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120 kleine Augenblicke

von Amarice
Kurzbeschreibung
SammlungFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
Gabrielle Xena
18.04.2020
14.02.2022
23
68.733
6
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
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21.04.2020 1.558
 
Disclaimer: Alle Charaktere aus „Xena: Warrior Princess“ gehören MCA/Universal und Renaissance Pictures. Keine Copyright-Verletzungen sind mit dieser Geschichte beabsichtigt.

Einordnung: „Many Happy Returns“ – „Happy Birthday, Gabrielle“ (Staffel 6, Episode 19)

Genre: Liebe (Xena/Gabrielle)

Inhalt in einem Satz: Xena überreicht Gabrielle das Gedicht, das Sappho für sie geschrieben hat.
Der Anfang der Geschichte entspricht dem Ende der Serie. Die Originalzitate stammen aus der deutschen Übersetzung der Episode.


2. Love – Liebe

Gabrielle nahm die Schriftrolle, die Xena ihr in den Schoß gelegt hatte, und öffnete sie.

„Ich hab Sappho gebeten, was für dich aufzuschreiben“, erklärte Xena, ein Lächeln auf ihren Lippen.

Gabrielle erstarrte bei diesen Worten. Ungläubig richtete sie ihren Blick auf ihre beste Freundin. „Ein Gedicht?!“, rief sie überrascht aus, wobei sie ihre Augen über die Schriftrolle gleiten ließ. Freudige Erregung durchflutete sie. „Sappho hat ein Gedicht für mich geschrieben! Ich fass es nicht!“

Nachdem die erste Euphorie verklungen war, suchte sie abermals Xenas Blick. „Das hattest du die ganze Zeit vor, nicht wahr?“, fragte sie sanft, fast liebevoll, mit einem zärtlichen Strahlen in den Augen. Xena fühlte sich ganz eigentümlich dabei, auf diese Weise betrachtet zu werden, sodass sie nur ein stummes, ja fast verlegenes Nicken zustande brachte.

Gabrielle jedoch hatte sich bereits wieder dem Gedicht zugewandt, das sie nun vorzulesen begann:

„Manchmal wenn ich dich so ansehe,
Bringe ich plötzlich kein Wort mehr heraus.
Meine Zunge ist gelähmt,
Dann brennt das Blut unter meiner Haut
Und ich erzittere
Und erbleiche, weil ich sterbe vor Liebe –
Zumindest scheint es mir so.“

Als Gabrielle geendet hatte, breitete sich Stille aus zwischen den beiden Frauen. Einzig das Rauschen des Meeres im Hintergrund war zu hören. Es dauerte lange, bis Gabrielle wieder etwas sagte. „Das war … wundervoll“, wisperte sie und sah Xena in die Augen. Diese zuckte lächelnd mit den Schultern und öffnete ihre Lippen, darauf aus, eine seichte Bemerkung von sich zu geben, aber aus irgendeinem ihr unerklärlichen Grund fehlten ihr plötzlich die Worte. Sie schluckte, richtete den Blick kurz auf ihre Zehen, dann zurück zu Gabrielle. Entschlossen unternahm sie einen erneuten Ansatz, etwas zu sagen, das Schweigen zu brechen, ihre Zunge jedoch war wie gelähmt. Tausend Worte schwirrten ihr im Kopf herum, heraus brachte sie keines davon. Stattdessen guckte sie einfach nur. In Gabrielles Augen, in ihr Gesicht, hingerissen davon, wie bezaubernd sie war, ihr gegenübersitzend, mit diesem eigentümlichen Strahlen im Gesicht. Sirenengleich. Sexy. Augenblicklich spürte Xena, wie ihr bei diesen Gedanken die Röte ins Gesicht schoss. Ihre Wangen brannten mit einem Mal lichterloh und sie war sich sicher, dass das sogar im nur noch schwachen Licht der Abenddämmerung zu erkennen sein musste. Sie wünschte sich, im Boden zu versinken. Was war bloß los?!, fragte sie sich, doch noch ehe sie nach einer Antwort forschen konnte, erhob sich Gabrielle von ihrem Felsen und trat auf sie zu. „Danke, Xena! Das ist ein großartiges Geschenk“, flüsterte sie und breitete ihre Arme aus.

