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Von Dieben und Meuchlern

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
15.04.2020
30.05.2021
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11.10.2020 5.716
 
Rifton war ein geruchsvoller Ort. Eigentlich waren viele Orte in Himmelsrand geruchsvoll, doch dieser hier schien auf einer speziellen Art und Weise in der Nase zu bleiben. Vielleicht lag es an den Abwasserkanälen, die unterhalb der Stadt entlangliefen, unterhalb, wo sich nur noch wenige, meist auf Alchemie spezialisierte Läden niedergelassen hatten, etwas abgeschiedener von dem Leben oberhalb des Kanals, das auch zur dieser späten Stunde noch im vollem Gang zu sein schien. Zwar lebten hier überwiegend Nords, doch es gab auch viele Vertreter der anderen Rassen zu sehen, die sich hier heimisch fühlten. Wahrscheinlich war in dieser Stadt mehr Vielfalt geboten, als in jeder anderen Himmelsrands. Noch immer durchstreiften die verschiedenen Bewohner Riftons die Straßen und vorallem den großen, runden Marktplatz, auf dem viele Verkäufer versuchten, die letzten Kunden für diesen Tag auf ihre Ware aufmerksam zu machen. Zwischen den Ständen saßen verarmte Bettler, die um Almosen baten, direkt zwischen den täglichen Verkaufsgeschehen des Mittelstandes, weiter entfernt von dem Palast des Jarls oder den großen Bräuereiunternehmen der reichsten Familie dieser Stadt, den Schwarzdorns. Meistens ließ Airon den Bettlern einen Septim da. Rifton schien die meisten Bettler, neben Windhelm, zu beherbergen. Oder viel eher offensiv zu besitzen und eben nicht zu beherbergen. Sie schliefen in den Gassen, zwischen den hölzernen Läden, Gaststätten und Häusern welche nun noch recht voll waren, von drängelnden Menschen die auch an Airon vorbeiliefen. Manche schenkten ihm neugierige Blicke, die von dem reisendem Dunkelelf erwidert wurden. Einige von ihnen schienen besonders nach Abwasser zu riechen, doch es war möglich, dass er sich das nur einbildete. Vielleicht war er einfach zu nervös geworden. Viel zu nervös. Natürlich wusste er, dass die Thalmor auch da sein würden. Schon jetzt hielt er Ausschau nach großen, goldgefärbten Elfen, doch er konnte nicht einmal einen Altmer unabhängig der Thalmororganisation ausfindig machen. Vielleicht war diese dreckige Stadt nicht auf dem Niveau der anspruchsvollen Elfenrasse oder zumindest sagte man ihnen nach, dass sie anspruchsvoll und voreingenommen waren. Dunkelelfen sagte man allerdings auch einige Dinge nach, die nicht auf Airon zutrafen. Er teilte aber die klassische Liebe zur Magie, solche wie die Kunst des Feuers oder der Heilung. Dennoch war er ein geborener Krieger. Seine schwere Rüstung ließ dies auch vermuten. Er fiel in dieser Stadt auf, doch er musste auf seinen Einsatz vorbereitet sein. Er würde im Schutz der Dunkelheit den Rattenweg nehmen und dort nach dem letzten Überlebenden der Klingen suchen. Bis dahin hatte er aber noch etwas Zeit, noch war zuviel los auf den Straßen. Zunächst wusste Airon nicht wirklich, wo er hin sollte, also folgte er dem Weg zum Markt, auf dem sich die Rufe der Händler miteinander vermischten.
„Hey, Ihr seht doch so aus, als könntet Ihr eine vernünftige Rüstung gebrauchen, als das, was Ihr da tragt.“
Airon drehte den Kopf zu der Braunhaarigen Nordfrau und ihrem Stand um, welcher leichte Rüstungen und Waffen anwarb. Das war Grelka, welche dafür bekannt war, für jeden unfreundliche Worte zu finden und die meisten Kunden damit zu vergraulen. Er wusste, dass sie sparte, um Himmelsrand eines Tages verlassen zu können, aufgrund des momentan herrschenden Bürgerkrieges und den wiederkehrenden Drachen, doch der Verkauf schien nicht so gut zu laufen, was sie sich sicherlich auch zu einem großem Teil selbst zu verschulden hatte. Wahrscheinlich hatte sie schon längst vergessen, dass er schon einmal in Rifton war und bereits damals kein Interesse an ihren leichten Rüstungen empfand. Zum Kauf verlocken tat sie mit ihrer Art zumindest nicht wirklich und auch, als Airon sie nach den Grund für ihr Verhalten fragte, hatte sie nur gereizt reagiert.
Gerade als der Elf den Kopf zurückdrehte und an ihrem Stand vorbeilief, stieß etwas gegen ihn und brachte ihn kurz aus dem Gleichgewicht. Airon stolperte ein Stück zurück, zu verwirrt, um etwas zu sagen, als die Person, die für den Zusammenstoß verantwortlich war, gerade an ihm vorbei lief. Ein langer, grauer Mantel verhüllte ihren Körper vollständig, eine Kapuze verdeckte ihr Gesicht, sodass Airon nicht wirklich wusste, um was für eine Person es sich handelte. Er glaubte, einzig und allein etwas Organenes gesehen zu haben. Eine orangefarbene Hand? Irgendwie konnte der Elf dieses Bild nicht zu ordnen, noch wusste er genau, was an der Gestalt so seltsam war. Viele trugen bei dieser Kälte lange Mäntel, doch anscheinend legte diese Person viel Wert darauf, nicht erkannt zu werden. Sie verschwand zwischen den Ständen, in den Schatten der Stadt, als hätte sie nie existiert. Hatte er sich das vielleicht gar nur eingebildet? Wie eigenartig. Für eine kurze Zeit sah Airon weiterhin in die Richtung, in der sie verschwunden war, bis ihn eine wütende Frauenstimme aus seinen Beobachtungen riss.
