Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Von Dieben und Meuchlern

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
15.04.2020
30.05.2021
9
35.565
6
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
04.04.2021 3.310
 
Falkenring war nicht weit von der Zuflucht entfernt. Erst jetzt wurde Za´Tesh klar, dass sie sich eigentlich die ganze Zeit im Fürstentum Falkenring befunden hatten. Die gleichnamige Hauptstadt wurde auch die Stadt des Todes genannt. Das lag an dem riesigen Friedhof, auf welchem noch alte Kriegsopfer begraben wurden. Ansonsten bediente sich die idyllische Stadt an der Forstwirtschaft, an den Nadeltannen und an den Mischlaubbäumen, welche Vistah und Za´Tesh nun hinter sich ließen. Sie verließen das dichte Gewächs, den pfadlosen Wald und näherten sich den mit Steinen gepflasterten, bürgerlichen Weg. Za'Tesh kannte diesen Weg sogar. Zumindest war er während seiner unabhängigen Zeit, nach seiner Mitgliedschaft in der Diebesgilde, einige Male hier hergelaufen. Er hatte von Aufträgen und den Verkauf von Drogen gelebt und konnte nie zu lange an einem Ort bleiben. Dass er so nah an der Zuflucht der dunklen Bruderschaft vorbei spaziert ist, war ihm nie klar gewesen. Auch nicht, dass sie sich so nah an der Hauptstadt dieses Fürstentums befand. Za´Tesh war mit der Zeit immer gesuchter geworden, da Maven ihre Kontakte überall spielen ließ. Somit wurde das Gebiet, in dem er sich aufhalten konnte immer kleiner. Die normalen Durchschnittsbürger erkannten ihn aber nicht. Sie liefen immer achtlos an ihm vorbei, wenn er einem begegnete. Hier kam ihnen aber niemand entgegen. Der Pfad am Waldessrand verblieb leer und verlassen, in der späten Abendsonne. Irgendwie strahlte das etwas Ruhe auf den Kater aus. Seine Nerven waren die ganze Zeit angespannt gewesen, doch jetzt fühlte er sich schwerer und müder. Dabei hatte er das Schlimmste wahrscheinlich noch nicht einmal überstanden.

Einige Zeit herrschte Stille zwischen dem Kater und der Assassine, welche vor ihm herlief, bis dieser sie unterbrach.
„Ich werde Euch nun die Informationen über die Person mitteilen, die wir suchen“, ertönte die zischende Stimme. Es war nicht so, als wäre der Kater sehr erfreut darüber, sie zu hören.

„Na schön, rückt raus damit“, gab Za´Tesh schließlich von sich, nachdem er kurz überlegt hatte, ob er die Informationen überhaupt wollte. Eigentlich wollte er mit dieser Sache ohnehin nichts zu tun haben. Zumal er sich fragte, wann und wie er aus dieser ganzen Angelegenheit überhaupt wieder herauskommen würde.

Vistah kommentierte seine eher unfreundliche Antwort überraschenderweise aber nicht. Er lief weiterhin ein Stück vor ihm, sein Gesicht blieb ernst.
„Nazir, ein Mitglied meiner Bruderschaft, konnte ein paar Informationen über sie herausfinden. Es ist eine weibliche Khajiit mit orangefarbenem Fell. Ihr Name ist Kefira und sie scheint sich viel mit Diebstahl, Handel und Aufträgen über Wasser zu halten. So wie die meisten Khajiit, die nicht einer Karawane angehören und nach Himmelsrand kommen, habe ich recht?“

Die Augen des Argoniers blickten den Kater kurz an und Za´Tesh zuckte etwas zusammen. Ja ihre Art war nicht sonderlich beliebt in Himmelsrand. Tatsächlich waren Khajiit in den Städten nicht erlaubt, aufgrund ihres schlechten Rufs. Im Gegensatz zu den anderen Rassen mussten sie vor den Stadttoren hausen und hatten keine Möglichkeit hier zu arbeiten, außer durch den Handel. Einige Khajiit wurden kriminell, um sich über Wasser halten zu können und trugen somit zu den Vorurteilen und den schlechten Eindruck ihrer Rasse bei. Ein Teufelskreis. Im allgemeinem gab es nicht viele Khajiit in Himmelsrand. Dennoch kamen immer wieder welche her. Manche, um Geschäfte zu machen und andere, weil sie in ihrer eigenen Provinz arm waren und sich hier etwas versprachen. Die meisten wurden enttäuscht. Bei Za´Tesh war es vor vielen Jahren nicht anders gewesen. Nun war er in die Jahre gekommen und wünschte sich nichts sehnlicher als seine Heimat zurück. Er hatte viele unmoralische Dinge getan. Vielleicht würde er endlich seinen Frieden mit sich schließen können, wenn er nach Elsweyr zurückkehren könnte. Doch das könnte er eben nur in Elsweyr, seinem Heimatland, finden.

