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120 kleine Augenblicke

von Amarice
Kurzbeschreibung
SammlungFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
Gabrielle Xena
18.04.2020
14.02.2022
23
68.733
6
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
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07.11.2020 3.506
 
Disclaimer: Alle Charaktere aus „Xena: Warrior Princess“ gehören MCA/Universal und Renaissance Pictures. Keine Copyright-Verletzungen sind mit dieser Geschichte beabsichtigt.

Einordnung: „Old Ares had a Farm“ – „Ares‘ kleine Farm“ (Staffel 6, Episode 10)

Genre: Freundschaft, Liebe, Humor

Inhalt in einem Satz: Nehmen wir einmal an, der Regen hätte erst später eingesetzt und Xena, Gabrielle und Ares hätten noch länger Zeit gehabt, gemütlich am Kaminfeuer beisammenzusitzen und sich über dies und das zu unterhalten.


Memory – Erinnerung

„Wisst ihr, was wundervoll ist?“, fragte Xena und sah mit funkelnden Augen erst Gabrielle, dann Ares an.

„Was?“, wollte Gabrielle wissen.

„Es ist wundervoll, dass wir hier zusammen am gemütlichen Feuer sitzen.“

„Du hast recht“, stimmte Gabrielle ihr bei. „Das Leben auf einem Bauernhof ist so friedlich.“

Ares hob fassungslos eine Augenbraue. „Seid ihr verrückt geworden? Dieses Leben ist unglaublich öde. Es ist … es ist furchtbar unbequem und es ist hart.“

„Du wirst ganz anders reden, wenn du erst ein paar Schwielen an den Händen hast. Aber lassen wir das. Hilf mir lieber mal.“ Sie stand auf, um sich sämtlicher Waffen zu entledigen, die sie am Körper trug, und diese zwischen sich und Ares auf dem Boden zu verteilen. Dann zog sie zwei Wetzsteine aus der Satteltasche hervor, die neben ihr stand. Einen davon warf sie Ares zu. „Waffen schärfen. Das gefällt dir doch.“

Er zuckte mit den Schultern. „Das ist zumindest besser, als Löcher in den Wänden zu stopfen oder das Dach zu reparieren.“

„Schön, dann fang mal an. Aber Hände weg von meinem Chakram. Das mach ich selbst.“

„Meine Sais bitte auch“, sagte Gabrielle und warf diese mit auf den Stapel. Xena und Ares nickten simultan und ein wenig abwesend, bereits ganz vertieft in ihre Arbeit. Gabrielle, froh darüber, nicht selbst Hand anlegen zu müssen, zog eine Schriftrolle aus der Satteltasche, machte es sich gemütlich und begann zu lesen.

So kehrte eine angenehme Ruhe ein. Es war nichts zu hören außer dem Prasseln des Feuers und den gleichmäßig über die Klingen der Waffen gezogenen Wetzsteinen. Nach einer Weile erhellte plötzlich Gabrielles Lachen den Raum.

„Was liest du da?“, fragte Ares irritiert, mit einem Blick in ihre Richtung, als halte er sie für nicht ganz richtig im Kopf.

„Meine erste Begegnung mit Xena.“ Gabrielle wandte sich zur Seite, sah ihre Freundin an. „Ich war so unglaublich hingerissen und fasziniert von dir. Ich hab da drin …“ Sie deutete auf ihre Schriftrolle. „… regelrecht von dir geschwärmt.“

„Dann hat sich ja seitdem nichts verändert.“

Die Blicke der beiden Frauen trafen sich. Auf Xenas Lippen lag ein verschmitztes Grinsen, das Gabrielle zum Lachen brachte. „Das hättest du wohl gern. Ich hab längst aufgehört, dich so zu sehen wie damals.“

