Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Du erinnerst mich an Liebe

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Stefan Vollmer
16.04.2020
19.02.2022
5
4.798
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
16.04.2020 875
 
Unsanft wurde ich von meinem Wecker aus dem Schlaf gerissen. Ich stöhnte genervt auf und zog mir die Decke über den Kopf.
Es war wieder spät geworden, genau wie die letzten drei Tage zuvor. Ich hatte in meiner Wohnung gearbeitet, da ich so schnell wie möglich komplett eingerichtete vier Wände haben wollte. Heute Nacht hatte ich bis zwei Uhr das Wohnzimmer gestrichen und war danach ohne mich umgezogen zu haben ins Bett gefallen.
Dann jedoch fiel mir etwas ein. Das war bereits der dritte Wecker der klingelte und ich hatte mir nicht ohne Grund so viele gestellt. Heute war schließlich mein erster Arbeitstag und zuvor stand noch ein Gespräch mit dem Direktor Arbeitsplatzes, einer Schule hier in Köln an. Ich setzte mich schlagartig auf. "Mist!", fluchte ich und nahm mein Handy in die Hand, um zunächst mal den nervtötenden Ton abzustellen.
Dann fiel mein Blick auf die Uhr. 'Kurz nach 7!', schoss es mir durch den Kopf. Ich war spät dran, weshalb ich gleich aus dem Bett hüpfte.
Ich hatte noch die Klamotten mit den Farbflecken an und außerdem überall Farbe in den Haaren und im Gesicht. Deshalb musste ich dringend duschen. Als das erledigt war, stieg ich nur mit einem Handtuch bekleidet über die herumstehenden Kisten und Sachen, bis ich meinen Koffer gefunden hatte. Dort holte ich mir frische Klamotten heraus und zog mich um.
Dann ging ich zurück ins Bad, nachdem ich den Föhn gefunden hatte und machte meine Haare trocken. Wenigstens halbwegs. Anschließend schminkte ich mich noch ein wenig, ansonsten hätte ich ausgesehen wie ein Zombie.
Als nächstes suchte ich mir meine Sachen zusammen die ich brauchte. Tasche mit Schlüssel und Handy mussten für heute reichen.
Gegen dreiviertel acht verließ ich meine Wohnung, ging zu meinem Auto und machte mich auf den Weg. An einer Kreuzung musste ich anhalten und währendessen klingelte mein Handy, den Anrufer drückte ich weg.
Überzeugt davon, dass noch immer keiner von rechts kam, wollte ich ohne nochmal extra nachzusehen die Kreuzung überqueren. Schließlich hatte ich nur ein paar Sekunden weg gesehen. Allerdings tauchte vor mir plötzlich ein Auto auf. Ich erschrak und trat sofort auf die Bremse, um eine drohende Kollision zu vermeiden.
Die Person im anderen Auto hatte offenbar den gleichen Plan, da auch dieses Fahrzeug plötzlich abbremste. Aber leider fuhren wir trotzdem ineinander, jedenfalls so das wohl die ein oder andere Delle entstanden war. Ich behielt das Lenkrad noch einige Sekunden lang in den Händen und umklammerte es so fest es nur ging.
Zudem zitterte ich am ganzen Körper und mein Herz klopfte bis zum Hals. Ich atmete tief ein und wieder aus und versuchte mich zu beruhigen.
Als ich auf blickte, sah ich einen Mann aus dem anderen Auto steigen. Er schien unverletzt zu sein und zur Sicherheit suchte auch ich mich schnell nach Verletzungen ab.
Aber auch mir war nichts passiert und es war auch unwahrscheinlich, da der Zusammenstoß wirklich nicht hart gewesen war. Der Schreck war größer gewesen, als die Sache selbst. Trotzdem lief der Mann wie von der Tarantel gestochen zum vorderen Teil seines Wagens. Gerammt hatte ich ihn ein wenig seitlich an der Motorhaube.
Er sah wütend aus, jedenfalls raufte er sich die Haare und schien zu fluchen. Ich schnallte mich ab und stieg anschließend aus. Sofort blickte der Mann zu mir. "Sind sie eigentlich noch ganz dicht?!", fragte er mich aufgebracht. "Ich hätte Vorfahrt gehabt, können sie keine Schilder lesen?!" Ich war erstmal unfähig ein Wort heraus zu bringen.
Als ich hingeschaut hatte, war die Kreuzung frei gewesen. Er musste also ziemlich schnell unterwegs gewesen sein, anders konnte ich mir das nicht erklären. Ich fühlte mich aber dennoch schuldig und wusste nicht, wie ich ihn besänftigen konnte.
Jedoch war ich erstmal froh, das nichts schlimmeres passiert war."Es tut mir leid, ich.. Ich hab sie nicht gesehen.", stammelte ich unbeholfen. "Sie waren so schnell da.. Ich konnte nicht mehr ausweichen!", fügte ich hinzu.
"Man schaut vorher, ob die Kreuzung frei ist!", stellte der Mann wütend klar. "Das war sie!", rechtfertigte ich mich. "Aber natürlich werde ich für den Schaden aufkommen, wenn sie.."
Er ließ mich nicht aussprechen, sondern ging mich gleich wieder an. "Lassen sie's stecken, ich bin froh wenn ich sie nicht mehr so schnell sehen muss!", meinte er und ging zurück zu seinem Wagen. "Den Schaden kann ich schon selber zahlen! Aber sie sollten sich überlegen, ob sie nicht freiwillig ihren Führerschein abgeben, bevor das nächste mal was schlimmeres passiert!"
Und daraufhin stieg der Mann wieder in seinen Wagen und fuhr davon. Verblüfft sah ich ihm nach, aber er wollte es wohl tatsächlich auf sich beruhen lassen, obwohl er so wütend gewesen war. Ich hatte geglaubt, er würde mich gleich zerfetzen, aber stattdessen war er inzwischen außer Sichtweite.
Auch ich ging zurück zu meinem Auto und stieg wieder ein. Nachdem ich mir nicht einmal das Kennzeichen des Mannes gemerkt hatte, konnte ich sowieso nichts mehr machen.
Ich setzte mich wieder hinters Steuer und fuhr weiter. Ich war schließlich spät dran und es war schon kurz vor dreiviertel acht. Ich hatte also nicht mal mehr 20 Minuten Zeit, um zur Schule zu fahren.
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast