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18. April: Der Mafiosi-Mord [by Akaya Yosa]

OneshotAbenteuer, Humor / P16 / Gen
18.04.2020
18.04.2020
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Tag der Veröffentlichung: 18. April
Zitat: "Ich nehme an Sie sind ... eine Verwandte?" - Pretty Woman
Titel der Geschichte: Der Mafiosi-Mord
Autor: Akaya Yosa
Hauptcharaktere: Anna und Clay (OCs)
Nebencharaktere: OCs
Pairings: /
Kommentar des Autors: /


"Ich nehme an Sie sind ... eine Verwandte?"
Annabelle Burns lächelte. „Noch nicht, aber ich hoffe, bald zur Familie zu gehören. Wir wurden uns noch nicht vorgestellt Mister …“
„Adams Ma’am. Ryan Adams. Ich bin der Sohn von-“
„Mrs. Cecile Adams, Sie kamen mir gleich so bekannt vor!“, rief Anna scheinbar begeistert. Innerlich verdrehte sie die Augen. Sie hasste diesen Teil des Jobs! „Sie waren doch vor einigen Wochen in der Zeitung, weil gegen Ihre Firma wegen Geldwäsche und Beteiligung am Menschenhandel ermittelt wurde.“
„Diese Vorwürfe waren haltlos“, verteidigte sich Mr. Adams.
„Ich weiß, sonst würde ich mich nicht mit Ihnen unterhalten. Sie sind mir nur durch die Berichterstattung zum ersten Mal aufgefallen und mir im Gedächtnis geblieben.“
„Sie schmeicheln mir Ms. …“
„Lia Collins. Keineswegs. Ich bevorzuge nur einen sehr … direkten Weg.“ Nachdenklich nippte Anna an ihrem Champagner. Selbstverständlich alkoholfrei – obwohl sie genau diesen Umstand augenblicklich nicht sehr schätzte. Aber sie war beruflich hier, da konnte sie es sich nicht leisten angetrunken zu sein.
Erneut trank sie einen Schluck und musterte ihren Gesprächspartner, der seinerseits nach jemandem Ausschau zu halten schien. Obwohl er den durchschnittlichen, überbetuchten Amerikaner nahezu perfekt verkörperte, hatte Anna das Gefühl, dass sie bei ihm besonders vorsichtig sein musste. Dank der Informationen ihrer Auftraggeberin wusste Anna, dass sie einem äußerst erfolgreichen und skrupellosen Firmenchef gegenüberstand, der höchstpersönlich bereits für einige Leichen in diversen Kellern verantwortlich war. Und einen bedeutenden Teil seines Reichtums der Tatsache verdankte, dass er sich in der russischen Mafia sehr weit hochgearbeitet hatte.
„Darf ich fragen, wen Sie zu diesem Familientreffen begleiten?“
„Wie kommen Sie darauf, dass ich in Begleitung bin?“
„Nun, Lia – ich darf doch Lia sagen? – Sie sagten selbst, dass sie dieser Familie nicht angehören und da wir das gesamte Hotel und die dazugehörige Skipiste gemietet haben, können nur geladene Gäste hier sein. Das wiederum lässt nur den Schluss zu, dass sie jemanden aus der Familie begleiten.“
„Ich bin beeindruckt. Aber Sie liegen falsch. Meiner Großtante gehört diese Hotelkette und so war es ein leichtes für mich meinen Besuch bei ihr etwas auszudehnen – selbstverständlich weiß sie davon nichts.“ Anna versuchte schuldbewusst auszusehen und nicht den Eindruck zu erwecken, als löge sie das Blaue vom Himmel herunter – was jedoch der Fall war. Sie hatte keine Großtante und war von einem Handlanger ihrer Auftraggeberin eingelassen worden.
„Und was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen, Lia?“ Ein lauernder Unterton schlich sich in seine Stimme und seine Augen blitzten.
Anna war bewusst, dass ihre Unterhaltung einen kritischen Punkt erreicht hatte. Wenn er jetzt Verdacht schöpfte, würde es deutlich schwerer werden ihren Auftrag auszuführen.