„So, so“, sagte Xena, noch immer grinsend, bevor sie sich wieder ihrem Chakram widmete. Ares dagegen wirkte ganz und gar nicht amüsiert. Entnervt verdrehte er seine Augen. „Was für ein sentimentales Geschwätz! Xena, ich verstehe wirklich nicht, wie du es mit ihr aushältst. Ich wette …“ Er wandte sich nun Gabrielle zu. „… deine liebe, ach so umschwärmte Xena fand die erste Begegnung mit dir weitaus weniger einprägsam als du.“

„Die Wette verlierst du“, mischte sich die Kriegerin ein. „Ich war so beeindruckt von ihr, dass ich einen ordentlichen Schlag auf den Kopf abbekommen habe.“

„Das erklärt so einiges.“ Missmutig brummend legte er das Messer, das er gerade bearbeitet hatte, auf den Stapel der fertigen Waffen, wandte sich dem Stapel der noch zu schärfenden Waffen zu und griff nach einem Dolch. Er stutzte, dann hellte sich seine Miene auf. „Du hast ihn ja noch.“

„Was?“ Fragend blickte Xena zu ihm. Als sie den Dolch in seinen Händen sah, überzog eine leichte Röte ihren Wangen. Ares hatte ihn ihr vor vielen Jahren zum Geschenk gemacht, in einer ziemlich denkwürdigen Nacht, und ja, sie hatte ihn noch.

„Du warst beeindruckt von mir?“, durchdrang in diesem Moment Gabrielles Stimme ihre Gedanken.

„Äh, ja“, sagte Xena, noch nicht ganz bei der Sache, den Blick noch immer auf den Dolch gerichtet.

Gabrielle jedoch merkte davon nichts. Sie legte die Schriftrolle beiseite und beugte sich ein Stück weit zu Xena hinüber, ein gespanntes, erwartungsvolles Leuchten in den Augen. „Was waren deine Gedanken, als du mich zum ersten Mal gesehen hast?“

„W-was?“ Xena riss sich von der Waffe in Ares‘ Händen los und blickte zu Gabrielle.

„Als du mich das erste Mal gesehen hast, was hast du dir da gedacht?“

„Oh.“ Ein sanftes Lächeln legte sich da wie von selbst auf Xenas Lippen. „Ich sah, wie du dich gegen Dracos Männer gestellt hast und dich selbst opfern wolltest, um die anderen Mädchen zu retten, und war beeindruckt von deinem Mut.“

„Das muss ein wirklich fester Schlag gewesen sein“, knurrte Ares. Doch die beiden Frauen ignorierten ihn. „Hast du mich deswegen nicht zurück nach Hause geschickt, als ich dir gefolgt bin? Wegen meines Mutes?“, wollte Gabrielle wissen.

„Nein. Das war nicht der Grund.“ Xena sah zu Boden. „Du warst zwar mutig, aber auch naiv, unschuldig, fast noch ein Kind. Ich wollte dich um deinetwillen nicht in meiner Nähe haben. Aber ich war einsam und verloren und du hast mir eine Hand gereicht, rein und bedingungslos. Du warst so entschlossen, so unwillig, zurückzugehen, und ich habe gespürt, dass …“ Sie brach ab.

„Was?“

Xena schüttelte ihren Kopf. „Nichts.“

„Sag es mir. Bitte.“

„Na ja, ich habe eben gespürt, dass du mir guttun würdest.“ Sie brach ab, dann fügte sie leise hinzu: „Andersherum war das wohl eher nicht der Fall.“

„Xena, ich bitte dich. Das sollte nun wirklich kein Thema mehr zwischen uns sein.“ Gabrielle lehnte sich noch ein wenig stärker zur Seite und legte ihre Hand auf Xenas Arm. „Du hast meinem Leben einen Sinn gegeben. Ganz egal, was passiert ist in all den Jahren hinter uns, ich würde jederzeit wieder mit dir gehen. Du bist das Beste, was mir im Leben passiert ist.“

„Nun reicht es aber!“, mischte sich Ares ein und warf einen bösen Blick auf die beiden Frauen ihm gegenüber. „Mir ist schon ganz schlecht!“