„Hey, könnt Ihr nicht aufpassen?“
Etwas benommen sah der Dunkelelf zu Grelka, welche das Gesicht zur einer aufgebrachten Grimasse verzerrt hatte. Unten lag ihre zum Verkauf stehende, silberne Elfenrüstung, welche mit einem lauten Knall auf den staubigen Boden gekracht war. Airon hatte das vor Verwirrung gar nicht gehört. Er musste dagegen gestoßen und sie heruntergerissen haben. Wortlos bückte er sich und hob das stählerne Oberteil auf, wobei er es zurück auf den Tresen des Standes legte.
„Entschuldigung“, sagte er noch, bevor er sich wegdrehte, um seinen Weg fortzusetzen.
„Hey, so einfach geht das aber nicht! Ihr...Ihr könntet sie wenigstens als Entschuldigung kaufen!“, rief ihm die Verkäuferin noch hinterher, doch sie folgte ihm nicht mehr. Er sollte sich wirklich besser konzentrieren. Diese Stadt war voller Diebe und zwielichtiger Gestalten. Vielleicht gehörte diese Person dazu. Erst wollte er sich noch einmal umdrehen, um zu sehen, ob sie vielleicht nicht doch wieder auftauchte, doch dann schlug er sich den Gedanken aus dem Kopf. Es war egal. Er musste sich nun völlig auf seine Aufgabe konzentrieren. Je weniger er ziellos durch diese Stadt lief, desto besser. Zunächst würde er sich einen sicheren Ort suchen müssen, an dem er sich etwas die Zeit vertreiben könnte. Dieser Ort war nicht weit von ihm entfernt, denn schnell erblickten seine roten Augen warme Lichter, die aus den Fenstern eines hölzernen Anbaus schienen. Airon trat direkt auf das Gebäude zu, vor dem sich zwei junge Frauen miteinander unterhielten. Sie warfen ihm misstrauische Blicke zu, als er an ihnen vorbei trat, durch die Tür, welche durch das Zufallen einen leichten Aufwind erzeugte, der aber genügte, um das kleine Aushängeschild „Zum Bienenstich“ zum Schwanken zu bringen.


Einige Minuten waren bereits vergangen, seit er durch die Tür, in die von Kerzenlicht und Kronenleuchtern belichtete Taverne getreten war. Seine Schritte hatten auf dem hölzernen Boden ein Knarren erzeugt, welches in der Geräuschskulisse aus regem Geplauder und leiser Musik, die von einer nordischen Bardin auf ihrer Laute vorgetragen wurde, unterging. Vor dem Kamin und auf den Sitzbänken sammelten sich einige Bewohner Riftons, die nach Feierabend hier her kamen, um zu essen, zu trinken und vorallem um von neuen Gerüchten zu erfahren. Das gehörte zur Kultur in dieser Provinz dazu. Ein Aufenthalt in so einem Gasthaus war einer der wärmsten und geselligsten Momente, die das kalte Himmelsrand zu bieten hatte. Gesellig und warm war es nicht zuletzt, wegen den alkoholischen Getränken, die in jedem Gasthaus verkauft wurden. Diese Taverne war die beliebteste in Rifton, obwohl sie von zwei Argoniern geleitet wurde.


Den Platz an der Theke hatte er nicht mehr verlassen und noch immer wartete er dort, mit einem Glas Glutbrandwein vor der Brust, welches er mit seinen schwarzen, langen Klauen umklammert hielt. Hin und wieder wanderten seine Reptilienaugen durch den hölzernen Raum, musterten die verschiedenen, vorallem nordischen Gesichter, sahen zu den Treppen herüber, die zu den mietbaren Gästezimmern führten und blickten dann wieder zurück zum Geschehen hinter der Theke. Seine nicht sichtbaren Ohren schnappten die einen oder anderen Gesprächsfetzen auf, doch es wurde nichts besprochen, was für ihn von irgendeiner Relevanz war. Draußen war die Dämmerung bereits im vollem Gange, die Dunkelheit erstreckte sich über Himmelsrand. Viel Zeit würde ihnen nicht mehr bleiben, bis zu ihrem großen Auftritt.
Der Argonier wartete. Er wartete nun schon lange, doch noch war er zuversichtlich. Der ein oder andere hatte ihn wieder erkannt und auf sein Auftauchen nach Wochen in Rifton angesprochen, doch nun war die unauffällige Echse wieder allein und nippte zwischendurch an ihrem Getränk. Met und Bier konnte er nicht leiden und auch sonst war er nicht unbedingt anfällig für Alkohol, doch solch ein Getränk gehörte zu diesem Aufenthalt dazu.
