We belong together..

GeschichteDrama, Romanze / P16
17.04.2020
05.09.2020
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05.06.2020 1.715
 
Es dauerte nicht einmal zwei komplette Wochen, bis alles nötige geklärt war. Thomas und Michael hatten ihre Papiere erhalten, die sie zur Rückreise nach Österreich brauchten. Binnen weniger Tage hatten sie ihre Zelte in den USA abgebrochen und saßen nun im Flieger, der sie zurück nach Hause bringen sollte.
Dirk hatte sich entschieden vorerst in Amerika zu bleiben, deshalb waren die Michael und Thomas nur zu zweit unterwegs. Michael war eingeschlafen und obwohl Thomas ebenfalls ziemlich erledigt war, blieb er wach. Die Aufregung war einfach zu groß. Er wusste nicht wie er seinen Freunden und seinen Töchtern gegenüber treten sollte. Schließlich glaubten alle, dass er nicht mehr am Leben war. Es hatte eine Beerdigung gegeben und er galt offiziell als tot.
Thomas griff in seine Jackentasche und holte seinen Geldbeutel hervor. Abermals holte er das Bild von Biggi hervor und sah es sich an. Ihr gegenüber zu treten würde wohl am schwierigsten werden. Noch schwerer als bei Lisa und Laura und das würde schon ziemlich happig werden, jedenfalls befürchtete er das. Und Thomas konnte nur spekulieren, wie das Leben zu Hause nun aussehen konnte. Er wusste nichts und in einem Jahr konnte sich viel verändern. Aber wie viel sich letztendlich wirklich geändert hatte, das sollte selbst seine Vorstellungen bei weitem übersteigen.
Thomas steckte alles wieder ein und versuchte anschließend auch ein wenig zu schlafen. Er schaffte es schließlich und der Flug verging so sehr schnell. Sie kamen in Salzburg am Flughafen an und beschlossen dort erstmal in einem Hotel zu übernachten. Ein oder zwei Tage, damit sie überlegen konnten wie es weiter gehen sollte.
Aus diesen wenigen geplanten Tagen wurden schließlich eineinhalb Wochen im Hotel. Die Männer hatten einfach keine Ahnung, wie sie ihren Freunden und ihrer Familie gegenüber treten sollten. Anfangs hatten sie kaum Unsicherheit gespürt, dafür inzwischen so viel das sie sich sogar fragten ob es richtig gewesen war zurück zu kommen. Natürlich wusste so auch noch keiner ihrer Liebsten, dass Michael und Thomas nur ein paar Kilometer weiter weg waren.
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Karin und die Mädels saßen gerade am Tisch und frühstückten. Karin musste gleich zum Dienst und die Mädels mussten in die Schule.
"Kommt Biggi heute wieder nicht runter?", fragte Laura Karin. Biggi blieb dem Frühstück und auch den anderen Mahlzeiten seit den schlimmen Geschehnissen immer öfter fern. Karin musste sie regelrecht zwingen aus dem Zimmer zu kommen und wenn sie es geschafft hatte, dann saß Biggi teilnahmslos bei ihnen und sprach kaum ein Wort. Sie hatte noch mehr abgenommen, da sie so gut wie nichts aß. Bei der Therapie war sie inzwischen zweimal gewesen, dorthin hatte Karin sie gefahren, aber Biggi hatte ihre Zeit dort nur abgesessen und nicht einmal den Mund aufgemacht. Heute hatte sie wieder einen Termin und Karin wollte sie mal alleine hin fahren lassen. Ein gutes Gefühl hatte die Ärztin jedoch nicht wirklich dabei, da Biggi anscheinend immer noch im Bett lag obwohl Karin bereits zweimal nach oben gegangen war um ihre Freundin zu wecken.