Zögerlich stand Xena auf. Ihr Herz schlug viel schneller als gewöhnlich und, schlimmer noch, sie zitterte. Einen Augenblick lang fürchtete sie sogar, ihre Beine würden sie nicht tragen. Doch zu ihrer eigenen Verwunderung hielt sie ihr Gleichgewicht, selbst dann als Gabrielle sich weiter näherte und die Arme um sie legte. Wieder durchlief sie ein Beben, stärker als zuvor, und sie spürte, wie das Feuer, das ihr gerade noch ins Gesicht und unter die Haut geschossen war, schlagartig entwich. Zu allem Überfluss schien Gabrielle ihren eigentümlichen, ihr selbst unbegreiflichen Zustand nun zu bemerken. Denn sie löste sich von ihr und blickte sie mit schiefgelegtem Kopf fragend an. „Alles in Ordnung mit dir? Du bist ja totenbleich.“

„A-alles …“

Alles bestens, wollte sie sagen, aber dann verfingen sich ihre Augen in denjenigen Gabrielles und wieder versagte ihr die Stimme. In ihren Ohren dröhnte es und seltsamerweise hallte plötzlich Sapphos Gedicht, insbesondere dessen Ende, in ihnen wider. … weil ich sterbe vor Liebe … sterbe vor Liebe … vor Liebe …, echote es in ihrem Kopf. Und das war der Moment, in dem sie schlagartig und schonungslos begriff. In dem sie verstand, was los mit ihr war, und in dem sie sich fragte, wie sie nur all die Zeit hatte so blind sein können. Sie schluckte schwer und ihr erster Impuls war es, zu fliehen, den Rückzug anzutreten, denn schließlich war die Wahrscheinlichkeit, dass Gabrielle auch nur annähernd dasselbe fühlte wie sie, nicht sonderlich hoch. Und sich vor ihr bloßzustellen oder womöglich sogar ihre Freundschaft zu gefährden, das wollte sie nicht. Dennoch, trotz aller Vorsätze, gelang ihr die Flucht nicht. Denn es erschien ihr unmöglich, sich loszureißen, den Blick auch nur ein Stück weit von Gabrielle abzuwenden. Schlimmer noch, schien ihr Körper plötzlich eine Art Eigenleben zu führen. Denn ohne dass sie es zu verhindern vermochte, lag mit einem Mal ihre Hand auf Gabrielles Schulter, wo ihre Finger sanft über deren Haut strichen. Bei der Berührung entflammte sie, liefen Feuerszungen lodernd ihren Arm hinauf und Rücken hinab bis zu ihrem Herzen, so heiß, so schmerzhaft schön. Doch plötzlich, wie aufgerüttelt von dem Brennen in ihr, erwachte ihr Verstand zu neuem Leben. Bei allen Göttern! dachte sie voller Entsetzen über ihr Tun und riss ruckartig ihre Hand zurück, wobei sie stammelnd hervorpresste, sich um Argo kümmern zu müssen. Sie wandte sich ab, wollte von dannen eilen, aber Gabrielle ließ es nicht zu. Ihr Arm schoss nach vorne und fest schlossen sich ihre Finger um Xenas Handgelenk.

„Warte!“, rief sie aus. „Xena, was ist los? Du verhältst dich …“

Seltsam, hatte sie sagen wollen. Aber sie war verstummt. Denn sie hatte begriffen. Die Art und Weise, wie ihre Freundin vor ihr stand und sie ansah, die Augen groß und weit mit diesem ganz besonderen Funkeln darin, sprach Bände. Gabrielle schluckte und wich einen Schritt zurück, nur um kurz darauf wieder nach vorne zu treten, die Hand in Richtung Xena ausstreckend. Doch mitten in der Bewegung verharrte sie, erschrocken über den eigenen Wagemut, und ließ die Hand sinken.

