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Von Dieben und Meuchlern

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
15.04.2020
30.05.2021
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14.12.2020 5.148
 
Schritte hallten durch die dunklen Gänge. Das flackernde Licht der Fackeln tanzte auf dem Rücken des Argoniers, welcher sich zielsicher durch den engen Pass bewegte. Die Felswände streckten sich ihnen mal enger, mal weniger eng entgegen, wobei einzelne Wassertropfen von der Decke fielen und sich mit tropfenden Geräuschen den Pfützen dem Boden anschlossen. Immer wieder blickte Za´Tesh konzentriert nach unten, um die Treppen nicht zu übersehen, welche stetig hinab führten, weiter in die Tiefe des Verstecks. Er wollte nicht ins Stolpern geraten. Eigentlich fiel ihm das Sehen im Dunkeln nicht schwer, doch die flackernden Lichter irritierten ihn. Oder war es doch eher seine unendliche Nervosität? Die seltsame Tür hinter ihnen hatte sich schon längst verschlossen und sie mit den Fackeln allein gelassen, welche die einzige Lichtquelle bildeten. Nicht, dass es bisher viel zu sehen gab. Es folgte eine enge Wand der nächsten, doch immerhin schien es nur geradeaus zu gehen. Das einzige Interessante, das Za´Tesh bisher aufgefallen war, waren wehende Banner, welche sich am Anfang des Ganges befunden hatten. Der zerfetzte Stoff besaß den Aufdruck einer Hand, wie ein blutiger, menschlicher Abdruck, welcher mit letzter Kraft entstanden war. Er war schwarz gefärbt und verschmiert. Irgendwo hatte Za´Tesh diesen schon einmal gesehen, nur wollte ihm nicht einfallen wo. Er war sich aber sicher, dass es ein Erkennungsmerkmal der dunklen Bruderschaft war.

Der Argonier wusste, wo es lang ging, immerhin war dieses dunkle Versteck sein Zuhause. Durch seine überwiegend schwarz gefärbte Gestalt musste der Kater allerdings aufpassen, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, denn er passte sich der Dunkelheit perfekt an. Za´Tesh selbst konnte es sich nicht vorstellen, einen Großteil seiner Zeit in solch einer Dunkelheit zu verbringen, doch der Argonier bewegte sich in ihr geschickter und natürlicher, als im Tageslicht. Oder vielleicht bildete er sich das nur ein?

Den ganzen Weg über sagte keiner der beiden etwas. Jetzt still zu sein fiel dem Khajiit aber nicht unbedingt schwer. Seine Lippen pressten sich aufeinander, um den Druck, der in seiner Bauchgegend entstanden war, entgegen zu halten. Doch das Gefühl breitete sich unweigerlich in seinem ganzen Körper aus. Es gab kein Zurück mehr. Er würde nun den Anweisungen des Argoniers folgen müssen und hoffen, dass er hier lebend wieder heraus kam. Eine Flucht hielt er nicht für sonderlich empfehlenswert. Nicht nur, dass er das Versteck nicht kannte, auch, dass er nicht wusste, wie lange der Effekt des Trankes noch anhalten würde. Zumal er sich immer noch sicher war, ob der Argonier ihn trotzdem sehen konnte oder nicht. Im Moment tat er so, als würde der Khajiit gar nicht existieren. Er drehte sich nicht um, sah nicht nach ihm. Wurden sie jetzt schon beobachtet? Dieser enge Weg ließ kaum eine Möglichkeit zum Verstecken übrig, doch wer wusste schon, was er hier zu erwarten hatte.

Endlich bildete sich ein Licht am Ende des Tunnels. Ein schwarzes, massives Regal wurde von hinten angeleuchtet, an welchem der Argonier achtlos vorbei trat. Es war, bis auf einer dichten Staubdecke, völlig leer und sonderte einen alten, verbrauchten Geruch ab. Sicherlich ein schweres Material, stellte Za´Tesh fest, als er seine Nase zucken ließ, um die Gerüche aufzunehmen. Etwas weiter entfernt konnte er ein Feuer riechen und seine Ohren vernahmen das Rauschen von Wasser. Ob das der Wasserfall war, von dem die Assassine gesprochen hatte? Noch bevor sie ganz am Regal vorbei geschritten waren, packte der Argonier plötzlich Za´Teshs Arm und zog ihn enger hinter seinen Körper. Erschrocken über die Geste ließ der Khajiit dies geschehen, bevor sich hinter dem alten Möbelstück ein Raum offenbarte. Noch immer tropfte gelegentlich Wasser von der Decke und einige weitere, veraltete Regale standen dicht mit dem Rücken an den Höhlenwänden. In einem weiteren Raum befand sich die Feuerstelle, die Za´Tesh gerochen hatte, sowie einige Fellbetten, in welchen wohl ein paar der Mitglieder übernachteten. Ein Kronleuchter, welcher von der niedrigen Decke baumelte, gab dem Raum etwas mehr Licht. Außer Feuer, Stoff und Staub konnte Za´Tesh noch einen leichten, süßlichen Geruch vernehmen. Interessiert und nervös zugleich hielt er etwas seine Nase in die Luft, als seine Augen durch den Raum glitten. Könnte dieser Geruch von einer Person stammen?

„Da seid Ihr ja endlich“, er hatte tatsächlich recht behalten.

Eine weibliche Stimme ertönte, welche der Argonier vor ihm anscheinend schon erwartet hatte, denn er zuckte nicht zusammen und zeigte auch sonst keine Reaktion. Za´Tesh versuchte, die Richtung seines Blickes aufzunehmen und starrte schließlich in einen weiteren, dunkleren Gang vor sich, bevor er die schlanke Gestalt schließlich entdeckte, die sich gegen eine der steinernen Wände lehnte.
Es war eine große Frau, deren Körper in einem schwarz-roten Kampfanzug steckte. Die Kapuze hing locker herunter und offenbarte somit schulterlanges, goldblondes Haar. Als sie ihren Kopf zu dem Argonier herum drehte, zeigte sich ein blasses Gesicht und stechende, blaue Augen. Augen, die alles beobachteten, aber selten gesehen wurden. Za´Tesh schätze sie etwa 30 Jahre alt. Es war eine schöne Frau, das erkannte er sofort. Und sie hatte eine ruhige Stimme, eine gefasste, kontrollierte Stimme. Die Erfahrung sprach aus ihr heraus.

Der Argonier vor ihm nickte nur, rührte sich aber nicht von der Stelle. So langsam wurde Za´Tesh klar, dass sie ihren weiteren Weg versperrte. Wusste er vorher schon, dass sie dort stehen würde? Wieder wurde er nervös. Wie automatisch glitt eine Hand leicht an die Halterung seines Gürtels, um seinen Streitkolben zu ertasten. Er wusste nicht, ob dies im Falle des Falles viel nützen würde, doch ihm würde nichts anderes mehr übrig bleiben.

„Wart Ihr mit einem Eurer zahlreichen Aufträge erfolgreich Vistah?“, fragte die Frau weiter, welche ihn nicht aus den Augen ließ, sich aber ebenso nicht rührte. War Vistah der Name des Argoniers? Erst jetzt fiel Za´Tesh auf, dass er den Namen der Echse bisher gar nicht gekannt hatte, wobei es sowieso keinen Grund für die Assassine gab, ihn zu verraten, wie er hieß. Er hatte auch keine Kapazität dafür, sich viele Gedanken darüber zu machen.
Für einen kurzen Moment dachte er, dass der Blick der Frau zu ihm hinüber glitt, doch in dem Moment stellte der Argonier sich weiter vor ihn. Gehörte diese Person zu denen, die Ahnung von ihren kleinen Trick haben könnte? Za´Tesh traute sich nicht einmal mehr wirklich zu atmen. Er würde sich völlig auf den Argonier verlassen müssen.

„Mir ist es gelungen Alain Dufont zu töten, wie die Auftraggeberin es verlangt hat. Den zusätzlichen Bonus für den Mord an Nilsine Schmetterschild habe ich ebenso bekommen...“, der Argonier zählte die beiden Morde so ruhig auf, als würde er über die Erledigung alltäglicher Aufgaben auf einem Bauernhof sprechen. Hatte er diese beiden Personen wirklich umgebracht, bevor er dem Khajiit aufgelauert war?

„Und wie hat sich der Tod der beiden angefühlt?“, etwas Drängendes schimmerte in den Augen der Frau, eine aufblitzende, drängende Neugierde.

Dieselbe Leidenschaft teilte der Blick des Argoniers, als sich ein leichtes Grinsen über sein Gesicht schlich.
„Der Banditenanführer war schnell tot. Nilsine hingegen ist an einer...Vergiftung gestorben. Ich weiß nicht, wie ihre Mutter dies verkraftet, ihre zweite Tochter zu verlieren, doch Gerüchten zu Folge, soll sie es nicht gut aufgenommen haben ... Die Auftraggeberin hingegen war sehr dankbar. Sie würdigte meine Arbeit mit großer Genugtuung in ihren Augen.“

„Das ist der beste Preis, den man bekommen kann“, gab die Frau von sich, auch sie lächelte nun leicht. Ihre Arme waren nach wie vor verschränkt.

„Nur über die Mörderin von Grelod konnte ich nichts weiter herausfinden“, führte der Argonier seine Erzählung fort, „War jemand anderes erfolgreicher damit, als ich? Gibt es schon weitere Informationen darüber?“

„Nun...“, die Frau blickte kurz nachdenklich zur gegenüberliegenden Wand, ließ sich einige Sekunden Zeit, bevor sie antwortete: „Nicht wirklich. Wir haben allerdings einen weiteren Hinweis darauf, wo sie sein könnte. Am besten Ihr sprecht einmal mit Nazir, wenn Ihr Euch für die Sache interessiert. Andererseits ...“
Zum ersten Mal rührte sich ihr Gegenüber. Die Frau stütze sich von der Wand ab und trat etwas näher heran, etwas weiter aus der Dunkelheit heraus. Ihre schlanke Gestalt wurde vom Licht der Kerzen erfasst. Man erkannte an ihrem Gang, dass sie viel Körperspannung besaß. Fast wäre Za´Tesh etwas zurück gewichen, doch er zwang sich dazu, sich nicht von der Stelle zu rühren. Verdammt, wie lange würde die Wirkung des Trankes noch anhalten? Wenn sie weiter so trödelten, hätten sie schon sehr bald ein Problem. Oder wusste diese Frau etwa von der Anwesenheit des Khajiits? Versuchte sie deshalb, sie aufzuhalten? Die Assassine vor ihm wirkte immer noch völlig entspannt und ruhig. Falls er nervös war, merkte man ihm das wirklich nicht an.

„...hattet Ihr nicht noch einen anderen, wichtigeren Auftrag zu erledigen? Was ist mit diesen Khajiit-Mann, den Ihr töten solltet?“
Die Frau legte den Kopf schief und beobachtete den schwarzen Argonier aufmerksam. Dieser zuckte nicht einmal mit der Wimper, stand ganz still dar, während Za´Tesh anfing, stärker zu schwitzen. Stimmt, Maven hatte das in Auftrag gestellt. Das war eine große Sache. Was würde er nun sagen? Die Mitglieder der dunklen Bruderschaft würden immer wieder fragen, so lange dieser Auftrag nicht erledigt ist. Wie lange wollte der Argonier lügen?

„Ich habe ihn noch nicht getötet“, antwortete die Assassine wahrheitsgemäß, in einer trockenen Tonlage. Sein Gegenüber wollte noch etwas dazu sagen, doch er führte seine Rede noch fort.

„Er scheint sich nicht mehr im Fürstentum Ostmarsch aufzuhalten. Ich habe durchaus auch Befragungen durchgeführt, aber nichts erfahren können. Er wurde nicht mehr gesehen … Er ist wie...verschwunden...“, der Argonier sprach diese Worte sehr langsam aus. Ein Schnauben entfuhr seiner Gesprächspartnerin.

„In der Tat. Dieser Kerl scheint völlig aus unserem Radar verschwunden zu sein. Wir sollten Maven  nicht zu lange warten lassen, aber sie erst einmal auch nicht darüber in Kenntnis setzen. Sollte er allerdings bereits nach Elsweyer gereist sein, wird es uns unmöglich, ihn zu verfolgen.“

„Das bezweifle ich“, widersprach der Argonier ihr aber. „Mavens Leute sind überall. Sie würden es nicht zulassen, dass er die Grenze übertritt. Das wäre bereits aufgefallen. Er kann sich nicht ewig verstecken. Wir werden ihn früher oder später finden.“

Und früher oder später würde auch herauskommen, dass sie zusammenarbeiteten. Zumindest durchfuhr dieser Gedanke Za´Teshs Kopf und ihm wurde einmal mehr klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis der Argonier ihn umbringen würde, um alle Prämien abzustauben. Wäre er nicht in so einer misslichen Lage und würde er nicht glauben, dass der Argonier ihn trotz seiner temporären Unsichtbarkeit dennoch genaustens sehen konnte, hätte dies eine gute Gelegenheit dafür sein können, die nervige Assassine auszuschalten und dann endlich die Flucht zu ergreifen.

Und was war dann? Dass Maven ihre Leute überall hatte, wusste Za´Tesh zwar, er hatte aber noch nicht darüber nachgedacht, dass sie ihm auch an den Grenzen auflauern könnten. Elsweyer war weit entfernt von Himmelsrand. Es würde eine lange Reise werden, eine lange Zeit, in der es viele Komplikationen geben könnte. Und selbst in anderen Provinzen könnte sie Kontakte haben. Er schluckte schwer. Die Entscheidung, nach Himmelsrand zu kommen, war definitiv die Falsche gewesen. Würde er eine neue Identität brauchen, um wieder ein sicheres Leben führen zu können? Doch er wusste, dass es vielen anderen schon so ergangen war. Ob es die waren, die in den Radar der Thalmor gekommen waren oder andere, die von den Reichen dieser Welt verfolgt wurden. Es war fressen oder gefressen werden.

„Ich hoffe, dass sich Eure Zuversicht bewahrheitet“, antwortete ihm die seltsame Frau und holte Za´Tesh somit auch wieder zurück in das Gespräch.

„Wie auch immer, der Fall der unbekannten Mörderin interessiert mich durchaus“, leitete der schwarze Argonier das Thema wieder ein. „Ich werde trotzdem einmal mit Nazir sprechen. Vielleicht kann ich während der Suche nach Za´Tesh auch dort noch etwas herausfinden.“

Sein Gegenüber zuckte mit den Schultern, ließ ihn aber kein einziges Mal aus den Augen. Langsam schritt sie an ihm vorbei, hinüber zu den kleinen, türlosen Raum mit der Feuerstelle, die Za´Tesh links von ihnen gesehen hatte.

„Wie Ihr wünscht. Überlastet Euch nur nicht. Solltet Ihr ihn nicht innerhalb der nächsten Wochen töten, wird jemand anderes den Auftrag übernehmen. Wir haben uns schon viel zu viel Zeit damit gelassen.“

Endlich war der Weg völlig frei, als sie den Raum betrat und sich auf eines der Fellbetten niederließ. Für einen Moment drehte sie den Kopf zur Seite und starrte dann auf die Stelle, an der Za´Tesh stand. Und sie starrte weiter, der Ausdruck in ihren Augen war erst nichts sagend, wandelte sich aber dann zur einer Art Überraschung. Diese schlich langsam über ihr Gesicht, kaum merklich, bis sie plötzlich in ihren Augen aufblitze. Für einen Moment dachte Za´Tesh die Wirkung des Trankes hätte schon nachgelassen. Sein Herz hämmerte gegen seine Brust, als er den Kopf herum drehte und feststellte, dass der Argonier schon weiter in Richtung des Ganges gelaufen war. Er sah wieder zu der ihm immer noch unbekannten Frau und stellte fest, dass die Überraschung in ihrem Gesicht weiter gewachsen war. Erst jetzt fand er, wie durch einen Stromschlag, seine motorischen Fähigkeiten wieder und beeilte sich, dem Argonier hinterherzulaufen. Mit einem Blick auf seine Füße stellte er fest, dass sie immer noch durchsichtig waren. Die ganze Zeit über hatte er sich nicht getraut, sie sich anzuschauen. Hatte sie ihn bemerkt? Kurz drehte er den Kopf herum und erkannte zu seinem Schreck, dass sie aus dem Raum getreten war, um ihnen nachzusehen. Der Kronleuchter beleuchtete düster ihre Gestalt. Ihr Gesicht behielt diesen eigenartigen Ausdruck, doch sie folgte ihnen nicht. Hatte der Argonier bemerkt, wie sie ihnen nachsah? Schnell blickte Za´Tesh wieder nach vorn und hoffte, dass sie andere Gründe dafür hatte, sich so merkwürdig zu verhalten.

Sie folgte ihnen tatsächlich nicht weiter. Noch ein paar Male drehte Za´Tesh sich um, konnte allerdings nur wiederkehrende Dunkelheit erkennen. Ein weiterer, langer Gang erwartete sie, der schließlich zu dem Ort führte, den der Argonier gemeint haben musste. Es war eine weitläufigere Aushöhlung, mit grünem Moos, das an den Wänden wuchs. Das Wasserrauschen wurde stärker und entpuppte sich als kleiner Wasserfall, der an den Felsen hinunter floss und schließlich in einer unternirnischen Quelle endete. Über diesen Wasserfluss befand sich ein rötliches Glasfenster aus bunten Splittern, das wie ein heiliges Mosaik über die Quelle zu herrschen schien, oder eher über den ganzen Raum. Das altertümliche Bild zeigte einen Totenschädel, der an die Verzierung der sprechenden Eingangstür erinnerte und direkt in den Raum starrte. Weitere bunte Musterungen, allesamt in Rottönen gehalten, umrundeten den knöchernen Kopf. Ob dies Sithis darstellen sollte. Dieser Gedanke durchfuhr Za´Tesh plötzlich und irgendwie erfasste ihn eine leichte Gänsehaut, sodass sich ein paar Härchen seines Fells aufstellten. Er hielt es nicht für unwahrscheinlich, dass er Recht mit seiner Vermutung hatte. Hinter diesem Fenster, das bunte Lichter auf den harten Boden warf, musste sich der Raum befinden, den er aufsuchen sollte. Direkt neben dem Wasserfall erspähte Za´Tesh auch schon die Treppe, die hinauf zu einem weiteren Höhlengang führte. Sein Blick wanderte zu der Assassine, welche immer weiter in den Raum vordrang und sich bisher noch nicht wieder zu ihm umgedreht hatte. Kein Wunder, der Raum war belebt.

Ein schlagendes Geräusch war zu hören. Es war dumpf, aber schallend und wiederholte sich in einem gleichmäßigen Rhythmus. Za´Tesh glaubte auch die kleinen Funken zu hören, die zu allen  Seiten sprühten, sowie Hitze zu verspüren, die zu ihm herüber strahlte. Überraschenderweise sichtete er schon bald eine Werkbank, sowie weitere Waffenhalter und eine Schmiede, die eine ganze Ecke des Raumes für sich einnahmen. Die Werkstatt dieses Ortes. Und einen Handwerker hatte sie auch. Auf der Bank lag zur Zeit ein großes Schwert, dass von einem älteren Mann mithilfe eines schweren Hammers bearbeitet wurde. Immer wieder schlug er damit auf das noch heiße Metall ein, dass anscheinend zuvor in das Feuer der erhitzen Schmiedestelle getaucht wurde. Za´Tesh erkannte weißgraues Haar, das über die breiten Schultern der Person fiel. Seine kräftige Statur sprengte fast den einheitlichen Kampfanzug. Als der Mann sich umdrehte, sah er leuchtend gelbe Augen in dem blassen Gesicht, die ihnen durchstechend entgegen sahen. Etwas Wildes strahlte in ihnen, etwas Ungehaltenes. Der Khajiit konnte sogar erkennen, wie sich die kleinen, schwarzen Pupillen verengten, seinen Gegenüber fokussierten. Die Nase des menschlichen Mannes rümpfte sich einige Male, bevor er sich gänzlich umdrehte und seine Arbeit pausierte. Auch Za´Teshs Nase rümpfte sich. Ein seltsamer Geruch ging von dieser Person aus. Dieser Geruch kam ihm bekannt vor, nur konnte er ihn nicht zuordnen. Vielleicht lag auch dies an seiner immer noch währenden Nervosität.
Der Mann war wahrhaftig groß, als er sich aufrecht hinstellte und langsam, barfuß, zu ihnen herüber schritt. Ein langer Bart lag auf seiner Brust auf und die kräftigen Augenbrauen ließen seinen Blick noch deutlich strenger und furchteinflößender erscheinen. Was für ein Berg von einem Mann. Wie unwahrscheinlich, dass sich so jemand unbemerkt an jemanden heranschleichen konnte. Doch für solche Arbeiten war er sicherlich gar nicht eingeteilt. Der Khajiit, der erstarrt zu dem immer näher kommenden Mann sah, vermutete, dass es sich um einen Nord handelte. Vielleicht sogar kein reiner Nord. Irgendetwas an ihm war seltsam, irgendetwas war ungewöhnlich. Der Geruch, die Augen, seine Gangart ...Doch warum stand er hier noch so herum? Za´Tesh drehte seinen Kopf von der Person weg, die Vistah, welcher vor ihm stand, ansteuerte und sah stattdessen zu der Treppe.

„Sobald wir durch den ersten Gang zum großem Raum gelangt sind, nehmt Ihr die Treppe neben dem kleinen Wasserfall.“

Die Worte des Argoniers fielen ihm wieder ein. Sobald. Also sofort. Noch wirkte der Trank. Wer wusste schon, wie lange noch. Ohne sich noch einmal umzudrehen, setzte sich der Khajiit also in Bewegung und wandte sich von seinem vorübergehenden Verbündeten ab. Oder eher von seinem Auftraggeber. Es dauerte nicht lang, bis er die Treppe erreicht hatte, in der Hoffnung, dass das laute Rauschen des Wassers seine Schritte übertönen würde. Auf dem Weg versuchte er kleinen Kieselsteinen auszuweichen, um sie nicht in Bewegung zu versetzen. Zum Glück schien der Fokus des Mannes eher auf dem Argonier zu liegen. Dieser trat immer näher an ihn heran, wie Za´Tesh feststellte, als er sich doch noch einmal kurz umdrehte. Die Nase des vermutlichen Nords rümpfte sich noch ein paar Male, mit schniefenden Geräuschen.

„Du stinkst nach Katze“, hörte er den Mann sagen, was ihm einen Schrecken einjagte.

Er sah, wie der Argonier starr vor dem deutlich größeren Nord stehen blieb und sich in Schweigen hüllte, als er sich wieder der Treppe zuwand. Er würde der Assassine zunächst vertrauen müssen. Lieber sollte er zusehen, dass er hier weg kam. Also erklomm er die letzten, steilen Stufen und verschwand hinter der Felswand, welche das Geräusch von rauschendem Wasser deutlich dumpfer erschienen ließ. Ohne sich groß in dem Flur umzusehen, in welchem er nun gelandet war, fand Za´Tesh die zuerst beschriebene Holztür, welche bereits geöffnet war und in einen kleinen Zwischenraum führte. In der Mitte thronte ein runder Feuerkelch der sein Licht auf drei Möglichkeiten zum Weitergehen warf. Das Tropfen von Wasser ertönten erneut. Weiter entfernt vernahm er immer noch das monotone Rauschen durch die dichten Wände. Kurz hielt Za´Tesh inne und lauschte weiter, bevor er eintrat. Er konnte keine Schritte, keine Stimmen hören. Nichts, was auf eine Person in der Nähe hindeutete. Dieser Teil des Verstecks war unbelebt und die weiteren Gänge ließen ihn kaum erkennen, wo sie hinführen würden. Einzig und allein bei der Tür aus schwerem, schwarzen Eisen, die sich zu seiner Rechten befand, hatte er eine Vermutung. Das musste die Tür sein, hinter der sich sein Zielort befand. Za´Tesh blickte noch einmal auf seine eigenen Klauen, die er sich vor das Gesicht hielt. Nach und nach schimmerten die Umrisse seines Körpers hervor, schienen das Licht des Feuers abzugrenzen. Sie kamen Schritt für Schritt wieder zu Tage, ein Prozess, der sich zwar langsam, aber unweigerlich in Gang setzte. Er begann, wieder eine sichtbare Gestalt anzunehmen. Bisher hatte er keine Nebenwirkungen erlitten, wie Za´Tesh bemerkte. Der Trank entfaltete und verlor seine Wirkung völlig unbemerkt. Noch ein letztes Mal sah er sich um, wobei er sich nach wie vor stark auf seine Sinne verlassen musste, dann trat er zu der Tür heran und legte seine Hand auf die kühle Klinke. Dahinter schien ein modriger Geruch zu herrschen, abgestandener, als eine Höhle ohnehin roch. Dieser Geruch war anders. Dennoch öffnete er die Tür und wurde von hellem Licht empfangen.




Das hätte er sich eigentlich denken müssen. Es war kein Wunder gewesen, dass dieser Köter etwas bemerken würde. Und trotz der aufsteigenden, inneren Wut hielt der Argonier die Lippen versiegelt und den Körper in ruhiger Atmung.
Der Kater schien schon lange hinter ihm verschwunden zu sein, zumindest glaubte er, seine Schritte gehört zu haben. Blieb nur zu hoffen, dass er sich die Wegbeschreibung hatte merken können. Noch einfacher hätte die Echse sie nicht formulieren können. Dennoch blieb das Risiko bestehen, dass er seine Nase neugierig in die anderen Räume stecken würde, wenn sie denn schon auf dem Weg lagen. Vielleicht würde er sich sogar trauen ein oder zwei Dinge, ein paar Besitztümer seiner Familie, der dunklen Bruderschaft, mitgehen zu lassen. Doch selbst dieser Streuner sollte inzwischen verstanden haben, dass die Lage ernst und der Verlauf dieser Mission nur spärlich geplant oder beeinflussbar war. Die Chance, dass sich gerade da oben jemand herumtrieb war zwar gering, aber immer noch nicht völlig unwahrscheinlich. Die meisten Mitglieder befanden sich zur dieser Zeit unten oder erfüllten Aufträge. Niemand legte es darauf an, Cicero jetzt bei der Arbeit zu stören. Blieb auch zu hoffen, dass dieser Narr sich verlässlich verhalten würde, doch bisher hatte er Vistahs Vertrauen nicht gebrochen. Zumal er eine ehrenhafte Aufgabe übernahm, welche von den meisten Mitgliedern, seitdem Astrid das Ruder übernommen und sich zu der Anführerin ihrer Familie ernannt hatte, nur noch geduldet wurde. Dieser waren sie ja schon begegnet. Doch die blonde Frau war ihnen nicht gefolgt, auch, wenn Vistah für einen kurzen Moment dachte, dass sie Za´Teshs Anwesenheit bemerkt hatte. Sie war nicht dumm und kannte sich mit allerlei Assassinentricks aus. Er war nicht traurig darum, dass sie am Eingang des Unterschlupfes geblieben war. Stattdessen durfte er sich mit ihrem genauso misstrauischen Ehemann herumschlagen.

Der große Nordmann überragte ihn um einige Köpfe und starrte ihm immer noch mit zusammen gezogenen, goldenen Augen entgegen. Sein Geruchssinn war zu gut für einen Menschen, was daran lag, dass er ein Werwolf war. Nun ja, seine animalischen Merkmale waren ihm kaum zu verkennen, man sah es an seinen leuchtenden Augen und an den scharfen Reißzähnen, die sich zeigten, wann immer er den Mund öffnete oder grinste. Nicht jedem Werwolf sah man seine Identität so klar an, doch Arnbjorn machte kein Geheimnis daraus. Im Gegenteil, er war stolz darauf, ein Köter zu sein. Lykantrophie nannte man die Krankheit, die einem Menschen die Fähigkeit gab, sich in einen Werwolf zu verwandeln, wobei, im Gegenzug zu den Mythen und Legenden, die Mondphasen keinen Einfluss auf die Verwandlungsfähigkeit hatten. Es brauchte viel Willenskraft, um die Verwandlung in eine Bestie kontrollieren zu können und auch in Bestiengestalt nicht den menschlichen Verstand zu verlieren. Arnbjorn hatte diese Willenskraft definitiv, nur hatte er es sich ausgesucht, sein Bestienblut stärker in sein normales Äußeres zu integrieren. Er zog es vor, eine Bestie zu sein. Vielleicht war das der Grund, warum er kaum selbst noch Aufträge erledigte oder das Versteck verließ? Ein Werwolf zu sein, beziehungsweise diese Krankheit nicht auf der Stelle zu heilen, war strafbar in Himmelsrand.

Vistah hielt den Blick des Werwolfes stand und verzog kaum eine Miene. Zwar hatte Arnbjorn es ihm sogar einmal angeboten, ihn zum Werwolf zu machen, doch Vistah verzichtete darauf. Zumal manche Arten weniger anfällig für diese Krankheit waren, als andere. Es war in seinen Augen keine Gabe, ein unkontrollierter, sabbernder Hund zu werden. Er zog seine normale Gestalt vor, die aus dem Schatten heraus tötete, am besten mithilfe eines Schwertes, schnell und präzise, oder mithilfe eines Giftes, langsam, zielgerichtet und quälend. Beides war aber kein zufälliges Zerfetzen, sondern  Methoden, die früher oder später definitiv zum Tod führen würden. Manchmal bediente er sich dann mithilfe von Magie an den Toten noch weiter.

„Sagt mal Vistah, wo habt Ihr Euch denn so lange rumgetrieben?“, sprach Arnbjorn mit tiefer Stimme weiter, als er keine Antwort von der Echse bekam. Noch immer musterten seine wilden, unkontrollierten Augen ihn auf und ab und seine Nase gab hin und wieder schniefende Geräusche von sich.

„Ich habe einen Auftrag erledigt und eine Banditenbande ausgelöscht“, gab Vistah schließlich zurück, „Und nun will ich mit Nazir sprechen und Informationen über Grelods Mörder einholen.“

„Ihr interessiert Euch also auch für den Auftrag“, das breite Grinsen zeigte die spitzen Eckzähne in Arnbjorns rauem Gesicht, „Ich habe auch nichts anderes von Euch erwartet, Fischfleisch.“

Tatsächlich gehörte Arnbjorn zu eines der unhöflichsten und vorlautesten Mitgliedern der dunklen Bruderschaft. Genauso wie seine Ehefrau Astrid lehnte er die Mutter der Nacht ab, welche sich seit einigen Tagen hier in der Unterkunft befand. Er war von den Gefährten, welche eine Kriegervereinigung waren, rausgeworfen worden und fand seinen Weg schließlich bei den Assassinen, wobei seine Methoden oftmals sehr direkt und brutal ausfielen. Dafür gewährte ihm seine Werwolfsgestalt Anonymität, mochte sie auch nicht unauffällig sein. Eine positive Sache an Arnbjorn war, dass er immer sagte, was er dachte und viel Wert auf Ehrlichkeit legte. So sagte er offen, was er von der Mutter der Nacht hielt oder eben von den Glauben an Sithis. Vistah war nicht immer ehrlich. Er hielt seine Gedanken zu seinen Aussagen unter der Decke. Auch schwieg er zur seiner Anmerkung, die ihn als einen Fisch bezeichnete. Das durfte man bei dem Wolf nie zu ernst nehmen. Er wusste, dass er von ihm respektiert wurde. Doch empfand er den selben Respekt für ihn?

„Ihr lagt wohl richtig“, entgegnete der Argonier schließlich höflich, doch für diese mäßige Höflichkeit war er bekannt, „Also, wo kann ich Nazir finden?“
Der Rothwardone namens Nazir verteilte meist die Aufträge und sammelte Informationen über einzelne Missionen. Wenn einer etwas Nützliches wusste, dann er.

„Ach, der müsste sich noch im Gemeinschaftssaal aufhalten“, immer noch grinste sein Gegenüber, dann verlor er seinen Fokus wieder an ihrer Unterhaltung und warf einen Blick auf die rechte Schulter des Argoniers. Sein Arm hob sich und mit spitzen Krallen, die dunkel aus den großen Fingern wuchsen, ergriff er ein dünnes Haar, welches er von dem schwarzen Mantel der Echse rupfte. Er hielt es in das schwache Licht, dass von den Fackeln an den Wänden ausging, drehte es vor seinen Augen hin und her. Es hatte eine leicht rötliche Verfärbung.

„Waren unter den Banditen etwa auch Khajiits?“, fragte der große Mann schließlich grinsend. „Ihr müsst aber ganz schön auf Kuschelkurs gewesen sein. Oder hattet Ihr vor, uns einen neuen Teppich mitzubringen?“

Vistah ließ nur langsam ein Lächeln über sein Gesicht entstehen und sein Gegenüber lachte und dunkel und kräftig.
„Diese Biester sind wirklich lästig“, Arnbjorn schüttelte den Kopf und ließ das Härchen fallen, welches langsam zu Boden sank. „Kein Wunder, dass man sie nicht in die Städte lässt. Ich erinnere mich noch an diesen einen Auftrag mit diesem Khajiit-Händler, der sich als Mönch herausgestellt hat. Ein lästiger Nahkämpfer. Aber jetzt ist er tot und ich habe immerhin am Ende einen neuen Lendenschurz bekommen...“
Wieder ertönte das dunkle Lachen, des Wolfes. Sein Gesicht verzog sich dabei in eine unnatürliche Grimasse.
„Apropos Khajiit, was ist mit den Auftrag von Maven? Habt Ihr endlich einen Pelzmantel aus ihn für sie gemacht oder ist er...“

Er brach ab, als Schritte die Unterhaltung der beiden unterbrachen und Vistah daraufhin seinen Kopf von dem großen Mann abwand. Er erkannte die Schritte sofort und war dankbar dafür, dass sie gerade jetzt auftauchten. Eine weitere Person hatte den Raum betreten, sie kam sicherlich gerade aus dem Gemeinschaftssaal, welcher auch oft für das Einnehmen gemeinsamer Speisen verwendet wurde. Sein Gesicht war mit dunklen, grünen Schuppen bedeckt und gerade Hörner wuchsen aus seinem Hinterkopf. Im Gegensatz zu Vistah bevorzugte er die typische Ausrüstung der dunklen Bruderschaft und trug ebenso einen rot schwarzen, eng anliegenden Anzug. Gelbe Augen nahmen seinen eigenen roten Blick auf.