„Ehrlich gesagt“, Anna hielt inne und schenkte ihm einen Blick durch ihre dunklen Wimpern, „bin ich nur ihretwegen hier. Sie haben mich fasziniert, vom ersten Augenblick an. Ihre Souveränität, ihre Ruhe, ihr Kalkül – und nicht zuletzt ihr gutes Aussehen, all das weckte den Wunsch in mir Sie persönlich kennenzulernen. Und ich muss sagen, dass Sie noch besser aussehen als auf den Zeitungsfotos.“
Während Anna gesprochen hatte, war das Misstrauen aus den Augen von Mr. Adams geschwunden und hatte etwas anderem Platz gemacht – etwas dunklerem, raubtierhaften.
„Entspricht dieses Treffen denn ihren Vorstellungen?“, fragte er mit seidenweicher Stimme.
„Es übertrifft sie bei weitem. Allerdings“, Anna stockte.
„Ja?“ Seine Stimme war deutlich tiefer als Augenblicke zuvor. Er hatte angebissen.
„Ein Gespräch mit Ihnen unter vier Augen würde diesem Abend die Krone aufsetzen.“ Ihr Blick machte dabei mehr als deutlich, dass sie nicht darauf aus war zu reden.
Einen Moment noch sah er sie an und Anna konnte beobachten, wie seine Augen noch ein wenig dunkler wurden. Dann glitt sein Blick an ihr herab und das schwere Heben und Senken seiner Brust bewies, dass ihm gefiel, was er sah. Der Stoff ihres Kleides schmiegte sich eng an ihren Körper und ließ nicht viel Raum für Fantasie. Der tiefe Ausschnitt tat sein Übriges. Während sein Blick genau darauf gerichtet war, wandte Anna sich halb von ihm ab, als würde seine ausbleibende Antwort auf ihre Dreistigkeit sie verunsichern. Dadurch wandte sie ihm den Rücken zu und ein kaltes Lächeln legte sich für einen Wimpernschlag auf ihre Lippen. Hinten war der Ausschnitt noch unanständiger als vorne, sodass er auf ihren bloßen Rücken starrte. Er brauchte einige Sekunden, ehe er sich wieder gefangen hatte.
„Die Bitte einer solch schönen Frau, wie Sie es sind kann ich nicht ablehnen. Tatsächlich halte ich ihren Wunsch für eine ausgezeichnete Idee“
Mr. Adams bot ihr seinen Arm und führte Anna zu seinem Zimmer und schloss die Tür hinter ihnen ab. Anna hatte sich unterdessen zwei Schritte von ihm entfernt und als er sich ihr zuwandte, schob sie den Saum ihres Kleides langsam ihre Oberschenkel hoch. Wie hypnotisiert verfolgte er jede ihrer Bewegungen. Er machte einen halben Schritt in ihre Richtung, etwas blitzte silbern, er hielt inne, seine Hand fuhr zu seiner Wange. Fassungslos betrachtete er das Blut an seinen Fingern.
„Was – “
Anna lächelte. „Ich habe dich umgebracht“, erklärte sie freundlich. „Das Messer war in Gift getaucht, dass deine Muskeln versagen lässt, auch dein Herz. Es wird nicht lange dauern, keine Sorge, aber du wirst bis zum letzten Augenblick bei Bewusstsein bleiben.“
Fassungslosigkeit und Angst verzerrten sein Gesicht, als er keuchend zu Boden stürzte.
„Wa -
„Warum? Nun,“ Anna kniete sich neben ihn, „du hast deine Frau mit ihrer Schwester betrogen. Sie ist, was das angeht, wohl eher von der nachtragenden Sorte und hat mich und meinen Partner angeheuert, um dich umzubringen, ohne dass es eine Verbindung zu ihr gibt. Ehrlich gesagt hatte ich es mir schwerer vorgestellt jemanden, der gemeinhin als „der Weisenmacher“ bekannt ist, umzubringen. Männer!“ Anna schnaubte und kniete sich neben ihn. Dabei bemerkte sie, dass er etwas in der Hand hatte. Sie griff danach und fluchte. Er hatte seine Leibwächter alarmiert. Tatsächlich wurden auf dem Flur Schritte laut und sie sah sich hektisch nach einem Fluchtweg um, ohne den sterbenden Mafiosi zu beachten.