„Cicero hatte etwas von einer Katze erzählt“, fiel Za´Tesh auf, „Von zwei Katzen. Eine davon sollte ich sein und die andere war dann wohl...Kefira.“
Also hatte der Narr wohl schon Informationen bekommen, über den Fall der Mörderin, die der dunklen Bruderschaft einen wichtigen Auftrag gestohlen hatte. Dabei hatte Za´Tesh sein Gerede einfach nur für verrückt gehalten, doch anscheinend wusste er mehr, als er ihm zugetraut hatte.

„Hoffen wir, dass er die ganze Sache nicht verplappert“, sagte Vistah schließlich und schüttelte den Kopf, „Es war klar, dass er davon schon längst mitbekommen hat. Es geht immerhin um die potenzielle Zuhörerin. Da kann er die Füße einfach nicht still halten.“

„Wenn diese Khajiit doch die Zuhörerin ist, warum hat die Mutter der Nacht sie nicht einfach zu sich, also in die Zuflucht bestellt?“, sprach Za´Tesh seine Gedanken laut aus. Der Kater glaubte immer noch nicht an diesen ganzen Hokuspokus. Vielleicht hatten die vorherigen Zuhörer einfach so getan, als würden sie eine Stimme in ihrem Kopf hören, um mehr Macht zu erlangen. Irgendjemand hat ihnen dann zugesteckt, wo jemand ein schwarzes Sakrament ausgeführt hat, ohne, dass die anderen Mitglieder davon wussten. Za´Tesh glaubte schon kaum an die ganzen Gottheiten, die überall so verehrt wurden und wenn, dann eher sporadisch. Für ihn zählte nur das hier und jetzt.

„Vielleicht hat sie das, doch die Khajiit ist ihr nicht gefolgt“, antwortete ihm die Echse, die weiterhin ihren Blick geradeaus gerichtet hielt, „So oder so wusste sie, wo ein schwarzes Sakrament stattgefunden hat. So oder so hat sie uns einen Auftrag gestohlen. Da sie vor den Mord an Grelod schon einige umgebracht hat, kann es sein, dass die Mutter der Nacht sie als würdig anerkannt hat. Ihr erstes Opfer war ihr eigener Onkel.“

Za´Tesh blickte verwirrt zu der Echse auf.
„Also sprechen wir hier von einer wirklichen Mörderin? Einer gesuchten Mörderin?“
Die Sache war also wirklich gefährlich.

„Mehr oder weniger“, sprach der Argonier weiter, „Das Verbrechen fand in ihrer Heimat statt. Kefira ist arm aufgewachsen und ihre Eltern starben früh. Sie wurde nicht gut von den Verwandten behandelt, denen sie zur weiteren Aufzucht übergeben wurde. In Elsweyr ist sie durch die Morde an einigen Familienmitgliedern eine gesuchte Straftäterin. Ihr gelang die Flucht nach Himmelsrand. Hier ist sie nur für kleinere Diebstähle bekannt. Die Information über ihre Taten in Elsweyr haben wir von ein paar von dort stammenden Kontakten. Die Justiz in Himmelsrand hat diese Informationen nicht. Oder zumindest hat sie Kefira nicht in ihrem Register.“

Da die dunkle Bruderschaft nur noch in Himmelsrand existierte, ging Za´Tesh stark von Maven aus, die diese Informationen besaß. Natürlich, sie wusste über so ziemlich alle Vorgänge in der dunklen Bruderschaft Bescheid. Es war nicht unwahrscheinlich, dass die Assassinen sie um Hilfe gefragt hat, um mehr über die Person herauszufinden, die ihnen Aufträge stahl.
„Warum wurden diese Informationen denn nicht bekannt gegeben?“, fragte Za´Tesh schließlich weiter. Immerhin schien es einige Leute zu geben, die so etwas herausfinden konnten.

