zu genehmigen. Normalerweise ließen sie die Finger vom Alkohol, aber nachdem ihnen in diesem Garten keinerlei Gefahr drohte und es somit keinen Grund gab, einen nüchternen Kopf zu bewahren, gaben sie sich dieses eine Mal dieser Unvernünftigkeit hin. Und in ebendieser Situation fielen Xena urplötzlich die goldenen Äpfel wieder ein. „Ich hab da eine Idee“, säuselte sie und blinzelte Gabrielle unschuldig an.

„Hoffentlich hat diese Idee nicht schon wieder etwas mit den armen Einhörnern zu tun.“

„Nein, nicht mit denen. Mit Aphrodites Äpfeln. Lass uns einen davon essen.“

„Sie hat es doch verboten“, sagte Gabrielle mit vorwurfsvollem Ton in der Stimme.

„Sie wird es nicht gar mitkriegen. Auf dem Baum hängen Hunderte davon. Wir nehmen auch nur einen. Komm schon, Gabrielle.“

„Sie hat es verboten“, beharrte Gabrielle. „Was, wenn sie giftig sind?“

„Sind sie nicht.“

„Woher willst du das wissen?“

„Ich weiß es eben. Ich hatte … Besuch.“ Xena kicherte albern.

„Besuch? Von wem? Wo? Und warum weiß ich nichts davon?“

„Ach, war ja nicht von Bedeutung. Es war nur Ares.“

„Ares!“, rief Gabrielle erbost aus. „Du hattest Besuch von dem und sagst mir nichts? Und überhaupt: Nur weil der behauptet, die Äpfel seien nicht giftig, muss das noch lange nicht wahr sein!“

„Gabrielle, sei nicht albern. Er würde vieles tun, aber mich doch nicht dazu bringen, vergiftete Äpfel zu essen. Der steht auf mich und will mich nicht umbringen.“ Wieder kicherte sie. „Die Äpfel sind vollkommen ungefährlich und daher werden wir jetzt einen essen.“

„Werden wir nicht! Sie hat es verboten!“

„Ach Gabrielle, du bist immer viel zu vernünftig. Trink doch noch was, während ich uns den Apfel hole.“

Mit diesen Worten stand Xena auf und eilte, so schnell ihr kaputtes Bein dies erlaubte, in Richtung des Obstgartens davon. Gabrielles Proteste in ihrem Rücken ignorierte sie. Im Garten und beim entsprechenden Baum angelangt, riss sie den erstbesten Apfel ab, um sich sogleich auf den Weg zurück zu Gabrielle zu machen. Diese blickte ihr vorwurfsvoll entgegen. „Das ist nicht nett. Aphrodite war wirklich gut zu uns!“

„Sie hat ja keinen Schaden. Ein Apfel mehr oder weniger, was spielt das schon für eine Rolle?“ Dies gesprochen, hielt sie die Frucht ein Stück weit vor sich in die Höhe und betrachtete sie anerkennend. „Wirklich schön, diese goldene Farbe. Nicht wahr?“

Gabrielle war noch immer leicht verstimmt und antwortete nicht. Xena nahm dies schulterzuckend zur Kenntnis, um gleich darauf herzhaft und ohne zu zögern in den Apfel zu beißen. „Bei allen guten Göttern, der schmeckt großartig!“

„Wirklich?“ Neugierig schielte Gabrielle in Xenas Richtung.

„Oh ja!“

Neidisch beäugte Gabrielle die goldene Frucht. Wie gern würde sie sie auch einmal probieren. Doch Aphrodite hatte es verboten. Resolut riss sie also ihren Blick vom Apfel los und richtete ihn stattdessen auf Xena. Sie stutzte und zog verwirrt ihre Stirn in Falten. Irgendwie erschien ihr die Kriegerin verändert. Aber egal, wie sehr sie überlegte, sie vermochte nicht zu sagen, worin diese Veränderung beruhte. Womöglich irrte sie sich auch. Ja, wahrscheinlich war nichts dahinter. Mit einem Kopfschütteln verwarf sie ihre Gedanken und sah zurück zu dem Apfel. Lüstern.

„Und du magst wirklich nichts?“, fragte Xena, ehe sie einen zweiten und dritten großen Bissen nahm, nur um den Apfel gleich darauf dicht unter Gabrielles Nase zu halten.

„Nein“, brummte diese und schnupperte gierig. Kurz rang sie noch mit sich, dann riss sie die Frucht mit einer schnellen Handbewegung an sich. „Gib her. Lass mich beißen!“ Sprachs und tat es. Denn, so dachte sie, der Schaden war ja bereits geschehen, was spielte es da schon für eine Rolle, ob Xena alleine den Apfel aß oder sie sich daran beteiligte. Sie hatte noch nicht einmal heruntergeschluckt, als zwei Geräusche gleichzeitig erklangen: ein hysterisches Kreischen sowie ein amüsiertes, dröhnendes Lachen.

„Aphrodite!“, piepte Gabrielle erschrocken.

„Ares!“, zischte Xena weniger erschrocken.

„Wow!“, sagte dieser.