Unschlüssig standen die beiden Frauen voreinander. Dann sagte Xena ungewohnt leise: „Ich sollte wirklich zu Argo. Sie braucht …“

„Du hast Argo schon vor Stunden versorgt“, flüsterte Gabrielle, deren Herz schnell in ihrer Brust schlug. Lange schon sehnte sie sich danach, mehr für Xena zu sein als die beste Freundin. Und nun, da sie das Begehren in deren Augen sah, wusste sie, dass sie sie nicht gehen lassen durfte. Nicht jetzt. Nicht so. Mit einem schüchternen Lächeln hob sie abermals ihre Hand. Sie bewegte sie auf Xena zu, langsam, vorsichtig, und strich schließlich mit ihren Fingern durch eine Strähne des schwarzen Haares. „Ich fühle genauso“, sagte sie mit rauer Stimme, während sie ihren Arm langsam zurückzog und nur noch die Blicke der beiden Frauen miteinander verschränkt blieben.

Nicht allein die unerwartete Berührung, sondern auch Gabrielles Worte hatten Xena überrascht. Sie wollte etwas sagen, irgendetwas erwidern, brachte aber keinen Ton hervor. Stumm sah sie ihre Freundin einfach nur an. Sah ihr eigenes Begehren in deren Augen gespiegelt. Und dann, nachdem lange Zeit nichts passierte, tat sie es einfach. Überwand die letzte Entfernung zwischen sich und Gabrielle und küsste sie. Sanft und zärtlich zunächst. Dann fordernder, drängender. Ohne sich voneinander zu lösen, sanken sie zu Boden, wo sie sich weiter küssten, sich berührten, streichelten. Erst als sie Luft zum Atmen brauchten, unterbrachen sie den Kuss, doch ihre Hände blieben ineinander verschränkt, die Blicke verbunden.  

„Sappho hat es die ganze Zeit gewusst“, sagte Gabrielle schließlich, die Stille zwischen ihnen durchbrechend. „Ich meine, sie muss es gewusst haben. Dieses Gedicht … Die Worte … Es passt einfach. Woher wusste sie das nur?“

„Keine Ahnung“, entgegnete Xena, und das ein bisschen zu schnell. Gabrielle jedenfalls konnte sie so nichts vormachen. Diese legte ihren Kopf schief und grinste verschmitzt. „Du weißt es! Komm schon, sag es mir!“

Seufzend gab Xena nach. „Sie hat ein paar Fragen gestellt. Sie meinte, sie könne sonst kein passendes Gedicht für dich schreiben. Sie wollte, dass ich von dir erzähle. Sie wollte alles wissen, jedes Detail. Es hat ewig gedauert, bis sie mich endlich gehen ließ. Und als ich das fertige Gedicht am Tag darauf abholen kam, verbot sie mir hineinzusehen, bevor du es tun würdest. Dann lachte sie und sagte, dass sie noch nie eine Frau gesehen habe, die so blind sei wie ich.“ Xena errötete, wohingegen Gabrielle amüsiert kicherte. Mit einem Mal aber wurde sie bleich. „Xena, du hast die arme Frau aber doch nicht … Ich meine, lebt sie noch?!“

„Natürlich lebt sie noch!“, rief Xena gespielt empört aus. „Außerdem will ich jetzt nicht mehr über Sappho reden. Eigentlich will ich gar nicht mehr reden …“ Ihre Augen verdunkelten sich. Sie beugte sich ein Stück weit zu Gabrielle hinüber und strich mit der Spitze ihres Fingers über deren Wange, deren Lippen. Langsam. Unglaublich langsam. Gabrielle hielt vollkommen still. Irgendwann schloss sie die Lider und legte ihren Kopf in den Nacken. Schon fühlte sie Xenas Atem an ihrem Ohr, gefolgt von einem leichten Biss, bevor die Lippen der Kriegerin ihren Hals erst hinab-, dann wieder hinaufwanderten, um sie schließlich zu küssen. Fest und leidenschaftlich. Leise stöhnte Gabrielle auf, während sie den Kuss erwiderte und sich wie von selbst ihre Arme um Xenas Nacken schlangen und ihre Hände in das schwarze Haar der Kriegerin wanderten.

Zärtlich und doch voller Leidenschaft verloren sie sich gänzlich ineinander und schenkten ihrer Liebe eine neue Dimension. Sie waren nicht mehr nur Freundinnen, nicht mehr nur Familie, sondern auch Liebende. Und über alledem – Seelenverwandte.
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