„Weil eine potenzielle Zuhörerin sehr wichtig für unsere Bruderschaft sein könnte“, antwortete ihm Vistah. „Sie könnte uns mächtiger machen, einflussreicher. Andererseits wollen wir diese Sache mit ihr selbst klären. Astrid würde sie gern rekrutieren, da sie Talent besitzt. Immerhin besitzen beide eine ähnliche Vorgeschichte. Von daher könnte sie auch für Maven nützlich sein. Sollte sie sich nicht nützlich machen, können die Informationen, die wir über sie haben ein gutes Druckmittel sein. Beseitigen kann man sie im Nachhinein immer noch.“

So langsam verstand Za´Tesh, warum Vistah so selbstsicher in das Vorhaben ging. Nicht nur war Kefira aufgrund ihrer Rasse unwahrscheinlich eine eingegliederte und dadurch geschützte Bürgerin Himmelsrands, die sich viel in öffentlichen Städten aufhalten konnte, sondern sie hatte auch noch eine unschöne Vergangenheit, die ihre Existenz in dieser Provinz gefährden könnte. Es wäre ein Leichtes, sie zu entführen. Anscheinend wusste sie auch nicht davon, dass es eben doch Personen gab, die von ihren Taten wussten. Oder es war ihr bisher nur nicht zum Verhängnis geworden. Etwas Mitleid empfand Za´Tesh schon für sie. Nicht nur, weil sie eine Artgenossin war. Auch, weil sie ein ähnliches Schicksal teilten. Eine stetige Flucht, sowie das Gefühl, nirgendwo hingehören zu können. Es war ein Schicksal, das zu viele Khajiit, vor allem hier in Himmelsrand, teilten. Himmelsrand war ein kaltes und raues Land. Seltsam, dass sich einige Katzen und Kater dennoch immer wieder zu dieser Provinz hingezogen fühlten.

„Sie hat gar keine Wahl, wenn man es so sieht“, Za´Tesh blickte auf den Boden, „Sie wird mitgehen müssen.“

„Ich erwarte dennoch, dass sie sich wehren wird“, sprach Vistah. „Wir sollten von daher auf der Hut sein. Doch zu zweit müssten wir sie überwinden können.“

„Ich verstehe allerdings nicht, warum ich noch weiterhin wichtig für diese Sache bin. Ihr habt alle Informationen, um sie zu erpressen. Töten könntet ihr sie auch ohne Probleme allein. Ihr macht Euch nur Ärger, wenn ihr mich ohne Astrids Wissen noch weiterhin am Leben lasst.“
Zwar war Za´Tesh dankbar, noch nicht getötet worden zu sein, dennoch konnte er Vistahs Beweggründe nicht verstehen. Es wäre alles einfacher, wenn er den Mordauftrag an ihm sofort erledigt hätte.

„Ich kann sie nicht töten, solange ich nicht weiß, ob sie die Zuhörerin ist oder nicht. In diesen schweren Zeiten muss man nach jedem Strohhalm greifen, den man zu fassen bekommt. Zudem hat Maven kein schwarzes Sakrament ausgeführt. Sie hat uns wütend einfach diesen Auftrag Euch zu töten auf die Nase gebunden, ohne einen Wert auf die Traditionen zu legen. Ein schwarzes Sakrament führte sie erst ein einziges Mal aus und da es ohne Zuhörer nicht empfangen werden konnte, sucht sie uns seither immer ohne auf, da sie denkt, dass es Zeitverschwendung ist. Wenn sie die Wichtigkeit dieses Rituals nicht versteht, warum sollte ich ihren Auftrag als wichtig erachten? Die anderen mag das egal sein, doch mir ist es nicht egal.“

„Dennoch habt Ihr den Mordauftrag an mir angenommen“, unterbrach ihn der Kater mit dem roten Fell, „Hattet Ihr nicht schon geplant, mich als Bauer für Euer Spiel zu verwenden?“
Dass der Argonier ihn für längere Zeit vor seinem ersten Angriff beobachtet hatte, wusste Za´Tesh ja schon. Doch was genau könnte an ihm so wichtig sein, dass er sich dazu entschlossen hatte, ihn nicht umzubringen und stattdessen in den Mord von Talen Jei einzubinden? Vor allem, da er ihn in die weiteren Pläne zur Erneuerung der Bruderschaft einband.

