Rhodans Tochter - Geschichte einer Halbarkonidin

von Senex
GeschichteSci-Fi / P16
Crest da Zoltral Homer G. Adams OC (Own Character) Perry Rhodan Reginald Bull Thora da Zoltral
15.04.2020
16.10.2020
30
250.233
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15.04.2020 2.039
 
Galakto City,  Terra

Juli 2078

„Mister Rhodan, der Leiter des Ausrüstungsbeschaffungsamtes der Raumflotte ist hier!“ Der grauäugige, hagere Mann hinter dem Schreibtisch unterbrach sein Gespräch mit einem untersetzten Hünen mit roten Haarstoppeln. „Soll hereinkommen. Es muss wirklich wichtig sein, wenn Colonel Garsten eine Unterredung wünscht.“ Der rothaarige nickte. „Der Mann geht doch gerade mal zum Pinkeln aus seinem Büro!“ Obwohl es ihm ein Lächeln auf die Lippen zwang, schüttelte Perry Rhodan tadelnd den Kopf. „Bully, bitte! Sei ein wenig netter mit Leuten, die wir dringend brauchen. Homer?“ Homer G. Adams, der Chef der GGC zuckte mit den Schultern. „Auch ich weiß nicht mehr, als dass es um einen neuen Raumanzug gehen soll.“

Ein schwerer Mann in der Uniform eines Colonels trat in Begleitung eines Ferronen in elegantem Geschäftsanzuges ein und salutierte. „Sir! Colonel Garsten, dieser Mann ist Herr Markhlo. Er ist im Auftrag der Starlight Gesellschaft hier!“ Rhodan nickte und streckte seine Rechte aus. „Willkommen. Wie geht es Ihnen?“ „Danke, Mister Rhodan“ der Ferrone ergriff die Hand. „Darf ich mich nach Ihrem Wohlbefinden erkundigen?“ „Danke! Das sind Mister Reginald Bull, Mister Homer G. Adams und Mister John Marshall.“ Der Mann nickte in die Runde. „Ich bin sehr erfreut,  sie kennen zu lernen, meine Herren. Darf ich gleich zum Grund meines Besuches kommen?“ „Aber gerne. Bitte, nehmen Sie Platz.“ Markhlo machte von diesem Angebot dankend Gebrauch. „Meine Firma hat sich erlaubt,  Ihrem Beschaffungsamt das Muster eines neuen Raumanzuges zu übersenden, eines habe ich heute zur Begutachtung mitgebracht. Inklusive sanitärer Einrichtungen, Mimikryanlage Lebenserhaltende Systeme und Schutzschirm. Das Beschaffungsamt hat den Anzug getestet, die Berichte dürften bald Vorliegen.“

„Sir!“ Colonel Garsten übergab eine Mappe mit Ausdrucken, die Rhodan rasch überflog. Seine Brauen hoben sich überrascht. „Ich habe mir erlaubt, für Mister Adams das Geschäftliche zusammen zu stellen. Hier, hier, hier und – hier.“ Adams begann ebenfalls,  die Aufstellungen zu überfliegen. Auch er blickte zufrieden. Rhodan nahm das Gespräch wieder auf. „Mrs. Starlight..“ „MISS Starlight, Sir!“ „So? Also gut. Miss Starlight wird sicher gerne kommen, um die Verträge unterschreiben?“ „Es war so geplant,  Sir. Wenn Sie einverstanden sind, wird Miss Starlight in fünf Wochen in ihrem Büro im Starlight-Building in Galakto City auf Sie warten.“ „Ich zöge das GCC – Gebäude vor.“ Rhodans Miene war ausdruckslos. Der Ferrone zeigte ein verbindliches Lächeln. „Ich bedauere, Sir, ich muss auf das Starlight-Building bestehen.“ Marshall beugte sich zu Rhodan. „Ich verstehe.  Also gut. Starlight-Building.“

Das Starlight-Building war eines der modernsten Gebäude in Galacto-City. Eine Pyramide,  auf halber Höhe durch ein trichterförmiges Gebilde durchschnitten. So wie dieses sahen alle Niederlassungen der Starlight Gesellschaft aus, wo immer sie sich befanden. Noch relativ jung, hatte sie doch schnell von sich reden gemacht. Sie handelte nur mit erlesenen und exquisiten Kostbarkeiten – oder absolutem Hightech. Von der Luxusraumyacht bis zu einem garantiert nur einmal existierenden Ballkleid, teuerste Edelsteine und Schmuck. Man benötigte Geld, viel Geld, doch es war beinahe alles zu haben. Was allerdings nur wenige wussten – die Gesellschaft machte zwei Ausnahmen. Menschen- und Drogenhandel waren Tabu. Nur das SBI, die SolAb und die höchsten Spitzen der Administration wussten, wie viele aufgeklärte Fälle durch Informationen aus dem Starlight Building gelöst werden konnten.



„Meine Herren, Miss Starlight.“ meldete ein Mann mit eng anliegenden Shorts und einer Fliege um den Hals. Eine großgewachsene Frau drehte sich von der Fensterfront mit grandiosem Ausblick auf den Goshun-See ihren Besuchern zu. Kurzes,  blauschwarzes Haar, exakt auf die Kinnlinie gekürzt, umrahmte ein ausdrucksvolles Gesicht, die riesigen Augen geschminkt wie die einer ägyptischen Göttin. Das Kleid aus weichem, halb durchsichtigem, karmesinrotem  Koischen Stoff, das sie trug, enthüllte den kleinen, aber perfekt geformten Busen mehr, als er in verbarg. Keine Linie, keine Falte unterbrach die fließenden Bahnen, die bis zum Knöchel reichten, betonten die schlanke Taille, den eleganten Schwung der Hüfte. Hochhakige goldene Sandalen streckten die ohnehin endlosen Beine noch mehr.

„Meine Herren?“ dunkler, rauchiger Alt, halb gehaucht erreichte die Terraner, ein Kribbeln wie von einem Ameisenstamm kroch die Wirbelsäule nach unten. „Was darf ich Ihnen anbieten? Mister Rhodan,  ich hätte einen hervorragenden Green Bush aus Irland, es sei denn, sie ziehen den billigen amerikanischen Whisky vor. Mister Marshall, ein Glas Milch, für Mister Adams Cognac und Mister Bull? Sekt und eine vollbusige schöne Frau?“ Bull wurde rot vor Verlegenheit, Rhodan vor Wut. „Miss Starlight, wir sind nicht hier…“ „Richtig, Mister Rhodan. Sie sind hier, weil sie etwas von  mir wollen, oder?“ Ihre Zunge leckte über ihre ohnedies feucht schimmernden, sinnlich lächelnden Lippen. Selbst dem stets beherrschten Perry Rhodan wurde es heiß. „Einen Raumanzug, wenn ich mich recht entsinne!“ unterbrach Miss Starlight den Zauber. „Wenn Sie wollen, können wir gleich zum Geschäft kommen! Setzen wir uns doch.“ Sie wies auf einige Clubsessel an einem niedrigen Tisch, nahm selbst auf einem Sofa Platz.

Perry Rhodan blickte zu John Marshall,  der kaum merkbar den Kopf schüttelte. Wie die spöttisch hochgezogene Augenbraue und das süffisante Lächeln bewiesen, waren der Miss weder Blick noch Kopfschütteln oder gar die Bedeutung entgangen. „Bemühen Sie sich nicht, Mister Marshall. Auch sie werden bei mir nicht eindringen.“ Kurze Pause, laszives Lächeln. „Ich meine nur im meine Gedanken.“ John Marschall rang kurz um Luft, Reginald Bull versuchte einen Entlastungsangriff. „Starlight ist doch nicht Ihr echter Name! Wie sollen wir Sie wirklich nennen?“ Miss Starlight lehnte sich zurück, legte ihre nicht enden wollenden Beine auf den Tisch und griff nach dem dezenten Anhänger, der zwischen ihren Brüsten hing, lenkte damit den Blick der Männer wieder auf dieselben. Allmählich wurde es den Herren mulmig, sie reagierten sichtbar. „MISS Starlight, Mister Bull. Aber weil Sie so nett fragen, dürfen Sie mich“ - leise gehaucht – „Missy nennen!“ Bullys Gesicht wurde noch röter, näherte sich dem Ton seiner Haarstoppeln.