„Möchtet Ihr auch etwas essen? Ihr seid doch sicher hungrig“, hatte Keerava mit ihrer lieblichen Stimme gesagt, bevor sie ihm vor einigen Minuten sein bestelltes Getränk servierte, doch er hatte abgelehnt. Nach langer Zeit hatte er endlich mal wieder mit ihr gesprochen und sie war, wie immer, so fürsorglich ihren Gästen gegenüber. Er hatte sie genug beobachtet, immer wieder, um das zu wissen. Er wusste mehr über sie, als ihr selbst klar war. Vorallem, dass sie diese Taverne sicherlich auch wunderbar allein leiten und mehr Gold für sich selbst haben würde, was ihr anscheinend noch nicht bewusst geworden war. Doch er wusste auch, dass Gold an sich für sie nicht alles war, wenn es auch oft nötig wurde. Am wichtigsten war für sie ihre Familie, welche in Morrorwind, das Land der Dunkelelfen, auf einem Hof lebte. Immer mal wieder schickte sie ihnen Gold oder kam sie besuchen, was sich aber öfters als schwierig gestaltete, denn das Reisen in dieser Welt war oft teuer und auch durchaus streng geregelt. Natürlich hatte sie ihm das nie erzählt, er wusste es aus den verschiedensten Quellen. Beispielsweise hatte sie einmal bei einer Freundin über diese Situation geklagt, was der Argonier, natürlich rein zufällig, belauscht hatte. Wenn sie mit ihm zusammen wäre, könnte sie problemlos jedes Jahr eine Reise zur ihrer Familie finanzieren oder sie gar herüber holen, wenn sie wollte. Sicherlich könnten sie auch ihre eigene Familie gründen. Sie könnten alles tun und lassen, denn er selbst war als Meuchelmörder dazu in der Lage, das Gesetz nach belieben zu umschreiben, solange die Reichen und Mächtigen von seinen Diensten Gebrauch machten.
Er betrachtete die kleine, argonische Frau, welche die Gäste bediente, die oft zahlreich in dieser Taverne erschienen. Dabei blieben seine Blicke immer völlig unbemerkt, von jedem um ihn herum, auch von ihr selbst. Doch so hatte er Zeit, sich jedes Detail an ihr zu merken. Ihre schönen, im Licht leicht schimmernden Schuppen hatten eine hellgrüne, eigentlich unauffällige Färbung und ihr langer Schweif ragte aus dem hellen Rockteil ihres Kleides hervor, welches ihre fraulichen Kurven nicht verdeckte, sondern eher umscheichelte. Sie hatte, wie viele weibliche Argonier, keine Hörner, besaß dafür aber kurze, Stachelartige Schuppen, die an den Seiten aus ihrem Kopf herauswuchsen. Ihre Augen waren braun und wirkten warm und herzlich, wenn sie lächelte. Auch ihre Stimme war warm und fürsorglich, das zeugte von einer guten, potentiellen Mutter oder Partnerin. Oft wanderte sein Blick in den tiefen Ausschnitt ihres Kleides, wann immer sie sich vorbeugte, um etwas abzustellen. Viele verstanden ihre Schönheit wohl nicht richtig, doch der Argonier konnte sich lang in ihrem Anblick vertiefen. Eigentlich hasste er Tavernen, Geplauder, Musik, Alkohol, Gesindel, dass sich in ach so geselliger Sicherheit wiegte, doch für diese Frau lohnte es sich, hier her zu kommen. Für diese Frau lohnte sich vieles. Jemand anderes war da wohl aber derselben Meinung.

Er war tief in ihrem Anblick vertieft, bemerkte aber noch rechtzeitig, dass die von ihm erwartete Person die Treppen hinunter stieg. Der Star dieses Abends. Der zweite Besitzer des Gasthauses. Die grüngeschuppte Echse trat in den belebten Aufenthaltsraum ein und betrachtete jeden mit einen prüfenden, analysierenden Blick. Seit die Diebesgilde hin und wieder mal hier aufgetaucht war, schien dieser Kerl nur noch paranoider zu sein. Talen-Jei mochte die Korrektheit und mochte er sich auch friedlich und umgänglich geben, so war er eben doch jemand, der gern kontrollierte, gern auch aus dem Hintergrund heraus. Feige. Er war feige. Die Assassine wandte den Blick von der begehrten Dame ab und betrachtete den anderen Argonier, bis dieser seinen Blick mit den starren, gelben Augen erwiderte und zur hölzernen Theke sah. Talen-Jei starrte ihn für einen Moment an, dann schien eine Art Wiedererkennung in seinem Gesicht einzutreten. Ein leichtes Lächeln schlich sich über das Gesicht des schwarzen Argoniers, als sein grüner Artgenosse direkt auf ihn zukam. Er hatte gewusst, dass Talen-Jei ihn erkennen und von selbst aus zu ihm kommen würde. Während seiner Zeit in Rifton hatte er sich ein wenig mit ihm angefreundet und ihm bei einer speziellen Sache geholfen, von der Keerava nichts wusste. Und natürlich verbindete argonisches Blut einander. Doch für alles musste es ein Ende geben.
„Vistah“, sprach der Echsenmann in der typischen, zischenden Aussprache. Er war großgewachsen und dennoch konnte man erkennen, dass er kein Kämpfer war. Talen-Jei hatte die Taverne unter anderem durch sein Wissen über spezielle, alkoholische Getränke vorantreiben können. So kannte er einige Spezialitäten aus den Schwarzmarsch, die er den Gästen gerne anbot. Er hatte ihn damals durch dieses Thema gut in ein Gespräch verwickeln können.
