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Zweisam in Trier

von Sassie
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Het
Felix Edel Frank Vanderheiden Sandra Starck
17.04.2020
22.04.2020
4
13.846
 
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17.04.2020 3.391
 
„Danke“ Lächelnd nahm Sandra das kleine Tablett mit dem Cappuccino entgegen und drehte sich zu ihrem Partner um. „Sie wollen also ein Amt“
Sie stellte ihren Kaffee ab und rührte den Milchschaum in den Espresso.
Felix blickte auf und sah sie etwas entgeistert an. „Sie sagen das so spöttisch...“
Ein Schmunzeln umspielte ihre Lippen, wusste sie nur allzu gut, dass er gleich eine herzzerreißende Erklärung darüber abliefern würde, warum er sich für dieses Theater interessierte.
„Man hat mich gefragt und… wenn man mich schon fragt“, tat er das Ganze lässig ab, bevor  er sich wieder auf seinen eigenen Kaffee konzentrierte.
„Stellvertretender juristischer Vorstandssprecher“, grinste seine Partnerin mit einem leichten Kopfschütteln und schob sich den Löffel voll Milchschaum in den Mund.
Es war kaum zu übersehen, dass sie nicht wirklich viel von diesem ausgemachten Zirkus hielt.
Erneut hob Felix seinen Blick. „Man hat mich gebeten zu kandidieren und… nun ja, es ist viel Arbeit, aber auch eine große Ehre und eine große Verantwortung!“
Sandra war schwerstens amüsiert darüber, wie geschwollen er redete. Sie hatte das leise Gefühl, dass sie ihn wieder ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurückholen musste. Während sie ihre Tasse anhob, verschoben sich ihre schönen braunen Augen zurück auf ihn und die Frage, die sie sogleich stellte, klang etwas hämisch. „Werden Sie jetzt Posten-geil?“
„Sandra, bitte!“, ermahnte er sie, während sie sogar weiter schmunzelte, als sie einen Schluck nahm. „Man hat mich gebeten! Es wird Sie jetzt überraschen, aber ich genieße großen Respekt in Fachkreisen!“
Um dieses Argument zusätzlich zu untermauern, nickte er leicht. Ihren gespielt anerkennenden Blick überging er kurzerhand, während ihm im Bruchteil einer Sekunde eine vermeintlich fabelhafte Idee kam.
„Kommen Sie doch einfach mit“, meinte er. „Erleben Sie meine Rede! Werden Sie Zeuge meiner triumphalen Wahl und seien Sie stolz auf mich!“
Er hob seine Augenbrauen und blickte sie auffordernd an. Dass sie bereits nach seinem Vorschlag mitzukommen die Augen verdreht hatte, war ihm offenbar entgangen.
„Felix“ Ihr Tonfall klang beschwichtigend. „Worum geht es bei solchen Tagungen?“
Sie blickte ihn durchdringend an und war mehr als gespannt auf seine Antwort, wohl wissend, dass es nicht die sein würde, auf die sie hinaus wollte.
„Nun ja, harte Arbeit. Kollegen treffen, Kontakte knüpfen...“, antwortete er.
Sandra unterbrach seinen Redefluss. „Es geht darum jemandem abzuschleppen und sich volllaufen zu lassen. Da sag ich doch dankend nein!“
Er schmunzelte leicht, da sie nicht ganz unrecht hatte. Aber das war eindeutig nicht das, worauf er bei dieser Tagung aus war. Er hatte tatsächlich vor sich dieses Amt zu schnappen, schon allein um es diesem Schnösel von Anwalt zu zeigen, der seinen Gegenpart darstellen sollte.
„Außerdem müsste ich noch packen, und dann kommen wir zu spät los“, setzte Sandra hinterher und nahm noch einen Schluck Cappuccino.
Er horchte überrascht auf. Klang da denn tatsächlich der Hauch einer Chance in ihrer Stimme mit, dass sie mit ihm zu dieser Tagung fahren würde?
„Also, das ist kein Problem. Frank hat Zimmer reserviert, wann genau wir dort aufschlagen ist im Grunde genommen egal.“, beeilte Felix sich zu sagen.
„Ach, ich weiß nicht“ Sie zog die Augenbrauen zusammen und rührte erneut in ihrer Tasse herum.
