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Von Dieben und Meuchlern

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
15.04.2020
30.05.2021
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15.04.2020 4.704
 
Sein Grinsen könnte nicht breiter sein. Die warme Sonne hatte ihren Platz schon lang mit den beiden Monden getauscht, dennoch reckte er erst jetzt seine knackenden Knochen. Das laute Geräusch erweckte eine große Befriedigung tief in seinem Inneren, genauso, wie das warme Licht, welches auf sein Fell schien. Vor ihm lagen weite Hügellandschaften, grünes Gras und große Bäume, die ihre Kronen in den blauen Himmel reckten. Eine kühle Brise bewegte sanft die Ohren des Katers, die er ganz entspannt nachgeben ließ. Was gab es besseres, als im Freiem aufzuwachen?

Momentan schien niemand in der Nähe zu sein, kaum ein Geräusch, bis auf das Treiben der Natur, war zu vernehmen. Das wahrhaftige, wörtliche Treiben der Natur, zumindest war es jetzt zum Frühjahr hin sowieso Paarungszeit. Vielleicht hätte er einfach eine Taverne besuchen sollen, um eine Frau für eine Nacht zu umwerben, damit er nicht ganz so allein war. Die meisten konnten dem Charme des Kahjiits ohnehin nicht widerstehen. Und er hätte eine reiche Auswahl gehabt, denn Himmelsrands Töchter waren schön, wenn auch nicht unbedingt Rassenvielfältig. Doch es war schon lange her, seit er eine Taverne von innen gesehen hatte. Hölzerne Tische und Wände, viele, sich angeregt unterhaltene Menschen, lieblich singende, großbrüstige, leicht bekleidete Bardinnen, Schlägereien, warmes Essen, Bier und Met, ein warmes Feuer... Seit sein Kontakt zur Diebesgilde durch seine zahlreichen Schandtaten ein Ende gefunden hatte, nicht zur guter Letzt durch die, eigentlich auf gegenseitigem Einverständnis beruhende, dennoch lohnenswerte Tat an einer gewissen Dame, die sich wohl mehr erhofft hatte, war seine Ausnahmereglung vorbei. Die Tore Riftons waren verschlossen für Khajiit, sowie alle Stadttore in Himmelsrand. Nichtmals in den Abwässerkanälen dieser verkommenen, korrupten Stadt wollte man ihn sehen. Vielleicht würde er mit seinem Leben bezahlen, würde er sich dort blicken lassen. Maven Schwarzdorn hatte recht viel Mühe damit gehabt, seine Anwesenheit innerhalb der Stadtmauern gut zu rechtfertigen. Ihn als einen angesehen Geschäftspartner darzustellen, der ihr zu ihrem Hauptverdienst, dem Brauen von Schwarzdornmet, behilflich war, war wohl grundlegend keine all zu gute Lüge. Dennoch auch keine all zu schlechte. Zumal es sowieso niemand wagen würde, Maven in aller Öffentlichkeit zu kritisieren. Sie war gefährlich, mächtig, hatte die Stadt in der Hand, wie eine Marionette. Sogar er hatte Respekt vor ihr. Sie war wohl zumindest kein kleines Püppchen, wie die Bardinnen, oder die jungen Frauen, die schüchtern von ihrem Met aufsahen, zu ihm herüber blickten. Sie war wahrhaftig mächtig, ihre Worte waren Gesetz, alles andere würde früher oder später zum Henker führen. Er sorgte sich darum, dass es das für ihn früher oder später auch würde, denn sein Glaube, dass sie Assassinen der dunklen Bruderschaft auf ihn angelegt hatte, verstärkte sich. Wie erklärte man die Schatten, die Pfeile, die aus dem nichts auf ihn zuschossen? Er schüttelte den Kopf. Vielleicht wurde er auch nur paranoid.
Andererseits hatte er sein Können mit alkoholischen Getränken innerhalb Riftons bewiesen. Das war sein Fachgebiet, sogar Provinzübergreifend, einschließlich Skooma. Ihm war die Ilegalität dieser Droge zwar bekannt, dennoch hatte er sie häufig konsumiert und verkauft. Wobei er nie süchtig geworden war, denn sein Willen war der eines Khajiit. Nur Milchtrinker würden all zu sehr einer solchen Sucht verfallen. Die gab es ja durchaus auch unter seinen Artgenossen. Einer lag nicht weit von seiner Nachstätte entfernt.

Tot, blaue Augen, weißes Fell. Ein hübscher, junger Khajiit, wenn auch etwas dünn, mit dunklen Streifen. Der Schrecken und die Qual, die ihm gestern sein Streitkolben zugefügt hatte, standen ihm immer noch im Gesicht geschrieben. Die Stacheln seiner Waffe hatten sich gestern im Leib verfangen und einiges an Fleisch mit heraus gerissen. Nun zerrte sich eine große Wunde in seinem Brustbereich, an welcher sich träge Fliegen labten. Seine weiteren Mitstreiter, zwei Nord, ein Rothwardrone, lagen ebenfalls in ihrem eigenen Blut, auf den Boden, tot. Einer schien vor kurzem noch am Leben gewesen zu sein, schien aber nun über Nacht verblutet. Der andere Nord, dessen Körper in einem Gebüsch verfangen war, und dessen Augen ihn leer, tot, anstarrten, war ein Jäger gewesen. Einer mit schönen warmen Zelt und fertigem Lagerfeuer, Essen, Wasser, Waren, die noch zum Verkauf geeignet waren... Sein Amulett von Arkay war es sicherlich. Nachdem er ihn gestern Nacht niedergestreckt hatte und sein Fellbett übernehmen wollte, waren ihm aber diese nervigen Banditen dazwischen gekommen. Nun war er aber um ein paar Pfeile und Dietriche reicher, sowie um ein paar Münzen. Die Leichen hatte er gestern den kleinen Graben hinunter geworfen. Heute lagen sie immer noch dort und er war vollständig ausgerüstet, um sich auf den Weg zum weiteren Reichtum zu machen. Ja, bald würde er deutlich reicher sein. Nocheinmal streckte der Khajiit mit dem Tiefroten Fell sich, bis er schließlich auf zwei Füßen im staubigen Dreck des Bodens stand.

Schon jetzt konnte er, mit seinen khajiitischen Ohren, wenn auch noch in weiterer Ferne, Knochen, die knackend in Bewegung gesetzt wurden, hören, in Begleitung von Waffen, die mit einem scharfen Geräusch aus ihrer Halterung gezogen wurden. Za´tesh roch Blut, hörte potentielle Knochen, die er heute noch brechen können würde. Sein Streitkolben steckte an seinem Gürtel seiner leichten Rüstung, die man schnell für gewöhnliche Kleidung halten konnte. Im Prinzip war sie das auch, nur, dass sie ausgefüttert war, und ihn somit, zusätzlich zu seinem Fell, warm hielt und etwas schützte. Seine Stiefel setzten sich in Bewegung. Ihm war klar, dass das Banditenlager nicht mehr in all zur weiter Ferne lag.
Sein Auftraggeber hatte mit dem Angebot eines hübschen Sümmchens für den Kopf des Banditenanführers nicht gezadert. Er würde ihm diesem heute noch bringen. Immerhin lebte er davon. Er lebte davon, zu töten und seinen Auftraggebern den gewünschten Kopf zu liefern. Oder das, was davon übrig bleiben würde. Mit dem Blut der anderen bezahlte er sein eigenes Leben, neben dem Verkaufen von Skooma. Rifton und sein Fürstentum hatte er schon lang hinter sich gelassen, sowie das Potenzial, ein zivillisiertes Leben zu führen. Sein ganzes Verbleiben war eine Flucht vor dem unwahrscheinlichem Wahrscheinlichem, ein Handeln und Verstecken. Vielleicht würde er genügend Gold zusammen bekommen, um Himmelsrand zu verlassen?

Nach einigem Laufen erstreckte sich in weiter Ferne das gewaltige Biest aus grauem, uraltem Gestein in die Höhe. Der Turm war an einer Seite eingestürzt, Felsbrocken, lagen auf dem Boden. Der Turm verdeckte das Lager, auf welches er es abgesehen hatte. Za´Tesh setzte seinen Weg fort, stampfenden Schrittes, kletterte über einige der Steinbrocken. Er war allein. Das Lager war höchstwahrscheinlich nicht all zu groß. Dennoch sollte er acht darauf geben, nicht von seinen Gegnern gesehen zu werden. Zwar war ihm der direkte Weg der Gewalt deutlich lieber, doch die Gefahr, bei überstürztem Handeln den Tod zu finden, war zu groß. Dann würde ihm auch die versprochene Summe, die er für den Kopf des Banditenanführers bekommen würde, nichts bringen. Somit fing er an, vorsichtig über den warmen Nachmittagsboden zu pirschen, als er den großen Turm hinter sich gelassen hatte. Ein Angriff über Nacht hätte dem Khajiit sicherlich besser in die Karten gespielt, schon allein, da seine Augen für die späte Jagd gemacht waren, dennoch wollte er nicht mehr länger warten und trödeln. Seine Erfahrung mit dem Ausmerzeln von Banditennestern würde ihm wohl reichen. Die waren am Tage genauso dumm und voreingenommen, wie in der Nacht. Die meisten von ihnen dachten, dass ihr Status als Bandit, welcher wehrlosen Bürgern Angst machte, und ihre Sicherheit in der sozialen Gruppe, ausreichen würden, um sich vor gegnerischen Angriffen sicher zu fühlen. So wie ihre versteckten Nester. Auch dieses war abgelegen , hinter einem alten, einsturzgefährdeten Turm, sicher von weiteren Felsen geschützt. Es lag auf diesem großen Hügel, mit einer dennoch guten Sicht auf den herunter liegenden Trampelpfad, den manch ein Reisender als Abkürzung oder aus Neugieride verwenden würde. Dieser wiederherum wurde von großen Tannen geschützt, geschützt vor dem großen, bürgerlichen, beschilderten Weg, den ein normaler, vorsichtiger Bürger nehmen würde. Es wäre schlecht sich hierher zu verlaufen.
Za´Teshs Augen richteten sich auf das prasselnde, große Feuer in der Mitte des Lagers. Einige Gestalten bewegten sich auf und ab. Er hörte das Schleifen von Metall an einem der Schleifsteine, vernahm ferne Stimmen.
„...denkt doch tatsächlich, ich würde bezahlen. Keinen rostigen Septim wird sie von mir sehen.“
Ehrenloses Volk. Leise setzte sich Za´Tesh wieder in Bewegung. Wenige Sträucher und restliche Felsbrocken schützen ihn vor frühen Blicken. Er zog seinen hölzernen Bogen, den er mal gefunden hatte und zeitgleich einen dünnen Pfeil. Scharfe Spitze, schmale Form. Er legte ihn ein, spannte den Bogen mit einer ruhigen, aber kräftigen Handbewegung. Seine Füßen bewegten sich dabei weiter lautlos über den gräsernen Boden. Es hatte immer noch niemand aufgesehen, auch nicht, als er nun stätig näher kam. Es waren drei, die den Eingang zu einem Teil des Turms bewachten, welcher von dem anderen abgetrennt war, aber wohl noch dazu gehörte. Es war der funktionstüchtigste Teil, der neben den Felshaufen, die Za´Tesh nun als Versteck nutze, noch erhalten geblieben ist. Einer der Wachen saß, wie er bereits vermutet hatte, auf einer hölzernen Bank und kurbelte mit dem Fuß den Schleifstein. Sein Schwert wurde heiß an dem runden Getriebe abgewätzt. Der ältere Mann hatte einen Bart, dunkle Haut und eine kräftige Statur, schwere Rüstung, aber keinen Schutz für den Kopf. Ein gezielter Schuss sollte ihn entsprechend ausschalten. Eine junge Frau lächelte und lief auf und ab. Ihr schwarzes, krauses Haar blitzte unter dem eisernen Helm hervor, aus welchem zwei gebogene Bockhörner ragten. Auch sie trug eine schwere, eiserne Rüstung, allerdings lagen ihre Arme frei, von welchen sie sich wohl bald verabschieden dürfte. Zumindest von dem, mit dem Schild, wenn alles nach Plan verlief. Der Letzte war ein weiterer, junger Mann, wohl noch jünger als der am Schleifstein. Sein Schwert steckte in der Halterung, er saß auf einem der Gesteinsbrocken und trank aus einem Becher. Wahrscheinlich Met, wie Za´Teshs Geruchssinn verriet. Die warme Sonne schien auf seine Pelzrüstungen hinab, genauso, wie sie heiß auf Za´Teshs eigenes Fell hinab schien. Es war wirklich warm. Seit er seine Heimat verlassen hatte, hatte er sich schnell an die Kälte Himmelsrands gewöhnt. Nun hatte sein Körper die Hitze Elsweyrs vergessen. Was für eine Schande.
Sein Blick konzentrierte sich auf den Mann, der weiterhin sein Schwert bearbeite. Er war am unaufmersksamsten. Vorsichtig brachte der Kater sich in Position. Seine Pfeilspitze richtete sich auf den Kopf des vermutlichen Nords. Er würde heute einen schnellen Tod finden. Ein letztes Mal ging er die Schritte durch, die gleich folgen würden, als er ausatmete, um den Pfeil fliegen zu lassen.