Der schwarze Argonier zuckte etwas zusammen. Es war ungewöhnlich, diesen Namen zu hören, denn es hatte ihn für eine ganze Weile niemand mehr so angesprochen. Dennoch reagierte er mit einem leichten Lächeln und nickte ihm zu.
„Talen-Jei“, gab er schließlich von sich, um seinen Gruß zu erwidern. Für viele war er als still, aber höflich bekannt und im Grunde ein zurückgezogener Zeitgenosse. Auch Talen-Jei hielt ihn für genau das. Er erkannte es in seinem Gesicht. Für ihn war er ein Händler, welcher aus dem Schwarzmarsch nach Himmelsrand gekommen war und sich nun stetig auf Reisen für seine Ware befand.
Er wandte seinen Oberkörper seinem Artgenossen zu, welcher näher herantrat und sich schließlich neben ihn setzte.
„Ihr seid auch wieder in Rifton unterwegs?“, Talen-Jei nahm neben ihm auf einem der Höcker platz, welcher, trotz seines leichten Gewichts, etwas knarrend unter ihm nachgab. Lustigerweise besaß dieser Argonier nicht einmal Hörner, sowie die meisten Männer seiner Rasse. Stattdessen ragten buntgrüne Schuppen aus seinem Kopf, wie wildes Haar, die nach oben und zu den Seiten abstanden. Oder sollten diese kleinen, helleren Schuppen an seiner Stirn etwa Hörner darstellen? Mit Vistahs langen, geraden Hörnern konnten die auf jeden Fall nicht mithalten. Talen- Jei sah gegen ihn wie ein Pfau oder ein zerrupfter Truthahn aus. Nur am Kinn wuchsen ihm ein paar Stacheln, die Menschen bei Argoniern oft mit ihren Baarthaaren verglichen. Aber helfen würde es ihm auch nicht damit seine jämmerliche Gesamtgestalt auszugleichen. Seiner Figur zur Folge hatte er noch nie eine Waffe in der Hand gehalten. Er hatte höchstens Ahnung von Umsatz und Zahlen und selbst davon hatte Vistah, durch seine Arbeit, sicherlich mehr zu bieten.
„Es ist schön euch zu sehen“, antwortete Vistah schließlich, betrachtete seinen Gegenüber dabei, „Endlich ist es mir nach langer Zeit mal wieder möglich, hier vorbei zu schauen. Wie läuft die Taverne?“
„Vollzüglich, wir sind gut besucht“, antwortete ihm sein Gegenüber, welcher seinen Blick kurz durch sein Geschäft schweifen ließ, „Nur das stetige Gesindel der Diebesbande kann einem wirklich die Laune verderben. Zum Glück lässt sich in letzter Zeit aber keiner mehr von ihnen hier blicken.“
Talen-Jei hatte die Diebesgilde schon immer gehasst, wobei er sich stets weigerte, sie eine Gilde zu nennen. Sie machten oft Ärger in Rifton und eben ein Mal ganz besonders im Bienenstich, wie ihm dieser Khajiit erzählt hatte. Seither schien er sie nur noch mehr zu hassen. Er streunerte stetig durch seine Taverne, um sicherzugehen, dass er auch alles im Auge hatte.
„Gerüchten zur Folge sollen sie sich langsam von innen selbst auflösen“, sagte Vistah und nahm einen Schluck seines Getränks.
„Ich glaube eher, dass sie sich neu formieren und langsam wieder aufbauen. Alles andere dient nur dazu, um uns in falscher Sicherheit zu wiegen.“
Natürlich würde dieser paranoide Kerl dem Braten nicht trauen. Vistah war erstaunt, dass es ihm überhaupt so schnell gelungen war, ein einigermaßen stabiles Vertrauensverhältnis aufzubauen. Das lag daran, dass er ihm einige Male geholfen hatte. Kurz wanderte sein Blick wieder zu Keerava, welche gerade eine Flasche Met aus dem Vorratsschrank herausholte, um sie einem Gast zu geben. Dann fiel sein Blick auf einen jungen Mann, welcher in ihre Richtung schaute. Seine schwere Berüstung und die Waffen, die er an seinem Gurt trug, gaben ein ungewöhnliches Bild zwischen all den anderen Gästen ab. Der Dunkelelf stand an der Theke und sah zu ihnen herüber. Sein schwarzes Haar hatte er zurückgekämmt, seine roten Augen wirkten neugierig. Er war auf eine andere Art und Weise aufmerksam, als die anderen Gäste, die zwischendurch hier und da mal etwas aufschnappten. Zudem schien er nicht von hier zu kommen, da war Vistah sich sicher. Für einen Moment hielt er dem Blick des Elfen stand, dann wandte er sich wieder Talen-Jei zu. Er würde so oder so einen Ort finden müssen, um kurz mit ihm allein zu reden.
„Eigentlich hatte ich vor für eine Weile wieder hier zu bleiben“, leitete der Argonier also das Thema ein. Er sah zu seinem grünen Artgenossen.
„Vielleicht könnte ich hier ein Zimmer mieten, zumindest für diese Nacht.“
„Oh, ja, natürlich“, antwortete ihm sein Gesprächspartner unüberraschend, „Wir haben heute sowieso noch einiges frei.“
„Sehr gut“, Vistah richtete sich von seinem Platz auf. Den letzten Schluck Wein hatte er bereits getrunken. Seine Resistenz gegen Alkohol war ihm schon in so einigen Situationen vom Vorteil gewesen.