„Sandra“ Er sah sie durchdringend an. „Kommen Sie mit. Ohne Sie wird das Ganze nur halb so spaßig!“
„Ja, aber wer schmeißt denn dann heute die Kanzlei, hm?“, argumentierte Sandra, die immer noch nicht wirklich davon überzeugt war mit nach Trier zu kommen.
„Da rufen wir Biene an und sagen ihr, dass Sie sich spontan entschieden haben mitzukommen. Das ist doch alles kein Problem. Und wenn Frank gleich hier aufschlägt, dann machen wir noch einen Abstecher zu Ihnen nach Hause, sie packen schnell alles fürs Wochenende, und dann können wir los. Auf die halbe Stunde kommt es nun wirklich nicht an!“
Sandra sah, wie sehr er sich offenbar freute über den Gedanken, dass sie ihn begleitete und irgendwas in ihr wehrte sich dagegen ihm dieses Gefühl zu nehmen. Sie seufzte tief und trank noch einmal von ihrem Kaffee, bevor sie ihre braunen Augen wieder auf ihn richtete und eine Augenbraue hochzog. „Na gut. Aber Sie versprechen mir bitte Frank davon abzuhalten beim Frühstück irgendwelche Sexgeschichten auszuplaudern. Darauf hab ich nämlich ehrlich gesagt ziemlich wenig Lust!“
Felix strahlte. „Betrachten Sie das als erledigt“
Er blickte auf, als er ein Hupen vor der Tür vernahm und das silberne BMW Cabrio erblickte. „Ah, da ist Frank!“
Die beiden beeilten sich aus dem Café zu kommen.
„Frank!“
„Felix!“
Die beiden Männer schüttelten sich die Hände. Sandra strich ihr rosafarbenes Sommerkleid glatt und lächelte ihnen zu.
„Kommen Sie auch mit, Sandra?“, begrüßte Frank die hübsche Anwältin.
„Ich konnte sie tatsächlich überreden“, antwortete Felix statt ihr und es klang fast ein bisschen stolz. „Wir müssten allerdings noch kurz bei ihr zu Hause vorbei, ist das in Ordnung?“
„Natürlich“, meinte Frank.
Sie setzten sich alle in seinen Wagen und Frank ließ ihn an, bevor er sich lächelnd an Felix wandte. „Ich hab in dem Hotel angerufen, und weißt du was?“
„Nein...“
„Parallel zu uns findet die Tagung des Bundesverbands der Kosmetikerinnen statt“ Man konnte schon am Tonfall hören, was der Rechtsanwalt damit andeuten wollte.
Sandra verdrehte seufzend die Augen, während sie den Sicherheitsgurt anlegte.
„Kosmetikerinnen...“, wiederholte Felix, klang allerdings nicht ganz so begeistert.
„Dutzende“, bestätigte Frank mit wackelnden Augenbrauen.
Als Felix hörte, wie seine Kollegin sich hinter ihnen leise räusperte, sparte er sich jeden weiteren Kommentar. Er hatte von Anfang an gewusst, dass Frank nur unter der Prämisse mitgekommen war, in dem Tagungshotel jemanden klarzumachen und hätte er Sandra das gestanden, dann hätte sie ihre Einwilligung mitzukommen wohl schneller wieder zurückgezogen, als ihm lieb war. Deswegen philosophierte er weiter über sein vermeintlich zukünftiges Amt, bis sie bei Sandra zu Hause alle aus dem Wagen stiegen.
„Ihr könnt euch ruhig was zu trinken nehmen, ich beeile mich!“, versprach Sandra, bevor sie in ihr Schlafzimmer sprintete und man im nächsten Moment das Geräusch eines Reißverschlusses hörte, als sie den Koffer öffnete.
Felix griff nach zwei Gläsern auf der Anrichte und einer Flasche Wasser und befüllte eines für sich und eines für seinen Freund.
„Sag mal, wird es Sandra nicht stören, wenn du auf der Tagung eine Kosmetikerin bügelst?“, fragte Frank mit gesenkter Stimme.
Der Anwalt verzog das Gesicht. „Du weißt, dass das nicht der Hauptgrund ist, warum ich dort hinfahre?“
„Aber ein netter Nebeneffekt“, grinste Frank schmierig.
Felix seufzte. „Ich habe es nicht vor. Aber sollte es passieren, dann wird Sandra sich nicht daran stören. Sie hat selbst gesagt, dass Tagungen dazu da sind sich volllaufen zu lassen und jemanden abzuschleppen.“
„Vielleicht findet die Kleine dort ja auch jemanden“, meinte Frank verschwörerisch und trank einen Schluck Wasser.