„Ja, das habe ich doch bereits erwähnt“, gab der Argonier von sich und Za´Tesh konnte nicht ganz heraushören, ob er vielleicht sogar genervt war, „Normalerweise darf kein Mord ohne den Zuspruch der Mutter der Nacht begangen werden. Ich habe den Auftrag angenommen, um Euch in meine Pläne einzubinden, ja. Und das warum? Es gibt kein warum. Es gibt nur ein paar Argumente. Ich brauchte einen Außenstehenden, der den Mord begehen konnte. Ich brauche nun einen Außenstehenden, der mich und Cicero unterstützt. Sonst will das niemand in der dunklen Bruderschaft machen. Nicht einmal mein eigener Bruder. Es hat keinen Sinn, die anderen in den Plan einzuweihen. Und Astrid ist zu Machtbesessen, um einen Zuhörer, der ihr die Position als Anführerin wegnimmt, zu dulden. Ihr seid erfahren in Verbrechen. Warum solltet Ihr Euch nicht eignen? Ihr seid gesucht und hattet kaum eine Wahl abzulehnen. Ihr könnt Euch an niemanden wenden. Wer sollte bessere Bedingungen erfüllen, für diese Rolle?“

„Habt Ihr nicht eine Tonne solcher Opfer, die dieselben Bedingungen erfüllen?“, zischte Za´Tesh. Irgendwie wurde er wütend, durch diese stetige Arroganz des Argoniers. Wer glaubte er zu sein, dass er so auf ihn herabsah.
„Ich werde von Maven gesucht, nicht von irgendwem. Da gäbe es sicherlich unauffälligere Kandidaten?“

„Warum sollte Maven nicht irgendwer sein?“, unterbrach ihn die Echse. Seine Stimme war immer noch ruhig, dennoch schwang ein harscher Unterton mit. „Wenn mir die dunkle Mutter befiehlt, sie zu töten, so wird dies geschehen. Sie ist nicht das Zentrum unserer Gemeinde.“

Aha. Also steckte auch etwas Trotz in seiner Wahl. Eigentlich hätte Za´Tesh sich das denken können. Aber er konnte Maven ja auch nicht sonderlich leiden. Eigentlich konnte er das noch nie. In dieser Hinsicht waren sie sich einig.
„Außerdem“, fügte Vistah hinzu und ließ Za´Tesh aufsehen. „Ist es immer gut Verbündete zu haben. Vor allem welche, die man leiden kann.“

Die Aussage ließ den Kater verwundern und gleichzeitig trocken schlucken. Was wollte er damit sagen? Bisher hatte Za´Tesh nicht das Gefühl bekommen, dass Vistah sich ihm sonderlich verbunden fühlte. Diese Aussage passte zu diesem kaltherzigen Typen gar nicht. Außerdem kam sie äußerst plötzlich. War das ein Versuch, falsche Nähe aufzubauen? Za´Tesh entschloss sich dazu, diese Aussage unkommentiert zu lassen und lieber schweigend hinter der Echse herzulaufen. Dieser wusste bestimmt, dass es in seinem Kopf dennoch arbeitete. Oder er wusste es nicht. Die Assassine schwieg ebenso.

Der steinerne Pfad führte sie für eine Weile geradeaus. Es war kühl und wurde mit jedem Schritt kühler. Die Abendsonne verschwand langsam hinter ein paar grauen Wolken. Dann dauerte es nicht mehr lang, bis leichter Regen anfing während ihres Weges vom Himmel zu tropfen. Er plätscherte auf die dunkelbraune, angefeuchtete Erde, sowie auf ihre Kleidung herab. Die grünen Sprossen, die sich überall durch den Boden kämpften, schienen sich über das Wetter zu freuen. Diese Pflanzen mochten das nasskalte Klima. Violette Disteln wuchsen zwischen den vereinzelten grünen Sträuchern hervor und fingen die Regentropfen ebenso dankbar ab, ließen sie an ihren Blütenblättern hinab perlen. Die großen, eindrucksvollen Nadeltannenbäumen stachen gerade in den Himmel, ebenso durchnässt. Die Spitze dieser Bäume befand sich weit über ihre Köpfe. Gelegentlich sah Za´Tesh zu ihnen hoch, anstatt seinen Blick nur den grauen Gestein ihres Weges zu widmen. Er fragte sich, wie Vistah die Mörderin nun suchen wollte. Wo er glaubte, sie zu finden. Nach und nach führte ihr Weg sie weiter bergauf. Graue Felsen ragten aus dem rechten Rand neben ihnen. Der Weg wurde steiler und unebener. Durch die Rutschigkeit des nassen Bodens mussten sie beide aufpassen, wo sie hintraten.