„Ihr Verräterinnen!“, heulte jene.

„Verräterinnen hin oder her, du kannst nicht leugnen, dass das Resultat wirklich … gelungen ist“, warf Ares mit Blick in Richtung seiner Schwester ein, bevor er sich Xena zuwandte und sie mit anerkennendem Nicken sowie unverhohlener Gier von oben bis unten musterte.

„Was ist denn …“

… los?, setzte Xena zu einer irritierten Frage an, doch dabei streiften ihre Augen Gabrielle und sie brach ab. Irgendetwas kam ihr seltsam an ihr vor. Ein eigenartiges Strahlen schien von ihr auszugehen, ihre Haut war makellos und das Haar glänzte auf erstaunliche Art und Weise. Und da begriff sie. „Oh“, sagte sie.

„Oh“, äffte Aphrodite sie nach.

„Oh“, lachte Ares.

„Oh, was?!“, wollte Gabrielle wissen.

„Ihr seid schön!“, keifte Aphrodite. „Das ist gemein! Das sind meine Äpfel! Meine Schönheitsäpfel! Das durftet ihr nicht!“ Nun fing sie auch noch an zu weinen und Gabrielle wurde ganz schrecklich nervös. „Aber Aphrodite, du bist doch immer noch viel schöner als wir“, versuchte sie die Göttin zu beschwichtigen, doch das machte die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Die Göttin brauste noch weiter auf. „Natürlich bin ich schöner als ihr! Was denkst du denn?! Aber jetzt fehlt mir ein Apfel und ihr seid schöner geworden, als ihr vorher wart, und seht nun aus wie Göttinnen. Das mag ich nicht! Das geht nicht! Das ist gegen alle Regeln! Und der da …“ Wütend zeigte sie auf Ares. „… diese hinterhältige Schlange, die ich für meinen Lieblingsbruder hielt, findet das urkomisch und lechzt geradezu danach, die da …“ Nun flog ihr Finger in Richtung Xena. „… in sein Bett zu bekommen!“

„Aber das wollte er doch schon immer“, warf Gabrielle hilflos ein.

„Jaaaa, aber jetzt erst recht, weil sie schööööööön ist“, heulte sie langgezogen. „So schön wie eine Göttin.“

„Du meine Güte!“ Xena verdrehte ihre Augen. „Ich hatte doch nur einen halben Apfel und du hast noch ganz viele davon.“

„Aber einer fehlt jetzt!“

„Ja. Schön. Tut mir leid, dass ich einen deiner Äpfel genommen habe“, sagte Xena und verdrehte die Augen noch einmal ganz kräftig, was Aphrodite allerdings entging, da sie mit Weinen beschäftigt war.

„Tut uns wirklich leid“, murmelte Gabrielle. „Wenn wir gewusst hätten, dass das deine Schönheitsäpfel sind, hätten wir keinen genommen.“

Aphrodite hörte auf zu weinen, zog aber immer noch einen Schmollmund. „Ich hatte es euch verboten. Aber gut, ich nehme eure Entschuldigung an. Trotzdem könnt ihr keinen Tag länger hierbleiben.“

„Aber …“

„Kein Aber. Strafe muss sein!“

„Aber Hera tötet uns …“, versuchte Gabrielle einzuwenden, doch Aphrodite unterbrach sie: „Mir egal. Das hättet ihr euch vorher überlegen sollen. Bevor ihr meine Regeln gebrochen habt. Ihr könnt entweder zurück auf die Erde und versuchen, euch Hera vom Hals zu halten, obwohl du deinen Arm und dein Bein noch nicht richtig benutzen kannst. Oder ihr geht mit zu dem da!“ Wieder zeigte sie auf Ares. „Der findet das alles ja total witzig …“

„Allerdings!“, lachte Ares.

„… dann kann er euch auch helfen. Hier jedenfalls könnt ihr nicht bleiben!“

„Mein Tor steht immer offen für dich und dein Hündchen“, sagte Ares mit einem unverschämt breiten Grinsen auf den Lippen und verbeugte sich dabei theatralisch vor Xena. Diese funkelte den Kriegsgott zornig an. „Das hast du von Anfang an so geplant! Das ist alles deine Schuld!“

Er zuckte mit den Schultern, doch noch ehe er etwas erwidern konnte, sprang Aphrodite mit mahnend erhobenem Zeigefinger dazwischen. „Halt mal schön deinen Mund! Ihr beide …“ Sie zeigte auf Xena und Gabrielle. „… habt das Verbot selbst gebrochen. Das hat nicht er getan. Das wart ihr. Ihr allein. Und nun reiß dich zusammen und leb mit den Konsequenzen!“

Mit offenem Mund starrte Xena die Liebesgöttin an. Tatsächlich fehlten ihr die Worte angesichts einer solchen Rüge. Niemand hatte es je gewagt, so mit ihr zu sprechen. Niemand, außer ihrer Mutter.