Sie stürmte in das angrenzende Badezimmer und hatte Glück. Vor dem Fenster stand ein alter Baum. Ohne zu zögern schlug sie das Fenster ein, weil es sich nur einen Spalt weit öffnen ließ und kletterte in die Öffnung. Dabei rutschte der Saum ihres Kleides hoch, doch darum konnte sie sie sich nicht kümmern. Anna sprang, spürte, wie die Zweige an ihren Haaren rissen und über ihre Haut kratzten und klammerte sich am Stamm des Baumes fest. Sofort schob sie sich auf die andere Seite des Baumstammes, um den Leibwächtern, die ins Badezimmer stürmten, kein Ziel zu bieten. Dabei erwiesen sich ihre High Heels als äußerst hinderlich. Schnell streifte sie sich die Schuhe von den Füßen, sich nicht weiter darum scherend.
Es war einfach den Baum herunter zu klettern, auch wenn die Leibwächter mittlerweile das Feuer auf sie eröffnet hatten. Sie war auf der Höhe des ersten Stockwerks, als ein Ast unter ihrem Gewicht brach und sie krachend auf den Boden fiel. Der Aufprall trieb ihr die Luft aus der Lunge und sie verlor wertvolle Sekunden bis sie wieder auf den Beinen war. Sie musste hier weg, bevor die sie einkreisen konnten. Ohne weiter nachzudenken zog Anna ihr Handy aus der Tasche und sendete ihrem Partner Clay eine Nachricht. Er würde hinter dem Hotel auf einer Zufahrt für Lieferanten auf sie warten. Kurz schloss sie die Augen, dann rannte sie hakenschlagend los. Sie konnte nur hoffen, dass die Leibwächter bereits das ein oder andere Glas Schampus genossen hatten oder dass sie einfach keine guten Schützen waren. Auch als sie außer Reichweite der Kugeln war, wurde sie nicht langsamer. Ihre bloßen Füße schmerzten und ihre Lungen stachen, als sie endlich den silbernen Geländewagen sah.
Sie riss die Tür auf, sprang in das Auto und Clay, der am Steuer saß gab Gas, noch ehe Anna die Autotür geschlossen hatte.
„Das nächste Mal“, keuchte sie, „kommst du mit, und wenn ich dich im Rollstuhl da hinkarren muss!“
„Du warst es die meinte, dass ich mich noch ausruhen müsse, weil man mich angeschossen hat. Wie kommst du zu diesem Sinneswandel?“ Neugierig warf er ihr einen kurzen Seitenblick zu.
„Du hättest daran gedacht, dafür zu sorgen, dass er seine Wachhunde nicht rufen kann. Und dann hätte ich nicht durch ein Fenster im dritten Stock fliehen und einen Baum runterklettern müssen. In High Heels.“ An dieser Stelle schenkte sie ihm einen bedeutungsvollen Blick, schließlich hatte er sie erst dazu überredet diese Teufelsdinger anzuziehen und nicht ihre Ballerinas.
„Sie passten besser zu deinem Kleid und hättest du nicht aufgrund deines Fehlers improvisieren müssen, dann wäre das auch kein Problem gewesen.“ Kurz herrschte Schweigen, ehe Clay ergänzte: „Aber du hast es offensichtlich auch mit den High Heels geschafft.“
Anna schnaubte. „Von wegen, die liegen unter dem Baum, den ich runtergeklettert bin. Ich musste den ganzen Weg barfuß rennen, sodass ich dir jetzt dein Auto vollblute. Und wenn du jetzt lachst, dann sorge ich dafür, dass du herausfindest wie verdammt weh das tut!“
„Schon gut:“ Clay hob beschwichtigend eine Hand vom Lenkrad. „Ich halte, wenn wir in der Stadt sind und schau mir das mal an, nicht, dass sich die Wunden entzünden.“
Anna nickte, lehnte sich zurück und schloss die Augen, um auszublenden, mit welchem Tempo Clay die Serpentinen durchfuhr. Wäre sie nicht so erschöpft gewesen, hätte sie sicherlich einen sarkastischen Kommentar zu seiner Fahrweise abgegeben, so aber spürte sie nur das Brennen ihrer Muskeln und die immer stärker werdenden Schmerzen an ihren Füßen, während sie in einen leichten Schlaf fiel.