Xena sagte nichts. Gabrielles Worte hallten noch in ihrem Kopf wider und erfüllten sie mit einer eigenartigen Wärme. Und so war es Gabrielle, die sich ihm zuwandte, eine Augenbraue herausfordernd in die Höhe gezogen. „Was ist los, Ex-Kriegsgott? Neidisch, weil du nichts beizutragen hast?“

„Wie kommst du drauf, dass ich nichts beizutragen habe? Denkst du, ihr seid die Einzigen, die irgendwelche sentimentalen Erinnerungen austauschen könnt? Was willst du wissen, Blondie?“

Gabrielle legte den Kopf schief, blinzelte Ares forschend an. Dann sagte sie: „Als du Xena zum allerersten Mal gesehen hast, was war dein erster Gedanke?“

„Ich war amüsiert.“

Polternd fiel das Chakram, das Xena gerade noch mit dem Wetzstein bearbeitet hatte, zu Boden. „Amüsiert?! Du warst amüsiert?!“

„Oh ja. Ich wurde das erste Mal auf dich aufmerksam, als du dich gegen Cortese gestellt hast. Du weißt, dass ich mich normalerweise nicht für das Treiben irgendwelcher Banditengruppen interessiere, aber ich hatte zu der Zeit nicht viel zu tun. Mir war langweilig, ich hab mich ein wenig umgesehen und bin durch reinen Zufall auf das Geschehen in Amphipolis aufmerksam geworden. Und ja, als ich sah, dass ein junges Mädchen, kaum dem Teenageralter erwachsen, eine Meute ebenso junger Bauern anführte, um eine Bande von Banditen in die Flucht zu schlagen, da war ich zugegebenermaßen amüsiert. Ich dachte, du wärst tot, noch bevor du dein Schwert ziehen würdest. Da wurde zum ersten Mal von dir überrascht.“

„Du hast zu der Zeit noch nicht gesehen, welches Potenzial in ihr steckte?“, fragte Gabrielle neugierig.

„Ich gebe zu, ich habe das damals tatsächlich nicht erkannt. Natürlich war ich beeindruckt. Für dein Alter …“ Er sah zu Xena, die ihr Chakram aufgehoben hatte und ihre Arbeit daran fortgesetzte. „… hast du das Schwert unglaublich gut geführt. Dein Mut war herausragend. Dich nicht nur gegen Cortese zu stellen, sondern auch gegen die Dorfältesten, dazu gehörte Mumm. Und du warst eine starke Anführerin. Sehr hübsch noch dazu. Ich habe beschlossen, dich zu beobachten. Ab und zu mal nach dir zu gucken. Aber ich hätte nicht erwartet, dass einmal eine solche Legende aus dir wird.“

„Und wann hast du dann erkannt, dass du sie haben willst? Als deine Kriegerprinzessin?“ Im Gegensatz zu Xena, die so tat, als interessiere sie nicht, was Ares von sich gab, funkelten Gabrielles Augen voller Neugierde.

„Die Schlacht von Korinth. Da war mir klar, dass sie die Richtige für mich ist.“

„Obwohl sie aufgegeben hat? Korinth ist nicht gefallen.“

„Was nicht an ihr lag, sondern an den … Umständen“, sagte Ares und einen Moment lang herrschte Stille. Eine Stille, in der sich Xena zurückversetzt fühlte in jene Zeit. Eine Stille, in der sie sich nur allzu gut an die besagten Umstände erinnerte. An die Geburt von Solan. Seine Übergabe an Kaleipos. Die Kälte, die daraufhin folgte. Die Kälte im Herzen einer Mutter ohne ihr Kind.