Felix antwortete darauf nicht, der Gedanke war ihm äußert zuwider. Er würde es zu verhindern wissen, dass einer dieser schmierigen Kerle seine Partnerin anbaggerte. Felix hatte die Teilnehmerliste gelesen und all diese Typen waren weit außerhalb ihrer Liga.
Es dauerte tatsächlich keine zwanzig Minuten, bis sie alles beisammen hatte und mit einem kleinen Koffer auf die beiden Herren zukam.
„Das ging ja schnell“, bewunderte Frank sie mit einem anerkennenden Nicken. „Dann fahren wir los, würde ich sagen“
Felix erhob sich und nahm Sandra den Koffer sofort ganz gentlemanlike ab, was sie mit einem Lächeln belohnte.
Als alle sich wieder in Franks Wagen befanden, waren sie mehr als motiviert. Selbst Sandra war irgendwie ganz froh mal aus ihrem Alltagstrott rauszukommen.
„Vor uns liegen acht Stunden Fahrt. Ich hoffe ihr sitzt bequem.“, warnte Frank, als er sein Auto erneut anließ.
Die Anwesenden nickte und dann ging das Abenteuer los.

Es war gegen 17:00 Uhr nachmittags, als das Trio das Tagungshotel Porta Nigra in Trier erreichte. Sandra blickte an dem Gebäude hoch und streckte sich ausgiebig. Ihr tat der Rücken von der langen Fahrt weh und sie hoffte nur noch auf ein weiches Bett und eine Dusche.
Die drei betraten das Hotel. Während Frank sofort Blickkontakt mit zwei hübschen Damen aufnahm, ging Felix auf die Rezeption zu und begrüßte die nette Dame hinter dem Schalter mit einem Lächeln. „Edel“
Sie tippte auf ihrer Tastatur herum und verzog dann entschuldigend die Mundwinkel. „Hab ich nicht“
Felix blickte kurz zu seinem Kollegen, dieser war allerdings beschäftigt, und wandte sich wieder der Rezeptionistin zu. „Ähh… Vanderheiden. Die Kanzlei Vanderheiten hat reserviert!“
„Aaah ja“, nickte die Angesprochene. „Ein Doppelzimmer. Wollen Sie auf die Mosel oder die Porta Nigra schauen?“
Felix schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Zwei Einzelzimmer.“
„Nein“, wiederholte die Dame. „Ein Doppelzimmer. Wollen Sie auf die Mosel oder auf die Porta Nigra schauen?“
Der Anwalt lächelte säuerlich. „Ich will zwei Einzelzimmer und der Blick ist mir völlig egal.“
Sandra war erstaunt darüber wie höflich die Rezeptionistin blieb.
„Sie haben aber nur für ein Doppelzimmer reserviert“
„Frank!“ Felix drehte sich um und ging auf seinen Kollegen zu.
Dieser blickte kurz über seine Schulter. „Welche willst du? Die linke oder die rechte?“
Felix ging nicht auf die Frage ein und übersah somit die beiden Damen, die zu ihnen hinüber lächelten. „Hast du etwas ein Doppelzimmer reservieren lassen?“
„Weiß ich nicht, musst du meine Sekretärin fragen“, schüttelte Frank unwirsch den Kopf und blickte wieder zu den Frauen hinüber. „Welche willst du denn jetzt?“
Felix hatte absolut keine Zeit für diese Spielchen und ging wieder zurück an die Theke. „Ich will zwei Zimmer.“
„Wir haben nur zwei Doppelzimmer. Mit Blick auf die Mosel oder die Porta Nigra.“, erklärte die Blondine ihm geduldig.
Sandra wurde das Ganze langsam zu dumm. Sie drängte sich neben Felix an die Rezeption und lächelte freundlich. „Guten Tag. Starck mein Name. Für mich liegt keine Reservierung vor, aber ich hätte gerne das Doppelzimmer mit Blick auf die Mosel.“
Felix fühlte sich etwas überrumpelt und seufzte nur, als ihm bewusst wurde, dass hier gerade seine letzte Chance auf erholsamen Schlaf flöten gegangen war. Er wollte beim besten Willen nicht mit Frank in einem Bett schlafen, Sandra zu fragen kam ihm allerdings auch etwas übergriffig vor.
„Gut. Dann haben wir jetzt noch das Zimmer mit Blick auf die Porta Nigra.“ Die Rezeptionistin lächelte höflich, als sie Felix die Schlüsselkarte überreichte.