„Ich würde mich gern schon einrichten, wenn es nichts ausmacht. Welches Zimmer darf ich nehmen?“
„Wartet, ich bringe Euch hin. Ihr braucht auch erst morgen zu bezahlen“, Gastfreundlichkeit schien Talen-Jei gelernt zu haben, denn er sprang ebenso von seinem Platz auf. Vielleicht hatte er auch nur Angst, dass er etwas stehlen würde. Hielt er ihn in Wahrheit auch nur für einen verlausten Dieb?
„Das ist zu freundlich“, entgegnete Vistah mit seinem mäßigen Lächeln, dann folgte er der Echse schließlich die Treppen hinauf. Er brauchte nicht mehr zurück zu sehen, um wahrzunehmen, dass der Fremdling ihnen hinterher schaute. Er spürte es, seine Blicke, die sie aufmerksam verfolgten. Was für eine neugierige Seele.

Der etwas staubigere Flur im oberen Geschoss führte zu den verschiedenen Gastzimmern, die allesamt gleich eingerichtet waren, mit kleinen Betten und einem Schrank zum Verstauen der mitgebrachten Gegenstände, alle mit hölzernen Laminat ausgelegt. Manche besaßen als zusätzliche Verstaumöglichkeit auch Truhen. Talen-Jei ging voran und schloss eines der hinteren Zimmer auf, bevor er Vistah den kleinen Schlüssel vom Bund in die Hand drückte.
„Das wäre Euer Zimmer. Ich muss unten noch etwas weiter arbeiten. Wenn Ihr etwas braucht, lasst es mich wissen“, entgegenete der Argonier und wollte sich dem Gehen zu wenden, als Vistah sich ihm in den Weg stellte. Für einen Moment blinzelte die grüne Echse überrascht. So ein Verhalten kannte er von seinem Gegenüber gar nicht.
„Wartet. Es gibt etwas Dringendes, was ich mit Euch besprechen wollte“, erklärte Vistah sein Verhalten, doch Talen-Jei versuchte sich an ihm vorbei zu schieben.
„Tut mir Leid, aber ich muss unten alles im Auge behalten. So gern ich mich auch weiter unterhalten würde, ich habe heute schon zu lang für das Herrichten der Zimmer gebraucht. Ich werde später wieder kommen“, sagte er und wandte sich weiterhin dem Gehen zu.
„Aber es geht um Keerava“, nach diesem Satz blieb der andere Argonier schließlich doch stehen. Er drehte sich zu dem schwarzen Artgenossen um, welcher seinen Blick erwiderte.
„Was meint Ihr damit?“, Talen-Jei wandte sich ihm nun doch wieder vollends zu. Er hatte seine Aufmerksamkeit.
Vistah deutete auf das Zimmer, das Talen-Jei ihm vor einigen Sekunden vermietet hatte.
„Es ist besser, wenn sie selbst nicht davon Wind bekommt, denn es geht um eure gemeinsame Angelegenheit.“
Sein Gegenüber schien zu verstehen. Schließlich nickte er und die beiden verschwanden im Gästezimmer. Vielleicht würde dies genügen, um sich kurz vor neugierigen Ohren zu schützen.
Vistah schloss langsam die Tür und wandte sich dem wartenden Talen-Jei zu, welcher im Mitten des kleinen Zimmers stand und ihn anstarrte. Für Keerava würde er so einiges tun, dass wusste er. Schade, dass er zu so wenig im Stande war.
„Ich glaube, ich weiß, wo Ihr den letzten Amethyst herbekommst. Vielleicht sogar noch heute, sodass alles rechtzeitig für den ursprünglich geplanten Antrag fertig wird“, kam Vistah direkt zur Sache und der andere Argonier war ganz Ohr.
„Noch heute? Was meint Ihr damit?“, Talen-Jei trat etwas näher an ihn heran, doch Vistah gab ihm einen Schubs, sodass er auf das Bett fiel. Kurze Verwirrung, gar etwas Wut stiegen in Jei´s Augen auf, doch der andere Argonier lächelte.
„Setzt Euch. Ich erkläre es.“
Auch er setzte sich auf das Bett. Er warf einen Blick auf den Tavernenbesitzer neben sich und nach und nach wurde ihm klar, dass er hohe Chancen hatte, dass heute alles funktionieren würde. Wie Talen-Jei ihm erzählt hatte, wollte er seine Keerava ehelichen. Der Antrag war schon seit über einem Jahr geplant, doch, um nach argonischer Tradition zu heiraten, würde er viel Gold aufwenden müssen, um einen speziellen Ring herstellen zu können, welcher mit drei makellosen Amethysten besetzt war. Einen Tipp für einen Händler, der diese seltenen, dunkel gefärbten Edelsteine verhältnismäßig preisgünstig verkaufte, hatte Vistah seinem Artgenossen schon gegeben. Für mehr als Zwei hatte das Gold nicht mehr gereicht, obwohl der Tavernenumsatz gut war. Nun fehlte der Letzte, den er brauchte, um den Ring fertig zu stellen. Eigentlich wollte er Keerava am übermorgigen Tag überraschend den Antrag machen, doch da er die Edelsteine nicht so schnell beschaffen hatte können, wie geplant, hatte er diesen Plan verworfen. Die Liebe an sich war immerhin wichtiger, als ein Datum, hatte er gesagt. Sicherlich. Vistah hatte die Aktion die ganze Zeit über beobachtet. Er wusste, dass ihm immer noch ein makelloser Amethyst fehlte, denn in letzter Zeit wurde keiner mehr in der Nähe der Stadt verkauft.