„Umstände, die du ja wunderbar für dich ausgenutzt hat“, durchbrach sie schließlich das Schweigen. Harsch und mit kaum zurückgehaltener Wut. Sie atmete einmal durch, fuhr dann an Gabrielle gerichtet fort: „Er kam genau in dem Moment zu mir, als ich am Boden war. Ich hatte Solan verloren. Ich hatte Borias verloren. Ich war mit einem Mal völlig allein und dann, genau dann, hat er sich mir zum ersten Mal gezeigt.“ Ihr Kopf bewegte sich zurück in Richtung Ares. „Du wusstest genau, wann du auftauchen musstest, wann ich schwach genug war, um deinem Charme zu verfallen.“

„Meinem Charme?“ Er grinste breit. „Erzähl weiter, Xena. Womit konnte ich dich beeindrucken?“

„Den Teufel werd ich tun!“

„Ich würde es gerne hören“, mischte sich Gabrielle ein. „Du hast mir nie von eurer ersten Begegnung erzählt.“

„Ich hatte auch nicht erwartet, dass du dich so sehr für Ares interessierst.“ Aggressivität schwang in ihrer Stimme mit, auch wenn sie versuchte, sich Gabrielle gegenüber zurückzuhalten. Diese errötete. „Ich interessiere mich überhaupt nicht für Ares“, verteidigte sie sich. „Ich möchte es einfach nur hören.“

Xena schnaubte, warf das Chakram auf den Stapel der fertigen Waffen und holte sich vom anderen Stapel ihr Schwert.

„Was hat er dir angeboten in jener Nacht?“

Xena antwortete nicht, woraufhin sich Gabrielle an Ares wandte. Ihr Blick traf auf den seinen, auffordernd. „Ich habe ihr angeboten, sie zu fördern. Ihre Ungezähmtheit und Impulsivität in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie weiter auszubilden. Im Gegenzug sollte sie meine Kriegerin werden.“

„Das waren zumindest seine Worte“, mischte sich Xena nun doch ein. „Aber die eigentliche Kommunikation lief unterschwellig ab.“

Ares zog eine Augenbraue in die Höhe und Gabrielle, deren Blick zwischen ihm und Xena hin und her wanderte, konnte nicht sagen, ob seine fragend-unwissende Geste echt war oder nur gespielt. „Was meinst du damit?“, wollte sie wissen.

„Ja, was meinst du damit?“, wiederholte Ares, und das mit solch einem Unschuldstonfall, dass Gabrielle zu dem Schluss kam, dass er die Antwort auf seine Frage sehr genau kannte. Xena ließ langsam das Schwert sinken, sah ihn dabei an, ein böses Funkeln in den Augen. „Spiel mir hier nicht den Unwissenden!“

Er grinste nur und Gabrielle, die befürchtete, Xena könne explodieren, legte schnell ihre Hand auf deren Arm. Beschwichtigend. „Ich würde es wirklich gerne hören“, bat sie sanft.

„Was? Was willst du hören, Gabrielle? Du hast es doch selbst schon erlebt! Dieses Gefühl, das er in einer Frau auslösen kann. Dieses Gefühl der Macht, gepaart mit einer gewissen Wärme. Dazu die richtigen Worte, die richtigen Gesten, kleine Berührungen an exakt der richtigen Stelle. Er war ein großartiger Manipulator und ich bin ihm verfallen. Nicht seinen Worten, sondern ihm, seiner Person, seiner verfluchten Göttlichkeit.“ Wieder flog ein böser Blick in Ares‘ Richtung. „Ich war schwach und er hat es ausgenutzt, um mich noch tiefer hineinzuführen in die Dunkelheit.“

„Also entschuldige mal!“ Ares‘ Grinsen schwand von seinen Lippen. Mit einem Mal war er ernst. Geradezu erzürnt. „Ich gebe zu, dass ich nicht gerade das Gute in dir gefördert habe. Aber ich habe Qualitäten aus dir herausgeholt, die dir auch in deinem jetzigen Leben von Nutzen sind. Aus einer wilden, unkooperativen Frau voller ungezügelter Aggressionen habe ich eine Kriegerin geformt, die nicht nur ihre Waffen, sondern auch ihren Verstand einsetzen kann. Die fähig ist zu Verhandlungen, zu Geduld und … zur Manipulation.“

Xena schwieg. Zähneknirschend. Sie konnte ihm in diesem Punkt tatsächlich nicht widersprechen.