Mit hoher Geschwindigkeit flog die tödliche Waffe auf sein Ziel zu. Mit Erfolg. Ein schmatzendes Geräusch ertönte, als Blut schoss und ein weiteres klirrendes Geräusch, als das Schwert des ehemaligen Besitzers seinen Weg zum Boden fand. Za´Tesh konnte betrachten, wie er zu Boden kippte, dort aufprallte und liegen blieb. Sofort sprang der andere Mann auf, ließ den Becher Met fallen und zog sein Schwert. Sein Blick war erstaunt, verwirrt, erschrocken. Das Getränk floss geblich heiß über den Boden. In diesem Moment steckte Za´Tesh seinen Bogen weg, bevor er zum Sprung ansetzte, aus seinem Versteck von Sträuchern und wenigen Überresten des Turms. Noch während des Fluges zog er seinen Streitkolben mit der anderen Hand und landete wenige Zentimeter vor seinem Ziel. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis in den blauen Augen auch noch Wut und Entsetzen zu erkennen waren. Genauso wenige Sekunden später folgte sein Tod. Der arme Kerl hatte keine Zeit zu reagieren. Schnell versetzte Za´Tesh ihm zunächst einen ordentlichen Stoß in den Bauch, welcher ihn zurückweichen und sich zusammen krümmen ließ. Er nutzte den geringen Zeitgewinn dazu, seine rechte Hand zu erheben, und mit den Streitkolben ordentlich auszuholen, indem er ihn in die Luft schwang, um ihn dann mit Gewicht auf den gesenkten Kopf seines Gegenübers aufprallen zu lassen. Die mit Stacheln besetzte Waffe traf mitten ins Ziel, welches unter der Wucht und Kraft nachgab. Za´Tesh beugte sich über den Körper und ließ sich mit ihm fallen, um sich dann mit einer Vorwärtsrolle über den toten Körper nach vorn abzufangen, zeitgleich seine Waffe aus dem Fleisch seines Gegners zu ziehen, welche ihm,  durch den gezielten Schlag und dem vielen Blut, allerdings gut folgte. Kaum fand er sich zurück auf den Füßen und drehte den Oberkörper herum, schlug ein Schwert knapp vor ihm auf. Die Waffe der Frau blieb im toten Körper ihres Kollegen stecken. Die Mühe, die sie hatte, um sie heraus zu ziehen, nutzte Za´Tesh, um sich aufzurichten, und kurz darauf den Streitkolben zur Abwehr eines gegnerischen Schlags zu erheben. Das Schwert der Frau drückte gegen seine Waffe an. Und für eine Frau hatte sie sehr viel Kraft. Das große Schwert kämpfte mit Stärke gegen seinen Streitkolben an. Die Augen unter dem Helm seines Gegenübers waren angestrengt zusammengekniffen, die Zähne gefletscht. Sie sah aus wie ein wildes Tier. Er konnte schwören, ihre Armmuskeln explodieren zu sehen. Dennoch stieß er sie zurück, woraufhin die junge Frau zurück stolperte. Sie konnte sich gerade so eben noch mit beiden Beinen abfangen, blickte sauer zu Za´Tesh. Er setzte zum Sprung an, flog schließlich aus der Luft auf sie zu, den Kolben hoch erhoben. Im richtigen Moment streckte die Banditin jedoch ihr Schild vor ihrem Körper, sodass der Kolben lediglich auf das harte Eisen prallte. Za´Tesh landete dennoch knapp vor ihr auf den Füßen und zog seinen Körper gerade so eben in die Hocke, um einen Schwertschlag ihrerseits aus zu weichen. Er reagierte allerdings, indem er, mit Schwung seines Streitkolbens, unten gegen ihre Beine schlug. Er riss sie von den Füßen, bis sie, schrill schreiend, zu Boden fiel. Sie wurde vom Schwung mitgerissen. Er hörte den Aufprall, sie blieb vor seinen Füßen liegen, als er sich aufrichtete. Ein Pfeil wurde eingespannt und zielte auf die Frau, die wohl noch einige Sekunden brauchen würde, um sich wieder zu orientieren, immerhin war sie mit den Kopf aufgeprallt, bis er ihrem Leben mit einem Schuss ein Ende setzte. Er hatte nicht viel Zeit, sich ihrer Schönheit weiter hinzugeben, als er einen Schatten aus den Augenwinkeln entdeckte. Seine Ohren hörten Schritte. Geschwind drehte er sich um, um eine völlig schwarzgekleidete Gestalt zu entdecken, welche ihm, nur wenig entfernt, entgegen blickte. Hatte er nicht nur vier Gegner gesichtet? Viel Zeit für Verwirrung blieb beiden nicht, da war ein weiterer Pfeil auch schon abgeschossen und der Unbekannte schloss Bekanntschaft mit dem Boden. Za´Tesh verweilte in seiner angespannten Haltung. Einige Sekunden war es still. Bis auf das übliche Treiben der Natur.
Langsam aber sich setzte er seinen Körper wieder in Bewegung und befreite sich aus der Spannung. Erneut das Ertönen von knackenden Knochen. Vielleicht wurde er einfach nur alt. Die Jahre würden ihn so schnell einholen wie ein Pfeilschuss, wenn er weiterhin so ein Leben führen würde. Doch es würde bald vorbei sein, sobald er nachhause zurückkehren konnte. Langsam drehte er sich um, den Bogen zurücksteckend und sich schließlich der Leiche der Frau zu wendend. Vielleicht hatte sie Gold dabei?  Für einen Moment glaubte er, etwas zu hören. Ein Rascheln. Er hielt inne. Erst als Stille folgte, bückte er sich nach der Frau und durchsuchte die kleine Tasche an ihrem Gürtel. Auch der Mann, der sein Schwert am Schleifstein bearbeitet hatte, und nur wenig entfernt zu der rechten seines weiblichen Opfers den Tod gefunden hatte, offenbarte einige dieser Glückbringenden, gelben, runden Dinger. Als er sich herum drehte, um sich dem Letzten zu zuwenden, hielt er kurz inne. Sein Blick fiel wieder auf die schwarze Gestalt. Ein Pfeil steckte in ihrem Brustkorb. Woher war diese Person so plötzlich hergekommen? Er musterte sie aufmerksam mit den gelben Augen, studierte ihre dunkle, Umhangartige Kleidung. Sie passte nicht zum Rest der Banditen. Ihm war ein derartig gekleidetes Wesen zuvor nicht aufgefallen. Eine Zeit blieb er stehen, dann bewegte er sich, vorsichtigen Schrittes, auf die Gestalt zu. Als er näher heran ging, fiel ihm die dunkle Bruderschaft wieder ein. Er stoppte kurz, ließ nervös seinen Blick kreisen. Vielleicht wussten sie, wo er war? Maven würde niemals Ruhe geben, bis sie ihn gefunden hatte. Doch es war still. Nur das Treiben der Natur. Kamen Assassinen der Bruderschaft gewöhnlicher Weise allein? Die Antwort lautete ja. Da er nun aber schon längere Wochen erfolglos gesucht und auch immer wieder überfallen wurde, konnte es gut sein, dass sie ihre Maßnahmen inzwischen verschärft hatten. Langsam, mit diesesmal deutlich unsicheren Schritten, näherte er sich der schwarzen Leiche. Dabei vergaß und ignorierte er den anderen Banditen vollkommen, ging an ihm vorbei. Als er näher kam, offenbarte sich eine dunkle Maske an der Person, die ihr Gesicht verdeckte. Sie war schwarz, mit einem seltsamen, eingeschnitzen Gesicht. Fast sah es aus, als würde sie ihn angrinsen. Za´Tesh war sich nicht ganz sicher. Erneut legte der Khajiit den Kopf schief, studierte eingängig die Gesichtsvermummung des am Boden liegenden Wesens. Die Assassinen, die ihn bisher angegriffen hatten, hatten vollkommen anders ausgesehen. Zwar trugen sie häufig Kapuzen und verdeckte die untere Hälfte ihres Gesichtes, aber man konnte ihre Augen dennoch sehen. Auch trugen sie enge, rotschwarze Kampfanzüge. Und zumeist eine Botschaft des Auftrages bei sich. Diese Gestalt war anders gekleidet. Aber wer sagte, dass sie nicht dennoch zur dunklen Bruderschaft gehören konnte? Wenn, dann würde diese Person einen geschriebenen Auftrag bei sich tragen. Za´Tesh sah immer noch auf die Person herab. Dann beugte er sich langsam vor. Eine behandschuhte Hand streckte sich nach der Leiche aus. Er würde sie durchsuchen und herausfinden, ob sie etwas bei sich trug. Dabei durchfuhr ihn ein unsicheres, seltsames Gefühl. Ein Krampfen in der Magengegend, ein Schmerz im Brustmuskel. Als würde der Tod höchstpersönlich vor ihm liegen. Seine feine Nase regte sich. Dieses Wesen roch anders...nach Mohr, nach Wasser, abgestandenen Wasser. Und sie roch nach frischem Leben. Ja, genau, nach fließenden Blut, nach Sauerstoff, nach einem intakten Organismus. Za´Tesh war sich fast sicher und in diesem Moment hielt er in seiner Bewegung inne. Dieses Wesen roch...lebendig?