Jetzt dürfte die Stadt nicht mehr weit entfernt sein. Erst, als Za´Tesh die langgezogene Mauer aus aufgetürmten Gestein erkannte, meldete er sich wieder zu Wort. Die flache Mauer stütze das Holzkonstrukt einer überdachten Brücke, auf welcher meist Wachen Patrouille liefen. Sie ließ einen viereckigen Eingang, hinter dem der Weg weiter durch die kleine Stadt führte, die Za´Tesh eher als ein Dorf bezeichnen würde. Kleine Holzhäuser mit Dächern aus Stroh reihten sich neben dem Weg auf. Durch die großen Tannen und Sträucher, die Teile des Tors verdeckten, konnte Za´Tesh allerdings nicht alles erkennen. Was er aber sehr wohl erkannte, waren Bewegungen von Personen, unmittelbar am Toreingang. Der Geruch von großen, metallenen Schildern und schwerer Rüstung erreichte die feine Nase des Katers. Er kannte diesen Geruch zu gut. So wie er den Klang der überwachenden, routinierten Schritte kannte. Als sie näher kamen sah er eine Person, die sich direkt innerhalb des Einganges an einem der Balken des Holzkonstruktes lehnte. Ihr Blick streifte in ihre Richtung, nur dürften die Sträucher und Bäume ihre Gestalten ebenso unkenntlich machen. Es waren Wachen. Nicht unbedingt die besten Freunde Za´Teshs. Er blieb stehen, wie so oft, wenn er die Tore und Zugänge der Städte erblickte. Hier hatte er einmal von einer Wache den Auftrag bekommen, einen verwaisten Hund zurückzubringen. Vielleicht wollten sie sich damals auch nur über ihn lustig machen, auch wenn Za´Tesh erfolgreich in der Ausführung seiner Aufgabe war. Er wusste nicht, inwieweit Falkenring von seinem Status als gesuchter Mann wusste. Zumal er die Stadt so oder so als Khajiit nicht betreten durfte. Er wollte Städte so gut wie möglich meiden.

„Wir sollten Kefira nicht in der Stadt suchen, da sie eine Khajiit ist“, sagte Za´Tesh schließlich trocken, nachdem er kurzzeitig auf die Eingänge Falkenrings gestarrt hatte.
„Außerdem darf ich dort nicht rein.“

„Ich weiß“, zischte Vistah und bog schließlich rechts ein. Die Zweigung dieses Weges führte weiter bergauf, zwischen Tannennadeln und sich türmenden Felsen. Za´Tesh blinzelte verwirrt. Er war davon ausgegangen, dass er sich in der Stadt durchfragen würde. Doch die Echse schien andere Pläne zu haben. Ihm war es recht so, also beeilte der Kater sich, ihm zu folgen. Sein Blick wanderte noch einmal zur Seite zu der Wache, auf die er nun einen etwas besseren Blick bekam, mochten einige Felsmassen ihn doch immer noch ein wenig versperren. Er erkannte, dass ihm die blassen Augen durch den silbernen Helm hindurch entgegen starrten. Zusammenzuckend wandte Za´Tesh seinen eigenen Blick wieder ab und folgte lieber dem dunkel gekleideten Argonier. Niemand von ihnen tat etwas. Niemand folgte ihnen. Warum auch? Sie waren höchstwahrscheinlich nur Reisende.

„Ihr habt also einen genauen Plan, wo sie ist?“, irgendwie wirkte die Echse schon die ganze Zeit so zielsicher. Dabei war Falkenring ein großes Fürstentum und sie könnte inzwischen schon längst in einem anderen sein.