„Da hat sie schon recht“, murmelte nun sogar Gabrielle, die betrübt den Kopf hängen ließ. Xena verdrehte daraufhin zum dritten Mal ihre Augen, sah aber ein, dass sie nicht in der Position war, Widerworte zu leisten, denn, ja verdammt, die zwei hatten wirklich recht. „Also schön. Wir haben wohl keine andere Wahl, als dein Angebot anzunehmen“, sagte sie grummelnd in Richtung Ares. „Dann bring uns eben weg von hier.“

„Wie sagt man da?“

„Jetzt sofort oder es knallt!“

Ares verschränkte die Arme vor der Brust.

„Bitte?“, versuchte es Gabrielle, entlockte dem Kriegsgott jedoch nur ein müdes Kopfschütteln. „Sie muss es sagen oder ich werfe euch Hera zum Fraß vor – obwohl das wirklich eine Verschwendung wäre im Moment.“

„Du widerwärtiger, schamloser Verführer und Lustmolch!“, zischte Xena kaum hörbar, doch dann riss sie sich zusammen, denn es half ja alles nichts. Sie war körperlich einfach noch nicht in der Verfassung, um es mit Hera aufzunehmen. Da war es besser, die wenigen Götter, die ihr noch einigermaßen freundlich gesinnt waren, nicht auch noch zu verstimmen. „Danke, Aphrodite, dass wir hier sein durften“, sagte sie also lieblich, „und bitte, Ares, bring uns nun weg von hier und mit zu dir. Wir sind dir sehr dankbar ob deines Angebots.“

„Geht doch.“ Er grinste, dann fügte er unschuldig in Richtung der Liebesgöttin hinzu: „Aphrodite, Schwesterherz, wie lange wirken denn deine Äpfel?“

„Eine Woche. Sie hatte aber nur einen halben. Du solltest sie also besser innerhalb der nächsten drei Tage verführen. Sonst musst du dich mit der hässlichen Version zufriedengeben!“

„Also entschuldige mal, du musst ja nicht gleich beleidigend werden“, sagte Xena, wobei sie erbost ihre Hände in die Hüften stemmte.

„Das ist die Wahrheit. Und nun husch, weg mit euch. Ich will euch nicht mehr sehen, bis ihr wieder hässlich seid.“

„Also wirklich …“, beschwerte sich nun auch Gabrielle. Doch im nächsten Moment löste sie sich auch schon in Luft auf, um kurz darauf zusammen mit Xena und Ares in einer düsteren, kalten Halle zu manifestieren. Sie verzog ihre Nase. Im Vergleich zu dem Garten war das wirklich hässlich. „Was ist das hier?“, wollte sie entsetzt wissen.

„Mein Privatpalast. Die anderen Götter und Göttinnen kennen ihn nicht. Hierhin ziehe ich mich zurück, um … den weltlichen Freuden zu frönen. Ein bisschen Wein, eine hübsche Sterbliche. Ein wundervoller Ort, nicht wahr? Kommt mit. Ich zeig euch eure Zimmer.“

Wenig begeistert folgten ihm Xena und Gabrielle. Das Zimmer der Letzteren bestand aus einem alten Bett sowie einer eingestaubten Kommode, auf der eine Waschschüssel stand, deren Wasser mehrere Wochen alt zu sein schien. Außerdem lag ein kleiner, schmutziger Hund auf einem nicht minder schmutzigen Teppich, der die Ankömmlinge unfreundlich anknurrte. „Das ist Zerberus junior. Eigentlich ist es sein Zimmer, du wirst es mit ihm teilen müssen“, erklärte Ares.

„Ah ja“, murmelte Gabrielle und freute sich bereits jetzt auf die kommende Nacht.

Xena traf es objektiv betrachtet besser. In ihrem Gemach befanden sich ein großes, durchaus bequem aussehendes Bett mit seidenbezogener Bettwäsche sowie eine Kommode samt Spiegel, Waschschüssel, einer Haarbürste sowie mehreren Fläschchen, in denen sich Parfüms und Massageöle zu befinden schienen. Subjektiv betrachtet allerdings hatte sie das Gefühl, es noch schlechter getroffen zu haben als Gabrielle. Mit Blick auf Ares verzog sie abfällig die Mundwinkel. „Ich weiß genau, was du vorhast. Und die Antwort ist nein.“

„Ach meine Liebe, wir haben doch genügend Zeit, uns einander anzunähern.“

„Drei Tage. Dann bin ich wieder hässlich“, sagte sie, nicht ohne einen gewissen Ton des Triumphs in der Stimme.

Ares lachte leise auf. „Netter Versuch. Aber ich muss dich enttäuschen. Hässlich ist nun wirklich nicht das richtige Wort für dich. Aber nun lass ich euch erst mal allein, wir sehen uns dann heute Abend zum Essen.“

Er zwinkerte ihr zu, dann war er auch schon verschwunden. Xenas Blick wanderte langsam zu Gabrielle, die sie mit gerunzelter Stirn nicht gerade freundlich ansah. „Gute Idee, diesen Apfel zu essen, wirklich sehr gute Idee. Ich hoffe, du wirst sehr schnell wieder ganz gesund, Xena.“

„Das hoffe ich auch“, murmelte diese und ließ sich frustriert auf das Bett fallen. Was hatte sie sich da bloß eingebrockt?
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