„Du kannst mir die Schuld an vielem geben, aber ich habe dich nicht tiefer in die Dunkelheit geführt. Ich habe nur genommen, was bereits da war, und etwas noch Besseres daraus gemacht. Ich war der Gott des Krieges, Xena, und kein Monster. Und auch wenn ich zugegebenermaßen stets das Beste für mich selbst wollte, warst du mir immer wichtig. Ich hätte niemals etwas getan, das dir geschadet hätte.“

„Oh, natürlich nicht. Du hast mir eine Meute rachgieriger Dorfbewohner auf den Hals gehetzt, dich als mein Vater ausgegeben, die Furien auf mich losgelassen, dich mit Hoffnung verbündet …“

„Das war lange nach unserer Zeit. Da hast du längst ihr gehört.“ Er machte eine unwirsche Kopfbewegung in Gabrielles Richtung. „Du hast mich verlassen, Xena. Was hast du erwartet? Dass ich dich kampflos aufgebe? Außerdem habe ich dir nie final geschadet. Ich habe dich immer geliebt. Die alte Xena ebenso wie die neue.“

„Schöne Weise, das zu zeigen.“

„So bin ich nun mal. Mit ihr kann ich nicht mithalten.“ Wieder folgte eine Kopfbewegung in Gabrielles Richtung. „Und trotzdem liebe ich dich. Auf meine Art.“

Xena sah auf. Ihr Blick traf auf denjenigen von Ares, der sie mit eigentümlicher Miene betrachtete. Es war eine Mischung aus Trotz und Zuneigung, aus Ablehnung und Wertschätzung, die aus seinen Augen sprach. Gabrielle, die sie alle beide genau beobachtete, bemerkte, wie Xena, von der eine leise Verunsicherung auszugehen schien, ihre Lippen öffnete, um etwas zu sagen. Doch noch bevor ein Wort ihren Mund verlassen konnte, fiel ein Regentropfen durch das kaputte Dach und landete direkt auf Ares‘ Kopf. Ein zweiter folgte und bald noch viele mehr. Ares regte sich nicht und auch Xena blieb einfach sitzen, den Blick unverwandt auf ihr Gegenüber gerichtet. „Wir sollten uns besser nach einem trockenen Raum umsehen“, durchbrach Gabrielle schließlich die seltsame Stille, die sich um sie alle gelegt hatte, und stand auf. Sie wartete kurz auf irgendeine Art der Reaktion, doch als weder Xena noch Ares Anstalten machten, es ihr gleichzutun, verließ sie schulterzuckend ihren Platz am Kamin, um das Haus allein nach einem trockenen Zimmer zu durchkämmen.

„In der Küche ist es noch schlimmer“, rief sie, ohne eine Antwort zu erwarten. Sie erhielt auch keine. Dennoch bewirkten ihre Worte etwas. Denn Xena erwachte nun aus ihrer Starre. „Ich gehe ihr helfen“, murmelte sie und ließ Ares allein im Regen sitzend zurück. Ihr Aufbruch wiederum weckte auch seine Lebensgeister. Er schüttelte das Wasser von sich und folgte Xena langsam.

„Hier drin ist es trocken“, sagte sie, als sie bemerkte, wie er hinter ihr in den Türrahmen des Raumes trat, den sie gerade begutachtete. „Das war mein Zimmer.“

Bei besagtem Zimmer handelte es sich um einen modrigen Raum voller Spinnweben. Ares ließ seinen Blick von einem staubigen Eck zum nächsten wandern. Seiner Ansicht nach war dieser Ort noch nicht einmal dazu geeignet, einen Hund darin schlafen zu lassen. Oder ein Schaf. Oder sonst ein armes Tier. Skeptisch beobachtete er Xena dabei, wie sie eines der brüchigen Fenster öffnete, bevor sie sich daranmachte, das Bett vom Staub zu befreien – sofern das überhaupt möglich war. „Das Bett ist richtig groß. Wir können ja zu dritt darin schlafen“, meinte er schließlich, die Stimme triefend vor Sarkasmus.