"Karin?", fragte Laura, die von Karin noch eine Antwort bekommen wollte. Jedoch war die Erwachsene im Gedanken versunken gewesen. "Ja?", fragte Karin aufgeschreckt. "Sie hat gefragt ob Biggi heute wieder nicht runter kommt. Du hast ja schon versucht sie zu wecken und sie muss doch auch was essen.", unterstützte Lisa ihre Schwester. Die Kinder machten sich mittlerweile ebenfalls schon große Sorgen, vor allem Laura die seit dem Tod ihrer Mutter und dem vermeintlichen Tod ihres Vaters ein enges Verhältnis zu Biggi aufgebaut hatte. Karin wollte die Mädels keinesfalls noch mehr beunruhigen, aber langsam gingen der Notärztin die Argumente aus. Sie wusste kaum noch weiter.
Karin seufzte hörbar auf. "Ich gehe nochmal nach ihr sehen.", meinte sie zu den Kindern und stand auf. "Ich mache für Biggi ein Brötchen!", meinte Laura und nahm sich gleich eins aus dem Korb. Karin lächelte und stand auf, um nach oben zu gehen.
Biggi kam gerade aus dem Zimmer. "Wie schön, Dornröschen ist auferstanden.", meinte Karin und stellte sich mit verschränkten Armen hin. "Sei nicht so zynisch!", blaffte Biggi ihre Freundin an. "Bin ich nicht. Es ist nur so, dass ich jetzt zum dritten Mal hier hoch gekommen bin um dich daran zu erinnern das du um zehn Uhr einen Termin hast und ich mir geschworen habe den Wassereimer zu holen, wärst du immer noch im Bett gelegen. Da hast du nochmal Glück gehabt.", antwortete Karin, deren Geduld mit ihrer Ratlosigkeit immer weiter schrumpfte. Sie hatte Verständnis für Biggi, aber fühlte sich langsam vollkommen überfordert mit ihr. Sie überlegte sich jeden Tag andere Optionen um Biggi helfen zu können, sah mittlerweile aber nur noch eine Alternative sollte Biggi sich weiterhin quer stellen. Das Biggi seit einigen Tagen auch nur noch Oberteile mit langen Ärmeln trug machte Karin ebenfalls Sorgen, sie darauf ansprechen wollte sie die Pilotin jedoch ungern. Jedenfalls nicht, solange sie das gesehen hatte was sie befürchtete. Denn vielleicht war da gar nichts und Karin würde Biggi so nur auf weitere dumme Gedanken bringen. Das sie hungerte war schon schlimm genug.
"Ich komm ja!", stellte Biggi klar und lief an Karin vorbei. Die Ärztin folgte Biggi hinunter in die Küche, wo Biggi nicht einmal den Mädels einen guten Morgen wünschte. Sie setzte sich einfach an den Tisch. "Zufrieden?", fragte Biggi genervt. "Halbwegs.", antwortete Karin und räumte bereits den Tisch ein wenig ab.
"Wir haben dir Frühstück gemacht, Biggi.", meldete sich nun Laura zu Wort und schob einen Teller zu Biggi hinüber. Wenigstens jetzt konnte Biggi sich zu einem kurzen Lächeln durch ringen. "Das ist süß, Danke. Aber ich hab nicht wirklich viel Hunger." Das war im Moment eine der Standardaussagen, die man von Biggi zu hören bekam. Und die konnte Karin nicht mehr hören. Sie wollte ein Machtwort sprechen, aber keinesfalls sollten die Kinder das mitbekommen.
"Mädels, zieht ihr euch bitte schon mal an. Ralf wird gleich da sein." Heute würden die drei mit Ralf fahren, Karin und er wechselten sich damit ab. Die zwei Mädchen nickten und standen auf. "Bis heute Mittag.", sagte Laura zu Biggi und wollte sie zum Abschied umarmen. Biggi schreckte zurück. "Bis später, viel Spaß in der Schule.", sagte Biggi. Sie fühlte sich schuldig, als sie Lauras enttäuschten Blick sah. Aber sie konnte einfach nicht mehr so leicht Nähe zulassen.
Karin kam zu Laura und strich ihr durchs Haar. "Geh dich anziehen, Süße.", bat Karin sie erneut und gab ihr einen Kuss auf den Scheitel. "Ich komm gleich nach.", versicherte Karin dem Mädchen noch und Laura ging hinaus. Karin nahm die letzten paar Sachen vom Tisch bis auf Biggis Teller.
"Es reicht schon, dass du die anderen und mich schon so abblitzen lässt.", meinte Karin, als sie sicher war das die Mädels sie nicht mehr hören konnten. "Du könntest wenigstens den Mädels entgegen kommen, die Beiden machen sich mindestens genau so viel Sorgen.", erklärte Karin ihrer Freundin.
"Das ist nicht mein Problem, das sind schließlich nicht meine Kinder.", antwortete Biggi kalt und Karin glaubte ihren Ohren nicht. "Stimmt das sind nicht deine Kinder, aber versprochen das wir uns um sie kümmern haben wir beide ihnen trotzdem!", erinnerte Karin Biggi. "Das ist noch gar nicht so lange her, da hast du gerade ein paar Tage bei uns gewohnt und wir haben beschlossen wir kümmern uns ab sofort zusammen um die Mädels!" Karin war nun ziemlich sauer.
"Kein Grund mich so anzumachen!", erwiderte Biggi ebenfalls in einem aufgebrachten Tonfall. "Tu ich nicht!", leugnete Karin diese Tatsache und kehrte zum Tisch zurück. Sie schob Biggi den Teller noch ein bisschen näher hin. "Das haben die zwei extra für dich gemacht und das wirst du auch essen! Es ist mir egal ob du Hunger hast oder nicht, ich schaue dir jedenfalls nicht länger beim mager werden zu!"
Biggi schob den Teller wieder ein Stück weiter weg. "Du kannst mich nicht zwingen.", sagte sie bestimmt. "Ich bin erwachsen und kann selbst entscheiden!" Karin wurde noch wütender. Sie packte Biggi am Kinn und zwang die Pilotin so, ihr in die Augen zu sehen. "Aua!", beschwerte sich Biggi und Karin lockerte ihren Griff ein wenig, ließ Biggi aber noch nicht wieder los.
"Du hörst mir jetzt zu!", stellte Karin klar. "Ich habe Verständnis für dich und das Unmengen, aber ich weiß langsam nicht mehr weiter!", offenbarte die Notärztin ihrer Freundin. "Ich bin was dich angeht mit meinem Latein am Ende und da spreche ich nicht nur für mich!" Karin kamen die Tränen, aber sie unterdrückte den Drang zu weinen. Sie wollte vor Biggi als eine Art Autoritätsperson auftreten und da durfte sie nicht weinen, so schwer es ihr gerade auch fiel ihrer Freundin eine Ansage zu machen.
"Karin..", setzte Biggi an, doch ihr wurde sogleich das Reden untersagt. "Nein, jetzt rede ich!", stellte Karin klar. "Meinst du wirklich, ich sehe dabei zu, wie meine beste Freundin sich zerstört?! Glaubst du, ich lass dich einfach so machen?! Ganz bestimmt nicht!", erklärte Karin Biggi eindringlich. "Ich will dir helfen, das wollen wir alle, aber du lässt es einfach nicht zu! Du schmetterst alles ab! Die Therapie, die Unterhaltungen, einfach alles!", sprach Karin weiter und hielt Biggi weiterhin fest. "Ich weiß wirklich nicht mehr weiter und sollte ich mitbekommen, dass du noch einmal die Therapie schwänzt, dich weiterhin runter hungerst oder irgendwas dergleichen.. Biggi, dann hab ich nur noch eine Alternative!"
Biggi schluckte. "Die wäre?", fragte sie und versuchte ihre Angst zu verbergen. "Ich hab Kontakte, das solltest du nie vergessen.", antwortete Karin. "Ich hab dich schneller in einer Klinik untergebracht als du denkst und im Moment glaube ich sogar, dass ich keine andere Wahl mehr habe!" Karin ließ Biggi nun wieder los.
"Denk drüber nach, ob du es darauf ankommen lassen willst!" Daraufhin eilte Karin aus der Küche und ließ Biggi zurück. Sie wollte Biggi nicht unter Druck setzen, ihr dabei zusehen wie sie immer weiter ab rutschte konnte und wollte die Ärztin allerdings auch nicht.
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