„Als ich mich auf den Weg hierher begeben hatte, habe ich nicht weit von hier eine Khajiit-Karawane angetroffen, welche einen makellosen Amethysten im Angebot haben. Momentan rasten sie noch ganz in der Nähe außerhalb der Stadt, sie wollen aber am morgigen Tag weiterziehen. Ich bin mir sehr sicher, dass diese Nachtaktiven Katzen aber kein Problem damit haben, am späten Abend noch Geschäfte zu machen. Ich würde Euch dorthin begleiten, wenn Ihr das wünscht.“
Talen-Jei hatte bei dem Wort „Khajiit-Karawane“ ein wenig das Gesicht verzogen, schließlich war dieses Volk nicht sonderlich beliebt in Himmelsrand, doch er schien zu überlegen. Er wägte die Risiken ab und suchte nach Lücken.
„Das klingt....“, er überlegte weiter, „Das klingt nach...“
„Es ist vielleicht eine der letzten Möglichkeiten in den nächsten Jahren, an so einen Edelstein zu kommen“, sagte Vistah schließlich, „Ihr habt euch vor einigen Jahren am übermorgigen Tag kennengelernt. Denkt Ihr nicht für Keerava wäre es wunderschön, wenn Ihr ihr den Antrag an diesem Datum stellen könntet?“
„Kann ich mir das denn leisten?“, fragte Talen-Jei. Er schien die Möglichkeit, zu der Karawane aufzubrechen schon in Erwägung zu erziehen.
„Ich habe sofort an Euch gedacht, als ich den Amethysten gesehen habe und den Preis erfragt. Die Khajiit scheinen nicht viel Ahnung von dem Wert dieses Edelsteines zu haben. Sie würden ihn für 100 Septime verkaufen.“
Wenn man bedachte, dass diese Edelsteine rund 180 Septime oder deutlich mehr wert waren, war dies sicherlich schon um einiges günstiger. Das lockte den sparsamen Talen-Jei.
„Ich kann Keerava doch nicht allein lassen“, gab er allerdings zu bedenken. Vistah blickte ihm eindringlich entgegen.
„Keerava wird für ein paar Minuten allein zu recht kommen. Ich habe Euch auch schon zu den anderen Amethysten verholfen und ich kann Euch auch dieses mal helfen. Überlegt Euch einen Vorwand und wartet vor Rifton auf mich. Ich werde Euch unauffällig folgen, damit sie nichts bemerkt. Dann gehen wir gemeinsam los. Es wird nicht lang dauern.“
Talen-Jei wirkte immer noch unsicher. Für eine Weile überlegte der Echsenmann, doch schließlich nickte er. Er schien nicht zu bemerken, dass Vistah es nicht wissen konnte, ob die beiden schon geheiratet haben oder nicht. Viel zu sehr dachte er über die plötzliche Chance nach, seinen Plan doch noch in Erfüllung gehen zu lassen. Andererseits hätte er ihm sicherlich sofort von einer Ehe zwischen sich und Keerava erzählt.
„Das ist wirklich sehr nett von Euch Vistah“, Talen-Jei schluckte kurz, „Wisst Ihr, ich habe mir schon die ganze Zeit Gedanken darüber gemacht, dass aus dem Antrag nichts wird. Zugegebenermaßen habe ich mich gefühlt wie ein Versager.“
Er sah zu dem anderen Argonier, sein Blick war ernst.
„Ich werde Euch meine Dankbarkeit beweisen, sobald ich kann. Nehmt zunächst dieses Zimmer umsonst. Ihr seid ein wirklich guter Freund geworden.“
„Das ist nicht der Rede wert. Immerhin müssen wir Argonier zusammenhalten“, gab Vistah zurück.
Talen-Jei konnte seine Dankbarkeit heute Nacht sicherlich beweisen.

Er hielt sich an ihre gemeinsame Verabredung, denn er kam nur ungern zu spät. Vistah wartete genau 5 Minuten ab, bevor er die Taverne durch das Fenster seines Zimmers verließ. Die Stadt war inzwischen fast verlassen, einige Wachen drehten noch ihre Kontrollrunden, zwischen den finsteren Häusergassen. Er wollte nicht unbedingt von ihnen gesehen werden, da es so wenige Zeugen wie möglich geben sollte. Zum Glück war es für ihn ein leichtes, sich unbemerkt aus einer Stadt heraus zu schleichen. Wie immer hatte er eine Reihe an verschiedenfarbigen Fläschen dabei. Die Alchemie war sein Fachgebiet, besonders die Bereiche des Giftes oder der Unauffälligkeit. Der Inhalt des blauen Fläschens verschaffte ihn für eine kurze Zeit eine unsichtbare Form, sodass er problemlos durch die Stadt laufen konnte und schließlich Talen-Jei durch das geöffnete Tor folgte. Einige Meter von ihm entfernt wartete er im Dunkeln, bis die Wirkung seines Trankes nachließ und er sich seiner Verabredung schließlich annäherte.
„Seid Ihr bereit?“, er hatte die Echse von hinten angesprochen, welche erschrocken zusammengezuckt war.
„Wir sollten aufbrechen.“
Vistah lotste ihn weiter in die Dunkelheit, weiter weg, von seiner schützenden Stadt. Als es soweit war und er die kleine Öffnung in der Felswand, sowie die kräftigen, sich davor sammelnden Felsbrocken erkennen konnte, verschwand er langsam in der Dunkelheit und ließ Talen-Jei allein zurück. Es war soweit, es war Zeit für den nächsten Schritt.




Es wurde Dunkel, auch wenn es für den Kater keinen großen Unterschied machte. Seine Augen sahen in der Nacht sogar oft besser als am Tage. Die Gegend vor ihm war ruhig, die Kronen der Bäume wiegten sich im sanften Abendwind, hier und da waren die Geräusche der Tiere zu hören, die sich überall um ihn herum versteckt hielten. Sein Körper hockte geschützt hinter dem Gestein vor dem Eingang der kleinen Höhle, seinen Bogen und einen bereits einlegten Pfeil hatte er auf den Knien abgelegt. Er hockte schon eine ganze Weile hier, starrte gerade aus, Richtung Süden, Richtung Stadt, doch bisher war niemand aufgetaucht. Laut dem eigenartigen Argonier sollte er aber um jeden Preis hier warten und den Weg zur Stadt im Auge behalten. Es war verdächtig ruhig. Za´Tesh war einige Male der Gedanke gekommen, einfach abzuhauen, doch er wusste, dass sie ihn sowieso früher oder später finden würden. Andererseits gab es keine Garantie dafür, dass sein Leben verschont bleiben würde, wenn er den Auftrag ausgeführt hatte. Vielleicht würde man ihm den Mord in die Schuhe schieben, andererseits war er ohnehin schon schuldig genug, so sehr, dass er sich von einem ganzem Fürstentum fernhalten musste. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er auch von anderen Gruppen gejagt werden würde, neben der dunklen Bruderschaft, die Maven gern seinen Kopf liefern würden. Sie taten dasselbe wie er, sie bezahlten mit dem Blut der anderen ihr Leben.
Neben dem Kater lagen die Leichen zwei toter Wölfe, welche so langsam einen unangenehmen Geruch absonderten. Sie waren bei seiner Ankunft aus der Höhle gestürmt, doch Za´Tesh hatte mit den beiden Raubtieren kurzen Prozess gemacht. Nun waren sie seit einigen Stunden seine einzige Gesellschaft. Es wurde kälter um ihn herum und immer noch herrschte Stille. Was war, wenn er ihn hier sitzen lassen würde?
Doch schließlich tat sich doch etwas. Erst in weiterer Ferne erkannte er eine Gestalt, die näher kam, Stück für Stück. Er konnte grüne Farbe erkennen, helle, grüne Farbe. Es musste eine Person sein. Sie trat näher heran, als Za´Tesh schon seinen Bogen auf ihn richtete. Eine große, männliche Echse mit Federartigen Kopfschmuck gab sich zu erkennen. Er trug braune Kleidung, bestehend aus einem Hemd und einer weiter geschnittenen Hose, die üblicherweise die Leiter einer Taverne trugen. Zudem hatte die Person  keinerlei Bewaffnung bei sich, wie der Kater schnell analysierte. Er beobachtete wie der Argonier näher kam, bis er wenige Meter von ihm entfernt im hellen Mondschein stand. Das Mondlicht erleuchtete seine Gestalt wie ein Scheinwerfer den Hauptdarsteller, während der Khajiit selbst im Schatten hinter den Felsen verborgen blieb. Er spannte langsam seinen Pfeil ein und zog ihn fest zu sich heran, während er den unsicher wirkenden Talen-Jei nicht aus den Augen ließ. Dieser schien seinen Tod eventuell bereits zu spüren, denn er blickte sich nervös in seiner Umgebung um. Es hatte also funktioniert. Die Assassine hatte ihn erfolgreich hier her gelockt. Nun hing alles weitere von ihm ab. Der Khajiit versuchte leiser zu atmen, um nicht von seinem Gegenüber gesehen zu werden. Er wartete noch. Talen-Jei vor ihm blickte sich noch einige Male um, fast so, als würde er etwas suchen. Dann wandte er ihm den Rücken zu, sah zurück auf den Weg, den er gekommen war. Seine Gestalt war hilflos, stehend auf den gräsernen Eingang zur Höhle, hinter den Bäumen, die den normalen, zivilen Weg abgrenzten. Es war dumm von ihm, sich umzudrehen.