Er hatte kaum Zeit zu reagieren, als eine Klaue seinen ausgetreckten Arm packte. Eine dunkle, geschuppte Klaue, mit scharfen Krallen, die unter den langen Ärmel des Umhangs hervor kam, er er sich durch die ruckartige Bewegung zur Seite schob. Er wurde mit einer kräftigen Bewegung zur Seite geschleudert, rollte über den Boden, bis er auf dem Rücken zum Stehen kam. Za´Teshs Körper krampfte sich vor Erschrockenheit zusammen und dennoch konnte er es nicht richtig realisieren. Im nächsten Moment schrie er ohnehin schon kurz auf, als ein polsierender, stechender Schmerz sein Handgelenk durchstach. Blut schoss aus seinem Arm, er glaubte, eine lange, tiefe Wunde daran zu erkennen, die seinem roten Lebenssaft freien Lauf ließ. Schwungvoll richtete er sich dennoch auf, in eine gehockte Haltung. Die Gestalt mit den dunklen Klauen stand einige Meter von ihm entfernt, ihn anblickend. Die Pfeilspitze, die er auf sie geschossen hatte, befand sich nicht mehr im Brustkorb. Stattdessen hielt das Wesen sie in der Hand. Sie warf  den Pfeil, den Za´Tesh spontan auf sie abgeschossen hatte, einfach weg, ins Gras. Kein Blut war an der Stelle zu sehen, an welcher der Pfeil zuvor gesteckt hat. Die Klauen der Gestalt fuhren an den eigenen Körper entlang, zur einer Halterung, aus welchem es zwei scharfe, dünne Schwerter zog. Der maskierte Kopf lag schief, als es Za´Teshs Blick aufnahm. Das weiße Grinsen auf der Maske stach ihm spöttisch entgegen. Das ließ die Wut in ihm aufsteigen, wenn auch immernoch tiefe Verwirrung in dem Kahjiit vorherrschte. Er versuchte sich, aus der gehockten Haltung völlig aufzurichten, doch es gelang ihm nicht. Schmerz durchzog nun auch seine Beine, dieser Schmerz verhinderte, dass er aufstehen konnte. Er war wie gelähmt. Wie konnte das sein? Als er aufsah, stürzte die Gestalt aber schon auf ihn zu. Er sah zwei lange Schwerter, die auf ihn zielten und schon bald stieß das humanoide Wesen ihn um, zurück mit den Rücken auf den Boden. Za´Tesh fauchte instinktiv und zog den Kopf zur Seite, sodass das Schwert ihn verfehlte. Die Gestalt war über ihn, er erkannte die Maske, die auf ihn herab sah, als er sie mit einer seiner Krallen ergriff. Auch aus der anderen Hand fuhr er seine Krallen und verpasste der Gestalt einen Schlag von der Seite. Ihm war zu schwindelig, um an seinen Streitkolben zu denken. Sein Denken schien blockiert zu sein, sowie seine Beine, sodass er zu seinen Instinkten zurückkehrte. Er schlug fauchend zu, wie ein junger Kater, der von einem Unerfahrenden ins Wasser getunkt wurde. Dabei riss er die Maske herunter, welche sich von dem Gesicht der Gestalt löste. Endlich kehrte etwas Gefühl in sein rechtes Bein zurück und er nutzte dieses direkt dafür, um seinen Gegner mit dem Knie von sich zu stoßen. Ächzend zog er sich unter der Gestalt hinweg, welche erschrocken zu sein schien. Er erkannte unter der tiefen Kapuze nun eine schwarze Schnauze und spitze Zähne. Eine geschuppte, schwarze Schnauze und eine zischende Zunge, die zwischendurch immer wieder vorn aus einer kleinen Mundöffnung heraus schnellte. Langsam fügte sich das Bild in der Kombination mit den Klauen unter den langen Ärmeln. Es war ein Argonier. Auch ergab seine Lähmung und der Schwindel nun einen Sinn. Dieser Mistkerl hatte ihn vergiftet. Za´Tesh fand nun seinen Mut wieder, wo er zumindest mit der Abstammung dieser Kreatur vertraut war und richtete sich auf beiden Beinen auf. Er zog seinen Streitkolben, verpasste der Kreatur aber nur einen Schlag mit der dumpfen Unterseite. Die Echse hatte sich in zwischen herumgedreht, reagierte dieses mal aber nicht schnell genug. Stöhnend fiel ihr Kopf nach dem ersten Schlag zurück.