„Nicht unbedingt. Laut Nazir hält sie sich im Regelfall aber in der Nähe von Städten auf, sucht dort Unterschlupf. So, wie sie sich in der Nähe von Rifton aufgehalten und unseren Mord beobachtet hat, wisst Ihr noch? Hier in der Nähe gibt es eine Brücke, die oft von Banditen eingenommen wird. Sie stellt ein stetiges Problem für Reisende dar. Aber eben auch einen guten Unterschlupf. Wir sollten es dort versuchen.“

Stimmt, Za´Tesh erinnerte sich. Die Brücke war über den Wegespfad gespannt und erfüllte keinen Nutzen mehr. Oft wurden Wachen dorthin gesandt, inzwischen warnte man Reisende aber eher vor diesem Weg. Anscheinend hatten sie keine Lust sich stetig darum zu kümmern. Wenn man in Himmelsrand längere Reisen vornehmen wollte, empfahl es sich immer, eine bezahlte Leibwache mitzunehmen. Die meisten Menschen waren aber sehr sesshaft und verließen ihre Städte selten, es sei denn, ihr Beruf verlangte es. Es war zu gefährlich geworden. Banditen lauerten, die Abgeschworenen, die die Ureinwohner Himmelsrand waren, verteilten sich in ihren Stämmen überall, sowie wilde Tiere oder gar Drachen einen jederzeit angreifen konnten. Za´Tesh konnte zwar kämpfen, doch auch er mied bestimmte Gegenden.
Der steile Weg wurde wieder gerade und am Abhang konnte Za´Tesh erkennen, dass sie deutlich höher hinauf gestiegen waren. Auch der Regen verzog sich wieder etwas, wenn es auch grau und deutlich dunkler blieb als am Anfang ihrer Reise. Ein paar abgebrochene Holzschilder kennzeichneten den Weg, doch Vistah schenkte ihnen keine Beachtung und so tat es auch der Kater nicht. Sie liefen weiter geradeaus, bis sich um eine Kurve herum das alte Holzgerüst einer Hängebrücke zeigte. Hier wurde der Weg wieder etwas steiler. Die Brücke spannte sich knapp über den Weg zwischen zwei felsigen Erhöhungen. Wenn man darunter herschritt, konnte man dem Pfad weiter bergauf folgen. Sie war leer. Za´Tesh wusste, dass es in der Nähe eine verlassene Holzhütte gab, sowie oft einige Zelte aufgestellt waren, in denen die Banditengruppen übernachteten. Doch es war still. Ein Feuer konnte er auch nicht riechen. Genauso wenig hörte er Bewegungen. Es schien verlassen zu sein. Vistah ging dennoch näher heran und auch der Kater folgte ihm. Die Echse wirkte von der Tatsache nicht verunsichert, noch schien er es für nötig zu halten, sich heranzuschleichen. Andererseits war hier auch niemand.

„Wie seltsam“, murmelte Za´Tesh mehr an sich selbst gerichtet, als an seinem Gegenüber, „Hier scheint niemand zu sein.“

Sie kamen näher heran, bis sich der Schatten der Brücke über ihre Körper legte. Das Holz war durchnässt und es tropfte leicht auf sie nieder. Natürlich wäre so ein verlassenes Lager ein gutes Versteck. Dennoch war hier keine Seele.

„Ich glaube nicht, dass sie hier ist“, sagte der Kater schließlich etwas lauter, damit Vistah ihn hören würde.

Die Echse drehte sich zu ihm herum, der Gesichtsausdruck deutungslos. Seine roten Augen leuchteten zwischen den schwarzen Schuppen hervor. Irgendwie leuchteten sie etwas ungewöhnlich, im dunklen Schatten. Heller, als es ihm sonst vorgekommen war. Za´Tesh blickte ihn etwas verwirrt entgegen, da die Echse ihm nicht antwortete. Gerade als er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, zuckten seine Ohren aber reflexartig. Er vernahm ein Klicken. Ein geschmeidiges Geräusch von kurzer Dauer, dass ihn aus den Konzept brachte. Eigentlich hatte er sich verwirrt umsehen wollen, doch da ertönte schon ein bebendes, bedrohliches Geräusch, bevor er zur Seite blickte und sah, wie große, steinerne Brocken auf sie zu flogen.

-----------------------------------------

Hellöle,

endlich mal wieder ein neues Kapitel! Tatsächlich musste es mal wieder unterteilt werden, die zweite Hälfte gibts beim nächsten mal! So langsam nähern wir uns auch den finalen Kapitel zu...mal schauen wie das ausgehen wird.

An alle übrigens noch frohe Ostern!

Der österliche, schwarze Apfel.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast