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Von Dieben und Meuchlern

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
15.04.2020
30.05.2021
9
35.565
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15.11.2020 3.739
 
Seltsame, wirre Gedanken. Seltsame, wirre Gedanken beherrschten seinen Kopf. Gedanken, die ihm Bilder zeigten. Bilder von verwitterten Kanalgängen, die Stück für Stück in die Dunkelheit führten. Nasse Stiefel, die über den steinigen Boden stiegen, immer tiefer hinein, in das Gewinde der Korruption, in die geheimen Strukturen, die diese Stadt beherrschten. Das Quartier der gefürchteten und zeitgleich unterschätzen Diebesgilde befand sich tief im Inneren unter Rifton. Sie kooperierten mit Maven Schwarzdorn und zogen gemeinsam mit der dunklen Bruderschaft die Fäden im Hintergrund. Sie ließen Personen verschwinden, die ihr im Weg standen, schoben einem Mann, der eine konkurrierende Bräuerei betrab ein Verbrechen in die Schuhe und sorgten dafür, dass er für eine lange Zeit hinter Gitter verschwinden würden. Ihre Verbündeten und Heller waren überall in ganz Himmelsrand und jederzeit auf ihren Einsatz bereit. Die Wachen in Rifton wahrten den Schein, etwas gegen diese Diebe zu unternehmen, doch in Wahrheit arbeiteten sie für Maven. Würde sie jemals Jarl von Rifton werden, dann würde ihre Macht noch weiter wachsen. Wie sollte er da je wieder herauskommen? Dieser Gedanke flog im Hintergrund seines benommenen Bewusstseins an ihm vorbei. Die vielen Gesichter, die er kannte. Die vielen Gesichter der Mitglieder der Gilde. Eines fixierte er, bevor er es richtig fassen konnte. Es war das Gesicht einer jungen, menschlichen Frau mit braunen Haaren und mahnenden, blauen Augen, die sich kühl in seine Seele stachen und, ohne, dass er sich es erklären konnte, vermischte diese Erscheinung sich mit einem vertrautem Duft, den vertrauten Duft von Skooma. Dann verschwamm alles erneut, bevor er langsam wach wurde. Die Kalte Realität kehrte zurück. Und sie war wahrhaftig kalt.

Das erste, was er spürte, war Härte. Ein harter Untergrund unter seinem Körper, der sich nicht vorteilhaft auf seine alternden Knochen auswirkte. Der Geruch von Staub vertrieb seine Erinnerungen an das süßliche Skooma, welches ihm, so intensiv in seiner Vorstellung, noch in seine Nase gestiegen war. Stattdessen roch es nun alt, unbarmherzig und moderig. Auch der kalte Luftzug, der sein rotes Fell und sein braunes Haar merklich bewegte, konnte dieses Aroma von Abgestandenheit nicht vertreiben. Nach und nach fing er an, seinen Körper wieder wahrzunehmen. Er bemerkte, dass er auf dem Bauch lag und dann erreichte ihn das Gefühl unendlicher Übelkeit. Schwindel brachte seine Gedanken wieder zum Drehen, wie ein unaufhaltsames Karusell. Verschwindene Stimmen wirrten durch seinen Kopf, mal laut mal leise, die Gesichter seiner Bekanntschaften vermischten sich wild miteinander, bis er zuletzt ein schwarz geschupptes Wesen sehen konnte. Za´Tesh stöhnte auf, bemerkte kaum, wie er versuchte seinen Körper nach vorn zu bewegen, kriechend über den Boden, der sich mit ihm zu drehen schien.
„Ihr seid also wach geworden, Schlafmütze?“, eine bekannte, zischende Stimme erreichte seine Ohren und er konnte nicht behaupten, sie gern zu hören.
Der Kater blickte auf, mit benommenen, orangegelben Augen, welche von einscheinenden Sonnenlicht geblendet wurden. So langsam festigte sich seine Sicht wieder zu etwas sinnvollen und präsentierte ihm eine Öffnung in steinernden Wänden, vor welcher eine schlanke, hochgewachsene Person stand. Die geraden Hörner, die aus seinem Hinterkopf wuchsen, verrieten ihm, dass es sich um die Assassine handeln musste, mit welcher er sich schon eine ganze Weile herum schlug. Trotz, dass es eigentlich nur eine kurze Zeit war, in der er mit ihm zu tun hatte, fühlte es sich für ihn wie eine halbe Ewigkeit an, nur nicht im Positiven. Zumindest hatte er nun schon länger mit ihm zu tun, als gut für ihn war, wie ihm sein Instinkt sagte.
Vom Licht geblendet, kniff Za´Tesh ein wenig die Augen zusammen. Sein Körper zuckte, gefangen zwischen Hitzewellen und Schüttelfrost. Wo genau war er?
„Es ist ein starkes Gift, doch es sollte gleich aufhören zu wirken“, sprach der Argonier weiter, rührte sich allerdings nicht von der Stelle. Er stand vor einem Eingang und das Tageslicht stach zwischen seiner Gestalt hervor. Vielleicht war er... in einer Höhle?
Za´Tesh blickte sich um und erkannte nur Gestein, kühles Gestein, sowie grünes Moos, das an diesem hinauf kletterte. Immernoch war er so erschöpft. Also hatte der Argonier ihn wieder vergiftet. Ihm fiel der Schnitt am Hals wieder ein und vorsichtig tastete eine Hand nach dieser Stelle, doch er konnte dort nichts mehr vorfinden. Dabei hätte er nach so einem Angriff tot sein müssen. Er hatte die Assassine nicht einmal kommen hören, obwohl seinen Ohren normalerweise nie etwas entging. War er so unaufmerksam gewesen, durch die ganze Aufregung? Nein, dieser Typ war einfach gut. Irgendetwas stimmte mit dem nicht.
„Wie fühlt Ihr Euch?“, unterbrachen die Worte des Argoniers seine Gedanken. Za´Tesh blickte ihn erneut an, eine Hand immer noch an seinen eigenen Hals angelegt. Er starrte für eine Weile zurück, bis ihm einfiel, dass er dazu in der Lage war zu sprechen.
„Gut...“ , krächzte seine Stimme. Seine Mundhöhle fühlte sich unglaublich trocken an, so, als hätte er seit mehreren Tagen nichts mehr getrunken. Vielleicht hatte er auch mehrere Tage geschlafen? Woher sollte er das wissen?
„Das klingt aber nicht sehr überzeugend. Daran solltet Ihr arbeiten“, der Argonier lachte und es war seltsam, dem zuzuhören. Er tat nun ernsthaft so, als wäre alles gut? Nachdem er ihn vergiftet und fast umgebracht hatte, aus keinem ersichtlichen Grund?
„Warum habt Ihr das getan“, endlich klang seine Stimme wieder etwas deutlicher, wenn auch immer noch rau. Der rote Kater versuchte sich etwas aufzurichten, indem er sich langsam auf den Armen aufstützte. Immernoch übermannten ihn kleine Schwindelwellen bei diesem Versuch und der Schweiß lief ihn über die Stirn. Was für ein Mistkerl. Wenn er könnte, würde er ihn umbringen.
„Verzeiht mir diesen ungeplanten Eingriff“, gab der Argonier schließlich von sich, welcher sich immer noch nicht aus seiner Position gelöst hatte, „Doch es musste geschehen. Wir hatten einen Beobachter.“
„Wovon redet Ihr?“, fragte Za´Tesh, welcher die Knie zu sich zog, um sich weiter aufzustützen, „Ich dachte Ihr wolltet mich umbringen, wo Ihr keinen nutzen mehr an mir habt.“
„Wer sagt, ich hätte keinen Nutzen mehr an Euch?“, seine Stimme klang nach gespieltem Erstaunen und so langsam graulte es dem Kater, dass er nach dem erfüllten Mordauftrag noch nicht aus der Sache heraus war. Sollte er etwa noch mehr tun? Was sollte er tun, was der Argonier nicht besser konnte? Er war nur ein Mittelalter Khajiit, welcher entweder Glück haben und nach Elsweyer zurückkehren und dort einen friedlicheren Lebensabend verbringen oder hier sterben würde. Von jeglicher Kampferfahrung die er hatte, bis zum strategischem Geschick hin besaß sein Gegenüber mehr.
„Das war nicht abgemacht“, zischte der Kater schließlich, „Ich habe Euren Auftrag erfüllt und Euch geholfen. Ihr lasst mich im Gegenzug in Ruhe. So war es besprochen.“
„Und seit wann sind Euch Abmachungen und Regeln wichtig?“, fragte der Argonier schnippisch zurück. Endlich wand er ihm seinen Körper ganz zu und kam ein Stück näher auf Za´Tesh zu. Er blickte auf den immer noch am Boden hockenden Mann, welcher seinen Blick wütend starrend erwiderte. Es war eine große, gehornte, schwarze Gestalt, die sich vor dem am Boden kauernden Kater aufbaute. Der Blick des Argoniers war aber ganz ausdrucklos und kühl. Dennoch würde Za´Tesh nicht von Rationalität sprechen. Eher von Wut oder Missfallen. Jemand, der es gewohnt war, zu bekommen, was er wollte, es dieses mal aber nicht bekam. War er sauer auf den Khajiit? Oder etwa von seiner Einstellung enttäuscht? Sie kannten sich doch kaum. Er hätte ihn einfach gehen lassen sollen und sollte sich einen neuen Bauern suchen, den er auf seinem Spielbrett herum schieben kann. Za´Tesh war zu praktisch für so etwas. Er verstand keine Psychospielchen, noch hatte er Geduld oder Zeit dazu, sich mit ihnen zu befassen.
„Ich dachte Euch sind die Regeln wichtig“, sagte Za´Tesh finster, „Sonst hättet Ihr das doch alles allein erledigen können.“
„Das habe ich mehr oder weniger ja auch“, antwortete der Argonier und blickte immer noch zu ihm herab. Zwar wusste er nicht genau, was er damit meinte, dennoch machte es ihn sauer.
„Dann habt Ihr ja gesehen, dass ich nicht von großem Nutzen bin, also lasst mich gehen. Oder wollt Ihr mich ausliefern und den Helden spielen?“
„Keine schlechte Idee“, kurz blickte sein Gegenüber in der Luft herum und Za´Tesh lief es kalt den Rücken herunter. Warum hatte er immer noch Angst vor einem möglichen Tod? Eigentlich war das vielleicht sogar die bessere Option, als sich weiterhin mit diesem Typen herumzuschlagen. Dennoch konnte er seinen natürlichen Instinkt nicht verwerfen.
„Aber ganz so leicht will ich es Euch nicht machen. Vorher habe ich noch ein paar weitere Aufgaben für Euch“, sagte der Argonier schließlich und sah wieder zu ihm.
„Ich lehne es ab, sie auszuführen“, Za´Teshs Stimme war immer noch ein Zischen. Vielleicht lag es auch an der Trockenheit seines Mundes.
„Dann werde ich Euch töten.“
„Das ist mir egal.“
„Seit wann seid Ihr so stur?“, fragte die Echse schließlich ernsthaft überrascht, „Seid Ihr wirklich so wütend wegen des Gifts?“
War das nicht offensichtlich?
„Warum sollte ich nicht wütend sein? Ihr habt mir einen Vorsprung versprochen.“
„Ich habe nie gesagt, wie groß dieser sein würde“, entweder Za´Tesh bildete es sich ein oder der Argonier schmunzelte leicht. Ihn machte es noch wütender, doch dann beugte sich sein Gegenüber leicht vor und streckte ihm eine schwarze Klaue entgegen, welche unter den langen Mantel hervor kam. Verwirrt starrte Za´Tesh auf die ihm entgegengestreckte Hand mit den langen spitzen Krallen, länger und schärfer als seine eigenen, unsicher, was er nun tun sollte.
„Ihr hockt ja immer noch im Staub“, bemerkte der Argonier. Der sollte sich mal fragen, wessen Schuld das war.
Eigentlich wollte Za´Tesh die vermeintliche Hilfe ablehnen, doch dann nahm er sie schon unwillentlich an und wurde schließlich hochgezogen, auf zwei wackelige Beine. Wahrscheinlich war sein körperlicher Instinkt stärker, welcher wusste, dass er nie wieder hochkommen würde, wenn er nicht jede behilfliche Gelegenheit nutzen würde.
Bedanken tat er sich dennoch nicht, klopfte sich stattdessen den Staub von der Hose. Immer noch schwankte er leicht, Schwindel übermannte ihn erneut, doch er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Vielleicht sollte er nun einfach versuchen, zu gehen. Wenn er ihn dann töten wollte, sollte es ihm doch recht sein. Doch aus irgendwelchen Gründen blieb Za´Tesh dennoch stehen.
„Wer hat uns beobachtet?“, fragte er schließlich, bevor er es selbst realisieren konnte. Erst danach fiel ihm auch auf, dass es ihn wirklich interessierte. Nach und nach kamen dann die Erinnerungen an die toten Wölfe zurück, die plötzlich wieder lebendig waren und sich auf sein Attentatziel gestürzt hatten. Also hatte er doch recht gehabt. Es waren Totenbeschwörer in der Nähe gewesen. So war es doch oder?
„Vermutlich eine Assassine“, beantwortete der schwarze Argonier seine Frage und Za´Tesh spitzte die Ohren. Doch seine nächste Aussage verneinte seine schlimmste Befürchtung.
„Es war niemand von uns. Niemand von der dunklen Bruderschaft, doch jemand, der einen Mord begannen hat. Diese Person hat zu viel gesehen.“
„Wer soll das sein?“
Eventuell eine in Eigenregie handelne Assassine? Dann war es doch nur eine Frage der Zeit, bis die dunkle Bruderschaft sie entweder beseitigen oder rekutieren würde. Diese Organisation mochte es nicht, sich Aufträge mit einer anderen Person zu teilen. Man sollte immer darauf achten, wenn man in demselben Gebiet arbeitete, niemals der dunklen Bruderschaft in die Quere zu kommen, vorallem, wenn man ihr nicht angehörte.
„Das wüsste ich selbst gerne“, der Argonier sah kurz nachdenklich auf den Boden, „doch wir werden uns um dieses Problem kümmern müssen.“
„Warum wir?“, Za´Tesh sah ihn verdutzt an, „Ich habe meinen Teil getan. Die Probleme Eurer Bruderschaft gehen mich nichts mehr an. Mit Totenbeschwörern und fremden Assassinen müsst Ihr nun selbst fertig werden.“
„Totenbeschwörer?“, sein Gegenüber verzog verwirrt das Gesicht, dann erhellte es sich in Erkenntnis.
„Oh ja, natürlich, Totenbeschwörer.“
Za´Tesh legte verwirrt den Kopf schief. Er verstand diesen Sarkasmus in seiner Stimme nicht.
„Sagt nicht, Ihr habt nicht mitbekommen, dass Talen-Jei von zwei toten Wölfen zerissen wurde.“
Man hatte seine Schreie durchaus gehört und die schimmernde Gestalt dieser Halbverbluteten Tiere war im Mondschein kaum zu ignorieren. Sein Gegenüber zuckte aber nur mit den Schultern.
„Natürlich habe ich das, denn das war ich.“
Erst herrschte immer noch Verwirrung, doch dann verstand der Kater, was der Argonier ihm gerade gesagt hatte. Er hatte die Wölfe selbst wieder zum Leben erweckt? Das bedeutete ja...
„Ihr beherrscht die Totenbeschörung?“, trotz dieser Trockenheit in seinem Mund überschlug seine Stimme sich, „Dass heißt ja...Ihr...Ihr wart das!“
Nun machte es auch Sinn, wie der Typ so schnell aufgetaucht war. Er war die ganze Zeit hinter ihm gewesen und Za´Tesh hatte es gar nicht bemerkt. Natürlich. Dachte er, er würde unbeobachtet lassen?
„Ihr seid einer der schnellen Sorte?“, der Argonier grinste nun breit und drehte ihm den Rücken zu. Er lief hinüber zu der Öffnung, den Eingang der Höhle und blickte hinaus in das grelle Tageslicht. Es waren Wälder und Bäume zu erkennen, grüne, hochgewachsene Tannen.
„Der Einsatz dieser Fähigkeit wäre nicht notwendig gewesen, hätte Ihr besser getroffen und hätten wir keinen Besuch bekommen.“
Seitwann war der Kerl so dermaßen zynisch. Nun trat auch Za´Tesh näher heran. Er spürte, wie er sich langsam sicherer auf den Beinen fühlte, dass ihm nach und nach wieder einfiel, wie das Laufen funktionierte.
„Ihr hättet diesen Auftrag doch dann sicherlich selbst erledigen können“, stellte Za´Tesh trocken fest.
"So unauffällig wie Ihr seid, hätte Euch sowieso keiner erwischt. Nichtmals die Bruderschaft selbst."
Da war sich Za'Tesh tatsächlich sicher und er meinte dies vollkommen ernst.
"Ihr schmeichelt mir, aber so einfach ist das Ganze nicht", der Argonier wandte sich ihm wieder zu. "Tatsächlich war das erst der Anfang und ein Test, um Eure Fähigkeiten zu überprüfen. Nun muss der nächste Schritt folgen."
„Welcher nächste Schritt?“, verwirrt blinzelte der Kater und trat einen wenig zurück. Der spinnte doch wohl. Er hatte ihm doch gesagt, dass er damit nichts mehr zu tun haben wollte.
„Ihr müsst wissen“, der Argonier lief ein Stück auf und ab, verschränkte dabei seine Arme hinter den Rücken. Ein Zeichen auf eine längere Erklärung.
„Momentan gibt es einige Probleme in der dunklen Bruderschaft. Einige...Meinungsunterschiede zu der Vorgehensweise. Die traditionellen Wege gehen verloren unter unserer neuen Leitung, um ehrlich zu sein. Und das bringt einige Probleme mit sich.“
Und was hatte er nun damit zu tun? Za´Tesh schwieg und sah den Argonier aufmerksam an.
„Früher waren wir frei. Wir haben nicht den Reichen und Mächtigen gedient, sondern wir haben Sithis, den Gott der Leere, den Gott des Nichts, den Gott des Todes gedient und ihn geehrt. Wir sind seinem Weg und seinen Traditionen gefolgt. Heute ist das nicht mehr so...“
„Ihr seid Marionetten geworden“, schlussfolgerte Za´Tesh und zog somit den Blick der Assassine auf sich. Doch er kannte das Gefühl am seidenen Faden zu hängen. Es war sicher bis sich der Puppenspieler dazu entschied, die Fäden abzuschneiden. Genau wie die Diebesgilde war die Dunkle Bruderschaft eine Organisation, die nun von den mächtigen Menschen dieser Welt zum eigenen Vorteil genutzt wurde. Dabei war die dunkle Bruderschaft aber einmal eine religiöse und unabhängige Organisation gewesen.
„Genau. Wir haben unsere Spiritualität verloren. Das Glück und die Schönheit des Mordens, die Plötzlichkeit des Todes, die Zufälligkeit des Todes, der letztendlich jeden trifft, die Schlechten und die Guten...all das haben wir vergessen. Wir halten uns nicht länger an Sithis Regeln sondern an die unserer selbsternannten Anführerin“, er zischte die Worte wütend aus. Anscheinend war der Argonier nicht sonderlich glücklich mit der Entwicklung seiner Organisation.
„Doch ich stehe sehr allein mit meiner Meinung da. Die anderen vertrauen ihr, obwohl ihr nicht zu vertrauen ist, wie ich es besser weiß. Sie lehnt sogar die Mutter der Nacht ab. Was für eine Schande.“
Die Mutter der Nacht? Za´Tesh war sich sehr sicher, schon einmal etwas davon gehört zu haben. Wenn man eine Assassine der dunklen Bruderschaft rufen und von seinen Diensten Anspruch nehmen wollte, musste man ein Ritual, das schwarze Sakrament ausführen. Dafür stellte man das Opfer mit totem Fleisch nach, Knochen und einem Herz. Der Dolch musste mit einer Tollkirsche eingerieben werden, bevor man mit diesem auf das Herz einstach und die Worte sprach:
Liebe Mutter, liebe Mutter, schicke mir dein Kind, denn die Sünden der Unwürdigen müssen in Blut und Furcht getauft werden.“
Die Mutter der Nacht. Die Frau des Todesgottes Sithis. Einer ihrer Diener, eine Assassine der dunklen Bruderschaft, würde, nach Vollbringung des dunklen Rituals, gesannt werden, um den Auftrag entgegen zu nehmen. Doch die Existenz der Mutter der Nacht und die Existenz von Sithis im Allgemeinen wurde schon lange angezweifelt. Es war klar, dass man von diesem Glauben ablassen und sich den Geschäften zuwenden würde. Macht und Konsum verdrängte die Spiritualität am Ende immer.
„Was genau habt Ihr vor?“, fragte Za´Tesh schließlich und nahm den Blick des Argoniers auf.
„Die dunkle Bruderschaft braucht einen neuen Anführer. Einen Anführer, dem die Tradition wichtig ist. Jemand, der tatsächlich dazu in der Lage ist, die dunkle Bruderschaft wieder aufzubauen und zum alten Glanz zurück zu geleiten.“
„Ihr habt doch nicht etwa vor Eure eigene Anführerin...“, Za´Tesh blickte ihn unverständlich an. Der war doch völlig verrückt. Natürlich existierte die Assassinenorganisation nur noch in Himmelsrand und das sogar illegal. Dennoch, warum sollte man den Wohlstand, den man sich mit der Assassinenarbeit verdienen konnte gegen ein bisschen Spiritualität aufgeben?
„Ich werde Ihren Verrat aufdecken, doch ich schätze, dafür könnte ich etwas Hilfe gebrauchen. Ich habe mich mit den einzigen Mitglied beraten, der sich mit den alten Traditionen noch auskennt und wir beide sind uns einig, dass die Assassine, die uns gestern beobachtet hat, eventuell eine besondere Rolle einnehmen könnte.“
„Wovon redet Ihr?“, so ganz verstand Za´Tesh diese Sache noch nicht.
„Nun ja, zwar war es immer noch unerwartet, doch ich habe damit gerechnet, dass diese Person auf unseren Mord aufmerksam werden würde. Leider ist sie näher gekommen, als sie sollte. Doch sie hat ihre Fähigkeiten als Meuchelmörder bereits bewiesen. Kennt ihr das Waisenhaus in Rifton?“
Ja, Za´Tesh war manchmal achtlos daran vorbeigelaufen. Doch sogar er hatte mitbekommen, dass die alte Dame, die diese Einrichtung leitete, nicht sonderlich gut mit den Kindern dort umging. Sie wurde aus Ironie Grelod die Gütige genannt. Dann schien sie ermordet worden zu sein. Diese Nachricht hatte sich über mehrere Fürstentümer hinweg verbreitet. Doch das bedeutete ja...
„Diese unbekannte Person...sie hat den Mord begannen?“, Za´Tesh spitzte die Ohren. Und nun wollte die dunkle Bruderschaft herausfinden, wer diese Person war. Deshalb ermittelte auch niemand den begannenden Mord weiter. Denn sie konnte ein wertvolles Mitglied für Maven und die anderen zahlenden Machtvollen sein. Wen interessierte da schon eine alte Frau, die sowieso niemand gemocht hatte?
„Jemand hat das schwarze Sakrament vollzogen und diese Person ist daraufhin dem Ausführendem begegnet und hat seinen Mordauftrag ausgeführt. Unserere Anührerin, Astrid, will sie, weil sie uns einen Auftrag weggenommen hat. Ich will sie, weil ich mir sicher bin, dass es kein Zufall sein konnte, dass sie auf die auftraggebende Person gestoßen ist. Ich bin mir sicher, dass die Mutter der Nacht sie dort hingeleitet hat. Doch das kann ich nur herausfinden, wenn wir sie finden und sie in die Unterkunft bringen. Sie könnte Astrids Annahme widerlegen, dass Sithis und die Mutter der Nacht gar nicht existieren würden und niemanden leiten könnten.“
Also hatte er den Mord an Talen-Jei begannen, damit diese unbekannte Person auf sie aufmerksam werden würde.
„Und dabei braucht ihr ausgerechnet meine Hilfe?“
„Ja. Mir sind immer noch einige Dinge verboten. Dafür brauche ich Euch. Mein Plan ist mit Talen-Jeis Tod noch nicht zuende. Ich bin mir sehr sicher, dass diese Person den Mord aus Gutherzigkeit begonnen hat. Sie wollte den Kindern, die so sehr im Waisenhaus gelitten haben, rächen. Dennoch sie kann uns nicht verraten, da sie selbst gemordet hat. Doch könnte sie sich nach dem gelungendem Rachemord an der Alten mächtig genug fühlen, um auch über uns richten zu wollen.“
Also sollte er die Drecksarbeit übernehmen. Na wunderbar.
„Ihr wollt sie also anlocken und dann fangen?“, schlussfolgerte Za´Tesh und der Argonier nickte.
„So in etwa. Ich glaube, dass sich als Lockvogel niemand mehr eignet, als ein gesuchter Verbrecher, der einen Unschuldigen getötet hat.“
„Ihr meint doch wohl nicht etwa mich?“, immerhin hatte er in seinem Auftrag gehandelt. Konnte man das so überhaupt gelten lassen?
„Doch mein Freund“, erwiderte der Argonier aber und legte ihm kurz eine Klaue auf die Schulter, welche der Khajiit sofort abschüttelte. Dieser ließ sich davon aber nicht stören und führte seine Erzählung einfach fort.
„Zunächst müssen wir zurück zum Versteck. In Himmelsrand gibt es nur noch ein einziges Versteck der dunklen Bruderschaft und es ist hier ganz in der Nähe. Dann holen wir uns neue Informationen über diese Mörderin. Ich werde Euch zudem mit ein paar Traditionen vertraut machen.“
„Ich soll in das Versteck der Bruderschaft?“, Za´Tesh schüttelte den Kopf, „Das geht auf keinen Fall.“
Würde ihn dort nicht jeder umbringen wollen?
„Anders kann ich nicht überwachen, dass Ihr nicht weglauft. Ihr scheint nicht mehr so ängstlich zu sein, wie zuvor. Dennoch, habt keine Sorge. Ich werde Euch schon da rein bekommen. Wir werden nicht lang bleiben.“
Mit diesen Worten wandte er ihm den Rücken zu. Za´Teshs Kopf rauschte immer noch, vielleicht waren dies auch nur die Nachwirkungen des Giftes. Er beobachtete, wie der Argonier einen Fuß nach draußen setzte und seine Gestalt tiefer absank. Der Khajiit trat näher an den Eingang der Höhle heran und begriff wie weit oben sie waren. Die Kronen der Tannen waren mit ihnen auf einer Höhe und weit unten konnte man den Waldboden erkennen. Es war beinahe eine Schwindelerregende Höhe. Die Echse stützte sich bereits an der steilen, felsigen Wand ab und setzte langsam einen Fuß unter den anderen. Dann blickte er zu dem Kater auf, der immer noch hinunter starrte. Wind bließ ihm um die Ohren und dann verstand er auch endlich, warum dieser so stark war.
„Worauf wartet Ihr?“, der Argonier sah ihn abwartend an.
Er wollte doch nicht ernsthaft, dass er in diesem Zustand klettern würde. Doch dies schien so zu sein. Vielleicht sollte er es wie einen Unfall aussehen und sich einfach in die Tiefe fallen lassen. Oder er sollte versuchen, dieses verfluchte Schuppentier hinunter zu stürzen. Doch wahrscheinlich würde er sich mit seinen magischen Totenbeschwörungskram einfach selbst wiederbeleben. Seufzend drehte Za´Tesh sich schließlich um und setzte vorsichtig den ersten Fuß an der steinigen Wand ab, bereit zum Abstieg. Ja, dass würde auch symbolisch ein langer Abstieg in die Tiefe werden.



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Hello hello,

es wurde mal wieder Zeit für ein neues Kapitel. Dieses mal mit etwas mehr Informationen. In Zukunft werde ich auch versuchen, die Kapitel etwas kürzer zu gestalten(dann kommen tatsächlich auch mehr). Ich hoffe die Handlung war zu verstehen. Ich würde mich über Reviews freuen^^

Bis denne!

Euer gesunder, schwarzer Apfel.
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