Dieser schluckte seinen Ärger kurzerhand hinunter, drehte sich um, und deutete mit dem Kopf in Richtung der Aufzüge. „Kommen Sie“
Sandra folgte ihm und beobachtete im Vorbeigehen, wie Frank sich an die zwei Damen anpirschte.
„Der nimmt sich ja ganz schön was vor“, murmelte sie tonlos.
Felix war sichtlich verwirrt und sah sie irritiert an.
„Na, Frank!“, erklärte sie, während sie gemeinsam mit ihm in den Aufzug stieg. „Der gräbt jetzt schon zwei Frauen an“
„Ach so“, erwiderte Felix schulterzuckend. „Naja, Sie haben ja gehört. Kosmetikerinnen. Und wieso auch nicht? Frank ist ungebunden und Anwalt. Da eröffnen sich einem schon einige Möglichkeiten.“
„Abschleppen und volllaufen lassen“, wiederholte Sandra ihre These mit selbstgefälligem Lächeln. „Ich wünsche Ihnen viel Spaß, wenn Frank stockbesoffen neben Ihnen schnarcht“
In Felix‘ Gesicht zeichnete sich der pure Horror ab, denn das war ein Szenario, das relativ wahrscheinlich eintreten würde. Wieso nur hatte er ihn überredet mitzukommen?
Als der Aufzug im dritten Stock stehenblieb, traten Sandra und Felix auf den Flur.
„Welche Zimmernummer haben Sie?“, fragte die Anwältin und linste auf seine Karte.
„303“, antwortete Felix. „Und Sie?“
„308“, gab sie zurück und lächelte. „Gut, dann sehen wir uns ja später. Ich werde jetzt erst mal ein langes entspannendes Bad nehmen“
„Tun Sie das“, gab Felix zurück.
Die beiden betraten ihre Zimmer und die erste Amtshandlung, die der Anwalt vollführte, war das Fenster aufzureißen und die frische Luft einzuatmen. Er war relativ müde von der Autofahrt und freute sich schon auf eine hoffentlich erholsame Nacht.
Etwas irritiert beugte er sich leicht aus dem Fenster auf der Suche nach der Porta Nigra, konnte allerdings nur ein Glashaus und in der Ferne ein Bürogebäude ausfindig machen.
Er drehte sich um, als hinter ihm die Tür ins Schloss fiel und Frank mit einem Grinsen auf ihn zukam. „Wie in der Jugendherberge! War das nicht eine lustige Zeit? Man hat sich vor dem Einschlafen immer ein paar schweinische Geschichten erzählt, weißt du noch?“
Felix lächelte dünn. „Ich brauche zum Einschlafen aber absolute Ruhe und Geborgenheit“
Frank blickte ihn gespielt traurig an. „Du fühlst dich bei mir nicht geborgen?“
„Du schnarchst, oder?“, antwortete Felix und ging auf seine Bettseite zu.
Sein Gegenüber setzte wieder ein Schmunzeln auf. „Wir werden gar keine Zeit zum Schlafen haben. Rate mal wer an der Bar auf uns wartet!“
„Wer?“, fragte der Anwalt und blickte auf.
„Mimi und Lolo!“, war die verheißungsvolle Antwort.
Er zog irritiert die Augenbrauen zusammen. „Wer sind Mimi und Lolo?“
„Die linke ist Mimi und die rechte ist Lolo. Oder andersrum.“
„Och, Frank, wir sind grade erst angekommen!“, tadelte Felix und klappte seinen Koffer auf.
Frank grinste nur. „Ich seh dich unten an der Bar“
Der Anwalt überlegte kurz, während sein Freund das Zimmer verließ. Er hatte ohnehin nicht vor gehabt hier oben für den Rest des Abends zu versauern und Sandra war offensichtlich noch mit der Badewanne beschäftigt. Das könnte dauern.
Seufzend streckte er sich durch und griff nach seinem Sakko, bevor er auf den Flur trat und sich wieder auf den Weg zu den Aufzügen machte. Als er an Sandras Zimmer vorbeiging, hoffte er für eine Sekunde darauf, dass die Tür sich öffnen und sie vor ihm stehen würde, denn ein Spaziergang mit ihr wäre ihm im Moment bedeutend lieber gewesen, aber natürlich geschah dies nicht und so machte Felix sich ergeben auf den Weg zur Bar.