Es war der perfekte Moment. Za´Tesh war klar, dass dies anders war, als die Aufträge, die er vorher angenommen hatte. Da ging es darum, Banditen zu töten, Menschen, die gesucht waren, Personen, die selbst Gewalt an anderen anwandten. Zwar war er vorher ein Dieb gewesen, dennoch schien dies einfach etwas anderes zu sein. Nur ein einziges Mal hatte er etwas ähnliches getan und es hatte ihn seinen vorheriges Leben in Rifton gekostet. Er spürte, dass irgendetwas anders war. Vielleicht lag es an seiner Vergangenheit? Es fühlte sich so an, als würde einer der Göttlichen nun auf seine Taten hinabschauen. Obwohl er Talen-Jei nicht leiden konnte, zitterte seine Hand etwas, mit welcher er den Pfeil noch fixiert hielt. Er war perfekt ausgerichtet und dennoch schoss er ihn nicht ab. Ihm fiel auf, dass er sich das leichter vorgestellt hatte als es nun war. Dennoch konnte er keinen Rückzieher mehr machen. Es war vielleicht seine einzige Möglichkeit, sich zu retten. Er musste sich retten, er hatte doch ein Recht dazu oder? Noch einmal atmete er kurz aus, dieses mal hörbarer, als er es ursprünglich vorhatte, doch er ließ den Pfeil ohnehin schon fliegen. Es brachte dem Argonier auch nichts mehr, sich umzudrehen und in seine Richtung zu schauen. Für einen Moment glaubte Za´Tesh sogar, er würde ihn sehen. Da traf das Geschoss ihn auch schon an der rechten Schulter. Die Echse fiel durch den Schwung zu Boden, kam im staubigen Sand auf. Ein Stöhnen ging von ihm aus und Za´Tesh war sich sicher, dass der Argonier noch lebte. Warum hatte er ihm nicht in den Kopf geschossen, so wie er den Pfeil eigentlich ausgerichtet hatte? Der Kater verstand selbst nicht genau, warum er so schlecht gezielt hatte. Sollte er noch einmal nachschießen? Kurzerhand richtete er sich auf und spannte einen zweiten Pfeil ein, den er auf den immernoch am Boden liegenden Argonier richtete, welcher nicht einmal aufsah. Die Echse hatte den Kopf zurück gelegt und versuchte mit einem Arm den Pfeil zu ergreifen, der in seinem Fleisch steckte. Eigentlich war es so oder so egal, ob sein Opfer ihn nun noch sehen würde oder nicht, denn er würde eh gleich sterben. Doch bevor er erneut schießen konnte, stieß ihn etwas zur Seite und sprang an ihm vorbei. Za´Tesh umklammerte seinen Bogen und konnte sich gerade so eben noch abfangen. Er prallte dennoch unsanft gegen einen der Felsen, an welchen er sich instinktiv aufstützte. Was war das gewesen? War er nicht allein? Tausende Gedanken schossen ihm durch den Kopf, dass ein Reisender ihn beobachtet haben könnte, weitere Assassinen hinter ihm her waren, eine Wache sich hierher verirrt hatte, doch sie liefen wirr im Hintergrund seines Kopfes ab. Seine Augen sahen verwundert auf und erkannten sofort ein haariges, vierbeiniges Wesen, dass vor ihm auf den Felsen, hinter dem er sich die ganze Zeit versteckt gehalten hatte, stand. Das Tier hatte tiefe Wunden am Halsbereich und getrocknetes Blut klebte in seinem Fell. Die Pupillen waren völlig weiß, leblos und seine ganze Erscheinung schien von blauem Schimmer umgeben zu sein. Für einen kurzen Moment drehte das Tier den Kopf zu ihm herum und sah ihn direkt an, während Za´Tesh erstarrt den Blick erwiderte. Er erkannte die Wunden, die das Tier trug schnell, da er es ihm selbst zugefügt hatte. Ja, er war sich sicher. Es war einer der Wölfe, die er vor ein paar Stunden getötet hatte. Das Raubtier sah so verletzt aus, doch es bewegt sich agil und problemlos auf den verwundeten Talen-Jei zu, als wäre es völlig gesund, bevor der Khajiit einen Schrei des genannten Argoniers hörte. Der zweite, ebenso von Za´Tesh getötete Wolf folgte aus der selben Richtung dem ersten und stürzte sich auch auf Talen-Jei. Za´Tesh hörte seine Schreie und hörte Kleidung die zerfetzt wurde, sowie Sehnen und Fleisch reißen. Langsam richtete der Kater sich auf und sah, wie der Argonier von den beiden Wölfen zerfleischt wurde. Blut sammelte sich auf dem Boden, die Beine der Echse zappelten und strampelten, bevor sie sich schließlich zuerst verkrampften und dann still und schlaff auf den Boden sanken. Sein Körper wurde zwischen den beiden Tieren hin und hergerissen, schleifte von rechts nach links über den Boden, hinterließ eine Blutspur. Za´Tesh konnte sich kaum bewegen, er hatte seinen Bogen fest umklammert, doch er kam nicht auf die Idee, ihn gegen die Tiere anzuwenden. Eines wurde ihm klar. Es waren Totenbeschwörer in der Nähe. Jemand, der diese verbotene Magie beherrschte. Noch immer erstarrt bemerkte Za´Tesh nicht, wie sich jemand von hinten an ihn heranschlich, bis die Person ihn packte und ihm eine Klinge an den Hals hielt. Er riss erschrocken die Augen auf, versuchte sich sofort zu wehren, indem er seinen Ellbogen in die Rippen des anderen haute, doch schon bald spürte er einen Schnitt an seiner Halsgegend. Er glaubte eine schwarze Hand zu erkennen, die das gegen ihn eingesetzte Messer festhielt und dachte an die Assassine. Tötete er ihn etwa? Blut tropfte auf den Boden, sein eigenes Blut. Verwirrt und benommen kam er dem genannten Boden immer näher, bevor ihm Schwarz vor Augen wurde. Zuletzt sah er noch verschwommen die beiden Wölfe, die vom blauem Schimmer im Schein des aufsteigenden Mondes leuchteten, schmerzerfüllt aufheulten und dann zu Staub zerfielen.
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