„Also!“ eiskalt der Tonfall in Starlights Stimme, der Zauber war wieder aufgehoben. „Ich nehme an, das Muster des Anzuges, den mein Bote überbrachte, wurde erprobt. Sie werden zwei Dinge festgestellt haben. Zum Ersten: dieses Modell ist etwa doppelt so gut, wie es herkömmliche Anzüge sind. Die Entsorgung sowohl flüssiger als auch fester Fäkalien ist hervorragend, der entsprechende Körperteil wird hygienisch von diesem pseudointelligenten Gewebe gesäubert. Demnach ist dieser Anzug selbstverständlich nackt zu tragen.“ Die Stimme bekam wieder diesen lasziven Unterton. „Sie müssen sich vorstellen,  Sie gleiten in diese warme, weiche Umhüllung, die sie umschmiegt und umschmeichelt. Oh, meine Herren, soll ich die Klimaanlage kühler schalten?“ Rhodan nickte und nahm schnell einen Schluck von seinem Whiskey. Mildes, flüssiges Gold umschmeichelte seine Geschmacksknospen. Erstaunt blickte er sein Glas an. „Das ist Whisky?“ „Nein, Mister Rhodan, DAS ist einer der besten irischen Whiskeys, die es auf dem Markt gibt.“ „Auf dem Markt?“ Starlight lachte. „Ich kenne eine Brennerei, die noch Besseren macht. Wollen Sie probieren?“ Perry nickte. „Unbedingt! Ich glaube nicht, dass eine Steigerung möglich ist.“ „Die anderen Herren? Sam! Bitte fünf von meinem Privaten.“

„Wie viel kostet eine Flasche?“ brach es aus Adams heraus, der sonst kaum etwas anderes als echten Cognac trank, auch die anderen zeigten sich durchaus angetan. „Mister Adams!“ die Stimme der Miss verlor an Erotik, nicht jedoch an sinnlicher Freude. „Die Starlight Gesellschaft handelt nicht mit dieser Ware. Es wird mir jedoch eine Freude und Ehre sein, jedem der hier anwesenden Herren eine Kiste mit je sechs Flaschen zu übersenden. Betrachten Sie es als kleines Geschenk. Ich möchte die exquisite Qualität dieses Göttergeschenks nicht der Massenproduktion opfern. Fünf Jahre im Eichenfass, fünf in einem Fass, dass vorher zur Reifung von Sherry gedient hatte und fünf Jahre, deren Geheimnis die Brennerei nicht preisgibt. Also, bitte genießen wir andächtig.“ Sie erhob ihr Glas. „Auf die Familie,  wo immer sie sein mag, möge sie Gesund und Zufrieden sein!“ Rhodans Gesicht gefror. Er wurde jählings an Thora erinnert, aber auch an die gemeinsame verschwundene Tochter Susan. Bully rettete die Situation,  neugierig beugte er sich vor. „Wo ist Ihre Familie, und wie geht es ihr, wenn ich fragen darf?“ Miss Starlight verbarg ihr Lächeln hinter ihrem Glas. „Wenn ich richtig informiert bin, ganz in der Nähe, Mister Bull. Und soweit ich gehört habe, sind sie Gesund.“ „Ich nehme an, sie sind stolz auf Sie und Ihre Leistungen?“ „Ach, Mister Bull, das können Kinder immer nur hoffen, so hoffe auch ich!“ Rhodan sah auf. „Nehmen Sie einen guten Rat, Miss Starlight. Besuchen Sie Ihre Eltern. Tun sie sich und ihren Eltern den Gefallen.“ Sehnsucht nach der Tochter schwang in seiner Stimme. „Wenn die richtige Zeit gekommen ist, Mister Rhodan. Wenn die richtige Zeit gekommen ist. Ich darf weitermachen?“  

„Wie der Intimbereich wird auch, durch eine ähnliche Vorrichtung,  der Rest des Körpers sauber gehalten. Eine Verbesserung,  die, wie sie zugeben werden, für die Person, die einen Raumanzug längere Zeit tragen muss, eine Menge wert sein dürfte. Wenn sie die Kapuze aufsetzen, versteift sich der Gesichtsschild. Automatisch schaltet sich die Kommunikationsanlage ebenso wie die Lebenserhaltungssysteme ein. Solange es Gas oder Flüssigkeit in der Umgebung gibt, filtert der Anzug brauchbare Elemente aus der Umwelt und führt sie gereinigt dem Gebrauch zu. Ebenso wird der ausgeatmeten Luft der noch enthaltene Sauerstoff entzogen und wiederverwertet. Das verlängert die Einsatzzeit um ein Vielfaches.  Zum Zweiten werden Sie sicher bemerkt haben, dass sie den Anzug nicht kopieren können. Ich sage ihnen ehrlich, das liegt daran, dass meine Firma als einzige über – nennen wir es Picotronic verfügt. Nun, die Nanotronik der alten Arkoniden wich der Neutronik, diese wiederum wird der Picotronic weichen müssen. Doch im Moment – mein Monopol! Im übrigen besitzen, wie sie auch gesehen haben dürften, die Anschlüsse für Luft und Energie Standardgrößen. Sie können also eigene Luft- und Energievorräte anschließen. Unsere sind besser, aber teurer. So, ich glaube, in Summe ist das Teil mehr als doppelt so viel wert, wie es herkömmliche Anzüge sind.  Der Preis ist mit dem anderthalbfachen also nicht übertrieben.“