„Aufwachen, wir sind da.“ Clays Stimme holte sie in die Realität zurück. Blinzelnd öffnete sie die Augen und sah ihn neben sich an der geöffneten Autotür stehen. Ehe sie auch nur an Gegenwehr denken konnte, hatte er sie hochgehoben und trug sie durch die Eingangshalle eines teuren Hotels.
„Du weißt auch, dass ich,, als ich das letzte Mal in so einem Schuppen war, aus dem Fenster klettern musste?“
Sein leises Lachen ließ seinen Brustkorb, an den sie ihren Kopf gelehnt hatte, vibrieren. „Ich weiß. Aber deine Füße sehen ziemlich übel aus und wenn man hier genug bezahlt, interessiert sich niemand dafür, warum du in diesem desolaten Zustand hier angekommen bist. Außerdem“, grinste er, „ist Hauptsaison und in den anderen Hotels, bei denen ich gefragt habe, waren alle Zimmer belegt.“
Inzwischen waren sie in dem großen Hotelzimmer angekommen und Clay setzte sie auf dem breiten Rand der Badewanne ab, so dass ihre Füße in der Wanne lagen und sie sich mit dem Rücken an die kalten Fliesen lehnen konnte. Während er das Gepäck und einen Erste-Hilfe-Kasten entgegennahm, riskierte Anna einen Blick auf ihre Füße, nur um sofort wieder weg zu sehen. Wenn es um die Verletzungen anderer ging, zuckte sie nicht mit einer Wimper, doch waren es ihre eigenen musste sie stets gegen leichten Schwindel und ein flaues Gefühl im Magen ankämpfen, wenn sie sie betrachtete.
Als Clay wieder kam, waren ihre Füße bereits mit Wasser bedeckt. Er setzte sich auf den Wannenrand und begann vorsichtig ihre Wunden auszuwaschen, ehe er sich daran machte kleinere Steinchen und andere Rückstände daraus zu entfernen.
„Bevor ich es vergesse … Du hast ihn doch umgebracht, oder?“
„Natürlich, was denkst du von mir? Das einzige was mich ärgert ist, dass er seine Wachhunde rufen konnte und ich die Schwester unserer Auftraggeberin nicht auch gleich erledigen konnte. Ich mag es nicht, nur halbe Sachen zu – Verdammt, kannst du mich nicht vorwarnen?!“
Clay hatte ihren Fuß unvermittelt mit Desinfektionsspray eingenebelt, dass höllisch brannte. Als er die Prozedur bei ihrem anderen Fuß widerholen wollte versucht Anna sich ihm zu entziehen und fluchte ihn unter Benutzung eines seltsamen Kauderwelsches aus Russisch, Japanisch, Englisch und Spanisch bis auf den Mars und nicht wieder zurück. Clay lachte nur und verband ihre Füße, ehe er ihr half, sich umzuziehen und sie ins Bett legte.
Als sie schon fast eingeschlafen war, fragte Anna Clay, der neben ihr lag: „Werden wir es jemals schaffen, einen Auftrag auszuführen ohne davor oder danach in einen Kugelhagel zu geraten?“
„Sicher, wenn wir die Dinge auf meine Art angehen.“
„Nein!“, fauchte sie prompt zurück.
Clay seufzte. Es war einen Versuch wert gewesen.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Und weiter geht's mit Anna und Clay. Anspielungen zu diesem Teil gab es ja bereits im ersten rund um die beiden. Anna und Clay werden einem immer sympathischer, auch wenn es Auftragskiller sind. Ihr Charakter ist sehr facettenreich und gut ausgearbeitet. Mit dem Mix aus Witz und dem Ernst des Lebens schafft es diese Geschichte zu überzeugen.

Eure lula-chan
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