Er war schwer angetan von dem geschmackvollen Ambiente und die Bar war wie zu erwarten bereits gesteckt voll. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, als er einen nur allzu bekannten Kollegen erblickte.
„Herr Moosleitner“, nickte er freundlich.
Der Richter freute sich offenbar ihn zu sehen. Dass er in Begleitung einer unbekannten Dame an der Bar saß, kommentierte Felix nicht weiter. Dass diese Frau nicht seine Ehefrau war, war mehr als offensichtlich, aber wieder fiel im Sandras Kommentar ein und offenbar galt auch hier das unumstößliche Gesetz ‚Was in Trier passiert, bleibt in Trier‘ oder so ähnlich.
„Aaah, Herr Edel“
Der Angesprochene blieb stehen und blickte direkt in das süffisante Gesicht seines Gegenübers. Theo Giger. Ein absoluter Schnösel von Anwalt, den Felix auf den Tod nicht ausstehen konnte.
„Ich freu mich auf unser kleines Rededuell“ Giger zog an seiner Zigarre.
„Und ich erst, Herr Giger“, entgegnete Felix und man konnte die Verachtung in seinem Lächeln förmlich spüren.
„Zu welchem Thema werden Sie sprechen?“
„Das überleg ich mir noch“ Als hätte Felix ihm tatsächlich seine Rede auf die Nase gebunden. Wie naiv war dieser Kerl eigentlich?
Er ging weiter, merkte aber innerhalb von Sekunden, dass er verfolgt wurde.
„Sie wissen es nicht?“ Giger sah ihn selbstgefällig an. „Das find ich mutig, sehr mutig.“
Felix ging das Geschwafel seines Kollegen gehörig auf die Nerven. Wieso folgte er ihm überhaupt? Er hatte absolut keine Lust hier Smalltalk mit seinem Rivalen zu halten.
„Ich habe mehrere Reden vorbereitet“, versuchte er sich zu retten. „Alle sehr grundlegend intensiv, manche auch kontrovers. Ich werde mich dann spontan entscheiden, welche ich halten werde. Je nachdem wie die Stimmung ist. Und Sie? Worüber werden Sie reden?“
Felix ging unbeirrt weiter, in der Hoffnung, dass es seinem Kollegen irgendwann zu blöd wurde ihm zu folgen.
Giger allerdings gestikulierte nur wild mit seiner Zigarre in der Hand. „Sie werden lachen, ich weiß es nicht“
„Tatsächlich...“, antwortete Felix gelangweilt.
„Ja, aber ich habe noch gar nichts vorbereitet“ Giger grinste generös. „Mir liegt diese Streber-Tour nicht so. Ich verfertige meine Gedanken erst im Reden selbst statt mich ängstlich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten. Mehr Geist als Fleiß, Sie verstehen was ich meine.“
Dem Anwalt platzte fast der Kragen aufgrund dieses Kommentars. Wie gerne hätte er ihm um die Ohren gehauen, dass er selbst auch noch nicht den geringsten Schimmer davon hatte, was er sagen würde. Aber das hätte ihn jetzt vermutlich nur unglaubwürdig dastehen lassen.
„Ja, Herr Giger“, rang Felix sich ein Lächeln ab.
Sein Gegenüber zog an seiner Zigarre. „Man sieht sich, Herr Edel“
„Man sieht sich“ Er war heilfroh, als dieser Schnösel endlich den Rückzug antrat.
Felix ging schnellen Schrittes auf Frank zu und musste seinem Ärger Luft machen. „Man hat mich gebeten zu kandidieren und er, er drängt sich da einfach rein, weil er scharf auf den Posten ist. Mich haben sie gebeten, inständig gebeten. Und er ist einfach nur Posten-geil!“
Felix warf ihm einen vernichtenden Blick hinterher.
„Ich werde für dich stimmen“, versprach Frank, was seinem Freund ein stolzes Lächeln entlockte. „Und nun vergiss das. Jetzt sei bereit für Mimi und Lolo!“
„Hallo“, lächelten die beiden Damen im Chor.
„Und das ist der Felix“, stellte Frank ihn vor, bevor er ihn auf das Duo zuschob.
Der Anwalt lächelte gequält. „Hallo“
Er reichte ihnen die Hand und setzte sich dann an die Bar. Frank hatte sich offensichtlich für die dunkelhaarige Lolo entschieden und Felix gefiel ganz und gar nicht wohin das ging. Diese ganze ‚Du kriegst die Freundin‘ Schulhof Nummer war das letzte, das er hier im Sinn hatte. Er sah Mimi von der Seite an und überlegte krampfhaft, was er hätte sagen können. Dann allerdings merkte er selbst, dass er keine Lust auf irgendeinen erzwungenen Smalltalk hatte, und wandte sich dem Kellner zu. „Einen Caipi bitte“
Während er auf seine Bestellung wartete, drehte er sich auf dem Barhocker wieder um und hielt Ausschau nach Sandra. Er fragte sich, ob sie überhaupt noch vor hatte nach unten zu kommen. Vielleicht würde er nach seinem Cocktail doch noch zu ihr hoch gehen und sie auf ein Glas Wein bitten.
„Und du bist Anwalt?“, riss ihn Mimis Stimme plötzlich aus seinen Gedanken.
Etwas unsicher sah er in ihre Richtung und nickte mit einem müden Lächeln.
„Das ist interessant. Ich auch.“
Irritiert zog er eine Augenbraue hoch.
„Also, ich bin keine Anwältin. Ich bin Kosmetikerin. Aber ich bin auch zu einer Tagung hier.“ Sie lächelte schüchtern.
Felix nickte nur.
„Und… guckst du auch auf die Mosel?“ Es war beinahe unangenehm wie krampfhaft Mimi versuchte hier ein Gespräch aufzugreifen.
Frank und Lolo starteten da schon um einiges lockerer.
Felix nahm seinen Cocktail entgegen und schüttelte den Kopf. „Porta Nigra“
„Ah… schön“, nickte Mimi und zog an ihrem Strohhalm.
Wieder entstand peinliches Schweigen zwischen den beiden, zumindest die Blondine empfand dies als äußert unbehaglich. Sie warf einen Blick zu ihrer Kollegin und musste beobachten, wie einfach ihr das Gespräch mit Frank offenbar von der Hand ging.
„Ich, äh, werde mal eben...“, entschuldigte sie sich deswegen und erhob sich von dem Barhocker.
Felix nickte nur freundlich und schlürfte wieder von seinem Cocktail.
Als Frank seinen Namen zischte, blickte er fragend zu ihm hinüber. Der Anwalt deutete mit dem Kopf in die Richtung, in die Mimi verschwunden war, und Felix zuckte nur gelangweilt die Schultern.
Er nippte weiter an dem Strohhalm, der Cocktail war äußert süffig, er bestellte aber absichtlich keinen zweiten, um Sandras These nicht gleich am ersten Abend zu stützen. Gerade, als Felix erneut darüber nachdachte an ihre Tür zu klopfen, um sie zu sich an die Bar zu holen, erblickte er ihre zierliche Gestalt und winkte ihr glücklich.
Ein Lächeln zauberte sich auf ihr Gesicht und sie ging sicheren Schrittes los, wurde dann aber plötzlich abgefangen und blieb stehen.
Felix reckte den Hals ein wenig, um zu sehen, warum sie stehengeblieben war, konnte allerdings nichts sehen und vermutete Richter Moosleitner.
Er trank den letzten Schluck seines Caipi und stieg dann tatsächlich in ein kurzes Gespräch mit Lolo und Frank ein.
Als Sandra einige Minuten später immer noch nicht zu ihnen gestoßen war, erhob Felix sich von dem Barhocker und blinzelte erneut in ihre Richtung. Zu seinem großen Erstaunen sah er, dass sie mit Giger sprach. Ihr Blick streifte ihn und er zog fragend die Augenbrauen zusammen und hob die Hände.
Sandra zuckte kaum merklich entschuldigend die Schultern. Felix seufzte. Na großartig, jetzt hatte dieser Schnösel sich auch noch seine Partnerin gekrallt. Er deutete nach oben und winkte ihr dann zu. Für heute Abend hatte er genug und außerdem war er immer noch gerädert von der Autofahrt.
Er wünschte Frank und Lolo eine gute Nacht, vergaß vollkommen, dass Mimi wahrscheinlich bald wieder zurück an die Bar kommen würde, und trottete dann gemächlich auf den Aufzug zu. Als er im Zimmer angekommen war, machte er sich bettfertig und ließ sich dann auf die weichen Laken sinken. Er mochte den Geruch von frischer Hotelbettwäsche und hoffte einfach nur, dass seine Baldriantropfen baldige Wirkung zeigten. Keine zehn Minuten später war Felix tief und fest eingeschlafen.
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