„Veezara, du kommst gerade richtig“, rief Arnbjorn dem anderen Argonier zu, „Vistah wollte mir gerade von dem Erfolg seines Auftrages an dem gesuchten Kater erzählen“.

Sein Bruder legte verwirrt den Kopf schief, trat dann aber näher. Vistah betrachtete seinen Artgenossen dabei und ließ ihn nicht aus den Augen. Wie verwunderlich, dass er gerade nicht selbst unterwegs war, um einen Auftrag zu erfüllen.
Er und Veezara waren damals aus einem Ei geschlüpft und gemeinsam zur Schattenschuppe erzogen worden. Fast jeder Argonier, der unter dem Sternzeichen des Schattens geboren wurde, wurde schon von Kindesbeinen an zur Assassine ausgebildet. Bevor die Schattenschuppen ausgelöscht wurden, dienten sie dem König von Schwarzmarsch, ihrer alten Heimat. Doch nun waren sie hier und die einzigen Überlebenden ihrer Organisation. Zumindest konnten sie unter einen neuen Namen Sithis immer noch ihre Dienste erweisen. Wenn dieser denn hier noch ausreichend gewürdigt werden würde.

„Nun der Auftrag ist noch nicht erfüllt“, widersprach Vistah schließlich und wandte seinen Blick wieder von seinem Bruder ab. Der Nordmann verzog verwirrt das Gesicht.

„Achso“, erwiderte er schließlich trocken, „Ist er Euch etwa entwischt?“

„Nein, er ist gar nicht erst aufgetaucht.“ Es machte Vistah keinen großen Spaß, seine Geschwister anzulügen, doch es war notwendig, für den höheren Zweck. Spätestens sein Bruder müsste es eigentlich verstehen, doch auch er hatte sich von Astrid einnehmen lassen. Es hatte also keinen Sinn, ihn in seine Pläne einzuweihen, weshalb er darauf verzichtet hatte. Seit dem Zerfall der dunklen Bruderschaft war das hier die einzige Unterkunft, die noch übrig geblieben war. Es war die einzige Möglichkeit, weiterhin ihre Fähigkeiten zu nutzen.

„Was für ein Jammer“, gab sein Zwilling von sich und musterte Vistah dabei. „Weit kann er aber nicht gekommen sein.“

„Nazir wird sich über diese Nachricht nicht sonderlich erfreuen“, gab Arnbjorn schließlich von sich und wandte sich langsam wieder von den beiden ab. Endlich. Er hatte ihn schon viel zu lange in Inspektion genommen. Diese tier ähnlichen Humanoiden waren doch einfach nur lästig. Zwar gehörte Vistah selbst dazu, doch er wusste, dass Argonier ein deutlich ruhigeres und starreres Gemüt als Hunde und Katzen besaßen. Eine Ausnahme dazu mochte vielleicht Astrid bilden. Doch selbst sie würde es nicht darauf anlegen, Cicero bei seiner seltsamen Zeremonie zu stören, zumal sie ihn sowieso für seltsam hielt und kaum etwas mit seinen Traditionen zu tun haben wollte. Bei Arnbjorn war sich Vistah nicht zu hundert prozent sicher. Hoffentlich würde Za´Tesh sich nicht allzu sehr über den Narren und seine Eigenarten erschrecken. Es war leider unvermeidbar, dass er den Part der Einweihung über die einzelnen Traditionen der dunklen Bruderschaft übernehmen musste. Vistah musste andere Informationen über den möglichen Zuhörer, der Mörderin von Grelod einholen. Ja, es war wirklich möglich, dass diese Person der Auserwählte war. Derjenige, der das Blatt wenden würde.

„Ich werde ihn dennoch davon in Kenntnis setzen“, sagte Vistah und bewegte sich endlich von der Stelle, als der Werwolf sich wieder seinem Schwert zuwand. Er trat dabei an Veezara vorbei, welcher ihn unergründlich anblickte.

„Wenn Ihr Hilfe bei der Suche braucht, sagt mir bescheid“, sprach er. Er war schon immer der ruhigere und gütigere von ihnen gewesen. Vistah nickte ihm zu.

„Das werde ich tun.“

Er trat an ihm vorbei auf den Weg zum Saal. Hoffentlich würde er mehr erfahren.
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