„Was?“, ertönte es da hinter seiner Schulter ungläubig. Es war Gabrielle, die gerade im Augenblick seiner Worte zu ihnen getreten war. „Wir drei in einem Bett?“

Xena hielt in ihrem emsigen Tun inne und sah zuerst zu Gabrielle, deren Augenbrauen skeptisch in die Höhe gezogen waren, dann zu Ares. Dieser war erstaunt, dass Gabrielle und scheinbar auch Xena der Sarkasmus in seiner Stimme entgangen war, doch ihm sollte es recht sein. Er würde die Sache nicht aufklären. „Sicher“, meinte er also lässig.

Gabrielles Blick wanderte zu Xena, ein schwer zu lesender Ausdruck lag darin. Die Kriegerin erwiderte ihn kurz, dann schaute sie zu Ares, bevor sie sich erneut Gabrielle zuwandte. Man schien eine Entscheidung von ihr zu erwarten. Warum eigentlich immer von ihr?, fragte sie sich. Sie zwinkerte einige Male, während sie nachdachte. „Kein anderer trockener Raum?“, wollte sie schließlich von Gabrielle wissen, die als Antwort ihren Kopf schüttelte. Xena seufzte. Sie zog es in Erwägung, Hölzer zu ziehen, um zu entscheiden, wer im Bett und wer auf dem Boden schlafen sollte. Denn irgendetwas an dem Gedanken, sie drei könnten sich ein Bett teilen, missfiel ihr. Doch dann wiederum hatte sie keine Lust auf solch ein Kinderspiel. „Warum nicht?“, meinte sie also letztendlich. „Wir sind ja wohl alle erwachsen, nicht wahr?“

„Das würd ich doch auch meinen.“ Ares grinste, schälte sich aus seinen Stiefeln und einem Großteil seiner Kleidung und legte sich auf eine Seite des Bettes. Xena verdrehte ihre Augen, bevor sie sich ebenfalls ihrer Kleidung bis auf die Unterwäsche entledigte. Gabrielle tat es ihr gleich, auch wenn noch immer ein skeptischer Ausdruck auf ihrem Gesicht ruhte. „Dann leg ich mich mal in die Mitte“, murmelte Xena und ließ Worten Taten folgen. Sie machte es sich auf dem Rücken bequem und schloss die Augen. Gabrielle kletterte neben sie und für den Bruchteil einer Sekunde war alles still. Dann allerdings fühlte Xena, wie Gabrielle sich aufsetzte und sich über ihren ausgestreckten Körper in Richtung Ares lehnte. „Du hast vorhin gelogen. Weißt du, als wir über Eves und meine Rettung geredet haben und als du meintest, du hättest Eve gerettet, um Xena zu retten, und ich sei nur so mitgelaufen. Das ist nicht wahr. Du hast auch mich sehr bewusst gerettet.“

„Was?!“ Ares, der mit dem Rücken zu Xena gelegen hatte, wälzte sich um 180 Grad herum und setzte sich dann ebenfalls auf.

„Na ja, du hast gewusst, dass Xena mich liebt, und da du Xena liebst, hast du mich gerettet, um sie glücklich zu machen.“

„Hast du den Verstand verloren? Warum redest du solchen Unsinn?“

„Das ist kein Unsinn. Das nennt man Liebe.“

„Nein, Blondie, du irrst dich. Liebe ist, wenn man seine Konkurrenz ausschaltet“, erwiderte Ares gereizt, wobei er mit dem Finger aggressiv in ihre Richtung deutete.

Xena, die versucht hatte, das Gerede über sich hinweg zu ignorieren, seufzte frustriert auf. Denn irgendwie hatte sie das Gefühl, dass die beiden nicht so schnell zu einem Ende kommen würden. Ergeben schlug sie also die Decke von sich und setzte sich auf. Mit der linken Hand packte sie Gabrielle, mit der rechen Ares und schob sie jeweils zurück auf ihre Seite des Bettes. Gabrielle allerdings ließ sich dadurch nicht bremsen. „Oh nein, die Konkurrenz auszuschalten, ist nichts anderes als Egoismus“, erklärte sie ernst. „Aber du, du bist fähig zu echter, selbstloser Liebe. Ich bin beeindruckt. Ehrlich.“

„Hör sofort auf damit!“, schimpfte Ares. „Du hast eindeutig deinen Verstand verloren! Ich bin … war der Gott des Krieges und kein liebesgestörter Schwachkopf.“

Gabrielle kicherte. „Du hast es vorhin doch selbst gesagt. Dass du sie liebst und immer geliebt hast. Und meine Rettung ist der Beweis dafür. Du hast es aus Liebe getan.“

„Hör auf oder ich schwöre dir …“

„Schluss jetzt! Alle beide!“, unterbrach Xena ihn scharf und warf einen bösen Blick erst nach rechts, dann nach links. „Ich will schlafen!“

„Ich habe nicht angefangen“, verteidigte sich Ares. „Unglaublich, dass du sie mir vorziehst. Was findest du an ihr? Sie redet ununterbrochen und es kommt nur Unsinn aus ihr raus.“

„Gabrielle hat mehr Ahnung vom Leben als du und ich zusammen.“

Ares verdrehte die Augen, während Gabrielle ihm ein herausforderndes Lächeln zuwarf. „Siehst du, sie gibt mir recht. Sie gibt mir immer recht.“

„Übertreib nicht. Ich gebe dir oft recht. Manchmal bist du aber einfach nur …“

„… ein nervtötendes, Unsinn schwatzendes Ding“, fuhr Ares dazwischen, wobei er sich so weit über Xena lehnte, dass diese ihn ein zweites Mal zurückschob. Dieses Mal etwas fester. Doch sobald er auf seiner Seite drüben war, lehnte sich Gabrielle ihrerseits über sie. „Du regst dich doch nur so auf, weil du genau weißt, dass ich recht habe!“

Ares Oberkörper schoss abermals nach vorne, sein Finger pochte gegen Gabrielles Brust. „Halt endlich deine Klappe! Ich wünschte, ich hätte dich sterben lassen!“

„Dann würde sie dich hassen und du würdest nun definitiv nicht neben ihr im Bett liegen“, entgegnete Gabrielle grinsend, woraufhin Ares erbost schnaubte und zu einer wenig charmanten Antwort ansetzen wollte, doch Xena, die nun endgültig genug hatte, packte Gabrielle am Haar und Ares am Bart und zog sie unsanft auseinander. „Steht ihr aufeinander oder was soll dieses unerträgliche Gezanke?!“

Und mit diesen Worten trat Stille ein. Totenstille. Erst nach einigen Sekunden regte sich Ares. „Ich bitte dich“, brummte er und riss sich von Xena los. Er legte sich hin und kehrte den beiden Frauen den Rücken, wobei er noch etwas von „unglaublichen Unterstellungen“ murmelte. Gabrielle währenddessen schlug Xena auf die Hand, mehrfach hintereinander, bis diese endlich ihr Haar ausließ. „Danke für diese Beleidigung!“, zischte sie sarkastisch, dann legte auch sie sich hin und zog sich die Decke über den Kopf. Xena dagegen atmete erleichtert auf. Nun würde sie endlich schlafen können.

Und gerade in diesem Moment, als sie das dachte, brach das Bett unter ihnen zusammen.
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