„Für wen arbeitet Ihr?“, obwohl Za´Tesh sich inzwischen sicher war, dass er nur zur dunklen Bruderschaft gehören konnte, sprach er diese Frage dennoch aus. Meist fragte er diejenigen, die ihn angriffen, allerdings nie nach deren Absicht. Er tötete sie und durchsuchte sie dann nach Informationen. Nun aber schlug er ein weiteres Mal zu, als der Argonier sich wieder aufrichten wollte. Ihm gelang es allerdings, mit einem der Schwerter nach ihm zu schnappen und ihn einen weiteren Schnitt am Arm zu zusetzen. Za´Tesh wich ein Stück zurück, einen kurzen Blick auf seine Wunde werfend. Der Argonier richtete den Oberkörper auf, nun fiel auch seine viel zu große Kapuze herunter und kurze, gerade Hörner kamen zum Vorschein, die aus seinem Kopf wuchsen. Gelbe Augen blickten zwischen den schwarzen Schuppen hervor. Er blieb in seiner Haltung sitzen, ganz ruhig, denn Za´Tesh hatte einen Pfeil auf ihn gerichtet. Sein Arm brannte fürchterlich und seine Beine zitterten immer noch. An die neun, hoffentlich würde ihn das Gift nicht umbringen. Das Adrenalin könnte eine Antwort darauf sein, warum es ihn noch nicht getötet hatte. Sein Herz schlug schneller, als es in solchen Situationen sonst tat.
„Schießt ruhig auf mich“, der Argonier hatte eine zischende Aussprache, eine jedoch ungewöhnlich helle Stimme, wenn sie auch als männlich identifizierbar war, „Doch Ihr seit anscheinend nicht schlau aus dem letzten Versuch geworden.“
Za´Tesh verharrte für eine Weile ruhig. Er starrte den Argonier an,  der still zurückstarrte. Wollte er ihm nur Angst machen? Vielleicht hatte er nur unglücklich geschossen, da es so spontan geschehen war. Oder dieser Argonier hatte Zauberkräfte, von denen der Khajiit noch nie gehört hatte. Beide starrten weiterhin einander an.
„Für wen arbeitet Ihr?“, stellte Za´Tesh seine Frage schließlich erneut. Er war gut, für eine einfache Assassine. War das das Ergebnis der Maßnahmenverschärfung?
„Was glaubt Ihr?“, fragte der Argonier zurück. Er verharrte weiterhin still.
„Dunkle Bruderschaft“, stieß Za´Tesh schließlich zischend aus.
Sein Gegenüber legte den Kopf schief und lächelte leicht.
„Bingo.“
Schweiß lief dem Khajiit den Rücken herunter. Also war es wahr. Die dunkle Bruderschaft hatte härtere Geschütze ausgefahren. Würde er nun stätig von Pfeilimmunen, giftigen Assassinen verfolgt werden? Oder gar mehreren? Sie könnten überall sein. Der freundliche Käufer, der ihn auflauert, sobald er sich zum Weitergehen zu wendet. Der Auftragsgeber. Wenn es sich soweit herumgesprochen hat, wurde er vielleicht lieber seinen Kopf sehen. Jeder könnte ihn jagen.
„Ihr seht nervös aus“, merkte der Argonier an und holte ihn zurück in die Realität. Er scheint sich schon längst wieder gut zu fühlen. Wie machte der Kerl das?
„Warum jagdt ihr mich?“, es war eine dumme Frage, dennoch stellte Za´Tesh sie. Es fiel ihm schwerer, sich zu konzentrieren.
„Maven ist sehr wütend“, das „s“ gleitete scharf über die echsenartige Zunge, „Ihr seid ein gesuchter Mann. Gesucht von der unternirnischen Justiz.“
Ja. Die geheime Gerechtigkeit. Nein, keine Gerechtigkeit. Nur ein Pack Meuchelmörder, die für Gold Aufträge erledigen. Und weil sie gut waren, bekamen sie auch Aufträge von höheren Personen. Dabei beteten sie eine Gottheit an, dessen Existenz schon lang angezweifelt wird. Sie waren nicht ehrenhafter als er. Nein, sie töteten auch Unschuldige, wenn sie Geschäften im Weg standen. Es traf ihn nicht, weil seine Hände dreckig waren. Es traf diejenigen, die unglücklicherweise in die Schusslinie der Mächtigen oder der Verrückten mit genügend Gold gerrieten. Manche hatten sich das vielleicht verdient, aber was spielte das am Ende für eine Rolle? Tot war tot. Er selbst verschrieb sich lieber dem Skooma-Gott.
„Ich biete Gold“, sprach Za´Tesh schließlich aus, doch es regte sich nichts im argonischem Gesicht.