Rhodan hielt die Ausdrucke der Testergebnisse hoch. „Exakt.“ „Ach, Mister Rhodan“ das berüchtigte Starlight-Lächeln blitzte auf. „Sie benützen noch Folienausdrucke? Darf ich Ihnen ein FoldPad schenken? Es ist viel bequemer zu tragen!“ Rhodan ignorierte die kleine Stichelei. „Sie liefern jede Menge,  die wir bestellen?“ „Aber selbstverständlich,  was immer Sie wollen – Mister!“ Ihre Stimme spielte mit dem Wort ‚Mister‘ wie mit einem Geliebten, Rhodan lockerte seinen Kragen. „Homer?“ fragend blickte Rhodan zu Adams. Wieder erklang dieses kehlige, rauchige Flüstern. „Ja, Homer. Ich darf Sie doch Homer nennen!“ Homer G. Adams wischte sich den Schweiß vom Kopf. „Mir wäre Mister Adams lieber, Miss Starlight!“ „Wie Sie möchten. ….Mister!….Adams!“ War da ein leicht schmollender Unterton? „Mister Rhodan,  der Preis ist akzeptabel,  ich rate zum Ankauf.“ „Danke, Homer. Sie liefern selbstverständlich nur an uns?“ „Warum sollte ich?“ hart wie Waffenstahl klang jetzt wieder Miss Starlights Stimme.  „Exklusivität hat ihren Preis. Wir können die eine oder andere Funktion natürlich für Sie reservieren.  Sie finden auf diesen Chips in der Schale sämtliche Bedingungen.  Und selbstverständlich auch eine Preisliste. Meine Herren" wieder der laszive Ton. „Ich wünsche mich zurück zu ziehen. Entschuldigen Sie mich, Sam steht Ihnen weiterhin gerne zur Verfügung.“ Sie erhob sich und schritt zur Tür. Unwillkürlich zog das durch den Koischen Stoff umschmeichelte, sanft gerundete Hinterteil die Blicke der Männer auf sich, mit durchaus eindeutigem Ergebnis. „Meine Herren" ein letzter Blick über die Schulter,  der rauchige Tonfall ließ keinen von ihnen kalt. „Sie werden mir Ihre Wünsche und Bestellungen mitteilen!“ Leises sinnliches Lachen begleitete das Schließen der Tür.

Während Rhodan und seine Leute ihre Unterlagen einsammelten, lehnte sich Miss Starlight an die andere Seite der Tür. Alles neckische,  erotische glitt von ihr ab. „Alles in Ordnung, Chefin?“ Tief atmete Miss Starlight aus und zog die schwarze Perücke vom weißblonden Haar. „Alles in Ordnung,  Jean Pierre“, antwortete Victoria Rosheen Marba Katharina dalRhodan. „Ruf bitte unten an, ich möchte in 30 Minuten zum Raumhafen fahren. Nach diesen 30 Minuten verließ eine hübsche Brünette, ganz Dame der besseren Gesellschaft,  gekleidet in ein teures, doch dezentes Kostüm, in der Hand ein kleines Täschchen mit dem Aufdruck der Starlight – Parfümerie das Gebäude. Keine Erkennungssoftware und schon gar kein Mensch hätte in dieser Dame Miss Starlight oder Victoria dalRhodan erkannt. Einige Zeit später erbat und erhielt ein unauffälliges Raumschiff im Durchmesser von nicht ganz 200 Metern Startfreigabe. Der fehlende Transitationsschock ging in der Menge des gleichzeitigen Verkehrs unter…