„Viel Gold. Wenn ihr mich nicht tötet.“
„Und dann?“, der Argonier legte den Kopf schief, „Dann kommen andere Assassinen. Welche Rolle spielt das?“
Damit hatte er recht. Doch Za´Tesh wusste auch, dass er ihn schon längst hätte töten können, wenn er gewollt hätte. Warum spielte er noch mit ihm?
„Nicht, wenn ihr mir helft“, fuhr Za´Tesh fort, doch er wurde von einem Lachen unterbrochen.
„Helfen? Ihr seid nicht in der Lage, etwas von mir zu verlangen. Mein Leben steht gerade unter keiner Bedrohnung. Mit Gold könnt ihr mich auch nicht locken.“
Seine Überheblichkeit erinnerte Za´Tesh an sich selbst und ihn nervten die vertauschten Rollen.
„Mit was könnte ich euch dann locken?“, tatsächlich schien der Argonier aber nach dieser Frage zu überlegen. Doch er schwieg.
„Er hättet mich schon längst töten können“, fügte Za´Tesh hinzu und ein Lächeln entstand über den Mund der Echse.
„Wohl war. Nun gut. Es gibt etwas, was Ihr für mich tun könnt. Das ich Euch nicht im Nachhinein töte, möchte ich nicht garantieren, doch ich gebe Euch einen Vorsprung. Ihr kennt Euch in Rifton aus?“
Za´Tesh ließ tatsächlich seinen Bogen langsam sinken. Etwas, was er sonst sicherlich niemals tun würde. Ja, er kannte Rifton. Natürlich, er hatte goldene Zeiten darin verbracht. Und er hasste es. Es war zu einem Fluch geworden.
„Ja. Ja, ich war bei der Diebesgilde, bevor sie mich verbannten. Das wisst Ihr sicherlich selbst. Ich kann dorthin nicht zurück.“
„Ihr müsst, denn ich brauche Hilfe, die ich von meiner Bruderschaft nicht bekommen werde“, der Argonier stand auf, doch Za´Tesh ging nicht in Arlambereitschaft. Das Gift schien immer noch zu wirken und nun merkte er, wie träge er wurde. Sein Denken war blockiert. Er starrte in die Welt hinaus, vielleicht Richtung Rifton und dachte an die Geschehnisse von damals. Er war wie gefangen in diesem Gedankenkreis für einige Minuten.
„Es gibt da... eine nette Dame die ich beeindrucken muss“, sprach der Argonier nun nüchtern weiter, „Doch ich habe Konkurrenz, die mich sehr...stört.“
„Ihr seid Meuchelmörder“, merkte Za´Tesh an, „Ihr könntet jeden aus dem Weg schaffen, der euch stört.“
Doch die schwarze Echse schüttelte den Kopf. Seine beiden Schwerter hatte er bereits weggesteckt.
„Ich bin nicht wie Ihr. Ich bin an...Regeln gebunden. Ich kann nicht in Eigenregie handeln. Dann riskiere ich meine Lebensunterlage. Euer Regelnbrechen hat Euch in diese Lage gebracht oder etwa nicht?“
Das stimmte wohl. Dennoch konnte Za´Tesh das nicht ganz verstehen. Der Argonier schien das zu bemerken.
„Ihr könnt das nicht verstehen. Dennoch. Ich brauche Hilfe um die Sache schnell und unauffällig über die Bühne zu bringen.“
Nun gut, welche Wahl hatte er? Das alles erschien ihm immer noch seltsam und bizarr. Doch Auftrag war Auftrag oder nicht?
„Erzählt mir von Eurem Plan“, Za´Tesh steckte seinen Bogen weg und kam etwas näher. „Dann helfe ich Euch. Bedenkt, dass ich nicht in die Nähe der Stadt kann.“
„Ich weiß“, zischte der Argonier und kam ebenso näher. Plötzlich stand er vor ihm und legte seine Klauen auf Za´Teshs Brust. Dieser wollte zurück weichen, verwirrt über diese Geste, darüber nachdenkend, ob das unter Argoniern vielleicht sogar kulturellgesehen normal war, als er sich plötzlich besser fühlte. Ein Heilungszauber. So hatte er das also gemacht. Dennoch hatte er noch nie einen so guten und unauffälligen Heiler gesehen. Wer war dieser Typ? War er wirklich von der dunklen Bruderschaft? Lockte er ihn in einem Hinterhalt? Ihm blieb keine Wahl, als es heraus zu finden. Er würde sich seinen Plan anhören und ihm nach Rifton folgen. Vielleicht würde ihm eine Lücke und eine Möglichkeit zur Flucht einfallen...
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